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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.05.2026

Spannend und gute Twists

The Exes
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Natalie sehnt sich nach dem für sie perfekten Mann und ist überglücklich, als sie ihn endlich in James gefunden hat. Mit ihm ist sie glücklich und möchte eine Familie gründen. Die Männer, die bisher in ...

Natalie sehnt sich nach dem für sie perfekten Mann und ist überglücklich, als sie ihn endlich in James gefunden hat. Mit ihm ist sie glücklich und möchte eine Familie gründen. Die Männer, die bisher in ihrem Leben waren, haben ihr nicht zu einem glücklichen Leben verholfen. Doch sie sind nicht nur ihre Ex-Freunde, sondern alle drei sind auch tot. Und Natalie war jedes Mal in der Nähe. Für sie ist wichtig, dass James davon nicht erfährt und keine Gefahr herrscht.

Leodora Darlington hat mit "The Exes" einen sehr spannenden Thriller über weibliche Wut, Rache und toxische Beziehungen geschrieben. Erzählt wird auf verschiedenen Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven - sowohl in der Gegenwart in der Beziehung mit James, als auch in der Vergangenheit der Beziehungen mit den Ex-Freunden als auch in Natalies Kindheit. Es hat einige Kapitel gebraucht, bis ich einen Überblick über die verschiedenen Figuren und Erzählebenen bekommen habe. Was Leodora Darlington jedoch von der ersten Seite an geschafft hat, war mich in einen tiefen Sog zu ziehen. Natalie bleib für mich recht lange distanziert und nicht durchschaubar, ebenso James. Mir gefielt, wie sich die Figuren immer wieder verändert haben, es unvorhersehbare Plottwists gab, auch wenn ich dachte, die Handlung zu durchschauen, wurde ich immer wieder überrascht.
Zum Schluss hin fand ich einige Handlungen nicht mehr ganz nachvollziehbar und etwas überzogen, aber insgesamt war es ein sehr spannender Thriller, der mich noch eine ganze Weile beschäftigen wird.

Veröffentlicht am 17.05.2026

Rückschau auf eine Ehe

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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Christien Brinkgreve war mehrere Jahrzehnte mit ihrem Ehemann verheiratet, mit dem sie zwei Söhne hat, die allerdings auch schon längst ausgezogen sind. Nach dem Tod ihres Mannes A. räumt Christien das ...

Christien Brinkgreve war mehrere Jahrzehnte mit ihrem Ehemann verheiratet, mit dem sie zwei Söhne hat, die allerdings auch schon längst ausgezogen sind. Nach dem Tod ihres Mannes A. räumt Christien das Haus auf und um. Mit jedem Gegenstand, den sie in die Hand nimmt, kommen gemeinsame Erinnerungen auf. Sie erzählt von dem Kennenlernen, während dem A. noch verheiratet war, ihren Schwierigkeiten, an der Universtität eine Karriere als Frau zu machen, von A.s erfolgreichen Arbeiten als Journalist und den Mechanismen und Entwicklungen ihrer Ehe.
Christien Brinkgreve ist emeritierte Professorin für Soziologie, setzte sich mit der Beziehung zwischen Männern und Frauen sowie zwischen Eltern und Kindern. Sie hat sich mit patriarchalen Strukturen auseinandergesetzt und stellt in der Rückschau fest, welche patriarchalen Strukturen und internalisierten Verhaltensmuster und Gedanken sich auch in ihrer Ehe gefestigt haben. Mit den fortschreitenden Kapiteln wird klar, wie viel Schatten und Differenzen es neben den hellen Momenten in der Ehe gab, wie die Beziehung zwischen Christien und A., A. und seiner Mutter sowie seiner Schwester und die Beziehung zu den Söhnen gewirkt haben.

Ein ehrlicher und eindrücklicher Blick auf eine jahrzehntelange Ehe, eine Bilanz, die klar ist und offen bleibt. Was Christien Brinkgreve vor allem gelungen ist, ist das Aufzeigen der vielen Gleichzeitigkeiten, was mir gut gefallen hat.

Veröffentlicht am 11.05.2026

Eine wärmende Umarmung

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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Hyoyeong arbeitet in einem Briefladen, der nur schöne Dinge beherbergt. Das Highlight sind die Briefe, die sich die Kundinnen gegenseitig schreiben können und aus denen Brieffreundschaften wachsen. Hyoyeong ...

Hyoyeong arbeitet in einem Briefladen, der nur schöne Dinge beherbergt. Das Highlight sind die Briefe, die sich die Kundinnen gegenseitig schreiben können und aus denen Brieffreundschaften wachsen. Hyoyeong lernt so viele unterschiedliche Menschen im Briefladen kennen, die an den verschiedensten Punkten in ihrem Leben stehen und mit unterschiedlichen Dingen hadern. Es macht so viel Spaß, mit ihr im Laden zu stehen, ihre Beobachtungen aufzusaugen und den Kundinnen zu lauschen, die - mal mehr mal weniger explizit - von sich erzählen.

