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Veröffentlicht am 08.11.2025

Superlative der Tierwelt, toll illustriert und interessant umgesetzt!

MEGA
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Im Fischer Sauerländer Verlag erscheint das Sachbuch MEGA: Faszinierende Giganten von gestern und heute von Jules Howard mit Illustrationen von Gavin Scott.

Entdecke die Giganten unseres Planeten! Welche ...

Im Fischer Sauerländer Verlag erscheint das Sachbuch MEGA: Faszinierende Giganten von gestern und heute von Jules Howard mit Illustrationen von Gavin Scott.

Entdecke die Giganten unseres Planeten! Welche Rekorde gibt es in der Tierwelt? Dazu reisen wir in die Vergangenheit zu den ausgestorbenen Tieren und erfahren Besonderheiten über noch lebende Tiere.

Bei diesem Buch ist der Titel auch für den Inhalt Programm! Das absolut großformatige Buch enthälte naturnahe Illustrationen, die die Tiere in ihrem Lebensraum abbilden und dazu gibt es jede Menge kindgerecht aufbereitetes Wissen über Tiere und ihre Superlative.

Die Themenbreite reicht von supergroßen Säugetieren (Elefanten, Seekühe, Menschenaffen...), wirklich großen Vögeln über riesige Reptilien (Krokodile, Schlangen) bis hin zu fantastischen Fischen (Haie, Rochen und Knochenfische) und Monster-Mollusken (Tintenfische).

Die Fakten zu den einzelnen Tierarten sind umfangreich und decken sowohl Grundwissen ab, als auch spezielle Informationen zu ausgestorbenen Arten, der Veränderung des Klimas und den Folgen für die Tierwelt.

Beispielsweise erfahren wir, was Grasgärtner sind (Nashörner) und tauchen in die Vorzeit ein, als riesige Beuteltiere über die endlosen Ebenen Australiens streiften, wie der Diprotodon, der größte aller urzeitlichen Wombats.

Hier kann man sich in die jeweiligen Interessengebiete vertiefen und lernt anhand der gut in die Illustrationen eingewebten Texte eine Menge über die Tierwelt hinzu.

Die Abbildung der Tiere zeigt sie in Aktion in ihrem authentisch gezeigten Lebensraum und lässt sie dadurch sehr lebendig wirken. Was mir auch gut gefällt, sind die Größentabellen, bei denen Tierarten in Bezug auf ihre Körperhöhe verglichen werden, wie bei den Paarhufern, Walen, Laufvögeln, Schlangen, Echsen, Schildkröten u.a.

Als besonderer Clou kann man den Einband des großformatigen Buches zu einem beidseitigen Poster ausbreiten. So was kommt bei Kindern immer gut an!

Die wichtige Botschaft des Buches ist der Artenschutz. Am Ende werden die Gründe für den Artenschwund erläutert und die Verantwortung eines jeden deutlich gemacht. Danach gibt es Ideen, wie sich jeder Einzelne für eine gesunde Umwelt einsetzen kann.

Ein mega Buch mit faszinierenden Superlativen, interessanten ausgestorbenen und noch lebenden Tieren und jeder Menge Wissen, das Kinder informiert, unterhält und für die Tierwelt begeistert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2025

Wenn der Jäger zum Gejagten wird!

Halali
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Im Diogenes Verlag erschien im Jahr 2017 Ingrid Nolls Roman Halali.

Die 80-jährige Holda erzählt ihrer Enkelin Laura eine Geschichte aus der Nachkriegszeit als sie Stenotypistin im Bonner Innenministerium ...

Im Diogenes Verlag erschien im Jahr 2017 Ingrid Nolls Roman Halali.

Die 80-jährige Holda erzählt ihrer Enkelin Laura eine Geschichte aus der Nachkriegszeit als sie Stenotypistin im Bonner Innenministerium in Bonn war. Darin geht es um das Alltagsleben als Untermieterin, um Wünsche junger Frauen, um die Liebe und um Geheimnisse, die Spannung in das graue Alltags-Leben bringen.

"Das Alter ist eine unerhörte Kränkung... Die Augen schwächeln, die Gelenke knacken und knirschen, die Ohren wollen nicht mehr zuhören...die Vergesslichkeit nimmt zu. Am übelsten wird der armen Haut mitgespielt." Zitat S. 80

Die schwarz-humorigen Geschichten von Ingrid Noll drehen sich häufig um Frauen, die auf scheinbar harmlose Weise für den Tod ihrer männlichen Mitmenschen verantwortlich sind. Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich behaupte, dass das in dieser Geschichte mehr aus spontaner Aggression heraus geschieht.

