kleingedrucktes von der Poetry-Slammerin und Autorin Selina Seemann versammelt Tweets, Kurztexte und 25 Gedichte. Geordnet sind die Texte nach den Uhrzeiten ihrer Entstehung in 25 Kapitel (falls ihr euch ...
kleingedrucktes von der Poetry-Slammerin und Autorin Selina Seemann versammelt Tweets, Kurztexte und 25 Gedichte. Geordnet sind die Texte nach den Uhrzeiten ihrer Entstehung in 25 Kapitel (falls ihr euch fragt, warum es dann nicht 24 Kapitel sind: Zeitumstellung 🙃). Jedes Kapitel beginnt mit einem Gedicht, das oft die menschliche (Alltags-)Existenz behandelt. Die sprachgewandten Texte, die in
kleingedrucktes versammelt sind, sind vielfältig. Es handelt sich um einen permanent fließenden Bewusstseinsstrom, der zwischen ironischer Selbstbeleuchtung und humorvoller Alltagsbetrachtung flimmert. Dabei nehmen die Tweets/Texte oftmals die Sprache aufs Korn; teilweise handelt es sich aber auch um witzigen Nonsens. Immer sind die Texte/Tweets lebensnah. Die Besonderheit von
kleingedrucktes ist, dass Selina Seemann – gemäß den Vorgaben von Twitter – mit wenigsten Zeichen auskommt: Konzis wird Witz erzeugt – und das ist eine große Kunst. Abgerundet wird
kleingedrucktes durch kleine Zeichnungen von Gregor Hinz, die thematisch zu den Tweets passen. Insgesamt ist #kleingedrucktes eine unterhaltsame Textsammlung, die zeigt, dass Humor und Witz nicht immer ausschweifend sein müssen – bei Selina Seemann reichen auch 280 Zeichen (oder weniger).
Inhalt: Siglufjörður, Island. Unweit der kleinen Handelsstadt wird die Leiche von Elías Freysson gefunden. Das Tatwerkzeug, ein Holzpfahl, liegt noch neben dem leblosen Körper. Der Tod gibt Rätsel auf. ...
Inhalt: Siglufjörður, Island. Unweit der kleinen Handelsstadt wird die Leiche von Elías Freysson gefunden. Das Tatwerkzeug, ein Holzpfahl, liegt noch neben dem leblosen Körper. Der Tod gibt Rätsel auf. Denn Freysson war ein beliebtes Mitglied der Gemeinde, das sich bei Wohltätigkeitsveranstaltungen engagiert hat. Doch je weiter der Polizist Ari ermittelt, desto deutlicher wird: Freyssons Weste ist nicht so weiß, wie es den Anschein erweckt…
Persönliche Meinung: „Todesnacht“ von Ragnar Jónasson ist der zweite Band der in Siglufjörður spielenden Dark-Iceland-Reihe um den jungen Polizisten Ari. Erzählt wird der Thriller aus verschiedenen Perspektiven. Neben Ari werden u.a. die Sichtweisen von Hlynur, einem Kollegen von Ari, Kristín, Aris ehemaliger Freundin, und der Reporterin Ísrún, die auf eigene Faust in dem Mordfall ermittelt, eingenommen. Durch diese häufigen Perspektivwechsel und die eher kurzen Kapitel ist „Todesnacht“ eine temporeiche Lektüre. Der Thriller setzt sich aus mehreren verschiedenen Handlungssträngen zusammen. Die beiden Haupthandlungsstränge (jeweils aus den Perspektiven von Ari und Ísrún erzählt) beschäftigen sich mit den Ermittlungen im Mordfall. Die Vergangenheit von Ísrún füllt einen zusätzlichen Strang aus. Ein kürzerer Handlungsstrang fokussiert Hlynur, der seit Monaten E-Mails erhält, die seine unrühmliche Jugend aufgreifen. Zuletzt beschäftigt sich ein weiterer Strang mit dem Privatleben Aris (und Kristíns). Dieses wird nicht so ausführlich behandelt wie in „Schneeblind“, dem ersten Band der Reihe. Es birgt aber dennoch eine besondere Brisanz (mehr kann ich, ohne zu spoilern, nicht verraten). Die wechselnden Handlungsstränge mit ihren jeweils eigenen Spannungskurven sorgen dafür, dass „Todesnacht“ eine fesselnde Lektüre ist, die man schwer beiseitelegen kann. Zu dem Mordfall möchte ich nicht zu viel spoilern. Nur: Der Fall ist komplexer, als es zunächst den Anschein hat; seine Aufklärung ist wendungsreich und überraschend. Der Erzählstil von Ragnar Jónasson zeichnet sich durch eine auffällige Unaufgeregtheit aus: Jónasson erzählt nicht effektheischend, sondern ruhig, das Wesentliche nicht aus dem Auge verlierend und subtil düster. „Todesnacht“ ist ein fesselnder Thriller, der aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und sich aus mehreren Handlungssträngen zusammensetzt, wodurch insgesamt eine hohe Spannung entsteht.
