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Veröffentlicht am 08.08.2017

Der Nowhere Man

Projekt Orphan
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„Orphan X“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen. Deshalb musste ich einfach wissen, wie es weiter geht. Evan Smoak, der „Nowhere Man“, hält sich noch immer an seine Gebote. Das wichtigste von allen: ...


„Orphan X“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen. Deshalb musste ich einfach wissen, wie es weiter geht. Evan Smoak, der „Nowhere Man“, hält sich noch immer an seine Gebote. Das wichtigste von allen: „Lass niemals einen Unschuldigen sterben.“
Nachdem er jahrelang unter dem Decknamen „Orphan X" im geheimen Auftrag der US-Regierung getötet hat, war Evan ausgestiegen und abgetaucht. Als „Nowhere Man“ hilft er nun Menschen, die mit ihren Problemen nicht zur Polizei gehen können.
Während Evan der 15-jährigen Anna hilft, den Fängen eines Mädchenhändlerrings zu entkommen, wird er überwältigt und entführt. René ist ein Freak. Er will Evans Geld. Wird es Evan gelingen zu fliehen?
Gregg Hurwitz lässt uns in seinem Thriller nicht viel Zeit. Er reißt uns mitten in eine spannende Geschichte, bei der es einzig und allein ums Überleben geht. Eine Geschichte mit viel Action, Testosteron und Gewalt. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik.
„Projekt Orphan“ lässt sich flott und flüssig lesen. Zwischendrin sind immer wieder in Kursivschrift Rückblicke in die Vergangenheit eingestreut. Über das Wiedersehen mit Evans Ziehvater und Ausbilder Jack sowie seiner Nachbarin Mia und deren Sohn Peter habe ich mich sehr gefreut.
Evan ist ein interessanter Charakter. Ein Heiliger, ein Superheld. Aber er ist eben auch ein einsamer Rächer. Nichtsdestotrotz fiebert man mit ihm mit, ob er es wohl schafft, Van Sciver zu entkommen. Der ehemaligen Leiter des Orphan-Programms will Evan töten, weil er zu viel weiß.

Fazit: Evan unkaputtbar. Gut, aber nicht ganz so gut wie Band 1.

Veröffentlicht am 05.08.2017

Sein Atem geht hektisch.

Die Fährte des Wolfes
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So startet der neue Thriller des schwedischen Autorenduos Kallentoft & Lutteman. Es handelt sich um einen Rückblick in das Jahr 1999.
Stockholm 2014: Wir lernen Zack Herry kennen. Er ist Mitglied einer ...


So startet der neue Thriller des schwedischen Autorenduos Kallentoft & Lutteman. Es handelt sich um einen Rückblick in das Jahr 1999.
Stockholm 2014: Wir lernen Zack Herry kennen. Er ist Mitglied einer Sondereinheit der Polizei, hat aber auch eine dunkle Seite. Er kokst.
Als vier Thai-Masseurinnen in ihrer Wohnung brutal ermordet werden, begibt sich Zack mit seinem Team auf die Fährte des Killers…
Wölfe, Bikerclubs und die Türkenmafia, das sind die Akteure in diesem Hardcore-Thriller, der Frauenhass, Rassismus und Rechtsextremismus thematisiert.
Bald ist klar, dass die Asiatinnen nicht nur Massagen angeboten, sondern auch andere Sachen gemacht haben. Wurden sie zur Prostitution gezwungen?
Kurz darauf wird die Chefin der vier Frauen mit abgetrennten Beinen aufgefunden. Wie sich herausstellt, wurden sie abgebissen - von Wölfen.
Weitere Morde mit demselben Modus Operandi geschehen…
Da ich schon einige Thriller von Mons Kallentoft mit Kommissarin Malin Fors gelesen hatte, zuletzt „Frühlingstod“, musste ich dieses Buch unbedingt haben.
„Die Fährte des Wolfes“ ist keine Gute-Nacht-Lektüre, sondern ein Buch mit einem hohen Ekelfaktor. Blutig und brutal. Die Autoren lassen uns tiefe menschliche Abgründe blicken. Keine Perversion, keine Grausamkeit wird ausgelassen. Die Sprache ist derb.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Zack und seine Partnerin Deniz kämpfen beide mit den Dämonen ihrer Vergangenheit und überschreiten im Job auch schon mal eine Grenze. Mit dabei auch IT-Spezialistin Sirpa und der blinde Rudolf.
Eigentlich hat „Die Fährte des Wolfes“ alles, was einen guten Thriller ausmacht, ein rasanter Plot mit wilden Verfolgungsjagden und komplexe Figuren. Aber es liest sich auch ein bisschen wie eine Gebrauchsanleitung für Drogen. Das hat mir nicht so gut gefallen.
Es wird ermittelt, manch falsche Fährte begangen, überraschende Nebenwege tun sich auf und münden schließlich in ein furioses Finale. Die Auflösung ist überraschend und absolut stimmig. Dennoch lässt mich das Ende etwas zwiespältig zurück.

