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Veröffentlicht am 09.05.2019

Ein originelles und witziges Buch wie ein Huhn das Glück sucht

Trudel Gedudel purzelt vom Zaun
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Eva Muszynski schrieb das im cbj Verlag erscheinende Kinderbuch "Trudel Gedudel purzelt vom Zaun" und Karsten Teich sorgte für die Illustrationen.


Trudel Gedudel lebt mit anderem Federvieh auf dem Hof ...

Eva Muszynski schrieb das im cbj Verlag erscheinende Kinderbuch "Trudel Gedudel purzelt vom Zaun" und Karsten Teich sorgte für die Illustrationen.


Trudel Gedudel lebt mit anderem Federvieh auf dem Hof "Das Gelbe vom Ei". Während die anderen Hühner ihrem Hahn Karuso hinterher rennen, bewegt sich Trudel immer abseits des Trubels.
Sie geht schon mal ganz nah an den Zaun, wohl wissend, dass auf der anderen Seite der Fuchs lauern könnte. Als ihr die Möwe Gräten-Käthe vom Meer und von der Freiheit vorschwärmt, will sie das unbedingt sehen und selbst erleben. Die dummen Putenzwillinge verhelfen ihr dann zufälligerweise zu einem Flug über den Zaun.


Das Huhn Trudel Gedudel ist nicht wie die anderen Hühner auf dem Hof. Sie trägt eine Perlenkette, ist abenteuerlustig und pfiffig. Als ihr die Möwe Gräten-Käthe vom Meer vorschwärmt, wird sie neugierig und möchte dieses »Mehr« unbedingt selbst sehen. Die klugen Worte ihrer Tante Elli hat sie stets im Kopf und als sie eines Tages außerhalb des Zauns in der Wildnis landet, beginnt für sie eine spannende Geschichte. Unterwegs trifft sie noch den unwirschen Herrn Klabautermann und zwei Strandkrabben und als sie plötzlich mitten im Meer landet, hat sie dann doch ein Problem, denn Hühner können ja nicht schwimmen. Und von Ebbe und Flut weiß Trudel auch nichts.

Diese Geschichte ist lustig geschrieben, es gibt einige Wortspielereien und die wunderschönen sehr pastellig gehaltenen Bilder machen das Buch zu einem beliebten Vorlesebuch, das Kindern gut gefällt.

Die Grundidee des Buches steckt in der Tatsache: Was man nicht kennt, macht einen neugierig. Genauso ergeht es auch dem Huhn Trudel. Denn auf der anderen Seite des Zauns lockt nicht nur die Freiheit, sondern auch das Unbekannte und ebenso die Gefahr.


Wie intelligent Trudel ist, kann man nicht genau sagen, sie ist etwas naiv und neugierig und auf alle Fälle kein ängstliches Huhn. Sie ist offen für Neues, hilfsbereit und geht auf Fremde zu.
Das macht sich schliesslich bezahlt, denn ihre neu gewonnenen Freunde retten sie aus dem Meer.

Die witzigen Wortspielereien, wie die unterschiedlichen und sich reimenden Namen, mit der die Möwe Trudel bezeichnet, lockern die Erzählung auf und zeigen Kindern die Möglichkeit zum Reimen auf.

Dieses Kinderbuch richtet sich an Kinder im Alter ab 5 Jahren, ich würde die Altersstufe schon tiefer ab 3 Jahren ansetzen, denn es gibt im Buch nur kurze Textabschnitte und dank der wunderbaren Illustrationen einiges zu entdecken.


Durch den positiven Ausgang des Buches und die amüsante und bildhaft toll in Szene gesetzte Geschichte wird "Trudel Gedudel purzelt vom Zaun" schnell das Lieblingsbuch ihrer Kinder. Mir hat es mit meinem kleinen Nachbarjungen viel Spaß gemacht.

Veröffentlicht am 07.05.2019

Interessanter Mix aus Evolutionstheorie, Artenschutz und Krimigeschichte

Der Federndieb
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Das Sachbuch "Der Federndieb" von Autor Kirk Wallace Johnson erschien am 1.10.2018 im Droemer Verlag.


