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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2017

Spannender Thriller vor brisantem Hintergrund

Verfolgung
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Inhalt:

Lisbeth Salander, die aufgrund der Ereignisse im letzten Band eine kurze Haftstrafe im Hochsicherheitsgefängnis Flodberga absitzt, erfährt von ihrem altern Förderer Holger Palmgren neue Details ...

Inhalt:

Lisbeth Salander, die aufgrund der Ereignisse im letzten Band eine kurze Haftstrafe im Hochsicherheitsgefängnis Flodberga absitzt, erfährt von ihrem altern Förderer Holger Palmgren neue Details zu ihrer Kindheit und Jungend. Sie bittet Mikael Blomkvist, der sie regelmäßig im Gefängnis besucht, Nachforschungen zu Leo Mannheimer anzustellen, in dessen Kindheit es anscheinend Parallelen zu Lisbeths Vergangenheit gibt. Im Gefängnis wird die Stimmung immer angespannter. Ein weiterer Handlungsstrang führt uns zu Faria Kazis, die ebenfalls in Flodberga einsitzt und von einer anderen Gefangenen, Benito Anderson, gemobbt wird. Hier wird schnell klar, dass die Hintergründe zu ihrer Vergangenheit führen, die sie bis in Gefängnis verfolgen.

Meine Meinung:

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Die beiden parallel erzählten Geschichten sind jede auf ihre Art fesselnd. Besonders die Nachforschungen zu Lisbeths Vergangenheit erweisen sich als sehr brisant und führt den Leser in die Abgründe der Zwillingsforschung. Ich fand es erschreckend, welche Details hier bekannt wurden. So erschreckend, dass es hier sogar zu Entführungen und einem Mord kommt.
Auch dir Rückblenden zu Leos Leben und dem seines Bruders erweisen sich als sehr aufschlussreich über das Vorgehen der Behörden. Auch wenn wir keinen weiteren Details zu Lisbeths Vergangenheit erfahren, können wir aus dem Schicksal der Männer einiges ableiten.
Farias Geschichte führt uns zum Thema Zwangsehen und den Vorstellungen, die in einigen Zuwandererfamilien existieren. Erschreckend hierbei auch, wie weit die Macht der Familien bis in die Gefängnisse reichen und wenig die Gefängnisleitung in der Lage ist, sie Insassen zu beschützen.
Die Charaktere werden sehr gut gezeichnet und die Auswahl der Themen ist sehr interessant. Leider ist Mikaels Charakter etwas blass gezeichnet, er dient nur als „Informationsbeschaffer“ ansonsten spielt er eine untergeordnete Rolle. Lisbeth ist auch in diesem Buch die tragende Person, bleibt aber auf ihre Art unnahbar und mit ihren unkonventionellen Handlungsweisen hält sie einige Überraschungen bereit, die einen nach Luft schnappen lassen.
Alles in allem handelt es sich um ein lesenswertes Buch, dass einiges an Spannung bereithält, aber leider habe ich auch in diesem Band wieder das Gefühl Lisbeth nicht näherzukommen. Der Grund hierfür liegt sicherlich in ihrem Charakter, aber ich mag es bei Thrillern gerne, wenn man sich mit den Protagonisten identifizieren kann. Das fehlt mir hier etwas.

Veröffentlicht am 11.10.2017

Spannende Familiengeschichte in den 1970er Jahren

Möge die Stunde kommen
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Inhalt:

England 1970: Wir steigen in die Handlung mit dem Prozess von Virginia Fenwick gegen Emma Cliften in die Handlung ein. Emma schafft es ihre Unschuld zu bestätigen, der Preis ist aber das Ende ...

Inhalt:

England 1970: Wir steigen in die Handlung mit dem Prozess von Virginia Fenwick gegen Emma Cliften in die Handlung ein. Emma schafft es ihre Unschuld zu bestätigen, der Preis ist aber das Ende der politischen Karriere ihres Mannes Harry. Giles schafft es seine Liebe Karin aus Ost-Berlin zu befreien. Schnell stellt sich die Frage, ob sie die Flucht nur aus Liebe auf sich genommen hat oder ob es auch noch weitere Gründe gab. Nach dem Ende seiner politischen Karriere widmet sich Harry dem Kampf um die Freiheit seines russischen Freundes Anatoli Babakow, der seit längerer Zeit inhaftiert ist.

