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Veröffentlicht am 21.05.2026

Lebendig und fesselnd

Our Holiday
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Wie jeden Sommer verbringen die Tuckers, Charlotte, Perry und ihr Sohn Benedikt, den Monat August in ihrem Ferienhaus an der Pine Ridge Road, an der Sudküste Englands. Ihre Nachbarn in London, Amy und ...

Wie jeden Sommer verbringen die Tuckers, Charlotte, Perry und ihr Sohn Benedikt, den Monat August in ihrem Ferienhaus an der Pine Ridge Road, an der Sudküste Englands. Ihre Nachbarn in London, Amy und Linus Shaw mit ihren Kindern Huck und Beattie, wohnen inzwischen am Urlaubsort ebenfalls nebenan. Die Shaws haben ein Ferienhaus in der Nähe der Tuckers gekauft und organisieren jetzt dessen Renovation vor Ort.

Dies sehr zum Missfallen der einheimischen Bevölkerung, die etwas gegen die Zweitwohnungsbesitzer hat. Denn die reichen Urlauber verbringen nur vier Wochen im Jahr an diesem idyllischen Ort und für die Einheimischen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Die gegründete Aktivistengruppe "Not just for August" macht den Feriengästen das Leben schwer und schon bald eskaliert die Lage.


Obwohl das Buch 570 Seiten dick ist, habe ich mich auf keiner einzigen davon gelangweilt. Dafür sind die Themen zu vielfältig und unterhaltsam, ja auch manchmal sozialkritisch. Letzteres vor allem im Grundthema der Geschichte, der Besitz von Zweitwohnungen. Für die einheimische Bevölkerung, die händeringend nach bezahlbarem Wohnraum sucht, sind die Feriengäste ein Affront. Reiche Leute aus London kaufen ihnen die Häuser weg. Diese stehen, bis auf ein paar Wochen im August, das ganze Jahr leer. Wohnungen werden zu Airbnb's umfunktioniert, denn damit wird ordentlich Geld gescheffelt. Ein bekanntes Problem auch in der Realität und bei dem sich die Katze in den Schwanz beisst. Ein Teufelskreis, in dem ich beide Seiten nachvollziehen konnte.

Weitere Themen wie organisierter Diebstahl, gleichgeschlechtliche Liebe und Urlaubsromanzen, Revolten der Aktivistengruppe, clevere Diebstähle, die Sympathien und Antipathien zwischen den Familienmitgliedern und etliche andere Themen machen die Handlung lebendig. Es geschieht immer irgendetwas und jede und jeder der Figuren erlebt Fesselndes.

Kapitelweise wird eine Figur in den Mittelpunkt gestellt und sie wiederholen sich nach ein paar Kapiteln. Problemlos konnte ich dort anknüpfen, wo die Autorin Kapitel zuvor die Figuren verlassen hatte. Oft mischen sich natürlich die Figuren und nehmen in "fremden" Kapiteln teil. Darauf ergibt sich eine lebendige Handlung, die mir Spass gemacht hat.

Als Thriller würde ich diese Geschichte nicht benennen. Denn das schürt Erwartungen, die diese nicht zu halten vermag. Kapitel, die Ende August, also gegen Ende der Ferienzeit handeln, zeigen zwar eine mittlere Katastrophe und auch einen Todesfall. Doch irgendwie steht das nicht im Fokus, dafür ist der Rest der Story zu abwechslungsreich. Erst gegen Schluss führt die Leiche, die sehr unkonventionell zur Leiche wurde, zu Ermittlungen. Die letzten 50 Seiten würde ich als Spannungsroman oder Krimi einstufen.

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Veröffentlicht am 16.05.2026

War es das?

Mit anderen Augen
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Nach der Scheidung ist die 52-jährige Tilda Finch eigentlich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist Mutter von erwachsenen Zwillingstöchtern und leitet erfolgreich ein Unternehmen.

Eines Morgens ...

Nach der Scheidung ist die 52-jährige Tilda Finch eigentlich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist Mutter von erwachsenen Zwillingstöchtern und leitet erfolgreich ein Unternehmen.

Eines Morgens bemerkt sie, dass der kleine Finger ihrer rechten Hand fehlt. Beim Besuch bei ihrer Ärztin erhält sie die Diagnose "Unsichtbarkeit". Unheilbar und nicht ausgeschlossen, dass noch andere Körperteile verschwinden. Was physisch bei ihr fortschreitet, hat Tilda auch psychisch schon seit einiger Zeit bemerkt.

Nun ist es an der Zeit sich gegen die Unsichtbarkeit zu stemmen.


Morbus invisibilis: ein Phänomen, das vor allem Frauen in der Lebensmitte trifft. Sie werden von ihrer Umgebung übersehen und ignoriert. Diese Besonderheit gibt es auch im realen Leben. Hier in diesem Buch hat die Autorin noch körperliche Unsichtbarkeit dazu gedichtet.

