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Veröffentlicht am 08.12.2024

Wenn Religion missbraucht wird

„Gott habe ihm gesagt, er solle mich zur Frau machen“
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Der evangelische Pfarrer Rolf nutzt jahrelang seine geistliche Stellung, um junge Frauen sexuell zu missbrauchen. Obwohl es viele Berichte, Anfragen und Beschwerden gibt, dauert es lange, bis es zu einem ...

Der evangelische Pfarrer Rolf nutzt jahrelang seine geistliche Stellung, um junge Frauen sexuell zu missbrauchen. Obwohl es viele Berichte, Anfragen und Beschwerden gibt, dauert es lange, bis es zu einem Prozess kommt. Diese Studie untersucht die vorliegenden Fakten dieses Falles, um herauszufinden, warum Pfarrer Rolf so lange ungehindert Menschen missbrauchen konnte.

Das Buch ist ein wissenschaftlicher Bericht und dementsprechend anspruchsvoll zu lesen. Es untersucht nacheinander die Persönlichkeit Rolfs, die Erfahrungen der Opfer, die Wahrnehmungen von Menschen in seinem Umfeld und die Möglichkeiten zur Vermeidung ähnlicher Fälle. Dabei stützt sich die Autorin auf Predigten und Schriftstücke des Pfarrers, Besprechungsprotokolle, Tagebucheinträge und andere Quellen. Besonders hervorzuheben sind die Interviews mit den Opfern und Menschen aus dem Umfeld der Vorfälle. Auffallend ist, dass die Ehefrau des Täters als eher unklare Figur im Hintergrund bleibt.

Die erste Hälfte des Buches, die sich ausführlich mit der Amtsführung des Pastors befasst, scheint in ihrer Ausführlichkeit nicht immer relevant für das Hauptthema. Besonders aufschlussreich sind jedoch die Aussagen der Betroffenen. Sie verdeutlichen, welche Charaktereigenschaften des Täters – Charisma, geistliche Autorität und Empathie – es ihm ermöglichten, über Jahre hinweg viele junge Frauen ungehindert zu missbrauchen. Es ist erschütternd, wie lange ihre Hilferufe ungehört bleiben.

Alle Namen, Orte und Berufe in dieser Studie wurden verändert, um die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen zu schützen. Sie sind aber dokumentiert und können mit entsprechender Genehmigung eingesehen werden.

Fazit: Eine aufschlussreiche Studie über den Fall eines Pfarrers, der unzählige junge Frauen geistlich und sexuell missbraucht hat. Sie zeigt auf, welche Gefahren in der Macht eines geistlichen Amtes liegen und sensibilisiert für Missbrauch, sodass hoffentlich in der Zukunft schneller eingegriffen wird. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 03.12.2024

Wissenschaft vermischt mit Gedankengut von Naturvölkern

Break the Cycle
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Das Buch verspricht wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema, doch der Anfang bietet davon leider nicht so viel. Neben einführenden Gedanken, findet sich hier esoterisches Gedankengut, Erklärungen zu schamanischen ...

Das Buch verspricht wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema, doch der Anfang bietet davon leider nicht so viel. Neben einführenden Gedanken, findet sich hier esoterisches Gedankengut, Erklärungen zu schamanischen Praktiken und viele Wiederholungen.

Positiv daran ist, dass die Autorin ihre Leser auf liebevolle und behutsame Weise ermutigt. Sie macht deutlich, dass die Aufarbeitung familiärer Wunden harte Arbeit erfordert. Es ist spürbar, dass sie viel Wert auf eine sanfte Herangehensweise legt, die den Leser nicht überfordert. Wer dranbleibt und sich nicht von diesem Anfang abschrecken lässt, wird belohnt: Nach dem ersten Drittel des Buches, bieten die Ausführungen wertvolle und tiefgehende Einsichten.

Besonders nützlich sind die zahlreichen Fragen und Checklisten, die es ermöglichen, das Gelesene auf das eigene Leben anzuwenden. Diese Hilfsmittel zur Problemerkennung und Selbsteinschätzung bieten eine praktische Anleitung zur Selbsthilfe. Die Fragen regen zum Nachdenken an und helfen, eigene Verhaltensmuster und emotionale Blockaden zu erkennen. Die Checklisten dienen als wertvolle Werkzeuge, um Fortschritte zu verfolgen und kontinuierlich an sich zu arbeiten.

Die Erklärungen sind einfach und verständlich gehalten, und anschauliche Beispiele verdeutlichen zusätzlich die Inhalte. Allerdings tauchen immer wieder Hinweise darauf auf, verstorbene Personen zu befragen oder zu ehren, was beim Lesen etwas befremdlich wirken kann. Dazu gibt es die Aufforderung heilende Vibrationen oder auch Dankbarkeit zu Verstorbenen zu senden, und die Ermutigung, dass verstorbene Vorfahren besser ruhen können, wenn ich heile.

Fazit: Das Buch bietet viele hilfreiche Ratschläge und ist leicht verständlich. Abgesehen von den esoterischen Elementen, ist es mit wertvollen psychologischen Einsichten und praktischen Hilfsmitteln ein hilfreiches Buch!

