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Veröffentlicht am 13.04.2018

Hier wird Lissabon spürbar und der Krimi unterhält mit vielen körperlichen Einsätzen des Protagonisten!

Portugiesisches Erbe
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Es geht um Henrik Falkner, der ein Haus in Lissabon erbt, in dem er wichtigen Beweismitteln auf die Spur kommt, die zu einem Verbrechen führen, das vor Jahrzehnten vertuscht wurde.
Henrik ist ehemaliger ...

Es geht um Henrik Falkner, der ein Haus in Lissabon erbt, in dem er wichtigen Beweismitteln auf die Spur kommt, die zu einem Verbrechen führen, das vor Jahrzehnten vertuscht wurde.
Henrik ist ehemaliger Polizist aus Deutschland, der seinen Dienst nicht mehr ausübt, mit seiner Berufserfahrung ist er jedoch der geeignete Kandidat für die spannende Ermittlung. Das wusste scheinbar auch sein Onkel, der ihm das Erbe vermacht hat.

Immer wieder befindet sich der Protagonist in brenzligen Situationen, die tödlich enden können. Doch ihn verlässt nie der Mut, wenn er sich erst einmal in etwas verbissen hat, zieht er es auch durch.

Der Autor schreibt versiert und flüssig und entwickelt seine Geschichte allmählich, so fügt sich Steinchen für Steinchen aneinander und endet logisch.
Generell gesehen ist die Handlung hauptsächlich eine kriminalistische Ermittlung, aber bei den Streifzügen des Protagonisten durch das malerische Lissabon erklärt der Autor nebenbei die touristischen Sehenswürdigkeiten, aber auch allgemeine Informationen über das Alltagsleben in Lissabon. Den berühmten Fado, Vinho Verde und die berühmten Pastéis de Nata lernt man so näher kennen und damit wird der Krimi fast zu einem Urlaubsbuch. Es ist allerdings nicht so, dass wir hier einen Reiseführer vor uns haben. Aber das Interesse an einem Besuch wird definitiv geweckt. Mich haben die ausführlichen Beschreibungen von Plätzen, Sehenswürdigkeiten und allgemeinen Eindrücken gerne an meinen eigenen Aufenthalt erinnert, nicht jeder wird aber diese detaillierte Stadtansicht mögen.

Diese Mischung aus actionreicher Verfolgung sowie umfangreicher Recherche vor dem eindrucksvollen Hintergrund der einzigartigen Stadtatmosphäre hat mich gefesselt mitermitteln lassen. Es gibt aber auch einige Längen, viele Ausführungen sind vielleicht zu umfangreich ausgearbeitet.



Dieses Buch macht richtig Lust auf einen Trip nach Lissabon und die spannende Kriminalgeschichte unterhält wunderbar lebendig! Ein tolles Urlaubsbuch!

Veröffentlicht am 13.04.2018

Viel Geplapper, dahinter versteckt sich ein unerwartetes Experiment!

Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke
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"Schuld daran ist die Sprache, denn sie tut der Erinnerung etwas an. Sie vereinfacht, sie konkretisiert, kodifiziert und mumifiziert das bloß Erinnerte. Eine oft erzählte Geschichte ist wie ein Foto in ...

"Schuld daran ist die Sprache, denn sie tut der Erinnerung etwas an. Sie vereinfacht, sie konkretisiert, kodifiziert und mumifiziert das bloß Erinnerte. Eine oft erzählte Geschichte ist wie ein Foto in einem Familienalbum. Irgendwann ersetzt es den Moment, den es eigentlich nur festhalten sollte." Zitat Seite 70


Die Rezension enthält Spoiler!
Es handelt sich um eine Art von Familienroman, der sich zwar um das Zerbrechen einer Familie, aber mit ungewöhnlichen Gründen aufwartet.

Die Autorin lässt Rosemary als Ich-Erzählerin berichten, was in ihrer Familie geschah. Die Erinnerungen lassen Rosemary zwischen den Jahren hin und her schweifen, die chronologisch ungeordnet sind.

