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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2025

Was die Menschen schon oft hörten

Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten
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60 / 100
Es ist nicht infrage zu stellen, dass Bücher wie dieses trotz all der vergangenen Zeit weiterhin einen kaum greifbar wichtigen Beitrag leisten, unsere Gesellschaft für alle Menschen lebenswert ...

60 / 100
Es ist nicht infrage zu stellen, dass Bücher wie dieses trotz all der vergangenen Zeit weiterhin einen kaum greifbar wichtigen Beitrag leisten, unsere Gesellschaft für alle Menschen lebenswert zu gestalten. Alice Hasters vereint in diesem Buch allerdings sehr viele Aspekte rund um den riesigen Themenkomplex Rassismus, ich möchte sagen: zu viele.

Versteht mich nicht falsch, die Inhalte und deren Aufzeigen sind nach wie vor notwendig. Doch ich finde, insbesondere bei diesen hochsensiblen Themen bedarf es einer gewissen Struktur, Konzeption und Tiefe, um wirklich in den Geist der Lesenden vorzudringen – beides ist in diesem Buch nicht ausreichend gegeben. Schon die ungleiche Mischung aus sachlichen und subjektiven Eindrücken macht es schwer, etwas für sich selbst mitzunehmen. Es hilft irgendwann nur noch bedingt, jedes Mal dieselben unübersehbaren Elefanten im Kontext von Missständen anzusprechen, da ist dieses Werk leider nicht anders. Klar versteht man plakative Äußerungen besser, aber dieser niederschwellige Anspruch kann auf Dauer nicht die Lösung sein (das gilt ebenfalls für den Pathos am Ende des Buchs).

So bleibt für mich als jemand, der schon einige Zeit versucht, sich selbst für Rassismus zu sensibilisieren, kaum etwas hängen. Das ist sehr bedauerlich und ich hoffe, es wird in Zukunft im großen Stil tiefergehende Literatur auf dieser stilistisch greifbaren Ebene geben.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Ein Buch für jeden Menschen

Jede_ Frau
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70 / 100
Es ist bei diesen Themen jedes Mal dasselbe Problem: Wie fachlich und tiefgründig darf ein Buch sein, dass man einerseits nicht inhaltlich überfordert wird und andererseits auch noch etwas lernen ...

70 / 100
Es ist bei diesen Themen jedes Mal dasselbe Problem: Wie fachlich und tiefgründig darf ein Buch sein, dass man einerseits nicht inhaltlich überfordert wird und andererseits auch noch etwas lernen kann, auch wenn man sich schon mit der Thematik beschäftigt hat? Ich bilde mir ein, dass ich schon etwas zu weit bin, um im großen Stil neue Dinge zu erfahren. Dafür bietet das Buch einen ziemlich barrierefreien Einstieg in das Thema (und ich denke, das ist auch der wichtigere Aspekt).

Auch dieses Buch ist für das Verständnis sexualisierter Gewalt richtig und wichtig. Besonders im Fokus bleibt wohl das überaus kurze Kapitel zur Popkultur, bei dem manche Menschen aus den falschen Gründen anfangen zu schäumen. Wieder kann ich mich jedoch des Eindrucks nicht erwehren, dass die Autorin beim Verfassen mitunter große Pausen gemacht hat und dadurch regelmäßig inhaltliche Wiederholungen im Text auftreten (wobei sie nicht in der Schriftstellung zuhause ist, wie sie im Nachwort betont).

Am Ende bleibt der Eindruck, dass dieses Werk wohl wieder überwiegend von Personen rezipiert wird, die sich ohnehin damit beschäftigen wollen – und leider nicht von jenen, die sich damit beschäftigen sollten.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Den Tag nicht vor dem Elternabend loben

Elternabend
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53 / 100
Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht, als ich als erstes Buch von Fitzek keinen Thriller, sondern sein zweites Kein-Thriller-Buch gelesen habe. Insofern fehlt mir der Vergleich zu seinem sonstigen ...

53 / 100
Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht, als ich als erstes Buch von Fitzek keinen Thriller, sondern sein zweites Kein-Thriller-Buch gelesen habe. Insofern fehlt mir der Vergleich zu seinem sonstigen Stil; ich hoffe jedoch, dass er bei seinen weniger humorigen Romanen mehr Bodenständigkeit an den Tag (oder Abend (!)) legt.

Das ist mein Hauptkritikpunkt: Die Figuren und der Rahmen, in dem sie sich während der Geschichte bewegen, ist derart überzogen, dass der Begriff „grotesk“ eigentlich gar nicht ausreicht. Jedes Mal, wenn man denkt, nun sei der Höhepunkt der Verrücktheit erreicht, konnte man sich eigentlich schon sicher sein, dass genau das nicht der Fall ist und zwingend noch einer draufgesetzt werden muss(te). Dadurch geht ungefähr jede Nahbarkeit und jedes Mitgefühl verloren. Da hilft es auch nicht, dass zumindest ein kleiner Teil der Story auf wahren Tatsachen beruht.

