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silvia1981

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2017

Krimi und Unterhaltung zugleich

Fastenopfer
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Auf das Buch "Fastenopfer" von Anton Leiss-Huber war ich sehr gespannt, zumal ich Altötting sehr gut kenne und gerne Bücher aus Gegenden lese, zu denen ich einen Bezug habe. Titel und Cover finde ich ansprechend ...

Auf das Buch "Fastenopfer" von Anton Leiss-Huber war ich sehr gespannt, zumal ich Altötting sehr gut kenne und gerne Bücher aus Gegenden lese, zu denen ich einen Bezug habe. Titel und Cover finde ich ansprechend und passend. Es wirkt etwas blutrünstig, genau so beginnt der Kriminalroman auch, der aber nebenbei im Anschluss zudem viel Unterhaltung bietet.

Die Geschichte bot mir genau das, was ich mir erwartet hatte. Jemand, der atemberaubende Spannung will, ist bei diesem Buch wahrscheinlich falsch. Der Autor setzt auf einen durchaus interessanten Kriminalfall für den absolut liebenswerten Oberkommissar Max Kramer, der gleich überaus peinlich in die Geschichte startet, gepaart mit viel Unterhaltung in Form von sehr gut gelungenen Nebendarstellern. Monsignore Jospeh Hirlinger und dessen Haushälterin Fräulein Schosi geben ein witziges Gespann ab, der Altöttinger Frauenbund wurde super eingebracht und auch Max`Jugendliebe Maria Evita, Novizin im Altöttinger Kloster, lässt so manches Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Dazu kommen einige sehr schweigsame Zeitgenossen, alle irgendwie in den Fall verwickelt, in dem es um das Tilly-Denkmal bzw. antike Kirchenfiguren geht, aber wie sie zusammen hängen, bleibt lange undurchsichtig und erfährt man wirklich erst auf den letzten Seiten.

Der Schreibstil des Autors hat mir sehr gut gefallen, das Buch ließ sich sehr flüssig lesen. Auch die Kapiteleinleitungen in Form von Zitaten aus dem Lukas-Evangelium fand ich originell und dass in den Dialogen der bayerische Dialekt in sicher für jeden gut verständlicher Form mit einfließt, finde ich sehr gelungen. Mich hat der Autor in jeder Hinsicht überzeugt und ich werde sehr gerne auch noch seinen ersten Fall lesen bzw. hoffe auf weitere Bände um Kommissar Max Kramer.

Veröffentlicht am 21.10.2017

Tolles Kochbuch, aber leider momentan nichts für uns

Easy. Überraschend. Low Carb.
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Nachdem ich mir fürs neue Jahr vorgenommen hatte, unseren Speiseplan zu überdenken und gesünder zu gestalten, habe ich mich die letzten Tag mit dem Buch "Easy. Überraschend. Low Carb." von Bettina Matthaei ...

Nachdem ich mir fürs neue Jahr vorgenommen hatte, unseren Speiseplan zu überdenken und gesünder zu gestalten, habe ich mich die letzten Tag mit dem Buch "Easy. Überraschend. Low Carb." von Bettina Matthaei auseinandergesetzt, weil ich von dieser Ernährungsform schon positives gehört habe und mir selbst ein Bild davon machen wollte.

- Meinung zum Buch:
Das Buch hat eine sehr hochwertige Aufmachung. Nicht nur das Äußere, d.h. Größe und Stabilität sowie zusätzlicher Schutzumschlag, auch das Innere überzeugt voll und ganz mit vielen großformatigen Fotos, die die Gerichte optimal präsentieren. Zu Beginn informiert ein knapper Theorieteil über das Thema Low Carb und auch speziell die in diesem Buch gewählte Variante des Low Carb High Fat. Im Anschluss findet der Leser in mehreren Kapiteln viele Rezepte, die alle Tagesmahlzeiten abdecken. Zu jedem Rezept gibt es genaue Nährwertangaben, dies nicht nur für das gesamte Gericht sondern sogar für jede Komponente einzeln. Bei den Beilagen wird erwähnt, zu welchem Gericht diese als Austausch variiert werden können und so bietet das Kochbuch mit Sicherheit viel Abwechslung. Gerade auf das Thema Brot backen wurde großen Wert gelegt und hier finden sich zahlreiche Rezeptideen. Inwiefern die vorgestellten Rezepte tatsächlich neu sind, kann ich als Low-Carb-Anfängerin nicht beurteilen, ich empfinde sie aber als sehr umfangreich und abwechslungsreich.

