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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.06.2018

Die lieben Nachbarn...

Das Paar aus Haus Nr. 9
2 0

Carol und Sara sind Nachbarinnen und Freundinnen, die Kinder fast gleich alt. Sie unternehmen ab und zu gemeinsam etwas und helfen sich bei der Kinderbetreuung aus. Damit ist es jedoch vorbei, als in die ...

Carol und Sara sind Nachbarinnen und Freundinnen, die Kinder fast gleich alt. Sie unternehmen ab und zu gemeinsam etwas und helfen sich bei der Kinderbetreuung aus. Damit ist es jedoch vorbei, als in die Doppelhaushälfte von Sara und ihrem Mann Neil eine neue Familie einzieht. Sofort ist Sara fasziniert von der unkonventionellen, neuen Nachbarin Lou. Lou bestärkt Sara darin ihren Traum des eigenen Buches zu verwirklichen und zeigt ihre eine Welt, die Sarah bisher so nicht kannte.

Die Geschichte beginnt 18 Monate zuvor und wird chronologisch geordnet erzählt. Als Leser erlebt man die verschiedenen Facetten der Freundschaft, erst zwischen Lou und Sara und nach und nach beider Familien kennen. Erst mutiert Sara zum Voyeur, der durch die Vorhänge linst. Magisch angezogen von dem scheinbar viel interessanteren Leben der neu zugezogenen Nachbarsfamilie. Als Leser rätselt man, ob dies aus Langeweile oder vielleicht sogar aus Neid geschieht. Da die Autorin die Figuren sehr überzeugend charakterisiert hat, versteht man allmählich den Charakter und das fehlende Selbstbewusstsein von Sara. Sie ist abgestossen und fasziniert zugleich von Lou und ihrer Art zu leben, doch im Grunde genommen fühlt sie sich einfach durch und mit Lou stärker. Meiner Meinung sind hier der Autorin die beschriebenen Stimmungen und Charaktereigenschaften gut gelungen. Ich war gefesselt! Ein Blick in die Nachbarhäuser, aber auch in die Beziehungen untereinander verstärkten diesen Eindruck. Man erkennt, dass die freundschaftliche Beziehung der Frauen und ihrer Familien nicht gut ausgehen kann und das macht meiner Meinung nach den Reiz der Story aus. Atemlos habe ich auf den grossen Knall gewartet.
Als ein Kritikpunkt in der Handlung muss ich anmerken, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass man in England seine Kinder einfach so in der Schule abmelden kann, ohne eine Anschlusslösung zu haben. Die Nachbarinnen beschliessen ihre Kinder selbst zu Hause zu unterrichten. Fünf Wochen nach Schulbeginn haben sie weder ein Konzept noch den Unterricht geplant. Und niemand von der Schulbehörde scheint dies zu kontrollieren.
Ansonsten ist der Fokus der Handlung klar auf die gemeinsamen Erlebnisse der Freundinnen und Familien gelegt. In erster Linie geht es um Beziehungen und eine subtile Form der Abhängigkeit. Wer grosse Dramen oder sogar Crime erwartet, sollte die Finger von "Das Paar aus Haus Nr. 9" lassen. Dieser Roman besticht durch feine und leise Nuancen der Abhängigkeit, unter dem Deckmantel Freundschaft.
Den Schreibstil empfand ich als sehr flüssig zu lesen und wie oben erwähnt ist ein klares Plus die Charakterisierung der Figuren. Mir hat der Roman sehr gefallen, gerade weil die Gefühle, Stimmungen und die Atmosphäre sehr gut ausgearbeitet wurden.

Veröffentlicht am 04.06.2017

Schwierig eine Wertung abzugeben...

Murder Park
2 0

Zwölf Menschen kehren auf eine Insel zurück, auf der vor 20 Jahren Tragisches ereignet hat. Auf Zodiac Island , einem Erlebnispark ,wurden damals drei Frauen ermordet. Der Mörder Jeff Bohner, wurde gefasst ...

Zwölf Menschen kehren auf eine Insel zurück, auf der vor 20 Jahren Tragisches ereignet hat. Auf Zodiac Island , einem Erlebnispark ,wurden damals drei Frauen ermordet. Der Mörder Jeff Bohner, wurde gefasst und hingerichtet. Nun will Geschäftsmann Rupert Levin einen Murder Park eröffnen, eine Art Erlebnispark, der Serienmördern gewidmet ist. Zusätzlich sollen Aktivitäten angeboten werden, in denen Menschen zueinander finden und als Paar die Insel verlassen. Reporter Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel eingeladen. Kurz nach Ankunft wird auch schon der Erste vermisst...

