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Veröffentlicht am 10.04.2023

Wenn alles hoffnungslos erscheint

Der Fund in der Tiefe
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Antonia liegt mit Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus. Sie hat Albträume und fühlt sich bedroht, wie wenn ihr einer nach dem Leben trachten würde. Ihre Freundin Emma ist todunglücklich. Ihr Stiefvater ...

Antonia liegt mit Vergiftungserscheinungen im Krankenhaus. Sie hat Albträume und fühlt sich bedroht, wie wenn ihr einer nach dem Leben trachten würde. Ihre Freundin Emma ist todunglücklich. Ihr Stiefvater wird nach Berlin versetzt, und Emma soll mit. Das würde heißen, dass sie schon in wenigen Wochen ihr Zuhause und ihre Freunde verlassen muss. Sie ist verzweifelt, denn die Situation erscheint ihr hoffnungslos.

Als Antonia aus dem Krankenhaus entlassen wird, sucht sie gemeinsam mit ihren drei Freunden nach der Ursache der großen Katastrophe im Starnberger See. Das Wasser ist vergiftet. Fische sterben, niemand darf mehr ins Wasser, viele Menschen liegen im Krankenhaus mit Vergiftungserscheinungen.

Auf einer anderen Zeitebene erfährt der Leser von vier Kindern, die ihren Eltern im Dritten Reich weggenommen werden. Sie müssen in ein Kinderheim, und mittlerweile haben sie jegliche Hoffnung verloren. Nach einer misslungenen Flucht werden sie umso strenger bewacht. Ein großer Trost in dieser Situation ist ihnen ein Bibelvers: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29,11)

Das Thema Hoffnung zieht sich durch dieses Buch: Emmas Hoffnungslosigkeit angesichts des drohenden Umzugs, die Hoffnungslosigkeit der vier Geschwister im zweiten Erzählstrang, und auch Hoffnungslosigkeit wegen der Umweltkatastrophe am Starnberger See sind nur einige der schwierigen Situationen, von denen berichtet wird. Das alles lässt die Frage danach aufkommen, was Hoffnung gibt und worauf Menschen sich stützen können.

Dieses Buch ist Teil einer mehrteiligen Serie über vier Freunde, die am Starnberger See leben. Es ist in sich abgeschlossen, aber für den Verständniszusammenhang, ist es hilfreich die anderen Bücher der Reihe zu kennen.

In diesem Band überstürzen sich die Ereignisse, vor allem das Ende ist so spannend, dass es schwer fällt mit dem Lesen aufzuhören. Die vier Jugendliche sind realitätsnah gezeichnet, mit ihrem Frust, ihren Ängsten, und auch ihrem Glauben. Die Hinweise auf die Hilfe, die der Glaube im Alltag bringt, fügen sich auf gute und natürliche Weise in die Geschichte ein.

Fazit: Eine spannende Geschichte mit viel Action und gefährlichen Situationen. Diese Erzählung passt sehr gut zur Lebenswelt von heutigen Jugendlichen und ist sehr empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2023

Wo ist nur das Silberbesteck!?

Alle Farben der Kamelien
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Lucy liebt Kunst, und es ist ihr ein Herzensanliegen Historisches zu bewahren. Als sie erfährt, dass der junge Mann, mit dem sie verabredet ist, die alten Häuser in ihrer schönen Stadt abreißen will, um ...

Lucy liebt Kunst, und es ist ihr ein Herzensanliegen Historisches zu bewahren. Als sie erfährt, dass der junge Mann, mit dem sie verabredet ist, die alten Häuser in ihrer schönen Stadt abreißen will, um Neues zu errichten, ist ihr klar, dass Declan keinesfalls ihr Traummann ist. Und als würde das nicht reichen, zeigt sich schnell, dass er einer Familie angehört, die seit Generationen mit Lucys Familie im Streit liegt. Jede Familie wirft der anderen vor, den Familienschatz gestohlen zu haben.

