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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.09.2025

Absoluter Pageturner

Dunkle Sühne
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Während des Feuerwerks am 4. Juli verschwinden zwei Teenager-Mädchen. Die Spuren lassen auf eine gewaltvolle Entführung schließen und versetzt die ganze Stadt in Aufruhr. Deputy Emmy Clifton ...

Während des Feuerwerks am 4. Juli verschwinden zwei Teenager-Mädchen. Die Spuren lassen auf eine gewaltvolle Entführung schließen und versetzt die ganze Stadt in Aufruhr. Deputy Emmy Clifton und ihr Vater beginnen zu ermitteln. Doch für Emmy hat der Fall eine persönliche Komponente, denn eines der verschwundenen Mädchen ist die Tochter ihrer besten Freundin und hat Emmy am selben Tag noch signalisiert, dass sie mit ihr sprechen müsse. Schnell wird klar, dass Madison und Cheyenne einige Geheimnisse vor ihren Eltern hatten und sich offenbar mit einem falschen Menschen angelegt haben und die Bewohner*innen aus North Fall nicht unbedingt dem Bild entsprechen, dass Emmy Clifton bisher von ihnen hatte.

Karin Slaughter hat mit Emmy Clifton und ihrem Vater Gerald eine starke Besetzung geschaffen. Auch die anderen Figuren sind sehr anschaulich und greifbar ausgearbeitet. Spuren werden gründlich verfolgt, Indizien erkannt und schlüssig eingeordnet. Das erste Drittel des Buches handelt um die Aufklärung des Verschwindens von Madison und Cheyenne und einer Indizienermittlung. Die letzten zwei Drittel spielen zwölf Jahre später, wozu ich auf der Handlungsebene keinerlei Hinweise geben möchte.
Während ich über die Entwicklungen im zweiten Teil zunächst gestutzt habe, war ich umso schneller wieder mitten im Geschehen und habe gebannt Emmys Tun verolgt.
Karin Slaughter überzeugt durch einen fesselnden Schreibstil, interessante Figuren, nachvollziehbare Entwicklungen, komplexe Zusammenhänge, die logisch aufgebaut werden und durch überraschende Twists.

Ich bin begeistert und hoffe, dass weitere Fälle aus North Fall folgen werden!

Veröffentlicht am 02.09.2025

Mir fehlte Spannung

Der Stau
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Die Polizistin Belinda Kidd, genannt Billy und kurz vor dem Ruhestand, ist gerade aus Australien zurückgekehrt und ist auf dem Weg in die Londoner Innenstadt, als in einem Tunnel eine Autobombe hochgeht. ...

Die Polizistin Belinda Kidd, genannt Billy und kurz vor dem Ruhestand, ist gerade aus Australien zurückgekehrt und ist auf dem Weg in die Londoner Innenstadt, als in einem Tunnel eine Autobombe hochgeht. Es werden weitere Explosionen erwartet, alles staut sich und Billy sowie zahlreiche weitere Fahrerinnen hängen im entstandenen Stau fest. Als sie sich die Beine vertritt, entdeckt sie in einem der Autos eine Leiche - umgebracht mit einer Fahrradspeiche. Derdie Mörderin muss also noch unter ihnen sein, da eine Flucht über die Autobahn aufgefallen wäre. Belinda Kidd macht sich also auf eigene Faust an die Ermittlung und sammelt Informationen über die anderen Autofahrerinnen.

Den Plot, den Jo Furniss sich überlegt hat, fand ich sehr spannend und interessant. Locked-in-Thriller lese ich sowieso total gern und die Autobahn als Ort war für mich nun auch komplett neu. Während ich die ersten Seiten noch sehr fesselnd fand, ließ dieser Effekt recht schnell nach. Es gibt so viele Figuren, von denen erzählt wird, denen Billy zusätzlich zu ihren Namen noch Spitznamen gibt und die man erstmal auseinanderhalten muss. Das hat den Spannungsbogen für mich ordentlich abgeflacht. Während sich den Hauptteil über die Frage drehte, was die anderen Fahrer*innen machen und wer sie sind, fehlte mir ein Handlungsstrang, der zur Aufklärung beitrug oder zusätzliche Spannung erzeugte. Die Auflösung am Ende fand ich konstruiert, aber konnte sie gut hinnehmen. Die Längen zwischendurch haben mich jedoch beim Lesen ausgebremst.

Nette Idee, aber an Spannung wäre noch ganz schön Luft nach oben gewesen.

Veröffentlicht am 02.09.2025

Erschreckende Schilderungen

Loverboy – Niemand liebt dich so wie ich
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Im Club lernt Vivian den attraktiven und charismatischen Pascal kennen. Zunächst freut ihre Mitbewohnerin und Freundin Lola sich für Vivi, da diese eher eine Außenseiterin war. Doch nach wenigen Wochen ...

Im Club lernt Vivian den attraktiven und charismatischen Pascal kennen. Zunächst freut ihre Mitbewohnerin und Freundin Lola sich für Vivi, da diese eher eine Außenseiterin war. Doch nach wenigen Wochen verändert sich Vivi so stark, dass Lola sich Sorgen macht. Vivi verändert ihr Optisches, ist ständig unterwegs und fragt Lola nach Geld. Als Vivian nach einem Streit die Wohnung verlässt und auch nach Tagen nicht wiederkommt, ist Lola klar, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Sie meldet Vivi bei der Polizei vermisst, doch die tut erstmal nichts. Als Elias, Vivians Hallbruder, in der WG auftaucht, weil er Vivi nicht erreichen kann, und die beiden weitere Hinweise in der Wohnung finden, die besorniserregend sind, machen sie sich selbst auf die Suche nach Vivi und Pascal.

