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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2021

Auflösung enttäuschend!

Eskalation
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Dina Martin ist auf dem Nachhauseweg, nach einem Treffen mit einer Freundin, als das Grauen seinen Lauf nimmt. Sie wird von einem Auto verfolgt und dabei über die Freisprechanlage gezwungen immer weiterzufahren. ...

Dina Martin ist auf dem Nachhauseweg, nach einem Treffen mit einer Freundin, als das Grauen seinen Lauf nimmt. Sie wird von einem Auto verfolgt und dabei über die Freisprechanlage gezwungen immer weiterzufahren. Dina sieht Rettung nahen, als sie auf einem Parkplatz anhält und ein Polizist eine Verkehrskontrolle bei ihr durchführen will. Minuten danach steigert sich der Albtraum noch, denn ein Schuss fällt…




Für einmal ein Thriller, der mit einem neuartigen Plot aufwartet. Nicht nur, was die Tat betrifft, sondern auch was die Ausführung angeht. Ein Täter zwingt verängstigte Frauen, nur über die Freisprechanlage im Auto, zu tun was er möchte.

Allerdings muss ich als Kritikpunkt einbringen, dass mir das Motiv für die Taten zu weit hergeholt war. Gegen Ende machte sich doch Enttäuschung breit, nach den vielen Seiten zuvor, die mich gefesselt haben. Meiner Meinung nach hat es sich die Autorin zu einfach gemacht, denn das Motiv ist einfach nur klischeehaft und ausgelutscht. Der Täter ist perfide und gezeichnet von seiner Vergangenheit. Leider ist es auch so, dass der Täter gegen Schluss aus dem Nichts aufzutauchen scheint. Etwas, was ich absolut nicht mag, denn so kommt das Gefühl hoch, dass die Autorin eine Wahnsinnsüberraschung aus dem Aermel schütteln wollte, die aber nicht so ganz zum Rest der bisherigen Handlung passt.


Die kurz gehaltenen Kapitel werden chronologisch geordnet und fortlaufend geführt. So zieht sich die ganze Story, ausser im Epilog, über vier Tage. Der einfach gehaltene Aufbau empfand ich als wohltuend und man kommt rasch vorwärts. Immer wieder stehen andere Figuren im Mittelpunkt, was die Geschichte abwechslungsreich macht. Die Figuren führen nach und nach zu einem grossen Ganzen und jede und jeder hat seine Berechtigung. Die Figuren sind zeitweise etwas naiv und gutgläubig. Absolut nicht verstanden habe ich zum Beispiel, dass niemand seine Haustüre nachts abzuschliessen scheint. Dies, obwohl bekannt ist, dass ein Serientäter sein Unwesen treibt. Weder die beste Freundin der vermissten Frau, noch die Staatsanwältin oder der Täter schliessen die Türe zu. Der Täter vergisst nämlich den Raum abzuriegeln, in der er die Opfer gefangen hält.


Sehr blass empfand ich die Ermittlungen. Zu grossen Teilen halten die Ermittler bei Pressekonferenzen Hof und regen sich über Zeitungsartikel und ihre Verfasser auf. Als ihnen ein potenzieller Täter auf dem Silbertablett präsentiert wird, da dessen Ehefrau eine verhängnisvolle Aussage macht, warten sie mehrere Stunden, bis sie bei ihm Zuhause auftauchen. Und sind brüskiert, da die, mittlerweile verprügelte, Ehefrau sofort hätte Bescheid sagen sollen, wenn ihr Mann zu Hause ist.


Ich denke das grosse Problem in „Eskalation“ ist, dass Nora Benrath alle Figuren auf dieselbe Stufe gestellt hat. Oft benötigt man als Leser in einem Buch einen „Leitwolf“, der durch die Geschichte führt und leitet, damit mitgelitten und gefühlt werden kann. So wird die Handlung oft hektisch, was die Opfer betrifft, die Ermittler bleiben blass und das Motiv nimmt man dem Täter nicht so ganz ab.

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Veröffentlicht am 01.08.2021

Die Auflösung zu konstruiert!