Meine Meinung:

Ich habe mich darauf gefreut, vom weiteren Schicksal der Personen zu erfahren, die ich schon aus den Vorgängerbänden kannte. Ich bin nicht enttäuscht worden, denn der Autor schafft es mal wieder, den Leser mit in eine Welt auf Intrigen, Liebe und Familie zu nehmen. Mich hat das Buch von Anfang an gefangen genommen und es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
In diesem Buch liegt der Hintergrund des Buches ganz klar im Kalten Krieg. Es geht um Spionage und Schriftsteller, die nicht frei arbeiten und das Land verlassen dürfen. Für mich wurde eine vergangene Zeit wieder lebendig. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich das Auftauchen historischer Personen wie Walter Scheel und Maggy Thatcher finden soll, die zu einem Teil der Handlung wurden. Sie verkörpern aber bestimmt einiges von der Stimmung der Zeit.
Ich kann diese Buch nur empfehlen, nimmt es doch vieles von den Ereignissen auf, die die damalige Zeit geprägt haben. Eingewoben in eine Familiengeschichte, mit sehr unterschiedlichen Charakteren, ergibt sich ein wirklich spannendes Buch.
Für Leser, die sich für die jüngere Geschichte interessieren ist dieses Buch absolut lesenswert.

Veröffentlicht am 11.10.2017

Spione in Cambridge

Cambridge 5 - Zeit der Verräter
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Inhalt:

Cambridge: Professor Hunt lehr Geschichte an der alten Universität in Cambridge. Er bereut die Promotion der deutschen Studentin Wera, die sich in ihrer Arbeit mit den Cambridge 5 beschäftigt. ...

Inhalt:

Cambridge: Professor Hunt lehr Geschichte an der alten Universität in Cambridge. Er bereut die Promotion der deutschen Studentin Wera, die sich in ihrer Arbeit mit den Cambridge 5 beschäftigt. Das waren 5 Studenten, die sich in den 30er Jahren vom russischen Geheimdienst haben anwerben lassen und lange Zeit als Spione für Russland gearbeitet haben. Als es an der Fakultät zu einem Mord kommt, stellt sich die Frage, welche Rolle Hunt in diesem Fall spielt, aber auch Weras Verstrickung in die Ereignisse wirft einige Fragen auf.

Meine Meinung:

Mir fällt es etwas schwer, eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Ich hatte eine spannende Agentengeschichte erwartet, das ist dieses Buch aber nicht. Das Thema der Cambridge 5 wird eigentlich nur in Weras Promotionsarbeit behandelt und dieses Teil liest sich daher beinahe wie ein Sachbuch. Interessant sind die Rückblicke in Hunts Studentenzeit, die in Zeit der Studentenunruhen viel.
Eine überraschende Wendung nimmt die Handlung als es in Cambridge zu einem Mordfall kommt. Hier wandelt sich die Handlung beinahe zu einem Krimi. Leider überwiegt im Gesamteindruck der eines Sachbuches, das von einer Rahmenhandlung eingefasst wird.
Mich konnte das Buch nicht richtig fesseln. Meine Erwartungen, die ich durch die Buchbeschreibung hatte, waren wahrscheinlich einfach falsch. Die Geschichte ist gut recherchiert, jedoch sind die Charaktere eher trocken und ich konnte mich nicht richtig mit ihnen anfreunden.
Als Fazit lässt sich sagen: Ein gut recherchiertes Buch zum Thema Philby und Cambridge 5, als Roman oder Krimi eher etwas zu trocken.

Veröffentlicht am 26.09.2017

Blick hinter die Kulissen Syriens

Sami und der Wunsch nach Freiheit
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Inhalt:

Der Autor trifft bei einem befreundeten Ehepaar den jungen Syrer Scharif, der ihm die Lebensgeschichte seines Freundes Sami erzählt. Von frühen Kindheit, über seine Jungend und Schulzeit nimmt ...

