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Veröffentlicht am 22.11.2017

Von dieser Geschichte hatte ich mir mehr Charme, Witz und Tiefgang erwartet - enttäuschend

Das Herz des Henry Quantum
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Henry Quantum, genannt Bones, fällt am 23. Dezember beim Frühstück ein, dass er noch ein Weihnachtsgeschenk für seine Ehefrau Margaret braucht. Er beschließt, in seiner Mittagspause bei "Macy's" das Parfum ...

Henry Quantum, genannt Bones, fällt am 23. Dezember beim Frühstück ein, dass er noch ein Weihnachtsgeschenk für seine Ehefrau Margaret braucht. Er beschließt, in seiner Mittagspause bei "Macy's" das Parfum "Chanel No. 5" zu kaufen. Auf dem Weg zu dem Warenhaus lässt er sich von allem Möglichen ablenken, versinkt in seinen Gedanken und trifft schließlich zufällig auf seine Ex-Geliebte Daisy, mit der er essen geht. Sie hatte sich vor drei Jahren von ihm getrennt, da sie zunehmend ein schlechtes Gewissen ihrem Ehemann und ihren Kindern gegenüber hatte. Inzwischen ist sie geschieden und zeigt wieder Interesse an Henry. Henry ist mit diesem Geständnis reichlich überfordert, was er allerdings nicht weiß, ist, dass seine Frau in diesem Augenblick einen anderen Mann trifft.

"Das Herz des Henry Quantum" ist in vier Abschnitte untergliedert und erzählt einen Tag vor Weihnachten aus dem Leben von Henry, wobei seine Perspektive nur ungefähr die Hälfte des Romans ausmacht. Die beiden anderen Abschnitte sind aus der Sicht von Margaret und Daisy geschrieben.

Von dem Roman hatte ich mir eine witzige (Liebes-)geschichte über einen etwas sympathisch-verschrobenen Charakter erwartet und habe dafür die erfolglose Suche nach einem Parfum in San Francisco erhalten, bei der Henry nicht wirklich tiefsinnigen Gedanken nachhängt, sondern unkonzentriert eine Sache verfolgt und dabei immer wieder gedanklich abschweift. Seine Philosophiererei und Erinnerungen empfand ich als belanglos und langweilig, zeichnen vielleicht seinen Charakter aus, hatten aber nichts mit der Handlung - der Wiederbegegnung mit seiner Ex-Geliebten - zu tun.
Der Roman thematisiert eine gescheiterte Ehe, in der beide Ehepartner sich gegenseitig hintergehen und anscheinend emotional so weit voneinander entfernt sind, dass sie den Betrug gar nicht bemerken.

Das Buch ist schnell gelesen und die Gestaltung mit einem Kartenausschnitt der Stadt San Francisco schön, um sich zu orientieren und die Wege von Henry zu verfolgen. Von der Geschichte um Henry hatte ich mir aufgrund des Klappentextes aber mehr Charme, Witz und Tiefgang erwartet. Mich konnte keiner der Charaktere für sich gewinnen und auch die sehr übersichtliche Handlung wird mir nicht lange im Gedächtnis bleiben.

Veröffentlicht am 20.11.2017

Roman über den Alltag der Harvard-Studentin Selin - über weite Teile leider belanglos und langweilig

Die Idiotin
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Der Roman spielt im Jahr 1995, als die türkischstämmige Selin in Harvard ihr Literaturstudium beginnt. Sie teilt sich ein Wohnheim-Apartment mit Hannah und Angela, freundet sich aber mehr mit Svetlana ...

Der Roman spielt im Jahr 1995, als die türkischstämmige Selin in Harvard ihr Literaturstudium beginnt. Sie teilt sich ein Wohnheim-Apartment mit Hannah und Angela, freundet sich aber mehr mit Svetlana aus Serbien an. In ihrem Russischkurs lernt sie den ungarischen Mathematikstudenten Ivan kennen, mit dem sie einen regen E-Mailverkehr eingeht und in den sie sich verliebt. Sie gesteht es aber weder sich selbst gegenüber ein, noch zeigt sie es Ivan direkt.

Während ihres Erstsemesters lernt sie Spanisch und Russisch und schreibt einen Essay, für den sie sogar einen Preis erhält. Daneben gibt sie Schülern Nachhilfe in Mathematik und Englisch, wobei ihr pädagogisches Geschick wenig ausgeprägt ist und es ihr vor allem an der notwendigen Strenge mit ihren Schülern fehlt.
In den Semesterferien reist sie zunächst nach Paris und anschließend nach Ungarn und reist dabei mehr oder weniger zufällig ihrem Schwarm Ivan hinterher. Ihre letzte Station ist ihre Heimat die Türkei, bevor das nächste Semester beginnt, in dem sie sich für Linguistik einschreibt und alle anderen Kurse nicht fortsetzt.

