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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.06.2024

Undurchschaubar bleibt undurchschaubar

Schwachstellen
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60 / 100
Als Leser die Balance zwischen „Ich kann mich identifizieren“, „Ich kann es nachvollziehen“ und „Ich kann es akzeptieren“ in einem fiktionalen Werk zu finden, ist schwierig.

Im vorliegenden Fall ...

60 / 100
Als Leser die Balance zwischen „Ich kann mich identifizieren“, „Ich kann es nachvollziehen“ und „Ich kann es akzeptieren“ in einem fiktionalen Werk zu finden, ist schwierig.

Im vorliegenden Fall sind die Handlungen des Protagonisten einerseits vollkommen erklärbar, andererseits überhaupt nicht zu verstehen. Das ist sicher mit der Entwicklung und der resultierenden Abnormität seiner Vergangenheit zu beantworten, jedoch führt das zu einer solchen Willkürlichkeit der Charakterzeichnung, die immer rechfertigt werden kann, dass es mir schwerfällt, eine Verbindung zu ihm aufzubauen.

Der Mittelteil, trotz seines Grauens, spielt am Ende eigentlich gar keine Rolle mehr, einige Nebenfiguren bleiben samt ihres Schicksals im Dunklen, das Ende kommt wie immer völlig abrupt mit einer neuerlichen, kaum stimmig begründbaren Charakterwendung daher und dann ist auch schon Schluss. Da helfen auch all die dystopisch anklingenden Details einer Zeit des Cyberpunks nicht, denn die wurden schon zuvor etliche Male beschrieben.

Was bleibt, sind viele Beschreibungen irgendwelcher irrelevanten Orte und vielzähliger Speisen. Vor allem in solchen Passagen habe ich mich gefragt, ob es bei Literatur aus anderen Kulturen sinnvoll ist, sich vorher mit einigen Bräuchen und sozialen Unabänderbarkeiten vertraut zu machen – es hätte das Leseerlebnis eventuell etwas verbessert, wobei insbesondere der ständige Wechsel zwischen direkter und indirekter Rede eher anstrengend war und ist.

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 15.06.2024

Das vielseitige Handbuch für Einsteiger:innen

Unlearn Patriarchy
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75 / 100
Wenn ein Asterisk zur Inklusion aller angesprochenen Menschen verwendet wird, kann man sich direkt das Geräusch eines implodierenden Gehirns im Kopf eines besonders erzkonservativen Subjektes ...

75 / 100
Wenn ein Asterisk zur Inklusion aller angesprochenen Menschen verwendet wird, kann man sich direkt das Geräusch eines implodierenden Gehirns im Kopf eines besonders erzkonservativen Subjektes hinzufantasieren.

Auf aktuelle Entwicklungen des Zeitgeistes hinzuweisen, Erklärungsansätze zu finden und im selben Moment nicht belehrend zu wirken, ist ein sehr schmaler Grat, dessen Begehung bei Weitem nicht allen gelingt. Dieses Buch führt viele Aspekte unseres Alltags und der Art, wie wir zusammen leben (wollen) hin zu einer breit gefächerten Lektüre, die alle Interessierten an die Hand nimmt und Denkanstöße gibt, ohne den Zeigefinger zu erheben.

Die ultimative Einstiegsliteratur zu den Themen, die momentan bewegen und die hilft, eigene Handlungs- und Denkweisen hier und da zu überdenken – selbst wenn man der Meinung ist, den genannten Bereichen schon offen und progressiv gegenüberzustehen.

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Veröffentlicht am 13.06.2024

Der steile Weg zurück

Tsunami im Kopf
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67 / 100
Max gibt uns Einblicke in die neue, unfreiwillig eingenommene Position, von der aus sich sein Leben ohne große Möglichkeit des Einschreitens nach seiner Hirnblutung abgespielt hat.

In mühevoller ...

67 / 100
Max gibt uns Einblicke in die neue, unfreiwillig eingenommene Position, von der aus sich sein Leben ohne große Möglichkeit des Einschreitens nach seiner Hirnblutung abgespielt hat.

In mühevoller Kleinarbeit lässt er ausgewählte Ereignisse seiner Rehabilitation (und dem Weg dorthin) Revue passieren und spart dabei urplötzlich wesentlich gewordene Details wie ein Speicheltropfen auf seinem unbeweglichen Körper nicht aus.

