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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2020

Sehr fokussiert auf ein Thema!

Sylt oder Sahne
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Nele Rickmers, 52 Jahre alt, fühlt sich wie ein Walross unter Flamingos. In dem Hamburger Immobilienbüro, in dem sie arbeitet, ist sie die Einzige mit Übergewicht. Kurzentschlossen nimmt sie Urlaub und ...

Nele Rickmers, 52 Jahre alt, fühlt sich wie ein Walross unter Flamingos. In dem Hamburger Immobilienbüro, in dem sie arbeitet, ist sie die Einzige mit Übergewicht. Kurzentschlossen nimmt sie Urlaub und bucht zwei Fastenwochen im Hotel Seemöwe auf Sylt. Was sie sich als einfach vorgestellt hat, wird zur Tortur. Und zeigt ihr gleichzeitig neue Perspektiven für ihr Leben auf.

Die Figur Nele ist überzeugend und authentisch charakterisiert. Gleich zu Beginn, und sehr schnell, spürt man beim Lesen ihre Unzufriedenheit mit sich selbst. Durch ihr Gewicht wird sie eigenbrötlerisch und geht immer seltener unter die Leute. Was wiederum die Beschäftigung Naschen und leider zu wenig Bewegung nach sich zieht. Ein Teufelskreis.
Doch im Lauf der Geschichte macht Nele eine absolut nachvollziehbare Entwicklung durch und wird stärker, bestimmter und sozialer.
Das Grundthema Übergewicht zieht mehrere Unterthemen, wie Essstörung oder Ernährung in der heutigen Zeit mit sich. Diese wurden gut in die Story eingewoben und stiften Nele zur Selbstreflektion an. So zeigt sich am Beispiel von der Protagonistin, wie eine Essstörung von klein an antrainiert werden kann.
Doch die Story beinhaltet auch Themen wie No Plastc oder diverse Sportarten wie Qigong oder Yoga. Ersteres passt so ganz und gar nicht in die Handlung rein und zweites war mir zu langatmig beschrieben.
Der innere Schweinehund gerade im Bezug auf Sport oder gesunde Ernährung kennt wohl nicht nur Nele, sondern jeder von uns. Ich denke, damit man sich auf dieses Buch einlassen kann, sollte man nicht mit einer Topfigur gesegnet sein. Denn dann wird wohl das immer wiederkehrende Thema Abnehmen und / oder Gewichtsprobleme langweilig.

Im Zentrum der Story steht Nele... und das immerzu, denn Perspektivwechsel gibt es keine. Da Nele eine absolut sympathische und authentische Figur ist, hat mich das jedoch nie gestört.
Ein grosser Teil der Geschichte handelt auf Sylt. Und die Insel ist so beschrieben, dass bei mir Sehnsucht nach Meer, Strand und Wärme aufkam. Allerdings wurden hier Passagen eingeflochten, die für mich eindeutig zur Rubrik " Seitenfüller " gehörten. Wie zum Beispiel die lange Abhandlung zu Austern und Austernfischen.
Den Schreibstil von Claudia Thesenfitz, von der ich schon mehr gelesen habe, empfand ich wieder als frisch und unterhaltsam. Wenn auch oft zu sehr auf das Hauptthema und die Protagonistin fokussiert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2020

Konnte mich leider nicht ganz überzeugen

The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot.
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Einen Neuanfang … das erhofft sich Jane nach ihrer Totgeburt. Und bewirbt sich für eine Wohnung in einem Haus in der Folgate Street in Heudon, London. Der Vermieter hat strenge Regeln für seine Mieter ...

Einen Neuanfang … das erhofft sich Jane nach ihrer Totgeburt. Und bewirbt sich für eine Wohnung in einem Haus in der Folgate Street in Heudon, London. Der Vermieter hat strenge Regeln für seine Mieter angesetzt, doch Jane will die Wohnung unbedingt haben. Kaum eingezogen, entdeckt sie, dass eine frühere Mieterin, Emma, in der Wohnung gestorben ist. Der charismatische Besitzer der Wohnung wiegelt ab …