Veröffentlicht am 01.12.2024

Wenn eins zum anderen kommt

Der verliebte Schwarzbrenner und wie er die Welt sah
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Algot ist Mitte zwanzig und lebt glücklich und zufrieden als Sohn eines Schweinezüchters. Seine Geschichte beginnt in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in Schweden.

Seine gräflichen Nachbarn verfügen ...

Algot ist Mitte zwanzig und lebt glücklich und zufrieden als Sohn eines Schweinezüchters. Seine Geschichte beginnt in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in Schweden.

Seine gräflichen Nachbarn verfügen zwar über ein riesiges Grundstück für ihre teuren Pferde, doch das reicht ihnen nicht. Zu gern möchten sie die Besitzungen der Schweinebauern haben. Doch der Betrieb von Algots Vater läuft gut. Er will sein Anwesen nicht verkaufen. Da hat der Graf eine Idee, wie er zu seinem Ziel kommen kann.

Das endet damit, dass Algot allein und mittellos ist. Das Einzige, was ihm geblieben ist, ist ein kleines Gerät, mit dem sich Hochprozentiges herstellen lässt. Algot macht sich schlau, entwickelt eine ganz besondere Rezeptur, und hat mit seiner neuen Geschäftsidee Erfolg. Doch dem Grafen reicht es nicht, dass er ihm Vater und Hof weggenommen hat. Er würde am liebsten jede Erinnerung an diese Familie auslöschen.

Algot sieht keinen Ausweg, doch dann lernt er ein wunderschönes, selbstbewusstes Fräulein kennen. Zusammen mit ihrem Vater, kann er seine Geschäftsidee ausweiten. Und wie es bei den Romanen von Jonas Jonasson so ist, schließen sich diesen drei bald noch mehr Verbündete an. Zusammen sind sie stark. Jeder kann einen Beitrag leisten, sodass sich am Ende die Verhältnisse umkehren. Und alles gut wird. Zumindest für die meisten.

Dieser gesellschaftskritische Roman ist lustig und leicht zu lesen. Vor allem aber ist, wie in den anderen Büchern dieses Autors, die Zusammenstellung verschiedener Charaktere, die gemeinsam kämpfen, so unerwartet und skurril, dass durch das Buch eine gute Stimmung aufkommt.

Es dauert am Anfang des Buches, bis die Geschichte an Fahrt aufnimmt. Die ersten Kapitel sind teilweise etwas zäh, und es kann schwerfallen bei den Zeitsprüngen zwischen Geschichte und Vorspann nicht verwirrt zu werden. Doch schon bald ist das Lesen ein einziges Vergnügen.

Schade, dass es so einige Seitenhiebe auf den christlichen Glauben gibt. Das müsste nicht unbedingt sein. Die sozialkritische Komponente dagegen ist gelungen. Thematisch steht das Land Schweden und seine Geschichte im Mittelpunkt. Im Gegensatz zu den anderen Büchern des Autors, wird in diesem Roman nicht so viel gereist. Fast alles spielt sich in einem kleinen, überschaubaren Bereich ab.

Fazit: Ein weiterer Wohlfühlroman eines beliebten Autors. Nach einigen Längen am Anfang, ist dieses Buch spannend und gleichzeitig lustig, die Charaktere sind sympathisch, und es macht einfach Spaß es zu lesen! Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 06.11.2024

Schluss mit Manipulation

Damit sich der Nebel lichtet
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Wir brauchen Beziehungen – Menschen, die das Leben mit uns teilen. Doch das Zusammensein mit anderen ist manchmal gar nicht so leicht. Wenn die gute Stimmung umschlägt und Partner oder Eltern plötzlich ...

Wir brauchen Beziehungen – Menschen, die das Leben mit uns teilen. Doch das Zusammensein mit anderen ist manchmal gar nicht so leicht. Wenn die gute Stimmung umschlägt und Partner oder Eltern plötzlich nur noch abwertende Worte finden, fragt man sich schnell, wie man das hätte verhindern können. Doch vielleicht sind das Anzeichen für eine toxische Beziehung.

Es ist gar nicht so einfach festzustellen, wann eine Beziehung schädlich geworden ist. Die Suche nach Antworten kann sich anfühlen wie ein Umherwandern im Nebel. Meinungsverschiedenheiten sind schließlich normal und gehören zum Leben. Doch wenn ein Partner oder Elternteil den anderen manipuliert und benutzt, um sich selbst besser zu fühlen, handelt es sich vermutlich um eine toxische Beziehung.

Am Beispiel der Geschichte vom Exodus des Volkes Israel aus Ägypten beschreibt die Autorin die Knechtschaft einer schädlichen Beziehung. Anschließend erklärt sie, wie der Weg in die Freiheit aussehen kann. Sie schildert, wie sich Manipulation anfühlt, nennt Taktiken der Täter und untersucht ihre Beweggründe. Die konkreten Handlungsschritte im zweiten Teil des Buches machen Mut und zeigen, dass Veränderung möglich ist.

