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Veröffentlicht am 12.01.2025

Eine Sammlung atmosphärischer Gruselgeschichten im winterlichen Setting

Schaurige Nächte
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„Schaurige Nächte“ ist eine Anthologie unheimlicher Geschichten im winterlichen Setting, an der acht unterschiedliche Autorinnen mitgearbeitet haben. Den Beginn macht Bridget Collins mit „Eine Studie in ...

„Schaurige Nächte“ ist eine Anthologie unheimlicher Geschichten im winterlichen Setting, an der acht unterschiedliche Autorinnen mitgearbeitet haben. Den Beginn macht Bridget Collins mit „Eine Studie in Schwarzweiß“ (eins meiner Highlights des Bandes): Wie der Titel schon ankündigt, ist Schach ein wichtiges Motiv der Erzählung. Um diese Motivik spinnt sich eine unheimlich (im zweifachen Sinne des Wortes) atmosphärische Erzählung, die in einem alten, schneebedeckten Herrenhaus spielt, das nicht so verlassen ist, wie es zunächst den Anschein hat. Es folgt „Thwaites Mieter“ von Imogen Hermes Gowar, eine Geistergeschichte, in der – ähnlich wie in „Eine Studie in Schwarzweiß“ – Unheimliches in einem Haus vorgeht. Die drit-te Geschichte „Die Aal-Sänger“ von Natasha Pulley entführt die Lesenden in einen anders-weltlichen Bereich: Die drei Protagonisten der Erzählung möchten an einem abgelegenen Ort die Weihnachtstage verbringen, doch Ort wie Bewohner wirken seltsam opak; das Nebulöse durchzieht die gesamte Handlung, wodurch die Erzählung ungemein originell ist. „Lily Wilt“ von Jess Kidd handelt von einem Gedenk-Fotografen, der sich unsterblich in sein Motiv ver-liebt: eine aufgebahrte junge Frau. Von dieser Ausgangslage aus entspinnt sich eine unge-wöhnliche Geschichte (wie ich sie bisher noch nie gelesen habe), die mit klassischen Horror-Motiven gewürzt ist. Auch Laura Purcells „Chillinghams Rollstuhl“ hat mir sehr gut gefallen: Eine junge Frau ist nach einem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen, der ein Geheimnis in sich trägt. Die Geschichte wird spannend erzählt und besitzt am Ende einen schönen Twist. Ähnlich wie in „Die Aal-Sänger“ spielt auch in der folgenden Erzählung „Das Hängen des Grüns“ von Andrew Michael Hurley das Außerweltliche eine große Rolle. Der Ich-Erzähler, der sich in einer Kirche um Bedürftige kümmert, klärt hier das Schicksal eines seiner Schütz-linge. Insbesondere durch die analytische Erzählweise weiß die Geschichte zu fesseln. Ein kleines Meisterstück ist auch die nächste Geschichte: „Gefangen“ von Kiran Millwood Har-graves. Sie handelt von einer Frau im viktorianischen England, die nach der Entbindung ihr Zimmer nicht verlassen darf – doch sie und das Baby sind nicht alleine dort. Die Gedanken-welt der Frau wird sehr eindrücklich geschildert, die Atmosphäre ist latent bedrohlich und insbesondere der letzte Satz der Erzählung weist auf die Tragik des Erzählten hin. Zudem wird hier, wie die Autorin in einem kurzen Nachwort ausführt, ein gesellschaftlich relevantes Problem literarisch ausdifferenziert. Den Abschluss bildet „Ungeheuer“ von Elizabeth Macne-al, in der die Schattenseiten des Forscherdrangs beleuchtet werden. Es findet sich insgesamt eine Fülle abwechslungsreicher Geschichten in „Schaurige Nächte“, die meist im viktoriani-schen England spielen und dadurch eine besondere Atmosphäre besitzen. Für mich überwie-gen eindeutig die hochkarätigen Geschichten, sodass ich den Sammelband allen Liebha-berinnen von Schauergeschichten, die sich auch in der Weihnachts- und Winterzeit gruseln wollen, ans Herz legen kann.

