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Veröffentlicht am 27.12.2025

Was für ein packender Thriller!

Der Kuckucksjunge
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Im Goldmann Verlag erscheint der Thriller Der Kuckucksjunge von Søren Sveistrup.

Silje Thomsen ist Mutter einer Tochter, lebt in Scheidung und ist spurlos verschwunden. Die letzte Nachricht auf ihrem ...

Im Goldmann Verlag erscheint der Thriller Der Kuckucksjunge von Søren Sveistrup.

Silje Thomsen ist Mutter einer Tochter, lebt in Scheidung und ist spurlos verschwunden. Die letzte Nachricht auf ihrem Handy lautet: Hab dich. Das weckt bei Kommissarin Naia Thulin Erinnerungen an einen anderen Fall, bei dem eine 19-jährige Schülerin vor ihrer Ermordung die gleiche Nachricht bekam. Gemeinsam mit Mark Hess übernimmt sie die Ermittlungen, dabei hatte sie gehofft, ihn nicht mehr wiedersehen zu müssen. Doch bevor sie der neuen Fall weiter untersuchen können, finden sie eine übel zugerichtete Leiche. Wer schickt diese merkwürdigen Nachrichten und warum?

Der Prolog startet scheinbar harmlos mit einem Versteckspiel auf einem Schulausflug in den Neunziger Jahren, wo ein Leichenfund dem Spiel ein bedrohliches Ende setzt. Danach entwickelt sich die Geschichte zu einem spannenden Thriller, der Todesfälle in der Gegenwart behandelt, bei dem der Abzählreim des Versteckspiels eine Rolle spielt.

Die flüssig erzählte Handlung verteilt sich auf verschiedene zeitliche Perspektiven, die das Erlebter der Figuren beschreiben und die sich abwechslungsreich aufbauen. Nachdem die ersten Morde sichtbar geworden sind, sorgen zahlreiche Personen dafür, dass man immer einen neuen Verdächtigen als Täter im Auge hat. Sveistrup setzt in seinem Thriller geschickte einige falsche Fährten und zögert damit die Spannung immer weiter hinaus.

Aber auch die anonymen Nachrichten beschwören eine bedrohliche Stimmung herauf, der man sich beim Lesen kaum entziehen kann. Obwohl die Ermittler erkennen, dass sie es mit einem Stalker zu tun haben, kommen sie nicht an ihn heran und er treibt seinen teuflischen Plan immer weiter voran, mit weiteren Opfern.

Die Vorgänge sind nicht unblutig, doch mehr geht es um psychologische Tiefen, die sich um die Folgen von Gewalt, Stalking und verletzte Gefühle drehen. Dabei wird man Zeuge der Angstgefühle der Stalking-Opfer und will einfach nur wissen, wer ihnen auf der Spur ist.

Die Charaktere werden vielseitig und mit unterschiedlichen Eigenheiten und Problemen dargestellt, das macht sie lebendig und authentisch. Die Szenen mit der Mutter der toten Studentin fand ich zunächst anstrengend, doch ihre Suche war dann doch sehr aufschlussreich. Leider konnte ich mich weder für die hartnäckige, aber eigenwillige Thulin erwärmen, noch fand ich Hess besonders sympathisch, er war bis auf die Gefühle um seinen Bruder sehr reserviert und irgendwie undurchschaubar. Allerdings haben sie sich als Team gut geschlagen und ihr Handeln wirkte authentisch wie echte Ermittlungsarbeit.

Ein brutaler Showdown sorgt dafür, dass man am Ende noch einmal richtig gepackt wird, aber auch entsetzt und überrascht von der Auflösung ist.

Weil mich dieser fesselnde Thriller nicht wieder losgelassen hat und auch vollends überzeugen konnte, vergebe ich dafür die volle Sternezahl!

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.12.2025

Großer Such- und Entdeckerspaß zum Thema Museum!

Ein Tag im Museum. Das Wimmelbuch
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Das Wimmelbuch Ein Tag im Museum wurde von der amerikanischen Künstlerin Cynthia Cliff illustriert, es erscheint im Prestel Verlag und eignet sich für Kinder ab 3 Jahren.

