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Veröffentlicht am 18.04.2018

Nur wer den Mut zu träumen hat, hat auch die Kraft zu kämpfen

Das Lied des Nordwinds
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Christine Kabus erzählt in ihrem neuen Roman über das Schicksal von zwei jungen Frauen aus unterschiedlichem Milieu, die in Schlesien und dem norwegischen Stavanger leben.

Während Karoline in die verarmte ...

Christine Kabus erzählt in ihrem neuen Roman über das Schicksal von zwei jungen Frauen aus unterschiedlichem Milieu, die in Schlesien und dem norwegischen Stavanger leben.

Während Karoline in die verarmte Adelsfamilie von Blankenburg-Marwitz eingeheiratet hat, aber unter der Gefühlskälte und dem ausschweifenden Leben ihres Ehemannes Moritz, als auch der biestigen Schwiegermutter leidet, findet die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Liv Svale Arbeit bei den Treskes. Liv muss ihre Familie mit ihrem Verdienst unterstützen, seitdem ihr Vater nach einem schweren Arbeitsunfall nicht mehr für die Familie sorgen kann, sondern sich in Selbstmitleid suhlt und zu trinken begonnen hat. Obwohl Oddvar Treske, Lehrer einer Missionsschule, in seinem Haus vorallem Strenge walten lässt, hat Liv genug zu essen und freundet sich mit der Köchin des Hauses an. Elias, der neunjährigen Sohn der Treskes, erfährt von seinem Vater keinerlei Zuneigung und wird oftmals hart bestraft. Erst zu Liv fasst er Vertrauen, die Mitleid mit dem Jungen hat. Als Elias ins Heim abgeschoben werden und Liv einen Missionar heiraten soll, wo doch ihr Herz jemand anderes gehört, fliehen die Beiden.
Auch Karolines Situation in Schlesien wird immer schlimmer. Ihr Mann ist kaum zuhause und sie soll den notwendigen Erben gebären. Als Moritz schwer erkrankt und Karoline erfährt, dass er ein uneheliches Kind in Norwegen hat, fasst sie den Entschluss nach diesem zu suchen...

Kapitelweise erfahren wir abwechselnd mehr über Karolinas und Livs Schicksal. Durch eingebaute Cliffhanger am Ende jedes Kapitels wird zusätzlich Spannung aufgebaut. Die beiden Hauptcharaktere machen eine große Entwicklung und Wandlung durch, die sehr glaubhaft wirkt. Diese findet nach und nach statt und offenbart beiden Frauen eine ganz neue Welt. Ein Thema, das dies noch mehr unterstreicht, ist die aufkommende Frauenbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts, als Frauen für ihr Wahlrecht zu kämpfen beginnen.
Während Liv erstaunt ist, dass auch sie die Möglichkeit zu einer Gratis-Schulausbildung hat, wird Karoline durch ihre Reisebegleitung ermutigt ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Beide Frauen werden selbstbewusster und beginnen sich mehr zu öffnen.

"Nur wer den Mut zu träumen hat, hat auch die Kraft zu kämpfen."

Als Nebenfiguren haben mir vorallem Frau Bethge, Karolinas Reisebegleitung und Frauenrechtlerin, sowie Ida, ihre Freundin, gefallen. Zwei sehr starke Frauen, die sich durchzusetzen wissen. Außerderm gab es noch eine tierische Nebenfigur, die den Roman auflockerte.
Christine Kabus bringt dem Leser nicht nur die Frauenbewegung dieser Zeit näher, sondern auch die politische Wandlung Norwegens. Das Land steht zu dieser Zeit unter dem schwedischen König und möchte unabhängig werden.

Im letzten Drittel trifft man auf Figuren aus Christine Kanus letzten Roman "Das Geheimnis der Mittsommernacht", das ich vor 1 1/2 Jahren gelesen habe. Für mich war es ein nettes Wiedersehen mit Sofia und vorallem das Ende erschien mir dadurch viel runder. Für Leser, die diesen Roman nicht kennen, stellte dies überhaupt kein Problem dar, sondern machte eher Lust diese Geschichte nachzulesen.
Trotzdem gab es wieder einige Längen und ein Handlungsstrang blieb leider gänzlich offen. Vielleicht gibt es dazu eine Lösung im nächsten Buch....

