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Veröffentlicht am 03.09.2019

Mit Terroristen befreundet, um der Welt ihre Motivation zu erklären

Nur wenn du allein kommst
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Die Journalistin Souad Mekhennet kommt als Kind von Gastarbeitern in Deutschland zur Welt. In ihrer Familie vermischen sich Völker und Glaubensüberzeugungen; ihre Mutter stammt aus der Türkei und ist Schiitin, ...

Die Journalistin Souad Mekhennet kommt als Kind von Gastarbeitern in Deutschland zur Welt. In ihrer Familie vermischen sich Völker und Glaubensüberzeugungen; ihre Mutter stammt aus der Türkei und ist Schiitin, ihr Vater ein marokkanischer Sunnit.

Ihre ersten Lebensjahre verbringt sie bei der Großmutter in Marokko. Diese starke selbstbewusste Frau wird ihr zum Vorbild. Von ihrem Großvater lernt sie, wie wichtig die Geschichtenerzähler der Welt sind. Später entschließt sie sich Journalistin zu werden, weil sie überzeugt ist mit ihren Geschichten etwas bewegen und verändern zu können.

Schon während ihres Studiums ist die Autorin freiberuflich für verschiedene Zeitungen tätig. Sie interessiert sich vor allem für den zunehmenden Terrorismus und seinen religiösen Wurzeln. Viele, die in den Dschihad ziehen sind, wie sie, Migrantenkinder. Immer wieder stellt sie sich die Frage, ob sie sich in eine ähnliche Richtung entwickelt hätte, wenn ihre Ausgangssituation nicht so günstig gewesen wäre.

Der Kreis ihrer Informanten und Freunde wächst. Als Frau, Muslimin und Kind von Einwandern findet sie in den unterschiedlichsten Kreisen schnell Vertrauen. Bei einigen brisanten Interviews begibt sie sich in Lebensgefahr. Auch wenn sie große Angst hat, lässt sie sich nicht davon abhalten, denn sie ist von dem Wunsch getrieben, die Motive von Terroristen und Attentätern herauszufinden.

Das Buch folgt ihrer Biographie und nimmt den Leser mit in viele Länder des Nahen Ostens, und immer wieder zurück nach Europa. Souad Mekhennet ist immer da zu finden, wo es brennt: im von USA besetzten Irak, in Ägypten beim Arabischen Frühling, in Syrien und der Türkei beim Entstehen vom IS, und dann wieder nach Terrorakten in den betroffenen Städten Europas.

Neben Lebensgeschichten von Terroristen erfährt der Leser warum sich so viele junge Menschen aus Europa aufmachen, um den islamischen Krieg zu unterstützen. Ein wichtiges Thema des Buchs sind die Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten, denn das ist die Ursache von vielen Konflikten.

Dieses ausführliche Buch ist sehr spannend und liest sich wie ein Krimi. Die Autorin berichtet ehrlich von dem, was sie antreibt, und ebenso von Ängsten und persönlichen Krisen. Es könnte manchmal stören, dass die Autorin mehrmals von ihren exklusiven Interviews berichtet, und den lebensgefährlichen Situationen, in denen sie entstanden sind, aber sie stellt sich selbst dabei nicht heraus. Die Mischung aus einer Berichterstattung über aktuelle politische Ereignisse und der persönlichen Auseinandersetzung einer gemäßigten Muslimin mit den Hintergründen dieser Taten ist sehr aufschlussreich.


Fazit: Ein spannender Bericht über eine mutige Frau und ihren vielfältigen Begegnungen, die selbst in die inneren Zirkel von Dschihadisten reichen. Die Autorin versteht es auf bewundernswerte Weise einfach und sachkundig von aktuellen Ereignissen in der islamischen Welt zu berichten.

Veröffentlicht am 01.09.2019

Leben nach dem Geld

Letzte Rettung: Paris
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Die 65jährige Frances Price ist schon lange verwitwet. Unerwartet wird sie mit der schrecklichen Nachricht konfrontiert, dass ihr riesiges Vermögen aufgebraucht ist. Sie hatte zwar mit vollen Händen Geld ...