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Veröffentlicht am 11.01.2025

Eine atmosphärische Sammlung winterlicher Gruselgeschichten

Wintergeister
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„Wintergeister“ ist eine Anthologie mit Grusel- und Geistergeschichten, zu der sechs unter-schiedliche Autorinnen eine Erzählung beigesteuert haben. Den Auftakt macht „Der steiner-ne Dämon“ von Bridget ...

„Wintergeister“ ist eine Anthologie mit Grusel- und Geistergeschichten, zu der sechs unter-schiedliche Autorinnen eine Erzählung beigesteuert haben. Den Auftakt macht „Der steiner-ne Dämon“ von Bridget Collins (mein persönliches Highlight des Bandes): Eine an klassische Gothic Novels erinnernde Erzählung, die von einer Schriftstellerin handelt, die in einem klei-nen Städtchen Inspiration für ihr nächstes Buchprojekt sucht. In Andrew Michael Hurleys „Das alte Theaterstück“ begegnen wir einem alternden Schauspieler, der im traditionellen Jah-resabschlussstück auftritt. Hier changieren Traum und Wirklichkeit, sodass die Erzählung eine besondere atmosphärische Intensität erhält. Die dritte Geschichte, „Ada Lark“ von Jess Kidd, handelt von einem Waisenmädchen, das dazu gezwungen wird, einem selbsternannten Medi-um bei dessen Machenschaften zu unterstützen. Diese Geschichte wird mit schnellen Schnit-ten erzählt, was für mich allerdings zuungunsten der Atmosphäre verlief. „Jenkin“ von Catrio-na Ward thematisiert das Schicksal zweier Schwestern, wobei eine der Schwestern von einem schattenhaften Wesen verfolgt wird, das immer erscheint, sobald sie lügt. Die Erzählung ist wendungsreich und endet mit einem schönen Twist. In der folgenden Erzählung „Der Wit-wenweg“ treffen wir auf Honoria Joseph, Herstellerin von Fächern, deren Mann vor einiger Zeit verschwunden ist. Diese Geschichte ist spannungstechnisch die interessanteste, fragt man sich doch die ganze Zeit, was mit Herrn Joseph geschehen ist – mehr möchte ich hier nicht verraten. Den Abschluss bildet „Das Lied von Glocken und Ketten“ aus der Feder von Laura Purcell (ein weiteres Highlight für mich). Diese Geschichte, die den Krampus-Stoff aufgreift, ist rätselhaft sowie fesselnd erzählt und weist zudem ein überraschendes Ende auf. Man merkt: Trotz des gemeinsamen winterlichen Settings sind die Geschichten thematisch breit gestreut. Der Grusel, der dabei erzeugt wird, kommt nicht mit dem Vorschlaghammer, son-dern ist subtil und zieht sich atmosphärisch latent durch jede Geschichte. Natürlich kann nicht jede Geschichte gleich gut gefallen; jeder wird eigene Lieblinge haben. Bei einem bin ich mir aber sicher: Die Zahl der Geschichten, die man mochte bzw. die einen (mehr oder weniger wohligen) Schauer über den Rücken laufen lassen, werden überwiegen. Insgesamt ist „Win-tergeister“ eine abwechslungsreiche Anthologie mit schönen Schauergeschichten – nicht nur aber insbesondere perfekt für Halloweenliebhaber*innen, die dem Grusel am 31. Oktober noch nicht ade sagen möchten, sondern diesen in die Winter- und Weihnachtszeit verlängern möchten.

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Veröffentlicht am 09.01.2025

Ein schönes Kompendium zu Museen der Romantik

Schatzhäuser der Romantik
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Reclams „Schatzhäuser der Romantik“, hrsg. von Anne Bohnenkamp, Wolfgang Bunzel und Cornelia Ilbrig, ist ein literarischer Reiseführer zu Museen, Wohnhäusern und Gedenkstätten der deutschen Romantik. Vorgestellt ...

