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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.01.2017

Der Auftakt der Trilogie komnnte mich noch nicht überzeugen...

The Cage - Entführt
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Zu Beginn ist die 16-jährige Cora auf dem Weg in den Schiurlaub. Doch als sie erwacht, findet sie sich in einer Wüstenlandschaft wieder. Als Tochter eines Gouverneurs denkt sie sofort an Entführung, was ...

Zu Beginn ist die 16-jährige Cora auf dem Weg in den Schiurlaub. Doch als sie erwacht, findet sie sich in einer Wüstenlandschaft wieder. Als Tochter eines Gouverneurs denkt sie sofort an Entführung, was sich in gewisser Weise auch bestätigt. Jedoch ist die Welt, in der sie sich befindet, eine künstlich angelegte. Verschiedene Klimazonen greifen auf engen Raum ineinander über, Distanzen sind nicht real und die Städte in der Ferne gibt es nicht. Neben Cora befinden sich noch fünf weitere Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern und sozialen Schichten in dieser Szenerie. Der Hüter, ein Mann mit bronzefarbender Haut, der sich vor ihnen materalisiert, erklärt den Jungen und Mädchen relativ bald, wo sie sich befinden und welche Regeln sie einzuhalten haben. Sie sind Teil eines Experiments und haben 21 Tage Zeit diese zu erfüllen....

Die Autorin hat hier ein fiktive Welt erschaffen, die man sich wirklich gut vorstellen kann, da die beschriebenen künstlichen Landschaften der Erde ähneln. Die Außerirdischen möchten für ihre Gefangenen einen Platz erschaffen, der ihrer gewohnten Umgebung gleichkommt. Diese Fakten werden dem Leser relativ schnell klar....der Sinn der Sache jedoch nicht, vorallem weil der Hüter und Seinesgleichen die Menschen für eine niedrige Existenzform halten.

Neben Cora, unserer Hauptprotagonistin, lernt der Leser schon bald die anderen fünf Jugendlichen kennen. Hauptcharakter ist allerdings Cora, die sich als Einzige im Laufe des Romanes auflehnt und sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden will. Dies ist ein Fakt, den ich nicht ganz verstehen konnte. Für mich handeln die restlichen Charaktere nicht nachvollziehbar. Sie sind zu passiv - statt Lösungen zu finden und gegen ihr Schicksal anzukämpfen, greifen sie sich gegenseitig an. Es entsteht Agressivität, statt Agilität. Sie geben sich viel zu schnell geschlagen und Cora, die sich als Einzige auflehnt, wird zu ihren Buhmann. So plätschert die Geschichte eine Weile vor sich hin, ohne jegliche Höhen und Tiefen. Die restlichen Charaktere blieben mir weitgehend fremd. Sicher hat jeder von ihnen ein besonderes Merkmal wie Schläue, Schönheit oder Stärke, jedoch birgt der Roman auch einige nicht logische Komponenten. Um nicht zu spoilern möchte ich hier nichts ins Detail gehen..für diejenigen, die den Roman bereits gelesen haben, sage ich nur "verschwundenes Essen".
Erst zum Ende hin steigt die Spannung und die Autorin überraschte mit einer unerwarteten Wendung und einem Cliffhanger.... die perfekte Voraussetzung, um auch Band 2 zu kaufen und zu lesen...Ob ich dazugehören werde, kann ich noch nicht sagen.

Schreibstil:
Der locker leichte Schreibstil von Megan Shepherd lässt sich hervorragend lesen. Die mehr als 400 Seiten sind in angenehmer größerer Schrift geschrieben und so rauscht man nur so durch die Seiten. Obwohl mich der Mittelteil nicht wirklich fesseln konnte, war ich erstaunt, wie viel ich in kurzer Zeit bereits gelesen hatte. Man kann sich die künstlich aufgebaute Welt gut vorstellen und auch die Figuren hatte ich mehr oder weniger konkret vor Augen.
Jedes Kapitel widmt sich einer der sechs Protagonisten, wobei den Hauptteil Cora bestreitet. Es wird aus der Sicht der Person aus der Kapitelüberschrift erzählt, wobei die wechselnden Perspektiven etwas Leben in die Geschichte bringen.

