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Veröffentlicht am 01.12.2025

Eine immersive Reise in kafkaeske Welten

Franz Kafka: Ein Landarzt
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“Ein Landarzt” ist eine Kurzgeschichtensammlung von Franz Kafka. Die vorliegende Ausgabe ist illustriert von Kat Menschik und bildet den Auftakt zu Menschiks Reihe “Illustrierte Lieblingsbücher”. Die einzelnen ...

“Ein Landarzt” ist eine Kurzgeschichtensammlung von Franz Kafka. Die vorliegende Ausgabe ist illustriert von Kat Menschik und bildet den Auftakt zu Menschiks Reihe “Illustrierte Lieblingsbücher”. Die einzelnen Geschichten des Sammelbandes berühren eine Vielfalt an Themenbereichen. So ist “Der neue Advokat”, die erste Geschichte der Sammlung, eine metaphorische, leicht sperrige Beschreibung des Lebens eines Advokaten. In der titelgebenden Geschichte “Ein Landarzt” begleiten wir einen alternden Landarzt auf einen Krankenbesuch, wobei dieser Besuch in andersweltlichen, z. T. alptraumhaften Szenen beschrieben wird. Die folgende Erzählung “Auf der Galerie” wirft in hypotaktischen Satzgefügen zwei Blicke auf die Künstlerexistenz; “Ein altes Blatt” wiederum erzählt von der Belagerung einer Stadt, bei der die Bewohner auf sich allein gestellt sind. Es folgt die vermutlich bekannteste Erzählung des Bandes: “Vor dem Gesetz”, in der - erinnernd an “Das Schloss” - die Hauptfigur an der Bürokratie scheitert. “Schakale und Araber”, eine Parabel, die eine parasitäre Beziehung umreißt, entführt die Lesenden in die Wüste. Der Themenkomplex “Bürokratie” wird erneut in “Ein Besuch im Bergwerk” aufgegriffen, in der ein Erzähler in scharfen Beschreibungen die das Bergwerk besuchenden Ingenieure (und deren Hierarchie) darstellt. “Das nächste Dorf” ist genau genommen eine Aussage, in der der Fluss der Zeit thematisiert wird. Die folgende Erzählung “Eine kaiserliche Botschaft” fokussiert wieder die Bürokratie: Sie handelt von einer Botschaft, die aufgrund von Verwaltungshürden nie ihr Ziel erreicht, und stellt dabei existentialistische Frage. Die zwei folgenden Erzählungen waren für mich persönliche Highlights: In “Die Sorge des Hausvaters” wird in Form eines mäandernden Berichtes das fiktive Wesen “Odraek” näher umrissen; in “Elf Söhne” beschreibt ein Vater humorvoll und ehrlich die Eigen- und Merkwürdigkeiten seiner Söhne. Mit “Ein Brudermord” findet sich zudem eine Kriminalgeschichte in der Sammlung; in “Ein Traum” träumt ein Mann eindrücklich von seiner Beerdigung. Den Abschluss bildet “Ein Bericht für eine Akademie”: Ein domestizierter Affe erzählt hier sprachlich gewandt von seiner Menschwerdung, was durchaus als Satire auf menschliche Verhaltensweisen gelesen werden kann. Der Unterschiedlichkeit der Erzählungen zollt Kat Menschik mit ihren Illustrationen perfekt Rechnung: So variieren Ton und Machart der Illustrationen von Geschichte zu Geschichte. Während bspw. in “Der Landarzt” düstere, alptraumhafte Szenen verschmelzen, dominieren in “Ein Besuch im Bergwerk” schwarz-weiß Skizzen von Maschinen. Bunt und surreal wird es, wenn die elf Brüder vorgestellt werden; die Illustrationen von “Der Brudermord” verweisen auf Filmstills der frühen Kinozeit. Insgesamt ist “Ein Landarzt” eine - inhaltlich wie sprachlich - bisweilen herausfordernde Lektüre, der man die nötige Zeit widmen sollte. Das macht den Erzählband allerdings zugleich einzigartig und hochinteressant. Denn: Die Suche nach dem Sinn der Erzählungen, der oftmals uneindeutig ist, verlangt ein intensives Einlassen auf diese. Kat Menschik sorgt mit ihren eindrücklichen Illustrationen dafür, dass dieses Einlassen noch immersiver verlaufen kann.