Die Verlorenen
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Jonah Colley arbeitet bei der bewaffneten Sondereinheit der Metropolitan Police in London und hat das wohl Schlimmste erlebt, was ein Vater durchmachen kann. Sein 4-jähriger Sohn Theo ist zehn Jahre zuvor ...

Jonah Colley arbeitet bei der bewaffneten Sondereinheit der Metropolitan Police in London und hat das wohl Schlimmste erlebt, was ein Vater durchmachen kann. Sein 4-jähriger Sohn Theo ist zehn Jahre zuvor von einem Spielplatz verschwunden und seither fehlt jede Spur von ihm. Genauso lange hatte Jonah keinen Kontakt mehr zu seinem ehemaligen besten Freund und Arbeitskollegen Gavin McKinney. Deshalb ist Jonah sehr erstaunt, als Gavin ihn anruft und zu später Stunde zu einem Treffen überredet. Als Jonah bei dem einsam gelegenen Lagerhaus ankommt, ist Gavin tot und weitere drei Menschen wurden bestialisch ermordet.





Dieser Thriller beginnt rasant, denn sehr schnell ist man umgeben von Leichen und Ermittlungen. Auf den ersten Seiten begleitet man Jonah in dieses einsame Lagerhaus und es wird ordentlich gruselig. Doch auch der Schwenker im nächsten Kapitel ist nichts für Leser, die es gerne beschaulich und ruhig haben, denn nun springt die Geschichte zehn Jahre zurück zur Entführung des kleinen Theo.

Theo verschwindet von einem öffentlichen Spielplatz, unter der Obhut seines Vaters, der als verdeckter Ermittler arbeitet und eigentlich vorsichtig und umsichtig ist. Genau diese Szene war der Schlüsselmoment, der mir Jonah so menschlich machen liess. Er und seine Frau Chrissie machen das Schlimmste durch, was Eltern geschehen kann. Der Verlust des Kindes und nicht zu wissen, ob es noch lebt oder tot ist. Genau hier hatte mich der Autor im Sack und ich war von der ersten Seite an gefesselt. Immer wieder und durch das ganze Buch hat Simon Beckett brenzlige Szenen eingestreut, von Langatmigkeit keine Spur.



Obwohl lange Zeit die Entführung von Theo in den Hintergrund tritt und das neuste Verbrechen, der Fund der drei Toten und des ermordeten Gavin im Mittelpunkt steht, habe ich mich durchwegs gefragt, wie alles zusammenhängt. Eine Ueberraschung gegen Ende der Geschichte hat meine Begeisterung allerdings doch noch gedämpft. Sehr weit hergeholt empfand ich die Auflösung und die finale Entwicklung.



Dies war nicht mein erstes Buch von Simon Beckett. Die David Hunter Reihe finde ich toll. Nun hat der Autor also mit Jonah Colley den Grundstein für eine neue Reihe gelegt. Gelungen .... und ich freue mich auf Teil zwei!

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Veröffentlicht am 31.07.2021

Geschichte mitten aus dem Leben...

Wir für uns
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Josie ist 41 Jahre alt und schwanger von Bengt. Bengt ist verheiratet, hat schon zwei Kinder und drängt Josie dazu, das Kind abzutreiben. Josie sieht diese Schwangerschaft als letzte Chance Mutter zu ...

Josie ist 41 Jahre alt und schwanger von Bengt. Bengt ist verheiratet, hat schon zwei Kinder und drängt Josie dazu, das Kind abzutreiben. Josie sieht diese Schwangerschaft als letzte Chance Mutter zu werden...doch ein Kind ohne Vater aufziehen? Schafft sie das? Durch einen glücklichen Zufall lernt Josie Kathi kennen, die gerade ihren Mann Werner nach langer Ehe beerdigen musste. Die beiden Frauen schliessen, trotz der dreissig Jahre Altersunterschied, schnell Freundschaft.