Fazit:
Ein Reihenauftakt, der einige unlogische Handlungen beinhaltet und der erst am Schluss spannend wird. Wie oft bei Trilogien scheinen kaum alle drei Bücher gleich stark zu sein. Hier kann man noch hoffen, dass sich Band 2 und 3 steigern werden...

Veröffentlicht am 24.01.2017

Deutsch-deutsche Geschichte gelebt

Ab heute heiße ich Margo
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Dieser Roman, mit mehr als 600 Seiten, beschreibt das Leben von zwei sehr starken, aber unterschiedlichen Frauen in Stendal von 1936 bis zum Jahr 2000. Neben den Lebensgeschichten beinhaltet dieses Buch ...

Dieser Roman, mit mehr als 600 Seiten, beschreibt das Leben von zwei sehr starken, aber unterschiedlichen Frauen in Stendal von 1936 bis zum Jahr 2000. Neben den Lebensgeschichten beinhaltet dieses Buch auch jede Menge deutsch-deutsche Geschichte, beginnend beim Zweiten Weltkrieg über die Teilung Deutschlands und die Wiedervereinigung 1989. Eine Zeitreise, die mich unglaublich gefesselt hat....

Margarete, die sich später Margo nennt, beendet vorzeitig die Schule um endlich unabhängig von ihrem tyrannischen Vater und der verschüchterten Mutter zu sein. Beim Fotografen Otto Werner findet sie Arbeit in der Buchhaltung, die ihr Spaß macht. Doch ihr extremer Ehrgeiz macht sie nicht unbedingt beliebt. Margo weiß, was sie will und das sind nicht Heirat, Kinder und der Haushalt, sondern eine Karriere. Trotz der für die damalige Zeit untypischen Ziele, ist sie politisch eher naiv.
Helene, die bereits in ihrer Jugend im Spanischen Bürgerkrieg als Fotografin zwischen den Fronten stand, hat bereits die andere Seite des Lebens kennengelernt. Als Vierteljüdin befindet sie sich auch in Deutschland wieder in Lebensgefahr und findet bei Photo-Werner Unterschlupf und einen Job. Obwohl die jungen Frauen so unterschiedlich sind, entsteht zwischen den Beiden eine Freundschaft. Doch die Liebe zum selben Mann, ein dunkles Geheimnis und der zweite Weltkrieg reißen sie auseinander und ihre Träume und Wünsche lösen sich in Luft auf....
Während Margo nach dem Krieg in Westdeutschland Karriere macht, muss Helene als alleinerziehende Mutter über die Runden kommen und spioniert für die Stasi.
Obwohl mir beide Frauen nicht wirklich sympathisch waren, musste ich doch den Mut und den Ehrgeiz von Helene und Margo bewundern. Beide versuchten aus ihren Situationen das Beste zu machen, auch wenn ich doch einige Handlungen nicht nachvollziehen konnte.

Erstmals hatte ich auch einen Roman vor mir, der während des Zweiten Weltkrieges spielt und der keine Jüdin oder Widerstandskämpferin als Hauptprotagonistin hatte. Im Gegenteil: Margarete war die ersten Jahre dem Hitlerregime nicht abgeneigt.
Die Autorin versteht es zwei typische Frauenbilder dieser Zeit lebendig und authentisch darzustellen. Beide Hauptprotagonistinnen sind nicht unbedingt sympathisch, aber sehr vielschichtig beschrieben. Es gibt kein schwarz-weiß, sondern ein Porträt von Menschen, die sich die jeweiligen politische Lage zu Nutzen gemacht haben oder einfach versuchten zu überleben. Man kann selbst nie beurteilen, wie man wirklich gehandelt hätte, wäre man in eine dieser Situationen gekommen (wobei ich jetzt natürlich nicht das Hitlerregime meine, sondern die Zeit nach dem Krieg).
Die Autorin beschreibt hier gekonnt die verschiedenen Strömungen nach dem Kriegsende und den Zerfall Deutschlands in Ost- und Westdeutschland. Positiv hervorheben sollte man, dass Cora Stephan weder mit den moralisch erhobenen Zeigefinger geschrieben, noch eine der beiden Seiten politisch bevorzugt hat. Einzig die kleinen Spionageeinträge kurz vor dem Ende fand ich etwas too much....