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Eine Einladung, sich auf das wesentliche zu besinnen

Wondrak und seine Freunde feiern Weihnachten
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“Wondrak und seine Freunde feiern Weihnachten” versammelt neun weihnachtliche Geschichten, die größtenteils von Janosch stammen. Den Auftakt macht dabei zunächst ein Vorwort von Tilmann Prüfer, in dem ...

“Wondrak und seine Freunde feiern Weihnachten” versammelt neun weihnachtliche Geschichten, die größtenteils von Janosch stammen. Den Auftakt macht dabei zunächst ein Vorwort von Tilmann Prüfer, in dem dieser einerseits das Leben von Janosch skizziert, andererseits ein großes Thema, das mehrfach in Geschichten von Janosch auftaucht, charakterisiert: das Glück, das in den einfachen Dingen zu finden ist. Es folgt die erste Erzählung “Ein Geschenk für den Vogel”, eine rührende Geschichte, in der sich Onkel Poppoff um einen kranken Vogel kümmert. Warm ums Herz wird es auch bei der Lektüre der nächsten Geschichte “Ach du lieber Schneemann”. Hier erleben wir die Welt aus den Augen eines Schneemannes, der gerade erst gebaut worden ist. “Der Bär und der Vogel”, ebenfalls ein sehr emotionaler Text, greift ein überzeitliches Thema auf: die Nächstenliebe. Darauf folgt eine illustrierte Version von H. C. Andersens “Das Mädchen mit den Schwefelhölzern”. In der folgenden Erzählung “Der Quasselkasper findet das Glück” wird der titelgebende Protagonist durch seine Leibspeise gerettet; “Rasputin der Lebenskünstler” versammelt kurze Reimgedichte, in denen humorvoll Gegensätzliches gegenübergestellt wird. Eine ganz andere Textsorte findet sich mit “Die Sterntaler”: In einer Art Zeitungsbericht wird von zwei Gaunern berichtet, die Sterne stehlen. In “Die Bärenweihnacht” begegnen wir einem einsamen Mann, der an der Waldweihnacht teilnehmen darf. Den Abschluss bilden Auszüge aus “Morgen kommt der Weihnachtsbär”, das in voller Länge ebenfalls im Reclam Verlag erschienen ist. Die Welt, in die uns Janosch in den Geschichten von “Wondrak und seine Freunde feiern Weihnachten” entführt, erscheint unkomplizierter und basaler als unsere; oftmals erfreuen sich die Figuren an dem Einfachen, wodurch heimelige Szenarien entstehen. Dennoch sind die Welten nicht problemlos: Ein Happy End findet sich selten, wodurch immer ein Stück Memento Mori mitschwingt, das zum Nachdenken anregt. Zwischen den einzelnen Geschichten finden sich Fragen an Janosch (z. B.: “Herr Janosch, woran merkt man, dass es Winter wird?”), die Janosch mit einer Illustration und einer kurzen, oftmals augenzwinkernden, aber den Kern treffenden Aussage beantwortet. In den Illustrationen finden sich sowohl Wondrak als auch Tiger, Bär und Tigerente. Insgesamt ist der Erzählband eine schöne Lektüre zu Weihnachten, die dazu einlädt, eine Auszeit vom Alltag zu nehmen und sich auf das Wesentliche zu besinnen.

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Eine schöne Sammlung regionaler Kriminalgeschichten

Weihnachtsanektötchen – Spannende Geschichten aus dem Harz
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“Weihnachtsanektötchen” versammelt zehn im Harz spielende Kriminalgeschichten von Roland Lange. Die Geschichten bieten abwechslungsreiche Handlungsmuster: Inhaltlich geht es nicht immer allein um Mord ...

