Augen auf bei der Partnerwahl
Theo und Connor haben sich kennen- und liebengelernt. Dass Connor aus einer der reichsten und einflussreichsten Familien der USA stammt, ist jetzt nicht wirklich ein Hindernis für Theo und entsprechend ...
Theo und Connor haben sich kennen- und liebengelernt. Dass Connor aus einer der reichsten und einflussreichsten Familien der USA stammt, ist jetzt nicht wirklich ein Hindernis für Theo und entsprechend freudig aufgeregt ist sie, als eine Einladung zum Wohlfühlsitz der Daltons erhält. Weihnachten in verschneiten Luxuscottages zu verbringen, klingt im ersten Moment sehr verführerisch. Aber als Theo am Arsch der Heide eintrifft, lässt sie das Gefühl nicht los, dass ihr da irgendwas bekannt vorkommt. Sowohl die Umgebung wie auch das ein oder andere Familienmitglied löst ein kleines Déjà-vu aus. Oder bildet sich das Theo enfach alles ein? Um Klarheit zu erhalten fängt sie an, sich mit der Familie Dalton zu beschäftigen und stößt auf nicht nur 1 Geheimnis. Bald wird ihr klar, dass dieser Aufenthalt völlig anders verlaufen wird, als sie es sich vorgestellt hat.
Machen wir's kurz, wenn jemand nach einem Volltreffer im Bereich eines winterlichen Thrillers sucht, der wird hier fündig. Die Geschichte entwickelt sich durchgängig spannend, der Aufbau ist immer logisch, der Leser darf und soll miträtseln, was die Daltons mit Theo gemeinsam haben. Klar, die einzelnen Familienmitglieder entsprechen teilweise den gängigen Klischees, vom ultracoolen schwarzen Schaf der Famile, Trevor, der gerne mal einen über den Durst trinkt und meint, er muss danach Mario Kart in Real Life spielen oder die Familienpatriarchin, die sich selbstverständlich überheblich und sehr misstrauisch unserer Protagonstin gegenüber verhält, sowie der Verwalter, der ein Einsiedlerleben mit seiner Hündin abseits des Luxus führt. Hier fand ich diese Stereotypen aber keineswegs störend, sondern sehr passend, vermitteln sie doch die richtige Stimmung, der Theo oben am Berg ausgesetzt ist. Und spätestens, als sie Nachrichten in Form von Warnungen erhält, sie soll sich von dieser Familie fernhalten und so schnell wie möglich wieder abreisen, flammt in Theo die Neugier vollends auf und sie beginnt sich durchzuschnüffeln. Hat sie Connor womöglich gar nicht so zufällig kennengelernt?
Dieser Thriller lebt von seiner Spannung und der Entwicklung seiner Figuren und die sind vielschichtig und oftmals sehr überraschend. Diese Twists sind wohldosiert über die ganz Geschichte verteilt und werden nicht alle im "Ketchup-Flaschen-Effekt" am Ende verbraten.
Geld allein macht nicht glücklich. Sagen zwar meistens die, die keines haben, stimmt in diesem Roman aber zu 100%. Denn oftmals zeigt die Fassade ein wirklich schönes Bild, aber wenn Theo mit Hammer und Meisel anfängt, Löcher hineinzuschlagen, kommt dahinter eine ziemlich unansehnliche Bruchbude zum Vorschein. Und in "Eisnebel" ist das sogar ein lebensgefährliches Unterfangen. Auch wenn es im ganzen Roman nie neblig ist. Aber die Stimmung ist oft eisig genug, um uns einen Schauer über den Rücken zu jagen.
Wenn ihr also an Weihnachten schon vom Gedanken an den Familienbesuch genervt seid, dann lest dieses Buch. Es geht nämlich auch noch viel schlimmer. Da sieht man Tante Erna, wie sie das Raclettepfännchen zerpflückt, dann plötzlich wieder mit ganz anderen Augen.