Inhalt:

Der Autor trifft bei einem befreundeten Ehepaar den jungen Syrer Scharif, der ihm die Lebensgeschichte seines Freundes Sami erzählt. Von frühen Kindheit, über seine Jungend und Schulzeit nimmt uns der Autor mit auf eine Reise in das diktatorische Syrien. In vielen Episoden erzählt Scharif uns von seinem Leben, den Ungerechtigkeiten und der Vetternwirtschaft des Herrscherclans.

Meine Meinung:

Auf den ersten Blick ist dieses Buch ein sehr ruhig erzähltes. In ruhiger Sprache erzählt der Autor die Scharifs Erlebnisse. Von ersten Ungerechtigkeiten in der Schule der armen Leute, über einzelne Geschichten von Nachbarn und Leuten aus dem Stadtteil, ergibt sich ein erschreckendes Bild des Lebensalltags der Menschen unter dem Regime des syrischen Diktators.
Mich hat es sehr berührt, wie schon kleine Kinder in der Schule erleben müssen, dass Kinder, die zur Herrschfamilie gehören ungerechte Vorteile genießen und die Kinder lernen, diese Ungerechtigkeiten für normal hinzunehmen, da sonst erhebliche Nachteile für sie und ihre Familie zu erwarten sind.
Mit zunehmendem Alter Scharifs werden die Berichte erschreckender und die Repressalien im Land schlimmer. So bekommt man einen schönen Einblick in die Stimmung der Gesellschaft, die schließlich in den Aufständen im Zusammenhang mit dem arabischen Frühlings gipfelten.
Es handelt sich um ein sehr lesenswertes Buch, dass dem Leser einen guten Einblick in das Leben im „alten“ Syrien gibt und auch verständlich macht, warum viele Menschen dieses Land verlassen haben und sich auf die Suche nach einem besseren Leben gemacht haben.

Veröffentlicht am 19.09.2017

Flucht und Vertreibung

Marlenes Geheimnis
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Inhalt:

Zur Beerdigung ihrer Großmutter kehrt Nane in den kleinen Ort am Bodensee zurück, in dem ihre Familie nach ihrer Flucht aus dem Sudetenland gelebt hat. Eva hat ihrer Enkelin ein rotes Buch hinterlassen, ...

Inhalt:

Zur Beerdigung ihrer Großmutter kehrt Nane in den kleinen Ort am Bodensee zurück, in dem ihre Familie nach ihrer Flucht aus dem Sudetenland gelebt hat. Eva hat ihrer Enkelin ein rotes Buch hinterlassen, in dem sie von ihrer Flucht und den ersten Jahren ihres neuen Lebens am Bodensee erzählt. Eine Geschichte über 3 Frauen, Großmutter, Mutter und Enkelin, die sich ihren Weg durchs Leben suchen.

Meine Meinung:

Eine berührende Geschichte, die ein wichtiges Kapitel aus der deutschen Kriegs und Nachkriegszeit erzählt, die Besetzung des Sudetenlandes im heutigen Tschechien und die Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Krieg. Die Autorin beleuchtet dabei nicht nur die gewaltsame Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus dem Sudetenland, sondern auch die Massaker, die die deutschen Besatzer an der tschechischen Bevölkerung begangen hat. So spielt die Zerstörung des Ortes Lidice eine wichtige Rolle.
Zusammen mit Eva erleben wir die Vertreibung, die Suche nach Angehörigen, die Soldaten waren, die Verzweiflung aufgrund des Verlustes der Heimat und geliebter Menschen und das Ankommen in der Fremde, wo die Menschen sie nicht grade willkommen heißen.
Mich hat die Geschichte gefangen genommen, werden die Charaktere mit ihren Gefühlen doch sehr gut gezeichnet. Man kann sich gut in die Personen hineinversetzen und bekommt ein Gefühl dafür, was es bedeutet seine Heimat zu verlieren und in der Fremde einen Neuanfang zu starten.
Ein sehr lesenswertes Buch vor einem traurigen Kapitel deutscher und europäischer Geschichte.