Die 65jährige Frances Price ist schon lange verwitwet. Unerwartet wird sie mit der schrecklichen Nachricht konfrontiert, dass ihr riesiges Vermögen aufgebraucht ist. Sie hatte zwar mit vollen Händen Geld verschwendet, aber eigentlich geplant tot zu sein, bevor ihre Mittel aufgebraucht sind.

Alle Immobilien werden verkauft, um die Schulden zu bezahlen. Ihr bleibt nur ein größerer Geldbetrag, den sie mit nach Paris nimmt. Dort kann sie in dem ungenutzten Apartment einer Freundin unterkommen.

Sie wird von ihrem erwachsenen Sohn und ihrer Katze begleitet. Sohn Malcolm ist teilnahmslos und passiv. Er lässt sein Leben von seiner Mutter leben. Daran scheitert auch die Beziehung zu seiner Verlobten. Er kann sich weder den Wünschen seiner Mutter widersetzen, noch selbst etwas genug wollen, um selbstständig zu handeln.

In der Katze lebt, nach Ansicht von Mutter und Sohn, der Geist des verstorbenen Familienoberhaupts. Dieser rücksichtslose Mann ist nun, als Kater, recht hilflos. Als er in Paris verschwindet, werden viele Bekannte in der Suche eingebunden. Durch alle Turbulenzen hindurch werden Fremde zu Freunden. Nach einer gemeinsamen Party findet Frances‘ großer Plan seine Vollendung.

Diese Geschichte ist gut erzählt. Die skurrilen Charaktere und zufällige Begegnungen erinnern an die Geschichten vom hundertjährigen Mann. Was aber bei dieser Geschichte fehlt, ist ein überzeugender Handlungsstrang.

Die merkwürdige Verbindung zwischen Mutter und Sohn bietet Stoff zum Nachdenken. So ist es für die Mutter, die sich in den ersten Lebensjahren ihres Sohnes gar nicht um ihn gekümmert hat, selbstverständlich, dass sie selbst im selben Haus lebend, abendliche Telefonate mit ihrem Sohn führt. Seine Passivität und Gleichgültigkeit lassen fragen, warum er so geworden ist.

Der Charakter von Frances verändert sich im Laufe der Geschichte, sie wird verständnisvoller und freundlicher. Immer wieder gibt es Rückblenden, die den Leser teilhaben lassen an ihrer und Malcolms Kindheit und Familienjahre.

Die Szenen mit dem Geist der Katze sind äußerst merkwürdig und lassen einige Fragen offen. Ein wiederkehrendes Thema ist der Freitod. Insgesamt ist es ein Buch, das vielleicht für ein paar unterhaltsame Stunden sorgt, aber mit seinem Nihilismus keine Hoffnung bietet.


Fazit: Gute Ansätze, die aber nicht überzeugen. Die Familienkonstellation bietet Stoff zum Nachdenken, der Erzählstil ist interessant, aber die Handlung, und vor allem das Ende, enttäuschen und lassen den Leser unbefriedigt zurück.

Veröffentlicht am 26.08.2019

Abwechslungsreiche Mahlzeiten im Camping-Urlaub

Die Familien-Campingküche
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Wer hätte gedacht, dass man im Urlaub mit einfachen Mitteln so abwechslungsreich essen kann? Dieses Buch enthält eine Vielfalt von Rezepten für den Camping-Urlaub einer Familie mit kleinen Kindern.

Nach ...

Wer hätte gedacht, dass man im Urlaub mit einfachen Mitteln so abwechslungsreich essen kann? Dieses Buch enthält eine Vielfalt von Rezepten für den Camping-Urlaub einer Familie mit kleinen Kindern.

Nach einer kurzen Einführung mit grundsätzlichen Informationen, folgen Rezepte für das Frühstück, für Salate, für Gegrilltes, aus dem Topf, für Fingerfood und für Nachspeisen. Einige Rezepte sind vielleicht schon als Campingplatz-Hits bekannt, z.B. Stockbrot oder Steckerlfisch. Besonders interessant sind die Ideen, wie Gewohntes vereinfacht und dem Camping-Urlaub angepasst werden kann. So gibt es beispielsweise Rezepte für Pizza und für Lasagne, die jeweils in der Pfanne gemacht werden und nicht im Backofen.