Ich muss gestehen, dass mir der Start ins Buch sehr schwer fiel und ich etliche Male kurz davor war, abzubrechen. Ich empfand die Einführung als langatmig und zäh. Die zahlreichen Protagonisten verschwammen ineinander, da die Gelegenheit fehlt, sie näher kennen zu lernen. Ich habe mir eine Liste mit den Namen , den Merkmalen und der Funktion angelegt. Bei Beendigung des Buches habe ich dann entdeckt, dass genau so eine Liste ganz am Ende abgedruckt ist! Immer wieder von Neuem frage ich mich, warum Verlage so relevante Informationen nicht zu Beginn eines Buches einschieben können? Ich sollte mir wohl angewöhnen, erst zum Schluss zu blättern bevor ich mit einem Buch beginne!

Durch das ganze Buch verteilt wurden Interviews, die einer der Figuren mit den elf anderen führt, abgedruckt . Zudem noch eine Video Aufzeichnung,in der sie sich selbst porträtiert. Ergibt 12 eingeschobene Passagen, in denen man als Leser jede der Figuren besser kennen lernt. Für mich war allerdings dadurch die Einführung in die Personen und ihre Geschichten etwas spät. Da die Interviews zudem immer sehr ausufernd sind und von der Hauptgeschichte abschweifen, haben sie meinen Lesefluss etwas gestört. Da erfahren wir beispielsweise seitenlang über den todkranken Bruder eines Protagonisten...etwas,das für die Hauptgeschichte nur in kleinstem Mass relevant ist.

Wie gesagt, bis zur Buchmitte empfand ich das Ganze dadurch zäh und „Gänsehautmomente“, die ich in einem Thriller als Grundvoraussetzung ansehe, haben mir gefehlt. Es gab ein paar spannende Szenen, doch keine die mich hat mit Hochspannung weiterlesen lassen.

Ab Mitte Buch nimmt die Spannung zu, die Mordfälle im „Jetzt“ vermischen sich mit den Fällen von vor 20 Jahren und verbinden sich schlussendlich auf schlüssige Weise. Endlich habe ich Thrillergefühle und Spannung empfunden !

Nach und nach kristallisiert sich Paul Greenblatt als Dreh und Angelpunkt. Leider war er mir über weite Teile nicht wirklich sympathisch. Wenn jemand in einer Ausnahmesituation, in der er jederzeit Angst haben muss von einem irren Mörder um die Ecke gebracht zu werden, noch an Sex denkt, empfinde ich das als schon sehr grenzwertig, arrogant und abgefahren.

Der Schreibstil von Jonas Winner, den ich schon in „die Zelle“ zu schätzen gelernt habe , ist unverändert toll. Der Plot ist durchdacht und eine schlüssige Auflösung garantiert.

Die Auflösung zum Schluss hat mich überrascht. Hier geschieht etwas, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet habe. Das Ende hat noch so einiges rausgehauen und so vergebe ich 4 Sterne an den Murder Park.

Veröffentlicht am 07.10.2016

Leseempfehlung!

Als der Teufel erwachte
2 0

Tom Neumann vom LKA Wien ist kaum zurück von Quantico, USA ,als schon Chef Georg Kunze anruft. Er wird dringend gebraucht, denn Mechaniker haben zwei Leichen in einem Kofferraum entdeckt. Zudem ist Kollegin ...

Tom Neumann vom LKA Wien ist kaum zurück von Quantico, USA ,als schon Chef Georg Kunze anruft. Er wird dringend gebraucht, denn Mechaniker haben zwei Leichen in einem Kofferraum entdeckt. Zudem ist Kollegin Jutta Stern in Indien um ihren Vater zu suchen und das Team damit unterbelegt.
Schon bald wird klar, dass die beiden Toten sich als Flüchtlinge in Österreich aufgehalten haben und mit Schleppern in das Land gekommen sind.
Als weitere Leichen in grossen Kabelträgern gefunden werden ,ermittelt das LKA auf Hochtouren.

