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Veröffentlicht am 01.10.2024

Tragische und sehr bewegende Geschichte über den Zusammenhalt einer traumatisierten Familie, das enge Band von Freundschaft, eine unerschütterliche Solidarität und die Kraft von Liebe

Irgendwo im Glück
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Maisie Bean hat es nach einer überstürzt eingegangenen Ehe vor sieben Jahren geschafft, ihren gewalttätigen Ehemann zu verlassen. Seitdem kümmert die alleinerziehende Mutter sich liebevoll um ihre beiden ...

Maisie Bean hat es nach einer überstürzt eingegangenen Ehe vor sieben Jahren geschafft, ihren gewalttätigen Ehemann zu verlassen. Seitdem kümmert die alleinerziehende Mutter sich liebevoll um ihre beiden Kinder und seit Kurzem auch um ihre demente Mutter. Der Alltag ist nicht einfach, oftmals chaotisch, aber wenn es darauf ankommt, halten alle zusammen.
Als Maisie an Neujahr spontan von Fred Brennan zum Essen eingeladen wird, dem Polizisten, der ihr gegenüber ihrem Ehemann zur Seite gestanden hat, willigt sie ein, denn auch sie hat doch schließlich ein wenig privates Glück verdient.
Was sie zu dem Zeitpunkt nicht ahnen kann, ist dass an diesem Abend ihr sonst so zuverlässiger Sohn Jeremy nicht nach Hause kommen wird. Maisie macht sich Vorwürfe, zu sehr an sich selbst gedacht zu haben, versucht jedoch, die Hoffnung nicht aufzugeben, da auch Jeremys bester Freund verschwunden ist und offenbar ein paar seiner Sachen mitgenommen hat.
Jahre später hat Maisie ein Buch geschrieben, steht auf dem Podium und erzählt ihre Geschichte.

Der Roman ist aus den Perspektiven verschiedener Akteure geschrieben, die im schnellen Wechsel erfolgen. Einer kurzen Sequenz im Jahr 2015 erfolgt ein Rückblick in das Jahr 1995 und die Ereignisse nach Neujahr. Der Beginn nimmt einen Spannungsmoment vorweg, aber dennoch weiß die Geschichte zu fesseln.
"Irgendwo im Glück" ist warmherzig und lebendig geschrieben, so dass man anschaulich in den turbulenten Familienalltag der Beans eintauchen kann. Maisie hat in ihrem Leben viel durchgemacht, aber nie aufgegeben. Als ihr Sohn nicht auffindbar ist, quält sie sich mit Schuldgefühlen und kann die reißerische Berichterstattung der Medien kaum ertragen, als diese sich auf ein Gerücht um Jeremy und seinen besten Freund stürzen. Maisie stößt selbst den Mann, der sie liebt, von sich, bleibt jedoch kämpferisch und zuversichtlich.
Durch die unterschiedlichen Sichtweisen ist klar nachzuvollziehen, wie die Protagonisten die Situation empfinden und welche Geheimnisse sie bergen. Jeremys Perspektive und die parallele Erzählweise seines Neujahrsabends ist aufschlussreich und gibt der/ dem LeserIn einen Wissensvorsprung.

Es ist ein Roman, der trotz aller Tragik humorvolle Szenen und Dialoge beinhaltet. Die Geschichte bewegt, macht traurig und wütend. Sie zeigt den Zusammenhalt einer traumatisierten Familie, das enge Band von Freundschaft, eine unerschütterliche Solidarität und die Kraft von Liebe. Mit viel Empathie werden problematische Themen wie Gewalt in Familien, Drogensucht oder Homophobie behandelt. Zudem wir das Zusammenleben mit einer dementen Frau, die sich langsam selbst verliert, authentisch dargestellt.

