Profilbild von strickleserl

strickleserl

Lesejury Star
offline

strickleserl ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit strickleserl über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2024

Erlösung aus der Spielhölle

Mit dem Leben spielt man nicht
0

Überall verschuldet! Und doch zieht es Uwe Heimowski wieder zurück ins Casino. Was als belangloser Zeitvertrieb beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Sucht. Der Autor hat keine Zeit mehr für Schule ...

Überall verschuldet! Und doch zieht es Uwe Heimowski wieder zurück ins Casino. Was als belangloser Zeitvertrieb beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Sucht. Der Autor hat keine Zeit mehr für Schule oder Ausbildung. Er verbraucht sein eigenes Geld und das Geld anderer, einfach alles, was er kriegen kann. Fleißig füttert er damit die Glücksautomaten. Doch darüber wird er so verzweifelt unglücklich, dass er sich das Leben nehmen will.

Seine Kindheit ist geprägt von Gewalt und Alkoholismus. Wegen eines schlimmen Unfalls muss er als Zweijähriger lange allein in einem Krankenhausbett liegen. All das lastet auf seiner Seele. Alkohol hilft dem schüchternen Jungen aufgeschlossener zu sein, doch oft trinkt er dann bis zur Besinnungslosigkeit. Als er keinen Ausweg mehr sieht, betet er. Und gleich am nächsten Morgen steht Gottes Antwort vor seiner Haustür.

In seinem neuen Leben als Gotteskind erlebt er Heilung von seinen emotionalen Verletzungen und Befreiung von seinen Süchten. Der Schulabgänger ohne Abitur kann sich sogar auf abenteuerlichen Wegen einen Studienplatz der Theologie ergattern. Zusammen mit Gott geht es nun aufwärts. Uwe Heimowski arbeitet in verschiedenen christlichen und politischen Gremien mit. Seine eigenen Erfahrungen führen dazu, dass er einen Blick für notleidende Menschen hat. Er sehnt sich nach Gerechtigkeit und setzt sich nach Kräften dafür ein, sowohl in seiner Stadt als auch weltweit.

In diesem autobiografischen Buch erzählt der Autor seine Lebensgeschichte. Er beschreibt die Hoffnungslosigkeit seines Lebens ohne Gott, erklärt was ihn immer wieder zum Glücksspiel und Alkohol zieht, und erzählt, wie er schließlich Freiheit durch den Glauben findet. In der zweiten Hälfte des Buches geht es um dieses neue Leben, um Ehe und Familie, vor allem aber um seinen Dienst für Gott. Zuerst in der Heilsarmee, dann als Sozialpädagoge, als Pastor, und vieles mehr.

Besonders wertvoll an diesem Buch sind die Reflektionen des Autors über sein Leben. Er kann eigene Motive kritisch hinterfragen und Fehlentscheidungen eingestehen. Das ist mutig und hilfreich. Schöne Ergänzungen sind der Bildteil in der Buchmitte und die Aphorismen am Anfang von jedem Kapitel.

Fazit: Eine faszinierende Lebensgeschichte, die zeigt, was Gott aus den Scherben eines Lebens machen kann. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 21.08.2024

Wo bin ich Zuhause?

Eine verschollene Erinnerung und die Sehnsucht nach einem Zuhause
0

Antonia ist sehr besorgt. Ihre Eltern führen eine Jugendherberge am Starnberger See, die vom Freistaat Bayern gepachtet wird. Nun steht eine Verlängerung des Pachtvertrags an, doch es gibt Probleme. Mehrere ...

Antonia ist sehr besorgt. Ihre Eltern führen eine Jugendherberge am Starnberger See, die vom Freistaat Bayern gepachtet wird. Nun steht eine Verlängerung des Pachtvertrags an, doch es gibt Probleme. Mehrere Unglücke in dem schönen Haus am See führen dazu, dass das Gästehaus nun einen schlechten Ruf hat. Dazu gibt es einen reichen Wichtigtuer, der darauf besteht, dass das Haus eigentlich ihm gehört. Antonia liebt ihr Zuhause so sehr. Sie kann sich absolut nicht vorstellen wo anders zu leben.

