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Veröffentlicht am 06.02.2020

Bin ich nur das, was andere in mir sehen?

Die zweifelhafte Miss DeLancey
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Clara DeLancey ist mit ihren 25 Jahren in den Augen der meisten schon eine alte Jungfer. Als sie noch jünger war, hatte sie einige Verehrer. Doch mit dem Mann, den sie eigentlich hätte heiraten sollen, ...

Clara DeLancey ist mit ihren 25 Jahren in den Augen der meisten schon eine alte Jungfer. Als sie noch jünger war, hatte sie einige Verehrer. Doch mit dem Mann, den sie eigentlich hätte heiraten sollen, hat es nicht funktioniert. Obwohl es in den Augen ihrer Eltern eine vorteilhafte Verbindung gewesen wäre, liebte dieser Mann eine andere. Inzwischen ist er glücklich mit ihr verheiratet, und Clara ist einsam und verzweifelt. Sie schämt sich für ihr Verhalten, als sie das Herz dieses Mannes unbedingt gewinnen wollte, und sie leidet sehr darunter, dass ihre Gefühle nicht erwidert wurden.

Clara lebt inzwischen mit ihrer Familie im Küstenort Brighton. Ihre Verzweiflung treibt sie oft nachts auf die Klippen. Einmal steht sie gefährlich nah am Rand, und fragt sich ob ihr Leben überhaupt noch sinnvoll ist. In ihrer Not wird sie von einem jungen Mann gerettet. Schnell flieht sie in die Nacht, denn sie möchte nicht erkannt werden. Zu peinlich ist ihr dieses Erlebnis.

Dieser junge Mann hat seine eigenen Probleme, denn er hatte erst kürzlich ein traumatisches Erlebnis. Er verlor dabei seine Karriere und seinen Besitz.

In einer Bücherei trifft Clara zwei freundliche Schwestern. Auch wenn ihre Eltern dagegen sind, dass sie Zeit mit Menschen verbringt, die einem niedrigerem Stand angehören, tut Clara diese Freundschaft sehr gut. Sie beginnt sich wieder mit dem Glauben zu beschäftigen und findet bei Gott Annahme und Halt. Langsam beginnt sie zu erkennen, dass sie auch ohne Ehemann wertvoll ist. Dabei gibt es einen jungen Mann, von dem sie fasziniert ist. Aber es scheint völlig unmöglich zu sein, dass die beiden Menschen zueinanderfinden.

Dieses Buch nimmt den Leser mit hinein in die aufregende Welt der Regency-Ära. Es ist der dritte Teil einer dreiteiligen Reihe, aber man kann es gut lesen, ohne die beiden anderen Bände zu kennen. In der Welt der Reichen sind die Bälle traumhaft, doch es wird boshaft getratscht. Das Standesdenken spielt eine große Rolle, und beim Lesen spürt man, wie tief die Kluft zwischen dem Adel und den niederen Ständen ist. Kaum vorstellbar in unserer Zeit, ist die Bedeutung einer Ehe für eine junge Frau, die ihr Wert und einen Platz in der Gesellschaft verleiht. Dabei geht es weniger um Liebe als um eine passende Verbindung.

Besonders spannend beim Lesen ist die Entwicklung Claras. Aus tiefster Verzweiflung findet sie zurück zu einem lohnenden Leben. Ihre Fragen bewegen auch den Leser. So fragt sie sich, wie sie vergeben kann. Sie lernt für ihre Feinde zu beten und sieht wie viel besser es ihr damit geht als mit Hass. Vor allem fragt sie, wer bin ich? Wer ist Clara? Sie findet den Mut sich nicht nur nach den Vorstellungen ihren Eltern zu richten, sondern Gott zu fragen, was er aus ihrem Leben machen will.

Fazit: Ein traumhafter Ausflug in die Zeit Jane Austens. Dieses Buch verbindet eine zarte Liebesgeschichte mit schweren Fragen, wie die Frage nach dem Selbstwert, nach Vergebung und nach echter Freundschaft. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 06.02.2020

Geschwister können nerven, aber man kann sie nicht ersetzen

Hilfe, ich habe meinen Bruder im Internet getauscht!
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Der 9jährige Johnny hat einen älteren Bruder, den er manchmal am liebsten loswerden würde. In letzter Zeit kann Ted nämlich richtig nerven. Er lacht seinen kleinen Bruder aus und macht Witze auf seine ...

