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Veröffentlicht am 29.09.2025

Was ist Fiktion und was Wahrheit?

Prinzessin Alice
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Der historische Roman "Prinzessin Alice" von Irene Dische erscheint im Claassen Verlag.

Alice von Battenberg (später umbenannt in Mountbatten) wurde 1885 in Windsor Castle gehörlos geboren, sie gehörte ...

Der historische Roman "Prinzessin Alice" von Irene Dische erscheint im Claassen Verlag.

Alice von Battenberg (später umbenannt in Mountbatten) wurde 1885 in Windsor Castle gehörlos geboren, sie gehörte dem Hochadel an, war religios, intelligent und las fünf verschiedene Sprachen von den Lippen ab. Sie war Mutter von fünf Kindern, der einzige Sohn war Philip Mountbatten, der Ehemann von Queen Elisabeth II.

In ihrer konservativen Familie wurde Alice wegen ihrer fanatischen Beziehung zu Gott und ihrer Lebenslust als verrückt angesehen. Man wies sie gegen ihren Willen in eine Klinik für Psychiatriepatienten am Bodensee ein, wo sie ohne Kontakte zu ihrer Familie leben musste. Finanziell wurde Alice durch ihre Schwägerin Edwina unterstützt und ihr gelang ein Fluchtversuch aus der Klinik. Danach lebte sie einsam in Griechenland.

Irene Dische setzt als Erzählerin Alice von Battenberg persönlich ein und lässt sie aus ihrem bewegenden Leben berichten. Dische schreibt eine intensive Geschichte, die mich mit der geschilderten Offenheit und Dramatik sehr bewegt, aber auch verstört hat. Alice von Battenberg hatte kein einfaches Leben, sie musste mit ihrer Taubheit leben und wurde in eine Psychiatrie eingewisen. Man kann davon ausgehen, dass sie sehr an der Ausgrenzung ihrer Familie gelitten hat. In dem Buch kommt man Alice sehr nahe, ihr persönliches, menschliches Schicksal kann man aber kaum wirklich nachvollziehen.

Die adelige Prinzessin wurde von ihrer Familie als verrückt erklärt, liest man jedoch ihre geschilderten Erlebnisse, so kann sich Alice durchaus in einer Wirklichkeitsflucht befunden haben, die sie zu ihrem Handeln bewegte.

Dieses Buch ist keine Biografie, es ist ein Einblick in das interessante, aber auch tragische Leben von Alice von Battenberg, der ein selbstbestimmtes Leben verwehrt wurde. Ich fand die Lektüre sehr berührend und auch spannend und hatte beim Lesen sehr viel Mitleid mit dieser Frau. Was aber von der Erzählung Wahrheit oder Fiktion ist, hat sich mir nicht genau erschlossen. Man erfährt einiges über die familiären Verknüpfungen der Adelsfamilie, in der Erbkrankheiten kursierten. Das gibt Anlass, über Monarchien nachzudenken.

Irene Dische hat es geschafft, ein intensives und lebendiges Bild von Alice von Battenberg zu zeichnen, die in einer abgeschotteten Welt lebte, ihrer eigenen inneren der Öffentlichkeit abgewandten Welt. Vielleicht waren die Religiösität und ihre Gespräche mit Gott ihre Art, sich selbst zu heilen und aufbewahrt zu fühlen. Auf jeden Fall muss ihr Leben ein Kampf gegen die traditionellen Ansichten gewesen sein und sie hatte nur wenige Menschen, die ihr zur Seite standen.

Das Buch lässt mich zwiegespalten zurück, es ist bewegend erzählt, doch mir fehlten wichtige Eckpunkte vom Leben der Prinzessin und durch die Selbstdarstellung bleiben viele Fragen offen.

Es ist eine interessante, aber verwirrende Geschichte, weil die Grenzen zwischen Fiktion und Wahrheit nicht deutlich werden.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Ein ungeschönter Blick in das Leben einer Bäuerin

Die Frau des Farmers
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Bei Klett Cotta erscheint Helen Rebanks Debütroman Die Frau des Farmers.

Helen Rebanks wuchs auf einem Bauernhof auf und wollte niemals Bäuerin wie ihre Mutter werden, sondern lieber Künstlerin. Also ...

Bei Klett Cotta erscheint Helen Rebanks Debütroman Die Frau des Farmers.