Rosemarys Vater ist ein Psychologe an der Uni von Indiana und führt ein Experiment mit den Schwestern durch. Ihre Fähigkeiten in der Kommunikation und die allgemeine Entwicklung werden getestet.

Rosemary und Fern hängen zusammen wie Zwillinge. Rose wird eines Tages zu ihren Großeltern geschickt und als sie wieder nach Hause zurück kehrt, ist Fern verschwunden. Dieses Ereignis ist für Rose ein echter Schock, ein Bruch in ihrem Leben. Ihre Schwester fehlt ihr. Denn ihr Verhalten wurde durch sie geprägt, nun muss sie mit anderen Kindern Kontakt halten. Das fällt ihr schwer, auch im Studium findet sie nur schwer Freunde. Allmählich bekommt der Leser die volle Wahrheit mit: Rosemary redet wie ein Buch, Fern kann das nicht, denn sie ist eine Schimpansin.

Der Roman zeigt eine Familie, die nach dem Fehlen von Fern in sich zerbricht. Der Vater ist Wissenschaftler und untersucht, wie sich beim Zusammenleben Affen- und Menschenkinder gegenseitig fördern oder beeinflussen.
An die emotionale Bindung wird bei diesem Experiment nicht gedacht. Auch die körperliche Entwicklung kann Probleme bereiten. So gelten Bonobos als sexuell besonders aktiv und das schon in sehr jungen Jahren. Sie haben auch ein anderes Aggressionspotential als Menschen.
Die Familie nimmt jedenfalls Schaden, denn Fern fehlt allen ungemein. Als dann auch noch Rosemarys Bruder verschwindet, fällt die Familie wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Für mich heißt die Quintessenz dieses Romans:
Nicht alle Experimente sind in der Praxis ohne Nachteile durchführbar. Selbst wenn wichtige Erkenntnisse gewonnen werden können, ziehen diese auch Probleme nach sich, die Probanden seelischen und körperlichen Schaden zufügen können.

Mich hat dieses unaufhörliche Erzählen von Rosemary nicht mitgenommen, eher genervt. Ich konnte auch kein Interesse für die sehr oberflächlich dargestellten Personen aufbringen. Es entsteht bei mir der schale Geschmack einer traurigen Geschichte, die ich nicht nachvollziehen kann.
Dieses Buch wird viel gelobt und hat einige Preise erhalten. Leider kann ich das nicht nachvollziehen.

Ein Buch über wissenschaftliche Experimente, die nicht immer Nutzen bringen, sondern auch den Betroffenen schaden können.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Ein fesselnder Krimi mit Beziehungsklüngel

Totensommer
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Skandinavische Kriminalromane sind beliebt und belegen oft vordere Plätze auf Bestsellerlisten. Das liegt sicherlich daran, dass die Schriftsteller genauesten über die gesellschaftlichen Strukturen und ...

Skandinavische Kriminalromane sind beliebt und belegen oft vordere Plätze auf Bestsellerlisten. Das liegt sicherlich daran, dass die Schriftsteller genauesten über die gesellschaftlichen Strukturen und die herrschenden Sozialstrukturen ihres Landes informieren und die Handlung vor diesen Hintergrund stellen.

Trude Teige hat auf dem deutschen Buchmarkt keinen bekannten Namen, aber auch sie beschreibt im vorliegenden "Totensommer" eine bestimmte Haltung in der Gesellschaft. Sie zeigt, wie sich über die Jahrzehnte nach dem Krieg die Abneigung und der Haß auf Kriegsgegner, in diesem Fall deutsche Soldaten, weiter entwickelt und bei den Bewohnern des kleinen Ortes nicht in Vergessenheit gerät.

Es geht um eine unerlaubte Liebe während der letzten Kriegsjahre.

