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Veröffentlicht am 27.11.2022

Von der Tochter einer mutigen Gräfin

Die Tochter der Hungergräfin
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Ernestine ist erst zehn, als ihre ganze Welt auf den Kopf gestellt wird. Das 1626 geborene Mädchen muss mit ihrer Mutter und Schwester heimlich fliehen, denn ihr Bruder ist gestorben. Da der Vater schon ...

Ernestine ist erst zehn, als ihre ganze Welt auf den Kopf gestellt wird. Das 1626 geborene Mädchen muss mit ihrer Mutter und Schwester heimlich fliehen, denn ihr Bruder ist gestorben. Da der Vater schon seit Jahren nicht mehr lebt, sicherte dieser männliche Nachkomme den Grundbesitz der Familie. Gleich nach seinem Tod drohen Verwandte der Familie ihre Besitztümer zu entreißen.

Ernestines Mutter kämpft erbittert für ihr Land. Das macht sie nicht aus eigennützigen Gründen, sondern weil sie die Landbevölkerung vor einem gemeinen Herrn schützen will. Dieser Kampf dauert lange und führt unter anderem dazu, dass Ernestine und ihre Familie hungern müssen, da sie sich in ihrer Burg verschanzen.

Dieser Roman wird aus der Sicht Ernestines erzählt und beginnt mit dem Tod ihres Bruders. Die Stimme dieses Kindes ist authentisch, wenn sie von den Entbehrungen erzählt, die für sie als verwöhnte Adlige neu sind.

Im zweiten Teil trifft der Leser auf die mittlerweile 14jährige Ernestine. Noch immer ist die Frage nach den Eigentumsrechten der Familie nicht geklärt. Sie reist mit ihrer Mutter nach Regensburg und wird dabei in die Gesellschaft eingeführt, da sie sich mit vierzehn im heiratsfähigen Alter befindet.

Am Anfang des dritten Teils ist Ernestine achtzehn und übernimmt immer mehr Verantwortung als Junggräfin. In diesem und im nächsten Teil geht es vor allem darum, wie Ernestine am Beispiel ihrer Mutter lernt selbstlos für die Bedürfnisse der ihr Anvertrauten zu sorgen.

Der innere Kampf um Selbstlosigkeit ist ein Hauptthema dieses Buchs. Schon als Kind überlegt Ernestine, „Was für ein Mensch wollte ich sein? Eine Herrin, die es sich auf Kosten ihrer Untertanen gut gehen ließ? Oder jemand wie meine Mutter, der das Wohlergehen ihres Volkes am Herzen lag?“ Als junge Erwachsene beschließt sie, „Ich wollte mein Bestes geben, weil diese Menschen mir nicht egal waren. Ich wollte mein Bestes geben, weil ich sie liebte, und plötzlich verstand ich, dass das der Kern einer göttlichen Berufung war: Die Liebe Gottes sprang über auf ein menschliches Herz und trieb es an.“

Ein großes Plus dieses Buchs sind die gutgezeichneten Charaktere. Ihre Persönlichkeit wird so gut wiedergegeben, dass man beim Lesen meint sie zu kennen. Die Lebensumstände in dieser längst vergangenen Zeit kennenzulernen, macht den Reiz dieses Buchs aus. Einmal angefangen, fällt es schwer mit dem Lesen aufzuhören. Dazu beruht diese Geschichte auf Tatsachen, was sie noch faszinierender macht.

Fazit: Eine interessante Erzählung über den Kampf einer Gräfin für ihr Erbe, zu einer Zeit, in der Frauen wenig zu sagen hatte. Die Wandlung eines selbstsüchtigen Kindes zu einer Frau, die das Wohl der anderen sucht, wird spannend wiedergegeben. Sehr empfehlenswert, vor allem für Menschen, die historische Erzählungen lieben.

Veröffentlicht am 24.11.2022

Lieben, lieben, lieben – und loslassen

Wenn Kinder andere Wege gehen
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Wenn Eltern von ganzem Herzen Jesus nachfolgen wollen und ihre Kinder sich von diesem Glauben abwenden, tut das sehr weh. Es geht dabei nicht nur um das Gefühl das Wichtigste im Leben nicht mit den eigenen ...