Inhalt: Marie, ein fünfjähriges Mädchen, verschwindet spurlos, als ihre Mutter Clara sie für kurze Zeit allein lässt. Clara und ihr Mann Jakob sind verzweifelt, wollen allerdings nicht an die Öffentlichkeit ...
Inhalt: Marie, ein fünfjähriges Mädchen, verschwindet spurlos, als ihre Mutter Clara sie für kurze Zeit allein lässt. Clara und ihr Mann Jakob sind verzweifelt, wollen allerdings nicht an die Öffentlichkeit gehen; der Fall wird zu einem Cold Case. Doch dann übernimmt Kommissarin Kim Lansky, frisch in die Vermisstenabteilung versetzt, den Fall. Sie erkennt ein Indiz, das zuvor übersehen worden ist, und plötzlich besteht wieder Hoffnung, Marie zu finden. Wird Kim Lansky das Rennen gegen die Zeit gewinnen?
Persönliche Meinung: „Kaltherz“ ist ein Thriller von Henri Faber. Mein Inhaltsteaser greift eigentlich viel zu kurz: Der Thriller ist viel komplexer, als die Ausgangslage vermuten lässt. Doch dazu später mehr. Erzählt wird „Kaltherz“ abwechselnd aus verschiedenen Ich-Perspektiven: Kim Lansky, Clara, Jakob und Marie. Während im Lansky-Handlungsstrang die (auch unorthodoxen) Ermittlungen thematisiert werden, stehen bei Clara und Jakob deren Gefühle und Umgang mit dem Verschwinden Maries im Fokus. Der Marie-Strang behandelt, was Marie während ihres Verschwindens erlebt (authentisch fand ich hier den spezifischen Sprech von Marie und ihre kindliche Gedankenwelt). Die Perspektivwechsel führen dazu, dass die Handlung ein schönes Tempo aufweist. Spannend ist außerdem, dass eine Figur unzuverlässig erzählt – welche es ist, verrate ich nicht. :D Zu dem Fall selbst möchte ich ebenfalls nicht zu viel spoilern. Nur: Die Spannungskurve ist sehr hoch. Immer wieder werden Verdachtsmomente gestreut, permanent geschieht etwas Unvorhersehbares. Auch zeigen einige Figuren nicht ihr wahres Gesicht. Die Handlung ist wendungsreich und ein Twist jagt den nächsten – bis zum fulminanten Finale. Nichts ist in „Kaltherz“ so, wie es den Anschein hat. Gleichzeitig ist die Handlung schön komponiert, durchdacht und sehr stimmig. Der anschauliche und mit einer Spur Witz angereicherte Schreibstil von Henri Faber lässt sich angenehm und flüssig lesen. Durch den anschaulichen Schreibstil, die hohe Spannungskurve und die verschiedenen Erzählstränge/Perspektiven ist „Kaltherz“ ein fesselnder Thriller, den man schwer beiseitelegen kann. Kurzum: ein wahrer Pageturner!
Im Mittelpunkt des Jugendromans „Zwischeneinander“ von Catherine Strefford steht Richie, einer der beiden Protagonisten von „Nur kurz leben“. Um sich an „Zwischeneinander“ erfreuen zu können, muss man ...
Im Mittelpunkt des Jugendromans „Zwischeneinander“ von Catherine Strefford steht Richie, einer der beiden Protagonisten von „Nur kurz leben“. Um sich an „Zwischeneinander“ erfreuen zu können, muss man nicht zwangsläufig „Nur kurz Leben“ gelesen haben: Beide Romane besitzen eine eigenständige, in sich abgeschlossene Handlung. Allerdings gibt es in „Zwischeneinander“ kleine Easter Eggs, die man nur erkennt, wenn man auch „Nur kurz Leben“ gelesen hat. „Zwischeneinander“ setzt sich aus drei Teilen zusammen und erzählt zwei Liebesgeschichten. Der erste Teil (ca. 110 Seiten) spielt kurz vor „Nur kurz leben“. Dieser Teil handelt von der Beziehung zwischen Richie und Maximilian, kurz Maxi genannt. Die Beziehung zwischen den beiden ist eigentlich perfekt: Sie ist rein, liebevoll und beruht auf gegenseitigem Respekt. Allerdings hat Richie mit selbstzerstörerischen Gedanken zu kämpfen und gerät immer wieder in Gedankenschleifen, was sich mit der Zeit auf die Beziehung auswirkt. Teil 2 (ca. 100 Seiten) behandelt die zweite Liebesgeschichte. Zu dieser möchte ich gar nicht zu viel spoilern. Nur: Hier wird der Ursprung der selbstzerstörerischen Gedanken Richies erzählt. Neben der Liebesgeschichte besitzt dieser Part auch einen schönen Coming of Age-Anteil. Teil 3 (ca. 20 Seiten) spielt nach „Nur kurz leben“. Hier werden der Handlungsbogen und die (noch) offenen Fragen zu einem stimmigen Ende geführt. In allen Teilen tritt eine auktoriale Erzählinstanz auf. Weiterhin besticht „Zwischeneinander“ durch eine einfühlsame Figurenausgestaltung. Die Figuren sind sowohl lebendig als auch authentisch gezeichnet. Dabei besitzen sie auch Ecken und Kanten und haben – wie man besonders an Richie sieht – mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Neben Richie ist eine meiner Lieblingsfiguren Stella. Stella ist die beste Freundin von Richie und steht ihm immer bei. Dabei ist sie humorvoll und empathisch. Gleichzeitig ist sie aber auch diejenige, die Richie einen kleinen Schubs gibt, ihn zu seinem Glück zwingt, sollte er mal zaudern. Die Handlungen der drei Teile sind sowohl alltagsnah und realistisch als auch emotional. Man fährt geradezu eine Achterbahn der Gefühle: Auf Situationen der größten Glückseligkeit folgen Ernüchterung, Trauer oder Enttäuschung – und umgekehrt. Der Schreibstil von Catherine Strefford ist angenehm und lässt sich sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Zwischeneinander“ ein sehr emotionaler, einfühlsamer Liebes-/Coming of Age-Roman, der durch lebendig ausgestaltete Figuren besticht.