“Weihnachtsanektötchen” versammelt zehn im Harz spielende Kriminalgeschichten von Roland Lange. Die Geschichten bieten abwechslungsreiche Handlungsmuster: Inhaltlich geht es nicht immer allein um Mord und Totschlag, oft wird eine Gaunerei mit Augenzwinkern erzählt. Während wir in “Mirror-Eggs oder: Tod eines Weihnachtschweins” auf eine Frau treffen, die mit ihrer Beziehung unglücklich ist, begegnen wir in der zweiten Geschichte “Killin` Santa” einer aufstrebenden Metalband, in der nicht alles reibungslos verläuft. “Aufstand der Weihnachtsgänse” richtet den Blick auf eine Gänseschar, die ihrem Schicksal, das zum Weihnachtsfest eintritt, bewusst wird. “Rentier-Rallye” spielt auf den Harz als Filmkulisse an, während in “Falsche Fuffziger” ein ehemaliger Häftling einem Finanzbetrug nachspürt. Ein Highlight für mich ist “Blind Booking” (Teil I und II): Ein ausgebranntes Ehepaar verreist nach Stecklenberg, um abzuschalten. Doch die Unterkunft sowie ihr Vermieter erweisen sich als gespenstisch, was atmosphärisch dicht dargestellt wird. Zudem endet die Geschichte mit einem schönen Twist. “Die heiligen drei Königinnen” spielt in Wieda, greift die Veranstaltung “Krippenweihnacht” auf und dreht sich um das Geheimnis eines - scheinbar - unbescholtenen Bürgers. In “Die letzte Schicht” reisen wir unter Tage, wo zwei Freunde ein vergangenes Ereignis aufarbeiten. Den Abschluss bildet “Der Wolf”, eine humorvolle Neuinterpretation von “Rotkäppchen” aus der Perspektive des Wolfs. Die Handlungsorte liegen, wie der Untertitel schon nahelegt, im Harz: So besuchen wir u.a. das verschneite Schierke, bummeln durch Quedlingburgs “Advent in den Höfen” und schlagen eine Tanne im WeltWald Bad Grund. Die Handlungsorte sind anschaulich und bildhaft beschrieben, sodass man schön in die Harzwelt abtauchen kann. Insgesamt ist “Weihnachtsanektötchen” eine schöne Sammlung regionaler Kriminalgeschichten - perfekt für die Weihnachtszeit.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Ein sachter Literaturverführer

Einfach Literatur
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“Einfach Literatur” ist ein Literaturverführer des Antiquars Klaus Willbrand, den er gemeinsam mit Daria Razumovych geschrieben hat. Das Buch setzt sich aus drei Teilen zusammen. So skizziert Klaus Willbrand ...

“Einfach Literatur” ist ein Literaturverführer des Antiquars Klaus Willbrand, den er gemeinsam mit Daria Razumovych geschrieben hat. Das Buch setzt sich aus drei Teilen zusammen. So skizziert Klaus Willbrand einerseits seinen Lebensweg, der - sei es als Buchhändler, als Verlagsmitarbeiter oder als Antiquar - eng mit der Buchbranche verknüpft war. Um nur ein paar beispielhafte Episoden zu nennen: Willbrand berichtet von seiner Lehrzeit bei der Buchhandlung Witsch (ein kleiner, wirklich schöner Blick in die Kölner Buchhandelsgeschichte), seiner Arbeit beim Verlag Arno Spitz in Berlin und seinem Lesesabbatical, bei dem Willbrand zehn bis zwölf Stunden pro Tag las. Daneben beschäftigt sich Willbrand in einem zweiten Teil mit lesenswerten Autorinnen/Werken aus Deutschland, Großbritannien/den USA und Frankreich. So gibt es kurze, überblicksartige Einordnungen u.a. zu Thomas Mann und Christa Wolf, Virgina Woolf und Ernst Hemingway, Marguerite Duras und Jean-Paul Sartre. Lebendig wird diese Vorstellung dadurch, dass Willbrand ebenfalls erzählt, wie er als Leser den literarischen Werken/den Autorinnen zum ersten Mal begegnete. Besonders spannend ist dies bei den deutschsprachigen Gegenwartsautor*innen, denn diese traf er z. T. in beruflichen Kontexten tatsächlich persönlich. So berichtet er von Begegnungen mit Heinrich Böll bei Witsch, einem denkwürdigen Zusammentreffen mit Günter Grass und der engen Freundschaft mit dem früh verstorbenen Rolf Dieter Biermann. Der dritte Bestandteil von “Einfach Literatur” sind die Gedanken Willbrands zur Literatur als Kunst. Hier beschäftigt er sich u.a. essayistisch mit der Bedeutung von Büchern, dem Wandel von Literatur und der Lesemotivation. Bei allem beschreibt, erklärt und erzählt Willbrand behutsam und sachte, nicht belehrend. Kurz: “Einfach Literatur” ist ein unaufdringliches wie informatives Buch, das den Lesenden Literatur vorschlägt, aber nicht aufdrängt - perfekt zum Abtauchen in (un)bekannte Literaturwelten. Ein wirklich würdiges Vermächtnis.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Ein wunderbar illustriertes Geschenkbuch