Reclams „Schatzhäuser der Romantik“, hrsg. von Anne Bohnenkamp, Wolfgang Bunzel und Cornelia Ilbrig, ist ein literarischer Reiseführer zu Museen, Wohnhäusern und Gedenkstätten der deutschen Romantik. Vorgestellt werden hier 50 Einrichtungen, die sich dem Gedenken, Erforschen und Näherbringen von deutschen Geistesgrößen der Romantik widmen. Dabei finden sich einerseits Einrichtungen, die speziell einzelne Personen fokussieren (wie bspw. das Brentano-Haus in Oestrich-Winkel, die GRIMMWELT in Kassel, der Hölderlinturm in Tübingen oder das Beethoven-Haus in Bonn), andererseits Einrichtun-gen, die die Epoche der Romantik personenübergreifend darzustellen suchen (wie das Deut-sche Romantik-Museum Frankfurt a. M. oder das Koblenzer Romanticum). Jede Einrichtung wird in einem ca. 6-seitigen, reich bebilderten Lexikoneintrag vorgestellt, wobei sich neben praktischen Informationen (Publikationen, Veranstaltungen, Museumspädagogik etc.) außer-dem jeweils Informationen zum Ort, zur gezeigten Ausstellung sowie zum personenbezogenen wie thematischen Schwerpunkt der Einrichtung finden. Die einzelnen, sehr verständlich ver-fassten Einträge sind dementsprechend trotz ihrer Kürze perfekt dazu geeignet, sich auf den Besuch vorzubereiten. Generell ist „Schatzhäuser der Romantik“ ein schönes Kompendium, um Anregungen für (Tages-)Ausflüge zu Museen, Wohnhäusern und Gedenkstätten der Romantik zu erhalten.

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Veröffentlicht am 08.01.2025

Eine kurzweilige, spannende sowie tragikomische Lektüre

Kalmann
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Inhalt: Kalmann übernimmt Verantwortung – und zwar als selbsternannter Sheriff von Raufarhöfn. Zwar ist damit nicht jeder gleich einverstanden, aber irgendwer muss sich ja um das Dorf kümmern. Doch auch ...

Inhalt: Kalmann übernimmt Verantwortung – und zwar als selbsternannter Sheriff von Raufarhöfn. Zwar ist damit nicht jeder gleich einverstanden, aber irgendwer muss sich ja um das Dorf kümmern. Doch auch ein Kalmann ist nicht vor Unheil gefeit: Bei einem Rundgang um das Dorf findet er eine große Blutlache; gleichzeitig ist außerdem Róbert McKenzie, Hotelbetreiber und Hüter der Fangquoten, verschwunden. Und plötzlich richtet die Nation ihre Aufmerksamkeit auf Raufarhöfn – was Kalmann eigentlich lieber verhindert wissen würde…

Persönliche Meinung: „Kalmann“ ist ein Roman von Joachim B. Schmidt. Es handelt sich um den ersten Roman, der sich um den eigenwilligen Sheriff des kleinen isländischen Fischerdorfes Raufarhöfn dreht. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive Kalmanns, einem Außenseiter mit dem Herz am rechten Fleck, der auf der Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft ist, dabei manchmal kindlich naiv auftritt, manchmal aber auch abgeklärter ist, als man auf den ersten Blick vermutet. Der Plot des Romans folgt einerseits der Struktur einer Kriminalgeschichte: Zunächst Kalmann, später auch die Polizistin Birna versuchen das rätselhafte Verschwinden von Róbert McKenzie zu klären – wobei beide ganz eigene Intentionen verfolgen, die hier allerdings nicht gespoilert werden sollen. „Kalmann“ geht allerdings über einen reinen Kriminalroman hinaus: Zugleich ist er ein literarisches Psychogramm des titelgebenden Protagonisten. In mehreren Rückblicken wird das nicht immer einfache Leben Kalmanns beleuchtet, sodass seine Sorgen und Ängste (z. B. die Angst vor dem Verlust seiner wichtigsten Bezugsperson: seinem Großvater, der an Demenz erkrankt ist), Wünsche und Hoffnungen (z. B. Suche nach Anerkennung und Liebe) sowie Individualitäten (Vorliebe für Gammelhai, Cocoa Puffs und amerikanische Reality-Shows) sehr plastisch greifbar werden. Durch die Krimianteile sowie die Eigenheiten Kalmanns ist „Kalmann“ ein abwechslungsreicher, kurzweiliger Roman; das Ende wartet zudem mit einem schönen Twist auf. Stimmig zum Plot empfand ich auch den ruhigen, behutsamen Erzählstil Joachim B. Schmidts, der zudem mit einer Prise Humor gewürzt ist. Auch Fans Islands werden von „Kalmann“ nicht enttäuscht werden: Die eisige, bisweilen raue Landschaft der Insel wird atmosphärisch und dicht beschrieben, sodass während der Lektüre ein schönes Kopfkino entsteht. Insgesamt ist „Kalmann“ eine kurzweilige, spannende sowie tragikomische Lektüre mit einem interessanten Protagonisten.