- Persönliche Meinung zum Thema Low Carb und persönlicher Nutzen:
Erstmal war ich sehr überrascht, wie viele extravagante Zutaten es vor allem im Bereich Brot backen gibt bzw. wie viele verschiedene Zutaten nötig sind, um ein solches Brot zu backen. Selbst die in der Einleitung genannten drei Brote für Anfänger benötigen verschiedene Zutaten, die mir völlig unbekannt sind und die ich, wohnhaft in einem kleinen Ort, nicht einfach kaufen kann. Zudem ist nach Recherche im Internet der Preis der Zutaten sehr hoch, was mich als Anfänger abschreckt, überhaupt einen Testversuch zu wagen. Dies zieht sich leider Großteils auch durch die weiteren Rezepte hindurch. Da ich nicht komplett die Ernährung umstellen möchte und dies im Sinne meiner Familie auch nicht möglich wäre, habe ich mich entschlossen, den Test nicht einzugehen, weil diese Zutaten in meiner normalen Küche schlichtweg keine Verwendung mehr finden können. Ein paar wenige Rezepte, wie den Eiersalat oder die Omelettvarianten z.B., die uns wirklich gut geschmeckt haben, werde ich gerne weiterverwenden, aber einiges anderes ist für uns leider im Moment nicht umsetzbar. Es war trotzdem interessant, einen Einblick in das Thema zu bekommen, und womöglich werde ich es zu einem späteren Zeitpunkt doch noch versuchen, mehr davon in meine Küche zu übernehmen.

Nachdem ich das Buch an sich als sehr gelungen empfinde und es Anhängern der Low-Carb-Ernährung, vor allem durch die vielen Brotrezepte, vermutlichen Nutzen bringt, möchte ich hierfür vier Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 21.10.2017

Erschütternd, gefühlvoll, spannend und nachhallend…

Drei Tage und ein Leben
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… erzählt der Autor Pierre Lemaitre in seinem Roman „Drei Tage und ein Leben“ die Geschichte von Antoine, einem zwölfjährigen Jungen, der nicht sonderlich sympathisch wirkt, was allerdings auf Grund seiner ...

… erzählt der Autor Pierre Lemaitre in seinem Roman „Drei Tage und ein Leben“ die Geschichte von Antoine, einem zwölfjährigen Jungen, der nicht sonderlich sympathisch wirkt, was allerdings auf Grund seiner Lebensumstände auch nicht verwundert. Seine alleinerziehende Mutter ist streng mit ihm, zu seinem Vater hat er bis auf Geschenke keinen Kontakt, der Kontakt zu seinen Freunden ist durchwachsen, nachdem ihm seine Mutter die Treffen zum PlayStation spielen verboten hat und er alleine durch die Wälder streift. Dort errichtet er stolz ein Baumhaus, das von seiner heimlichen Liebe jedoch abschätzig bewertet wird. Sein einziger treuer Gefährte in dieser für ihn schweren Zeit ist der Nachbarshund, dessen Ermordung er mit eigenen Augen mit ansehen muss und davon traumatisiert ist. Aus seiner blinden Wut heraus schlägt er dem sechsjährigen Nachbarsjungen Rèmi mit einem Stock gegen die Schläfe, welcher daran sofort stirbt, und so verändert sich sein restliches Leben von heute auf morgen komplett.

Im Folgenden durchlebt der Leser mit Antoine die drei darauffolgenden Tage. Wie er sich selbst und seiner Mutter gegenüber fühlt, wie der Ort Beauval mit den Geschehnissen umgeht, welche Angst er hat, dass die Leiche gefunden wird, welche Verzweiflung er hegt und welche Pläne er versucht zu verfolgen, aber weder Flucht noch Selbstmord gelingen ihm. Ein schweres Unwetter lässt die an sich schon rasante Geschichte noch mehr aufleben, was mich zusätzlich sehr betroffen gemacht hat, zumal ein Unwetter ähnlichen Ausmaßes vor einem Jahr hier ganz in der Nähe gewütet hat und mir durch die Geschichte noch deutlicher wurde, wie die Leute gefühlt haben müssen. Das Unwetter verwüstet das Dorf und das Waldgebiet enorm, wodurch das Leid der gesamten Dorfbewohner in den Vordergrund und der verschwundene Rèmi in den Hintergrund tritt. Und Antoine beschließt, von Beauval fortzugehen.

