Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
online

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.08.2017

Wie geht es nach dem Tod Wills mit Lou weiter? Wohlfühlroman mit traurigen, aber auch vielen amüsanten Szenen

Ein ganz neues Leben
0

Lou und Will waren nur sechs Monate - "ein ganzes halbes Jahr" - zusammen, bis Will seinem Leben als Tetraplegiker ein Ende setzte.
Knapp zwei Jahr später lebt Louisa allein in einem Apartment in London, ...

Lou und Will waren nur sechs Monate - "ein ganzes halbes Jahr" - zusammen, bis Will seinem Leben als Tetraplegiker ein Ende setzte.
Knapp zwei Jahr später lebt Louisa allein in einem Apartment in London, das sie sich von Wills Erbe gekauft hat und arbeitet als Kellnerin in einem Irish Pub am Flughafen, in dem ein kontrollsüchtiger Chef sie nervt und in welchem sie ein lächerliches Lurex-Kostüm tragen muss.

Nachdem sie bei einem Unfall von der Dachterrasse ihres Wohnhauses gefallen ist und das Krankenhaus und ihre Familie denken, dass sie sich wegen der Trauer um Will das Leben nehmen wollte, geht sie fortan regelmäßig zu einer Selbsthilfegruppe von Trauernden, der "Weiterleben-Gruppe", und lernt auf diesem Weg einen neuen Mann in ihrem Leben kennen. Es ist der Rettungssanitäter Sam, der sie nach ihrem Sturz, den sie nur mit viel Glück überlebt hatte, versorgt hatte.

Das Mädchen, das sie an dem Abend auf der Dachterrasse erschreckt hatte, stellt sich als Wills Tochter heraus, die unvermittelt in Lous Leben tritt, um mehr von ihrem Vater, der nichts von ihrer Existenz wusste, zu erfahren und den anderen Teil ihrer Familie kennenzulernen. Lily ist Will nicht unähnlich und ein sehr schwieriger, trotziger Teenager, der sich ungeliebt von der Mutter und dem Stiefvater in Lous Leben breit macht.

Lous Leben ist fast zwei Jahre nach dem Tod von Will immer noch gezeichnet von ihrer Trauer und einem latent schlechten Gewissen, dass sie ihm nicht helfen konnte. Sie vermisst seine Zuneigung, ihn als Ratgeber und es hat den Anschein, als würde sie es sich selbst nicht gönnen, ein neues Leben zu beginnen und wieder glücklich zu sein. Aus diesem Grund fühlt sie sich verantwortlich für Lily, kümmert sich auch noch um sie, als diese ihre Gutmütigkeit ausnutzt und ihre Familie Unverständnis dafür zeigt. Selbst ein Jobangebot in New York schlägt sie ihretwegen aus.
Sam hält sie unbewusst auf Abstand, womit er nicht umgehen kann und ihr vorwirft, einen Geist zu lieben. Sie scheut sich davor, wieder an jemanden ihr Herz zu vergeben und hat Angst, dass sie auch eine neue Liebe plötzlich verlieren könnte und dann kommt es tatsächlich zu einem Unglück, dass ihre schlimmsten Befürchtungen wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wahr werden lässt...

Nachdem Jojo Moyes eigentlich nie eine Fortsetzung von "Ein ganzes halbes Jahr" schreiben wollte, hat sie mit "Ein ganz neues Leben" die Geschichte von Lou doch fortgeschrieben, auch wenn die Messlatte durch ihren Bestseller so hochgesetzt war, dass sie mit einem zweiten Teil nur verlieren konnte.

Für mich ist "Ein ganz neues Leben" aber ein eigener Roman, der sich jedoch kaum lesen lässt, ohne den ersten Band zu kennen. Zu viele Details wie der Charakter von Will oder die Hummelstrumpfhose würden für das Verständnis einfach fehlen. Man kann beide Romane aber nicht miteinander vergleichen, da es schon allein von der Dramatik zwei völlig verschiedene Geschichten sind, weshalb Band 2 nie so herzergreifend tragisch werden konnte wie der Vorgänger.