Der 9jährige Johnny hat einen älteren Bruder, den er manchmal am liebsten loswerden würde. In letzter Zeit kann Ted nämlich richtig nerven. Er lacht seinen kleinen Bruder aus und macht Witze auf seine Kosten. Vor allem hat er nur noch selten Lust mit Johnny zu spielen.

Ein Werbebanner im Internet springt Johnny ins Auge. Gibt es so etwas wirklich? Eine Plattform, auf der man seine Geschwister tauschen kann? Das klingt zu gut, um wahr zu sein. Und die Seite garantiert die Zufriedenheit des Kunden. Wenn der neue Bruder oder die neue Schwester den Erwartungen nicht entspricht, kann man einfach einen neuen anfordern.

Johnny tippt aufgeregt seine Wünsche ein. Er weiß ziemlich schnell, was für einen Bruder er sich wünscht. Und tatsächlich, schon bald danach ist sein Bruder verschwunden, und ein neuer Bruder steht vor der Tür. Der Spaß kann beginnen! Doch nach den ersten spaßigen Stunden gibt es Probleme. Zum Glück ist das Team der Geschwistertauschseite schnell bereit für einen neuen Bruder zu sorgen.

Das geht einige Male so, und Johnny erlebt mit seinen neuen Brüdern einige Überraschungen. Ob die Geschäftsidee funktionieren wird, und er einen Bruder bekommen kann, der genau richtig für ihn ist? Auf jeden Fall wird es zum Schluss noch einmal richtig spannend und gefährlich!

Dieses Buch ist interessant und humorvoll geschrieben, und auch wenn Jungs in der Geschichte eine große Rolle spielen, ist die Geschichte sowohl für Mädchen als auch für Jungs interessant. Das Cover fällt ins Auge. Die Illustrationen sind eine schöne Auflockerung der Geschichte, und sie passen gut zum Erzählten.

Die fantasievolle Geschichte ist nicht realistisch, das merkt der Leser schnell, denn es spielen auch nichtmenschliche Wesen eine Rolle. Aber natürlich ist ja schon der Gedanke, dass ein Familienmitglied im Internet getauscht werden kann – zum Glück – nicht realistisch. Der Lerneffekt ist auf jeden Fall trotzdem da. Diese Geschichte weckt Dankbarkeit für echte Geschwister, auch wenn sie nicht perfekt sind.

Das Ende ist spannend, aber teilweise nicht so ganz nachvollziehbar. Alle offenen Fragen werden schnell und glatt gelöst. Aber das dürfte jüngere Leser überhaupt nicht stören. Das angegebene Alter, ab acht oder neun Jahren, passt sehr gut.

Fazit: Ein lustiges Kinderbuch über Geschwisterliebe, mit einer verrückten und zeitgemäßen Idee. Lesenswert und empfehlenswert!

Veröffentlicht am 04.02.2020

Witzige Sprachunterschiede, die zeigen wie unterschiedlich Menschen und Kulturen sind

Hä? Die schönsten unübersetzbaren Wörter der Welt
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Es ist schon sehr interessant, wie unterschiedliche Sprachen sind. Während es in Wüstenländern verschiedene Wörter für Sand gibt, gibt es in kalten Ländern eine Vielzahl von Wörtern für Schnee. Und nicht ...

Es ist schon sehr interessant, wie unterschiedliche Sprachen sind. Während es in Wüstenländern verschiedene Wörter für Sand gibt, gibt es in kalten Ländern eine Vielzahl von Wörtern für Schnee. Und nicht nur Menschen drücken sich, je nach Sprache, ganz unterschiedlich aus, auch Hühner krähen in Deutschland ganz anders als in Island.

Die Verschiedenheit der Sprachen ist interessant und faszinierend. Die beiden Autoren dieses Buchs haben allerlei sprachliche Merkwürdigkeiten zusammengetragen. Einige Begriffe, die sich nicht so leicht übersetzen lassen, werden mit lustigen Anekdoten erklärt. Da gibt es die ältere italienische Dame, die sich um Katzen kümmert, oder das Gefühl der inneren Trägheit nach einem Sonnenbad. Aber neben diesen 52 unübersetzbaren Begriffen, enthält dieses Buch noch sehr viel mehr Wissenswertes in Bezug auf Sprachen.

Bunt zusammengetragen, liest sich dieses Buch wie eine Illustrierte. Da gibt es Bilder von Schildern, die lustige Übersetzungsfehler enthalten, oder Sprichwörter, die dasselbe ausdrücken, doch jeweils andere Bilder zur Hilfe nehmen. Interessant ist außerdem, dass ein Marienkäfer in Russland eine Kuh ist, und in Dänemark eine Henne, oder dass es den Deutschen immer noch nicht geglückt ist ein Wort zu finden, das ausdrückt, dass man keinen Durst mehr hat.