Der Zeitgeist der 1990er Jahre wird nicht nur durch die Musik spürbar, mit der jedes Kapitel eingeleitet wird. Erschreckend ist geradezu, wie rückständig Irland im Jahr 1995 war, als Scheidungen gesetzlich noch nicht erlaubt waren. Auch wenn sich diesbezüglich einiges getan hat, sind andere Dinge wie Intoleranz und Diskriminierung, die der Roman problematisiert, leider noch immer aktuell. Am Ende zeigt der Roman unheimlich ergreifend, wie wichtig und notwendig es ist, für Gleichheit zu kämpfen, andere nicht für ihr Anderssein zu verurteilen und damit Ängste zu schüren.

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Veröffentlicht am 23.09.2024

Spannende Themen um Klimakrise und Hausbesetzerszene der 1980er scheitern am kopflosen Verhalten der Charaktere

Tage mit Milena
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Annika ist in Lübeck mit Hendrik verheiratet und hat dort das Schreibwarengeschäft ihres Schwiegervaters übernommen, wo sie selbst Postkarten illustriert. Unbedarft verkauft sie einer jungen Frau Sekundenkleber, ...

Annika ist in Lübeck mit Hendrik verheiratet und hat dort das Schreibwarengeschäft ihres Schwiegervaters übernommen, wo sie selbst Postkarten illustriert. Unbedarft verkauft sie einer jungen Frau Sekundenkleber, die damit wenig später für eine Straßensperre sorgt, um auf die "Klimakatastrophe" aufmerksam zu machen. Als Luzie festgeklebt in Bedrängnis gerät, fühlt sich Annika an ihre Freundin Milena erinnert und zeigt sich mit dem Mädchen solidarisch. Sie erinnert sich an ihre Zeit in den 1980ern und sorgt sich um Luzie, die bei weiteren Protesten in Gefahr geraten könnte. Annika folgt ihr nach Hamburg zu einem Klimacamp und fühlt sich dort erst recht mit der Vergangenheit konfrontiert. Ihr Weg führt sie weiter zu Matti nach Venedig, mit dem sie in den 1980ern eng verbunden war.

Der Klappentext nimmt bereits viel vorweg, denn bevor man in die Vergangenheit und die Hausbesetzerszene in den 1980er-Jahren in Hamburg eintaucht, handelt die erste Hälfte des Romans in der Gegenwart. Erst dann erfolgen einzelne Erinnerungen Annikas an ihre Jugend und die Zeit zwischen 1982 und 1986. Aus der Distanz betrachtet, ist die Beschreibung nicht so bewegend wie erwartet. Erinnerungen vermischen sich mit einer Nacherzählung der Ereignisse und der Gegenwart, was den Lesefluss zunehmend hemmt. Die für Annika prägende Zeit, die in der Gegenwart so viel auslöst, bleibt zu oberflächlich und lässt Details über den Alltag in der Hausbesetzerszene, aber auch über die Bindung zwischen Annika, Matti und Milena vermissen.

Mit der Klimakrise und den streitbaren Klimaaktivisten hat die Autorin ein aktuelles und gesellschaftlich relevantes Thema gewählt. Luzie, die sich zur Letzten Generation zählt, wirkt in ihrem Handeln authentisch. Annikas Verhalten ist hingegen kaum nachzuvollziehen. Für eine Frau über 50, die mit beiden Beinen im Leben steht, löst die fremde 17-Jährige sehr viel in ihr aus und lässt sie kurzfristig ihr gesamtes Leben über den Haufen werfen. Andere Charaktere, insbesondere Milena und Matti bleiben blass.

Die Einblicke in Vergangenheit erfolgen nur häppchenweise, weshalb die Hausbesetzer-Thematik oberflächlich bleibt und die damalige Zeit - anders als bei Romanen auf zwei Zeitebenen - nicht aktiv miterlebt werden kann.
Der Roadtrip, der der Vergangenheitsbewältigung dient, wird in die Länge gezogen bis es endlich zu einer Aussprache mit Matti kommt. Da schon vorab klar ist, dass es in der Vergangenheit ein Missverständnis gegeben hat, ist die Aufklärung dann nicht mehr ganz so spannend und die Aussprache nach fast 40 Jahren fast schon inhaltsleer.

