Profilbild von sommerlese

sommerlese

Lesejury Star
offline

sommerlese ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sommerlese über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.09.2018

So war das Leben im Mittelalter

Isenhart
0

1171: Ein Serienmörder treibt sein Unwesen im Mittelalter und entnimmt den Opfern ihr Herz. Der junge Schmied Isenhart verliert seine große Liebe Anna von Laurin und setzt alles dran, mit den damaligen ...

1171: Ein Serienmörder treibt sein Unwesen im Mittelalter und entnimmt den Opfern ihr Herz. Der junge Schmied Isenhart verliert seine große Liebe Anna von Laurin und setzt alles dran, mit den damaligen forensischen Mitteln dem Mörder auf die Schliche zu kommen. Dabei erfährt er seine eigene Herkunft, denn er starb nach seiner Geburt und wurde wiederbelebt. Als wissbegieriger Junge wird er auf der Burg Laurin mit Konrad, dem Sohn des Burgherren unterrichtet und gelangt so zu einem ungeheuren Privileg, zur Bildung. Die Suche nach dem Mörder führt Isenhart und Konrad bis ins ferne Iberien, nach Toledo. Dort treffen sich Gelehrte aus Morgen- und Abendland, um sich auszutauschen.
In einem Gewölbe findet Isenhart anatomische Zeichnungen des menschlichen Herzens …


Man taucht in diesem Roman sofort in die mittelalterliche Zeit von 1171 ein und erlebt die Lebensumstände, die Probleme und das alltägliche Leben hautnah mit.
Der bildhafte Schreibstil des Autors zeigt dem Leser diese Zeit sehr lebendig und realistisch vor Augen. Die Erlebnisse der Figuren sind so genau beschrieben, dass man mit ihnen fühlt und die Emotionen mit ihnen teilt, sei es nun Freude, Schmerz oder Trauer.
Man ist dabei wie Isenhart unter dramatischen Umständen geboren wird, sieht ihn heranwachsen, sich verlieben und durch einen Mord, seine Geliebte verlieren. Man begleitet ihn auch gedanklich, wie er mit den ihm damals zur Verfügung stehenden Mitteln Spuren in ähnlich gelagerten Mordfällen sammelt, seine Schlüsse zieht und ermittelt.

Sein Mitstreiter Konrad ist ebenfalls ein starker Charakter, der kämpferisch für seine Ziele einsteht.

Der Autor führt den Leser auf eine Reise über die Alpen, lässt seine Protagonisten eine Schifffahrt bestehen und landet in Toledo, wo sich im Basar des Wissens Gelehrte jeglichen Glaubens und verschiedener Herkunft über ihre Forschungen im wissenschaftlichen Disput austauschen. Dabei geht es um Anatomie und Medizin, Philosophie und Astrologie.

Die Personen und Schauplätze sind gut gewählt, sie wirken historisch gut recherchiert und sorgen für eine unterhaltsame, aber auch informative Lektüre. Die mittelalterliche Geschichte lebt in den Beschreibungen über die Kreuzzüge, über die damalige Medizin und auch über das alltägliche Leben der Menschen.

Gelungen finde ich die Einbindung von Redewendungen, die der Autor auf seine Ursprünge hin erklärt.


Ein gelungener Roman, der das Leben im Mittelalter aufzeigt und durch seine Krimiermittlung und Abenteuer auffällt. Ein dicker Schinken, den man aber flott lesen kann.

Veröffentlicht am 06.09.2018

Hotelchefin ermittelt

Mord ist schlecht fürs Geschäft
0

Honey Driver ist verwitwet, hat eine 18jährige Tochter und leitet ihr eigenes kleines Hotel in Bath. Sie ist die neue Verbindungsfrau des Hotelverbands zur Polizei. Als ein amerikanischer Tourist spurlos ...

Honey Driver ist verwitwet, hat eine 18jährige Tochter und leitet ihr eigenes kleines Hotel in Bath. Sie ist die neue Verbindungsfrau des Hotelverbands zur Polizei. Als ein amerikanischer Tourist spurlos verschwindet, ist Honeys Ermittlerinstinkt geweckt. Mit Mut und Engagement geht sie dem Fall nach.


Dieser Krimi fällt durch sein britisches Flair auf, durch abwechslungsreiche Charaktere und eine sympathische Protagonistin mit trockenem Humor.
Es gibt einen Hausgeist Sir Cedric, den machohaften Detectiv Steve Doherty, auf den Honey ein Auge geworfen hat und natürlich Honeys Mutter, die nichts unversucht lässt, um Honey endlich wieder einen Mann zu vermitteln. Es kommt natürlich nur eine gute Partie in Frage. Folglich ist Honey ständig auf der Flucht vor ihrer Mutter, um nicht genervt zu werden.