Selin ist eine unsichere, 18-Jährige, deren erstes Studienjahr in Harvard beschrieben wird. Sie ist eine intelligente junge Frau, die sich vor allem für Sprachen interessiert, ist aber im sozialen Umgang mit anderen unerfahren und ungeschickt. Sie lässt sich deshalb von anderen leicht beeinflussen und tut sich schwer damit, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Die erste Hälfte des autobiographischen Romans empfand ich als langatmig. Es ist eine reine Beschreibung des Alltags einer Studentin und trivial, weil nicht wirklich viel passierte. Das mag ein sehr realistisches Szenario sein, mir war es schlicht zu langweilig.

Die zweite Hälfte war dagegen eingängiger zu lesen, da Selin mehr erlebte und in Europa mit vielen neuen Eindrücken konfrontiert wurde. Aber auch dort hat sie Probleme, sich auf sich zu konzentrieren und auf das, was sie möchte. Unweigerlich reist sie Ivan hinterher und nimmt das Angebot an, in Ungarn Schülern Englischunterricht zu erteilen. Dabei lässt sie sich aber auch von den Familien der Schüler überrumpeln und vereinnahmen und ist froh, wenn sie einmal allein sein kann, um selbst einmal nicht lernen zu müssen oder anderen etwas beizubringen, wobei sie weiterhin viel zu nachsichtig ist. Ivan kommt sie dabei aber keinen Schritt näher.

"Die Idiotin" ist ein Coming-of-Age-Roman über eine schüchterne Studentin, die ihren Weg im Leben erst noch finden muss. Mit trockenem Humor wird ihr Alltag in Harvard und ihre Begegnungen mit den etwas skurrilen Menschen in Ungarn bei ihrem Auslandsaufenthalt beschrieben. Am Ende ist sich Selin sicher, dass sie Schriftstellerin werden will, eine charakterliche Weiterentwicklung konnte ich allerdings nicht feststellen. Ist Selin deshalb die Idiotin? Oder weil sie für Ivan schwärmt, der innerhalb des Jahres mindestens zwei Freundinnen hatte und sich offensichtlich nicht wirklich für eine Liebesbeziehung mit Selin interessierte?

"Die Idiotin" ist keine befriedigende Lektüre. Das Buch ist in keine Kapitel untergliedert und eine Betrachtung der offensichtlich langweiligsten Teile des Studentenlebens: des grauen Alltags aus der Belegung von Kursen und Nachhilfe für Schüler. Darüber hinaus ist es eine Beschreibung des täglichen Scheiterns von Selin in alltäglichen Situationen. Zwischenmenschliches ist reduziert auf einzelne Begegnungen mit vielen verschiedenen Personen, seien es ihre Kommiliton(inne)n oder die schrägen Familien in Ungarn.

Wer sich nicht von der Banalität des Romans abschrecken lässt und ein Faible für Literatur und Sprachwissenschaften hat, für den ist Elif Batumans autobiographischer Roman die geeignete Lektüre.

Veröffentlicht am 18.11.2017

Eine Liebesgeschichte, bei der mir die emotionale Bindung der Protagonisten fehlte

Jede letzte Nacht mit dir
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Marla Patry ist 26 Jahre alt und Schauspielerin aus München. Sie lebt mit ihrem Freund Mika zusammen, der ebenfalls Schauspieler ist. Während Mika sich vor Engagements nicht retten kann, ist Marlas Typ ...

Marla Patry ist 26 Jahre alt und Schauspielerin aus München. Sie lebt mit ihrem Freund Mika zusammen, der ebenfalls Schauspieler ist. Während Mika sich vor Engagements nicht retten kann, ist Marlas Typ weniger gefragt. Als Sandra-Bullock-Look-a-like wird sie, wenn überhaupt, nur für kleinere Rollen besetzt. Da verlockt ein neuer Auftrag ihres Agenten Richard: Für 10.000 € soll Marla an einem verlängerten Wochenende in die Rolle der Lisa Brenner schlüpfen und die Verlobte für Daniel Lester mimen.