Als Lucy überraschend ein wunderschönes, altes Haus als Erbe bekommt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Es muss renoviert werden, und sie hat nicht viel Geld, doch mit diesem Haus erfüllt sich ihr größter Traum. Doch warum hat ausgerechnet sie dieses Haus bekommen? Sie will unbedingt mehr über die früheren Besitzer des Hauses erfahren.

Ihre Suche führt sie zu Eliza, einer bekannten Malerin, die vor fast hundert Jahren in diesem Haus lebte. Eliza muss eine unglückliche Liebe verkraften, denn ihr Verlobter verschwindet ohne Erklärung von einem Tag auf den anderen. Doch ihr Leben entwickelt sich danach ganz anders als erwartet.

Dieses Buch erzählt auf zwei Zeitebenen die Geschichten von Lucy und Eliza, und erst im Verlauf das Buchs wird mehr und mehr klar, was die beiden Frauen verbindet. Sie haben nicht nur viel gemeinsam, beide leiden wegen dem verlorenen Silberbesteck, denn Gerüchten zufolge soll es auf dem Grundstück ihres Hauses begraben sein.

Die beiden Zeitepochen werden gut wiedergegeben. Wie ein Faden zieht sich die Liebe zu Gärten, zur Kunst und zu historischen Häusern durch dieses Buch. Dagegen scheinen die Hinweise auf den christlichen Glauben eher ein nachträglicher Einfall zu sein. Sie überzeugen nicht, da sie nicht von Anfang an mit den Charakteren der Geschichte in Verbindung stehen.

Die Geschichte ist spannend, denn es werden immer weitere Geheimnisse gelüftet, doch einige Ereignisse wirken zusammenhanglos, und die Erklärungen überzeugen oft nicht.

Es fällt außerdem schwer mit den Charakteren warm zu werden, denn die Informationen am Anfang der Geschichte reichen nicht zur Identifikation. Die Liebesgeschichten, vor allem in Elizas Zeitebene, ist teilweise berührend, in beiden Geschichten ist manches jedoch vorhersehbar.

Fazit: Gut geschrieben und unterhaltsam, vor allem für Leser, die sich für historische Erzählungen und Familiengeschichten interessieren – doch manches erscheint unlogisch und überzeugt nicht.

Veröffentlicht am 30.03.2023

Wenn Liebe über Unrecht siegt

Anfang einer neuen Zeit
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Wieder eine Bombennacht in Königsberg. Doch dieses Mal verliert die 20jährige Emma alles, was ihr lieb ist. Ihr Zuhause, ihre Schwester, ihre Sicherheit. Sie kann zwar auf dem Land unterkommen, doch auch ...

Wieder eine Bombennacht in Königsberg. Doch dieses Mal verliert die 20jährige Emma alles, was ihr lieb ist. Ihr Zuhause, ihre Schwester, ihre Sicherheit. Sie kann zwar auf dem Land unterkommen, doch auch diese neue Zuflucht muss sie bald verlassen, denn die Bevölkerung flieht vor der Roten Armee.

Die überstürzte Reise in Eiseskälte ist einfach nur schrecklich. Doch es kommt noch schlimmer. Eine russische Einheit überfällt die Gruppe der Flüchtlingen. Mord, Vergewaltigung, Verschleppung. Emma wird zusammen mit anderen Frauen gefangen genommen, denn eine von ihnen soll schuld am Tod eines russischen Spions sein.

Nach Kriegsende will Emma einfach nur in Ruhe die Fäden ihres zerstörten Lebens aufsammeln und neu anfangen. Alles ist so schwer, und die Ereignisse haben sie schwer gezeichnet. Dann taucht auch noch einer ihrer Peiniger aus der Zeit ihrer Gefangenschaft auf. Er will sie für weitere Befragungen mit nach Russland nehmen,. Emma will nicht mit, aber sie hat keine Wahl.

Wegen einer unüberlegten Bemerkung dort, ist ihr Leben in Gefahr. Es gibt nur einen Ausweg. Doch dieser Weg ist unsagbar schwer.

Dieser Roman ist sehr tiefgründig und gefühlvoll geschrieben. Der christliche Glaube spielt eine große Rolle. Dabei werden schwere Lebensfragen angesprochen, teilweise auch offen gelassen, da es nicht auf alles eine Antwort gibt.