Die Gleichaltrige Nahlia hingegen hat noch nicht einmal eine Familie, geschweige denn ein Zuhause. Zusammen mit ihren Klassenkameraden ist sie zu einem Schullandheimaufenthalt auf der Burg. Eines Nachts verschwindet sie einfach. Ist sie wieder einmal weggelaufen oder wurde sie entführt? Die vier Freunde finden wichtige Hinweise darauf, dass sie nicht freiwillig gegangen ist. Wenn doch nur die Polizei ihre Beiträge zur Ermittlung ernstnehmen würde!

Neben der Geschichte in der Gegenwart, erzählt dieses Buch auch von Geschehnissen, die fünfzig Jahre zurückliegen. Antonias Großeltern sind im Jahr 1975 die neuen Herbergseltern der Seeburg. Doch es gibt jemanden, der ihnen schaden will. Dazu umgibt ein Rätsel das Leben von Antonias Urgroßvater. Sein Leben ist auf der Burg in Gefahr, wird er gewarnt. Vielleicht würde er die Bedrohung besser einordnen können, wenn er wüsste, wer seine eigentlichen Eltern sind. Als Adoptivkind aufgewachsen, kann er sich gar nicht an seine Kindheit erinnern.

Dieser fesselnde Jugendkrimi ist gut geschrieben und enthält so viele Rätsel, dass es schwerfällt das Buch wegzulegen. Leser erfahren, was die jungen Leute bewegt - ihre Sorgen und Sehnsüchte, ihre Ängste und Befürchtungen. Auch die dramatischen Geschehnisse im Jahr 1975 und später sind spannend zu lesen. Da geht es unter anderem um die ehemalige DDR und um die Proteste bei der Startbahn West.

Der Glaube gehört ganz selbstverständlich zum Leben der Kinder dazu, und die Hinweise darauf fügen sich auf natürliche Weise in die Geschichte ein. Die Kinder erfahren, dass die wichtigste Heimat nahestehende Menschen und auch Gott sind. Wenn sie besorgt sind, beten sie auch mal füreinander. Und doch verhalten sie sich wie ganz normale Jugendliche. Sie ärgern sich beispielsweise über Schulkameraden oder lauschen wenn ihre Eltern reden.

Fazit: Ein wunderschön geschriebenes Jugendbuch für Kinder im Alter von elf bis dreizehn Jahren. Ob als Gutenachtgeschichte zum Vorlesen oder als Geschenk zum Selberlesen, dieses spannende Buch ist absolut lesenswert. Es ist Teil einer Serie, kann aber auch ohne Vorkenntnisse aus den anderen Büchern gelesen werden. Es werden allerdings nicht alle Rätsel in diesem Band gelöst – da kommt Vorfreude auf weitere Fortsetzungen auf. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 18.08.2024

Auf der Suche nach Heimat

Als wir Schwäne waren
0

Behzad Karim Khani lebt schon fast sein ganzes Leben in Deutschland, ist aber dennoch Iraner geblieben. Schmerzhafte Kindheitserfahrungen, das Aufwachsen in einem von Gewalt und Kriminalität geprägten ...

Behzad Karim Khani lebt schon fast sein ganzes Leben in Deutschland, ist aber dennoch Iraner geblieben. Schmerzhafte Kindheitserfahrungen, das Aufwachsen in einem von Gewalt und Kriminalität geprägten Stadtteil und das Miterleben der Herabsetzungen seiner gebildeten Eltern, nur weil sie Ausländer sind – all dies lässt den Autor fragen, ob Heimat vielleicht woanders ist als an seinem Wohnort.

In diesem autobiographischen Buch beschreibt er seine Kindheit und Jugend. Er schreibt über die Unterschiede zwischen seiner ursprünglichen Heimat Iran und seinem Gastland Deutschland, zum Beispiel was Gastfreundschaft betrifft. So ist es unfassbar für ihn und seine Eltern, dass das Wort „Gast“ in Deutschland jemanden beschreibt, der eigentlich unerwünscht ist und nur geduldet wird. Denn in seinem Ursprungsland wird ein Gast nach Strich und Faden verwöhnt.