Mit Doherty gibt es ständig Reibereien und Wortgefechte. "Was sich liebt, das neckt sich" - könnte man meinen. Dabei ist Honey die treibende Kraft bei den Ermittlungen und erst ihre Hinweise bringen der Polizei den wahren Täter.
Diese Aktionen haben mich schmunzeln lassen und die Beschreibung von britisch anmutender Einrichtung und Lebensart und typischem Lokalkolorit haben mir gut gefallen. Eine unterhaltsame Lektüre, für ein paar schöne Lesestunden.

Die Krimihandlung ist leider nicht so tiefgründig und spannend angelegt, es wird mit der Zeit relativ langatmig und manchmal etwas verwirrend, weil viele Leute befragt werden und in die Handlung involviert sind.
Vielleicht ging es in diesem Band 1 vordergründig um die Einführung der Personen und die Spannung kann sich in den folgenden Bänden entfalten.


Eine vergnügliche unterhaltsame Lektüre, für ein paar schöne Lesestunden. Mehr ein Roman mit britischem Lokalkolorit als ein echter Krimi.

Veröffentlicht am 06.09.2018

Es geht tierisch lustig weiter

Dumm gelaufen
0

Frühlingsbeginn im Berliner Zoo. Na ja, noch nicht ganz, aber Rocky, der Clanchef bei den Erdmännchen hat durch den Trubel mit Frau und Kindern langsam einen Hüttenkoller. Er muss ins Freigelände. Auch ...

Frühlingsbeginn im Berliner Zoo. Na ja, noch nicht ganz, aber Rocky, der Clanchef bei den Erdmännchen hat durch den Trubel mit Frau und Kindern langsam einen Hüttenkoller. Er muss ins Freigelände. Auch auf der Pferderennbahn Berlin-Hoppegarten geht es jetzt wieder rund. Leider verunglückt ein Rennpferd tödlich. War das wirklich ein Unfall? Nun sind Phil und Ray mit ihrem detektivischen Spürsinn wieder gefragt.

Wenn auch der Titel vermuten lässt, das hier etwas nicht gut läuft, so machen die Erdmännchen und ihre tierischen Freunde doch alles richtig. Denn der vorliegende Reitunfall ist nicht einfach nur passiert, weil das Rennpferd dumm lief. Hier steckt ein echter Fall dahinter und die Eemittlungen sind wieder sehr unterhaltsam gestrickt.

Viele lustige Kommentare und Aktionen sorgen auch in diesem Band wieder für mächtig Furore und Spaß beim Leser. Immer wieder bin ich begeistert von den doch sehr menschlichen Verhaltensweisen der Erdmännchen. Man muss einfach schmunzeln, wenn man die komischen Eigenarten der Tiere genau dargestellt bekommt und auch Menschen kennt, auf die das zutreffen könnte. Gerade bei der Namenswahl hat der Autor ein treffsicheres Händchen bewiesen. Ich möchte dafür beispielhaft den Namen des Polizisten "Kliff Henger" erwähnen.

Einfallsreich ist auch die Wahl der mitermittelnden Tiere, die wie die Bonobos ihre ureigensten Triebe selbst in diesem Buch deutlich ausführen. Hier lernt man etwas über die verschiedenen Tiergruppen oder erkennt einiges wirklich wieder.
Jedoch erscheint mir in diesem Band die Handlung etwas träger zu verlaufen, erst am Ende kommt richtige Spannung in die Sache. Auch sind die Interaktionen der Tiere miteinander nicht so ausgefallen und schräg wie sonst und es fehlt mir eine humorvolle Nebenhandlung. Der Liebeskummer von Ray und der von Frau und Kindern genervte Rocky reicht mir da nicht. Dass diese Geschichte dennoch lustig ist und gut unterhält, bleibt ausser Frage. Es ist halt nur leider keine Story für 5 Sterne.


Wer gern lacht, sollte sich diese tierischen Einblicke unbedingt antun. Erdmännchen-Fans müssen es sowieso lesen, hier geht es locker weiter mit dem Clan aus dem Berliner Zoo und man will ja wissen, was die Tiere so treiben. Dumm waren sie auch dieses Mal nicht, sie werden immer schlauer.

Veröffentlicht am 06.09.2018

Mein Lieblings-Wallander-Krimi ist ein fesselnder Politthriller!

Die weiße Löwin
0

Bei der Aufklärung eines Mordfalls kommt Wallander einem Komplott gegen Nelson Mandela auf die Spur. In Wallanders drittem Fall beschließt die Burenorganisation »Komitee«, das Ende der Apartheid mit Gewalt ...