Schreibstil:
Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich sofort in die Geschichte eintauchen ließ. Historisch wurde hier sehr gut recherchiert und einige ältere Leser können sich sicherlich noch an diverse Begebenheiten, wie den Mauerfall, erinnern. Die atmosphärisch sehr dichte Geschichte ist lebendig und fesselt den Leser.

Der Roman ist in drei große Abschnitte unterteilt. Teil 1 "Im dritten Reich" spielt von 1936 bis 1945, Teil 2 "Deutschland Ost, Deutschland West" von 1945 bis 1989 und Teil 3 "Nach dem Mauerfall" von 1989 bis 2000. Erzählt wird in der dritten Person, wobei die Sichtweise zwischen Margo und Helen wechselt. Einige wenige Kapitel sind aus der Sicht von Alard geschrieben, der mir etwas zu kurz in der Geschichte kam.

Fazit:
Ein Porträt zweier starker, aber sehr unterschiedlicher Frauen, eingebettet in siebzig Jahre deutsche Geschichte - wunderbar erzählt und mitten aus dem Leben gegriffen. Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 24.01.2017

Georgia Reohe Teil 6

Blutige Fesseln
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Im neuersten Thriller von Karin Slaughter werden Will und Faith in eine alte Lagerhalle gerufen. Dort finden sie ein Blutbad vor. Der Tote, Dale Harding, ist ein ehemaliger Cop, der allerdings der Sparte ...

Im neuersten Thriller von Karin Slaughter werden Will und Faith in eine alte Lagerhalle gerufen. Dort finden sie ein Blutbad vor. Der Tote, Dale Harding, ist ein ehemaliger Cop, der allerdings der Sparte korrupt und schmierig zuzuordnen ist. Doch das viele Blut am Tatort ist nicht ident mit Dales Blutgruppe. Neben weiblichen Fußabdrücken entdeckt die Spurensicherung eine Waffe, die auf Wills Noch-Ehefrau Angie zugelassen ist und kurz darauf eine weitere schwer verletzte Frau. Der Tatort gibt der Polizei Rätsel auf, denn auch die Blutgruppe der verletzten Frau stimmt nicht mit der am Tatort überein. Wer ist hier Opfer und wer Mörder?
Das leerstehende und abbruchreife Gebäude in dem der Mord geschah, gehört Markus Rippy, einem Profibasketball-Spieler, der vor einem halben Jahr wegen Vergwaltigung angeklagt wurde. Will hatte diesen Fall damals verloren und nun scheint Rippy wiederum in das Geschehen verwickelt zu sein. Als eine weibliche, schlimm zugerichtete Leiche gefunden wird, denkt die Polizei, Angies Leiche vor sich zu haben. Was hatte sie mit Dale Harding zu schaffen? Und warum scheint sie gemeinsame Sache mit Rippys Helfershelfern gemacht zu haben?

Will wird wegen Befangenheit vom Fall abgezogen, doch niemand kann ihn aufhalten nach Angie zu suchen. Dies stellt auch die Beziehung zu Sara gewaltig auf die Probe, denn Angie ist mit allen Wasser gewaschen und zielt genau darauf ab, Sara zu quälen. Die Hintergründe zu den Morden sind diesmal relativ komplex und der Leser erfährt erst nach und nach in kleinen Häppchen, was Sache ist. Dabei verabsäumt Slaughter auch nicht falsche Fährten auszulegen und überraschende Wendungen einzubauen.
Wie gewohnt kommt auch die Gewalt und Brutalität nicht zu kurz. Besonders zum Ende hin gibt es eine Szene, die ich wirklich ekelerregnd fand.