Schreibstil:
Der Schreibstil von Christine Kabus ist sehr leicht und trotzdem oft ausschweifend und detailliert. Für Leseanfänger des historischen Romanes würde ich diesen Roman auf jeden Fall empfehlen.
Die Landschaftsbeschreibungen sind sehr bildhaft, vorallem die Schiffsreise und die Zeit in Roros wurde sehr bildgewaltig dargestellt. Über den jeweiligen Kapiteln steht der Ort und das Datum, als auch der Name der Protagonistin. So weiß man immer, mit wem man die nächste Stunde verbingen wird.

Fazit:
"Das Lied des Nordwindes" hat mir um einiges besser gefallen, als mein erster Roman der Autorin. Die Wandlung der beiden Frauen wurde sehr autenthisch beschrieben und die kleinen Cliffhanger am Kapitelende hielten die Spannung aufrecht. Die bildhaften Beschreibungen der norwegischen Landschaft sind ebenfalls sehr gelungen und haben wieder Fernweh in mir ausgelöst.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Atmosphäre
  • Charaktere
  • Gefühl
  • Handlung
Veröffentlicht am 16.04.2018

Ich bin der Boss

Vier Pfoten am Strand
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Petra Schier bezaubert nicht nur mit ihren Weihnachtshundegeschichten, die ich in der Adventzeit immer sehr gerne lese, sondern auch mit ihrem zweiten Hunderoman, der im Sommer im fiktiven Ort Lichterhaven ...

Petra Schier bezaubert nicht nur mit ihren Weihnachtshundegeschichten, die ich in der Adventzeit immer sehr gerne lese, sondern auch mit ihrem zweiten Hunderoman, der im Sommer im fiktiven Ort Lichterhaven an der Nordsee spielt. Nach "Körbchen mit Meerblick", den ersten Band dieser Reihe, den ich leider nicht gelesen habe, (was ich aber definitiv nachholen werde) lernen wir den Künstler Ben Brungsdahl und seinen Hund Boss kennen. Schon nach den ersten Zeilen war ich verliebt - in "Boss", eine junge amerikanische Bulldogge. Ein junger, sehr starrköpfiger Welpe, dem bisher nichts Gutes widerfahren ist, bis ihn Ben zu sich holte. Seine Hungedanken verfolgt der Leser in kursiver Schrift und diese sind nicht nur humorvoll, sondern oftmals auch traurig und bewegend.
Ben steckt in einer Schaffenskrise und benötigt dringend eine Auszeit. Seine Managerin hat ihm in Lichterhaven eine Lagerhalle für drei Monate gemietet, wo er ungestört seine Kunstwerke herstellen kann. Ein kleines Problem stellt allerdings Boss dar, für den sein Name auch Programm ist. Da Ben auch keinerlei Erfahrung mit Hunden hat, ist er in kurzer Zeit schlichtweg überfordert und meldet Boss in einer Hundeschule an. Christina, die Besitzerin, hat der Rüde bald ins Herz geschlossen, ebenso wie sein Herrchen. Doch beide wissen, dass diese Affäre nur einen Sommer dauern kann...

Natürlich sind Geschichten in diesem Genre ähnlich aufgebaut und man erwarter sich ein Happy End. Der Weg dorthin ist bei Petra Schiers Roman allerdings keine "08/15-Sache". Die Autorin hat einige tolle Wendungen und Nebenstränge eingebaut, die sich nicht nur auf die Liebesbeziehung von Ben und Christina beziehen, sondern beide Protagonisten mit unvorhersehbaren Lebenssituationen konfrontieren. Das bringt Schwung in die Geschichte, die man kaum aus der Hand legen mag. Doch der Liebling in der Geschichte war Boss, der mich von Beginn an bezauberte.
Auch der kleine Schuss Erotik, mit dem die Autorin den Roman etwas würzt, ist gelungen und hat genau die richtige Dosis.