Die Protagonistin Kajsa Coren steht für eine emanzipierte junge Frau. Sie ist beruflich erfolgreich, geschieden und verbringt den Sommer mit ihren beiden Kindern in Losvika, dort hat sie ein Häuschen geerbt und möchte die Zeit für das Schreiben eines Buches nutzen.
Ihr Freund Karsten ist Polizist und untersucht den Mordfall. Gemeinsam stellen sie Nachforschungen an und kommen der Vergangenheit und den Beziehungen der Menschen zueinander immer näher.
Die Ermordung eines deutschen Urlaubers, der im Ort seit Jahren allen bekannt war, lässt sie die Menschen befragen. Warum kommt bei einigen Bewohnern immer noch die abwehrende Haltung gegenüber den Deutschen hoch. Was geschah in den Kriegstagen, können die Menschen die alten Zeiten nicht endlich vergessen?

Überaus geschickt verknüpft die Autorin die verwandtschaftlichen Bande der Bewohner und stellt ein mörderisches Motiv auf die Beine. Die Erzählweise besticht durch häufige Wechsel zwischen der Vergangenheit um 1942/43 und der Gegenwart mit der Mordermittlung. Das treibt die Spannung kräftig voran und man bekommt ein Bild der alten Zeiten.

Die Auflösung erfolgt schliesslich bei einem spannenden Showdown, sie erscheint logisch und nicht sehr konstruiert. Auch der Täter überrascht, die Gründe möchte ich hier aus Spoilergründen nicht offen legen.

Die norwegisch-deutsche Kriegsgeschichte wird glaubhaft und spannend erzählt, und die daraus entstandenen Feindbilder und Verstrickungen machen den Menschen immer noch zu schaffen.
Mich hat die Handlung mitgenommen, gerade, wenn man bedenkt, dass der Krieg mittlerweile 70 Jahre her ist und immer noch in den Köpfen der Menschen herum spukt und Hass und Abneigung erschreckende Wirkung mit sich bringen.



Ein fesselnder Krimi, der in die jüngste Vergangenheit eintaucht und über eine unerlaubte Liebe und Geheimnisse während des Krieges, von Eifersucht, Neid und Verlustgefühl erzählt.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Ein sommerlich humorvolles Unterhaltungsvergnügen!

Ausgeschifft
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Diese Krimireihe hat mir schon mit "Ausgeplappert" schöne Lesestunden geschenkt und so war es auch mit der ersehnten Fortsetzung der Fall!

Besonders die Figuren sind mit so lebhaften und ausgefallenen ...

Diese Krimireihe hat mir schon mit "Ausgeplappert" schöne Lesestunden geschenkt und so war es auch mit der ersehnten Fortsetzung der Fall!

Besonders die Figuren sind mit so lebhaften und ausgefallenen Charakterzügen versehen, dass man sie sofort wiedererkennt. Über Lissies Ungeschicklichkeit kann man sich herrlich amüsieren, wie üblich tritt sie außerdem in jedes Fettnäpfchen.

Der trockene Humor und die vielen lustigen Szenen mit Lissies Eltern sorgen zusätzlich für beste Unterhaltung und das Auftauchen von Lissies Traummann Loch macht romantischen Gefühlen Platz. Auch er ist eigentlich im Urlaub und ist sofort ermittelnderweise zur Stelle, als Lissie die Leiche findet. Die Eltern sind wirklich der Knaller, auf welche Ideen sie so kommen, sorgt für Lachanfälle und ihre Verkupplungsversuche sind einfach nur köstlich. Auch der völlig unfähige Privatdetektiv Georg Schneider gibt sich in diesem Personenreigen zwar völlig unprofessionell, aber dafür gibt er eine tolle Lachnummer ab.

