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Veröffentlicht am 17.11.2019

Ein Schwergewicht!

Der Mann, der kein Mörder war
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In Vasteras wird der 16 jährige Roger Ericksson ermordet aufgefunden. Der Schüler wurde von seiner Mutter als vermisst gemeldet, nachdem er von einem Besuch bei seiner Freundin nicht nach Hause gekommen ...

In Vasteras wird der 16 jährige Roger Ericksson ermordet aufgefunden. Der Schüler wurde von seiner Mutter als vermisst gemeldet, nachdem er von einem Besuch bei seiner Freundin nicht nach Hause gekommen ist. Der leitende Ermittler, Thomas Haraldsson, und seine Kollegin, Kerstin Hauser, sind ganz schnell mit dem komplexen Fall überfordert. Schon bald reisst die Reichsmordkommission den Fall an sich. Als externer Berater hilft der ehemalige Polizeipsychologe Sebastian Bergmann mit bei den weitreichenden Ermittlungen.



" Der Mann, der kein Mörder war " ist ein echtes Schwergewicht. Wortwörtlich und inhaltlich gesehen!
Denn bei 624 Seiten geht das Taschenbuch ganz schön in die Arme und auch der Inhalt ist sehr komplex. Nicht nur, dass das Ermittlerteam sehr gross ist, die Anzahl Nebenfiguren ist ebenfalls beträchtlich. Viele Nebengeschichten, private Verbindungen der Ermittler und Perspektivwechsel müssen aufmerksam gelesen werden, damit man den Faden nicht verliert. Zum Glück wurden die Personen detailliert charakterisiert, so dass man sich nicht verheddert.
Die Ermittlungsarbeit wird fast minutiös beschrieben und kann dadurch ab und zu Längen aufweisen.
Das Autorenduo hat für die Ermittlerrollen eine, für mich neue, Kombination gewählt. Da ist zum Beispiel Sebastian Bergmann, der traumatisiert vom Tod seiner Familie, sich mehr oder weniger in die Ermittlungen drängt. Als ehemaliger Polizeipsychologe hat er zwar sehr gute berufliche Voraussetzungen. Die persönlichen jedoch … daran hapert es gewaltig. Denn Bergmann ist ein regelrechter Besserwisser, depressiv und Teamarbeit scheint für ihn ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Bergmann hat zudem die enervierende Angewohnheit, prinzipiell mit Zeuginnen oder auch Familienmitgliedern von Verdächtigen ins Bett zu gehen. Und sich beim Kennenlernen schon zu überlegen, wie er es schafft, zu kriegen, was er sich lang und breit ausmalt. So habe ich mich etliche Male über seine Vorlieben, seine Art und Alleingänge genervt. Etwas, was mich oft hat die Augen rollen lassen.
Dem zuständigen Ermittler Haraldsson, der immer wieder nach Hause eilt um ein Kind zu zeugen, wird der Fall von der Reichsmordkommission, weg geschnappt. Weil er schlichtweg unfähig ist. Die Reichsmachtmordkommission übernimmt ... Und in dieser Kommission sind etliche, die schlechte Erinnerungen an den Kollegen Bergmann haben.
Der Schreibstil ist ausschweifend, die Handlung jedoch rund und nachvollziehbar. Oft merkt man bei zwei Autoren genau, wer wann was geschrieben hat. Das ist hier nicht der Fall, alles wirkt wie aus einem Guss, wenn auch sehr detailliert und ab und zu umständlich geschrieben. Oft wird eine Prise Ironie eingeflochten, was Passagen sehr unterhaltsam macht.
Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn vor allem die Beschreibungen von Oertlichkeiten oder Situationen gekürzt worden wären.

Veröffentlicht am 11.11.2019

Testosteron in Italien!

Die Toskanamänner
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Vier Freunde, die durch dick und dünn gehen und das seit der Schulzeit. Nun sind sie um die 50 Jahre alt, gefestigt in ihren Beziehungen und im Job. Doch dann verschwindet am Tag, nach dem Ehemaligentreffen ...

Vier Freunde, die durch dick und dünn gehen und das seit der Schulzeit. Nun sind sie um die 50 Jahre alt, gefestigt in ihren Beziehungen und im Job. Doch dann verschwindet am Tag, nach dem Ehemaligentreffen ihrer alten Schule, Alain spurlos. Rudi, Thomas und Markus vermuten, dass Alain seiner Jugendliebe Claudia, die er am Klassentreffen nach vielen Jahren wieder getroffen hat, in die Toskana nachgereist ist. Die drei Freunde machen sich auf den Weg nach Italien um Alain zu suchen. Mitsamt jugendlicher Verstärkung und Hund Otto.