Die sehr liebevoll ausgearbeiteten Charaktere habe ich schnell ins Herz geschlossen.
Christina ist eine unabhängige junge Frau, deren Herz eindeutig für ihre Arbeit und ihre Familie schlägt. Sie engagiert sich für ihre Vierbeiner und springt auch bei Notfälle in der Familie sofort ein. Sie ist einfühlsam und warmherzig.
Mit dem Herrchen von Boss wurde ich nicht gleich zu Beginn warm, aber das änderte sich im Laufe des Romans. Er ist ein typischer Künstler, der in seiner Schaffensperiode schon mal alles rund um ihn vergessen lässt und bei einer Störung sehr unwillig werden kann. Dennoch ist er hilfsbereit und hat das Herz auf den rechten Fleck. Auch Starallüren sind ihm fremd. Seine Rastlosigkeit hält ihn allerdings nie länger an einem Ort....
Alle drei Hauptprotagonisten (Christna, Ben und Boss) wirken sehr selbstständig, sehnen sich aber unterbewusst nach Liebe und Zuneigung. Bis sie den Weg zueinander finden und ihr Herz öffnen, dauert es einige Zeit.

Schreibstil:
Petra Schier glänzt in ihren Hundegeschichthen mit einem flotten, lockeren Schreibstil. Die Dialoge sind sehr humorvoll und witzig, besonders die Gedanken von Boss, die in kursiver Schrift dargestellt werden. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Christina oder Ben erzählt. Auch die Landschaftsbeschreibungen sind sehr bildhaft und man kann die leichte Meeresbrise beim Spaziergang am Hundestrand spüren....

Fazit:
Ein wunderbarer Sommerroman, der nicht nur Hundefreunde bezaubern wird. Aus diesem Genre ist "Vier Pfoten am Strand" sicherlich eines der besten Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe. Ich wurde über 432 Seiten bestens unterhalten und kann den Roman für Leser dieses Genre wirklich weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 15.04.2018

Von Manipulation und Grausamkeiten

EVIL
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Über "Evil" hört man ja schon seit der Erstveröffentlichung viele Meinungen. Das Buch erschien bereits 2006 in der 4. Auflage im Heyne Hardcore Verlag (da gehört es auch hin) und es stand schon eine ganze ...

Über "Evil" hört man ja schon seit der Erstveröffentlichung viele Meinungen. Das Buch erschien bereits 2006 in der 4. Auflage im Heyne Hardcore Verlag (da gehört es auch hin) und es stand schon eine ganze Weile in meinem SuB-Regal. Da kam mir die Leserunde mit meinen lieben Bloggerfreunden gerade recht, denn das Buch soll ja harter Tobak sein...und ist es auch! Da liest es sich doch gemeinsam gleich viel "angstfreier".
Das Vorwort von Stephen King verrät leider einiges und ich würde es auf jeden Fall erst danach lesen!

Das Erschreckendste an Jack Ketchums Roman ist, dass er auf den wahren Fall von Sylvia Likens basiert.
Es ist ein Sommer in New Jersey in den 1960iger Jahren. Als erwachsener Mann blickt David auf seine Kindheit zurück und auf die Schuld, die er damals auf sich geladen hat. Eine, die er seitdem mit sich herumträgt und ihn nicht vergessen lässt.
David hatte bis zu diesem Sommer eine normale Kindheit. Meistens spielte er mit den Chandler Jungen aus dem Nachbarhaus. Ihre Mutter Ruth ist alleinerziehend und viele Kinder gehen bei ihr ein und aus. Eines Tages ziehen bei Ruth ihre zwei Nichten ein: Megan und Susan, die ihre Eltern bei einem Autounfall verloren haben. Susan ist noch immer auf ihre Krücken angewiesen, während Meg eine lange Narbe an ihrem Arm hat. David freundet sich mit Meg an, als die beiden Kinder am Bach Krebse fangen. Er verguckt sich in das etwas ältere Mädchen. Ruth ist nicht glücklich über den Neuzwachs und beginnt die beiden Mädchen zu schikanieren. Vorallem auf Meg hat sie es abgesehen. Zu Beginn noch eher harmlos, steigert sich ihr Hass auf das Mädchen rasant und wird in der zweiten Buchhälfte zur grauenhafter Folter im Bunkerkeller des Hauses. Das Schlimme daran ist, dass die alkoholkranke Ruth "nur" die Auftraggebende ist....Ausführer sind ihre Söhne und einige Nachbarkinder. David ist dabei Zuschauer, greift jedoch nicht ein.

