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Veröffentlicht am 23.06.2026

Eine schöne Auswahl der Kalendergeschichten

Die schönsten Kalendergeschichten
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“Die schönsten Kalendergeschichten” ist eine in der Insel-Bücherei erschienene Auswahl von 23 Kalendergeschichten aus der Feder von Johann Peter Hebel. Die Kalendergeschichten, die eine Länge von 1 - 5 ...

“Die schönsten Kalendergeschichten” ist eine in der Insel-Bücherei erschienene Auswahl von 23 Kalendergeschichten aus der Feder von Johann Peter Hebel. Die Kalendergeschichten, die eine Länge von 1 - 5 Seiten besitzen, sind in Bezug auf Handlungsort, Figuren sowie Inhalt sehr abwechslungsreich (Da eine Vorstellung aller Kalendergeschichten den Rahmen der Rezension sprengen würde, werde ich hier lediglich Schlaglichter setzen, in der Hoffnung, dennoch einen guten Einblick in die Auswahl bringen zu können). In “Das Mittagessen im Hof” begegnen wir einem Diener, der auf kluge und witzige Art das Verhalten seines Herren spiegelt; in “Der kluge Richter” wiederum lässt ein Richter in seinem Rechtsspruch einen Betrüger auflaufen (nach dem Motto: “Ehrlichkeit währt am längsten”). Stellenweise unheimlich geht es in “Das wohlbezahlte Gespenst” zu, in dem ein Gespensterwesen auf dem Kirchhof umgeht. Sehr hat mir auch “Seltsamer Spazierritt” gefallen, das gleichnisartig aufzeigt, dass man es nicht allen recht machen kann. Literarisch anspruchsvoller, weil eher an ein Kunstmärchen erinnernd, ist “Drei Wünsche”, in dem ein magisches Wesen einem eigentlich glücklichen Ehepaar Wünsche gewährt. “Kannitverstan”, in Amsterdam angesiedelt, greift Sprachbarrieren auf und verstrickt sie in eine humorvolle Geschichte. Absolutes Highlight des Bandes ist für mich die Erzählung “Unverhofftes Wiedersehen”, da hier ein literarisches Motiv, das häufig im 19. Jahrhundert aufgegriffen wurde, eine Rolle spielt: Falun und seine Bergwerke. Zum Inhalt möchte ich nicht zu viel vorwegnehmen; die Parallelen zu E.T.A. Hoffmanns Novelle “Die Bergwerke zu Falun” sind aber augenfällig wie interessant. Trotz aller Unterschiedlichkeit eint die Kalendergeschichten, dass sie eine belehrende Intention besitzen: Verpackt in einer unterhaltsamen Geschichte sollen den Lesenden bestimmte moralische Grundsätze nähergebracht werden. Die moralische Belehrung tritt dabei mal ganz offen - in einer abschließenden Sentenz -, mal eher versteckt mit humorvoller Pointe zu Tage. In der vorliegenden Ausgabe findet sich zudem zu (fast) jeder Geschichte eine stimmige Illustration von Irmela Schultz. Die an Linoldruck erinnernden, schwarz-rot-gelben Illustrationen greifen wichtige Figuren, Gegenstände oder Situationen aus der jeweiligen Kalendergeschichte auf und setzen sie stimmungsvoll in Szene. Insgesamt ist “Die schönsten Kalendergeschichten” eine abwechslungsreiche, repräsentative Auswahl von Hebels Kalendergeschichten, die Lust auf weitere Geschichten Hebels macht.

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Veröffentlicht am 19.06.2026

Ein schöner Einblick in das Werk Mörikes

Ein Frühlingstag mit Eduard Mörike
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“Ein Frühlingstag mit Eduard Mörike” ist eine Anthologie mit Frühlingstexten von Eduard Mörike. Unterteilt ist das Büchlein in vier Kapitel. Den Auftakt macht “Die Natur erwacht!”, in dem sich Naturgedichte ...

