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Veröffentlicht am 02.11.2022

Ein ungewöhnlicher Lehrer

Adam
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Henri Nouwen ist auch heute, lange nach seinem Tod, als bedeutender geistlicher Schriftsteller bekannt. Seine Hauptthemen sind Liebe und Barmherzigkeit. Und er weiß, wovon er spricht, denn der holländische ...

Henri Nouwen ist auch heute, lange nach seinem Tod, als bedeutender geistlicher Schriftsteller bekannt. Seine Hauptthemen sind Liebe und Barmherzigkeit. Und er weiß, wovon er spricht, denn der holländische Priester und Psychologe war selbst ein Dienender. Mit 53 Jahren verließ er eine angesehene Stelle als Dozent in Harvard, um sich einer Arche-Gruppe in Kanada anzuschließen, einer Lebensgemeinschaft, in der Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben.

Das ist eine große Umstellung für den verkopften Professor. Neben seiner Tätigkeit als Seelsorger wird ihm nämlich ein junger Mann zugeteilt, den er zwei Stunden am Tag versorgen soll. Adam spricht nicht, er kann nicht selbstständig essen, laufen oder sich anziehen. Der unbeholfene Intellektuelle fühlt sich vollkommen überfordert. Er hat Angst Adam zu verletzen oder etwas falsch zu machen. Angespannt beginnt er mit der Arbeit; zum Glück gibt es viele Menschen in der Lebensgemeinschaft, die ihm bei der Pflege mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Es vergehen Monate bis Nouwen sich an seine neue Aufgabe gewöhnt. Doch schließlich merkt er, dass diese zwei Stunden der Pflege zur wichtigsten Zeit seines Tages geworden sind. Andächtig versorgt er Adam, dabei wird ihm immer mehr klar, dass er bei dieser Aufgabe selbst den größten Gewinn hat. Denn er erkennt in dem hilflosen Adam Jesus. Das ruhige Wesen dieses eingeschränkten Mannes verändert auf tiefgreifende Weise das Leben Nouwens und vieler anderen.

Nouwens Wunsch eine leicht verständliche Erklärung zum Glaubensbekenntnis zu schreiben nimmt mit dem Tod Adams Gestalt an. Er sieht im Leben und Sterben seines Freundes ein Bild für unseren Glauben an Christus. So vergleicht er in diesem Buch die einzelnen Stationen im Leben von Adam mit dem Leben von Jesus. Denn, „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Diese wunderschöne Liebesgeschichte zeigt, wie Nouwen von seinem stummen Lehrer Adam lernt, was es heißt von Gott geliebt zu sein. Adam kann nach menschlichen Maßstäben nichts bieten, er ist sogar in den Augen vieler eine Last. Und doch drückt sein Leben die befreiende Botschaft aus, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist, und darum wertvoll. Nouwen macht in diesem Buch sehr deutlich, wie wichtig es ist von den Schwächsten in unserer Gesellschaft zu lernen, und wie lebensverändernd der Umgang mit ihnen sein kann.

Als evangelikale Christin sind mir manche Gedanken dieses katholischen Priesters fremd, doch das kann ich als andere Glaubenserfahrung stehen lassen und mich von den Gedanken herausfordern lassen, die in meiner Denkweise zu kurz kommen – das Wertschätzen von jedem Menschen, unabhängig von Stellung, Nationalität, Aussehen, Status, Intelligenz oder sonstigen Merkmalen, die uns oft so wichtig sind. Dieses Buch stellt mich in Frage: Nehme ich die Worte Jesu wirklich ernst, dass ich im Dienst am Geringen in Wirklichkeit ihm diene? Bin ich bereit meine übernommenen Einstellungen darüber, was einen Menschen wertvoll macht, zu überdenken?

Fazit: Die berührende Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft: Ein gelehrter Professor lernt Entscheidendes über Jesus von einem Mann mit starken Einschränkungen. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 01.11.2022

Erinnerungen einer alten Rotkreuz-Schwester

Die Gewandnadel
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Yakob heißt eigentlich Yasser, aber sein Name erinnert an seine libyschen Wurzeln und darüber sprechen seine Eltern nicht. Vor langer Zeit nach Deutschland geflohen, bemühen sie sich nach Kräften „deutsch“ ...