Ich wusste bereits, dass ich hier eine sehr grausame Geschichte vor mir habe, die noch dazu auf einer wahren Begebenheit beruht. Deswegen war ich anfangs sehr überrascht, dass der Roman über lange Zeit eher ruhig war und eher an einen Coming-of-Age Roman erinnert. Als Leser stand ich ziemlich unter Spannung, weil man automatisch darauf wartet, dass das Grauen zuschlägt. Doch es schleicht sich erst langsam heran... Was als Spiel beginnt, wird zu einem Vorgang, der komplett aus dem Ruder läuft. Es wird verstörend, grausam und brutal...

Ketchum erzählt zu Beginn aus der Sicht des erwachsenen David in einer Art Rückblick, der Großteil jedoch ist aus der kindlichen Sicht des Jungen geschrieben. Man erlebt dabei Davids Gedanken und seine Gewissensbisse. Er weiß ganz genau, dass hier Unrecht geschieht, greift aber nicht ein. Hier kommen einige Aspekte zum Tragen: Manipulation, Angst, Gier, Voyeurismus und Gruppenzwang. Man kann diese Schlagworte heute genauso in anderen Situationen anwenden und wird immer wieder auf ähnliche Grausamkeiten stoßen, die in der Gemeinschaft viel schneller ausgeübt werden, als alleine.

Ketchum zeigt sehr deutlich wozu wir Menschen fähig sind. Auch beim Lesen verfällt man in eine Art Schockstarre und will doch wissen, wie es weitergeht...

Dem Autor ist hier ein Werk gelungen, das seinesgleichen sucht. Das Grauen beginnt in der Kleinstadtidylle erst unsichtbar um sich zu greifen, bis es dann ausbricht. Man kann sich in David gut hineinversetzen und Ketchum lässt einem die Frage stellen, wie man wohl selbst als 12jähriger gehandelt hätte...

In all den Jahren wurde das Buch zweimal verfilmt. Einmal mit dem gleichnamigen Titel wie die deutsche Ausgabe und einmal unter "The Girl next door". Zusätzlich gibt es noch die Verfilmung der realen Geschichte: "An American Crime". Ich weiß, dass ich mir keinen der Film ansehen werde! Ich kann in Büchern wirklich viele blutige und grauenhafte Szenen lesen, aber im Film ansehen? NEIN!


Fazit:
Ein Buch, das verdeutlicht zu welchen Gräueltaten Menschen fähig sind und welches zum Nachdenken anregt. "Evil" hinterlässt auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck, egal was man davon hält. Man sollte sich aber immer vor Augen führen, dass Jack Ketchum einen wahren Fall als Vorlage hatte! Nichts für Zartbeseitete!

Veröffentlicht am 14.04.2018

Gefährliche Thermenwelte

Steirerquell
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Der achte Band rund um Sandra Mohr und Sascha Bergmann beginnt genau an der Stelle an der Band 7 endet. Sandra erhält einen Notruf von ihrer Freundin Andrea während sie mit Sascha die Hochzeit ihrer Kollegin ...