Antonia Wesseling hat sich ausführlich mit der Loverboy-Masche und den Dynamiken innerhalb dieser Beziehungen und der Machtmechanismen auseinandergesetzt. Dass es in dem Buch darum geht, verrät ja schon der Titel.
Der Schreibstil ist flüssig und packend, die Perspektivwechsel sind da, aber hauptsächlich wird aus Lolas und Elias' Perspektive erzählt. Während der Suchaktionen kommen die beiden sich näher, was für explizite spicy Szenen sorgt. Ansonsten sind die Beschreibungen ebenfalls sehr explizit geschildert, was jedoch weniger spicy und vielmehr erschreckend ist.
Mich konnte die Suche nach Vivi und alles, was dahinter steckt, schnell in den Bann ziehen. Ich wusste vor der Lektüre schon sehr vieles über Loverboys und empfinde Antonia Wesselings Roman dahingehend sehr gelungen.

Veröffentlicht am 13.08.2025

Vom Kritiker zum Kritisierten

Standing Ovations
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Beim Fringe Festival in Edinburgh tritt Hayley Sinclair zum ersten Mal mit ihrer Live Performance auf. Der Starkritiker Alex Lyons verfasst einen Verriss über ihre Show und bewertet sie mit nur einem Stern. ...

Beim Fringe Festival in Edinburgh tritt Hayley Sinclair zum ersten Mal mit ihrer Live Performance auf. Der Starkritiker Alex Lyons verfasst einen Verriss über ihre Show und bewertet sie mit nur einem Stern. Hayley sieht die Kritik am nächsten Morgen in der Zeitung und erfährt, dass Alex Lyons der Mann ist, mit dem sie die Nacht verbracht hat. Alex Lyons, der ganz genau wusste, mit wem er Sex hatte, dem sie ihr Herz ausgeschüttet hat und der nichts darüber gesagt hat, wer er ist oder dass er eine Kritik über ihr Programm verfasst hat. Ihre Konsequenz daraus: Sie ändert den Titel ihrer Show, die ab jetzt davon handelt, was Alex Lyon ihr angetan hat. Im Verlauf des Festivals kommen immer mehr Erfahrungen anderer Frauen hinzu, die Alex verletzt oder erniedrigt hat. Plötzlich steht der Starkritiker im Fokus der Kritik.
Erzählt wird alles aus der Perspektive von Sophie, einer Kollegin und Freundin von Alex, die während des Festivals mit ihm zusammenwohnt und ebenfalls Journalistin ist.

Charlotte Runcie hat mit "Standing Ovations" einen Roman über patriarchale Strukturen, die Machtverhältnisse in der Kunst- und Medienwelt sowie die Dynamik zwischen Künstler*in, Kunstwerk und Kritik geschaffen. Hayley macht sich ihre Erfahrung zunutze und ist bestrebt, die Position zu verändern, den Konflikt umzudrehen. Alex hingegen ist nicht einsichtig und Sophie beobachtet alles mehr oder weniger tatenlos.
Der Plot hat mich gereizt, ich war sehr gespannt darauf, wie Hayley mit der Situation umgeht, wie das Publikum reagiert und zu welcher Auflösung Charlotte Runcie kommt. Während ich die erste Hälfte des Buches geradezu verschlungen habe, hat das Tempo in der zweiten Hälfte arg nachgelassen und mich streckenweise etwas verloren, da es immer mehr um Sophie und ihre Beziehung ging.
Insgesamt ein guter Roman über weibliche Wut, Machtmissbrauch und den öffentlichen sowie privaten Umgang damit.

Veröffentlicht am 13.08.2025

Alte Geheimnisse

Der dunkle Sommer
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Die Architektin Tilda kauft für einen symbolischen Euro eine alte, verfallene Villa in einem verlassenen Dorf auf Sardinien. Sie erhofft sich dort einen Neuanfang, renoviert die Villa und freut sich über ...

Die Architektin Tilda kauft für einen symbolischen Euro eine alte, verfallene Villa in einem verlassenen Dorf auf Sardinien. Sie erhofft sich dort einen Neuanfang, renoviert die Villa und freut sich über ihren Glückskauf. Doch angeblich liegt auf ihrem Haus ein Fluch, seit in den 1980 dort ein tragisches Massaker stattgefunden hat. Das Dorf ist bis auf den alten Nachbar und seine Pflegerin verlassen, doch auch von ihm erfährt Tilda nicht viel.

Alles, was ich bisher von Vera Buck gelesen habe, mochte ich. Sie überzeugt mich mit einem sehr angenehmen, atmosphärischen Schreibstil und vor allem durch die vielen Plottwists und unvorhersehbare Geschehnisse. Erzählt wird hier einerseits aus Tildas Sicht, aus Enzos Sicht, einem Journalisten, der die Geschichte des Dorfes ergründen möchte, und aus Francas Sicht, die in den 1980er Jahren in dem Dorf gelebt hat und kapitelweise erzählt, was zu dem damaligen Massaker geführt hat.
Neben den Figuren und den Entwicklungen mag ich auch die Einblicke in die Familiengeschichte, die Vorfälle, die damals stattgefunden haben und die für Sardinien nicht unüblich waren - ohne hier zu spoilern.
Für mich ein sehr spannendes Buch, das ich in einem Rutsch gelesen habe.