Wenn Eltern von ganzem Herzen Jesus nachfolgen wollen und ihre Kinder sich von diesem Glauben abwenden, tut das sehr weh. Es geht dabei nicht nur um das Gefühl das Wichtigste im Leben nicht mit den eigenen Kindern teilen zu können, es geht auch um die Ewigkeitshoffnung. Und manchmal geht es nicht zuletzt um den Ruf in der Gemeinde, vor allem wenn Eltern dort sehr engagiert sind.

Dieses Buch enthält viele Erfahrungsberichte von Eltern und Kindern, die mit der Frage um einen gemeinsamen Glauben ringen. Dabei gibt es mehrere hoffnungsvolle Geschichten von erwachsenen Kindern, die nach Jahren der Rebellion zurückgekehrt sind zu dem, was ihre Eltern ihnen vorgelebt haben. Neben diesen positiven Berichten stehen Zeugnisse von Eltern, die auch nach Jahren die Hoffnung auf eine Umkehr nicht aufgegeben haben. Die zerstörerisches Verhalten ihrer Kinder beobachten, aber einfach nur weiterhin beten und lieben können. Und vertrauensvoll loslassen, in dem Wissen, dass Gott seinen Weg mit ihren Kindern geht.

Jedes der zwölf Kapitel verbindet Erfahrungsberichte, oft in Form von Interviews, und Schlussfolgerungen. Der Grundton des Buchs ist verständnisvoll, denn, so wie es in einer Kapitelüberschrift heißt, „selbst beste Väter haben verlorene Söhne“. Neben Tipps für Eltern, erfahren Leser auch wie Gemeinde für Jugendliche attraktiv sein kann. Besonders hilfreich in diesem Buch ist die immer wieder gestellte Frage, „Was würdest du heute anders machen?“

Zu den Ratschlägen, die Leser in diesem Buch bekommen, gehört das Stichwort „vorleben“, denn ein Glaube, der sich an Traditionen und Glaubenssätzen festmacht, aber wenig Raum im Alltag findet, ist für Teenager nicht ansprechend. Interessant sind die Schlüsse, die die Autorinnen in Bezug auf Konsequenz ziehen. So bemängeln sie ein Aufweichen von Werten und Maßstäben, um sich den Kindern anzupassen. Auch die Berichte der Kinder machen deutlich, dass ihre Achtung für Eltern steigt, wenn Mama und Papa zu dem stehen, was sie glauben. Diese Beispiele verdeutlichen, wie praktisch und hilfreich die vielen Anregungen in diesem Buch sind.

Fazit: Ein wertvoller Ratgeber für Eltern, deren Kinder vom Glauben abdriften oder bereits auf einem anderen Weg unterwegs sind. Zu den Stärken dieses Buchs zählen die Offenheit der Betroffenen und die vielen Erfahrungsberichte. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 22.11.2022

Eine Lobeshymne auf Freundschaft, das Leben, den Glauben und die Kirche

Zartheit und Krawall
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Anne Fleck lernt ihre Freundin Katharina in einer Berliner Gemeinde kennen. Zuerst scheinen sie wenig gemeinsam zu haben, aber ganz unerwartet entwickelt sich eine tiefe und wunderbare Freundschaft zwischen ...

Anne Fleck lernt ihre Freundin Katharina in einer Berliner Gemeinde kennen. Zuerst scheinen sie wenig gemeinsam zu haben, aber ganz unerwartet entwickelt sich eine tiefe und wunderbare Freundschaft zwischen den beiden Frauen. Sie tauschen sich über das Leben und den Glauben aus, sind einander Beichtpartnerinnen und Trösterinnen. Doch dann kommt ein Anruf. Es ist Katharinas Ehemann. Die schockierende Nachricht: Katharina wird nicht mehr lange leben.

Schon bald danach ist Anne auf den Weg zur Beerdigung. Ihre Herzensfreundin lebt nicht mehr und lässt einen Ehemann und eine kleine Tochter zurück. Unbegreiflich. Dabei wollte Anne noch so viele Jahre diese Freundin an ihrer Seite haben.