Bei der Aufklärung eines Mordfalls kommt Wallander einem Komplott gegen Nelson Mandela auf die Spur. In Wallanders drittem Fall beschließt die Burenorganisation »Komitee«, das Ende der Apartheid mit Gewalt aufzuhalten: Die heimtückische Ermordung Nelson Mandelas soll das Land ins Chaos stürzen. Angeheuert wird der schwarze Berufskiller Mabasha so wird der Verdacht von den Weißen abgelenkt. Mabasha erhält in Schweden eine Spezialausbildung, sein russischer Ausbilder erschiesst die junge Frau. Als Wallander die Verbindung erkennt, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit um das Leben Mandelas und des Friedens in Südafrika.


Kommissar Wallander hat einen schwierigen Fall aufzuklären, der Mord an einer Frau in Schweden führt ihn zu einer südafrikanischen Bruderschaft. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Auftragsmord, der in Verbindung steht zu dem Plan, Nelson Mandela zu ermorden.
Das allein zeigt schon die gesellschaftliche Brisanz, die in diesem Krimi herrscht. Henning Mankell lebt selbst in Südafrika und bringt seine Kenntnisse zur politischen Situation geschickt in die Handlung ein. Apartheid und Chancenlosigkeit sind auch heute noch ein großes Problem in Südafrika.

Seine Charaktere zeichnet Mankell wie gewohnt mit großer Authenzität und seinen Kurt Wallander stellt er weiterhin als introvertierten, einsamen Menschen dar. Diese Normalität des Kommissars macht ihn wohl so beliebt beim Leser, denn man fühlt sich ihm sofort nah und folgt seinem Handeln mit großer Neugier durch das Buch. Denn die gewohnte kriminelle Aktion in Ystad ist nichts gegen die organisierte Kriminalität, der Wallander hier gegenüber steht. Er gerät dabei an seine physischen und psychischen Grenzen, wird fast zum Amokläufer, doch letztendlich schafft er den Spagat und löst den Fall.

Das Geschehen wird durchgängig spannend geschildert und der gesamte Ablauf wirkt treffend und logisch konstruiert. Man kann den politischen Gegebenheiten und den gesellschaftlichen Spannungen gut folgen und versteht die kriminellen Pläne genau.

Die weisse Löwin ist ein fesselnder Kriminalroman mit Kommissar Kurt Wallander, der raffiniert aufgebaut ist und auch gesellschaftspolitische Kritik übt. Ein tolles Buch mit Blick auf Südafrika und seine Menschen.

Veröffentlicht am 06.09.2018

Ben liebt Anna

Ben liebt Anna
0

Ben ist Grundschüler und bekommt eine neue Mitschülerin, Anna, in die er sich verliebt. Sie ist ein Aussiedlermädchen und findet Ben auch sehr lieb.


In diesem Buch schildert Peter Härtling die Freundschaft ...

Ben ist Grundschüler und bekommt eine neue Mitschülerin, Anna, in die er sich verliebt. Sie ist ein Aussiedlermädchen und findet Ben auch sehr lieb.


In diesem Buch schildert Peter Härtling die Freundschaft von Ben und Anna, die schon ein wenig verliebt ineinander sind. Da sie beide noch sehr jung sind, wird diese Verliebtheit von Erwachsenen eher herablassend belächelt und als Übertreibung abgetan. Was wissen denn schon Kinder von der Liebe? Doch hier wird klar beschrieben, wie vielseitig die Liebe sein kann. Wie Ben und Anna es empfinden, wenn sie zusammen sind, wird sehr schön deutlich und auch als Erwachsener versteht man ihre Freude und Zuneigung. In jeder Altersklasse wird vielleicht der jeweilige Leser etwas anderes aus der Geschichte lesen und fühlen, je nachdem, was derjenige gerade mit der Situation persönlich verbindet.

Auf jeden Fall kämpfen Ben und Anna um ihre Gefühle und stehen füreinander ein. Besonders die Schwierigkeiten, die mit den Eltern und Mitschülern einhergehen, werden sehr deutlich gemacht. Das Gefühlschaos, die beginnende Pubertät, die Eifersucht, Streitigkeiten und Hänseleien machen den beiden Kindern schwer zu schaffen, aber die Freude über die Freundschaft überwiegt alles. Da muss schon etwas Liebe mit im Spiel sein.

Aus Bens Sicht erfahren wir die Geschichte und dazu passt auch der recht einfache Schreibstil, der manchmal sehr oberflächlich wirkt. Einem Grundschüler nimmt man diese Sprache jedoch ab und jüngeren Lesern wird sie dadurch leicht verständlich erzählt.


Besonders das Ende gefällt mir, denn so spielt sich das Leben auch in Wirklichkeit ab. Für Kinder eine gut verständliche lehrreiche Lektüre.