Emma sehnt sich nach Heilung, Versöhnung mit der Vergangenheit und Liebe. Doch an den Gott des Christentums kann sie nicht glauben, denn sie versteht nicht, warum er sie nicht vor dem Schlimmen, das sie mitmachen musste, bewahrt hat. Ihre lange Suche nach Antworten wird überzeugend dargestellt.

Zentral sind die Themen Versöhnung und Fremdenhass. Emma wurde viel Schreckliches von den Russen angetan, und es fällt ihr schwer nicht alle Russen deswegen abzulehnen. Doch auch sie als Deutsche trifft in Russland auf Wut und Hass.

Die Handlung ist spannend und überrascht mit immer neuen Wendungen. Gegen Ende des Buchs scheint manches ein wenig unglaubhaft und Zusammenhänge werden teilweise nicht genügend erklärt. Doch das stört kaum, dafür sind die Charaktere wunderschön gezeichnet, mit all ihren Zweifeln, Kämpfen und Sehnsüchten.

Fazit: Eine spannende und gut geschriebene Erzählung, über die Grauen des Kriegs, innere Heilung, Versöhnung und Liebe. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die historische Erzählungen und christliche Romane mögen.

Veröffentlicht am 21.03.2023

Auf den Fänger kommt es an

Loslassen und fliegen
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Als der bekannte katholische Priester und Autor Henri Nouwen in Deutschland eine Zirkusvorstellung besucht, erlebt er etwas Sonderbares. Die Einlage der Trapezkünstler rührt etwas in ihm an. Er versteht ...

Als der bekannte katholische Priester und Autor Henri Nouwen in Deutschland eine Zirkusvorstellung besucht, erlebt er etwas Sonderbares. Die Einlage der Trapezkünstler rührt etwas in ihm an. Er versteht nicht, was ihn derart fasziniert, doch am nächsten Tag ist er pünktlich zur nächsten Vorstellung in der Manege, und etwas zögerlich spricht er außerdem eine der Artisten an. Aus diesem ersten Kennenlernen entsteht eine tiefe Freundschaft, die bis zu seinem unerwarteten frühen Tod anhält.

Immer wieder besucht Henri seine neuen Freunde. Enthusiastisch löchert er sie mit Fragen. Er reist mit ihnen und nimmt an ihrem Leben teil. Er möchte zu gern ein Buch über das Erlebte schreiben. Er ist sicher, dass sich hier ein ungeheuer wichtiges Thema verbirgt. Es ist zum Greifen nah, doch er kann es nicht ganz fassen.

In den fünf Jahren bis zu seinem Tod, bewegt ihn der Gedanke an dieses ungeschriebene Buch. Er macht Notizen, beginnt mit dem Schreiben, spricht mit Freunden und Verlagsleuten, doch nie ist er ganz zufrieden mit dem, was er erschafft. Doch in diesem Suchen und Ausprobieren, kommt er dem Geheimnis des Fliegens, des Loslassens und des Gefangenwerdens immer näher, und er entdeckt tiefgründige Parallelen zum Glauben. Er spürt mehr und mehr, dass geistliche Wahrheiten und Antworten auf die quälenden Sehnsüchte in seinem Inneren in diesem Trapezakt stecken.

Dieses Buch wurde von einer guten Bekannten Henri Nouwens aus Tagebuchaufzeichnungen, Schreibversuche und Notizen zusammengestellt. Dabei bilden die letzten Stunden vor seinen Tod den Rahmen der Erzählung. Gedanklich geht Henri auf eine Reise zurück zu früheren Erlebnissen, vor allem zu seinen Begegnungen mit den Trapezkünstlern, doch auch zu einem Marsch der Bürgerrechtsbewegung, ebenso zu Freundschaften, Reden und Ehrungen.