Wie der Titel verspricht, geht es in diesem Buch hauptsächlich um Männer. Und so wird es zwar etwas einseitig. Denn wenn Frau dieses Buch liest, muss sie sich durch allerlei Männerthemen lesen. Egal ob die Sterilisation des Mannes oder die Diskussionen um Wein und Frauen in der Toskana. Ich empfand es jedoch auch als interessant. Denn, wann kann Frau schon bis in den tiefsten Winkel von Männerköpfen und Seelen schauen?
Die Männer scheuen weder Kosten, Zeit und Mühe um ihren verlorenen Freund zu finden. Etwas, was mir grundsätzlich sehr gefällt. Denn Freunde fürs Leben ist ein Thema, das emotional ist und hier empfand ich die Ausarbeitung dieser Männerfreundschaft als sehr gut.
Jeder der vier Freunde verfügt über Eigenschaften, die ihn unverwechselbar machen. Einerseits wurde ab und zu etwas überkonstruiert, andererseits haben die Figuren dadurch auch Wiedererkennungswert. Otto, der Kravallhund, den schwarze Männerhosen aggressiv machen und der mit Vorliebe sauteure Trüffel frisst, ist grandios beschrieben. Aber auch Hausmann Markus, der die Frühstücksbrote seiner Familie fest im Griff hat und seine Karrierefrau über alles liebt.
Die Handlung ist sehr komplex, denn erst springt sie, gerade zu Beginn des Buches zwischen der Reise in die Toskana und einige Tage zurück. Dadurch erfährt man auch viel vom Leben der einzelnen Figuren, und so werden immer wieder Nebengeschichten eingeflochten. Ueber die Jobs, Beziehungen, Familien und die Freundschaft der Freunde. Eine Freundschaft, die seit der Schulzeit , also 20 Jahre und länger, währt.
Eine Einführung in die Figuren, den Hund Otto mal ausgenommen, gibt es nicht gross. Anhand der Rückblicke lernt man die Figuren näher kennen und ich mochte alle auf Anhieb.
Den Schreibstil habe ich als vielseitig empfunden. Von äusserst amüsant zu lesenden Passagen bis zu langatmigen Stellen habe ich alles gefunden. Den Witz und das Humorvolle habe ich vor allem in den Dialogen zwischen den Freunden entdeckt. Wenn dann allerdings die Hundeerziehung von Otto unter den Freunden diskutiert wird, empfand ich das als weniger prickelnd.
Die Freunde lassen es sich in ihrem Häuschen mit gemauerten Türmchen in der Toskana gut gehen. Wenn dann an einem lauen Abend auf der Terrasse Coniglio al vino rosso mit einem Glas Chianti genossen wird, dann träumt man sich als Leser in einen Urlaub nach Italien. So wie zu einem Italienurlaub gehören auch die kulinarischen Genüsse der Toskana in dieser Geschichte dazu.
Mich hat dieses Buch über den Roadtripp der Freunde gut unterhalten.

Veröffentlicht am 07.11.2019

Setting à la Hitchcock

Der zehnte Gast
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Erholung, Ruhe, Abgeschiedenheit! Das ist es, was die Gäste im Mitchell's Inn in den Catkill Mountains suchen. Doch genau die Abgeschiedenheit wird zur Todesfalle. In einem Schneesturm, mitten im Nirgendwo, ...

Erholung, Ruhe, Abgeschiedenheit! Das ist es, was die Gäste im Mitchell's Inn in den Catkill Mountains suchen. Doch genau die Abgeschiedenheit wird zur Todesfalle. In einem Schneesturm, mitten im Nirgendwo, sind der Besitzer des Hotels, James Harwood, sein Sohn Bradley und ihre Gäste eingeschlossen. Eines Morgens liegt eine tote Frau am Fuss der Treppe. Was zuerst wie ein Unfall aussieht, stellt sich als brutaler Mord aus. Das Telefon ist tot, die gesamte Technik streikt, die Menschen verbarrikadieren sich im Hotel …. bis eine weitere Frau stirbt.


