Profilbild von solveig

solveig

Lesejury Star
offline

solveig ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit solveig über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.10.2017

Unterhaltsamer Einblick in Katzenleben

Der Tiger in der guten Stube
0

Ein niedliches Schmusekätzchen, das unser heimisches Sofa dominiert: so kennen und lieben wir Katzen.
Abigail Tucker, selbst Katzenhalterin, erschließt dem Leser einen anderen, weitaus umfassenderen Blick ...

Ein niedliches Schmusekätzchen, das unser heimisches Sofa dominiert: so kennen und lieben wir Katzen.
Abigail Tucker, selbst Katzenhalterin, erschließt dem Leser einen anderen, weitaus umfassenderen Blick auf diese Lebewesen, die stets etwas Rätselhaftes für uns haben. Die Autorin geht der Frage nach, wie es eigentlich dazu kam, dass solch ein eigenständiges Tier zu einem der beliebtesten Haustiere unserer Zeit werden konnte, und beginnt ihre Nachforschungen in der Urzeit, in den „Katakomben“. In einem lockeren Stil präsentiert sie Fakten und (ur-)geschichtliche Hintergründe, die dem interessierten Leser zu einem besseren Verständnis von Historie und Natur der Katzen verhelfen. Sie stellt die Urmutter der heutigen Hauskatzen felis silvestris lybica (Falbkatze) vor, berichtet über Domestizierung und erzählt von modernen Zuchtversuchen. Natürlich ist auch die Ausbreitung von Hauskatzen in aller Welt und die Auswirkungen auf die Umwelt ein wichtiges Thema. Für den Laien gut verständlich erklärt Tucker Fachwissen über die Funktionsweise eines speziellen Katzenvirus´, der das Gehirn anderer Spezies´ nachhaltig beeinflussen kann.
Den leisen Humor, den die Autorin in ihren Ausführungen durchscheinen lässt, nimmt die Illustratorin Monika Steidl auf und setzt ihn mit dem Zeichenstift um; gezeichnete Stubentiger und ihre Pfotenabdrücke begleiten uns durch das ganze Buch.
Spannend und keineswegs trocken gelingt es Tucker, ein Bild unseres Katzen“wahns“ zu übermitteln: von ihrer Verehrung im alten Ägypten bis zur modernen Katzenschau, von ihrer Funktion als Mäusevertilger bis zum Internet- und Werbestar. Es gibt kein Thema, das Abigail Tucker ausspart, um zu beleuchten, „wie die Katzen erst uns und dann die Welt eroberten“. Warum so viele Menschen von Katzen fasziniert sind? Nach der Lektüre dieses Buches ist dem Leser sicherlich einiges klarer; trotzdem bleibt es um die Katze ein wenig rätselhaft…

Veröffentlicht am 20.10.2017

Am Glückspol

Die kleine Dame melodiert ganz wunderbar (4)
0

Umziehen ist eine ganz schlechte Idee, finden Lilly und Karlchen. Sie lieben ihr „Nest“ im Brezelhaus, einem Haus, dessen Eingang von einer golden schimmernden Brezel gekrönt wird, und strengen sich an, ...