“Ein Frühlingstag mit Eduard Mörike” ist eine Anthologie mit Frühlingstexten von Eduard Mörike. Unterteilt ist das Büchlein in vier Kapitel. Den Auftakt macht “Die Natur erwacht!”, in dem sich Naturgedichte finden. Um ein paar Beispiele zu nennen: Wir begeben uns in “Fußreise” auf eine assoziative Wanderung, in “Mein Fluss” lauschen wir den sehnsuchtsvollen Klängen eines lyrischen Ichs und in “Waldplage” wird humorvoll eine Schnarkenjagd beschrieben. Im zweiten Kapitel “Zarte Knospen der Liebe” stehen Texte im Vordergrund, die sich um Liebe drehen. So ein Auszug aus Mörikes einzigem Roman “Maler Nolten”, in dem sich der Protagonist in einer Dreiecksbeziehung wiederfindet, das Gedicht “Nur zu!”, in dem Liebe als Wagnis analogisiert wird, oder ein Auszug aus der Novelle “Mozart auf der Reise nach Prag”, in dem die spielerischen Annäherungsversuche der in Neapel lebenden Menschen dargestellt werden. Im dritten Kapitel “Der Winter vergeht, Neues beginnt…” finden sich ebenfalls Gedichte und Auszüge aus Prosatexten wie z. B. das Gedicht “Zitronenfalter im April”, ein weiterer Auszug aus “Maler Nolten”, in dem dieser, erquickt vom Frühling, einen Neuanfang wagt, und ein Auszug aus der Erzählung “Das Stuttgarter Hutzelmännlein”, in dem eine Begegnung mit der Wasserfrau aus dem Blautopf behandelt wird. Den Abschluss bildet das Kapitel “Frühlingsschauer”. Neben der atmosphärischen Elegie “Am Grab von Schillers Mutter” sind hier ein Auszug aus “Das Stuttgarter Hutzelmännlein”, in dem der Protagonist Seppe meint, seine Braut gefunden zu haben, sowie das melodische Gedicht “An eine Äolsharfe” abgedruckt. Mörikes Texte - gerade die Gedichte - zeichnen sich durch eine sprachliche Komplexität aus. Außerdem findet sich häufig ein religiöser Bezug. Insgesamt ist “Ein Frühlingstag mit Eduard Mörike” eine abwechslungsreiche Sammlung eher wehmütiger Texte, die einen schönen Einblick in das Werk Mörikes geben.

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Veröffentlicht am 18.06.2026

Ein einfühlsamer und eindrücklich erzählter Roman

Laute Nächte
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Inhalt: Für die Zeit nach dem Abitur haben sich Kenni und seine Freundin fest vorgenommen, einen Roadtrip mit dem Camper zu machen. Doch kurz bevor die Reise losgehen soll, stirbt Kennis Freundin unerwartet ...

Inhalt: Für die Zeit nach dem Abitur haben sich Kenni und seine Freundin fest vorgenommen, einen Roadtrip mit dem Camper zu machen. Doch kurz bevor die Reise losgehen soll, stirbt Kennis Freundin unerwartet - wodurch auch ein Teil von Kenni verloren geht. Nach einem Jahr des Trauerns wagt er einen Tapetenwechsel und zieht von München nach Wien, in eine WG. Auch dort droht ihn der Verlust immer wieder zu überwältigen, wären da nicht die anderen WG-Mitglieder…

Persönliche Meinung: “Laute Nächte” ist ein Roman von Anne Freytag. Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Kenni, einem Zwanzigjährigen, der zu Beginn des Romans gerade nach Wien gezogen ist. Die Handlung erstreckt sich über etwas mehr als zwanzig Jahre, wobei wir Kenni zu unterschiedlichen Zeiten seines Lebens kennenlernen: Orientierungs- und haltlos nach dem Tod seiner Freundin (2002), neun Jahre später während seiner ersten (unsicheren) Schritte als Maler sowie in der Gegenwart als renommierter Künstlers. Insbesondere hat mir dabei der erste Teil - die WG-Zeit - gefallen. Die WG ist ein bunter Haufen, der sich mehr und mehr von einer Wohngemeinschaft zu einer Freundesgruppe entwickelt, wobei sich hier gekonnt Augenblicke voller Leichtigkeit mit trübsinnigen Momenten abwechseln. Im Fortgang des Romans wechselt die Handlung von einer Freundes-/Coming of Age-Geschichte hin zu einer Liebesgeschichte, die Tragik und Hoffnung in sich vereint. Besonders stark werden im Roman die Gefühle Kennis dargestellt: die tiefe Trauer um die Freundin, mit der er sich alleine fühlt; die Enttäuschung über die Abkehr alter Freunde, die ihr Leben weiterleben, als wäre nicht passiert; die Unsicherheit, ob er sich “einfach so” neu verlieben darf, und - sehr eindrücklich - die Schuldgefühle, die er verspürt, wenn er an die negativen Seiten der Beziehung mit der verstorbenen Freundin denkt. Der Schreibstil von Anne Freytag ist anschaulich und flüssig zu lesen, sodass man nur so durch Kennis Leben fliegt. Insgesamt ist “Laute Nächte” ein einfühlsamer und abwechslungsreicher Roman, der große Gefühle eindrücklich erzählt.

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Veröffentlicht am 16.06.2026

Ein toller 2. Band

Gespensterjäger im Feuerspuk
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Inhalt: Ein neuer Auftrag für die Gespensterjäger von “Kümmelsaft & Co.”: Ein Geist soll im Hotel Strandperle umgehen, allerdings nur ein harmloser, wie der Direktor Wichtigmann angibt. Scheinbar ein reiner ...