Die Autorin verwebt geschickt Quellenmaterial mit ergänzenden Informationen. Dabei lernt man beim Lesen viel über die Persönlichkeit Henri Nouwens und versteht besser warum er der „verwundete Heiler“ genannt wird. Manches ist unerwartet, und ich persönlich stimme nicht allem zu, aber das bin ich bei Henri Nouwen bereits gewohnt. Das Reizvolle an diesem Buch sind die vielen Gedankensplitter, die zum Denken anregen. Im Mittelpunkt stehen dabei Themen wie Vertrauen und Loslassen, und das sichere Gehaltensein bei Gott, auch im Tod.

Fazit: Eine gelungene, ungewöhnliche Mischung aus Erzählung, autobiographische Notizen und geistlichen Einsichten, mit einem aufregenden Blick auf das Zirkusleben. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die mehr über das Leben von Henri Nouwen erfahren möchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2023

Von der Liebe eines Vaters

Aus dem Staub erhebst du mich
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Mary schämt sich. Ihre kleine Familie lebt in einem Wohnanhänger auf dem Grundstück ihrer Großmutter. Diese Wohnsituation sollte nur vorübergehend sein, doch ihr Vater, der seit seinem zwölften Lebensjahr ...

Mary schämt sich. Ihre kleine Familie lebt in einem Wohnanhänger auf dem Grundstück ihrer Großmutter. Diese Wohnsituation sollte nur vorübergehend sein, doch ihr Vater, der seit seinem zwölften Lebensjahr als Holzfäller arbeitet, kann sich nichts Besseres leisten. Er ist schon froh, wenn seine Fahrzeuge und Maschinen nicht abgeholt werden, weil er es mal wieder nicht geschafft hat, die Raten zu bezahlen.

Mary hat das Gefühl, dass ihr ein modriger Geruch anhaftet, der Geruch ihres ärmlichen Zuhauses, in dem es hineinregnet und immer dreckig zu sein scheint. Doch es gibt auch Sonnenseiten in ihrer Kindheit. Sie hat die Freiheit nach Herzenslust in den Wäldern herumzutoben, mit ihrer Großmutter hat sie eine liebevolle Mentorin an ihrer Seite, und in der Schule fällt ihr das Lernen leicht. Das hat sie wohl vor allem ihrem Vater zu verdanken, der sie mit Strenge zu Höchstleistungen anspornt, denn er möchte, dass sie es einmal besser hat als er.

In diesem Buch erzählt Mary ihre Geschichte. Sie beginnt mit ihrer Kindheit in West-Virginia, Amerika, blickt auch zurück auf die Lebensweise ihrer Vorfahren, die allesamt als Holzfäller oder Bergarbeiter beschäftigt waren. Nur wenige der Männer werden alt, zu gefährlich und gesundheitsschädlich ist ihre Arbeit.

In einem zweiten Teil erzählt die Autorin von ihrem Leben als Studentin und Ehefrau. Sie studiert an einer der bekanntesten Universitäten des Landes und ist bald finanziell abgesichert. Sie kann so leben wie sie will, ist frei von Armut und Dreck. Und doch, merkt sie, kann sie den Schmutz ihrer Kindheit nicht einfach abstreifen oder abwischen. Vielleicht nach außen unsichtbar, spürt sie, dass ihre Wurzeln sie prägen. Es ist ein langer Weg zur Versöhnung mit der Vergangenheit, und zur Befreiung von dem Gefühl wertlos und ungeliebt zu sein. Entscheidend dabei ist die Gnade, die sie durch den Glauben an Gott erlebt.

Die Autorin hat einen ganz eigenen Erzählstil; teilweise poetisch und malerisch, springt die Erzählung oft unvermittelt von einer Erinnerung zur nächsten; eher thematisch geordnet, als chronologisch. Aus diesem Grund fällt der Einstieg schwer. Berührend ist vor allem der zweite Teil, in dem sie über Heilung von ihren inneren Wunden schreibt. Ihre Offenheit und Authenzität ist bewegend, gerade wenn sie von Kämpfen und Versagen erzählt.

Fazit: Die Lebensgeschichte einer Frau, die den Armut ihrer Vorfahren entkommen kann; über Gutes und Schlechtes in ihrer Kindheit, über die beständige Liebe ihres Vaters, und über die Heilung der Wunden, die das Leben ihr bereitet hat. Inspirierend und empfehlenswert!