Ein Museumsbesuch ist immer ...

Das Wimmelbuch Ein Tag im Museum wurde von der amerikanischen Künstlerin Cynthia Cliff illustriert, es erscheint im Prestel Verlag und eignet sich für Kinder ab 3 Jahren.

Ein Museumsbesuch ist immer interessant, gemeinsam mit Carlo gehen wir durch die Ausstellungsräume. Carlos Hund Pepe darf nicht mit hinein. Aber er hat sich einfach reingeschmuggelt und Carlo ist ständig auf der Suche nach ihm.

Dieses Wimmelbuch führt seine Besucher in ein Museum, wo man einen Dinosaurier-Raum und einen Saal mit unterschiedlichen Fahrzeugen bestaunen kann. In der Kunst Abteilung gibt es Bilder und Skulpturen und eine Ausstellung informiert über die alten Zivilisationen der Römer, Griechen und Ägypter. Und wer sich für die Natur interessiert, findet in der Ausstellung über das Meer verschiedene Pflanzen und Lebewesen.

Wer bereits das Ferien-Wimmelbuch "Wir fahren weg!" von Cynthia Cliff kennt, wird daraus einige Figuren wieder erkennen. Hier sehen sich Said und Sally Gemälde an und die frechen Zwillinge Rufus und Ronja spielen einfach mal Verstecken, während Tom sogar im Museum nur Interesse für sein Buch hat.

Die bunten Illustrationen zeigen unterschiedliche Ausstellungsobjekte, aber auch eine vielfältige Mischung an Besuchern, die die diverse Gesellschaft widerspiegelt. Was manche Besucherkinder hier allerdings treiben, möchte ich selbst eher nicht erleben. In so einem trubeligen Museum hätte ich keine Ruhe für das Ansehen der Objekte. Doch darum soll es in diesem Buch auch nicht gehen.

An diesem Buch aus Hartpappe im großen Format haben alle Wimmelfans ihren Spaß! Denn hier passiert wirklich viel und auch ohne Text erzählen die bunten Bilder eigene Geschichten und stellen die vielen Exponate des Museums vor und was die Besucher so alles anstellen. Die vielen lustigen Details gilt es zu entdecken und das Beobachtete in eigene Worte zu fassen. Ein Buch zur Förderung der Sprachfähigkeit und für das Verständnis von Aktivitäten und Emotionen.

Die gezeigten Personen werden auf der Buchrückseite vorgestellt und man kann sie bei ihren verschiedenen Aktivitäten im Buch suchen.

Die vielseitigen Szenen im Museum zeigen Ausstellungsstücke und Besucher gleichermaßen, das bietet jede Menge Anregung für Kinder, um darüber zu sprechen. So wird dieses Buch zu einem Such- und Entdeckerspaß für kleine Kinder!


Veröffentlicht am 20.12.2025

Eine schöne Geschichte, die zur Weihnachtszeit passt!

Das verlorene Rentier
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Bei arsEdition erscheint das Bilderbuch Das verlorene Rentier von Sharon Harmer für Kinder ab 24 Monaten.

Am Tag vor Weihnachten kocht der Weihnachtsmann seinen Rentieren zur Stärkung vor ihrer Reise ...

Bei arsEdition erscheint das Bilderbuch Das verlorene Rentier von Sharon Harmer für Kinder ab 24 Monaten.

Am Tag vor Weihnachten kocht der Weihnachtsmann seinen Rentieren zur Stärkung vor ihrer Reise eine leckere Suppe und backt Kekse. Weil das kleine Rentier Schnupfen hat, kann es den köstlichen Duft nicht schnuppern und es verläuft sich im Wald. Hilflos irrt es umher, bis einige Tiere des Waldes beschliessen, ihm zu helfen und seine Familie zu suchen. Aber werden sie noch rechtzeitig vor dem Fest eintreffen?