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Veröffentlicht am 07.01.2025

Ein mal etwas anderer Goethe

Ein Weihnachtsabend mit Johann Wolfgang Goethe
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„Ein Weihnachtsabend mit Johann Wolfgang Goethe“ ist eine Anthologie mit weihnachtlichen Texten aus der Goethezeit. Den Auftakt bildet dabei das Gedicht „Weihnachten“, in dem Goethe Gefühle zum Weihnachtsfest ...

„Ein Weihnachtsabend mit Johann Wolfgang Goethe“ ist eine Anthologie mit weihnachtlichen Texten aus der Goethezeit. Den Auftakt bildet dabei das Gedicht „Weihnachten“, in dem Goethe Gefühle zum Weihnachtsfest anspricht. Es folgt das Kapitel „Goethe auf dem Glatteis“. Hier finden sich u.a. Auszüge aus „Dichtung und Wahrheit“, die das winterliche Schlittschuhfahren am Weimarer Hof beleuchten, Klopstocks Gedicht „Der Eislauf“ sowie Briefe Goethes, in denen er hofft, seine reparierten Schlittschuhe würden bald geliefert werden. Das zweite Kapitel „Unterwegs in Schnee und Eis“ beinhaltet u.a. die Gedichte „Rastlose Liebe“ und „Freundliches Begegnen“, in denen sich Liebe mit Naturerleben vermischt, sowie Briefe Goethes, in denen er von seiner Harzwanderung berichtet. Das kurze Kapitel „Freude des Schenkens“ beginnt erneut mit einem Gedicht („Christgeschenk“), stellt Dankesverse Goethes an Charlotte von Stein vor und erzählt mithilfe eines Briefes von einem besonderen Tauschhandel Goethes. Im folgenden Kapitel „Ein Fest für Kinder“ erzählt Goethe u.a. aus der Retrospektive von dem Puppenspiel seiner Großmutter Cornelia (inklusive im Kapitel ist auch die literarische Verarbeitung des Puppenspiels in „Wilhelm Meisters theatralische Sendung“). Das 5. Kapitel mit dem sprechenden Titel „Werther und Weihnachten“ beinhaltet nicht nur Werthers Weihnachtsfest, sondern auch Briefe Goethes an Johann Christian Kestner. Den Abschluss des weihnachtlichen Reigens bildet das Kapitel „Am Weihnachtsabend“, in dem sich u.a. Weihnachtsgrüße aus Rom und Erzählungen über Weihnachtsbesuche von Goethe (bei Georg Wilhelm Lorsbach und Johanna Schopenhauer) finden. Man merkt: Einerseits sind die Texte sehr abwechslungsreich – nicht lediglich literarische Texte werden angeführt. Andererseits lernt man Goethe dadurch auf eine andere – persönlichere – Weise als Menschen, weniger als Dichterfürsten, kennen, was ich sehr interessant fand. Insgesamt ist „Ein Weihnachtsabend mit Johann Wolfgang Goethe“ ein stimmungsvolles Büchlein – perfekt als weihnachtliche Abendlektüre für Winterstunden geeignet.

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