Daniel Lester hat vor drei Jahren bei einem Bootsunglück auf Mallorca seine Ehefrau Silvia verloren und lässt seitdem keine Frau mehr näher an sich heran. Bis auf One-Night-Stands hat er kein Interesse an Frauen und schon gar nicht an einer Beziehung. Seine Familie sieht dies anders und versucht ihn zu verkuppeln, weshalb er bei einer Geburtstagsfeier von Onkel Peter Lisa präsentieren möchte.

Da es in der Beziehung zu Mika kriselt, hat Marla keine Skrupel, das Angebot anzunehmen. Sie spielt ihre Rolle perfekt, hat allerdings nicht damit gerechnet, tatsächlich mehr für Daniel zu empfinden. Dieser besteht jedoch auf die Einhaltung des Vertrages, was eine Trennung nach dem Wochenende in London vorsieht.
Doch auch ihn hat die Leidenschaft für Marla gepackt, aber er möchte an seinem Versprechen festhalten, nie mehr eine andere Frau als Silvia zu lieben.

Als sich Marla und Daniel auf einem Weihnachtsmarkt in München begegnen, ist das Feuer au London neu entfacht und es beginnt ein Spiel, bei welchem Marla bereitwillig mit anderem Namen und Perücke in andere Rollen schlüpft, um immer wieder aufs Neue eine Nacht mit Daniel verbringen zu können.

Während die körperliche Anziehung zwischen Marla und Daniel sehr anschaulich und ausführlich beschrieben wird und Marla sich regelrecht für Daniel prostituiert, indem sie sich an verschiedene Trefforte locken lässt, vermisste ich durchweg eine emotionale Verbindung zwischen den beiden. Marla steht zwar zu ihren Gefühlen und trennt sich nach ihrer Ankunft aus London direkt von ihrem Freund und auch Daniel redet sich ein, dass sein Interesse für Marla nur körperlicher Natur ist, auch wenn sie von Typ eine ganz andere als seine verstorbene Frau ist. Ihre Gefühle für einander konnte ich aber nach dem kurzen Kennenlernen und der wenigen Zeit, die sie miteinander verbrachten, nicht nachvollziehen.

Auch wenn mir bewusst war, dass der Roman erotische Inhalte enthält, fand ich es sehr schade, dass die prickelnde Erotik zwischen Marla und Daniel über weite Teile das einzig verbindende Element blieb.

Der Roman zog sich für mich in die Länge, da die Nächte stets nach demselben Schema abliefen. Zudem wurden beide Charaktere immer unglaubwürdiger für mich. Daniel besteht auf seinem Pakt gegenüber seiner Frau, dass er immer nur eine Nacht mit einer Frau verbringen darf und betrügt sich selbst, indem er sich mit Marla in unterschiedlichen Rollen trifft.
Marla wirkt einfältig, verkauft ihren Körper an Daniel und lässt sich auch nach London noch mit Aufenthalten in luxuriösen Hotels und teurer Bekleidung locken. Daniel dagegen betont, wie sehr er seine Frau geleibt hat, seine Gedanken kreisen jedoch nur noch um Marla.
Das vorhersehbare Ende kommt nach langem Hin und Her dann plötzlich ganz schnell, als es Daniel am Grab von Silvia wie Schuppen von den Augen fällt, dass seine verstorbene Frau gewollt hätte, dass er glücklich ist.

Die Idee hinter dem Roman hat mir gefallen, ich vermisste allerdings die Romantik in dieser Liebesgeschichte und eine tiefere emotionale Verbundenheit der beiden - auf mich leider wenig sympathisch wirkenden - Protagonisten.

Veröffentlicht am 17.11.2017

Atmosphärischer Roman, der drei unterschiedliche Liebesgeschichten erzählt und dabei Lust auf die Stadt Prag macht

Wintersterne
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Drei unterschiedliche Paare aus England lernen sich während eines Kurzurlaubs im verschneiten Prag kennen.

Ollie ist Lehrer und hat seine beste Freundin Megan, die Fotografin ist, gebeten, ihn nach Prag ...

Drei unterschiedliche Paare aus England lernen sich während eines Kurzurlaubs im verschneiten Prag kennen.

Ollie ist Lehrer und hat seine beste Freundin Megan, die Fotografin ist, gebeten, ihn nach Prag zu begleiten, um sich auf eine Klassenfahrt vorzubereiten. Megan arbeitet derzeit an einem Projekt für eine Fotoausstellung und nimmt die Gelegenheit wahr, um in Prag Fotomotive für die Ausstellung abzulichten.
Da die beiden sich ein Doppelzimmer teilen, hatte Megan bereits vor der Abreise Bedenken, ob dies eine gute Idee sein würde. Sie ahnt, dass Ollie mehr für sie empfindet und seine Gefühle und die Anziehung, die auch sie zu ihm spürt, werden ihnen unter Alkoholeinfluss an einem Abend in Prag zum Verhängnis und gefährden ihre Freundschaft. Während Ollie sich in Megan verliebt hat, ist sie verunsichert und gibt ihm zu verstehen, dass sie keine Beziehung möchte.