Kirk Wallace Johnson ist Autor und leitet eine Stiftung für Opfer des Irak-Kriegs, sein Angler-Hobby ...

Das Sachbuch "Der Federndieb" von Autor Kirk Wallace Johnson erschien am 1.10.2018 im Droemer Verlag.


Kirk Wallace Johnson ist Autor und leitet eine Stiftung für Opfer des Irak-Kriegs, sein Angler-Hobby hilft ihm gegen den beruflichen Stress. Zum Fischen von Lachsen benutzt er Köder-Fliegen und als er von einem Einbruch in die ornithologische Abteilung des Britischen Naturkundemuseums hört, bei dem etliche Vogelbälger von zum Teil ausgestorbenen Vögeln gestohlen werden, nimmt er die Ermittlungen auf. Die Sammlung der Vögel stammt vom Naturforscher Alfred Russel Wallace.


Dieses Buch ist als Sachbuch eingeordnet, es vermischt in Wahrheit aber Wissenschaft, Geschichte und Krimi. Das stellt mich vor eine schwierige Ausgangslage zur Bewertung.
Denn meiner Meinung nach hätte man bei einem Krimi aus der Handlung definitiv mehr machen können. Wer sich aber für die wissenschaftliche Abhandlung über Vogelbälger, fremde Vogelwelten und wunderschöne Vögel interessiert, liegt mit diesem Buch bestimmt richtig.


Fliegenfischer nutzen für den Fang von Lachsen oder Forellen kunstfertig gebundene Köder aus Vogelfedern, die dann auf der Wasseroberfläche schwimmen und Insekten vortäuschen.
Es gibt nur wenige Menschen, die diesen Blödsinn zu einer Kunstform geführt haben, die aus besonders seltenen Federn hergestellten Köder bringen in Insiderkreisen horrende Summen.

Johnson gibt einen ausführlichen Einblick in die Zeit der Abenteuerreisen im 19. Jahrhundert. Der Forscher Alfred Russel Wallace gilt als stiller Konkurrent zu Charles Darwin und entwickelte ebenfalls eine Evolutionstheorie. Man erlebt im Buch Wallace auf seinen Reisen und fühlt seinen Forschergeist, wenn er unbekannte Vögel aufspürt. Seine Sammlung umfasst viele Tiere und besonders imposant sind die Bälger der Paradiesvögel. Traurige Wahrheit ist jedoch, dass viele dieser Tiere ausgestorben sind. Daher ist für mich das beigefügte Bildmaterial ein echter Wehmutstropfen. Da haben die Damen von früher mit ihren opulenten Hutschmuck sicherlich ihren Teil dazu beigetragen.

Sehr ausführlich wird im Buch der Geschichte der Fliegenfischerei nachgegangen. Auch das ist mir ein echtes Gräuel. Statt herumfliegende lose Vogelfedern zu sammeln oder künstliche Köder zu verwenden, dienen sogar gestohlene Vogelbälge aus den Museen für diese irre Idee.

Diese seltenen Angelköder sind der Aufhänger für die Krimigeschichtes des Buches.

Sehr gut gefallen hat mir die spürbare Begeisterung für die Schönheit der Natur, die durch das gierige und ausbeuterische Verhalten der Menschen gefährdet ist.
Der Schreibstil lässt sich gut lesen, es erfordert aber einige Konzentration und die Fotos im Bildteil geben einen ungefähren Eindruck der Köderfliegen und der wunderschönen Paradiesvögel wieder.


Der Federndieb ist ein informatives Sachbuch, aber auch eine Warnung an die Menschheit, sich verantwortungsvoll der Tierwelt anzunehmen und sie zu schützen.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Ein Stück Zeitgeschichte

Zwei Handvoll Leben
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Katharina Fuchs Roman "Zwei Handvoll Leben" erscheint im Droemer Knaur Verlag.