Helen Rebanks wuchs auf einem Bauernhof auf und wollte niemals Bäuerin wie ihre Mutter werden, sondern lieber Künstlerin. Also studierte sie in Oxford bildende Kunst, lernte James kennen und lieben und zog zu ihm zurück aufs Land und führt mit ihm einen Hof in der der Gegend von Cumbria. Dort ist kein Ackerbau möglich, deshalb gibt es auf ihrer Farm nur Viehhaltung in Form von Rindern, Schafen und Geflügel. Das Paar heiratet und bekommt vier Kinder.


Helen Rebanks erzählt ungeschönt, was das Landleben für sie täglich bereithält und wie sie mehrfach umgezogen sind und dann das Haus umgebaut haben. Sie berichtet von der täglich anfallenden harten Arbeit, von existenzvernichtenden Seuchen, die den Farmern das Leben schwer machen und finanzielle Einbußen bedeuten. Helen berichtet aber auch über die vielen glücklichen Momente, die sie erfüllen und für die sie täglich ihr Bestes gibt. Sie freut sich über glückliche Geburten bei ihren Tieren, über Zeit für ein Picknick in der Natur und über ihr Familienleben mit Farm- und Hausarbeit und der Organisation der Kinderbetreuung. Das tägliche Kochen füllt sie aus und Entspannung findet sie beim Zeichnen der vielen Ansichten und Tiere des Hofes, die im Buch abgedruckt sind. Dazu werden ganz viele persönliche Rezepte vorgestellt, die zum Nachkochen anregen.


Diese Romanbiografie habe ich in mehreren Etappen gelesen und fand die Pausen ganz gut, weil mich die Geschichte zwar interessiert, aber nicht so sehr gefesselt hat, um die vielen Episoden des täglichen Landlebens in einem Rutsch zu lesen.

In ihrem Buch erzählt Helen von ihren Schwangerschaften, Eheproblemen, Selbstzweifeln und vom täglichen Stress als Vollzeitmutter, die die von anderen Frauen eher belächelt wird. Denn dieses Lebensmodell entspricht heute nicht mehr den gängigen Ansichten der Gesellschaft. Inzwischen hat Helen ihren Platz im Leben gefunden und steht voll zu ihrer Aufgabe und genießt das Leben mit ihrer Familie und den Bezug zur Natur.

Ihrem Erzählstil kann man gut folgen, sie ist offen und ehrlich und gibt auch ihre Zweifel zu. Das erkenne ich an und mich machten einige Szenen auch betroffen wie die Seuche, die ihnen finanziell stark geschadet hat. Sie berichtet von interessanten Erlebnissen, aber auch von Themen, die etwas ausschweifend wirken und die ich nicht so spannend fand. Mir fehlt der persönliche Bezug zu dieser Frau, auch wenn ich ihre Gefühle und Erlebnisse durchaus nachvollziehen kann.

Dass der Roman in vier Tagesabschnitte aufgeteilt ist, hat sich im Nachhinein als merkwürdig erwiesen. Denn in diesen Abschnitten wird auch ihr Leben vor ihrer Tätigkeit als Farmerin eingebaut.

Die Illustrationen gefallen mir gut, sie lockern die Geschichte auf und die Rezepte verleihen dem Buch das typische Landfrauen-Flair. Die Rezepte sind überwiegend fleischhaltig, das sollten Vegetarier vor dem Lesen wissen.

Ein offener Einblick in das Leben und Arbeiten auf einem Hof!

Veröffentlicht am 20.09.2025

Magisch schöne winterliche Geschichte über Geborgenheit

Das Haus mit der kleinen roten Tür
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Im Fischer-Sauerländer Verlag erscheint das Bilderbuch Das Haus mit der kleinen roten Tür von Grace Easton. Es ist eine Wintergeschichte für Kinder ab 4 Jahren.

Olivia wohnt im Haus mit der roten Tür, ...

Im Fischer-Sauerländer Verlag erscheint das Bilderbuch Das Haus mit der kleinen roten Tür von Grace Easton. Es ist eine Wintergeschichte für Kinder ab 4 Jahren.

Olivia wohnt im Haus mit der roten Tür, einsam und still ist es dort. In einen alten Baum in ihrem Garten wohnt Maus, auch sie ist allein und würde gern mit jemandem erzählen. Während eines Schneesturms zerbricht der alte Baum und Maus verliert ihre Behausung und Olivia macht sich gleich auf die Suche nach einem neuen Zuhause. Doch wo fühlt sich Maus wohl? In einer Teekanne oder in einem alten Stiefel? Das ist nicht schlecht, aber wohl fühlt sich Maus dort nicht, sie braucht Gesellschaft. Als Olivia ihr schließlich ein Plätzchen in ihrem großen Haus anbietet, sind beide zufrieden und genießen dieses Gefühl von Nähe und Freundschaft. So fühlt sich ein richtiges Zuhause an!