Die altbekannten Charaktere wie Will, Sara und Angie, Faith und Amanda entwickeln sich auch in Band 6 weiter, wobei Faith diesmal im Hintergund bleibt. Auch die rauhe Amanda ist mir mittlerweile ans Herz gewachsen, doch Angie wird wohl nie ein Sympathieträger für mich werden.

Wer die Vorgängerbände nicht kennt, hat bei Band 6 diesmal sicherlich keinerlei Schwierigkeiten sich zurechtzufinden, denn es werden viele Dinge aus Will's Vergangenheit angesprochen. Somit sollten auch Neueinsteiger kein Problem mit der Handlung haben. Trotzdem finde ich, dass man besonders bei Reihen, bei denen sich das Privatleben der Ermittler weiterentwickelt, die Bücher in der richtigen Reihenfolge lesen sollte.

Schreibstil:
Direkt, teilweise eher rau und sprachlich einfach, versetzt uns die Autorin auf gewohnte Weise in Spannung. Der Spannungsbogen nimmt in der Mitte etwas ab und die Geschichte ist relativ komplex. Trotzdem ist die Handlung intensiv und packend.

Fazit:
Ein packender Thriller aus der Feder von Karin Slaughter, der eine komplexe Story bietet und auch mit überraschenden Wendungen punkten kann. Der etwas stärkere Fokus auf das Privatleben von Will nimmt jedoch etwas Tempo aus der Handlung. Für Fans der Autorin natürlich wieder ein MUST READ!

Veröffentlicht am 16.01.2017

Himmel über fremdem Land

Himmel über fremdem Land
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Die erst 13-jährige Demy van Kampen, gebürtige Niederländerin, muss gegen ihren Willen ihre Schwester Tilla als Gesellschafterin nach Berlin begleiten. Um dies zu ermöglichen, gibt Tilla ihre kleine Schwester ...

Die erst 13-jährige Demy van Kampen, gebürtige Niederländerin, muss gegen ihren Willen ihre Schwester Tilla als Gesellschafterin nach Berlin begleiten. Um dies zu ermöglichen, gibt Tilla ihre kleine Schwester älter aus, als sie in Wahrheit ist. Die arrangierte Ehe mit dem Sohn von Joseph Meindorff senior, einem großbürgerlichen Fabriksbesitzer, soll beiden Familien von Vorteil sein.
Zum Clan der Meindorffs gehören neben Tillas Bräutigam Joseph jun. auch Sohn Hannes, der eher das unbekümmerte Leben eines Großindustriellensohnes führt, bis er sich in die Arbeiterin Edith verliebt, sowie sein älterer Ziehbruder Philippe, das schwarze Schaf der Familie. Dieser kämpft als Offizier in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Trotzdem verbindet die beiden Männer eine tiefe Freundschaft, denn Meindorff senior führt ein strenges Regiment in seinem Haus und ist ein wahrer Tyrann.
Auch Demy lebt sich nur schwer in Berlin ein. Als Gesellschafterin steht sie zwischen dem Personal und der Familie. Sie fühlt sich gänzlich fehl am Platz, nur mit Hannes verbindet sie mit der Zeit eine Freundschaft. Als Demy eines Tages die etwa gleichaltrige Lieselotte kennenlernt, sieht sie die andere Seite von Berlin, denn ihre neue Freundin lebt mit ihrer Familie im sogenannten Scheunenviertel in ärmlichsten Verhältnissen.