Yakob heißt eigentlich Yasser, aber sein Name erinnert an seine libyschen Wurzeln und darüber sprechen seine Eltern nicht. Vor langer Zeit nach Deutschland geflohen, bemühen sie sich nach Kräften „deutsch“ zu sein.

Als Yakob bei seiner Arbeit in einem Pflegeheim merkwürdige Laute einer alten Dame hört, klingt etwas in ihm an. Kennt er diese Sprache? Mit der Zeit erfährt er mehr, und er versteht, warum diese Frau die Sprache seiner Eltern spricht.

Josefine ist schon 94. Jetzt im Alter wandern ihre Gedanken oft zurück an ihre Zeit in Libyen. Ihre Eltern schicken sie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nach München in eine Schwesternschule, und nach ihrer Ausbildung ist das der Ort, an dem sie dienen soll. Die Umstellung fällt ihr schwer, und sie vermisst ihre Eltern und Freundin. Die Arbeit in diesem heißen Wüstenland ist mühsam. Eine nette Abwechslung sind die kurzen Gespräche mit dem Berber Harun. Doch auf einmal wird er wegen Diebstahl eingesperrt. Josefine und eine befreundete Schwester wollen ihm helfen, doch dann überschlagen sich die Ereignisse, und Josefine bleibt viel länger als erwartet in ihrer neuen afrikanischen Heimat.

Diese Geschichte ist sehr spannend und erzählt von einem Aspekt der Geschichte Deutschlands, der selten Beachtung findet. Die ruhige Liebesgeschichte bleibt eher im Hintergrund. Wichtige Themen in diesem Roman sind Vergangenheitsbewältigung, Identität und die Versorgung von alten Menschen. Yakob ist in dieser Geschichte ein vorbildhafter Held. Er sieht sich nicht nur als Pfleger, er setzt sich als Begleiter der ihm anvertrauten Menschen für sie ein. Er möchte ihre Vergangenheit verstehen, um ihnen zu helfen besser mit der Gegenwart zurechtzukommen. Dabei bleibt wenig Zeit für ein Privatleben.

Die Geschichte Josefines führt zu einer neuen Verbindung zwischen Yakob und seinen Eltern. Da er sich danach sehnt mehr über die Wurzeln seiner Familie zu erfahren, hilft nicht nur er der alten Dame Josefine, sondern sie hilft auch ihm.

Etwas überraschend bei diesem Buch, das in einem bekannten christlichen Verlag erscheint, ist, dass wenig Bezug auf den Glauben genommen wird. Die wenigen Hinweise auf Gott wirken ach eher fragend oder zweifelnd und scheinen davon auszugehen, dass es nicht nur einen Gott gibt. Vielleicht würde dieses Buch besser zu einem anderen Verlag passen, denn die Geschichte ist sehr gut und wertvoll, doch wer eine christliche Botschaft erwartet, könnte von diesem Buch enttäuscht werden.

Fazit: Eine spannende Geschichte über den Einsatz einer Rotkreuz-Krankenschwester im Dritten Reich, die guten Einblicke in das damalige Geschehen bietet, aber auch Themen wie Demenz und Identität aufgreift. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 30.10.2022

Coole und hippe Designs für Junge und Junggebliebene

Stricken
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Dieses dicke Buch beginnt mit einer Fotoreihe der dänischen Designerin Lærke Bagger. Danach kommt ein ausführlicher Teil mit Erklärungen zu verschiedenen Strick-Techniken, und schließlich gibt es fünfzehn ...

Dieses dicke Buch beginnt mit einer Fotoreihe der dänischen Designerin Lærke Bagger. Danach kommt ein ausführlicher Teil mit Erklärungen zu verschiedenen Strick-Techniken, und schließlich gibt es fünfzehn Designs, die aber allesamt sehr viele Variationsmöglichkeiten bieten.

Die Fotos sind Geschmackssache und vermutlich eher etwas für jüngere Leser. Ich persönlich finde das oben-ohne Foto wäre nicht nötig gewesen! Die Bilder sollen wohl für eine persönliche Note sorgen und passen vermutlich gut für Nutzer von sozialen Medien.