Der achte Band rund um Sandra Mohr und Sascha Bergmann beginnt genau an der Stelle an der Band 7 endet. Sandra erhält einen Notruf von ihrer Freundin Andrea während sie mit Sascha die Hochzeit ihrer Kollegin Miriam besuchen. Als Sandras zurückruft, kommt sie immer nur auf die Mailbox. Andrea wollte das Wochenende mit ihrer aktuellen Liebschaft im steirischen Thermenland verbringen., jedoch wartet auch der verheiratete Zahnarzt vergeblich. Als in unmittelbarer Nähe eine verkohlte Leiche auftaucht ist Sandra mehr als alarmiert. Gemeinsam mit Sascha reist sie nach Bad Loipersdorf in die Therme...

Man steigt direkt in die Handlung ein und ist sofort wieder mitten im Geschehen. Sandra ist diesmal persönlich im aktuellen Fall involviert. Ihre Professionalität wird deswegen besonders gefordert, denn sie darf sich nicht zu sehr von ihren Gefühlen und Ängsten mitreißen lassen. Die Sorge um ihre Freundin kann man deutlich durch die Zeilen spüren und nachvollziehen. Lange Zeit tappte ich mit den Ermittlern im Dunkeln und erst ganz am Ende wird uns der Täter auf dem Tablett serviert. Dazwischen versuchen Sandra und Sascha zänkische Nachbarn zu beruhigen, Andreas Liebschaften auszuforschen und sich in der Tätowierszene umzuschauen.
Zwischendurch gibt es kurze Kapitel, die die Gefangenschaft einer Frau beschreiben. So erhascht man einen Einblick in die Gefühlswelt des Opfers und man hofft mit Sandra, dass sie Andrea noch retten kann.
Am Ende fügt sich alles perfekt zusammen, nur auf das eigentlich Tatmotiv hätte noch ein bisschen mehr eingegangen werden können.
Die Sticheleien zwischen Sandra und Sascha sind wieder absolut gelungen und zaubern immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Diese kleinen Kabbeleien sind wie das Salz in der Suppe! Doch Sascha ist diesmal ein bisschen zurückhaltender, denn ihm quälen ein paar private Probleme rund um seine Tochter.
Am Ende gibt es, wie schon im letzten Buch, einen kleinen Ausblick in den kommenden Band...ein kleiner Cliffhänger, der eine kleine "Bombe" platzen lässt...

Schreibstil:
Claudia Rossbacher schreibt sehr flüssig und baut viel Lokalkolorit mit in ihre Krimis ein. Die Spannungskurve ist diesmal konstant hoch. Am Beginn jedes Kapitels stehen Orts- und Zeitangaben.
Die Gegend rund um die Thermenregion wird sehr bildhaft beschrieben und auch die typischen österreichischen bzw. steirischen Dialektwörter dürfen nicht fehlen. Am Ende des Buches gibt es wieder ein Glossar für unsere deutschen Freunde...

Das Cover passt wieder hervorragend zum Erkennungsmerkmal der Reihe: das Herz. Diesmal ist es von (Thermal-)Wasser und Blutstropfen umgeben.
Für mich ist "Steirerquell" einer der besten Krimis aus der Reihe von Claudia Rossbacher.

Fazit:
Der 8. Band rund um Sandra Mohr und Sascha Bergmann bietet viel Spannung und Lokalkolorit und konnte mich absolut überzeugen. Für mich ist er neben "Steirerherz" und "Steirerkreuz" der beste Krimi der Reihe.

Veröffentlicht am 09.04.2018

Der Tod ist ein Wiener

Der Tod ist ein Wiener
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Mein erster Krimi der österreichischen Autorin Edith Kneifl, der mit dem wunderschönen Cover gleich richtiges Wiener Flair vermittelt: ein Fiaker, der durch einen Torbogen fährt. Gefällt mir sehr!
Der ...