Gerade zu Weihnachten und im langen, dunklen Winter sollte niemand einsam sein. Aber was machen Menschen, die alleine sind oder kein Zuhause haben? Wie kommen sie gegen das Gefühl von Einsamkeit, Kälte und fehlender Geborgenheit an?

Olivia und Maus stellen genau diese Emotionen wunderbar kindgerecht vor und zeigen, wie Olivia für Maus ein Zuhause sucht.

Die Textzeilen sind sehr kurz und doch vermitteln sie kleinen Kindern sehr deutlich die Botschaft von Gemeinschaft, Freundschaft und Heimat. Die wunderschönen Illustrationen machen optisch die Geschichte von Olivia und Maus sichtbar und hinter den eingebauten Klappen verbergen sich viele kleine Details, die es zu entdecken gilt. Kritisch sehe ich die Klappen, die für kleine ungeübte Kinderhände noch etwas Fingerspitzengefühl erfordern.

Dieses wunderschön illustrierte Bilderbuch vermittelt durch die interaktiven Klappen eine gewisse Magie und die warmherzige Geschichte zeigt Kindern, dass es nicht schön ist, allein zu sein und jeder ein Zuhause braucht, wo er sich wohlfühlt!

Veröffentlicht am 17.09.2025

Mein September-Highlight!

Das Flüstern der Marsch
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Im Hoffmann und Campe Verlag erscheint Katja Keweritschs Roman "Das Flüstern der Marsch".

Zum 80. Geburtstag ihres Opas Karl reist Mona in die Elbmarsch. Als sei eintrifft, ist ihre Oma Annemie spurlos ...

Im Hoffmann und Campe Verlag erscheint Katja Keweritschs Roman "Das Flüstern der Marsch".

Zum 80. Geburtstag ihres Opas Karl reist Mona in die Elbmarsch. Als sei eintrifft, ist ihre Oma Annemie spurlos verschwunden und Karl scheint sich keine großen Sorgen zu machen, Mona aber sehr. Wo könnte sie nur sein? Mona zieht zu ihrem Opa in das Reethaus und wird sofort vom Zauber der Natur und der Weite der Marsch eingefangen. Hier wuchsen ihre Mutter Sabine und die Zwillingsbrüder Stefan und Sven auf. Aber niemand ahnt etwas von dem dunklen Geheimnis, das die Familie schon lange beeinflusst. Mona sucht nach ihrer Oma und taucht tief in die Familiengeschichte ein, ein Freund aus Kindheitstagen unterstützt sie. Sie erfährt schlimme Dinge, die auch in der Dorfgemeinschaft lange verschwiegen wurden, aber das Verhalten innerhalb der Familie wesentlich beeinflusst haben.


"Wir stiegen auf den Deich, und die Landschaft weitete sich vor unseren Augen. Gras, Rohrkolben, Flatterbinsen, Schilf, Pestwurz, Gänseblümchen und Löwenzahn bis zum Horizont. Dazwischen kleine Haine aus Korbweiden, Weißdorn, Pappel, Eschen und Erlen. Hinter dem Land strömte der Fluss, ruhig und klar." Zitat Seite 197

Was muss geschehen sein, dass Annemie nach langen Ehejahren plötzlich verschwindet? Mona bekommt auf ihre drängenden Fragen keine Antworten, manche wissen es nicht und andere haben es verdrängt oder verschweigen etwas. Gleichzeitig beschäftigt Mona auch ihr eigenes Leben, sie muss eine Entscheidung treffen und findet in der heilsamen Natur der Marsch nicht nur Trost, sondern findet auch einen alten Freund, der ihr zur Seite steht.

Katja Keweritsch erzählt die Geschichte aus unterschiedlichen Zeitebenen und personellen Perspektiven der Frauen der Familie. Zunächst erfährt man die gegenwärtigen Erlebnisse und in den Rückblenden laufen dann immer mehr Puzzleteile zusammen, die am Ende das dunkle Geheimnis der Familie offen legen. Der ruhige Erzählton lässt sich gut lesen und man taucht tief in das familiäre Leben ein, wobei immer mehr Probleme innerhalb der Familie und eine alte Schuld ans Licht kommen. Die Darstellung der unterschiedlichen Charaktere erfolgt sehr einfühlsam und lässt ihr Verhalten und ihre Nöte und Sorgen deutlich sichtbar werden. Dagegen wirkt die malerische Stimmung der Elbmarsch wie eine Ruheinsel, in der die Natur gegen all diese menschlichen Probleme ein Bollwerk aufgebaut hat. Diese besondere Atmosphäre ist der Gegensatz zu erlittenem Unrecht und menschlichem Leid.