Umziehen ist eine ganz schlechte Idee, finden Lilly und Karlchen. Sie lieben ihr „Nest“ im Brezelhaus, einem Haus, dessen Eingang von einer golden schimmernden Brezel gekrönt wird, und strengen sich an, die Eltern davon zu überzeugen, dass ihre kleine Wohnung auch mit dem angekündigten neuen Geschwisterchen für alle groß genug sei. Gemeinsam mit ihrer besonderen Freundin, die hinter der Ligusterhecke im Hof ihren Wohnsitz hat, suchen sie nach einer Lösung. Mit ihren ungewöhnlichen Eigenschaften und ihrer Körpergröße, die der eines Pinguins entspricht, ist die kleine Dame die ideale Freundin und Ratgeberin für die Mädchen. Und tatsächlich hat sie eine melodiöse Idee, bei der Frau Schnacksel und der Hausmeister Herr Leberwurst eine Schlüsselrolle spielen…
Mit viel Fantasie und Humor erzählt Stefanie Taschinski eine wunderbar warmherzige Geschichte über die Bemühungen zweier Kinder, die mit Hilfe der findigen kleinen Dame ihr Zuhause retten wollen. Erfahren und alt an Jahren, dabei aber im Wesen jung geblieben, voller spannender, toller Einfälle und immer gut aufgelegt, ist die kleine Dame eine liebenswerte Freundin, die alle kleinen Leser bestimmt schnell ins Herz schließen. Die Autorin schreibt in sehr ansprechendem, kindgemäßem Stil und spielt kreativ-fantasievoll mit Wörtern. Besonders Fremdwörter, mit denen Grundschulkinder normalerweise Mühe haben, werden „verfremdet“ ; so unternimmt die kleine Dame mit dem Tropenhut eine Salafari mit Karlchen und Lilly und hat die Gabe zu chamäleonisieren; denn sie hat ein recht seltwürdiges Haustier. Dem fröhlichen, stets optimistischen Grundton der Geschichte entsprechen auf zauberhafte Weise Nina Dullecks farbenfrohe Illustrationen. Teils ganzseitig, teils großzügig in den Text integriert sorgen sie für zusätzliches Vergnügen bei den kleinen Betrachtern.
Mein Fazit: In der lebensfrohen, glücklichen Welt des Brezelhauses und der kleinen Dame können sich junge Leser ab 6 Jahren richtig wohlfühlen.

Veröffentlicht am 20.10.2017

Ora et labora

Harte Jahre - starke Frauen
0

„Bete und arbeite“ - so lautet das Credo der fünf Frauen, aus deren Leben in diesem Buch berichtet wird. Die beiden Autorinnen geben den Bäuerinnen Josefine, Toia, Kathi, Augusta und Margareth eine ...

„Bete und arbeite“ - so lautet das Credo der fünf Frauen, aus deren Leben in diesem Buch berichtet wird. Die beiden Autorinnen geben den Bäuerinnen Josefine, Toia, Kathi, Augusta und Margareth eine Stimme; sie haben die Erzählungen gesammelt und so behutsam ins Hochdeutsche geschrieben, dass sie authentisch bleiben.
Geboren zwischen 1894 und 1943, haben die fünf Tirolerinnen politisch und wirtschaftlich schwierige Zeiten erlebt. Sie wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf und mussten schon als Kinder einen großen Teil der Arbeit in Haus und Hof übernehmen. Häufig wurden sie in entfernte Orte auf Bauernhöfe oder in Haushalte geschickt, um dort zu arbeiten. Der Schulbesuch war für diese schwer arbeitenden Kinder Nebensache und währte nur kurze Zeit. Auch in der Ehe erwartete die Frauen oft ein hartes Schicksal. Ihr Lebensinhalt bestand aus Pflichterfüllung - Kindergebären, arbeiten und beten. Welche Erwartungen hatten sie eigentlich an ihr Leben?
Widerspruch wagte keine der Frauen. Gesellschaft und Kirche erwarteten von ihnen strikte Unterordnung: „Wir waren zu Gehorsam erzogen worden, in jeder Lebenslage, und wir waren dafür vorgesehen, zu helfen und zu dienen“ erklärt Augusta (Jahrgang 1933). Dennoch bezeichnen sich die Frauen trotz aller Widrigkeiten und Härten in ihrem Leben als zufrieden. Was macht sie so ausgeglichen?
Auch das Foto, welches das Buchcover ziert, lässt sehr eindrucksvoll die Lebensbedingungen der weiblichen Landbevölkerung erahnen. Trotz Not und schwerer Arbeit lächelt das junge Mädchen bereitwillig in die Kamera, sie wirkt nicht bedrückt oder unglücklich.
Schlicht und dabei sehr eindrücklich lesen sich die Lebensberichte der fünf Tiroler Bäuerinnen, die stellvertretend für viele Frauen ihrer Generation und ihres gesellschaftlichen Standes von ihren Schicksalen erzählen.

Veröffentlicht am 20.10.2017

Schnell und lecker!

Simply Quick
0

Mit diesem Buch aus seiner erfolgreichen Kochbuchreihe „Simply…“ trifft Julian Kutos sicher den Nerv vieler Leser: wer wünscht sich nicht, eine Mahlzeit auf den Tisch zu bringen, die schnell, einfach und ...