Ich bin Freund von schrägem Humor und subtil verpackten ehrenhaften Botschaften, doch diese hyperbolisch-komprimierte Aneinanderreihung von Einfällen hat es mir eher verleidet.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Der Marsch am A...bend (und am Tag)

Todesmarsch
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53 / 100
Mittlerweile das 4. Buch, das ich von Stephen King gelesen habe. Sein Erstlingswerk unter dem Pseudonym Richard Bachman, „Amok“, ist in der Lesejury leider nicht gelistet, kommt für meinen Teil ...

53 / 100
Mittlerweile das 4. Buch, das ich von Stephen King gelesen habe. Sein Erstlingswerk unter dem Pseudonym Richard Bachman, „Amok“, ist in der Lesejury leider nicht gelistet, kommt für meinen Teil aber ebenfalls nur auf zweieinhalb Sterne.

Ein Problem, das sich beide Bücher teilen, ist die Absurdität der beschriebenen Charaktere. Bei beiden Romanen hatte ich erhebliche Schwierigkeiten, eine einigermaßen statthafte Nähe zu den Figuren aufzubauen (wobei eine solche in „Amok“ auch eher kritisch zu sehen wäre).

Überhaupt könnte man sich bei Todesmarsch fragen, inwieweit eine solche Idee zu einem Text dieses Umfangs aufgeblasen werden kann (dasselbe frage ich mich beim Spielfilm, den ich bisher nicht gesehen habe). Ich meine: Leute laufen durch die Gegend, bis nur noch eine Person übrig ist. That's it. Das Ganze über einen Zeitraum, der die natürlichen Grenzen nicht nur sprengt, sondern sie geradezu ins Lächerliche zieht. Ob das eine bewusste Übertreibung seitens des Autors ist – ich weiß es nicht, aber selbst wenn: Welche Bedeutung hat sie? Und hätte für diese Menge Gesellschaftskritik nicht eine Novelle ausgereicht?

Was mir inhaltlich außerdem sauer aufgestoßen ist: Die mir vorliegende Übersetzung von Nora Jensen ist substanziell wie orthografisch so gnadenlos fehlerhaft, dass ich mich frage, ob bei Heyne überhaupt jemand im Korrektorat gesessen hat (ich hoffe inständig, dass für die Neuauflage nochmal etwas Geld in die Qualitätssicherung gesteckt wurde). Erschwerend hinzu kommt, dass die Umstände, unter denen die Ereignisse im Buch stattfinden, gar nicht weiter beschrieben und in der deutschen Ausgabe allein im Klappentext kurz angesprochen werden.

So bleibt mir von dieser Story ebenfalls wieder nur ein sanftes Kopfschütteln, das sich auch mit dem Finale nicht löst.

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Das Buch, das dem eigentlichen Thema nicht gerecht wird

Schwerbehindert durch das Zuginferno von Eschede - wie der ICE 884 mein Leben veränderte
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38 / 100
Ein Dreivierteljahr zuvor habe ich das erste Buch von Udo Bauch gelesen und schrieb in meiner damaligen Rezension, dass ich hoffte, mit seinem zweiten Buch ein konkreteres Bild seiner Person und ...

38 / 100
Ein Dreivierteljahr zuvor habe ich das erste Buch von Udo Bauch gelesen und schrieb in meiner damaligen Rezension, dass ich hoffte, mit seinem zweiten Buch ein konkreteres Bild seiner Person und Umstände zeichnen zu können.

Seitentechnisch hat dieses Buch den vierfachen Umfang und ich dachte, die Beschreibung seiner Situation im Kontext des ICE-Unglücks würde detaillierter und präziser dargestellt – weit gefehlt.

Spätestens ab der Hälfte des Buchs geht es überhaupt nicht mehr um den Unfall, sondern Kurzbiografien der Menschen in seinem Umfeld. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, aber mit diesen vielen lose hingeschriebenen Namen von Menschen, über die man so gut wie nichts erfährt, kann wohl niemand außer den Beschriebenen etwas anfangen.

Und so geht es weiter: Ein ewiges Wiederholen, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre (aber nicht zwei- oder dreimal, sondern etwa 30-mal); ständiges „Ich bin damit, damit und damit unzufrieden“ in einer Wortwahl, die keine Empathie auslöst; eine geradezu als ausschlachtend zu bezeichnende Textflut zu persönlichen Schicksalen seiner Angehörigen wie etwa der Unfalltod des Lebensgefährten einer seiner Töchter (was in aller Welt haben diese hochsensiblen Stories überhaupt in einem Buch UND dann auch noch in einem zu suchen, das ihn und das Zugunglück zum Thema haben?!); das uferlose Nennen von Bekannten und Verwandten und nicht zuletzt die fürchterliche Formatierung des Buchs. Eingangs erwähnt der Autor, dass er alles daran selbst machen wollte – das ist allerdings selten eine gute Entscheidung und meistens reiner Aktionismus: Schriftarten, -größen und -farben unsystematisch vermischt; Rechtschreib-, Interpunktions- und Auszeichnungsfehler ohne Ende und bestenfalls ein loser Rahmen um die Inhalte.

So hat mir das Buch auf keiner Ebene hervorstechende Erkenntnisse geliefert und ich frage mich, ob das Ansinnen, zum 25. Jahrestag des Unfalls ein neues Buch zu schreiben, nicht als vorübergehender Krampf hätte verworfen werden sollen.

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