Inhalt: Ein neuer Auftrag für die Gespensterjäger von “Kümmelsaft & Co.”: Ein Geist soll im Hotel Strandperle umgehen, allerdings nur ein harmloser, wie der Direktor Wichtigmann angibt. Scheinbar ein reiner Routineauftrag für Hedwig Kümmelsaft, Tom und das Gespenst Hugo. Doch als die drei am Hotel ankommen, zeigt sich ihnen ein ganz anderes Bild: Dichte Rauchschwaden steigen aus dem Hotel, kleine Feuergeister springen umher und einige Hotelgäste sind verschwunden. Die Situation ist brenzliger als gedacht…

Persönliche Meinung: “Gespensterjäger im Feuerspuk” ist ein Kinderbuch von Cornelia Funke. Es handelt sich um den zweiten Band der Gespensterjäger-Reihe. Da die Handlung in sich abgeschlossen ist und alle für das Verständnis notwendigen Informationen gegeben werden, lässt sich der Band auch ohne Kenntnis des Vorgängers lesen. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der meist in die Perspektive von Tom schlüpft, der das Alter der intendierten Zielgruppe (ca. 10 Jahre) hat. Die Handlung folgt der eines Abenteuerromans: Die Gespensterjäger bekommen es mit einem neuen, bedrohlichen Geist zu tun und müssen versuchen, ihn zu bannen - was sich schwieriger gestaltet als gedacht. Im Vergleich zum ersten Band wird hier mehr auf Humor gesetzt: Wichtigmann, der Direktor mit dem sprechenden Namen, wird als menschlicher Windbeutel charakterisiert; mehrmals kommt es durch die Gäste, die sich u.a. ebenfalls als Gespensterjäger versuchen, zu slapstickartigen Szenen. Für Lacher sorgt dabei auch wieder die eigenwillige Wortwahl/Aussprache der Gespensterwesen. Hugo beispielsweise benutzt statt i-Lauten ü-Laute, wodurch seine Aussprache breit und gedehnt ist (was beim Vorlesen sowohl bei Lesenden als auch bei Zuhörenden für einige Lacher sorgt). Der Schreibstil von Cornelia Funke ist gewohnt anschaulich und bildreich, sodass man durch die Seiten des Romans fliegt. In “Gespensterjäger im Feuerspuk” finden sich zudem zahlreiche schwarz-weiß Illustrationen der Autorin. Insgesamt ist “Gespensterjäger im Feuerspuk” ein lustiges und spannendes Kinderbuch, das auch über 30 Jahre nach Veröffentlichung die Zielgruppe zu begeistern weiß. Sehr schön zum Vorlesen!

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Veröffentlicht am 14.06.2026

Eine frühlingshafte Einführung in das Werk Fontanes

Ein Frühlingstag mit Theodor Fontane
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“Ein Frühlingstag mit Theodor Fontane” ist eine Anthologie von Frühlingstexten (hauptsächlich Gedichte und Auszüge aus Prosawerken) von Theodor Fontane. Den Auftakt macht das Kapitel “Der Frühling eines ...

“Ein Frühlingstag mit Theodor Fontane” ist eine Anthologie von Frühlingstexten (hauptsächlich Gedichte und Auszüge aus Prosawerken) von Theodor Fontane. Den Auftakt macht das Kapitel “Der Frühling eines Lebens”, in dem sich Auszüge aus Fontanes autobiografischen Roman “Meine Kinderjahre” finden. So wird hier u.a. von der Geschäftigkeit auf der Swine, Abenteuern mit Spielgefährten sowie Erfahrungen mit einem beliebten Lehrer erzählt. Im nächsten Kapitel “Zeit der Hoffnung” finden sich vermehrt Gedichte wie “Glück”, in dem eine idyllische Landschaft beschrieben wird, oder “Frühlingslieder”, in dem das Aufblühen der Natur mit einer politischen Erneuerung einhergeht. Außerdem ist hier ein Auszug aus dem Roman “Quitt”, in dem die Hoffnung auf Liebe behandelt wird. Im dritten Kapitel “Ein Fest der Liebe” finden sich drei Auszüge aus Prosawerken: Die Bienenepisode aus “Der Stechlin”, das Maifest aus “Grete Minde” sowie eine Episode aus den “Wanderungen durch die Mark Brandenburg”, in der ein Zwist zwischen Adligen einen Schatten auf den Rheinsberger Hof wirft. “Trost des Frühlings”, das vierte Kapitel, ist zugleich auch das kürzeste: Abgedruckt ist hier lediglich ein namenloses Gedicht, das appelliert, bei Enttäuschungen nicht die Flinte ins Korn zu werfen. Im letzten Kapitel “Ein letztes Aufblühen” steht das vergangene Leben der Protagonisten im Mittelpunkt: Effi Briest schaukelt ein letztes Mal an ihrem Kindheitsort, Königin Luise und König Friedrich Wilhelm III besuchen kurz vor Luises das Dorf Paretz und Dubslav von Stechlin sinniert mit seinem Diener über Wörter, die nicht mehr benutzt werden. Insgesamt ist ”Ein Frühlingstag mit Theodor Fontane” eine abwechslungsreiche Frühlingsantholgie, die gerade durch die Auszüge aus den Prosatexten Fontanes eine schöne Einführung in sein Werk ist.

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