Berlin 1919: Das Kaufhaus KaDeWe sucht Verkäuferinnen, diese Chance nutzt die junge Schneiderin Anna, um der Armut des Spreewalds ...

Katharina Fuchs Roman "Zwei Handvoll Leben" erscheint im Droemer Knaur Verlag.

Berlin 1919: Das Kaufhaus KaDeWe sucht Verkäuferinnen, diese Chance nutzt die junge Schneiderin Anna, um der Armut des Spreewalds zu entfliehen.

1914: Charlotte wächst in Sachsen auf dem Landgut ihres dominanten Vaters auf. Als sie von ihrer Tante und deren jüdischem Ehemann in die Leipziger Ballsaison eingeführt wird, begegnet sie ihrer ersten großen Liebe. Doch der Beginn des ersten Weltkriegs zerstört ihre Pläne.

Beide Frauen begegnen sich erst 1953 in Berlin, beide haben zwei Weltkriege erlebt und ihre schicksalshaften Leben hinter sich. Die Ehe ihrer Kinder führt sie zusammen.

"Es ist das vergessene Leben der Frauen, in dieser ganz besonderen Zeit, die bis heute nachwirkt, das ich zu Papier bringen wollte. Es wurde so lange totgeschwiegen. Zwei Handvoll Leben lässt es uns spüren." Zitat Katharina Fuchs

Ohne die Frauen der Kriegsgeneration wären wir heute in Deutschland nichts. So muss man es mal auf den Punkt bringen. Diese starken Frauen haben hart gearbeitet, persönliche Verluste erlitten, menschliche Tragödien erlebt und dennoch nicht aufgegeben und sich ihrem Schicksal ergeben. Sie haben sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Maßnahmen tapfer geschlagen. Niemand sollte das je vergessen.

In diesem Roman erzählt Katharina Fuchs bildhaft beschreibend und sehr eindrucksvoll eine Familiengeschichte, die die Geschichte ihrer Großmütter verarbeitet. Nebenbei bringt sie auch noch die Geschichte des Berliner Kaufhauses KaDeWe ins Spiel.

Der Roman teilt sich in zwei Bücher auf, die zeitlich den Ersten Weltkrieg und die Jahre um den Zweiten Weltkrieg umfassen. In diesen Abschnitten erfährt man die Lebenswege der beiden unterschiedlichen Protagonistinnen Anna und Charlotte. Die eine ist sehr arm, die andere aus wohlhabenden Verhältnissen.

Anna wuchs mit fünf Geschwistern im Spreewald auf und erlebte Hunger und Armut hautnah mit. Dennoch ermöglichten ihr ihre Eltern eine Ausbildung zur Schneiderin. Damit hatte sie ihre Eintrittskarte in eine bessere Welt.
Gleichzeitig erlebt Charlotte auf dem Gut Feltin in Sachsen echten Wohlstand und wird in die Leipziger Gesellschaft eingeführt. Sie verliebt sich und verliert die Liebe an den Krieg. Ihr machtbesessener Vater sucht nach einem Ehemann, der das Gut weiterführen soll.

Auch wenn beide Frauen mit unterschiedlichen Voraussetzungen groß werden, so eint sie einiges. Beide erleben die zwei Weltkriege, beide begegnen der Liebe ihres Lebens, treffen falsche Entscheidungen und meistern trotz vielen Widrigkeiten und Schicksalschläge ihr Leben.

Ihre Lebensgeschichten lesen sich sehr emotional und ich habe sie mit großem Interesse verfolgt.

Durch den wunderbaren Schreibstil und die bildhaften Beschreibungen lief während des Lesens bei mir ein Kopfkino ab und ich kann mir die Handlung auch gut als Film vorstellen.

Die zwanziger Jahre zeigen sich im ungezügelten Lebensdurst der Menschen, endlich geht es voran, die Armut und die schlechten Lebensbedingungen sind vorbei. In dieser Zeit startet auch die Erfolgsgeschichte des berühmten und luxuriösen Berliner Kaufhauses KaDeWe.