Diese sprachliche Reise findet überwiegend in Europa statt, was ein bisschen schade ist. Es kommen einige Beispiele aus Afrika und Asien vor, aber der Schwerpunkt liegt eindeutig auf die europäischen Sprachen.

Die einzelnen Betrachtungen sind schnell gelesen, darum ist dieses Buch gut zum Blättern und Verweilen geeignet. In den sechs Kapiteln wird jeweils ein anderer Schwerpunkt gelegt; es geht einmal um Menschen, dann um Speisen, den Körper, die Sinne, Tiere und um Nützliches für unterwegs. Zum Schluss findet der Leser noch unübersetzbare deutsche Wörter.

Fazit: Ein lustiges und unterhaltsames Buch, in das man immer wieder gerne hineinschauen wird. Besonders Menschen, die sich für verschiedene Sprachen und Kulturen interessieren, werden sicher viel Freude an diesem Buch haben.

Veröffentlicht am 02.02.2020

Kurz zubereiten, im Backofen garen, und fertig!

Fächergemüse (Hasselbackgemüse) aus dem Ofen – einfach, lecker, gefüllt. Rezepte, die selbst harte Gemüsemuffel weich werden lassen
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Die vielfältigen Rezepte in diesem Buch folgen alle einem Prinzip: Kartoffeln, Gemüse oder Obst werden eingeschnitten, bestrichen oder gefüllt, gewürzt und in den Backofen geschoben. Und schon ist ein ...

Die vielfältigen Rezepte in diesem Buch folgen alle einem Prinzip: Kartoffeln, Gemüse oder Obst werden eingeschnitten, bestrichen oder gefüllt, gewürzt und in den Backofen geschoben. Und schon ist ein gesundes, leckeres Essen fertig!

Die 30 Rezepte in diesem Buch sind in drei Kategorien unterteilt. Es gibt Speisen ohne Fleisch und mit Fleisch, und köstliche Desserts. Am Anfang gibt die Autorin einige Tipps und Kniffe weiter, die sich bei allen Fächergerichten anwenden lassen. Man spürt schnell, dass man bei dieser Zubereitungsart leicht selbst kreativ werden, und verschiedene Zutaten miteinander ausprobieren kann.

Auf jeder Doppelseite findet sich ein Rezept. Rechts ist ein appetitliches Bild zu sehen, links werden die einzelnen Arbeitsschritte erklärt. Oben gibt es noch Hinweise zu den Utensilien und der Zubereitungs- und Garzeit. Unter dem Rezept stehen manchmal Tipps, Austauschmöglichkeiten, oder Hinweise zu außergewöhnlichen Zutaten.

Bei den Hauptgerichten werden oft Kartoffeln, Zucchini oder Auberginen in verschiedenen Variationen zubereitet, aber es gibt auch ungewöhnlichere Gemüsesorten. Bei den Rezepten mit Fleisch wird das Gemüse beispielsweise mit Würstchen, Speck oder Salami gefüllt. Ganz wichtig sind die Kräuter und verschiedene Öle, die dem Ganzen die richtige Würze verleihen. Unerwartet, aber eine große Bereicherung, sind die Dessertrezepte. Gefüllte Birnen, Äpfel oder Ananas sind sicher ein besonderer Abschluss eines festlichen Essens.

Die Aufmachung erinnert an ältere Kochbücher, aber außer der etwas kleineren Schrift ist das kein Nachteil. Das Register listet nicht die Rezepte in alphabetischer Reihenfolge auf, sondern geordnet nach Zutaten, was beim spontanen Kochen sehr hilfreich ist.

Fazit: Ein abwechslungsreiches kleines Kochbuch, mit sehr schönen Rezeptideen. Die Idee Gemüse fächerförmig zuzubereiten überzeugt, denn die Gerichte sind einfach und schnell zubereitet, und auch noch lecker. Sehr zu empfehlen!

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Veröffentlicht am 01.02.2020

Ein traumhafter Ort als Modell für unsere Zukunft

Hier und Jetzt
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Peter Maffay ist in Deutschland vor allem als Sänger bekannt. In diesem Buch geht es jedoch weniger um Musik als vielmehr um wichtige Werte für unsere Gesellschaft. Maffay gibt persönliche Einblicke in ...