Wer den Schreibstil von Jojo Moyes mag, wird ihn auch in diesem Roman unweigerlich nach den ersten wiedererkennen und Seite um Seite weiterlesen müssen. Auch wenn "Ein ganzes halbes Jahr" für mich ein in sich geschlossener Roman war, fand ich es interessant zu lesen, wie es mit Lou weitergeht. Gezeichnet von der Trauer herrscht stets eine melancholische Stimmung und man kann nachvollziehen, wie verloren und einsam sich Lou trotz ihrer sehr lebhaften und eigenwillig-herzlichen Familie fühlt. Sie möchte kein Risiko mehr eingehen, geht mit Scheuklappen durchs Leben und wird erst durch die Begegnung mit Lily wieder wachgerüttelt und findet durch die zurückhaltende Zuneigung von Sam wieder zurück ins Leben.

"Ein ganz neues Leben" ist ein Wohlfühlroman mit traurigen, aber auch vielen amüsanten Szenen im chaotischen Leben von Lou. Man begegnet ihrer Familie wieder, Schwester Treena, die zu früh Mutter geworden ist, dem etwas altmodischen Vater und Mutter Josie, die sich zu einer bekennenden Feministen entwickelt hat. Eine Nebenrolle haben auch die Eltern Wills, Camilla und Steven Traynor, die beide ganz unterschiedlich mit ihrer Trauer um den Sohn umgegangen sind und inzwischen getrennte Leben führen.

Im Verlauf der Wochen, die sich nach Lous Unfall ereignen, lernt sie, wie wichtig und normal es auch ist, Trauer zuzulassen, dass man aber auch über den Verlust eines Menschen hinwegkommen kann, indem man ihn loslässt, ohne ihn zu vergessen. Jeder Mensch hat das Recht - und auch die Pflicht - weiterzuleben und glücklich zu sein, ohne dies als Verrat an dem geliebten Toten empfinden zu müssen. All das ist aber nur möglich, in dem man den Mut hat, offen für Neues und das Ungewisse zu sein und Vertrauen in den Rückhalt von Familie und Freunden haben kann.

Ich habe mich gefreut, als ich gelesen habe, dass am 23. Januar 2018 sogar Lou, Band 3 unter dem Titel "Mein Herz in zwei Welten" erscheint, den ich auch wieder verschlingen werde.

Veröffentlicht am 02.08.2017

Emotionales Liebesdrama mit historischem Bezug und einer starken Protagonistin

Auf der Suche nach Dir
0

Suzanne Godard wächst bei ihrer Tante Madeleine und ihrem wortkargen Vater in der Provence auf, nachdem ihre Mutter Louise bei ihrer Geburt im Jahr 1890 gestorben ist. Nachdem sie ihre Tante in ein Fotoatelier ...

Suzanne Godard wächst bei ihrer Tante Madeleine und ihrem wortkargen Vater in der Provence auf, nachdem ihre Mutter Louise bei ihrer Geburt im Jahr 1890 gestorben ist. Nachdem sie ihre Tante in ein Fotoatelier nach Seillans begleitet hat, in dem diese sich jedes Jahr fotografieren lässt, wird Suzanne neugierig auf die Fotografie und erhält die Möglichkeit, nach ihrem Schulabschluss dort eine Ausbildung zur Fotografin zu beginnen. Nach Ansicht ihrer Tange schickt sich eine Berufsausbildung nicht für eine Frau, aber ihr Vater stimmt ihrer Bitte zu, um ihren drängenden Fragen in Bezug auf ihre Mutter auszuweichen.