Ich war beim Thrillerdebut " The Couple Next Door " schon begeistert von der Autorin. Bei "A Stranger in the House" und auch hier, in ihrem neuen Thriller, konnte sie mich wieder überzeugen.
Shari Lapena verbindet stets authentische Figuren, eine spannende Geschichte und einen sehr gut ausgearbeiteten Plot.
Dabei fiel mir der Start in diese Geschichte nicht mal so leicht. Denn zu Beginn stürmt eine geballte Ladung Figuren und ihre Geschichten auf den Leser ein. Ich empfand es als schwierig diese auseinander zu halten. Doch nach und nach werden die Figuren vertraut. Dies auch aus dem Grund, da jede Figur mit markanten Details versehen wurde.
Immer wieder wird die Perspektive gewechselt und so sieht man als Leser in die Köpfe der verschiedensten Figuren. Erfährt so ihre Gedanken, Verdächtigungen und Ängste.
Da sind zum Beispiel Beverly und Henry. Ein älteres Paar, das versucht bei dem Wochenendaufenthalt die Ehe zu retten. Oder der bekannte Staatsanwalt David, dessen Frau vor Jahren umgebracht wurde. Aber auch die exzentrische Autorin Candice und das schwer verliebte Pärchen, Dana und Matthew, die eine letzte Auszeit vor ihrer Hochzeit geniessen möchten. Andere, wie die vom Krieg in Afghanistan traumatisierte Riley, die mit Freundin Gwen anreist, waren mir von Beginn weg suspekt.
Und genau damit spielt die Autorin. Für Verdächtigungen, wer, denn nun als Mörder sein Unwesen treibt, hat man viel und oft Gelegenheit. Immer wieder wird eine falsche Spur gestreut, der ich wie ein Lamm gefolgt bin. Und bei denen ich auch 40 Seiten vor Schluss keine Ahnung hatte, wer, wann und weshalb gemordet hat.
Gegen Schluss wird es noch mal richtig fesselnd, als endlich die Polizei ein Durchkommen durch Schnee und Eis findet. Und hier endet der gut ausgearbeitete Plot leider abrupt. Was die Autorin hier unter Ermittlungen und Auflösung präsentiert, ist ihrer nicht würdig. Schnellstens wird die verantwortliche Figur gefunden, verhört und verhaftet. Und dabei in ebenso schnellem Tempo, der Grund für die Morde erzählt. Schade, das Ende hat mir so ganz und gar nicht gefallen. Auch wenn ich die Figur, die für die Morde verantwortlich ist, nie auf dem Schirm hatte.
Ganz hervorragend beschrieben wurde das Landhaus mitten in Eis, Kälte und Schneegestöber, umgeben von Bäumen. Als da auch noch der Strom ausfiel, war man als Leser wirklich mittendrin im Setting à la Hitchcock. Sehr atmosphärisch und inklusive Schneesturm!

Veröffentlicht am 04.11.2019

Spannung pur!

Brennende Narben
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Ein Verbrecher, der sich " der Wolf " nennt, treibt in Frankfurt sein Unwesen. Kommissarin Mara Billinsky scheint sein erklärtes Ziel zu sein, denn er ruft sie an und warnt sie, dass sie sich in Acht nehmen ...

Ein Verbrecher, der sich " der Wolf " nennt, treibt in Frankfurt sein Unwesen. Kommissarin Mara Billinsky scheint sein erklärtes Ziel zu sein, denn er ruft sie an und warnt sie, dass sie sich in Acht nehmen muss.
Mara Billinsky sieht sich in ihrem Verdacht bestätigt. Der Wolf scheint nicht nur für den Mord an ihrer Mutter vor 20 Jahren verantwortlich, sondern auch für die jüngsten Ereignisse in Frankfurt! Eine Edelprostituierte wird ermordet aufgefunden. Kurz danach wird auf der Autobahn eine Bombe gezündet, die junge Frauen in einem Lastwagen tötet. Billinsky will den Wolf unbedingt schnappen und taucht ab in die Welt der Bandenkriege und des organisierten Verbrechens.