Seine Eltern sind Intellektuelle, doch sie werden in der neuen Heimat nicht mit Respekt behandelt. Auch Behzad erlebt Demütigungen, weil er die neue Sprache nicht gleich kann, weil er nicht weiß, was sich in Deutschland gehört, einfach weil er ein Ausländer ist.

In der Jugend finden er und seine Freunde Wege sich aufzubegehren, doch das bringt für manche eine Gefängnisstrafe, für andere gar den Tod. Irgendwann wird Behzad klar, dass er weg muss, um woanders neu anzufangen.

Dieses ehrliche Buch gibt einen guten Einblick in das Erleben von Migranten in Deutschland. Beim Lesen wird es nachvollziehbar, warum für viele Kriminalität eine denkbare Lösung für ihre Probleme ist. Die Sprache ist mal poetisch, mal grob. Kurze, ungeschönte Abschnitte beschreiben Szenen aus der Kindheit und Jugend des Autors. Es ist auch recht viel von Gewalt die Rede, sowohl verbal als auch körperlich – für mich persönlich zu viel, doch ich verstehe, dass das die Erfahrungen des Autors sind.

Fazit: Ein schonungslos ehrlicher Bericht über das Aufwachsen in einem fremden Land, in dem man das Gefühl hat, unerwünscht zu sein. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 06.08.2024

Von Jesus abgeschaut

Leben vom Meister lernen
0

Wie werde ich Christ? Als Antwort darauf werden oft bestimmte Glaubenssätze genannt, denen ich zustimmen muss. Oder es wird ein Gebet vorgesprochen, das nachgebetet werden soll. Was aber, wenn das Leben ...

Wie werde ich Christ? Als Antwort darauf werden oft bestimmte Glaubenssätze genannt, denen ich zustimmen muss. Oder es wird ein Gebet vorgesprochen, das nachgebetet werden soll. Was aber, wenn das Leben als Christ mehr ist, als das bloße Aussprechen eines Glaubenssatzes?

Der bekannte Pastor und Autor John Mark Comer lädt in diesem Buch zu einem Leben in der Nachfolge Jesu ein. Er erklärt, dass der christliche Glaube oft falsch verstanden wird, als ginge es nur darum, etwas Bestimmtes auszusprechen und zu bejahen. Glaube bedeutet aber viel mehr. Es geht um ein Leben in der Nachfolge, um eine Verwandlung der Person, mit dem Ziel Jesus immer ähnlicher zu werden.

Comer zeigt auf, was es zur Zeit Jesu bedeutete, von einem Rabbi zu lernen. Es war eine große Ehre, als Schüler ausgewählt zu werden. Der Schüler verbrachte seine Tage und Nächte gemeinsam mit seinem Meister. So lernte er immer mehr wie sein Lehrer zu handeln.

Das, so meint der Autor, ist auch wie wir den Glauben praktizieren sollten. Es geht darum, so zu werden wie Jesus, indem wir Zeit mit ihm verbringen, ihm ähnlich werden und lernen so zu handeln wie er. Ein hilfreicher Weg, um diese Ziele zu erreichen, ist eine Lebensregel. Dies ist eine Zusammenstellung von wichtigen kleinen Schritten, um das gewünschte Verhalten einzuüben. Das Ganze ist vergleichbar mit dem Training eines Sportlers, der seine Leistung durch tägliche Übung steigert.

Comer zitiert viele Werke von heutigen Christen, aber auch aus der gesamten Kirchengeschichte. Die Quellenangaben sind ein gutes Hilfsmittel, um bestimmte Themen zu vertiefen.

Dieses Buch fordert zu einem Leben in der Nachfolge auf. Der Autor verschweigt nicht, dass es schwer sein kann, denn dazu kann gehören eigene Wünsche zurückzustellen. Aber er legt überzeugend dar, wie lohnend es ist, diesen Weg zu gehen. Er verdeutlicht, dass der Glaube nicht ein Nebenaspekt des Lebens ist, sondern das Zentrum sein sollte. Und er zeigt auf, dass das Einüben neuer Gewohnheiten keine zusätzliche Last sein muss, sondern mehr Ruhe und Gelassenheit ins Leben bringen kann.