Die 80-jährige Holda erzählt ihrer Enkelin Laura eine Geschichte, die in den Gründungstagen der Bundesrepublik spielt. Damals war Holda Stenotypistin im Innenministerium und wie sich heraus stellt, hat sie mehr erlebt, als ihre Enkelin je vermutet hätte. Holda erzählt recht flott und spannt mit ihrer unglaublichen Story nicht nur die Enkelin auf die Folter, sondern auch mich als Leserin. Neben kriminellen Handlungen wird der Zeitgeist der 50er Jahre lebendig und die politische Ebene des kalten Krieges spielt ebenfalls eine Rolle.

Auch in diesem Buch hält Ingrid Noll eine abwechslungsreiche Geschichte parat, in der die böse Seite der Figuren zum Zuge kommt, in diesem Fall sind das Holda und Karin. Beide arbeiten im Innenministerium, wohnen in möblierten Zimmern und suchen den Mann ihrer Träume, Karin träumt von einer Ehe als Diplomatengattin. Beide stoßen auf ein brisantes Geheimnis, das sie mit ihrem Vorgesetzten Burkhard Jäger in Verbindung bringen. Neugierig und unerschrocken verfolgen sie Jäger und verwickeln sich damit selbst in einen brisanten Spionagefall, der bis ins Ministerium reicht.

Holdas Erzählung habe ich gespannt mitverfolgt, erkannte die damaligen Moralvorstellungen aus Erzählungen meiner Eltern wieder und mochte Holdas Blick auf die heutige Zeit, die sie durch ihre Enkelin täglich vor Augen hat.

Die Lektüre entwickelt sich zu einem Rückblick in die Gesellschaft der 50er Jahre und lässt sich durch den Spionagefall kurzweilig lesen. Amüsanter und fesselnder Einblick in die Sitten der 50er Jahren!

Veröffentlicht am 01.11.2025

Die Pionierin der Frauen-Olympiade

Aufgeben können die anderen
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Im Aufbau Verlag erscheint der Roman "Aufgeben können die anderen" von Autorin Lena Johannson.

Paris 1918: Die Französin Alice Milliat ist begeisterte Schwimmerin und kennt die Vorurteile der männlichen ...

Im Aufbau Verlag erscheint der Roman "Aufgeben können die anderen" von Autorin Lena Johannson.

Paris 1918: Die Französin Alice Milliat ist begeisterte Schwimmerin und kennt die Vorurteile der männlichen Gesellschaft gegen sportliche Aktitivität des "schwachen" weiblichen Geschlechts. Doch das nimmt sie nicht einfach so hin und gründet mit hilfreichen Unterstützern einen Frauensportverband und setzt sich das Ziel einer Olympiade nur für Frauen.

In ihrem Roman erzählt Lena Johannson die Geschichte der Französin Alice Milliat, die Frauensport in Frankreich populär, sichtbar und vor allem erlaubt zu machensich kuragiert für den Frauensportverband und für die ersten Olympischen Frauenspiele eingesetzt hat. Neben dem Rudern ist Alice begeisterte Schwimmerin und sie erkennt, welche Vorteile sportliche Betätigung mit sich bringt. Sie findet es an der Zeit, dass die Sportmöglichkeiten in den Vereinen endlich auch für Frauen geöffnet werden. Außerdem möchte sie Frauen die Teilnahme bei internationalen Wettbewerben ermöglichen. Doch zu dieser Zeit galt Frauensport als anstößig und war ein Tabu.

Die reale Person Alice Milliat war mir vor der Lektüre nicht bekannt, umso interessierter habe ich ihre Geschichte begleitet und ihren Eifer und ihren couragierten Pioniergeistin für den Frauensport bewundert. Trotz ihres persönlichen Schicksalsschlags hatte sie dieses Ziel vor Augen und setzte sich dafür ein.

Es war inaktzeptabel, dass das IOC und der Gründer Baron de Coubertin die Teilnahme von Frauen nicht für selbstverständlich hielt und so machte es sich Alice zur Aufgabe und organisierte die Olympischen Spiele nur für Frauen im Jahr 1922. Im Roman wird ihr Engagement detailliert beschrieben und spricht daher sicher alle diejenigen an, die sich für Frauen-Sportgeschichte interessieren.