Im Roman werden viele Sehnsüchte über die Mode, die neue Form von Freihheit und den Traum von einem besseren Leben deutlich gemacht. Sie alle gipfeln auch in dem Konsumverhalten, das sich in den 20er Jahren Bahn bricht.

Obwohl dieses Buch mehrere Leben erzählt, liest es sich doch schnell weg und man ist gefangen von den Erlebnissen und Widrigkeiten, die den Hauptfiguren anhaften.
Dabei hat der angenehme und sehr eingängig zu lesende Schreibstil der Autorin einen großen Anteil. Ihre Beschreibungen wirken so authentisch und lebensnah, dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag.
Sie macht Stimmungen spürbar, zeigt Wünsche und Sehnsüchte auf und haucht ihren Figuren Leben ein, das lässt ein regelrechtes Kopfkino ablaufen.
Es ist darüberhinaus auch eine interessante Darstellung von deutscher Zeitgeschichte.


Worüber ich nicht so erfreut war, ist die Beschreibung im Klappentext, hier wird der Clou des Buches leider vorweggenommen.

Mit diesem Roman habe ich ein Stück Zeitgeschichte lesen dürfen, ich konnte eintauchen in eine Welt, in der Frauen trotz fehlender Anerkennung starke Persönlichkeiten darstellten. Die lebendig dargestellte Handlung hat mit mitgerissen, die Schicksale haben mit einige Schwierigkeiten deutlich vor Augen geführt. Dieses Buch möchte ich unbedingt mit großem Nachdruck empfehlen.

Veröffentlicht am 04.05.2019

Ein interessanter und themenumspannender Roman, der neben seiner urlaubsähnlichen Leichtigkeit auch in die Tiefe geht.

Marina, Marina
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Grit Landaus Roman "Marina, Marina" spielt in Italien und erscheint 2019 im DroemerVerlag.


Die Geschichte spielt in dem kleinen Dörfchen Sant´Amato im Italien der 60er Jahre. Es ist die Wirtschaftswunderzeit ...

Grit Landaus Roman "Marina, Marina" spielt in Italien und erscheint 2019 im DroemerVerlag.


Die Geschichte spielt in dem kleinen Dörfchen Sant´Amato im Italien der 60er Jahre. Es ist die Wirtschaftswunderzeit und einige Deutsche verbringen jetzt ihren Urlaub an der Blumenriviera. Nino ist noch ein Junge als er sich zum ersten Mal in Marina verliebt. Doch auch sein Vater hegt Gefühle für sie.

Dieser Roman dreht sich um die Bewohner von Sant´Amato, es geht um das alltägliche Leben, um die Liebe, um Verrat und um die Träume der Menschen in den Jahren von 1960 bis 1968. Doch es werden auch familiäre Tragödien erzählt, die ihren Ursprung in der politischen Vergangenheit Italiens haben.

Marina wird von Nino, dem Freund ihres Sohnes, angeschmachtet. Sie beginnt ein Verhältnis mit Ninos Vater. In diesem Roman zeigen sich einige Liebeswirrungen und unerfüllte Liebe, aber auch Missgunst und Neid. Das alles spielt sich vor der typischen Kulisse einer wunderschönen italienischen Sommerkulisse ab. Die ersten Urlauber erobern den Strand und bringen nicht nur Devisen, sondern auch ihr Lebensgefühl mit.

Für mich war das trotz des typischen italienischen Flairs weniger ein Urlaubsbuch, sondern eher ein Roman mit politischem Einblick in das Leben in Italien von 1960 bis 1968 mit einzelnen Rückblenden zu Erlebnissen aus der Vergangenheit im zweiten Weltkrieg und einem Ausblick in 1980. Hier erfährt man einige grausame Vorgänge von den SS-Truppen und über den rebellischen Kampf der Partisanenbewegung, der der Story ihren Tiefgang verleiht.

