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Veröffentlicht am 11.08.2018

Ein einfühlsames Bilderbuch über Demenz

Opa Rainer weiß nicht mehr
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Mia hat mit ihrem Opa eine ganz enge Beziehung, sie verbringen viel Zeit miteinander, er holt sie vom Kindergarten ab oder sie machen Wettrennen. Es macht immer viel Spaß mit ihm. In letzter Zeit ist ...

Mia hat mit ihrem Opa eine ganz enge Beziehung, sie verbringen viel Zeit miteinander, er holt sie vom Kindergarten ab oder sie machen Wettrennen. Es macht immer viel Spaß mit ihm. In letzter Zeit ist er sehr vergesslich, was ja nicht so schlimm ist, findet Mia. Doch Opa vergisst auf einmal die grundlegendsten Dinge, wie seine eigenen Schuhe aussehen oder er zieht ein Unterhemd über den Pullover. Sieht ja eigentlich lustig aus, denkt Mia und macht daraus mit ihrem kleinen Bruder Paul ein Verkleidungs-Spiel. Manchmal weiß Opa allerdings nicht mal wie Mia heisst, das ist ja doch merkwürdig. Egal, denn Mia liebt ihren Opa und ist immer für ihn da, wenn er sie braucht.


Mit diesem Bilderbuch lernen und erkennen Kinder spielerisch und sehr eindrücklich was Demenz bedeutet.

Das Thema wird mit farbenfrohen und detaillierten Illustrationen kindgerecht aufbereitet und die Geschichte ist gut zu verstehen und inhaltlich erklärend gemacht. Mias Opa kennt auf einmal ihren Namen nicht mehr, doch Mia ist geduldig und sagt ihm den Namen, wenn es sein muss, immer wieder.


Wenn man mit Kindern dieses Buch liest, sollte man die Anregungen zum Gespräch nutzen und damit Kindern in dieser Thematik Rede und Antwort stehen. Außerdem können Erwachsene von Kindern noch einiges im Umgang mit Demenzkranken lernen, denn Kinder gehen offen und wie selbstverständlich mit dem Erkrankten und dem Vergessen um.



Ein empfehlenswertes Bilderbuch, um Kindern zu erklären, was Demenz bedeutet.

Veröffentlicht am 10.08.2018

Ein schonungslos und brutal dargestellter Top-Thriller!

Scheintot
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Seit dem ersten Band "Die Chirurgin" bin ich von dieser Reihe und den fesselnden Plots der Autorin begeistert. Ihrem Erzählstil kann man einfach nur gebannt folgen.

Den Hintergrund der Geschichte bildet ...

Seit dem ersten Band "Die Chirurgin" bin ich von dieser Reihe und den fesselnden Plots der Autorin begeistert. Ihrem Erzählstil kann man einfach nur gebannt folgen.

Den Hintergrund der Geschichte bildet ein mörderischer Racheakt auf eine Gruppe osteuropäischer Prostituierte, scheinbar alles Opfer von dubiosen Mädchenhändlern. Ihnen entkommen zwei Frauen, doch sie werden bis aufs Letzte verfolgt. Wie das mit der Entführung zusammenhängt, wird logisch aufgeklärt. Ich kann verraten, dass auch höchste politische Kreise involviert sind.

Es ist wieder mit viel Blutvergießen zu rechnen, für zartbesaitete Leser vielleicht nicht so geeignet.
Dabei gibt Tess Gerritsen wieder einiges ihres medizinischen Fachwissens preis und erklärt die Eingriffe am menschlichen Körper durch die Pathologenhände sehr detailliert.

Neben der aufregenden Entführung und den hektischen Verfolgungen gibt es auch ruhigere Szenen zu erkunden. Denn Jane Rizzoli wird Mutter einer Tochter und das Leben mit einem Säugling geht auch an ihr nicht spurlos vorrüber. In "Scheintot" wird Detective Rizzoli in den Fokus gestellt und gespannt kann man miterleben, wie die Polizistin selbst hochschwanger und als junge Mutter noch zu kriminalistischen Heldentaten fähig ist. Das erscheint auf den ersten Blick übertrieben, es wirkt im Verlauf der Geschichte aber durchaus schlüssig.

Überhaupt hat Gerritsen die wichtigsten Figuren perfekt charakterisiert, sie zeigen Ängste und Zukunftsgedanken, geben Einblick in ihr Innerstes und man kann sie eindeutig erkennen.