Peter Maffay ist in Deutschland vor allem als Sänger bekannt. In diesem Buch geht es jedoch weniger um Musik als vielmehr um wichtige Werte für unsere Gesellschaft. Maffay gibt persönliche Einblicke in seine Lebenserfahrungen und wirbt für seine Überzeugungen. Das alles wird an einem traumhaften Ort festgemacht, dem ökologisch betriebenen Bauernhof, Gut Dietlhof.

Der bekannte Sänger wird 1949 in Siebenbürgen geboren, in Rumänien. Seine Familie leidet unter dem Regime und wandert 1963 nach Deutschland aus. Dort wird Maffay als 20jähriger „entdeckt“, und seine steile Musikkarriere beginnt.

Auf dem Land aufgewachsen, sehnt er sich nach einem Leben in der Natur. Eine Zeit lang lebt er in Kanada, doch da seine Lieder vor allem in Deutschland gefragt sind, muss er sehr viel reisen. Als nächstes baut er auf Mallorca ein Landgut auf, doch inzwischen fühlt er sich am ehesten in Deutschland zuhause. Da ist es für ihn wie ein Wunder, dass er einen schönen und bezahlbaren Bauernhof in der Nähe seines Wohnorts finden kann, das Gut Dietlhof in Bayern.

Nach einer kurzen Erläuterung seiner Lebensstationen, geht Maffay im Rest des Buchs auf wichtige Werte ein. Dabei nimmt er den Leser mit auf einen Spaziergang über sein Gut. An jeder Station greift er ein aktuelles Thema auf und beschreibt seine Hoffnung für die Zukunft. Denn dieses Buch ist auf jeden Fall sehr hoffnungsvoll und positiv. Maffay wünscht sich eine bessere Welt für seine und unsere Kinder, und er möchte Schritte aufzeigen, um dieses Ziel zu erreichen. Er ist überzeugt, wenn alle umdenken, können wir diese Welt retten.

Der Leser erfährt viele wichtige Fakten, zum Beispiel über die Bedeutung des Wassers für unseren Planeten, über nachhaltiges Leben und über gesunde Landwirtschaft. Aber auch kontroverse Themen spart er nicht aus, wie beispielsweise die Flüchtlingspolitik.

Das Gut Dietlhof wird als einen traumhaften Ort beschrieben, an dem traumatisierte Kinder Erholungszeiten erleben können, der Kunde seinen Salat selbst pflücken und bezahlen kann, und es im zugehörigen Café stets eine gute Tasse Kaffee und ein nettes Wort gibt.

Menschen und Begegnungen sind Maffay besonders wichtig. Darum gibt es auf dem Gut auch viele Orte, an denen Gemeinschaft erlebt werden kann; die Mehrzweckscheune, die Kapelle, das Café und die Freizeithäuser.

Die Aufzählung der vielen Vorzüge des Guts wirkt manchmal zu positiv, fast unecht, aber um das zu beurteilen, müsste man sich vor Ort selbst ein Bild von diesem Bauernhof machen. Aber beim Lesen schleichen sich doch manchmal leise Zweifel ein. Einerseits umweltbewusst und nachhaltig, andererseits viele Flüge nach Mallorca und Kanada. Die Welt schützen und ein einfaches Leben führen, doch jeden Morgen eine halbe Stunde Autofahrt, um warme Eier aus dem Stall zu holen. Lieben und aus Fehlern lernen, doch immer mal wieder eine neue Ehefrau. Der Glaube als wichtiger Wert, aber an welchen Gott? Es klingt als würde es eher auf den Glauben ankommen, als auf den Gegenstand des Glaubens. Gott kann demnach das sein, womit jeder sich gerade wohlfühlt.

Trotz dieser Zweifel überwiegt das Positive an diesem Buch. Sehr schön ist, dass Peter Maffay sich nie rühmt für seine vielen guten Werke. Er sieht sie ganz einfach als ein Zurückgeben für alles, was er empfangen hat, und er betont immer wieder, dass es nicht er ist, der das alles macht, sondern sein wunderbares Team. Es ist beeindruckend, dass dieser Künstler sich gerne für bedürftige Menschen in Rumänien und für benachteiligte Kinder auf der ganzen Welt einsetzt.

Fazit: Ein rosaroter Blick auf einen traumhaften Ort in Bayern, mit vielen Vorschlägen, wie wir alle zusammen für eine bessere Welt sorgen können. Empfehlenswert!

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