Suzanne entwickelt eine wahre Leidenschaft für die Fotografie und übernimmt die Geschäftsführung des Fotoateliers des alternden Monsieur Felix. Dabei lernt sie den Journalist Robert kennen, der sie bei den Recherchen für seine Artikel als Fotografin mitnimmt. Aus der zunächst rein beruflichen Verbindung wird durch die gemeinsamen Aufenthalte an romantischen Schauplätzen bald mehr. Suzanne und Robert verlieben sich ineinander. Bevor die beiden heiraten können, soll Robert als Reporter für die "Dépêche" von der Jungfernfahrt der RMS Titanic von Southampton nach New York berichten. Lange ist sein Schicksal unklar und Suzanne weiß nicht, ob sie Robert jemals wiedersehen wird. Nachdem auch noch ihr Vater verstorben ist, gibt sie die Fotografie auf und begibt sich zu ihrer einzigen Freundin Camille nach Paris. Obwohl sie Roberts Gegenwart auch in Paris noch spürt und ihr Gefühl ihr sagt, dass Robert noch am Leben sein muss, entschließt sie sich, den treuherzige Mathieu zu heiraten, von dem sie schwanger ist.
Erst Jahre später wird sie Robert, der das Schiffsunglück überlebt hat wiedersehen und vor der Entscheidung stehen, ob sie ihre große Liebe für ihre Familie aufgibt...

"Auf der Suche nach dir" schildert sehr anschaulich das Leben Anfang des 20. Jahrhunderts in Südfrankreich und in Paris. Man kann sich die Dekadenz von Cannes bildhaft vorstellen und schon fast die salzige Luft des Mittelmeeres riechen.
Interessant ist, dass Suzanne nicht die übliche Frauenrolle der damaligen Zeit als Hausfrau und Mutter zuteil wird, sondern dass sie als berufstätige, unabhängige Frau mit beiden Beinen im Leben steht. Zudem spürt man die enge emotionale Verbundenheit zwischen ihr und Robert und umso tragischer ist es, dass er an Bord der Titanic geht, weil klar ist, wie diese Überfahrt ausgehen wird. Auch wenn Robert das Glück hat, zu überleben, wird das Paar sich erst dann wiedersehen, wenn beide verheiratet sind und eigene Familien gegründet haben.

Der Roman ist ein emotionales Auf und Ab. Nachdem Suzanne ohne Mutter, um die sowohl Tante als auch der Vater ein großes Geheimnis machen, eine lieblose Kindheit hatte, findet sie einen Beruf, in dem sie erfolgreich ist und der ihr Freude bereitet. Gleichzeitig trifft sie mit Robert ihre große Liebe. Dann geschieht das Unglück und es folgen Jahre, in denen die französische Bevölkerung unter den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs zu leiden hat.
Suzanne findet mit Mathieu einen Mann, der sie aufrichtig liebt und mit dem sie glücklich ist, auch wenn er ihre große Liebe nie ersetzen konnte.

"Auf der Suche nach dir" ist ein emotionales Liebesdrama mit historischem Bezug und einer starken Protagonistin, der flüssig zu lesen ist und durch das Geheimnis um ihre Mutter und die persönlichen Folgen des Schiffsunglücks für Suzanne und die eingängigen Schilderungen eines Lebens zur damaligen für Spannung und beste Unterhaltung der ungefähr 25 Jahre, in denen man Suzanne als Leser begleitet, sorgt.

Veröffentlicht am 31.07.2017

Ein absurder Roman mit exzentrischen Charakteren, der für Kopfschütteln und Lachanfälle sorgt

Geborene Freaks
0

Durch einen Ablesefehler von Frenk in Freak umbenannt, war die Familie Freak seit der Einwanderung von England nach Kanada von jeher anders als die Durchschnittsfamilie. Kurz vor ihrem Tod eröffnet Großmutter ...