Aus eigener Erfahrung kann ich nun bestätigen, dass dieses Buch ohne keinerlei Vorwissen gelesen werden kann. Nach " Blinde Rache " und " Lautlose Schreie " ist dieses Buch schon der dritte Teil rund um die Frankfurter Kommissarin Billinsky.
Obwohl viele Handlungsstränge, wie der unaufgeklärte Mord an Katharina Billinsky weiterlaufen, werden Details aus den ersten Büchern so gut erklärt, dass ich keinerlei Verständigungsprobleme hatte. Der Autor hat das richtig gut eingeflochten und geschickt erklärt.
Ueber eine beträchtliche Anzahl von Kapiteln, geschehen viele Perspektivwechsel. Mal wird das Team der Mordkommission in den Mittelpunkt gerückt, mal der Mörder und dann wieder die zukünftigen Opfer oder an den Morden Beteiligte. Gerade die Vergangenheit und die Sicht des Mörders, der mit einem besonderen " Accessoire " die Taten begeht, sind gruselig und durch und durch Thriller. Man taucht so richtig ab in die Welt der Bandenkriege und des organisierten Verbrechens, was doch harte Lesekost bedeutet.
Sehr gut gefallen hat mir der Schreibstil von Leo Born. So wird es ganz sicher nicht das letzte Buch sein, das ich von ihm gelesen habe. Seine Besonderheit besteht darin, dass er ab und zu in der Handlung vorgreift und in wenigen Sätzen beschreibt, was in der Zukunft geschehen wird. Das entfacht die Neugier enorm und hat mich noch drängender weiterlesen lassen. Wozu übrigens auch die fiesen Cliffhanger, die manchmal am Ende eines Kapitels, stehen, verleiten.
Mara Billinsky ist meiner Meinung nach eine herausragende Figur am Thrillerhimmel. Stur, traumatisiert durch den frühen Tod der Mutter und nicht auf den Mund gefallen, zeigt sie, vor allem in den Dialogen ihren starken Charakter. Ganz unangenehm wird sie, als sie durch eine Person ihres Umfeldes, persönlich in die Mordfälle involviert ist. Durch die emotionale Komponente hebt der Autor dadurch die Taten auf ein noch höheres Level Punkto Grausamkeit.
Mir hat die Figur unheimlich gut gefallen und ich empfand sie als sehr einprägsam.
Diese Geschichte, die durch die verschiedenen Fälle, komplex ist, hat mich von Beginn bis zum Schluss gefesselt und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.

Veröffentlicht am 31.10.2019

Italien, Amore und viel Wein

Das Erbe von La Florentina
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Laura van Dyck ist verzweifelt, als ihre geliebte Tante Harriet stirbt. Zudem hat sie gerade ihre Arbeit in einer Restaurantküche verloren, ihren Traum vom eigenen Restaurant kann sie damit erstmal vergessen.
Da ...

Laura van Dyck ist verzweifelt, als ihre geliebte Tante Harriet stirbt. Zudem hat sie gerade ihre Arbeit in einer Restaurantküche verloren, ihren Traum vom eigenen Restaurant kann sie damit erstmal vergessen.
Da flattert ein Brief aus Italien in ihren Briefkasten. Laura hat von Harriet ein Weingut in Kampanien geerbt. Sie fährt kurzerhand hin, um sich die Sache anzusehen. Mit dem Verkauf des Weingutes könnte sie sich ihren Traum vom eigenen Restaurant erfüllen. Doch da macht ihr der Gutsverwalter Matteo einen Strich durch die Rechnung …

Italien, Sonne, eine Prise Familiengeheimnis und ganz viel Amore.
Das beschreibt dieses Buch wohl in wenigen Worten. Italien, seine kulinarischen Genüsse und die Gegend an der Amalfiküste werden gut beschrieben. Die verschiedenen, kulinarischen Leckereien, angefangen beim Marktbesuch mit all seinen Versuchungen bis zu den süditalienischen Spezialitäten, haben mich nach Italien träumen lassen. Ein grosser Teil der Geschichte spielt auf dem Weingut "La Florentina " und so wird die Arbeit in den Weinbergen und die Kelterei des Weines zu einem wichtigen Thema. Doch nie ausufernd, sondern inhaltlich in der für mich passenden Länge.
Punkto Amore, sowie die persönliche und berufliche Entwicklung von Laura, fand ich die Story doch arg vorhersehbar. Ich war froh, dass ein dunkles Familiengeheimnis doch noch etwas Pfeffer ins Spiel brachte. Dieses Geheimnis wird mit eingeschobenen Kapiteln aus der Vergangenheit der Familie nach und nach entschlüsselt.
Den Schreibstil der Autorin habe ich zeitweise als etwas holperig empfunden. Die Tendenz geht zu einem etwas theatralischen Stil in einigen Beschreibungen. Wenn da zum Beispiel die Rede von " Das Leben der Tante ist ein Schiff, das im Strom des Lebens nun bald der Mündung naht" ist, um auszudrücken, dass Tante Harriet im Sterben liegt, empfinde ich das schon als blumig.
Die überschaubare Anzahl an Figuren machen den Roman zu einer leicht und flüssig zu lesenden Geschichte, die keine grosse Ansprüche an das Verständnis stellt.
Viele, für die Protagonistin, glückliche Zufälle machen die Story phasenweise zu einer plätschernden Sache. Hier hätte ich mir mehr überraschende Wendungen gewünscht.
Ich empfand " Das Erbe von Florentinea " als ideales Buch zum Abschalten mit ordentlichem italienischen Flair, jedoch ohne sich als Leser gross anstrengen zu müssen.