Besonders intensiv habe ich Alice Schwimmerlebnisse miterlebt, kaum ist Alice im Wasser, verschmilzt sie mit diesem Element, was absolut authentisch dargestellt wird und zeigt, welch Kampfgeist und Durchhaltewillen in ihr steckt. Ansonsten wirkte Alice auf eine bestimmte Weise recht unnahbar und ich konnte ihre Gefühle und das lange Hinhalten von Jean-Luc nicht nachvollziehen. Diese Reaktion passt meiner Meinung nach nicht zu so einer starken Frau.

Ein gut erzählter Roman mit einer interessanten Frauenfigur, die als Pionierin des Frauensports agierte.

Veröffentlicht am 29.10.2025

Solide, aber leider nicht so fesselnd wie erhofft!

Rabenthron
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Der historische Roman "Rabenthron" von Rebecca Gablé erscheint im Lübbe Verlag, es ist der dritte Teil der Helmsby Reihe und spielt zeitlich vor "Das zweite Königreich".

London liegt in Trümmern, König ...

Der historische Roman "Rabenthron" von Rebecca Gablé erscheint im Lübbe Verlag, es ist der dritte Teil der Helmsby Reihe und spielt zeitlich vor "Das zweite Königreich".

London liegt in Trümmern, König Ethelred konnte sein Reich nicht gegen die Angriffe der Wikinger schützen. Ælfric of Helmsby hat seinen kleinen Sohn an seiner Seite und reist gegen den Willen seines Onkels mit dem dänischen Gefangenen Hakon an den englischen Königshof. Ælfric wird ein Unterstützer der englischen Königin Emma, die alles tut, was in ihrer Macht liegt, um die politischen Geschicke Englands in friedliche Bahnen zu lenken.

Rebecca Gablé entführt ihre Leser in ein Kapitel der englischen Geschichte zwischen 1013 und 1041 als England sich im Krieg mit Dänemark befand. Sie erzählt die Geschichte von Ælfric of Helmsby und Königin Emma, wechselt Jahre später zu Pendra, Ælfrics Sohn. Dabei wechseln die Schauplätze zwischen England und der Normandie und der Kampf um die britische Krone wird mit brutalen, kriegerischen Handlungen, Intrigen und Ränkeschmieden geführt. Die verschiedenen Sichtweisen und Absichten werden sichtbar gemacht und so erlebt man die Figuren in einem steten Kampfgetümmel oder bei ihren Gelagen und anderen Vorhaben. Dadurch ergibt sich ein guter Überblick über die einzelnen Geschehnisse vor dem authentischen recherchierten historischen Hintergrund.

Der Schreibstil ist lebendig, die Dialoge passend zur Zeit mit rüdem Tonfall und die männlichen Charaktere werden häufig übergriffig, was ebenfalls gang und gäbe waren.

Wie gewohnt kommen in der Geschichte zahlreiche Charaktere vor, man muss sich schon ein wenig einlesen, um alle Personen gut einordnen zu können. Das beigefügte Personenregister ist da sehr hilfreich. Mich persönlich hat Pendras Entwicklung vom kleinen Jungen zum erwachsenen Mann besonders interessiert. Gut gezeichnet fand ich auch die intelligene Emma mit vielen Facetten, ihre plötzliche Hinwendung zu Knut ging mir zu schnell und einfach konfliktlos. Bei ihrer Person hatte ich auf mehr Widerstand gehofft.

Die historischen Abläufe und die Verknüpfung mit den Figuren werden von Rebecca Gablé gewohnt versiert in der Handlung verwoben und man fühlt die Atmosphäre und die Lebensumstände der Zeit aus nächster Nähe.
Als Fan der Reihe habe ich mit auf diesen Roman gefreut und war sehr gespannt auf eine weitere packende Handlung rund um die Ära der Helmsbys. Aber leider konnte der Funke nicht ganz überspringen, ich habe mich über einen längeren Zeitraum in einzelnen Etappen durch den Roman gelesen und fand viele Szenen langatmig und austauschbar. Der Erzählstil ist wie gewohnt flüssig und gut lesbar, die Handlung ist abwechslungsreich und die Figuren sind vielseitig, aber teilweise wirken sie recht oberflächlich. Was mif aber am meisten gefehlt hat war ein Held, mit dem ich mitfiebern konnte, der mich mit Spannung durch die Geschichte getragen hätte und dem ich in einem Lesefluss gefolgt wäre. Leider konnte Ælfric diese Rolle nur bedingt einnehmen und so haben mich die einzelnen Kämpfe, Intrigen bei Hofe und verschiedenen Nebenhandlungen nicht so packen können wir erhofft.