Die Beschreibungen der Strick-Techniken sind die große Stärke dieses Buchs und verdienen mindestens fünf Sterne! Die Auswahl bietet sowohl für Anfängern als auch für Fortgeschrittene alles, was zum Herstellen von Strickstücken nötig ist. Die passenden Fotos und Grafiken sind sehr hilfreich. Viele der Techniken zeigen Wege, die um einiges einfacher sind als altbewährte Methoden.

Nach der Vorstellung der Strick-Techniken gibt es hilfreiche Hinweise, um eigene Kleidungsstücke zu designen. Auch die verschiedene Wollsorten werden beschrieben. Danach geht es um etwas, das diese Designerin auszeichnet: Ihre Verwendung von Garnresten und dem Verknoten von Fadenenden anstatt dem Vernähen.

Die letzten Kapitel sind den Strickanleitungen vorbehalten, es sind drei pro Kapitel. Die Projekte werden sehr ausführlich erklärt, und Fotos zeigen verschiedene Variationsmöglichkeiten. Die Auswahl der Strickstücke ist groß. Es geht mit einem Scrunchie los, um die Haare zusammenzubinden. Daneben gibt es Anleitungen für ein Kissen und eine Decke, Pullover für Groß und Klein, eine Jacke, ein Kleid und mehr.

Wie gesagt, eine Besonderheit der Autorin ist das Stricken mit Garnresten. Das sorgt für einen individuellen Look der Strickstücke. Dazu wird die Grundfarbe mit einem passenden Rest verknotet. Hilfreich sind dabei die Tipps zur Farbgestaltung, denn ein solcher Pullover wird bunt!

Mir persönlich gefällt der Stil der Kleidungsstücke weniger, vielleicht sind sie eher etwas für Jüngere. Auf Ravelry oder Instagram kann man sich gut einen Eindruck verschaffen.

Fazit: 5 Sterne für die Beschreibungen der Strick-Techniken und 3 Sterne für die Foto- und Modellauswahl ergibt glatte 4 Sterne!

Veröffentlicht am 27.10.2022

Kleidungsstücke individualisieren

Einfach bestickt. Kreative Ideen für eine individuelle Garderobe
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Dieses Buch beeindruckt mit wertvollen allgemeinen Hinweisen zum Besticken von Kleidungsstücken und mit sehr vielen wunderschönen Projekten.

In einem ausführlichen ersten Teil erfahren Stickerinnen alles, ...

Dieses Buch beeindruckt mit wertvollen allgemeinen Hinweisen zum Besticken von Kleidungsstücken und mit sehr vielen wunderschönen Projekten.

In einem ausführlichen ersten Teil erfahren Stickerinnen alles, was sie über das Sticken wissen müssen. Verschiedene Stoffarten und Stickgarne werden beschrieben und die Vor- und Nachteile erklärt. Auch Nadeln und andere Hilfsmittel werden beleuchtet. Dann geht es um wichtige Tipps zum Sticken. Sitzhaltung, Licht und hilfreiche Utensilien sind nur einige der Themen.

Besonders wertvoll ist die anschließende Beschreibung der Stickstiche. Es werden zwar nicht alle Stiche erklärt, das Buch beschränkt sich auf die Stiche, die in den Projekten des Buchs benutzt werden. Aber es sind auf jeden Fall mehr als genug Stiche, und mit einem QR-Code kann man außerdem entsprechende Videos aufrufen. Der einführende Teil endet mit Hinweisen zum Übertragen der Motive auf den Stoff.

Die vielen Projekte sind in mehrere Kapitel aufgeteilt. So gibt es für den Anfang kleine Projekte, wie ein Regenbogen oder Papierflieger. Danach folgen größere Projekte, das heißt sie sind aufwändiger und etwas schwieriger. Zum Schluss gibt es ein Kapitel mit Accessoires, die bestickt werden können, wie Sneakers oder Taschen.