Protagonistin Tilda verschwindet langsam aber sicher. Sie nimmt deshalb auch an einer Selbsthilfegruppe teil, in der einige Mitglieder nicht oder kaum noch sichtbar sind. Damit ist der Plot leicht skurril. Körperteile, die verschwinden, sind völlig aus der Luft gegriffen. Das hat mich seltsamerweise gar nicht gestört.

Hinter dem Ganzen steckt eine Krise, die Frauen in der Lebensmitte häufig trifft. Die Kinder sind aus dem Haus, die Frauen beruflich angekommen und in einem wertvollen Freundeskreis integriert.

War es das?

Eine Frage, die sie sich trotzdem stellen. Auch Tilda gehört dazu und sie stellt einiges an, um sichtbar zu werden. Sie wendet sich an ihre Ärztin und eine Psychoanalytikerin, sucht Rat bei ihren besten Freundinnen Leith und Ali, besucht ein Meditations Retreat und öffnet sich für eine neue Liebe. Per Zufall lernt sich nämlich einen Mann kennen. Patrick ist blind und nimmt die Makel an Tilda dadurch nicht wahr. Romantisch und sehr schön sind diese Passagen und entschädigen für die trockenen und esoterischen Teile der Selbstfindung Tildas, die für mich einen zu grossen Teil einnehmen.

Die Autorin lässt immer wieder einen leichten Humor durchblitzen, vernachlässigt jedoch nicht die tiefgründigen Passagen. Sehr schön die Lebensweisheiten von bekannten Persönlichkeiten, sowie fiktiven Figuren bei Beginn der Kapitel.

"Mit anderen Augen" ist ein Roman mit einem Hauch Romantik, einem Teil guter Freundschaften, Familienbande und ganz viel Selbstfindungsgedanken.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Facettenreich

Vier Minuten Stille - Und dann kam der Sturm
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Es ist ein eisig kalter Wintertag, Neuschnee ist gefallen und eine tote Frau liegt in ihrem Garten. Fast unbekleidet wurde sie auf einem Liegestuhl abgelegt. Das LKA nimmt die Ermittlungen auf, denn Rahel ...

Es ist ein eisig kalter Wintertag, Neuschnee ist gefallen und eine tote Frau liegt in ihrem Garten. Fast unbekleidet wurde sie auf einem Liegestuhl abgelegt. Das LKA nimmt die Ermittlungen auf, denn Rahel Keller wurde ermordet.

16 Jahre zuvor lernt Rahel an einem Sommerfestival einen jungen Mann kennen und ist bezaubert von ihm.

Doch das Festival verwandelt sich für sie in einen Albtraum, denn sie wird von ihm getrennt und von einem anderen Festivalbesucher bedroht.


Nach "Fünfzehn Sekunden" ist dieses Buch der zweite Band der Wase Rahini Reihe. Rahini ist der zuständige Ermittler des LKA in diesem neuen Fall und hat auch schon im ersten Band sein Können gezeigt. Vorwissen ist meiner Meinung nach unbedingt nötig. Erstens, da ab und zu Vergangenes erwähnt wird und zweitens die Beziehung zwischen Wase und Bär, einer Figur aus dem vorderen Band, wichtig wird. So kann man vor allem die Sicht von Lennart Bär besser verstehen.

Ich fand dieses zweite Buch zuerst weniger in die Tiefe gehend als sein Vorgänger. Es kommen viele Informationen zu den einzelnen Figuren, dabei gehen die Ermittlungen zeitweise etwas vergessen. Immer wieder tritt die Handlung auf der Stelle.

Passagen, wie zum Beispiel die Untersuchung des Tatorts oder die Autopsie der Toten, bremsen diese für etliche Seiten komplett aus. Dadurch musste ich mich zu Beginn schon sehr durchkämpfen. Mit der Figur Louca, der sechzehnjährigen Tochter der Toten, nimmt die Geschichte jedoch bald an Fahrt auf und wird facettenreicher. Plötzlich geht es nämlich nicht mehr nur um den Mord, dort im Garten des Opfers, sondern wird mit einem zweiten Mord und einem Cold Case ergänzt.

Die Autorin schreibt in einem eher unruhigen Schreibstil, der mir jedoch grundsätzlich gefallen hat. Unruhig, da der Stil eine Mischung von stakkatoartig und detailreich ist. Manchmal kommen verspielt ausgeschmückte Sätze dazu.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Freundschaft und Loyalität

Was wir verschweigen
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Eine Gruppe Randständiger feiert in einem Wochenendhaus. Es geht hoch zu und her und plötzlich ersticht ein Mann einen anderen mit einem Brotmesser.

Der Täter flüchtet und wird noch am selben Abend von ...

Eine Gruppe Randständiger feiert in einem Wochenendhaus. Es geht hoch zu und her und plötzlich ersticht ein Mann einen anderen mit einem Brotmesser.