Unter "Tage mit Milena" hatte ich eine Geschichte über Freundschaft und Vergangenheitsbewältigung erwartet, in denen die Hausbesetzerszene eine entscheidende Rolle spielt. Überlagert wurde die Handlung vielmehr von Annikas kopflosem Verhalten und ihrer überstürzten, dramatischen Reise über Hamburg nach Italien. Dass sich Luzie einfach mal so einer fremden Frau anschließt statt ihre eigenen Pläne umzusetzen, empfand ich nicht schlüssig. Das Geheimnis, das sie birgt, ist zwar offensichtlich, wird jedoch erst am Ende aufgelöst, wodurch der Spannungsbogen nur künstlich aufrecht erhalten wird.

Das Duo und ihr abenteuerlicher Weg haben für mich nicht funktioniert, weshalb ich die Umsetzung der eigentlich so spannenden politischen Themen nicht gelungen fand. Die Charaktere und ihr Zusammenspiel konnten mich genauso wenig für die Geschichte einnehmen wie das verwirrende Wechselspiel zwischen Erinnerungen und gegenwärtigen Ereignissen.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Wenn aus Feinden Freunde werden - romantische und fesselnde Liebesgeschichte der Nachkriegszeit, die von wahren Begebenheiten inspiriert ist.

Im Warten sind wir wundervoll
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Ein deutsches Fräulein und ein amerikanischer Staff Sergeant verlieben sich nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Hessen in einander. Deutschland ist besiegt und besetzt und das Fraternisierungsverbot ...

Ein deutsches Fräulein und ein amerikanischer Staff Sergeant verlieben sich nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Hessen in einander. Deutschland ist besiegt und besetzt und das Fraternisierungsverbot soll jegliche Annäherung zwischen Amerikanern und Deutschen verhindern. Doch die Zeiten ändern sich, das Verbot wird aufgehoben, 1946 sogar Verlobungen zugelassen. Jo Hunters Militärdienst endet, er muss zurück nach Amerika und Luise Adler möchte ihm baldmöglichst folgen. Es soll noch zwei Jahre dauern, bis Luise die Chance ergreift, bevor der War Bride Act endet. Kurz vor Weihnachten 1948 landet Luise in New York, aber Hunter ist nicht da, um sie abzuholen. Freundliche Amerikaner nehmen die verloren wirkende Deutsche bei sich auf und Zeitungen berichten über ihr Schicksal, was unzählige Heiratsanträge zur Folge hat, um Luise vor der Ausweisung zu retten.
Jahrzehnte später erzählt Elfie, die Enkelin Luises, die Geschichte ihrer Großmutter, als sie selbst im Flugzeug nach New York auf dem Weg zu ihrem Verlobten ist. Sie erzählt sie einem fremden Engländer, der fasziniert von der Geschichte und der Erzählerin ist.

"Im Warten sind wir wundervoll" beruht auf einer wahren Begebenheit und hat die Autorin zu diesem Roman inspiriert.
Die Geschichte handelt auf zwei Zeitebenen, wobei die Vergangenheit von 1945 bis 1948 im Vordergrund steht. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart erfolgt unregelmäßig, mal sind die Abschnitte kurz, mal lang.

Die Erzählweise ist sehr lebendig, ein wenig kindlich-naiv, passt damit jedoch zu den weiblichen Hauptfiguren, die etwas unbedarft agieren. Der muntere Schreibstil verhindert eine Schwermut, die in einer Zeit von Hunger und Kälte und Angst vor der Zukunft angebracht wäre. Zudem sind die Charaktere rundum herzlich, charmant und liebenswert, die Orts- und Personenbeschreibungen bildhaft, so dass es leicht fällt, in die Geschichte einzutauchen und sich rundum wohlzufühlen.

Die Liebesgeschichte zwischen dem unerschrockenen paper girl und dem fürsorglichen GI entwickelt sich zaghaft und berührend. Die Liebesgeschichte ihrer Enkelin ist auf andere Weise besonders, insbesondere in ihrer Entwicklung schneller, aber auch hier springt der Funke auf die/ den LeserIn über.
Der Roman ist romantisch, fesselnd und geht ans Herz. Er zeigt eindrücklich, wie aus Feinden Freunde und wie aus Fremden Liebende werden. Es ist, wenn auch fiktiv, ein Zeitzeugnis über Menschlichkeit, Zusammenhalt und Fürsorge über alle Grenzen hinweg.