Die Anleitungen sind sehr ausführlich und enthalten hilfreiche Bilder der einzelnen Schritte. Bei jedem Projekt ist ein Hinweis auf den Schwierigkeitsgrad, außerdem werden die benötigten Materialien und Zubehör aufgezählt und Hinweise zur Vorbereitung erklärt. Sehr schön sind auch die Extra-Tipps, die Möglichkeiten zum Abändern und Erweitern der Modelle aufzeigen.

Mit den ausführlichen Anleitungen und wunderschönen Bildern macht dieses Buch Lust gleich loszulegen. Schon beim Durchblättern entstehen im Kopf Ideen, was man mit den einzelnen Motiven außerdem verzieren könnte. So sind die Gestaltungsmöglichkeiten endlos! Am Ende des Buchs gibt es viele Seiten mit Vorlagen, die abgepaust werden können, und nach dem Ausprobieren dieser ersten Designs und mit den vielen Hinweisen und Tipps im Buch, können leicht eigene Designs kreiert werden.

Fazit: Ein Buch, das begeistert! Hilfreiche Tipps und Hinweise, wunderschöne Projekte und ausführliche und durchgehend bebilderte Erklärungen sorgen für großen kreativen Stick-Spaß. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 27.10.2022

Wer kann mir wirklich in der Not helfen?

Füll du mich mit Kraft
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Hiskia möchte von Herzen gern Gottes Willen tun. Darum ist es für ihn der größte Schmerz, als er entdeckt, dass seine geliebte Ehefrau fremde Götter anbetet. Nicht nur das, sie hat diesem Götzen ihr erstgeborenes ...

Hiskia möchte von Herzen gern Gottes Willen tun. Darum ist es für ihn der größte Schmerz, als er entdeckt, dass seine geliebte Ehefrau fremde Götter anbetet. Nicht nur das, sie hat diesem Götzen ihr erstgeborenes Kind versprochen. Wutentbrannt zerstört Hiskia die Götzenfigur und verbannt seine Frau aus seinem Leben.

Sein Eifer gegen die Götzen führt zu schlimmen Brandwunden, die ihn in Lebensgefahr bringen. Auf übernatürliche Weise rettet Gott sein Leben und Hiskia ist von Herzen dankbar. Doch schon bald vergisst er, dass er ohne Gott nichts wäre. Als fremde Nationen ihm huldigen, lässt er sich nur zu gern umgarnen.

Sein Berater überzeugt ihn davon, dass Bündnisse mit anderen Ländern ihre einzige Rettung vor der Bedrohung der Assyrer sind. Hiskias Herz entfernt sich von Gott, als er auf seine eigene Kraft und Rettungspläne schaut. Doch werden seine menschlichen Helfer wirklich da sein, wenn er sie braucht? Ist es besser sich auf menschliche Armeen zu stützen oder auf den allmächtigen Gott?

Dieses Buch ist der dritte Band in einer fünfteiligen Reihe über die jüdischen Könige Hiskia und Mannasah. Das Buch lässt sich jedoch gut unabhängig von den anderen Bänden lesen.

Die Erzählung bleibt recht nah am biblischen Text, doch dadurch, dass die Geschichte ausführlich erzählt wird, werden die Lektionen, die wir von diesen Königen lernen können, präsenter. Stellenweise gibt es Längen, wodurch die Spannung etwas nachlässt.

In diesem Buch geht es vor allem um die Frage, wer in Notzeiten helfen kann, auf wessen Hilfe Verlass ist. Gerade die letzte Szene im Buch, in der das Volk Israel eine unbegreifliche Rettung erlebt, macht deutlich wie groß Gottes Allmacht ist, und wie vergeblich es ist getrennt von ihm Hilfe zu suchen.

Die Erzählung enthält mehrere längere Bibelstellen, vor allem aus dem Buch Jesaja und den Psalmen, die sich gut in die Geschichte einfügen und so ganz neu wahrgenommen werden können.

Fazit: Bibelgeschichte nacherzählt – in diesem Buch wird der König Hiskia mit seinen guten und schlechten Seiten dem Leser nahegebracht. Seine Entscheidungen fordern heraus eigene Motive zu prüfen und Hilfe allein bei Gott zu suchen. Sehr empfehlenswert!