Poe: Unheimliche Geschichten
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Der Band “Unheimliche Geschichten” versammelt drei Erzählungen von Edgar Allan Poe, die von Fjodor Dostojewski ausgewählt und von Kat Menschik illustriert worden sind. “Unheimliche Geschichten” ist der ...

Der Band “Unheimliche Geschichten” versammelt drei Erzählungen von Edgar Allan Poe, die von Fjodor Dostojewski ausgewählt und von Kat Menschik illustriert worden sind. “Unheimliche Geschichten” ist der 5. Band der Reihe “Illustrierte Lieblingsbücher” von Kat Menschik. Den Auftakt des Bandes macht mit “Das verräterische Herz” eine Kriminalerzählung, in der ein Ich-Erzähler von einer begangenen Mordtat erzählt. Poe gelingt es dabei, die wahnhaften Gedanken des Täters greifbar und eindrücklich darzulegen. Auch die zweite Erzählung, “Die schwarze Katze”, ist eine Kriminalgeschichte: Hier tritt ebenfalls ein Ich-Erzähler auf, der retrospektiv von einer begangenen Tat erzählt. Spannung entsteht hier besonders durch die analytische Erzählweise und den kleinen Twist am Ende. Eher unbekannter ist die Abschlussgeschichte “Der Teufel im Glockenturm”: Poe entführt uns hier in eine wunderlich beschriebene holländische Gemeinde, in der sich nicht minder seltsame Figuren tummeln. In dieser Gemeinde trug sich Verhängnisvolles zu - was genau, wird erst zum Schluss offenbart, sodass eine schöne Spannungskurve aufkommt. Abgerundet wird der Band durch ein kurzes Nachwort von Dostojewski, in dem er Poe als eigenwilligen, launenhaften Schriftsteller charakterisiert, der seine Figuren mit Vorliebe in Ausnahmesituationen bringt. Ein besonderes Highlight des Bandes sind die kontrastierend dunkellila/neonorange gehaltenen Illustrationen von Kat Menschik. Die Illustrationen flankieren die Texte sehr passend: Berichtet der Ich-Erzähler in “Das verräterische Herz” gerade von dem intensiven Blick seines Opfers, so starrt das Opfer die Lesenden auf der nächsten Seite an; werden in “Der Teufel im Glockenturm” die merkwürdigen Schnitzereien der Häuser beschrieben, so findet sich gegenüberliegend eine Verbildlichung dieser. Besonders haben mir die Illustrationen von “Die schwarze Katze” gefallen, da hier mehrmals kunstvoll mehrere Szenen in einem Bild verschmelzen. Schön fand ich auch, wie die Illustrationen den eigenen Lesehorizont erweitern: “Die schwarze Katze” und “Das verräterische Herz” waren mir bereits bekannt, durch Menschiks Illustrationen, die ja auch Interpretationen des Textes sind, wurde mein Blick aber noch auf weitere Schwerpunkte gerichtet, die ich beim vorherigen Lesen gar nicht auf dem Schirm hatte. Insgesamt ist “Unheimliche Geschichten” ein wunderbar und stimmig illustrierter Band, an dem Poe sicherlich seine Freude gehabt hätte.

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