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Veröffentlicht am 20.09.2024

Schwarz und Weiß = Gut und Böse - oberflächliche Geschichte einer Familientragödie, in der die Bürgerrechtsbewegung nicht zum Tragen kommt

Was ihr uns versprochen habt
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Cinthy Kindred wächst zusammen mit ihrer älteren Schwester Ezra in dem kleinen Ort Salt Point in Maine auf. Neben den Junketts sind sie dort die einzige schwarze Familie. Die Mädchen sind mit Ruby Scaggs ...

Cinthy Kindred wächst zusammen mit ihrer älteren Schwester Ezra in dem kleinen Ort Salt Point in Maine auf. Neben den Junketts sind sie dort die einzige schwarze Familie. Die Mädchen sind mit Ruby Scaggs befreundet, die aus einer armen Familie stammt und damit ebenfalls eine Außenseiterin ist.
Cinthy und Ezra gehen gemeinsam mit weißen Kindern zur Schule, wo auch ihr Vater als Lehrer arbeitet. Besonders Cinthy ist eine eifrige Schülerin, die gelernt hat, nicht aufzufallen. Als ihre Klassenlehrerin stirbt und eine neue Lehrerin an die Schule kommt und sich auch die Freundschaft zwischen Ezra und Ruby zu verändern beginnt, da die Mädchen in die Pubertät gekommen sind, verändert sich die Dynamik. Gleichzeitig kündigen sich Veränderungen im Land an, als die Rufe nach Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung endlich zu werden scheinen.
Die Kindreds und Junketts werden plötzlich als Bedrohung wahrgenommen und sehen sich mit Hass und Vorurteilen konfrontiert.

Die Geschichte ist tragisch und die Ungerechtigkeiten schier unerträglich. Sie wird überwiegend aus der Perspektive von Cinthy geschildert, es gibt jedoch auch Einblicke in das Leben von Ruby. Möglicherweise liegt es an der Kinderperspektive, weshalb ich mehrfach das Gefühl hatte, dass mir Details zur Geschichte fehlen, weil die Kinder selbst nicht alles verstehen, und mir deshalb das Verhalten der Charaktere oftmals nicht nachvollziehbar war. Die Freundschaft zwischen Ezra und Ruby sowie ihr Streit bleiben so unverständlich wie das Verhalten der neuen Lehrerin und Cinthys Großmutter, die plötzlich präsent war. Da helfen auch die einzelnen Rückblenden in die Vergangenheit wenig, um für die Familien- und Charakterentwicklung eine Erklärung zu finden.

Der Roman zeigt eindrücklich, dass in Amerika im Jahr 1957 die Hautfarbe bestimmte, wie Personen wahrgenommen werden und welche Chancen sie im Leben haben. Das wird insbesondere durch den Gegensatz der Familien Kindred und Scaggs anschaulich demonstriert. Während Cinthy und Ezra in einem wohlbehüteten Elternhaus aufwachsen und es nicht an Liebe und Geborgenheit mangelt, lebt Ruby in einem Elternhaus voller Angst, Hass, Gewalt und ohne Moralvorstellungen. Dennoch wird diese Familie nicht so ausgegrenzt und argwöhnisch betrachtet, wie die Kindreds und Junketts.

Die Bürgerrechtsbewegung bleibt in dem Roman komplett außen vor. Man erfährt nur von der Situation in Salt Point, wo es plötzlich zu Hass und Gewalt gegen die wenigen Schwarzen kommt, aber nicht, was sich in dem ganzen Land verändert und welche Verbesserungen es in Nord und Süd möglicherweise gibt und was dies auslöst.