Dieser Thriller ist wieder hervorragend gelungen, es gibt dramatische Wendungen, die Handlung wird stets durch Spannungsmomente angeheizt und ein einzigartiges Ende sorgt für eine überraschende Auflösung. Besonders die Gewissensbisse der jungen Mutter Jane werden glaubhaft beschrieben und dadurch erscheint sie sehr authentisch und sympathisch.



Ein handwerklich perfekter Thriller über weibliche Opfer, die sich in westlichen Ländern eine goldene Zukunft erhoffen.

Veröffentlicht am 08.08.2018

Freunde fürs Leben?

Bad Friends - Was habt ihr getan?
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"Bad Friends" ist ein Thriller von Gilly MacMillan, er erscheint im Knaur Verlag.


Noah ist 15 Jahre alt und kämpft gegen seine Krebserkrankung, sein gleichaltiger Freund Abdi ist Flüchtling somalischer ...

"Bad Friends" ist ein Thriller von Gilly MacMillan, er erscheint im Knaur Verlag.


Noah ist 15 Jahre alt und kämpft gegen seine Krebserkrankung, sein gleichaltiger Freund Abdi ist Flüchtling somalischer Abstammung, beide sind Außenseiter in ihrer Klasse, das schweißt sie zu Freunden zusammen und sie verbringen viel Zeit miteinander.

Die beiden Jungen unternehmen unbemerkt von den Eltern einen nächtlichen Ausflug. Dann geschieht etwas schreckliches, Noah wird bewusstlos aus dem Kanal geborgen und Abdi wurde zum Zeitpunkt des Unglücks bei ihm gesehen. Aus Abdi ist kein Wort über das Geschehene herauszubringen, er wirkt wie traumatisiert. Detective Inspector Jim Clemo untersucht den Fall und ist schnell mit fremdenfeindlichen Ansichten konfrontiert. Trägt Abdi Schuld an diesem Vorfall?

"Es war schwer, Freundschaften über Glaubensgrenzen hinweg aufrechtzuerhalten, als sich mit dem Erwachsenwerden die Lebensweisen immer weiter auseinanderentwickelten." Zitat Seite 148


Die Autorin behandelt zwei brisante Themen in ihrem Buch: Flüchtlingskrise und todesbedrohende Krebserkrankung eines Kindes. Beide Themen polarisieren und bringen den Leser unweigerlich dazu, über die Schicksale der Jugendlichen, aber auch ihrer Familien nachzudenken.

Solch ein inhaltlicher Tiefgang sorgt für Interesse, die persönliche Auseinandersetzung mit dem Gelesenen und reichlich emotionalem Miterleben.

Die Geschichte baut sich anhand verschiedener Handlungsstränge auf, die Figuren werden nach und nach vorgestellt, wobei mich das Schicksal von Abdis Familie besonders interessiert hat. Unterschiedliche Schilderungen und persönliche Informationen erhält der Leser durch die Protagonisten und kommt ihnen durch die individuelle Sichtweise gefühlsmäßig sehr nahe.


Die Problemebene ist weit gefächert, es zeigt sich, dass die Flüchtlinge nicht nur mit Anfeindungen zu kämpfen haben, sondern auch mit ihren eigenen Erlebnissen in ihrer Vergangenheit und mit den ungewohnten Lebensbedingungen im neuen Land. Eltern und Kindern erleben die neue Heimat sehr unterschiedlich, wie weit dürfen sich die Kinder den westlichen Lebensstil aneignen?

Und wie werden die Menschen ihre dunklen Gedanken an vergangenes Unrecht im Herkunftsland oder Flüchtlingslager wieder los?


Dieses Buch ist sehr dramatisch, es zeigt Angst und Verzweiflung und hat mich gefesselt, doch es ist meiner Meinung nach eher ein Roman als ein Thriller. Man erfasst die Probleme erst allmählich, die Autorin lässt sich Zeit im Eröffnen von Informationen, die Klarheit in die Story bringen.

Sie beschreibt in flüssigem Schreibstil den kranken Noah, der in seinem Leben bestimmte Dinge noch erleben möchte und von Abdi einiges abfordert und Abdi, der es allen recht machen möchte und dabei mit seiner eigenen Geschichte völlig überfordert ist.

Auch von den Eltern beider Jungen erfährt man ihre Sorgen und Ängste, ihre Lebenseinstellungen und die Wünsche für ihre Kinder. Man kann sich gut in alle Personen hineinfühlen und über die besondere Verbindung zueinander nachdenken.