Alles in allem ein gut erzählter und authentisch recherchierter Roman, der die Machtkämpfe um den englischen Thron zwischen England und Dänemark sichtbar macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.10.2025

Wunderbare Wiederentdeckung eines leichten und humorvollen Lesevergnügens!

Dienstmädchen für ein Jahr
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Bei Rowohlt Kindler erscheint der Briefroman Dienstmädchen für ein Jahr von Sigrid Boo in einer Übersetzung von Gabriele Haefs. Das Buch wurde bereits 1930 geschrieben und ist der 10. Band der Reihe "Rororo-Entdeckungen", ...

Bei Rowohlt Kindler erscheint der Briefroman Dienstmädchen für ein Jahr von Sigrid Boo in einer Übersetzung von Gabriele Haefs. Das Buch wurde bereits 1930 geschrieben und ist der 10. Band der Reihe "Rororo-Entdeckungen", in der die Herausgeberinnen Magda Birkmann und Nicole Seifert ältere Literatur vor dem Vergessen wieder neu sichtbar machen.

Norwegen, 1930: Die lebenslustige Helga ist Tochter aus gutem Hause und hat gerade ihr Abitur absolviert, nun hofft sie auf eine interessante Bildungsreise nach Paris. Doch die findet laut ihrem Vater aus finanziellen Gründen nicht statt. Voller Lebensfreude trifft sie Freunde in einem Café und diskutiert darüber, ob Frauen wirklich anpacken können und lässt sich übermütig auf eine Wette ein, in der sie zusagt, sich ein Jahr lang als Dienstmädchen zu verdingen. Nun beginnt eine arbeits- und lehrreiche, aber auch wunderschöne Zeit, in der Helag erwachsen wird und Erfahrungen mit anderen Menschen macht, Freunde gewinnt und die Liebe erlebt.

Was für eine wunderbare Wiederentdeckung der norwegischen Autorin, von der ich bisher noch nie etwas gehört habe!

In Form eines Briefromans erfahren wir im selben Maße wie Adressatin Freundin Grete, wie es Hanna nach dem Antritt ihrer Wette ergeht. Obwohl sie bisher selber nur bedient wurde, erledigt sie jetzt als Dienstmädchen die Wäsche, mangelt, putzt, erledigt Küchenarbeiten und bedient bei Tisch. Hanna ist nicht zimperlich, sehr tatkräftig und packt ordentlich mit an und hält ihre täglichen Erlebnisse und Gedanken in Briefen fest. Dabei lässt sie uns auf so lockere, ehrliche und herrlich erfrischende Weise an ihren Erfahrungen und Gefühlen teilhaben, dass es eine wahre Freude ist.

Inkognito betritt Helga mit ihrer Arbeit echtes Neuland und erlebt mal das andere Ende ihres gewohnten priviligierten Lebens als verwöhnte Tochter aus gutem Hause. Sie macht unterschiedliche Erfahrungen in der bürgerlichen Gesellschaft dieser Zeit, muss so manches von den Herrschaften ertragen, passt sich an, lässt sich aber auch nicht alles gefallen und sagt schlagfertig auch schon mal ihre Meinung, wo es nötig ist. Das arbeitssame Leben bekommt ihr gut, sie findet Freunde und hat auch romantische Gefühle, die sie vielleicht in den Hafen der Ehe führen könnten.

Sigrig Boo zeigt mit wunderbarer Leichtigkeit die sozialen Hierarchien und Widersprüche dieser Zeit auf, in der dienstbare Geister die harte Arbeit erledigten und gutbetuchte Ehefrauen für die Anweisung dieser Dienstboten zuständig waren. Während Helga sich einer arbeitssamen Helding gleich um ihre neuen Mitmenschen kümmert, wird sie von ihrer inneren Stärke getragen und genießt die Schönheit der Jahreszeiten und der Natur und kommt ihren "Herrschaften" auf liebenswerte Weise näher. Sie ist eine wahre Perle, die schnell erkennt, woran es in den verschiedenen Haushalten hakt, genießt die Anwesenheit bei der Gutsbesitzer-Familie Bech und wird erwachsen.

Wunderbar leicht zu lesender Briefroman, sehr humorvoll und dennoch scharfsinnig erlebt man eine charmante Vorläuferin der Emanzipation in Norwegen. Sehr unterhaltsam und ein echt schönes Lesevergnügen!