Durch einen Ablesefehler von Frenk in Freak umbenannt, war die Familie Freak seit der Einwanderung von England nach Kanada von jeher anders als die Durchschnittsfamilie. Kurz vor ihrem Tod eröffnet Großmutter Annie Freak ihrer jüngsten Enkelin Angie, dass sie Angie und ihre vier Geschwister zur Geburt jeweils mit einer gut gemeinten Eigenschaft ausgestattet hat, die sich als "Flegen" (Fluch + Segen) herausgestellt hat. Oma Freak möchte dies rückgängig machen und bittet deshalb Angie, bis zu ihrem Tod in knapp zwei Wochen die Geschwister bei ihr am Krankenbett zu versammeln. Die hochschwangere Angie ist skeptisch, wird von ihrer Großmutter aber derart unter Druck gesetzt, dass sie dieser glaubt. Knapp einem Flugzeugabsturz entkommen, macht sie sich auf den Weg, ihre Geschwister einzusammeln, die in Kanada bzw. dem fiktiven Königreich Uplifta verstreut leben und zu denen sie zum Teil seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte.

Angies Fluch ist, dass sie jedem verzeihen muss, was sich vor allem negativ auf ihr Liebesleben auswirkt. Männer nehmen sie nicht wirklich ernst und betrügen sie, das sie ihnen ohnehin vergeben wird. Schwester Lucy hat einen ausgeprägten Orientierungssinn, Abba verliert nie die Hoffnung, Richard wittert jegliche Gefahr für sch und Kent ist eine Kämpfernatur - alles Eigenschaften, die eigentlich positiv sind und hilfreich sein sollten, das Leben der Geschwister bislang allerdings stark beeinträchtigt und negativ beeinflusst haben.
Lucy hat Angst sich zu verlieren und stürzt sich von einem Sexabenteuer ins nächstem um sie emotional nicht binden zu müssen, Abba lebt als Königin von Uplifta in ihrem rosa Schloss in einer eigenen Traumwelt, Richard scheut jedes Risiko und kann deshalb keine Beziehungen aufbauen und Kent neigt zu gewalttätigen Ausbrüchen.

Der Roman ist ein Roadtrip, auf dem der Leser die Familienmitglieder der Freaks mit all ihren unterschiedlichen Spleens kennenlernt. Dabei erfährt man in Rückblenden einiges über die Kindheit der fünf Geschwister und ihre Eltern. Während Mutter Nicola nach dem Tod ihres Ehemanns jeglichen Bezug zur Realität verloren zu haben scheint und in einem Pflegeheim die Vorstellung lebt, Friseurin zu sein, wurde die Leiche von Papa Freak nach einem Unfall mit seinem geliebten Maserati nie gefunden.
Die Geschwister waren seit diesem tragischen Ereignis auf sich allein gestellt und umso schöner ist es zu lesen, dass sich die fünf durch die gemeinsame Reise zur Oma wieder annähern.

"Geborene Freaks" ist so liebenswürdig absurd geschrieben, dass man als Leser zwischen Kopfschütteln und Lachanfällen schwankt und unweigerlich weiterlesen muss. Es ist nicht nur eine Abfolge skurriler Situationen aufgrund der exzentrischen, schrulligen Charaktere, sondern eine Art modernes Märchen mit einer tiefer gehenden Botschaft über die Notwendigkeit des Zusammenhalts innerhalb der Familie und Geschwisterliebe, die nicht mit dem Ende der Kindheit aufhört sowie mit der Erkenntnis, dass man auch auf seltsame Weise glücklich sein kann.

Veröffentlicht am 29.07.2017

Platter, vorhersehbarer und komplett überzeichneter Roman mit stereotypen, nervigen Protagonisten

Kopf aus, Herz an
0

Lilly Swanson ist 24 Jahre alt, als sie am Tag ihrer Hochzeit von ihrem Verlobten Michael ohne eine Begründung vor dem Altar stehengelassen wird. Wut und Verzweiflung machen sich in ihr breit und sie beschließt ...

Lilly Swanson ist 24 Jahre alt, als sie am Tag ihrer Hochzeit von ihrem Verlobten Michael ohne eine Begründung vor dem Altar stehengelassen wird. Wut und Verzweiflung machen sich in ihr breit und sie beschließt trotzig, die Hochzeitsreise nach Thailand alleine anzutreten.