Gleichzeitig sorgt sich der ermittelnde Detective Jim Clemo um seine Schwester Becky, diesen zusätzlichen Handlungsstrang habe ich neben der schon recht intensiven Hauptgeschichte eher als störend und zuviel empfunden.

Auch die fehlende Erzählerkennzeichnung möchte ich erwähnen, sie hat sich zwar aus dem Gelesenen erschlossen, sorgte aber durch mehrere Ich-Erzählerperspektiven für Unterbrechung im Lesefluss.

Dieses Buch enthüllt erst allmählich den Zusammenhang von Vorgängen der Tatnacht und erlebtem Flüchtlingsunglück. Die Vorverurteilung von Flüchtlingen und die Art der Medienberichterstattung werden hier deutlich gemacht und es stellt sich die Frage nach Toleranz und Verständnis aller Seiten.


Eine intensive und aktuell brisante Story mit einem ergreifenden Ende, hier verbinden sich einige Tragödien in einer einzigen Geschichte. Dieses Buch ist eher ein gesellschaftskritischer Roman als ein Thriller, auch wenn es Spannungsmomente gibt. "Bad Friends" iat auf alle Fälle ein lesenswertes Buch.

Veröffentlicht am 07.08.2018

Unterhaltsamer, etwas unrealistischer Familienroman

Die Elternsprecherin
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Jen steckt mitten in der Midlife-Crisis. Nur noch Hausfrau und Mutter zu sein füllt sie nicht aus. Der Job als Elternsprecherin kommt da gerade recht. Sie ist unkonventionell, locker und humorvoll und ...

Jen steckt mitten in der Midlife-Crisis. Nur noch Hausfrau und Mutter zu sein füllt sie nicht aus. Der Job als Elternsprecherin kommt da gerade recht. Sie ist unkonventionell, locker und humorvoll und geht voller Tatendrang an die neue Aufgabe. Leider kommen damit nicht alle Eltern klar.



Bei diesem Buch habe ich mich auf den versprochenen Humor gefreut, leider ist der nur unterschwellig in verschiedenen Mails zu finden. Jens Rolle wird ziemlich überspitzt dargestellt. Nun kann das Amt der Elternsprecherin in Amerika anders laufen als hierzulande, aber Partys mit Alkohol zu organisieren, das entbehrt jeder Realität, besonders in Amerika.

Und hier liegt auch meine Kritik. Ich finde diesen Roman einfach etwas langweilig und nicht realistisch. Klar gibt es die Elternfiguren, die speziellen Klischees entsprechen, aber damit muss man umgehen können.

Die dargestellten Eltern haben mich amüsiert, einige habe ich in meiner Elternvertreterzeit auch so kennen gelernt. Nur mit Ich-Erzählerin Jennifer Dixon konnte ich mich nicht so richtig anfreunden, sie trudelt zu sehr in ihrer Midlife-Crisis umher und ist mit ihren sportlichen Aktivitäten beschäftigt.


Der Schreibstil der Autorin gefällt mir recht gut, sie schreibt locker und auch sehr flüssig. Ich kann mir vorstellen, dass sie noch weitere Bücher verfassen wird. Doch dann hoffentlich mit etwas mehr gehaltvollem Inhalt, denn dieses Buch hat mich sehr schnell gelangweilt. Zum Beispiel hätte ich den Badewannensturz im Buch eigentlich gar nicht gebraucht.

Ich vermisse ein realistisches Bild einer Elternsprecherin, wie ich es zur Genüge über Jahre erlebt habe. Wo sind die Klassenkonferenzen über schwierige Schüler? Die Fachkonferenzen und die Beiratssitzungen, ganz zu schweigen von den Protokollen, die man ebenfalls führen muss. Hier geht es irgendwie nur um das Organisieren von Elternabenden, Partys und Schulausflügen und gelangweilte Frauen, die nicht älter werden wollen. Kein Wunder, wenn das amerikanische Schulsystem nicht mit unserem zu vergleichen ist.


Von den Figuren hat mich Max begeistert, er ist ein aufgeweckter Junge und sein Kleidungsstil ist für sein Alter ziemlich extrem, wahrscheinlich wird er mal ein berühmter Designer. Mit Ron hat Jen das große Los gezogen, auch wenn sie das scheinbar immer noch nicht erkannt hat, denn sie träumt immer noch von ihrer alten Schulliebe Don. Jen mag ja durchaus Qualitäten haben, aber sich mit ihrem Alter abzufinden gehört nicht dazu.