Fazit: Zack Herry, der neue Held am skandinavischen Thriller-Himmel. Kaputt und mutig zugleich.

Veröffentlicht am 02.08.2017

Verbrechen 2.0

Giftflut
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„Giftflut“ von Christian v. Ditfurth ist bereits der dritte Fall für den Berliner Kommissar und Philosoph Eugen de Bodt. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, ...


„Giftflut“ von Christian v. Ditfurth ist bereits der dritte Fall für den Berliner Kommissar und Philosoph Eugen de Bodt. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatte ich mit Begeisterung verschlungen und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Ein Ehepaar ertränkt in seiner Badewanne. Er war bei den Berliner Wasserwerken. Kurz danach wird eine Brücke über die Spree in die Luft gesprengt. Auch in Paris und London explodieren Brücken. Geht es um Wasser? Wer sind die Täter und wo liegt ihr Motiv?
Verbrechen ohne Grenzen. Es geht es um Politik, viel Geld - und Hass. Tödlicher Hass. Gleich mehrere spannende Handlungsstränge gilt es zu verfolgen, auch aus Sicht der Terroristen, die sich Pavlinsky und Oberon nennen. Doch was haben Nadine und Jan, die in Palau Urlaub machen, mit alldem zu tun?
Nach einem schweren Schicksalsschlag wächst der Touri über sich hinaus. Und so hat der Leser Verständnis für Jan, der moralisch mehr als fragwürdige Dinge tut. Man fiebert mit ihm mit, ob er es wohl schafft, Pavlinsky und seinen Schergen zu entkommen.
Die Ermittlungen drehen sich im Kreis. Erst als de Bodt alle Regeln über Bord kippt, kommt er der Wahrheit langsam auf die Spur…
Story und Stil haben mir gefallen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Auf über 260 kurz-knackigen Kapiteln hetzt der Autor seinen Protagonisten um den Globus. Doch seine Widersacher wissen permanent Kontra zu geben und sind de Bodt & Co immer einen Schritt voraus.
Über das Wiedersehen mit de Bodt, Salinger und Yussuf habe ich mich sehr gefreut. Sogar die Russen und Oberknacki Bob sind wieder mit dabei. Hauptkommissar Eugen de Bodt gilt als überheblich und eigenbrötlerisch. Aber er ist auch schlau - und erfolgreich.
Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängern. Das macht Lust auf mehr für die, die die ersten beiden Bände (noch) nicht kennen. Der Prolog hatte mich verwirrt. Aber der Sinn erschließt sich einem ganz zum Schluss. Gott sei Dank, alles nur Fiktion.

Fazit: Ein Thriller mit dem Finger am Puls der Zeit. Unbedingt lesen!


Veröffentlicht am 01.08.2017

Wer suchet, der findet.

Runaway
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Um es gleich vorwegzunehmen, „Runaway“ von David Sedlaczek ist echt der Hammer! Schon die Leseprobe ließ auf einen fesselnden, psychologisch raffinierten Thriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. ...