Zwölf Jahre später nimmt der Autor die Geschichte wieder auf und man lernt den inzwischen Erwachsenen Antoine kennen, wie sich sein Leben für ihn positiv entwickelt hat, er sich phasenweise stark und allem überlegen fühlt, er allerdings nach wie vor auch sehr mit seiner Schuld zu kämpfen hat. Albträume verfolgen ihn immer wieder, mit niemandem jemals über den Vorfall sprechen zu können, quält ihn, Besuche in Beauval meidet er so gut es geht. Bei einem dieser Besuche begeht er einen weiteren folgeschweren Fehler, deren Konsequenzen seine positive Entwicklung wieder zum Einsturz bringen und er in weiterer Hinsicht eine Bestrafung erhält zum Preis seines ganzen Lebens. Nach einem weiteren Zeitsprung von vier Jahren erfährt der Leser seine aktuelle Lebenssituation, in der er sich mit den Tatsachen arrangiert hat, soweit es geht, und der Autor lässt am Ende eine weitere Bombe platzen, mit der der Leser nicht gerechnet hätte. Ob Rèmis Leiche je gefunden und Antoine als Täter überführt wurde, möchte ich hier natürlich nicht verraten!

In meinen Augen ist dies ein herausragender Roman. Beginnend beim sehr passenden Cover mit dem verschlossen wirkenden Jungen. Der Autor hat ein Thema gewählt, wie es mir noch in keinem Buch untergekommen ist und dies unglaublich gut umgesetzt, auch wenn man sich fragen muss, wie man auf die Idee kommt, als Autor solch eine Geschichte durchspielen zu wollen. Es wird einem vor Augen geführt, wie schnell eine unüberlegte Handlung das restliche Leben beeinflussen kann, dass die Zeit nicht alles vergisst und man nicht vor allem davonlaufen kann. Die Geschichte hallt noch stark in mir nach und wird mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben. Deswegen gibt es von mit definitiv fünf von fünf Sternen dafür!

Veröffentlicht am 21.10.2017

Begeistert ins 19. Jahrhundert zurück versetzt

Die zwei Leben der Florence Grace
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Ich habe schon lange keinen historischen Roman mehr gelesen, umso mehr habe ich mich gefreut, mit "Die zwei Leben der Florence Grace" von Tracy Rees eine willkommene Abwechslung zu meiner sonstigen Lesegewohnheit ...

Ich habe schon lange keinen historischen Roman mehr gelesen, umso mehr habe ich mich gefreut, mit "Die zwei Leben der Florence Grace" von Tracy Rees eine willkommene Abwechslung zu meiner sonstigen Lesegewohnheit zu bekommen, und ich wurde definitiv nicht enttäuscht. Schon das Cover hat mein Interesse an dem Roman geweckt. Es wirkt sehr ansprechend und frisch, so habe ich die Geschichte auch empfunden. Denn entgegen meiner Befürchtung war der Roman sehr angenehm und flüssig zu lesen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr bildlich, ich konnte mir alles gut vorstellen. Ebenso ist er sehr gefühlvoll und ich konnte mich problemlos in die Figuren, allen voran Florence, hinein versetzen und mitfühlen.

Unterschiedlicher könnten die zwei Leben von Florrie nicht sein. Bei der Geburt stirbt ihre Mutter, mit acht Jahren verliert sie ihren Vater. Fortan lebt sie alleine mit ihrer Großmutter in den weiten Mooren von Cornwall. Sie hat dort, abgesehen von den ärmlichen Verhältnissen und der harten Arbeit auf den Feldern, ein schönes Leben mit sehr viel Freiheit und liebt es, in den Mooren umher zu streifen. Sie hat zwei sehr gute Freunde, genießt Privatunterricht bei einer jungen Frau wo sie im Gegensatz zu den meisten anderen Kindern lesen und schreiben und Geschichte lernt. Außerdem unterrichtet sie die Alte Rilla, die ihr viel über Pflanzen und Heilmethoden lehrt. Außerdem hat sie wie Florrie übersinnliche Kräfte. Mit 15 Jahren muss auch ihre Großmutter von ihr gehen und weiht sie kurz vor ihrem Tod in ein Familiengeheimnis ein, das für Florrie von heute auf morgen ein komplett anderes Leben bedeutet und dieses neue Leben auch den Großteil der Geschichte ausmacht. Sie gehört plötzlich der Familie Grace an, eine früher sehr angesehene Familie in London, in der sie gar nicht glücklich ist und sich nichts sehnlicher wünscht, als in die Moore zurück zu kehren. Sie hat von nun an Essen im Überschuss und prächtige Kleider, dafür keinerlei Freiheiten mehr und fühlt sich eingesperrt, unwohl und unwillkommen. Vor allem die weiblichen Mitglieder der Familie sind äußerst bösartig ihr gegenüber. Die männlichen Mitglieder haben noch eher Verständnis für sie und immerhin in ihrem Cousin Turlington findet sie einen Freund und über die Jahre entwickelt sich mehr, aber er hat dunkle Geheimnisse...