Dies ist nach "als Gott schlief " der zweite Fall der Ermittler Stern,Neumann und Kunze. Wie auch im ersten Buch hat mich auch diese Geschichte völlig gefesselt. Hier in diesem Buch ist vor allem das Thema Flüchtlinge, ihre Gründe für die Flucht ,aber auch die Gefahren und die Kriminalität rund um die Flucht im Mittelpunkt. Szenen, in der beschrieben wird, was die Menschen auf der Flucht erleiden müssen, haben mich regelrecht geschüttelt.

In vorwiegend 3 Erzählsträngen startet die Geschichte. Einmal ist die Flucht und damit der Flüchtling Samir im Mittelpunkt. dann bekommen wir es im zweiten Strang mit den Morden und den Ermittlungen dazu zu tun. Und der letzte Strang handelt rund um Jutta, die in Indien ist.
Jeder der drei Stränge hat überzeugt und man hat die hervorragenden Recherchen gespürt. Leider all zu nah an der Realität ist die Situation der Flüchtlinge vor, während und nach der Flucht beschrieben.
Der Schreibstil ist gewohnt toll. Mir haben vor allem die charmanten Ausdrücke der Wiener, die ab und zu eingestreut wurden ,sehr gefallen. Die Autorin weiss wie sie ihre Leser fesselt, mit einer durchdachten und schlüssigen Geschichte, überzeugenden Figuren und einer abwechslungsreichen Story.
Ein Thriller, der noch lange in mir nachklingen wird. Dies weil er ein Stück Realität zeigt, die leider heute aktueller denn jäh ist.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Spannend, spannend...

Natchez Burning
2 0

Die Welt von Penn Cache, Bürgermeister von Natchez,Mississippi wird kräftig durchgeschüttelt.Sein Vater, der Arzt Tom Cache wird verdächtigt seine ehemalige Krankenschwester Viola, die nach Natchez zurück ...

Die Welt von Penn Cache, Bürgermeister von Natchez,Mississippi wird kräftig durchgeschüttelt.Sein Vater, der Arzt Tom Cache wird verdächtigt seine ehemalige Krankenschwester Viola, die nach Natchez zurück gekehrt ist um zu sterben,ermordet zu haben.Viola litt an einem unheilbaren Krebsleiden und Tom soll sie erlöst haben. Penn und seine Verlobte Caitlin Masters, die verantwortliche Redakteurin der Zeitung sind überzeugt,dass Tom unschuldig ist.Sie beginnen zu ermitteln und entdecken, dass Viola vor Jahren aus Natchez fliehen musste und ,dass damals die sogenannten Doppeladler, eine Organisation ,die verhindern,dass schwarze und weisse Menschen sich verbinden,aktiv und der Grund dafür war.

Ich habe mir diesen ersten Band gekauft,weil ich glücklicherweise den zweiten Band gewinnen durfte .Erst habe ich versucht, den zweiten Band ohne Vorwissen zu lesen...die Handlung ist aber so komplex,dass ich nun mit Natchez Burning begonnen habe. Und ich bin froh darum!
Das Buch ist eine Herausforderung!...in jeder Hinsicht!
1.Die Handlung spielt in der Gegenwart und 1964-1969.So erfährt man nach und nach die Hintergründe,die damals herrschende Apartheid und die Bürgerrechtsbewegung werden thematisiert und die Standesdünkel sind ein grosses Thema.
2.Die grosse Personenzahl waren für mich eine besondere Herausforderung. Hier wäre es vielleicht nützlich gewesen, ein Personenverzeichnis am Ende des Buches zu haben?
3.Der Schreibstil ist verschachtelt, die Sätze mit vielen Informationen gespickt...sehr konzentriertes Lesen ist angesagt.
4.Die Seitenzahl beträgt 1040 Seiten...da liest man schon eine Weile. Für mich war es jedoch so spannend, dass ich diesen Band in 5 Tagen ausgelesen hatte.
5.Die Schrift ist sehr klein gehalten und die Seiten "randvoll",d.h sehr eng bedruckt. Zudem habe ich dieses Buch als Taschenbuch gelesen.Was im Hinblick auf die Dicke und das Gewicht keine gute Idee war...ich hatte stets das Gefühl, es verbiegt sich in meinen Händen. Hardcover wäre wohl die bessere Alternative.

Ein komplexes, spannendes Buch mit einer rasanten Handlung, trotz der Dicke! So lese ich direkt bei Band 2 weiter....