Das Buch zeigt, dass in seiner medizinischen Versorgung wahrlich nicht alles perfekt lief, aber es zeigt auch viel Aufopferung seiner Familie und seinen starken Willen, sich nicht für immer unverändert mit der Situation abzufinden. Dabei spielt er neben all der bitteren Ernsthaftigkeit auch mit Ironie und Sarkasmus, was die Thematik deutlich auflockert. Dass die Zerstückeltheit der Erzählung dem Folgen der Geschichte ein wenig im Weg steht, ist als notwendiger Wermutstropfen anzusehen.

Ich wünsche ihm nach wie vor die größtmöglichen Fortschritte für seine Genesung und bin gespannt, inwieweit er seine angestrebte Schriftstellerkarriere weiter verfolgt (im November 2023 erschien sein erstes fiktionales Werk, das ich mir bei Gelegenheit zu Gemüte führen möchte).

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Veröffentlicht am 07.06.2024

Ungezwungener Blick auf ein Tabuthema

Porno
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75 / 100
Es gibt Themen, über die wird (vor allem in Deutschland) einfach kaum geredet. Pornos, eigentlich grundsätzlich Sexualität ist nach wie vor ein derart ungelenkes Thema in der üblichen Kommunikation, ...

75 / 100
Es gibt Themen, über die wird (vor allem in Deutschland) einfach kaum geredet. Pornos, eigentlich grundsätzlich Sexualität ist nach wie vor ein derart ungelenkes Thema in der üblichen Kommunikation, was die Frage aufwirft, wie etwas, was uns als Menschen naturgemäß betrifft, derart ausgeschwiegen bzw. unwissenschaftlich ins Negative gezogen werden kann.

Dieses Buch versucht ohne erhobenen Zeigefinger oder dem Aufstellen von Regeln näherzubringen, weshalb erotische Videos aller Art Vorteile bieten, mit welcher Vergangenheit sie derart fürchterlich betrachtet und dargestellt werden und wie sich die Komplexität in unserer Gesellschaft verzweigt. Sich von alteingesessenen Ansichten zu verabschieden und eher zu fragen, WIE und nicht OB derartige Inhalte konsumiert werden, ist für die Autorin (und auch für mich) der Angelpunkt.

Ein sehr lesenswertes Buch, bestückt mit empirischen Erhebungen und einigen Anekdoten, die Anstöße zur (durchaus generationsübergreifenden) Diskussion bieten – für Feminist:innen, die, die es werden wollen, aber auch für alle anderen Menschen. Es würde sicherlich denen guttun, die sich der Thematik ohnehin verschließen (dabei ist das unter dem Stichwort „Radikalfeminismus“ auch im Buch ein Aspekt).

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Veröffentlicht am 27.05.2024

Die überkommende Schwärze

Im Keller
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73 / 100
Jan Philipp Reemtsma, über einen Monat in der Gewalt kaum berechenbarer Entführer, musste ähnlich wie Natascha Kampusch ein Jahrzehnt später eher unfreiwillig ein Buch über seine Erlebnisse im ...

73 / 100
Jan Philipp Reemtsma, über einen Monat in der Gewalt kaum berechenbarer Entführer, musste ähnlich wie Natascha Kampusch ein Jahrzehnt später eher unfreiwillig ein Buch über seine Erlebnisse im titelgebenden Keller schreiben, um die Gier der Journalisten und der niemals sensationssatten Leute zu befriedigen. Sein hoher Intellekt, der ihm half zu überleben, schlägt sich durchaus auch im Buch nieder, das konzentriert gelesen werden muss und dabei zwar nur wenige Details ausspart, sich aber doch ganz exakt an die Tage hält, die ihn unaufgefordert ins Rampenlicht gebracht haben. Wenn ich mich recht erinnere, sollte dieser Abschnitt seines Lebens danach kein Thema mehr für die Öffentlichkeit sein – ohnehin beantwortet er im Buch aber eigentlich alle Fragen, die einem schon aus kindlicher Neugier in den Kopf kommen, im Rahmen seiner beschädigten Privatsphäre zur Genüge.

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