Mit diesem Buch aus seiner erfolgreichen Kochbuchreihe „Simply…“ trifft Julian Kutos sicher den Nerv vieler Leser: wer wünscht sich nicht, eine Mahlzeit auf den Tisch zu bringen, die schnell, einfach und trotzdem lecker ist? Ohne allzuviel Zeitaufwand lassen sich seine Rezepte auch für den Hobbykoch umsetzen - vorausgesetzt, alle Zutaten sind im Haushalt vorhanden.
Wer bereits Bücher des jungen österreichischen Kochs in der Hand gehalten hat, weiß, welche Zutaten er vorrätig haben sollte und welche „Arbeitsgeräte“ nötig sind; wer neu ist, lernt auf den ersten Buchseiten Kutos´ Vorratskammer kennen. Auch seine grundlegenden Tipps zu Küchenarbeiten, Beilagen und Getränken geben wieder Hilfestellung.
Coq au vin oder Wiener Rindsrouladen klingen nach intensiver Vorarbeit, sind aber in gut 20 bis 30 Minuten vorzubereiten - das Garen natürlich nicht eingerechnet. In praktischen Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die auch von Kochanfängern gut nachzuvollziehen sind, erklärt Kutos die Arbeitswege. Zahlreiche Fotografien von Wolfgang Hummer verdeutlichen seine Anweisungen zusätzlich und machen Appetit.
Von Ameisen am Baum bis Zabaione stellt der junge Koch detailliert eine Anzahl internationaler Gerichte vor. Hier wird sicher jeder fündig, auch wer Exotisches liebt. Ein Glossar, ein Überblick über wichtige Kochbegriffe und Menüvorschläge ergänzen den Rezepteteil.
Ein unkompliziertes Kochbuch, dessen junger Autor Frische und Schwung vermittelt!

Veröffentlicht am 20.10.2017

"Du weißt nie, was morgen passiert..."

Mein Russland
0

… lautet das Fazit des jungen Unternehmerehepaares Marjucha aus Moskau. Die Marjuchas erscheinen in einem der insgesamt elf Porträts, die ORF Korrespondentin Carola Schneider für dieses Buch zusammengestellt ...

… lautet das Fazit des jungen Unternehmerehepaares Marjucha aus Moskau. Die Marjuchas erscheinen in einem der insgesamt elf Porträts, die ORF Korrespondentin Carola Schneider für dieses Buch zusammengestellt hat. Die Stimmen, die sie zu Wort kommen lässt, stammen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten und Berufen: Journalisten, Menschenrechtsaktivisten, Künstler, Rentner, Bauern. Einige sind Regimegegner, einige pro Putin, andere wiederum wollen in erster Linie in Ruhe ihr privates Dasein leben. Also scheint es auf den ersten Blick nicht viel anders als in anderen Staaten zu sein. Was macht Russland und seine Bewohner so besonders bzw. so widersprüchlich, wie es der Titel formuliert?
Thematisiert werden u.a. die aktuelle Politik, der Einfluss der Kirche, Kultur, ökonomische Möglichkeiten - wobei jeder der Interviewten seine eigene Geschichte und Sichtweise äußert. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie ihre Heimat nicht verlassen möchten und ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft setzen.
Der gegenwärtige Alltag ist für die meisten nicht einfach; wirtschaftliche und politische Krisen beherrschen das Leben der Menschen. Es scheint, als ob viele Russen ihr Selbstbewusstsein aus der Vergangenheit ziehen, aus dem Beitrag Russlands zu dem gewonnenen Weltkrieg. „Wir müssen herausfinden, wer wir sind … für uns und für die Welt“, erklärt der Pro-Putin-Propagandist Wichljanzew und wünscht sich zukunftsweisende Ideen: „Vielleicht rühren die vielen Krisen und Konflikte daher, dass wir keine großen Ideen mehr haben.“
Das Buch ist lebendig und für jedermann verständlich geschrieben. Fotos vermitteln dem Leser noch mehr Nähe zu den Menschen, die hinter den Lebensberichten stehen. Die hier ausgewählten Reportagen sind sicher nicht repräsentativ, geben aber doch einen guten Querschnitt an Meinungen wieder.