Bei diesem Bilderbuch aus stabiler Pappe begeistern vor allem die niedlichen Illustrationen verschiedener Waldtiere und es ist eine Augenweide, wie wunderschön die winterliche Pracht des Waldes mit vielen verschneiten Bäumen abgebildet wurde.

Das kleine Rentier irrt im Wald umher und ist einsam, doch dann begegnen ihm Maus, Bär, Frosch, Hase, Eichhörnchen und Fuchs und helfen, seine Familie wiederzufinden.
Die Geschichte wird in kindgerechter Sprache erzählt, der Text ist von der Länger her kurz genug, um die nötige Aufmerksamkeit der Kinder nicht zu überfordern. Und die Tiere sind einfach nur allerliebst anzusehen. Das Gefühl sich verlaufen zu haben oder sich allein zu fühlen ist Kleinkindern bekannt und so fiebern sie gespannt mit dem Rentier mit und sind froh, als alles sich zum Guten fügt und die Tiere zum Dank auch Weihnachtsgeschenke bekommen.

Die Botschaft hinter dieser Geschichte ist die der Weihnachtsbotschaft, die in diesem Fall auf Hilfe, Zusammenhalt und Unterstützung zwischen Tieren aufmerksam macht. Genauso sollten sich Menschen gegenseitig helfen und wie man sich fühlt, wenn man sich verlaufen hat, können auch schon kleine Kinder sehr gut verstehen.

Eine schöne Geschichte, die die Weihnachtszeit feiert!

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Ein Mix aus Krimi und Charakterstudien

Der Sünde Sold (Dühnfort 1)
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Im Penguin Verlag erscheint die Wiederauflage des ersten Kommissar Dühnfort-Krimis "Der Sünde Sold" von Inge Löhnig.

Agnes zieht nach einem familiären Schicksalschlag ins beschauliche Mariaseeon, einem ...

Im Penguin Verlag erscheint die Wiederauflage des ersten Kommissar Dühnfort-Krimis "Der Sünde Sold" von Inge Löhnig.

Agnes zieht nach einem familiären Schicksalschlag ins beschauliche Mariaseeon, einem kleinen Ort bei München. Hier möchte sie das Vergangene verarbeiten und neu beginnen. Doch dann findet sie auf ihrer Jogging-Runde den fünfjährigen, völlig verstörten Jacob, der seit Tagen vermisst wird. Hauptkommissar Konstantin Dühnfort übernimmt den Fall und als eine Leiche gefunden wird und eine weitere Frau verschwindet, startet die Tätersuche nach einem Sadisten, denn die Hinweise deuten auf religiös motivierte Taten hin.



Inge Löhnigs Krimi startet gemächlich und mehr als Roman, der in einer Dorfgemeinschaft spielt, die an ihren Traditionen und Geheimnissen festhält. Die Geschichte nimmt trotz des vermissten Kindes langsam an Fahrt auf. Je mehr ich gelesen habe, umso mehr konnte ich mich in die verschiedenen Charaktere und ihre jeweiligen Lebensumstände einfühlen und versuchte, mir ein Bild der Vorgänge zu machen.

Insgesamt kommt die Spannung etwas zu kurz, der Wechsel der Perspektiven erfolgt recht flott und die Handlung hat einige Längen. Vor allem hatte ich mir Kommissar Dühnfort durchaus charismatischer vorgestellt.

Der Fall dreht sich um einen Sadisten, der Menschen nach dem Gesetz der Inquisition bestrafen will. Diese Tatsache sorgt für gruselige Stimmung. Ich hatte eine Vorahnung, wer der Täter sein könnte, die sich am Ende bewahrheitet. Das hat mich nicht gestört, ich fand das Thema eines Traumas aufgrund von Vergangenheitserlebnissen gut umgesetzt. Mit verschiedenen Verdachtshinweisen führt die Ermittlung den Leser immer mehr in psychologische Abgründe der menschlichen Seele hinein.

Der Erzählstil ist flüssig, lebendig und bildhaft beschreibend und lässt sich gut lesen.