Anne erinnert sich an Gespräche mit ihrer Freundin, an ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und Meinungen, und wie gewinnbringend der Austausch war. „Wir haben zusammen ausprobiert und geübt, wie man betet und lebt – das war nicht nur eine sehr schöne Erfahrung, wir haben dabei auch uns und Jesus besser kennengelernt.“

Mit diesem Buch lässt sie ihre Leser an diesen Austausch teilnehmen. Es ist weniger eine Verarbeitung ihrer Trauer als vielmehr eine Sammlung von Essays zu verschiedenen Themen, die sie gemeinsam mit ihrer Freundin durchrungen hat. Da geht es um Nächstenliebe und Demut, Sexualität und Singlesein, Mode und ein einfaches Leben, Freikirchen und die katholische Kirche, Glaube und Selbstmitleid. Mich persönlich stören an manchen Stellen die Kraftausdrücke. Aber das ist wohl Geschmackssache.

Anne weist immer wieder auf die Ansichten der katholischen Kirche hin. Von diesen Lehren ist sie zutiefst überzeugt. So schreibt sie zum Beispiel, „Ich persönlich finde es total geil, dass ich den ganzen Himmel einspannen kann, dass Gott uns seine Mitbewohner zum Beten zur Verfügung stellt.“ Doch sie bewundert ebenfalls Aspekte des freikirchlichen Glaubens ihrer verstorbenen Freundin. So ist dieses Buch auch eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Glaubenstraditionen.

Fazit: Themen, die zwei Frauen in einer wunderbaren Herzensfreundschaft durchlebt und durchsprochen haben werden hier in kurzen Aufsätzen wiedergegeben. Besonders empfehlenswert für katholische Christen oder für Menschen, die einen neuen Zugang zum Glauben suchen.

Veröffentlicht am 21.11.2022

Spannungsvolle tödliche Weihnachtstage

Einsame Nacht
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In einer kalten, einsamen Nacht beobachtet eine Frau ein merkwürdiges Vorkommnis. Ein Mann dringt in das Auto der Frau, die vor ihr fährt, ein. Aus Angst fährt die Beobachterin weiter und beruhigt sich ...

In einer kalten, einsamen Nacht beobachtet eine Frau ein merkwürdiges Vorkommnis. Ein Mann dringt in das Auto der Frau, die vor ihr fährt, ein. Aus Angst fährt die Beobachterin weiter und beruhigt sich damit, dass die Frau diesen Mann sicher kannte und alles harmlos war. Doch am nächsten Tag wird die Frau ermordet aufgefunden.

Kate Linville recherchiert gemeinsam mit ihrer neuen Chefin. Dabei stoßen sie auf einen ungelösten alten Fall, denn die Fingerabdrücke im Auto der ermordeten gleichen denen, die vor Jahren an einem Tatort hinterlassen wurden. Ob es ihnen gelingen wird nicht nur diesen aktuellen Fall zu lösen, sondern auch den mysteriösen Fall der Vergangenheit? Obwohl es Weihnachten ist, stürzen sich die Ermittlerinnen in den Fall und setzen dabei beide unvorsichtigerweise ihr Leben aufs Spiel. Ihre Aktivität lenkt sie zumindest ein bisschen von der Einsamkeit ab, die für sie an den Feiertagen immer besonders schlimm ist.

Neben dieser Geschichte gibt es einen zweiten Erzählstrang. Ein Kind wächst heran und hat mit sehr viel Ablehnung und Lieblosigkeit zu kämpfen. Der Frust dieses Jungen führt zu emotionalen Essen und zu starkem Übergewicht, was zu noch mehr Schmach führt. Im Kind entwickelt sich ein unbändiger Hass.

Dieses Buch ist so spannend, dass man es - einmal angefangen - nur schwer weglegen kann. Schnell scheint es logisch zu sein, wer der Täter ist, doch dann geschieht etwas, dass alles in Frage stellt. Der zweite Handlungsstrang lässt bis zum Schluss rätseln, wie alles zusammenhängt. Die Auflösung ist dann spannend und führt alle offene Fäden zusammen.