Mein erster Krimi der österreichischen Autorin Edith Kneifl, der mit dem wunderschönen Cover gleich richtiges Wiener Flair vermittelt: ein Fiaker, der durch einen Torbogen fährt. Gefällt mir sehr!
Der dritte Fall rund um die "Drei vom Naschmarkt" beginnt mit einem spannenden Prolog im Jahre 1943. Ein Desserteur, der sich in einer Hütte am Rande des Wienerwaldes versteckt hält, wird ermordet. Danach sind wir in der Gegenwart in einer Jugendstil-Villa unweit des damaligen Tatortes am Wilheminenberg. Dort wohnt die betagte Kunsthändlerin Adele, die die Privatdetektivin Magdalena beauftragt die Tochter ihrer verstorbenen Freundin Larissa zu finden. Diese war Künstlerin und wurde in den 1970iger in die Psychatrie am Steinhof eingeliefert. Dort hat sie durch eine Vergewaltigung eine Tochter geboren, die sofort zur Adoption freigegeben wurde. Adele möchte nun die Bilder von Larissa ihrer Tochter vererben bzw. sie als Alleinerbin einsetzen. Die Verwandtschaft ist darüber alles andere als begeistert....

Leider bin ich sehr schwer in die Geschichte hineingekommen. Es mag sein, dass es daran liegt, dass ich die beiden Vorgängerbände nicht gelesen habe, aber mir fehlte es generell an Spannung. Im Klappentext liest man auch von drei Ermittlerinnen, doch in "Der Tod ist ein Wiener" stellt einzig Magdalena Nachforschungen an. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass Sofia und Elvira dicke Freundinnen sind. Die beiden Frauen sind Magdalena weder eine Hilfe, noch fand ich ihr Benehmen generell als freundschaftlich zueinander.
Die Ermittlungen von Magdalena hielten sich meiner Meinung nach in Grenzen. Viel mehr stolperte sie über einige Hinweise und übersah dafür andere. Der im Klappentext beschriebene Mord passierte erst im letzten Drittel des Krimis und war außerdem vorhersehbar.
Einzig der Einblick in die Psychatrie zu dieser Zeit fand ich wirklich interessant. Wie man leider heute weiß, war die Euthanasie zur Zeit des zweiten Weltkrieges allgegenwärtig. Die schlimmen Behandlungsmethoden an behinderten Kindern im Kinderheim Wilhelminenberg wurde bis in die 1980iger Jahre fortgesetzt. Unglaublich!

Aber zurück zum eigentlich Krimi. Mit der Sprache hatte ich als Österreichein natürlich kein Problem und der Wiener Charme kommt immer wieder zwischen den Zeilen durch. Die Gegend rund um Wien und auch in der Stadt selbst, wird sehr bildhaft beschrieben und natürlich kenne auch ich einige Plätze, die die Autorin hier beschreibt.

Die Charaktere blieben mir bis auf Adele leider größtenteils fremd. Anfangs konnte ich die drei Freundinnen kaum auseinanderhalten, was aber auch daran liegen wird, dass ich eben bei Teil 3 eingestiegen bin. Viele Figuren waren äußerst unsymapthisch oder blieben nebulös bzw. wurden auf eine Charaktereigenschaft reduziert. Nur von Adele konnte ich mir ein wunderbares Bild machen, ihre Ängste und Sorgen nachvollziehen. Die Hoffnung, die sie sich durch das Auffinden von Larissa's Tochter machte und der Wunsch an ihr etwas gutzumachen, war verständlich.

Schreibstil:
Edith Kneifl schreibt angenehm flüssig und dialoglastig, der Roman besitzt viel Lokalkolorit.
Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Magdalena geschrieben. Zwischen den Kapiteln gibt es Rückblenden. Manche sind aus der Sicht von Larissa und erzählen von der Zeit am Steinhof, andere Rückblicke gibt es von Adele, die von ihrer Beziehung zu Larissa erzählt.

Fazit:
Mich konnte der Krimi leider weder überzeugen, noch fesseln. Einzig die Rückblenden in die Vergangenheit sind interessant und dem Wiener Flair kann man sich kaum entziehen. Vielleicht war es ein Fehler beim dritten Band einzusteigen, denn mit den drei Freundinnen wurde ich ebenfalls nicht wirklich warm und ermittelt hat einzig und allein Magdalena. Ob ich noch einen weiteren Krimi der Autorin lesen werde, weiß ich noch nicht....
Schade, vorallem, da es eine österreichische Autorin ist und ich diese gerne unterstütze!