Was für ein einfühlsam erzählter und absolut stimmungsvoller Roman! Ich bin berührt, begeistert und von der Geschichte bis zum Ende gefesselt. Die Mischung aus dunklem Familiendrama, Vorbereitung der Geburtstagsfeier und die Suche nach der verschwundenen Oma lassen Spannung aufkommen, während die atmosphärische Schilderung der Natur der Elbmarsch für Ruheinseln sorgt, die ich einfach nur genossen habe.


Dieses Buch gefällt mir richtig gut, die Naturschilderungen lesen sich wunderbar, die berührende Handlung verleitet zum Eintauchen und Mitfühlen der dunklen Schatten der Familie! Mein September-Highlight!

Veröffentlicht am 16.09.2025

Ein humorvoller Cosy-Krimi mit weihnachtlichem Touch!

Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum
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Bei Rowohlt Kindler erscheint mit Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum ein weihnachtlicher Band der Merkel-Krimi-Reihe von David Safier.

Nachdem der Urlaub mit den Obamas ein echter Reinfall war, ...

Bei Rowohlt Kindler erscheint mit Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum ein weihnachtlicher Band der Merkel-Krimi-Reihe von David Safier.

Nachdem der Urlaub mit den Obamas ein echter Reinfall war, kehrt Angela mit Achim zurück nach Kleinfreudenstadt und freut sich auf gemütliche Feiertage. Doch vor Ort steckt ein toter Weihnachtsmann im Kamin und Angelas Hobby-Ermittlerherz frohlockt und sie macht sich sogleich auf die Suche nach dem Täter. Denn ihr größtes Hobby neben dem Backen ist halt das Ermitteln und das übt sie mit viel Herz und reichlich Bauchgefühl aus.

Das Opfer war ein professionell buchbarer Weihnachtsmann und Angela findet heraus, dass seine vier konkurrierenden Kollegen als Verdächtige in Frage kommen. Bodyguard Mike weicht Angela bei ihren Recherchen kaum von der Seite, allerdings muss er noch ein Geschenk für den kleinen Adrian besorgen.

Ehemann Achim soll bei einer weihnachtlichen Veranstaltung den Josef spielen, bzw. rappen und weiß noch nicht, wie er sich aus der Affäre ziehen kann. Und Angela interviewt die möglichen Täter und entdeckt dabei jemanden, der sich wirklich für den wahren Weihnachtsmann hält.

In diesem Krimi geht es recht beschaulich zu, wir lernen skurrile Personen kennen und werden am Ende überrascht, wie Angela den Fall logisch aufklärt und wie die Merkels dann doch noch Weihnachten feiern, ganz ohne Leiche.

Nachdem Kommissar Hannemann für seine Freundin den Spitznamen Puffel auserkoren hat, überlegen sich die Merkels, ob sie sich neue Kosenamen zulegen sollen. Was zunächst wie ein lustiger Gag erscheint, zog sich dann ziemlich in die Länge und ich fand das "Puffel hier - und Puffeline da" doch reichlich übertrieben und einfach nur albern.

Dagegen konnten mich die treffenden Spitzen auf das politische Geschehen eher begeistern. Hier werden namenlos Politiker erwähnt, indem man ihre Besonderheiten oder Fehlleistungen einfach mal mit spitzer Feder zu Papier brachte. Die Personen kann man gut erahnen und thematisch passt das gut zur Ermittlerin, die ja vor geraumer Zeit ebenfalls im Politzirkus mitwirkte und die Leute näher kennt.

Zunächst wirkt es etwas dilettantisch, wie Angela ihre Befragungen zielgerichtet auf die Alibis der Tatzeit beschränkt. Aber am Ende bringt sie diese Methode und ein entscheidender Hinweis doch auf den Täter und die Bewohner von Kleinfreudenstadt können aufatmen und friedliche Weihnachten feiern.

Ein humorvoller Cosy-Krimi mit weihnachtlichem Touch, bei dem Miss Merkel ihrem Ermittler-Hobby nachgehen kann und Achim allen Erwartunger zum Trotz zum Rapper wird.