Die Geschichte um Josie und Kathi ist eine, die mitten aus dem Leben entsprungen sein könnte. Nicht nur, dass die Themen authentisch daher kommen. Die Figuren tun es ebenfalls und kommen dem Leser sehr nahe. Denn in abwechselnden Kapiteln erfährt man in Ich Perspektive die Sichtweise von der schwangeren Josie und der trauernden Kathi.
Bei Josie spürt man sehr schnell, wo der Hase in der Beziehung mit Bengt begraben liegt. Man spürt auch, wie sie hin und her gerissen ist. Die Diskussion, um das Schicksal des gemeinsamen Kindes, zeigt viele Facetten der Beziehung zwischen Josie und Bengt. Ich hatte sehr viel Mitleid mit Josie, denn ihr Leben zu Beginn des Buches, empfand ich als trist. Bedrückend wie sie sich verbiegt, um so zu sein, wie Bengt sie haben möchte.
Und dann ist da auch noch Kathi, die nach einer erfüllten Ehe zurückblickt und merkt, dass nicht alles so perfekt war, wie sie dachte. " Er gab ihr Sicherheit und sie ihm Ruhe" ist wohl doch nicht das Nonplusultra einer Ehe. Sehr tiefgündig sind die Überlegungen von Kathi, die auf ihr Leben zurückschaut.
Beide Lebenssituationen haben mich gleichwertig gefesselt. Ich fand vor allem die Unterschiede toll.
Die Autorin hat bei mir Emotionen geweckt. Im Bezug zu den Beziehungen beider Frauen, aber auch zur Lebenssituation von Kathis Sohn Max. Und dann sind auch noch die Themen pränatale Tests, Kinder mit einem Down Syndrom und Klimawandel.
Mir hat das Buch unheimlich gut gefallen. Vor allem der Neubeginn, den beide Frauen anpacken, ist faszinierend.
Den Schreibstil habe ich als sehr gut lesbar empfunden. Ich hatte " Wir für uns" relativ schnell gelesen, Da immer wieder Unerwartetes geschieht, konnte ich es kaum aus der Hand legen.

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Veröffentlicht am 31.07.2021

Dublin in den 60er Jahren...

Sterbenskalt
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Ermittler Frank Mackey wird von seiner Schwester Jacky benachrichtigt, dass in der Nähe des Elternhauses ein alter Koffer gefunden wurde. Genau der Koffer, der vor 20 Jahren zusammen mit dem Nachbarmädchen ...

Ermittler Frank Mackey wird von seiner Schwester Jacky benachrichtigt, dass in der Nähe des Elternhauses ein alter Koffer gefunden wurde. Genau der Koffer, der vor 20 Jahren zusammen mit dem Nachbarmädchen Rosie Daly, verschwunden ist. Die damals 19 Jahre alte Rosie war die Jugendliebe von Frank und sie wollten zusammen nach England abhauen. Rosie kam am verhängnisvollen Abend nie am vereinbarten Treffpunkt an und galt seither als vermisst.

Im Zentrum der Geschichte steht die Vergangenheit von Frank Mackey. Nicht nur, dass der alte Vermisstenfall um seine Jugendliebe Rosie neu aufgerollt wird. Er setzt auch zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder einen Fuss in sein Elternhaus in Faithful Place in Dublin. Mit seinen Eltern und Geschwistern hatte er, ausser mit Schwester Jackie, keinen Kontakt mehr. Unweigerlich fragt man sich, was geschehen muss, damit jemand all seine Zelte abbricht und mit der Vergangenheit abschliesst? Die Autorin hat eine zerrüttete Familie mit einem alkoholkranken Vater und in ärmlichen Verhältnissen gezeichnet, bei der man die Enge und den Hass nachempfinden kann. Tief betroffen haben mich Rückblicke auf Erlebnisse in der Kinder und Jugendzeit gemacht. Kaum vorzustellen, wie Kinder aufwachsen müssen.
Tana French vermittelt glaubhaft das Bild einer Familie in den 60er Jahren in Dublin. So nimmt der Vermisstenfall etwas weniger Platz ein, als gedacht und erhofft. Geschwisterrivalität, Eifersucht und alte Wunden aus der frühen Kinder und Jugendzeit verdrängen den Vermisstenfall mehrheitlich.
Ermittlungen werden en famille geführt und Frank ist oft gefangen zwischen Beruf und Privatleben.
Ich bin ein Fan der Autorin und der Schreibstil ist durchwegs gut. Niemand versteht es besser 600 Seit en so zu füllen, dass man sich nicht langweilt. Zudem lockert oft Wortwitz und die sarkastische Art von Frank die Geschichte auf.
Überhaupt ist Frank Mackey eine gelungene Figur, bei der ich mir allerdings vorstellen kann, dass sie bei den Lesern polarisiert. Ich mag keine 08/15 Ermittler und in diese Rubrik fällt Frank keineswegs. Er ist, wie gesagt, sehr sarkastisch und lebt für seinen Beruf. Doch das Wichtigste überhaupt ist ihm seine Tochter Holly. Im Umgang mit ihr wird er lammfromm und zeigt seine verständnisvolle Seite.