Bereits auf dem Flug, auf dem sie aufgrund ihrer überstürzten Abreise zerzaust, mit verschmiertem Make-up und im Schlafanzug sitzt, lernt sie den hilfsbereiten Damien kennen, der als Gothic-Typ" so rein äußerlich gar nicht ihr Fall ist und ihr sogar ein bisschen Angst macht

Den Sicherheitsbeamten am Flughafen in Bangkok kommen die beiden verdächtig vor, weshalb sie kurzzeitig wegen des Verdachts des Drogenschmuggels festgenommen werden. Da Damien nach der Bestechung der Polizei pleite ist, bietet Lilly ihm spontan an, die Nacht bei ihr in der Honeymoon-Suite zu verbringen.

Eine Reihe an Missgeschicken, zahlreiche Fettnäpfchen, in die Lilly springt und kuriose Situationen schweißen das ungleiche Paar zusammen. Schon am ersten Tag sind sie sich so vertraut, dass sie sich gegenseitig traumatische Dinge aus ihrer Vergangenheit erzählen, über die sie sonst nicht sprechen.

Bevor die beiden aber letztendlich zueinander finden, muss noch das ein oder andere Missverständnis an dem exotischen Schauplatz in Thailand umschifft werden.

"Kopf aus, Herz an" ist der erste Band der "Destination Love"-Reihe von Jo Watson und beschreibt die persönliche Entwicklung von Lilly, die bislang immer auf ihre Vernunft gehört hat und ein geordnetes, (spieß-)bürgerliches Leben geführt hat. Dass ihr Verlobter sie einfach so unvermittelt vor dem Traualtar und 500 geladenen Gästen stehen lässt, wirft sie verständlicherweise komplett aus der Bahn. Kopflos flüchtet sie auf ihre Hochzeitsreise nach Thailand, wo ihr der unkonventionelle Backpacker Damien vorlebt, spontan zu sein und auf sein Herz zu hören.

Von dem Roman hatte ich mir wahrlich keine tiefgründige oder berührende Liebesgeschichte, sondern ein lockere, amüsante Chick Lit erwartet, die eine Wende in Lillys bisher streng getaktetes Leben bringt.

Zu Beginn besteht "Kopf aus, Herz an" fast ausschließlich aus einer Aneinanderreihung aberwitziger Situationen, in die sich die offensichtlich sehr tollpatschige Lilly immer wieder im Beisein von Damien bringt. Was mir auf den ersten Seiten noch ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte, nervte im weiteren Verlauf des Romans eher, als dass es unterhielt, da man auf jeder Seite nur auf das nächste abstruse Ereignis gewartet hat.
Lilly gebärdete sich so hysterisch überdreht, dass mir nicht wirklich nachvollziehbar war, wie sich innerhalb der Kürze der Zeit eine so vertrauensvolle Nähe zwischen ihr und "Badboy" Damien ergeben konnte. Die körperliche Anziehungskraft zwischen beiden stand dann später im Vordergrund, womit ich gemerkt habe, dass ich mit bei dem Buch im Genre vergriffen habe. Der Sex mit dem Höhepunkt zur Mondfinsternis, Damien als Lillys Lehrmeister, der die Sexualität erst in ihr erweckt, war mir zu explizit.

Der Roman ist - "Kopf aus" - schnell zu lesen, aber keine Geschichte, für die ich mich begeistern konnte und die mir länger im Gedächtnis bleiben wird. Dafür wirkte die Situationskomik zu erzwungen und stellenweise sogar unrealistisch überzogen, die Protagonisten zu einfältig und stereotyp und die ganze Geschichte zu platt und vorhersehbar. Mir fehlte das gewisse Herzblut der Autorin für ihre Figuren und kreative Highlights, die der einfach strukturierten Handlung mehr Leben eingehaucht hätten. Dass es zwischen Lilly und Damien zum Happy End kommt, empfand ich als aufgrund der Trennungsphase zwischen zwei Thailand-Aufenthalten zu unrealistisch bzw. zumindest zu abrupt.