Ich mochte die Protagonistin Florrie bzw. Florence sehr, konnte mich sehr gut in die Zeit des 19. Jahrhunderts, die Orte und Personen hinein versetzen und möchte nun auf alle Fälle auch den Debütroman der Autorin lesen. Mich hat das Buch absolut überzeugt und ich vergebe sehr gerne fünf Sterne dafür.

Veröffentlicht am 21.10.2017

Eine beeindruckende Reise nach Afrika

Der Sandmaler
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Zum Glück ist es mir das Buch "Der Sandmaler" von Henning Mankell durch Zufall in die Hände gefallen, es wäre ansonsten schade um diese grandiose Geschichte gewesen, die für mich sehr beeindruckend war. ...

Zum Glück ist es mir das Buch "Der Sandmaler" von Henning Mankell durch Zufall in die Hände gefallen, es wäre ansonsten schade um diese grandiose Geschichte gewesen, die für mich sehr beeindruckend war. Das Cover passt sehr gut zum Titel bzw. Thema. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, die Geschichte, die im Jahr 1971 spielt, ist in sehr einfacher und gefühlvoller Sprache verfasst und hat meinen Horizont, was Afrika und Geschichte betrifft, erweitert. Den Zeitsprung in die Vergangenheit merkt man an kleinen Dingen, z.B. dass im Flugzeug geraucht werden darf oder die Protagonistin einen herkömmlichen Fotoapparat verwendet. Grundsätzlich wirkt die Geschichte jedoch keinesfalls veraltet.

Elisabeth, die aus einfachen Verhältnissen stammt, war für mich von Anfang an eine tolle Protagonistin. Im Gegensatz zu Stefan, Sohn reicher Eltern, der in mir keine Sympathie wecken konnte. Die Beiden haben Abitur gemacht, hatten eine flüchtige Beziehung und reisen beide zufällig im gleichen Flugzeug für zwei Wochen nach Afrika. Elisabeth möchte das Land verstehen, ebenso wie Sven, ein Lehrer, mit dem sie neben Stefan viel Zeit verbringt und der ihr historische Hintergründe näher bringt. Auch mit einem armen afrikanischen Jungen, Ndou, verbringt sie eine für sie sehr aufschlussreiche Zeit. Stefan dagegen ist rein auf Strandleben, Alkohol und Frauen aus.

Der Autor hat in der nur 156 Seiten langen Geschichte, die in meinen Augen noch viel mehr ausgeschmückt hätten werden dürfen, sehr viele gute Themen untergebracht. Er zeigt dem Leser die Schönheit des Landes, bringt ihm das Leben der Einheimischen, ihre Armut, Lebenskunst und ihre Bräuche näher, zeigt, wie weiße Touristen und der Kapitalismus sich an der Armut des Landes bedienen und welche Auswirkungen und Nachwirkungen der Kolonialismus für das Land hat. Dass dieses Land in gewisser Weise von den reichen Industriestaaten als Müllhalde benutzt wird und wie die Armen die Touristen sehen, als wären deren Heimatländer das Paradies auf Erden, wie perfekt und problemlos alles fort sei und die Menschen glauben dies nachahmen zu müssen, damit es ihnen gut geht und damit ihre Eigenart ablegen und sich in die Abhängigkeit von europäischen und amerikanischen Unternehmen treiben.

Elisabeth und Stefan machen einige beeindruckende Erfahrungen, sei es der Besuch eines großen Marktes, eines Fußballspieles in der Nationalarena des Landes, eines Friedhofes, in dem die Kolonialherren begraben liegen und eines Lepradorfes. Aber nur Elisabeth lernt aus diesen Erfahrungen, kommt ins Überlegen über ihr Leben und dem in Afrika, verändert sich und hat schließlich auch noch die Möglichkeit, Ndous Familie und die Bitte dessen Vater an sie, sowie deren Lebensumstände in einer Wellblechhütte in einem der ärmsten Viertel kennen zu lernen und erhält als Geschenk des Sandmalers neben einem Frauengesicht, das die Form Afrikas hat, auch ein Porträt von ihr in den Sand gemalt, ein Geschenk, das sie nicht mitnehmen kann, wie die Touristen es mit allem anderen machen. Diese Begegnung weckt in ihr neue Lebenslust und Freude darauf, ihre weitere Lebensplanung, die ihr bisher nicht klar war, in Angriff zu nehmen.

Ein Buch, das dem Leser so vieles an Informationen und Gefühlen gibt und dazu anregt, das eigene Leben zu überdenken. Ich vergebe hierfür sehr gerne fünf glänzende Sterne!