Um es gleich vorwegzunehmen, „Runaway“ von David Sedlaczek ist echt der Hammer! Schon die Leseprobe ließ auf einen fesselnden, psychologisch raffinierten Thriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Hier und jetzt: Eine Frau übergibt einem Mann einen Brief. Der Sinn erschließt sich einem jedoch erst ganz zum Schluss.
Die eigentliche Geschichte startet in der Vergangenheit. In Amherst, Massachusetts, im Jahr 1988. Fredericks Frau Linda arbeitet für eine Bank. Sie und ihr Kollege Kyle sind in illegale Geschäfte verwickelt. Frederick möchte, dass Linda damit aufhört, doch sie tut es nicht.
Eines Tages ist Linda tot und Frederick wird in die Psychiatrie eingewiesen. Ein Leben in der Hölle, mit Psychopharmaka ruhig gestellt. Nach 18 Jahren gelingt ihm die Flucht. Was folgt, ist eine atemlose Jagd, die alles in den Schatten stellt, was man aus Roadmovies kennt.
Ohne Geld und Papiere. Im Auto und in schäbigen Hotels. Der Leser hat Verständnis für Frederick, der moralisch mehr als fragwürdige Dinge tut. Und so fiebert man mit ihm mit, ob es ihm gelingt, Rache zu nehmen. Fredericks Jagd nimmt zusehends manische Züge an.
Erst am Ende schließt sich dann der Kreis und der Leser erkennt die Zusammenhänge. Story und Stil haben mir gefallen. Was für eine kraftvolle Sprache. Kurze Kapitel sorgen für Dynamik. Auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt, noch dazu von einem deutschen Autor. Ich habe diesen packenden Thriller in einem Rutsch verschlungen. Beim Lesen entstehen Bilder im Kopf, was selten bei mir der Fall ist.

Fazit: Ganz, ganz großes Kino. Bitte mehr davon!

Veröffentlicht am 01.08.2017

Mord im Milieu

Endstation Neukölln
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„Endstation Neukölln“ von Connie Roters ist bereits der dritte Fall für den Berliner Hauptkommissar und Hobbydichter Stefan Breschnow. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene ...


„Endstation Neukölln“ von Connie Roters ist bereits der dritte Fall für den Berliner Hauptkommissar und Hobbydichter Stefan Breschnow. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Die Vorgänger hatten mich begeistert und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht. Worum geht es?
Schauplatz ist Neukölln. Drogen und Gewalt… Eine dunkle Parallelwelt. Hat die 18-jährige Kimmie den Drogendealer Johannes Faris Rosenholz erstochen oder nicht? Kurz darauf wird Daniel Busse erschlagen. Er war Mitglied in einem rechtsradikalen Verein. Wo ist die Verbindung?
Über das Wiedersehen mit Cosma, Breschnow - und Willy habe ich mich sehr gefreut. Breschnow trinkt und raucht immer noch zu viel. Nichtsdestotrotz hat er für Kimmie ein Gedicht geschrieben. Der Prolog hatte mich verwirrt. Der Sinn erschließt sich einem erst ganz zum Schluss.
Selbst wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird Spannung aufgebaut. Die Geschichte nimmt viele überraschende Wendungen, bis zum bitteren Ende. Nur schrittweise wird enthüllt, wohin das Ganze führen soll. Erst am Ende schließt sich dann der Kreis.
Der Leser merkt sofort, dass der Autorin das Schicksal ihrer Figuren sehr wichtig ist. Und so ist mir Kimmie gleich ans Herz gewachsen. Was wäre, wenn es echt wäre? Auch mit Gesellschaftskritik spart die Autorin nicht.
Der Erzählstil der Autorin ist überaus angenehm und vermag mit leisen Tönen zu fesseln. Alles in allem für meinen Geschmack nicht ganz so gut wie „Tod in der Hasenheide“. Eher abgründig, ähnlich wie „Das Grab im Schnee“. Dafür weniger vorhersehbar.

Fazit: Gelungene Fortsetzung einer lesenswerten Reihe. Ein Buch, das Herz und Seele berührt.