Klar strukturiert und deklariert wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen und aus zwei Perspektiven erzählt. Da ist erst einmal im " Damals " Emma, die Vormieterin, die zu Tode kam. Und dann in der Gegenwart Jane, die ihr Glück kaum fassen kann und die wunderschöne Wohnung mieten kann. Dadurch, dass man beide Sichtweisen erfährt, sind die Hauptfiguren, Jane und Emma einem beim Lesen besonders nah. Man erfährt ihre Hoffnungen, ihr Schicksal, ihre Träume und Ängste. Gerade das Schicksal von Jane, die ein Baby verlor ist sehr berührend beschrieben.
Manchmal habe ich mich gefragt, weshalb die beiden Frauen nicht Reisaus nehmen, da beide nach einiger Zeit in der Wohnung unerklärliche Dinge entdecken? Der Grund, weshalb sie nicht ausziehen ist psychologischer Natur und kann man wohl nur mit Hörigkeit erklären. Diese Seite der Story empfand ich als sehr gut ausgearbeitet.
Vieles geht um Architektur. Der Besitzer ist ein international anerkannter Architekt und dadurch erfährt man viele architektonische Details. So ist das Haus Nr.1 in der Folgate Street mit allem technischen Schnickschnack, wie über ein Armband gesteuerte Dusche, ausgestattet. Ab und zu empfand ich die vielen Beschreibungen der minimalistischen und auch futuristischen Einrichtung leicht langatmig.
Der Schreibstil ist etwas träge, und ich hatte zu Beginn den Eindruck, die Handlung kommt und kommt nicht in die Gänge. Und gegen Schluss überrollen sich die Ereignisse, worauf vieles etwas gar schnell abgehandelt ist. Die etlichen Sexszenen, sollten wohl den Leser bei der Stange halten. Leider war mir zu viel Sex und zu wenig Crime enthalten um als Thriller durchzugehen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.03.2020

Zu überladen!

Feuerland
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Stockholm ist der Brennpunkt von Verbrechen: Kriminalkommissarin Vanessa Frank hat es mit besonders perfiden Taten zu tun. Nicht nur, dass Geschäftsmänner entführt und getötet werden, die kriminellen Machenschaften ...

Stockholm ist der Brennpunkt von Verbrechen: Kriminalkommissarin Vanessa Frank hat es mit besonders perfiden Taten zu tun. Nicht nur, dass Geschäftsmänner entführt und getötet werden, die kriminellen Machenschaften der Täter zieht Kreise bis nach Chile, dort werden illegale Organtransplantationen mit dem damit verbundenen Handel vorgenommen.


Ich hatte einige Mühe in das Buch reinzukommen. Denn in dem Prolog und den ersten drei Kapiteln werden kapitelweise neue Figuren und ihre Lebensumstände eingeführt. Geballte Ladung Informationen, die ich als zu dicht empfand. So geht es leider auch weiter. Viele Stränge, noch mehr Figuren und etliche Verbrechen, die von der Anzahl her eine Herausforderung sind. In den ersten vier Kapiteln ging es um einen erschossenen Polizisten, eine misshandelte autistische Frau, die Suspendierung einer Polizistin, einen verschwundenen Geschäftsmann, den Kinderhandel in Schweden und die Beschaffung der Organe in Chile.

Die vielen verschiedenen Sichtweisen sind von so grosser Zahl, dass ich mich schwer tat, mich einer Figur nahe zu fühlen. Dazu kommt das " Kontinentenhüpfen " und die verschiedenen Orte. Ich mag keine überladenen Geschichten und " Feuerland " ist leider definitiv eine. Wenn ich vor Aufpassen, dass ich die Figuren richtig einordne, mich nicht auf die Story konzentrieren kann, fühle ich auch keine Spannung.

Es gibt auch kurze Sequenzen, die mir gefallen haben. Wie zum Beispiel die authentische Beschreibung des Schicksals eines syrischen Flüchtlingsmädchen in Schweden. Oder aber der beschriebene Organhandel in Chile. Es gibt etliche abscheuliche Passagen, die Thriller pur und nicht für sensible Leser sind. Hier hatte ich ab und zu den Eindruck, es wurde zu sehr auf die Schiene " abscheulich und widerlich " gedrückt, wie bei einer Tötung eines Hundes, die völlig unlogisch war.

Der Schreibstil von Pascal Engman hat mir, abgesehen vom überladenen Inhalt der Handlung, nicht schlecht gefallen. Seine Figuren sind gut charakterisiert, und mir hat allen voran Kriminalkommissarin Vanessa Frank gefallen. Eine starke Figur, die weiss was sie will und sich für die Schwächsten einsetzt.

Trotzdem : War nicht mein Buch und so habe ich nach 350 Seiten abgebrochen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2020

Altersgemäss!

Carla Chamäleon. Oh Schreck, ich bin weg!
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Die elfjährige Carla muss das neue Schuljahr ohne ihre beste Freundin in Angriff nehmen. Ihre Freundin Herta ist weg gezogen, und so fühlt sich Carla ziemlich verloren. Dazu kommt, dass Carla schüchtern ...

Die elfjährige Carla muss das neue Schuljahr ohne ihre beste Freundin in Angriff nehmen. Ihre Freundin Herta ist weg gezogen, und so fühlt sich Carla ziemlich verloren. Dazu kommt, dass Carla schüchtern ist und sich manchmal wünscht, sich einfach in Luft aufzulösen.
Als ein neuer Schüler in die Klasse kommt, wird Carla regelrecht zu einem Chamäleon. Jole, der neue Schüler, findet das faszinierend.