Ich kenne mehrere Bücher von John Mark Comer und finde, dass dieses Buch mit Abstand das beste ist. Das Thema ist sehr relevant, gerade in einer Zeit, in der es oft nur darum geht, das eigene Glück zu suchen.

Fazit: Ein besonders wertvolles Buch über das Leben in der Nachfolge Jesu. Der Autor macht deutlich, dass Christsein sowohl ein Gestaltetwerden von Gott ist, als auch ein aktives Tun. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 03.08.2024

Freiwerden von falschen Erwartungen

Vom Glück, das eigene Herz zu finden
0

Lindas Kindheit ist zunächst wunderschön, doch spätestens mit der Schulzeit kommen erste Risse in diese Traumwelt. Linda hat das Gefühl nicht so recht zu den anderen zu passen. Also lernt sie, sich anzupassen, ...

Lindas Kindheit ist zunächst wunderschön, doch spätestens mit der Schulzeit kommen erste Risse in diese Traumwelt. Linda hat das Gefühl nicht so recht zu den anderen zu passen. Also lernt sie, sich anzupassen, den Erwartungen der anderen gerecht zu werden.

Annahme findet sie dann als Jugendliche in einer christlichen Gemeinde. Hier kann sie auch ihre Liebe zur Musik ausleben.

Etwas später ist sie verheiratet, und das junge Paar baut gemeinsam eine Gemeinde in Frankfurt auf. Das geht lange gut, und die Gemeinde ist ein Ort wertvoller Beziehungen und Geborgenheit, doch die Arbeit verteilt sich auf nur wenigen Schultern. Sowohl Linda als auch ihr Mann sind nach einigen Jahren ausgebrannt und brauchen eine Pause. Doch auch der Ausstieg aus der Gemeindearbeit muss aufgearbeitet werden. Dabei entdeckt Linda Herzensschätze, die sie hier mit ihren Lesern teilt.

In sieben Kapiteln begleitet Linda ihre Leser von einem überladenen, unglücklichen Herzen hin zu einem befreiten, frohen Herzen, das weiß, was es will. Sie macht Mut genau hinzuschauen, in sich hinein zu horchen, um festzustellen, was zu einem passt und was nicht. Dabei streut sie Teile ihrer Geschichte mit ein – die Rahmengeschichte eines Burnouts, aber auch viele kleinen Beispiele aus ihrem Alltag, die das Gesagte verdeutlichen.

Das hochwertige Buch ist wunderschön gestaltet. Ansprechende Zeichnungen und verschiedene Akzente in Gold zieren die Seiten; auf den Zeichnungen, zur Hervorhebung von wichtigen Sätzen und teilweise auch als Seitenhintergrund. Nach jedem Kapitel findet sich ein passender Liedtext der Autorin. Wer den Barcode scannt, kann das jeweilige Lied sogar im Internet anhören. Am Ende des Buchs stehen vier einfache Übungen, um das eigene Herz besser zu spüren, Wünsche wahrzunehmen, den Tag zu bewerten.

Obwohl die Autorin Pastorenfrau war, ist im Buch kaum von Gott oder dem Glauben die Rede. Es geht eher um Selbstliebe und den Glauben an sich selbst. Die Tipps und Ratschläge sind auf jeden Fall wertvoll und hilfreich, aber es ist schade, dass Linda nicht mehr von ihrem Glauben erzählt. Aufgrund ihrer persönlichen Geschichte scheint sie in dieser Hinsicht zurückhaltender geworden zu sein. Ich denke aber, dass gerade Impulse aus der Bibel die vorhandenen Tipps noch reichhaltiger und hilfreicher gemacht hätten.

Fazit: Ein schön gestaltetes Buch über ein wichtiges Thema. Es hilft eigene Wünsche zu entdecken und kleine Schritte auf das Ziel hin zu gehen. Durch die hochwertige Verarbeitung eignet es sich auch gut als Geschenk. Empfehlenswert, vor allem für Frauen, die sich vom Alltag überfordert fühlen und das Gefühl haben selbst zu kurz zu kommen.