Auch die deutschen Urlauber bringen politische Informationen mit, so erfährt man dank Reni ihre Sicht auf das politische Geschehen von Ost und West in Deutschland.

Sehr stimmungsvoll und authentisch taucht man durch die Geschichte in das Leben der Italiener ein und fühlt den Zeitgeist, das Flair und das typische Lebensgefühl.
Weil die Musik in dieser Zeit so prägend für das Zeitgeschehen steht, fangen alle 14 Kapitel mit einem passenden Hit des entsprechenden Jahres an.
Der Titel "Marina" von Rocco Granata aus dem Jahr 1959 macht den Anfang.
Übrigens hat man sämtliche Titel alle im Ohr und deshalb läuft die Handlung des Buches auch wie ein Kinofilm ab.

In diesem Roman schlägt das Schicksal unbarmherzig zu und einige Liebesgefühle werden zu unerreichten Sehnsüchten. Gespannt folgt man den schicksalsträchtigen Verknüpfungen der Familien von Sant´Amato und erlebt auch die tragischen Verluste im Jahr 1944 betroffen mit.


Was zu Beginn wie ein heiterer Urlaubsroman mit Sommerfrische und erster Verliebtheit beginnt, eröffnet im Nachhinein schwerwiegende Themen.
Einige Schicksale entwickeln sich dramatisch, die Figuren können ihrer Bestimmung nicht entgehen.
Sie scheitern, erdulden oder kämpfen, verlieren aber niemals ihre Sehnsüchte und Hoffnungen.

Ein durch die enorme Personenzahl erforderliches Personenregister, ein lehrreiches Glossar und drei italienische Rezepte vervollständigen das Buch.


Mit "Marina, Marina" ist der Autorin ein interessanter und themenumspannender Roman gelungen, der neben seiner urlaubsähnlichen Leichtigkeit auch in die Tiefe geht. Dieser Roman wirkt bildhaft wie ein Film, zusätzlich sorgen die erwähnten Musik-Hits für die akustische Untermalung.

Veröffentlicht am 02.05.2019

Dramatisch, anrührend und sehr authentisch

Mein Freund Fred und unser langer Weg nach Hause
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Der amerikanische Soldat Craig Grossi schrieb gemeinsam mit seiner Co-Autorin Kelly Shetron das autobiografische Buch "Mein Freund Fred und unser langer Weg nach Hause". Dieser Titel erscheint im März ...

Der amerikanische Soldat Craig Grossi schrieb gemeinsam mit seiner Co-Autorin Kelly Shetron das autobiografische Buch "Mein Freund Fred und unser langer Weg nach Hause". Dieser Titel erscheint im März 2019 als deutsche Übersetzung durch Maria Mill im Bastei Lübbe Verlag.

Craig Grossi dient als US-Marine-Soldat und wird in Afghanistan stationiert. Mitten im Einsatz in einer afghanischen Taliban-Hochburg läuft ihm ein junger, streunender Hund über den Weg, den er schnell in sein Herz schliesst und Fred nennt. Er teilt seine Essensrationen mit Fred und dieser wird sein treuer Begleiter während der nervenaufreibenden und gefährlichen Zeit im Krisengebiet und auch andere Soldaten im Camp erfreuen sich an dem scheinbaren Lächeln des Hundes. Craigs Aufgabe besteht darin, die Gegend und die Bewohner zu erkunden und darüber eine Dokumentation anzulegen. Die Angriffe der Taliban auf die Bevölkerung und auf die Stellungen der Amis bekommt Craig hautnah mit. Es kommt zu heftigem Beschuss von beiden Seiten. Als Craigs Einsatz dem Ende entgegen geht, beschliesst er, Fred in die USA zu schmuggeln.

"Nicht nur als Helfershelfer und als menschliche Schutzschilde benutzten die Taliban Kinder, ihre ganze Methode machte es uns unmöglich, irgendwie einzugreifen." Zitat Seite 90


Von diesem Buch wurde ich seltsam berührt, denn inmitten von Krieg und Hitze, Staub und Schlamm entwickelt sich eine besondere Freundschaft zwischen Mensch und Tier, die für soziale Kontakte und einen Hoffnungsschimmer am Horizont sorgt.