Veröffentlicht am 10.05.2018

Klufti wie er leibt und lebt

Kluftinger
1 0

Kluftinger in seiner neuen Rolle: Er ist Grossvater geworden und sein Enkelkind sein ganzer Stolz. An Allerheiligen besucht Klufti mit der ganzen Familie den Friedhof und staunt nicht schlecht. Dort steht ...

Kluftinger in seiner neuen Rolle: Er ist Grossvater geworden und sein Enkelkind sein ganzer Stolz. An Allerheiligen besucht Klufti mit der ganzen Familie den Friedhof und staunt nicht schlecht. Dort steht ein Kreuz mit seinem Namen drauf. Kurz darauf ist er sicher, dass ihm da jemand Schlechtes will, denn ihm wird gedroht. Die Ermittlungen führen Klufti und sein Team in die Vergangenheit.


Dies ist der zehnte Band rund um den knurrigen Kommissar. Getreu dem Motto "Jubiläumsband" blickt man hier in diesem Buch in die Vergangenheit Kluftingers. So erlebt man ihn, zum Beispiel, als Jugendlichen und sieht die Eltern - Kind Beziehung in der Familie Kluftinger in einem völlig neuen Licht. Oder man ist hautnah dabei, als Erika, damals noch seine Freundin, den Antrittsbesuch bei Kluftis Eltern macht. Man lernt auch Figuren aus Kluftingers Vergangenheit kennen. Seine alte Clique, in der sich nicht alle so entwickelt haben, wie damals gedacht. Ein zentrales Thema ist auch, wie Klufti zur Kripo gekommen ist. Der erste Tag, der erste Fall, die erste Mordaufklärung, das erste Geständnis wird beschrieben und zeigt, dass er schon damals ein äusserst souveränes Verhalten an den Tag gelegt hat.
Man ahnt es vielleicht schon... mit all den Rückblenden gerät der aktuelle Fall zeitweise völlig in den Hintergrund. Der Fokus liegt klar auf den Rückblenden und meiner Meinung nach ist der Fall nur "Beigemüse".
Ich kenne einzelne Kluftigerbücher, doch beileibe nicht alle neun Vorgänger. Zum Verständnis der Figur, der Lebensumstände und der Arbeit ist dies auch nicht nötig. Ich denke, man könnte dieses Buch auch ohne keinerlei Vorwissen lesen.
Einige Passagen, wie die Jugendstreiche, sind mir zu langatmig beschrieben. Da sie zudem wenig Relevanz für den aktuellen Fall aufweisen, empfand ich dies als ein in die Länge gezogener Seitenfüller.
Sehr gefallen und bestens unterhalten haben mich jedoch die Szenen, wie der Autokauf oder Klufti als Babysitter, die schon was von Slapstick haben. Der Brüller ist zum Beispiel, wie Kommissar Kluftinger eine Trommel mit seinem (?) rosaroten Smart transportiert. In diesem Buch habe ich gefunden, was ich von einem Klufti - Buch erwarte. Sehr viel Situationskomik mit einem witzigen und flüssig zu lesenden Schreibstil. Gerade diese humorvollen Einlagen haben mich doch durch einige Längen der Geschichte gelotst.
Die Handlung ist flüssig und logisch aufgebaut. Eines kommt zum anderen, nichts wirkt gesucht oder konstruiert. Man muss sich als Leser einfach darauf einstellen, dass Klufti öfters in Erinnerungen abtaucht und diese auch mal abrupt eingewoben wurden.
in diesem Buch wird Kluftis Vornamen gelüftet…und sogleich ein neues Fragezeichen erstellt. Ich hoffe, man muss sich nun nicht ebenfalls zehn Bücher lange Gedanken darüber machen, wie denn nun Kluftis Enkelkind heisst, und ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Denn das Kind wird konsequent mit "Butzerle" und "es" angesprochen.
Ich mag Figuren in Büchern, die etwas exzentrisch sind und Charme haben. Klufti vereint beides und hat mit Ehefrau Erika das weibliche Pendant zur Seite. Ihre sarkastischen, manchmal bitterbösen und doch liebevollen Dialoge sind der Renner!
Mich hat dieses Buch bestens unterhalten und verleitet mich dazu nun noch die Lücken in der Kluftireihe lesend zu füllen.