Hope ist dagegen frisch verleibt. Sie und Charlie erleben ihren ersten Urlaub miteinander, nachdem sich Hope von ihrem Ehemann Dave getrennt hat. Sie leidet allerdings darunter, dass ihre Tochter Annette nicht mehr mit ihr spricht, die sie in flagranti mit ihrem Fahrlehrer erwischt hatte. Hope kann den Urlaub nicht genießen und überlegt, ob es nicht die falsche Entscheidung war, sich so schnell wieder an einen Mann zu binden, nachdem ihr in ihrer Ehe die Möglichkeiten zur Selbstentfaltung gefehlt hatte. Zudem möchte sie auch ihre Tochter nicht verlieren. Als Charlie sich in Prag aus Hopes Sicht so benimmt, als ob er etwas zu verbergen habe, steht sie kurz davor, ihn zu verlassen.

Sophie ist allein in dem Hotel, als sie die beiden Paare kennenlernt. Sie wartet auf ihren Mann Robin, mit dem sie schon mehrere Urlaube in Prag verbracht hat und der nachkommen wollte. Hope macht sich bald Sorgen um die zarte Sophie, die so zerbrechlich wirkt und dann auch tatsächlich noch vor der erwarteten Ankunft ihres Mannes zusammenbricht.

"Wintersterne" erzählt von drei Frauen und der Liebe und den damit verbundenen Hoffnungen, Ängsten und Sehnsüchten und versetzt den Leser dabei in das malerische, winterliche Prag, das man mit den Paaren lebhaft erkundet. Durch die detaillierten Beschreibungen hat man das Gefühl, tatsächlich in Prag zu sein, die Stadtführung lenkt aber auch etwas von der Handlung ab.

Die drei Erzählstränge werden im Wechsel erzählt, wobei die Geschichten um die beiden Paare den größten Umfang einnehmen. Verbindendes Element ist die Stadt Prag und das Hotel, in dem sie eingebucht sind und wo sie sich an Bar oder beim Frühstück immer wieder begegnen. Bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant kommen sie auch länger ins Gespräch.

Je länger alle fünf in Prag sind, desto bedrückender wird die Stimmung. Nachdem Megan und Ollie eine Nacht miteinander verbracht haben, hat insbesondere Megan Schuldgefühle und weiß nicht, wie sie mit Ollie umgehen soll. Sie ist völlig verunsichert, verletzt ihn, indem sie ihm aus dem Weg geht und hat eine für mich nicht ganz nachvollziehbare Angst, dass sie nicht gleichzeitig ihren Beruf als Fotografin ausüben und eine Beziehung zu einem Mann haben kann - dabei vergöttert Ollie Megan und lässt ihre alle Freiheiten. Megan steht sich selbst im Weg und gefährdet dabei ihre gute Freundschaft zu Ollie, an dem sie trotz allem sehr hängt.

Hope und Charlie benehmen sich dagegen zu Beginn des Aufenthalts in Prag frisch verliebt, bis Hope Charlie gegenüber immer misstrauischer wird und ihr die gestörte Beziehung zu ihrer Tochter Sorgen bereitet, die den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen hat. Auch Hope erkennt nicht, dass Charlie sie aufrichtig liebt und nur das Beste für sie möchte. Er würde sie nie so einschränken, wie ihr Ehemann Dave dies getan hat.

Sophie ist in freudiger Erwartung auf ihren Ehemann und während sie sich die Stadt allein anguckt, schwelgt sie immer wieder in Erinnerungen an ihn und die gemeinsamen Urlaube in Tschechien und exotischeren Ländern. Man spürt ihre Melancholie und Trauer, dass Robin nicht da ist und spätestens als die dünne Frau körperlich zusammenbricht, ahnt man, dass mehr hinter der verspäteten Ankunft von Robin stecken muss.

"Wintersterne" ist ein Roman, der Lust darauf macht, sich Prag selbst einmal anzusehen und der drei Liebesgeschichten erzählt, bei der sich die Frauen oft selbst und ihrem (Liebes-)glück im Wege stehen. Es ist ein berührendes Buch, bei dem sich jede Leserin - auch aufgrund der unterschiedlichen Alter der Frauen und Stadien der Beziehungen - mit mindestens einer der Protagonistinnen und ihren Ängsten identifizieren kann.