Band 2 der "Destination Love"-Serie "Herz auf Anfang" erscheint im Dezember 2017 und handelt wieder von einer Urlaubsliebe, jedoch mit anderen Protagonisten. Jo Watson konnte mich aber mit Band 1 nicht für weitere Teile von "Destination Love" begeistern.

Veröffentlicht am 28.07.2017

Absurde Geschichte über einen etwas einfältigen Dichter und klassischen Antiheld - amüsant zu lesen

Der Gentleman
0

Lionel Savage hat seine Frau Vivien nur aufgrund ihres Vermögens geheiratet, um sich und seiner sechs Jahre jüngeren Schwester, für die er nach dem Tod der Eltern verantwortlich ist, versorgen zu können. ...

Lionel Savage hat seine Frau Vivien nur aufgrund ihres Vermögens geheiratet, um sich und seiner sechs Jahre jüngeren Schwester, für die er nach dem Tod der Eltern verantwortlich ist, versorgen zu können.
Savage ist Dichter, seit der Hochzeit vor einigen Monaten befindet er sich allerdings in einer Schaffenskrise und ist inzwischen so verzweifelt, dass er sich umbringen möchte. Da er aber nicht so richtig weiß, wie er seinem Leben ein Ende setzen könnte und er auch seinem Butler nicht mit der Beseitigung seiner sterblichen Überreste behelligen möchte, kommt es Savage ganz gelegen, dass während der Party seiner Ehefrau ein Gentleman in seinem Arbeitszimmer erscheint, mit dem er einen Pakt schließt. Noch am selben Abend ist Vivien verschwunden und Savage verspürt wieder die nötige Kreativität für seine Dichtkunst.
Als wenig später der Bruder von Vivien von seiner Afrika-Expedition nach London zurückkehrt und Savage erfährt, dass Vivien diesem in Briefen begeistert und scheinbar schwer verliebt von ihrem Ehemann berichtet hat, bekommt Lionel nicht nur ein schlechtes Gewissen, er merkt auch, dass er seine Ehefrau tatsächlich liebt. Er möchte sie wieder aus den Händen des Teufels befreien und so beginnt die abenteuerliche Suche nach seiner Frau und dem Eingang zur Hölle.

"Der Gentleman" erinnert ein wenig an Goethes Faust und ist auch so geschrieben, dass ich mir den Roman gut als ein Theaterstück hätte vorstellen können. Tatsächlich gibt der Autor in seiner Danksagung an, dass das Buch als Komödie für das Theater konzipiert war. Das fällt vor allem am Ende des Romans auf, als alle Protagonisten zum Finale in einem Raum versammelt sind und das Verschwinden von Vivien aufgeklärt werden kann.

Der Roman ist voller Ironie und stark übertreibender Dialoge geschrieben, so dass man weder Lionel Savage noch die ganze Handlung allzu ernst nehmen kann. Der Roman ist von einem imaginären Herausgeber verfasst, der von Savage gezwungen wurde, sein Werk zu veröffentlichen. Dieser "pünktliche Hubert" gibt in unzähligen Fußnoten (abwertend) an, was er von Lionel, seiner Dichtkunst und dem Roman hält.

"Der Gentleman" ist eine etwas absurde Geschichte über einen etwas einfältigen Dichter, der ohne seinen Butler völlig hilflos wäre und bei dem immer erst zuletzt der Groschen zu fallen scheint. Letztlich findet er jedoch aufgrund einer gut gemeinten Finte seiner Ehefrau, die aberwitziger Weise ein größeres Talent zur Dichtkunst zu haben scheint als Lionel selbst, zu seinem Glück.

Das Buch überzeugt durch seinen kreativen, ungewöhnlichen Schreibstil und ganz amüsante Szenen um den Antiheld Savage, ist aber nicht ganz so unterhaltsam und abenteuerlich wie ich es mir gewünscht hätte. So hatte der Roman doch einige Längen bis es zur etwas ernüchterndem Aufklärung des Verschwindens von Vivien kam.