Mit Dühnfort wurde ich nicht so recht warm, er ist zu angepasst, zu ernsthaft und auch nicht der große Ermittler, dessen logische Denkweise mich beeindruckt hat. Ein wenig mehr Charisma oder ausgefallener hatte ich ihn mir erhofft.

Ich fand den Band der Krimireihe solide, weil die Handlung mich nicht genügend fesseln konnte.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Spannender Krimi trifft Gesellschaftsroman

Die Frau, der Ruhm und der Tod
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Im Droemer Verlag erscheint der Kriminalroman "Die Frau, der Ruhm und der Tod" von Christine Grän und Marianne von Waldenfels.

Hauptkommissarin Clara Frings baut die Abteilung "Gewalt gegen Frauen" auf ...

Im Droemer Verlag erscheint der Kriminalroman "Die Frau, der Ruhm und der Tod" von Christine Grän und Marianne von Waldenfels.

Hauptkommissarin Clara Frings baut die Abteilung "Gewalt gegen Frauen" auf und hat ihren erster Fall als der Schlagerstar "Mona Lisa" vor laufenden Kameras in der Talkshow von Claras bester Freundin Elfi Mayer stirbt. So friedlich die Schlagerbranche auch den Hörern erscheint, dahinter steckt Geldgier und der harte Kampf um den Verkauf von Platten. Die Sängerinnen sind oft nur Mittel zum Zweck.

Während Clara ihre Polizeiarbeit erledigt, ist ihr Freund Heinz in der Fluchthelfer-Szene aktiv und bringt sich damit in Gefahr.

"Harte Währung kann Mauern überwinden - ein verbindender west- und ostdeutscher Spruch. Damit können Strafvollzugsbeamte oder ihre Familienmitglieder geschmiert werden." Zitat S. 249

Clara Frings ermittelt in einem dunklen Sumpf von Einflussnahme in der Schlager-Welt, Spionage und den politischen Verwicklungen der damaligen Zeit zwischen Ost und West. Die Handlung lässt uns diese Zeit nachträglich Revue passieren und die gesellschaftlichen Probleme sichtbar werden.

Das Besondere an diesem Krimi ist die gelungene Mischung aus Kriminalfall und gut geschilderten historischen und gesellschaftlichen Elementen, die die Zeit zwischen 1975 und 1976 authentisch abbilden und mir diese Ära wieder bewusst werden lassen. Eine turbulente Zeit, in der Feministinnen sich für ihre Rechte einsetzen, während Anschläge der RAF Deutschland erschüttern, Spione ihr Unwesen treiben, Fluchthelfer die Menschen aus dem Osten in den Westen schleusen und im Libanon ein Bürgerkrieg tobt.

Die historischen Fakten werden im Anhang noch einmal chronologisch zusammen gefasst und sind von ihrer Brisanz her besser gebündelt als so manches Geschichtsbuch das kann.

Der Erzählstil ist klar, anschaulich und flüssig und lässt mit den historischen Fakten jede Menge Zeitgeist einfließen und damit die Zeit lebendig werden. Die Autorinnen schaffen es, die Menschen und ihre Schicksale in den Vordergrund zu stellen und ihre Beweggründe für ihr Handeln sichtbar zu machen.

Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, die männliche Großspurigkeit einiger Personen verachtet und mich in die Lösung der Mordfälle vertieft. Hier gibt es einige Verdächtige und die besonderen Verknüpfungen der Morde sind nicht so offensichtlich, dass es mir gelungen ist, die Zusammenhänge selbst zu lösen. Doch das tat meinem Interesse an dem Krimi keinen Abbruch, die Hintergründe legen halt viele Spuren, die zu einem intelligent gestrickten Krimi gehören.

Ich bin begeistert und froh, dieses Buch gelesen zu haben. Nur der Titel hatte für mich nicht die Zugkraft, die dieser Krimi verdient hätte.

Ein intelligent und dennoch unterhaltsam geschriebener Krimi, der es mit Spannung, berührenden menschlichen Schicksalen und einer gehörigen Portion Zeitgeist schafft, die Leser zu fesseln. Meine volle Empfehlung für diesen Krimi!