Die Schreibweise des Buches ist leicht verständlich. Die Autorin verzichtet größtenteils auf schwierige Fachbegriffe. Vier Fallbeispiele sorgen dafür, dass die Informationen leicht nachvollziehbar sind. Der Leser kann sich gut in den beschriebenen Personen wiederfinden und so klarer erkennen, ob eine Beziehung toxisch ist – sei es in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Gemeinde.

Die meisten Beispiele in diesem Buch handeln von Verletzungen, die Eltern ihren Kindern zufügen, beispielsweise indem sie in der Öffentlichkeit ein anderes Gesicht zeigen als zuhause. Doch auch das Leiden am Ehepartner wird thematisiert, ebenso wie Probleme mit Vorgesetzten. Durch das breite Spektrum der Anwendungsbeispiele ist dieses Buch sicher für jeden interessant, der mit Menschen zu tun hat. Es ist wohltuend zu erleben, wie sich der Nebel beim Lesen lichtet und immer klarer zu erkennen ist, wo Menschen nicht richtig miteinander umgehen.

Die Stimme der Autorin ist verständnisvoll und mitfühlend. Immer wieder fordert sie ihre Leser auf, innezuhalten und eine Pause zu machen, um das Gelesene besser zu verkraften. Sie liefert gleich Atem- und Bewegungsübungen für diese Zeiten mit.

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch für jeden, der sich einen klareren Durchblick bei Beziehungen wünscht. Es bietet viele Informationen, um toxische Beziehungen zu erkennen, und wertvolle Tipps, um Grenzen zu setzen und Missbrauch ein Ende zu bereiten.

Veröffentlicht am 05.11.2024

Worte

Wir treffen uns zwischen den Zeilen wieder
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In diesem Buch geht es um Worte und um Trauer. Worte, die nicht ausgesprochen werden. Worte, die klären. Worte, die verwirren. Trauer, die sich verändert, aber nie ganz verschwindet. „Trauer nimmt immer ...

In diesem Buch geht es um Worte und um Trauer. Worte, die nicht ausgesprochen werden. Worte, die klären. Worte, die verwirren. Trauer, die sich verändert, aber nie ganz verschwindet. „Trauer nimmt immer neue Formen an, wandelt sich genauso stark wie die Menschen, die sie durchlaufen, Augenblick für Augenblick, Schritt für Schritt, Tag für Tag.“

Zu Beginn der Geschichte ist Ingrid sechzehn Jahre alt. Sie lebt allein mit ihrem Vater auf einem Hausboot. Nach einer nie endenden Reise von Hafen zu Hafen freut sie sich, endlich einen festen Wohnsitz zu haben. An ihrem neuen Wohnort findet Ingrid zwei besondere Freunde: Cece, die mit ihrer Mutter im Hotel ihres Onkels lebt, und deren Cousin Joel.

Cece liebt es, Piratengeschichten zu schreiben. Jahre später arbeitet Ingrid als Lektorin in einem Verlag und kann Ceces Geschichten veröffentlichen. Die Serie wird ein großer Erfolg. Doch dann kommt der Anruf: Cece ist gestorben. Für Ingrid bricht eine Welt zusammen. Neben aller Trauer kann sie nun nicht mehr lesen und verliert damit ihre liebste Beschäftigung, und vor allem die Grundlage ihrer Arbeit als Lektorin.

Auf der Suche nach Ceces letztem Manuskript muss Ingrid in ihre alte Heimat zurückkehren. Obwohl sie nicht zurück zum Ort ihres Schmerzes will, bleibt ihr keine Wahl, da sie ohne das Manuskript ihren Job verliert. Die unerwünschte Reise entwickelt sich jedoch ganz anders als erwartet.

Dieses berührende Buch beleuchtet den Umgang mit Trauer. Die Charaktere, die dem Leser schnell ans Herz wachsen, gehen jeweils anders mit ihrem Schmerz und den dazugehörigen Schuldgefühlen um. Immer wieder wird dezent auf Gottes tröstende Rolle beim Umgang mit Trauer hingewiesen. Er ist ein Gott, dem unsere Tränen nicht gleichgültig sind. So lernt Ingrid zum Beispiel: „Dein Vater hat dir mit diesem Ring etwas ganz Besonderes geschenkt, Ingrid. Es ist eine Erinnerung daran, dass keine Träne unbemerkt bleibt und keine Dunkelheit so finster ist, dass das Licht sie nicht überwinden könnte.“

Dieses spannende Buch gleicht einer Schatzsuche. Zusammen mit Ingrid und Joel entdeckt der Leser die wahre Geschichte einer tiefen Freundschaft. Einmal angefangen, fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Und passend zum Thema, folgt nach dem Lesen eine Zeit der Trauer, denn liebgewonnene Charaktere müssen auf den Buchseiten zurückgelassen werden.

Fazit: Ein gelungener Roman, der spannend, tiefgründig und berührend ist. Eine junge Frau stellt sich den traurigen Ereignissen ihrer Vergangenheit und erfährt nach und nach Heilung. Sehr empfehlenswert!