In St. Petersburg lebt die dritte Schwester, Anki van Campen, die als Kindermädchen in einer angesehenen russischen Adelsfamilie arbeitet. Sie fühlt sich wohl im Kreise der Familie, die mit der Zarenfamilie befreundet ist. Doch eines Abends lernt sie Grigori Jefimowitsch kennen, besser bekannt als Rasputin, der ihr riesige Furcht einflößt...

Meine Meinung:
Die bereits im Klappentext angeführten Schauplätze haben neben der Geschichte ebenfalls mein Interesse geweckt. Geschickt wechselt die Autorin von Berlin nach Windhuk oder St. Petersburg, wobei hier im ersten Band der russische Schauplatz etwas zu kurz kommt. Sehr interessant fand ich die Erzählungen aus Deutsch-Südwestafrika, wo Philippe sich in die Afrikanerin Udako verliebt und geplante Überfälle auf Diamantenfelder untersuchen soll. Noch ahnt er nicht, in welch großer Gefahr er schwebt.

Der Großteil der Geschichte spielt jedoch in Berlin, dem Dreh- und Angelplatz der Meindorffs. Was jedoch alle drei Stränge vereint ist der gesellschaftliche Unterschied und die bereits schwelende Unruhe des Arbeiterstandes gegen die Adeligen und Großbürger, sowohl in Deutschland, als auch in Russland. Ebenso ein Thema ist die startende Frauenbewegung. Es ist die Zeit der "Suffragetten" und Demys Freundin Lieselotte schließt sich den Aktivistinnen mit viel Engagement an. Auch die nicht standesgemäße Liebe der beiden jüngeren Meindorffsöhne birgt Konfliktpotential.

Elisabeth Büchle hat diese Themen hervorragend in die Geschichte einflechten lassen und sehr interessant beschrieben. Man spürt die Unruhe und Spannung....die Welt beginnt sich zu ändern. Neben den vielen neuen wissenschaftlichen Errungenschaften wollen auch die einfachen Leute ihr Leben nicht mehr hinnehmen.
Auch die Gefühlswelt der kleinen Demy wirkt sehr authentisch, die sich, obwohl umgeben von vielen Menschen im Hause Meindorff, schrecklich einsam fühlt.

Während zu Beginn des Romans der Leser in die Geschichte eingeführt wird und alle Personen und Schauplätze kennenlernt, schlich sich meiner Meinung nach in der Mitte eine kleine Länge in die Erzählung ein. Die gesellschaftlichen Verpflichtungen von Demy und ihre Einführung in die Gesellschaft fand ich etwas langweilig. Im letzten Drittel steigt allerdings die Spannung rasant und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, bis ich das Buch mit einem Seufzen zugeschlagen hatte. Leider endete es mit einem etwas fiesen Cliffhanger, deswegen bin ich schon gespannt, wie die Trilogie weitergehen wird und welche Schicksalsschläge noch auf Demy, Tilla, Philippe, Hannes und Anki warten, denn der erste Weltkrieg steht noch vor der Tür....

Schreibstil:
Elisabeth Büchle schreibt sehr lebendig und einfühlsam. Es wurde gut recherchiert und viele historische Persönlichkeiten sind mit der fiktiven Geschichte verwoben.
Die Atmosphäre dieser Zeitepoche wurde von der Autorin wunderbar widergegeben. Man fühlt sich direkt vor Ort. Der Wechsel des Schauplatzes wird am Beginn des jeweiligen Kapitels angezeigt, ebenso Monat und Jahr.
Im Anhang befindet sich ein Glossar über die wichtigsten historischen Persönlichkeiten.

Fazit:
Bewegender Auftakt einer Familiensaga, die mit interessanten Schauplätzen und Figuren punkten kann. Das rasante Ende und ein Cliffhanger lassen mich nun gespannt auf den nächsten Teil warten, den wir wieder gemeinsam lesen möchten.

Veröffentlicht am 16.01.2017

Die Himmelsstürmerinnen

Unsere Hälfte des Himmels
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Der neue Roman von Clarissa Linden hat zwei Kernthemen: Frauen als Pilotinnen und die Frauenbewgeung der 70-iger. Aber auch das Thema Freundschaft und Mutter/Tochter-Beziehung stehen im Vordergrund. In ...