Baek Seungyeon schafft es durch ihren lieblichen, bildhaften und zarten Schreibstil, die Beziehungen zu den Figuren zu knüpfen, sie wachsen zu lassen und alles miteinander zu verbinden. Durch die Zeit im Briefladen und das Schreiben der Briefe verändern sich nicht nur die Leben der Kund*innen, sondern auch Hyoyeong nimmt Veränderungen wahr und wächst an sich.

Ein zartes Buch, das mir wunderschöne Lesestunden beschert hat und alles in allem einfach wie eine wärmende Umarmung wirkte. Eine absolute Empfehlung für alle, die mal so richtig abtauchen und sich auf einen schönen Ort einlassen möchten.

Veröffentlicht am 10.05.2026

Leider etwas langatmig

The Dirty Version
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Tash ist Autorin eines feministischen Romans, der nun in Form einer Serie verfilmt werden soll. Der Regisseur sieht jedoch die Notwendigkeit einer Dirty Version, weshalb das Drehbuch unter Intimitätskoordinator ...

Tash ist Autorin eines feministischen Romans, der nun in Form einer Serie verfilmt werden soll. Der Regisseur sieht jedoch die Notwendigkeit einer Dirty Version, weshalb das Drehbuch unter Intimitätskoordinator Caleb um einige Sexszenen erweitert werden soll. Tash ist alles andere als begeistert davon, denn sie möchte nicht, dass ihr empowernder Roman zu einem sexuell aufgeladenen Hollywoodklischee verkommt. Während Tash zunächst große Abneigung gegenüber der Idee und auch gegenüber Caleb verspürt, kann er sie im Verlauf noch überraschen.

Sowohl der Klappentext als auch die Leseprobe konnten mich durch den lockeren, humorvollen Schreibstil und den interessanten Ausgansplot überzeugen. Turner Gable Kahn hat mich dann nach den ersten Kapiteln jedoch wieder etwas verloren. Während ich mich auf eine starke Figurenentwicklung gefreut habe, habe ich Tash als sehr verbissen, stur und stets ablehnend empfunden. Ich verstehe ihren Punkt und kann mir vorstellen, dass ein Eingreifen in das eigene Werk sehr verletztend sein kann. Doch die ewigen Bemühungen von Caleb, die steten Abweisungen von ihr und das Auftreten des Regisseurs haben mich nach einer Weile genervt. Ich habe viele Stellen als sehr langatmig empfunden und konnte auch der Romance zwischen Tash und Caleb überhaupt nicht folgen oder sie nachspüren, weil ich deren Entwicklung nicht nachvollziehbar fand.
Was ich interessant fand, waren generell die Einblicke in die Abläufe, wenn ein Buch verfilmt wird. Aber die Lovestory und die Figuren, insbesondere Tash, konnten mich nicht überzeugen. Vielleicht hätten Perspektivwechsel das Buch für mich interessanter und weniger langatmig gemacht.

Veröffentlicht am 27.04.2026

Spürbarer Umbruch

Der letzte Sommer der Tauben
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Noah ist vierzehn Jahre alt und züchtet gemeinsam mit seinem Onkel Ali Tauben auf dem Dach. Voller Vergnügen verfolgt Noah, wie sie am Himmel kreisen und in den Schlag zurückkehren. Die Unbeschwertheit ...

Noah ist vierzehn Jahre alt und züchtet gemeinsam mit seinem Onkel Ali Tauben auf dem Dach. Voller Vergnügen verfolgt Noah, wie sie am Himmel kreisen und in den Schlag zurückkehren. Die Unbeschwertheit gerät ins Kippen, als das Kalifat ausgerufen wird, Helikopter über die Stadt kreisen und das Bild der freien Tauben am Himmel stören. Es folgen neue Regeln: Noahs Vater muss in seinem Bekleidungsgeschäft das Sortiment anpassen, Frauenkörper auf den Produktfotos müssen geschwärzt werden, sein älterer Bruder leitet eine Sicherheitsbehörde und Noahs Mutter und Schwester dürfen ohne männliche Begleitung nicht mehr aus dem Haus. Und dann folgen auch noch Einschränkungen bezüglich der Tauben...

Abbas Khider verortet die Geschehnisse in keiner Zeit und an keinem Ort. Doch durch die gewählte Perspektive des 14-jährigen Noahs sind die Veränderungen spürbar, werden aus einer gewissen kindlichen Naivität geschildert und wirken dadurch auf eine besondere Art. Während zunächst fast noch eine Neugier durchscheint, kommen immer mehr Sorge und Unsicherheit, bis hin zu Furcht, zum Tragen. Die Einschränkungen nehmen zu und vor allem die Tauben, die die Symbolik von Freiheit und Unbeschwertheit in sich haben, markieren die deutlichen Einschnitte und die markanten Veränderungen der Familien.

Ein bewegender Roman, der die Herrschaftsverhältnisse und die damit einhergehende Gewalt, die herrscht, sehr bewegend und eindringlich erzählt.