Craig Grossi informiert in seinem autobiografischem Buch über den militärischen Einsatz in Afghanistan, er sieht seinen Kampf gegen die Taliban als Hilfe für die Bevölkerung an. Inmitten der Beschußvorgänge, der Autobomben und der drohenden Gefahr bringt ein kleiner Hund den Soldaten im Camp Freude. Denn Fred sieht ständig so aus, als ob er lachen würde. Auch wenn die Haltung von Hunden untersagt ist, finden sich einige Hundefreunde, die Craig helfen, seinen Hund zu behalten. Instinktiv verhält sich Fred ruhig und passt sich dem Leben an Craigs Seite schnell an.

Craig ersinnt einen Rettungsplan für seinen Hund und obwohl dies durch viele Auflagen fast undenkbar erscheint, gelingt es ihm schliesslich mit Hilfe einiger Hundefreunde, Fred ausser Landes zu schicken.


Neben den Berichten aus Afghanistan zeigt Craig auch seine eigene Geschichte nach der Rückkehr in seine Heimat. Er ist traumatisiert und unternimmt gemeinsam mit Fred und seinem Kumpel Josh, der ebenfalls Kriegsveteran ist, einen längeren Trip durch die USA. Gemeinsam führt sie diese Reise zurück ins Leben und auch für Josh ist diese Reise recht strapaziös, denn er hat eine Beinprothese.

Dieses Buch hat mich ergriffen, über militärische Taktiken informiert und die Augen geöffnet, denn es zeigt die Gräueltaten, die sich Menschen gegenseitig in ihrer Machtbesessenheit antun.


"...die Nerven lagen blank. Wir sahen nicht nur scheiße aus, sondern fühlten uns auch so. Nacht für Nacht viele Meilen durch Kanäle, Miasfelder und Gräben zu stapfen, ohne zu wissen, ob der nächste Schritt vielleicht unser letzter sein würde, war für uns alle zermürbend." Zitat Seite 119

Die Einsätze gegen die Taliban sind aus Amerikanischer Sicht gezeigt, sie haben die Intention, der Bevölkerung gegen diese menschenverachtenden Kämpfer zu helfen. Doch der Einsatz hat immer zwei Seiten. Die Absicht ist gut, die Auswirkungen sind ebenfalls Kriegstaten.

Es zeigt auch die seelischen Folgen, die Soldaten nach ihren Einsätzen in ihre Heimat tragen und dort verarbeiten müssen, um in ein normales Leben zurückzufinden. Man nennt es PTS = Posttraumatischer Stress.

Dieses Buch setzt mich in Erstaunen, es informiert mich über die Einsätze der Amerikanischen Marines und macht spürbar, wie ein Hund die Freundschaft und das Vertrauen von Soldaten gewinnt. Kriegserlebnisse werden hier nicht verschwiegen, die Folgen sind überall spürbar. Das macht das Buch so dramatisch und ernst. Aber es zeigt auch viele positive Erlebnisse zwischen Mensch und Hund und zu fremden Menschen auf, daher ist der Kampf gegen Gewalt immer ein Einsatz, den man abwägen muss, weil er sich auch lohnt. Frieden bringen heißt immer auch Opfer bringen. Das hat der Marine Craig selbst leidvoll erfahren müssen, einige seiner Kameraden haben den Einsatz nicht überlebt.

Dank seiner Liebe zu seinem Hund hat Craig viel seelisches und körperliches Leid überwunden. Fred war zuverlässig an seiner Seite und hat ihm den Weg zurück ins Leben erleichtert.


Dieses autobiografische Buch ist keine Gewaltverherrlichung, sondern ein eindringlicher Appell an den Frieden. Wenn Menschen durch Tiere zu Freunden werden, können sie das nicht auch untereinander schaffen? Diese Hoffnung wird sich wohl nie erfüllen.