"Wintersterne" ist ein atmosphärischer Roman, der Freud und Leid der Liebe aufzeigt und bei dem bis zum Ende offen ist, wies mit den einzelnen Paaren enden wird. Er ist damit eine willkommene Abwechslung zu den üblichen Weihnachts-/ Winterromanen bei denen ein Happy End vorhersehbar ist.

Veröffentlicht am 15.11.2017

Roman über Freundschaft, Familie und Beziehungen mit persönlichen Dramen, aber auch mit einer gehörigen Portion Leichtigkeit und Witz

Weihnachten in der kleinen Bäckerei am Strandweg
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"Weihnachten in der kleinen Bäckerei am Strandweg" ist der letzte Teil der Trilogie um Polly Waterfords Bäckerei auf der Insel Polbearne in Cornwall und der erste Roman, den ich von Jenny Colgan gelesen ...

"Weihnachten in der kleinen Bäckerei am Strandweg" ist der letzte Teil der Trilogie um Polly Waterfords Bäckerei auf der Insel Polbearne in Cornwall und der erste Roman, den ich von Jenny Colgan gelesen habe.
Mit ein paar einleitenden Worten führt die Autorin in die Geschichte ein, so dass es zum Verständnis dieses Romans nicht unbedingt nötig ist, die beiden Vorgänger gelesen zu haben.

Polly hat sich inzwischen mit ihrem amerikanischen Freund Huckle und dem Papageientaucher Neil in dem kleinen Dorf Mount Polbearne in dem alten Leuchtturm der Insel niedergelassen und führt die kleine Dorfbäckerei, die sie von der alten Mrs. Marne übernommen hatte.
Polly hat zwar einen Angestellten, aber als Selbstständige bleibt die meiste Arbeit an ihr hängen und auch wenn sie ihren Beruf liebt, ist sie ein wenig frustriert, dass die Bäckerei - gerade im Winter, wenn wenig Touristen auf der Insel sind - so wenig abwirft. Huckle ist leidenschaftlicher Imker und trägt damit kaum zum Haushaltseinkommen bei.

So lässt sich Polly von Ehemann ihrer besten Freundin Kerensa, Reuben, der mehrfacher Millionär ist dazu überreden, einen Teil des Caterings für seine Weihnachtsfeierlichkeiten zu übernehmen, obwohl sich Polly fest vorgenommen hatte, die Feiertage frei zu machen und diese nur gemeinsam mit Huckle zu verbringen, der auf eine Heirat drängt. Gleichzeitig möchte Polly mit ihrem Verdienst die Papageientaucherstation vor dem Ruin retten.
Neben finanziellen Sorgen, ist Polly wegen Kerensa beunruhigt, die ihr ein Geheimnis anvertraut hat, das auch ihre Beziehung zu Huckle belastet.

Der dritte Teil der Reihe um die "kleine Bäckerei am Strandweg" ist die ideale Lektüre zur Adventszeit. Es ist kalt und ungewöhnlich verschneit in Cornwall und Polly und ihre Freunde sind mit den Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest beschäftigt, so dass man als Leser auch in diese weihnachtliche Stimmung, die im Vorfeld oft mit Stress verbunden ist, versetzt wird.
Polly ist eine sympathische junge Frau, die trotz ihrer eigenen Probleme - seien es die Kosten für die Sanierung des Leuchtturms oder die Suche nach ihrem Vater, den sie nie kennengelernt hat - sich Zeit für ihre Freunde nimmt und sich dabei in ihrer Gutmütigkeit schon fast ausnutzen lässt.

Es ist ein Roman über Freundschaft, Familie und Beziehungen mit persönlichen Dramen, aber auch mit einer gehörigen Portion Leichtigkeit und Witz, die insbesondere durch den sorgenfreien und großspurigen Reuben in die Geschichte gebracht wird, der unverschämt reich ist, dies auch bei jeder Gelegenheit betont, dabei aber nicht unsympathisch wirkt.

Der Roman ist weder besonders tiefgründig, noch überzeugt er durch überraschende Wendungen. Er schafft jedoch eine Weihnachtsatmosphäre und sorgt dabei für eine lockerleichte Unterhaltung mit Happy-End-Garantie.
Freunde der beiden ersten Teile dürften allerdings damit zu kämpfen haben, dass der Roman insbesondere auf die Herkunft und Vergangenheit von Polly nicht ganz schlüssig ist, was aber in meine Bewertung nicht einfließen kann.