Für meinen Geschmack war mir der Gegensatz von Schwarz und Weiß als Gut und Böse zu stereotyp. Die Geschichte blieb mir zu oberflächlich und pauschal, zu plakativ dramatisch, brutal und von zu vielen Unglücken und Verlusten geprägt, die jeden Hoffnungsschimmer, den es zu dieser Zeit ja gerade für die schwarze Bevölkerung geben sollte, ausblendet oder zumindest für die Zukunft in Betracht zieht. Zu keinem Zeitpunkt konnte ich einen Zugang zu den Charakteren verspüren und empfand das Ende als zu abrupt.

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Veröffentlicht am 19.09.2024

Schreckliche Protagonistin zum Fremdschämen, wirre Story - nicht mein Humor

Mon Chéri und unsere demolierten Seelen
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Charly Benz ist 43 Jahre alt und arbeitet im Marketing eines veganen Berliner Startups. Sie hatte noch nie eine richtige Beziehung und bis auf ihre Schwester Sybille und Herrn Schabowski, den sie dafür ...

Charly Benz ist 43 Jahre alt und arbeitet im Marketing eines veganen Berliner Startups. Sie hatte noch nie eine richtige Beziehung und bis auf ihre Schwester Sybille und Herrn Schabowski, den sie dafür bezahlt, dass er ihre Post öffnet, keine nennenswerten Kontakte. Herrn Schabowski, der durch ihre wöchentlichen Konsultationen zu einem väterlichen Freund geworden ist, erzählt sie von ihrem Leben, von ihrem Scheitern und ihren Beziehungsproblemen. Herr Schabowski hört ungläubig zu und kann nicht verstehen, dass Charly so tiefstapelt und sich als Karikatur ihrer selbst darstellt.

"Mon Chéri und unsere demolierten Seelen" klingt so vielversprechend, geistreich und originell, aber die Geschichte kann mit dem Titel nicht mithalten. Der einzige rote Faden des Romans ist, dass Charly erzählt. Sie textet jeden Menschen zu, dem sie begegnet, egal ob es ihr PostEngel, ihre Schwester, ein flüchtig bekannter Kulturjournalist, ein Nachbar oder der Verkäufer im Späti ist. Keiner ist vor ihren mehr oder weniger interessanten geistigen Ergüssen sicher. Dabei sind ihre Monologe, die von vergangenen Peinlichkeiten handeln oder ein Unwissen offenbaren, zum Fremdschämen. Da ist es auch kein Wunder, dass Charly bisher jeden potentiellen Freund in die Flucht geschlagen hat.
Darüber hinaus reihen sich die kurzen Kapitel häufig zusammenhanglos aneinander. Es erfolgen wirre Zeitsprünge oder es ist im ersten Moment gar nicht klar, ob Charly gerade wieder in Erinnerungen schwelgt und wem sie diese erzählt oder ob es sich um ein gegenwärtiges Geschehen handelt.

Nach gut der Hälfte nimmt der Roman eine andere Richtung. Konnte man bisher geteilter Meinung über die Art von Humor sein, wird die Geschichte mit einer überraschenden Schwangerschaft und einem nahenden Tod noch absurder. Der Aufenthalt in Bad Gastein ist dann vergleichsweise langweilig und konträr zur bisherigen irrsinnigen Handlung.

Kein Charakter kann in seiner Darstellung überzeugen. Charly wirkt als 43-jährige erfolgreiche Werbetexterin, für die Begriffe wie Duckface und Hashtag Fremdwörter sind und die auch mit ihrem Zyklus wenig anfangen kann und keinen Gynäkologen hat, lebensfremd. Ihre Sexualpartner, die sie warum auch immer plötzlich hat, bleiben blass und austauschbar.

Ich hatte eine Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft und eine ulkige Einsiedlerin erwartet und stattdessen einen wirren Lebenslauf einer beziehungsunfähigen Außenseiterin bekommen, die sich selbst das Leben schwermacht und mit ihren Marotten abschreckend wirkt. Charlys Philosophieren ist so überspitzt dümmlich dargestellt, dass es einfach nicht mehr komisch ist. Vielleicht muss man, um ihre demolierte Seele zu verstehen, die ein oder andere Packung kirschschnapsgetränkte Mon Chéri essen.

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