Die zufälligen Treffen auf dem Schiff nehmen etwas Überhand, Lissie hat neben einer Menge Glück auch ihre Rettung aus höchster Not einigen Zufällen zu verdanken. Aber bei so einer spritzigen "Krimödie" kann man diese mangelnde Authenzität verzeihen. Die Krimihandlung kommt erst schleppend in Gang, ein Verdacht dagegen recht schnell. Am Ende klärt sich alles auf und man ist nicht sehr überrascht. Doch dieser Krimi will ja auch mehr die Unterhaltungsschiene bedienen. Hier geht man als Leser mit auf Kreuzfahrt über den Atlantik, erlebt Travestieshows und begleitet Lissie auf ihren Landausflügen. Man bekommt Whale Watching-Erfahrung und kann Segway fahren. Von den üppigen Köstlichkeiten auf dem Büffet wird sicherlich nicht nur Lissie verführt. Man ist einfach dabei und fühlt sich mitgenommen auf diese Reise.

Ein leichter Sommer-Krimi mit viel Humor, bester Unterhaltung und schrulligen Charakteren, die einem ans Herz wachsen. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall von Lissie Sommer und ein Wiedersehen mit den Figuren aus diesem Buch.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Skurriler Krimi mit abgehacktem Schreibstil, der mich dennoch in seinen Bann zog!

Interview mit einem Mörder
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Bernhard Aichner hat mich mit seinem wirklich schrägen Kriminalroman extrem überrascht und gut unterhalten.

Auch wenn der Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig ist, der Autor verwendet kurze, abgehackte ...

Bernhard Aichner hat mich mit seinem wirklich schrägen Kriminalroman extrem überrascht und gut unterhalten.

Auch wenn der Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig ist, der Autor verwendet kurze, abgehackte Sätze und Dialoge, die manchmal eher comic-haft wirken, passt der Stil zum Buch und Inhalt. Das muss man mögen, das literarisch Schöne fehlt, aber die Sätze sind auf den Punkt und es entsteht ein aussagekräftiger Text, der sehr locker geschrieben ist und schnell zu lesen ist. Das Buch ist überhaupt sehr kurz, es enthält über 100 blanko Seiten, man hat es schnell durch.

Die Personen sind fast alle ungewöhnliche Charaktere. Allen voran natürlich Totengräber Max, der sich ähnlich dem Diogenes, gern mal ins leere Grab legt, von seiner Stiefmutter bekochen und betüddeln lässt und von der Liebe träumt. Aber auch Akofa, der kiffende Pfarrer, ist ein Unikum, über den man mehr erfahren möchte.


Die Krimihandlung erweist sich, neben einer kleinen Liebesgeschichte, als reine Verfolgungsjagd, bei dem Max den vermeintlichen Täter, Tourist Fink, auf einer Reise begleitet und dabei mehrere Morde miterlebt. Leider glaubt Max niemand, nicht einmal seine Stiefmutter Tilda. Also macht sich Max ohne Beweise, aber mit dem Wissen, Fink seiner gerechten Strafe zuführen zu wollen, ihm auf die Fersen. Dabei kommt es soweit, dass Fink die Sache umdreht und Max belastende Beweise unterschiebt.

Es ist interessant zu beobachten wie Max aus dieser Situation wieder raus kommt. Als er dann noch die junge Journalistin Anna kennen und sofort lieben lernt, kann man es zuerst kaum glauben. Man gönnt Max diese romantischen Gefühle und Anna wittert in dem Fall sofort eine heiße Story.

Besonders die Art und Weise wie Max am Ende in einem gewagten, aber gut durchdachten raffinierten Schachzug Fink zur Strecke bringt, hat mich begeistert. Diese Idee ist brillant und so ein Ende ist neuartig.

Dennoch habe ich als Kritik anzumerken, dass mir einleuchtende Motive oder Leitgedanken des Täters fehlen. Er wird einfach als Psychopath hingestellt, seine Vergangenheit war durch einige tiefe Schicksalsschläge gezeichnet. War es nur Hass und Rache, die ihn antrieb, sich an Unschuldigen zu rächen? Diese Frage bleibt ungeklärt und man muss sie für sich selbst beantworten.


Ein rasanter, fesselnder Krimi, der mich mit seinem unerwarteten Ende doch überrascht hat. Max Broll werde ich nun noch näher ins Visier nehmen.