Der Täter flüchtet und wird noch am selben Abend von der Kripo Pori festgenommen. Der Fall scheint gelöst.

Doch Kommissar Jori Paloviita ist von der Unschuld des Festgenommenen überzeugt. Er kennt den vermeintlichen Täter nämlich gut, schliesslich war er in der Schule sein bester Freund. Mit ihm ist er durch dick und dünn gegangen und verdankt ihm sein Leben.


Dieses Buch ist einer dieser Krimis, in dem der Gedanke aufkommt, dass das Opfer seinen Tod herausgefordert hat. Ja, ein Stück weit verdient hat. Mein Mitleid für den Ermordeten hielt sich in Grenzen, wenn ich ehrlich bin. Regelmässig werden nämlich Kapitel seiner Jugendzeit gewidmet und da geht es rund. Das spätere Opfer war im Jahr 1991 ein Jugendlicher, der mobbt, quält und kriminell ist. Bekommt er nun als Erwachsener die Quittung für sein Verhalten?

Ungewöhnlich und spannend ist, dass auch der ermittelnde Kommissar zu Schulzeiten unter ihm gelitten hat. Die Mischung zwischen professioneller Objektivität und Gefühlen wie Abneigung, Wut und nachtragend sein, ist sehr berührend in der Figur Jori Paloviita vereint.

Berührend ist auch seine Freundschaft zu einer Schlüsselfigur in der Mordermittlung. Zwei Freunde, die 1991 als 13-Jährige durch dick und dünn gehen, anschliessend aus den Augen verlieren und sich plötzlich zwischen Loyalität und Freundschaft entscheiden müssen. Das ist die starke Seite der Geschichte. Etwas weniger stark und langatmig empfand ich die Einführung in die Figuren. Arttu Tuominen liess sich zu Beginn des Buches viel Zeit damit und es dauert etwas, bis Spannung aufkommt.

Dieses Buch ist der erste Fall einer Reihe und im Mittelpunkt steht Jori Paloviita. Seine Kollegen Linda Toivonen und Henrik Oksman werden eingeführt, haben jedoch eher eine Nebenrolle. Die beiden werden in den nächsten Bänden wohl ihre Hauptrolle bekommen und darauf freue ich mich sehr. Auftakt gelungen.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Sachlicher Schreibstil

Schlaf
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Margaret lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern Helen und Jo in New York. Sie ist geprägt von ihrer Kindheit mit einer narzisstischen Mutter, die nun im Sterben liegt.

Margaret kehrt nun ...

Margaret lebt als alleinerziehende Mutter mit ihren Töchtern Helen und Jo in New York. Sie ist geprägt von ihrer Kindheit mit einer narzisstischen Mutter, die nun im Sterben liegt.

Margaret kehrt nun ins Elternhaus in New Jersey und zu der sterbenden Elisabeth zurück.

Sie muss Abschied nehmen, aber auch Ungesagtes aus der Kindheit bereinigen und sich ihren Erinnerungen stellen.




Honor Jones hat ihrem Debütroman den Titel "Schlaf" gegeben und tatsächlich ist der Zustand des Schlafes ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Protagonistin Margaret erfährt nämlich nachts, als Zehnjährige, Übergriffe durch ihren älteren Bruder. Diese werden jedoch äusserst sachlich und unaufgeregt erzählt.

Die Kindheit Margarets, in einer eher toxischen Familie, dient als Einstieg in das Buch. Sie wächst mit Bruder Neil, Vater Hugh und Mutter Elisabeth auf und zumindest zwei der vier Familienmitglieder sind psychisch seltsam. Bruder Neil ist nicht nur seltsam, sondern auch übergriffig. Mutter Elisabeth ist immer bereit ihre Tochter zu piesacken und den Sohn vorzuziehen. Mir hat das kleine Mädchen, deren Stütze und Halt nicht etwa Vater Hugh, sondern ihre beste Freundin Biddy ist, leid getan. Es gibt da ein paar Passagen, da lief es mir trotz aller Sachlichkeit kalt den Rücken hinunter.

Abrupt wechselt die Geschichte nach einem Drittel und Margaret ist 35 Jahre alt, geschieden, Mutter von zwei kleinen Töchtern und geprägt von der schwierigen Kindheit und der Beziehung zu ihrer Mutter. Sie hat sich zu einer überbehütenden Mutter entwickelt und muss sich nun mit dem baldigen Tod ihrer Mutter auseinandersetzen. Margaret denkt oft zurück an ihre Kindheit und kurze Einspieler davon wurden in die Handlung in der Gegenwart eingesetzt.

Horor Jones schreibt in einem leicht holperigen Schreibstil. Zum grössten Teil ist der Stil sachlich, was einerseits bei oben erwähnten Passagen erleichternd ist und andererseits halt auch automatisch zu den Figuren eine Distanz erzeugt.

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