Inhalt: Seit Jahren verfolgt K. fast schon besessen das Spiel RABBITS. Dabei sind die Informationen, die er bisher über RABBITS sammeln konnte, spärlich. Wie genau das Spiel funktioniert, wer mitspielt, ...
Inhalt: Seit Jahren verfolgt K. fast schon besessen das Spiel RABBITS. Dabei sind die Informationen, die er bisher über RABBITS sammeln konnte, spärlich. Wie genau das Spiel funktioniert, wer mitspielt, wann es stattfindet: unklar. Fest steht nur: Sobald sich unerklärbare Abweichungen eigentlich fester Muster finden, deutet dies auf den Beginn der nächsten Runde RABBITS hin. Seit Kindesbeinen hat K. eine Affinität für das Erkennen von Abweichungen – und in letzter Zeit häufen sich diese. Als K. dann auch noch von einem ehemaligen RABBITS-Gewinner gewarnt wird, dass RABBITS aus dem Ruder laufe, und dieser Gewinner K. um Hilfe bittet, steht fest: RABBITS geht in eine neue Runde.
Persönliche Meinung: „Rabbits. Spiel um dein Leben“ ist ein Thriller von Terry Miles, der im Gamer-Milieu spielt. Der Roman knüpft an die urbane Legende um das „Polybius“-Arcade-Spiel an, geht allerdings weit darüber hinaus (kurzer Exkurs: Die „Polybius“-Legende dreht sich um das gleichnamige fiktive Spiel, das besondere audiovisuelle Reize beinhalte, die zu Sucht, epileptischen Anfällen und Selbstmorden geführt haben sollen. Die Men in Black haben das Spiel der Legende nach zur Datensammlung genutzt.) Im Folgenden bleibe ich in Bezug auf die Handlung von „Rabbits“ bewusst vage. Das hat zwei Gründe: Einerseits würden zu viele konkrete Informationen spoilern und die Lesefreude schmälern. Andererseits bleibt auch „Rabbits“ an bestimmten Stellen vage, lebt von dieser in der Handlung angelegten Offenheit, was den besonderen Reiz des Thrillers ausmacht. Erzählt wird „Rabbits“ aus der Ich-Perspektive von K. K. bleibt, wie auch die anderen Figuren des Thrillers, über die Handlung hinweg eher blass. Das fand ich allerdings nicht dramatisch. Der Fokus von „Rabbits“ liegt weniger auf einer lebendigen Ausgestaltung der Figuren als vielmehr auf der Handlung: Diese ist rasant, verzwickt, unvorhersehbar und voller unerwarteter Wendungen. Es gibt immer wieder Realitätsbrüche, sodass man sich nie sicher sein kann, was „wirklich“ ist. Auch K. ist dabei keine Hilfe: Er hat – spoilerfrei gesagt – öfter Gedächtnislücken, weiß bestimmte Dinge nicht (mehr), wodurch er ein unzuverlässiger Erzähler ist. Durch das Gefühl, dass man während der Lektüre nie alles komplett durchschaut, sich permanent Dinge ändern können, ist „Rabbits“ ein ungemein fesselndes Buch. Der Plot folgt einer modernen Schnitzeljagd, die mit digitalen Mitteln durchgeführt wird. (Es schadet daher nicht, wenn man sich ein bisschen in der Gamer-Welt auskennt; der Handlung kann man aber auch ohne Vorkenntnisse folgen.) Der Thriller ist gespickt mit popkulturellen Referenzen auf Videospiele, Filme und Musik. Auch ist eine Penny Arcade ein Haupthandlungsort, wodurch eine schöne Portion Retro-Charme in die Handlung tritt. Sehr gut gefallen hat mir ebenfalls, dass es immer wieder (z.T. surreale) Horrorsequenzen gibt. In seiner Vagheit bleibt „Rabbits“ sich bis zum Ende treu: Letztlich werden nicht alle Fragen beantwortet. Aber auch hier gilt: Das macht den besonderen Reiz des Thrillers aus. Insgesamt ist „Rabbits“ ein fesselnder Thriller, der weniger durch ausgefeilte Figuren besticht, dafür aber mit einer ungemein unvorhersehbaren, rasanten Handlung auftrumpft.