Dieser erste Band von Carla Chamäleon verspricht eine tolle Reihe. Ich kann mir vorstellen, dass viele kleine Leser und Leserinnen sich genau so wie Carla wünschen, manchmal unsichtbar werden zu können. Welches Kind, und auch welcher Erwachsener, kennt nicht die Situationen, in der man denkt, der Erdboden möge einen verschlucken. So peinlich kann etwas werden!
In angenehm langen Kapiteln beschreibt die Autorin erst die Trauer von Carla, die sich mit dem Wegzug ihrer besten Freundin abfinden muss. Nach und nach erkennt man, dass Herta sehr wichtig für Carla war. Dass sie ihr auch oft den Rücken gestärkt hat und hinter ihr stand. Und dann sieht man plötzlich, wie Carla sich verändert. Eine neue Sicht von Carla auf Freundschaften. Meine kleine Mitleserin und ich empfanden das als sehr inspirierend.
Die Geschichte ist vom Aufbau, den Figuren und dem Schreibstil ent - und ansprechend für die Zielgruppe. Den Schreibstil empfanden wir zudem als sehr humorvoll, und so mussten wir schon auf Seite 2 schmunzeln bei " Otto Normalmädchen "! Toll sind die eingefügten Listen, die Carla mit Vorliebe erstellt. Dadurch ergibt sich für die jüngeren Leser ein abwechslungsreiches Schriftbild, das Lust darauf macht weiterzulesen.

Dieser erste Band enthält auch eine Leseprobe zum nächsten Band " Zoff im Zoo ", auf den wir uns sehr freuen!

  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2020

Leichte Ueberzeichnung der Figuren

Der Verrat
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Nane wird nach langer Haftstrafe entlassen und kommt erst mal bei ihrer Schwester Birgit unter. Denn mit der anderen Schwester, Pia, hat sie keinerlei Kontakt mehr, seitdem sie verhaftet wurde. Der Grund ...

Nane wird nach langer Haftstrafe entlassen und kommt erst mal bei ihrer Schwester Birgit unter. Denn mit der anderen Schwester, Pia, hat sie keinerlei Kontakt mehr, seitdem sie verhaftet wurde. Der Grund ist deren Mann Thomas, der vor 20 Jahren in die Verhaftung Nanes involviert war.
Thomas und Pia bewirtschaften ein grossen Weingut, und als Thomas einen Herzinfarkt erleidet, wirft dies viele alte Geschichten wieder auf. Nicht nur die mit Nane, sondern auch mit Thomas Schwester Margot, die ebenfalls auf dem Weingut arbeitet.
Nun muss auch geklärt werden, wer in Thomas Abwesenheit für das Gut verantwortlich ist.

Erst mal möchte ich bemerken, dass es viel Mut benötigt, in einem Prolog über die herrschende Mückenplage zu schreiben. Doch kaum gedacht, wandelt sich der Prolog und macht eine Szene Platz, die einen Unfall beschreibt. Und genau dieser Unfall ist der rote Faden das ganze Buch über. Was ist bei diesem Unfall, für den Nane zur Verantwortung gezogen wird, geschehen? Nach und nach erfährt man mehr, und diese dosierten Informationen darüber empfand ich als fesselnd.

Als Familienroman konzipiert, ist die Geschichte von der Figurenzahl sehr komplex. Es hat eine Weile gedauert, bis ich sofort die einzelnen Figuren und ihre Verwandtschaft zueinander einordnen konnte. Die Figuren sind zwar entsprechend der Geschichte charakterisiert, wenn mir auch nicht viele sonderlich sympathisch waren. Gerade eine der Hauptfiguren, Pia, empfand ich als sehr kalt und berechnend. Bei Nane, die aus dem Gefängnis entlassen wird, und von der man Rückblicke aus der Vergangenheit erfährt, habe ich mich gefragt, ob sie psychisch gestört ist? So wie auch Margot, die durch ein Ereignis in ihrer Vergangenheit traumatisiert ist ! Und die dritte Schwester im Bunde, Birgit ist eine Ja Sagerin und Probleme unter den Teppichkehrerin. Dann wären noch die Eltern von den drei Schwestern, die auch nicht ganz alltäglich sind. Dann Lissy, die Tochter von Pia und Thomas, die als Einzige halbwegs geerdet scheint. Wenn auch mit Freund David gesegnet, der schon zum Frühstück seine Portion Gras benötigt und als Beruf Sohn ist. Gerade bei der Charakterisierung habe ich den Eindruck, die Autorin hat zu sehr auf die Tube " Extravagante Figuren " gedrückt.
Kompetenzgerangel um die Führung des Weingutes bringt ordentlich Pfeffer in die Geschichte. Dadurch wurde sie nie langweilig oder zäh.

Mich hat die Geschichte, abgesehen von der leichten Überzeichnung der Figuren, gefallen.

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