Eine schöne Auswahl der Kalendergeschichten
Die schönsten Kalendergeschichten“Die schönsten Kalendergeschichten” ist eine in der Insel-Bücherei erschienene Auswahl von 23 Kalendergeschichten aus der Feder von Johann Peter Hebel. Die Kalendergeschichten, die eine Länge von 1 - 5 ...
“Die schönsten Kalendergeschichten” ist eine in der Insel-Bücherei erschienene Auswahl von 23 Kalendergeschichten aus der Feder von Johann Peter Hebel. Die Kalendergeschichten, die eine Länge von 1 - 5 Seiten besitzen, sind in Bezug auf Handlungsort, Figuren sowie Inhalt sehr abwechslungsreich (Da eine Vorstellung aller Kalendergeschichten den Rahmen der Rezension sprengen würde, werde ich hier lediglich Schlaglichter setzen, in der Hoffnung, dennoch einen guten Einblick in die Auswahl bringen zu können). In “Das Mittagessen im Hof” begegnen wir einem Diener, der auf kluge und witzige Art das Verhalten seines Herren spiegelt; in “Der kluge Richter” wiederum lässt ein Richter in seinem Rechtsspruch einen Betrüger auflaufen (nach dem Motto: “Ehrlichkeit währt am längsten”). Stellenweise unheimlich geht es in “Das wohlbezahlte Gespenst” zu, in dem ein Gespensterwesen auf dem Kirchhof umgeht. Sehr hat mir auch “Seltsamer Spazierritt” gefallen, das gleichnisartig aufzeigt, dass man es nicht allen recht machen kann. Literarisch anspruchsvoller, weil eher an ein Kunstmärchen erinnernd, ist “Drei Wünsche”, in dem ein magisches Wesen einem eigentlich glücklichen Ehepaar Wünsche gewährt. “Kannitverstan”, in Amsterdam angesiedelt, greift Sprachbarrieren auf und verstrickt sie in eine humorvolle Geschichte. Absolutes Highlight des Bandes ist für mich die Erzählung “Unverhofftes Wiedersehen”, da hier ein literarisches Motiv, das häufig im 19. Jahrhundert aufgegriffen wurde, eine Rolle spielt: Falun und seine Bergwerke. Zum Inhalt möchte ich nicht zu viel vorwegnehmen; die Parallelen zu E.T.A. Hoffmanns Novelle “Die Bergwerke zu Falun” sind aber augenfällig wie interessant. Trotz aller Unterschiedlichkeit eint die Kalendergeschichten, dass sie eine belehrende Intention besitzen: Verpackt in einer unterhaltsamen Geschichte sollen den Lesenden bestimmte moralische Grundsätze nähergebracht werden. Die moralische Belehrung tritt dabei mal ganz offen - in einer abschließenden Sentenz -, mal eher versteckt mit humorvoller Pointe zu Tage. In der vorliegenden Ausgabe findet sich zudem zu (fast) jeder Geschichte eine stimmige Illustration von Irmela Schultz. Die an Linoldruck erinnernden, schwarz-rot-gelben Illustrationen greifen wichtige Figuren, Gegenstände oder Situationen aus der jeweiligen Kalendergeschichte auf und setzen sie stimmungsvoll in Szene. Insgesamt ist “Die schönsten Kalendergeschichten” eine abwechslungsreiche, repräsentative Auswahl von Hebels Kalendergeschichten, die Lust auf weitere Geschichten Hebels macht.