In der Einführung erfährt der Leser welche Utensilien und Lebensmittel ins Gepäck gehören. Hilfreich ist hier auch die kleine Umrechnungstabelle, damit der Koch ohne Küchenwaage auskommt.

Die Rezepte sind jeweils für vier Personen berechnet. Einige kurze, persönliche Worte leiten das jeweilige Rezept ein. Neben einer Zutatenliste und der ausführlicheren Anleitung, findet sich zu jedem Rezept ein ansprechendes Bild des Gerichts. Bei manchen Rezepten gibt es ein Tausch-Tipp, um das Gericht abzuwandeln. Das Buch wird mit kleinen Bildern aufgelockert, die in Camping-Stimmung versetzen.

Auch das Rezeptregister ist praktisch, denn alle Gerichte lassen sich anhand von gängigen Lebensmitteln dort finden. Ob Lachs, Garnelen, Kekse oder Schokolade, ganz schnell findet der Koch das passende Rezept.


Fazit: Bunt und abwechslungsreich, enthält dieses praktische Buch viele leckere Rezepte für den Camping-Urlaub einer kleinen Familie.

Veröffentlicht am 01.08.2019

Anspruchsvolle Texte, die neue Denkwelten eröffnen

Durchblicke
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Der beliebte britische Autor C. S. Lewis schrieb, unter anderem, die bekannten Kinderbücher über Narnia. Aber nicht nur Kinder freuen sich an seinen Werken; neben einigen anderen Romanen, schrieb er viele ...

Der beliebte britische Autor C. S. Lewis schrieb, unter anderem, die bekannten Kinderbücher über Narnia. Aber nicht nur Kinder freuen sich an seinen Werken; neben einigen anderen Romanen, schrieb er viele einsichtsreiche Texte und Werke über den christlichen Glauben.

In diesem Buch wurden etwa vierzig Texte zusammengestellt, die bisher nicht auf Deutsch erschienen sind. Die Texte sind unterschiedlich lang und stammen aus verschiedenen Quellen. Neben Briefen und Zeitschriftenartikel, finden sich beispielsweise Vorträge und Buchrezensionen.

Am Anfang des Buchs steht eine Erklärung zu jedem Text. Der Leser erfährt wann der Text geschrieben bzw. veröffentlicht wurde und erhält eine kurze Zusammenfassung. Die Texte sind in drei Bereiche eingeteilt; philosophische-theologische, geistesgeschichtliche und literaturwissenschaftliche Durchblicke. Umfangreiche Fußnoten ergänzen den Text und erklären beispielsweise lateinische Ausdrücke oder Hintergründe zu Autoren oder der damaligen Zeit.

Die zwanzig philosophisch-theologische Durchblicke befassen sich mit sehr verschiedenen Fragestellungen rund um Glaube und Weltbild. So geht es beispielsweise um die Frage, ob Jesus Angst hatte, und darüber hinaus, inwieweit er auf Erden Mensch oder Gott war. Auf die Frage, wie Gott es wohl sieht, wenn wir uns immer wieder für das Böse entscheiden, antwortet Lewis mit einem eindrücklichen Bild von einem Hund auf einem Spaziergang, der von Herzen gerne denselben Weg gehen will wie sein Herrchen, der aber doch immer mal wieder auf Abwege gerät.

Der zweite Teil enthält neun geistesgeschichtliche Durchblicke. Diese Texte sind zumeist etwas länger und vielleicht nicht so interessant für den christlichen Leser. Viele dieser Texte befassen sich mit Lewis‘ Fachgebiet und vermitteln ein besseres Verständnis vom Mittelalter und der Renaissance. Andere sind kurz und einprägsam, wie das humoristische Stück über Weihnachten.

Die neun Texte im literaturwissenschaftliche Teil sind zumeist Buchbesprechungen oder Erklärungen über die Werke von C. S. Lewis. Der Leser erhält interessante Beobachtungen über die bekannten Werke Tolkiens, der ein guter Freund von Lewis war. Die Gedanken über Märchen und Kinderbücher laden zum Nachdenken darüber ein, was eine gute Geschichte ausmacht.