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Veröffentlicht am 23.07.2021

Leseempfehlung!

Liebe braucht nur zwei Herzen
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Liv arbeitet als Ordnungsfee und sie wird engagiert, um auszumisten, zu entrümpeln und dem Chaos Herr zu werden. Dafür reist sie durch die ganze Welt und arbeitet, wo sie gerade einen Auftrag bekommt. ...

Liv arbeitet als Ordnungsfee und sie wird engagiert, um auszumisten, zu entrümpeln und dem Chaos Herr zu werden. Dafür reist sie durch die ganze Welt und arbeitet, wo sie gerade einen Auftrag bekommt. Genau so ein Auftrag lockt sie in ihre Heimatstadt Berlin und sie kehrt Andalusien den Rücken. Der lukrative Auftrag entpuppt sich als Niete und so zieht Liv wohl oder übel vorübergehend bei ihrem Vater ein. Kaum angekommen trifft sie Flo, ihre einstige grosse Liebe aus dem Nachbarhaus, wieder. Zum Glück hat Liv nicht nur den materiellen Gütern abgeschworen, sondern auch der Liebe. Denn Liebe ist doch nur ein biochemischer Prozess… oder?









Liv sortiert und mistet bei anderen Leuten aus. Das was sie im Job bei anderen Leuten erledigt, ist auch ihre eigene Regel. Sie lebt als Minimalistin und besitzt genau 137 Dinge. Beziehungen sind ihr weniger wichtig, egal ob die zu ihrer Familie oder zu Freunden. Der Liebe hat sie abgeschworen, denn die ist Liv zu belastend und zu aufwendig. Liv hat mich zum Nachdenken gebracht. Wie es wohl wäre, so zu leben? In einem bin ich mit Liv einig: Man muss ab und zu den Mut haben, Beziehungen und Menschen, mit denen einen mehr trennt als verbindet, loszulassen. Um Platz zu machen für neue Menschen und neue Beziehungen.

Ich empfand „Liebe braucht nur zwei Herzen“ sehr tiefgründig.

Sehr schön sind die pfiffigen Kapiteleinleitungen, die lauten zum Beispiel „Sammle Momente, nicht Dinge“ oder „Gerümpel ist lediglich die Manifestation von unerledigten Dingen“. Doch es geht in diesem Roman nicht nur darum zu entrümpeln, sondern auch um Liebe. Was in der Beziehung zu Beginn als vorhersehbar gedacht, entwickelte eine ganz andere Dynamik und konnte mich überraschen.



Hervorragend hat mir die Figur Liv gefallen. Ich empfand sie als interessant und spannend. Sie hat mich mit ihrer Philosophie, dem Minimalismus, überzeugt. Liv lebt ihr Leben mit dieser Ueberzeugung und steht dafür ein. Auch wenn Liv nach und nach doch noch dahinterkommt, was die wahren Werte im Leben sind und was das Leben ausmacht. Liv ist eine Figur, die sich im Laufe der Geschichte entwickelt und der man dabei zusehen kann.



Ich gebe zu, dass mich die Geschichte um Liv und ihren Minimalismus animiert hat, auszumisten. Ich bin zwar nicht der Sammlertyp von Gegenständen. Es gibt trotzdem ein paar Ecken und Fächer, denen ich zu Leibe gerückt bin. Vor allem eine Szene, die Liv mit Frau Stein, einer ehemaligen Nachbarin, beschreibt, ist toll und motivierend beschrieben.



Judith Wilms ist es gelungen, mich für ein paar Stunden völlig gefangenzunehmen und mich in Livs Welt zu entführen. Für mich ist dieses Buch ein Highlight am Lesehimmel und ich kann es wärmstens empfehlen.

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