Dieses Buch ist der vierte Teil einer Serie über Kate Linville, einer unscheinbaren, doch intelligenten Kommissarin. In diesem Buch erfährt der Leser viel über ihre Sehnsucht nach einem Partner und über ihre Einsamkeit, die an den Festtagen besonders unerträglich zu sein scheint. Auch ihr guter Freund Caleb taucht in diesem Band wieder auf.

Fazit: Ein spannender Thriller, der den Leser bis zum Schluss rätseln lässt. Themen wie Einsamkeit und Mobbing kommen neben den dramatischen Geschehnissen rund um einen Mordfall zur Sprache. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 21.11.2022

Die persönliche Reise einer Gebetsmissionarin

Amen: Wie die Luft zum Atmen
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In diesem Buch erzählt die Gebetsmissionarin Jill Weber aus ihrem Leben, und verknüpft dabei ihre Erlebnisse mit geistlichen Wahrheiten oder Wegweisungen. Jeden Tag kann der Leser in wenigen Minuten eins ...

In diesem Buch erzählt die Gebetsmissionarin Jill Weber aus ihrem Leben, und verknüpft dabei ihre Erlebnisse mit geistlichen Wahrheiten oder Wegweisungen. Jeden Tag kann der Leser in wenigen Minuten eins der vierzig Kapitel lesen, zum Beispiel als Begleiter in der Passionszeit.

Jedes Kapitel beginnt mit einem passenden Bibelvers. Danach erzählt die Autorin eine Anekdote aus ihrem Leben; dabei beginnt sie in ihrer Kindheit mit ihrer Hinwendung zum Glauben und der Frage nach Berufung, und endet mit einem Neubeginn in ihrer Tätigkeit als Berufs-Beterin. Dazwischen erzählt sie von einer schwierigen Ehe, ihrer Ausbildung, und vor allem von ihren Erfahrungen mit gemeinschaftlichen Leben und als Leiterin einer Gebetsbewegung.

Am Ende jedes Kapitels spricht die Autorin eine Einladung aus und lädt Leser ein die Gedanken auf ihr persönliches Leben anzuwenden. Diese Abschnitte beginnen zumeist mit einem Bibelvers oder Zitat und schließen mit einem Gebet ab.

Die erzählten Geschichten sind sehr unterschiedlich und bei einigen fällt die Identifikation leichter als bei anderen. Die Autorin gehört eher zur charismatischen Bewegung, aber sie liebt die ganze Gemeinde Gottes und ist sehr darum bemüht das Gemeinsame anstatt das Trennende zu sehen.

Mir persönlich haben einige Geschichten sehr gut gefallen und ich konnte mich sofort wiederfinden, aber andere waren mir sehr fremd, sodass ich insgesamt nicht allzu viel Freude an diesem Buch hatte. Aber so unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich werden das verschiedene Leser wahrnehmen.

Sehr positiv ist, dass die Autorin nichts beschönigt. Sie erzählt offen von Schwierigkeiten, Zweifeln und dunklen Tagen, doch über allem strahlt ihr großes Vertrauen zu Gott heraus. Viele ihrer Erlebnisse sind beeindruckend und machen Mut Gewohntes loszulassen, um mehr mit Gott zu erleben.

Ein weiterer Pluspunkt sind die vielen Anmerkungen und die Lesetipps am Ende des Buchs. Da die Bücherliste thematisch geordnet ist, können so wiederkehrende Themen des Buchs vertieft werden.

Dieses Buch ist ein bisschen wie ein persönliches Gespräch mit der Autorin: „Stellen Sie sich beim Lesen vor, ich sitze mit Ihnen in meinem Büro. … Wir atmen nur und lassen uns an dem stillen Ort unserer Seele nieder, um auf seine Einladung zu hören, wie auch immer sie heute für uns aussehen mag.“

Fazit: Die Erlebnisse einer Gebetsmissionarin auf ihrem Weg des Glaubens laden Leser ein eine tiefere Beziehung mit Gott zu suchen und mehr mit ihm zu erleben. Vor allem zu empfehlen für Menschen, die sich für die Gebetshausbewegung interessieren.