Dieser Familienroman unterhält durch den flotten Erzählstil, er zeigt einige Klischees von Eltern, zeichnet ein Bild vom Amerikanischen Schulsystem und speziell einer Mutter in ihrer Midlife-Crisis. Der versprochene Humor hat mir leider gefehlt und dieses Buch wird mir nicht lange in Erinnerung bleiben. Ich vergebe wohlwollende drei Sterne.


Veröffentlicht am 05.08.2018

Dieses beeindruckende Portrait macht das Leben der besonderen Künstlerin der deutschen Kunstszene sichtbar.

Gabriele Münter
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Gabriele Münter wird früh Waise, sie malt, singt, spielt Klavier und ist ein intelligentes, aufgewecktes Mädchen. Mit einem Talent zum Zeichnen ist sie gesegnet, doch schon bald versucht sie sich mit Farben ...

Gabriele Münter wird früh Waise, sie malt, singt, spielt Klavier und ist ein intelligentes, aufgewecktes Mädchen. Mit einem Talent zum Zeichnen ist sie gesegnet, doch schon bald versucht sie sich mit Farben auszudrücken. Als Frau wurde ihr der Zugang zu einer Kunstakademie verwehrt, sie geht nach München auf die Privatschule "Phalanx". Dort studiert sie und lernt Kandinsky kennen. Mit ihm verbindet sie der gemeinsame Bezug zur Kunst. Sie inspirieren sich gegenseitig, machen gemeinsame Arbeitsurlaube, gehen eine Beziehung ein, verloben sich trotzt Kandinskys Ehe mit Anja. Lange hofft Gabriele auf ein Einlösen des Eheversprechens.


Sie ist ein freier Geist, mutig und vielleicht auch ziemlich normal, sie widmet ihr Leben der Kunst und setzt ihren Blick auf die Weiterentwicklung. Sie versucht Freilichtmalerei, Glasmalerei, sieht die Stilrichtungen ihrer Zeit, folgt stilistisch dem Cloisonismus und entwickelt ihren eigenen Stil. Ihre Malerei ist nicht unbedingt naturnah, sie beginnt, die Eindrücke von Farben und Formen und Stimmungen darzustellen

Anmerkung: Cloisonismus nannten die Franzosen den Malstil, wenn große Farbflächen mit Konturen umgrenzt werden.


Sie lernt die großen Künstler ihrer Zeit kennen, reist mit Kandinsky nach Tunesien, Italien und Paris. In Murnau erwirbt Münter ein Haus, dort lebten und arbeiteten Münter und Kandinsky in den Sommermonaten, treffen Künstlerfreunde mit Ehepartnern, empfangen Besucher und Sammler. Münter fühlt sich hier wohl und passt als intelligenter Mensch als Gesprächspartner in dieser Kunstszene.

Als Kandinsky 1911 mit Franz Marc die Künstlervereinigung "Der Blaue Reiter" gründet, unterstützt Gabriele Münter ihn entschieden. Künstler wie August Macke, Henri Rousseau, Emil Nolde, Max Pechstein, Oskar Kokoschka, Erich Heckel und andere Wegbereiter der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts finden sich in diesem Almanach zusammen. Ihre Werke werden dem deutschen Expressionismus zugeordnet.

1916 traf Münter zum letzten Mal Kandinsky in Stockholm, er lebte in Russland und heiratete eine andere Frau.

Im folgenden Lebensabschnitt ist Münter mit Johannes Eichner zusammen.

Später vermachte sie der Stadt München ihre umfangreiche Sammlung an Gemälden.


Stefanie Schröder ist selbst Künstlerin und versteht es gut nachvollziehbar, ihren Lesern die Künstlerin Gabriele Münter näher zu bringen.

Die Romanbiografie liest sich interessant und unterhaltsam, sehr aufschlussreich und sie enthüllt das Leben einer Frau aus nächster Nähe. Man hat direkt das Gefühl, die Autorin würde Münter persönlich erlebt haben. Dabei stützt sie sich auf ihre Erkenntnisse aus einer umfangreichen Recherchearbeit. Dank Briefen und übermittelten Gesprächen stellt sie dem Leser diese Frau vor, die so anders war als ihre Zeitgenossinnen. Mit ihrem Künstlerleben war Gabriele Münter eine Vorreiterin der modernen Frau, sie war Wegbereiterin für Frauen in der Kunst.


Nicht nur für Kunstliebhaber eine interessante Lektüre, die ein eindrucksvolles Bild der Zeit und des Wirkens und Lebens dieser Künstlerin abbildet.