Die Bücher über Narnia helfen ja den christlichen Glauben zu verstehen und neu zu schätzen. Lewis schreibt über die uns so bekannte Glaubensinhalte, „Doch angenommen, man könnte, indem man all diese Dinge in eine erfundene Welt verlegt und sie von ihrer Assoziation mit Glasfenstern und Sonntagsschule befreit, sie zum ersten Mal in ihrer wahren Kraft erscheinen lassen?“

Auch wenn einige Texte anspruchsvoll sind, enthält dieses Buch sehr viele wertvolle Denkanstöße. Es ist ein Buch zum langsamen Genießen und immer wieder neu lesen und durchblättern. Bei der großen Bandbreite der Texte, wird jeder Leser seine persönlichen Lieblingstexte finden. Auch wenn C. S. Lewis ein großer Denker war, sind viele Gedanken sehr leicht zu verstehen, vor allem da sie mit Beispielen aus dem Leben veranschaulicht werden. Obwohl diese Texte vor längerer Zeit geschrieben wurden, sind viele Gedanken erstaunlich aktuell.

So beobachtet Lewis schon damals unsere Konsumsucht und schreibt darüber, „Könnten unsere Vorfahren die unsrige besuchen, so würde sie umgekehrt unsere Überzeugung äußerst schockieren und verwundern, alles sei provisorisch und werde schnell überholt sein – dass das Hauptgeschäft unseres Lebens das Erlangen von Gütern ist, die wir noch nie hatten, und nicht die Verteidigung und Erhaltung jener Dinge, die wir bereits haben.“


Fazit: Ein wertvolles Buch für Menschen, die gerne denken und ihr Horizont erweitern. Dieses Buch enthält gute theologische Gedankenanstöße, aber auch Texte über die Themengebiete Weltgeschichte und Literatur. Sehr zu empfehlen!

Veröffentlicht am 01.08.2019

Gott, du bist mir immer nah

Ich weiß, dass du da bist
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Kleine Kinder fragen uns vielleicht wo Gott ist, oder woher wir wissen, dass er da ist, wenn wir ihn nicht sehen oder berühren können. Dieses liebevoll illustrierte Buch gibt Antwort auf diese Fragen. ...

Kleine Kinder fragen uns vielleicht wo Gott ist, oder woher wir wissen, dass er da ist, wenn wir ihn nicht sehen oder berühren können. Dieses liebevoll illustrierte Buch gibt Antwort auf diese Fragen.

Die kurzen Verse sind besonders gut geeignet für kleinere Kinder. Die knappen Vierzeiler sind anschaulich und eingängig. Auf jeder Doppelseite geht es um ein anderes Naturphänomen: der Wind, die Sonne, der Himmel, die Wolken, der Mond, die Sterne, ein Regenbogen, Regen und Donner, Saat und Blumen, der Schnee. Auf der letzten Seite heißt es dann, „Mein lieber Gott, ich seh dich nicht, doch ich weiß, du bist da. Du magst mich sehr und hast mich lieb und bist mir immer nah. Weil du nicht nur im Himmel thronst, sondern sogar in mir wohnst, kann ich mir ganz sicher sein: Du lässt mich niemals allein.“

Auf jeder Doppelseite ist ein anderes Kind zu sehen, dazu auch immer ein Tier, als Vertrauter des Kindes. Die Zeichnungen sind, wie so oft in Kinderbüchern, nicht immer realistisch, so rutscht zum Beispiel ein Mädchen einen Regenbogen herunter oder schaukelt am Mond. Die Bilder sind sehr farbenfroh, und wie die Verse, schlicht und ansprechend.

Es ist schade, dass das Buch so kurz ist. Die Bilder und Texte erstecken sich über zwölf Doppelseiten. Auf den letzten Seiten werden sechs weitere Bilderbücher beworben.


Fazit: Ein ansprechendes, schön illustriertes Buch, das kleinen Kindern auf anschauliche Weise erklärt, dass Gott uns ganz nahe ist, auch wenn wir ihn nicht sehen. Sehr zu empfehlen!