Der neue Roman von Clarissa Linden hat zwei Kernthemen: Frauen als Pilotinnen und die Frauenbewgeung der 70-iger. Aber auch das Thema Freundschaft und Mutter/Tochter-Beziehung stehen im Vordergrund. In zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt die Autorin von Lieselotte und ihrer Mutter Amelie.

Während Lieselotte Anfang der 1970-iger in einer unglücklichen Ehe "gefangen" ist, erleidet ihre Mutter einen schweren Autounfall. Das Verhältnis der Beiden war eher unterkühlt, da Amelie ihrer Tochter nicht viel Beachtung schenkte. Liebe und Aufmerksamkeit erhielt sie nur von ihrer Großmutter Luise. Als Lieselotte die Nachricht erhält, dass ihre Mutter Amelie im Koma liegt, reist sie nach Frankfurt. Dort quartiert sie sich kurzfristig in ihrer Wohnung, was ihrem Mann Eduard gar nicht recht ist. Bald schon stellt sie fest, dass die junge Studentin Marga, die in der Wohnung gegenüber wohnt, ein ganz anderes Bild von ihrer Mutter hat. Und dann scheint Amelie auch noch ein Mitglied der "Himmelsstürmerinnen" zu sein, einer Gruppe von Frauen, die sich dem Fliegen verschrieben haben. Lieselotte macht sich auf die Suche nach der Vergangenheit und lernt eine ganz andere Frau kennen, als die, die sie meint zu kennen....

Im Vergangenheitsstrang lernen wir Amelie als junges Mädchen kennen, die gerne Segelfliegerin werden möchte. Nur in der Luft fühlt sie sich frei und gemeinsam mit ihren Freundinnen sind sie die "Himmelsstürmerinnen". Doch 1935 stehen bereits alle Zeichen auf Sturm und für Frauen wird es immer schwerer überhaupt einen Beruf zu ergreifen, denn die "richtige deutsche Frau" ist Ehefrau, Hausfrau und Mutter vieler arischer Kinder.

"Wie du schon gesagt hast: Frauen müssen sich entscheiden, was ihnen wichtiger ist. Männer können alles haben. Männer müssen sich nie gegen etwas entscheiden" - Seite 251

Doch Amelie und ihre beste Freundin Hanni geben ihre Träume nicht so schnell auf. Nichts soll ihren gemeinsamen Weg als Freundinnen und Fliegerinnen trennen. Doch dann verliebt sich Amelie in Felix von Bissingen....

Wie bei fast allen Büchern, die in zwei Zeitstränge geteilt sind, hat mir auch hier wieder der Part in der Vergangenheit besser gefallen.

Amelie ist eine junge Frau, die es nicht leicht hat, aber ihren großen Traum leben möchte. Ihre Mutter Luise unterstützt sie dabei. Amelie steht jedoch immer im Schatten der willensstarken Johanna, ihrer besten Freundin. Diese setzt alles daran ihr gemeinsames Ziel zu erreichen und schreckt dabei auch nicht vor unlauteren Mitteln zurück....
Die Freundschaft zwischen Hanni und Amelie nimmt großen Raum in der Handlung ein. Hanni war für mich zwar kein angenehmer Charakter, aber ich hatte sie sehr lebendig vor Augen. Sie ist verwöhnt und egozentrisch, fokusiert sich alleine auf ihren großen Wunsch und zerstört dabei alles um sich herum. Ihr nahm ich die Liebe zum Segelfliegen ab, bei Amelie hatte ich allerdings nicht immer das Gefühl. Leider geht die Geschichte rund um die Fliegerei im Laufe des Romans zugunsten der Liebesgeschichte verloren. Das fand ich sehr schade! Auch die politischen Ereignisse sind nur kurz angerissen und hier hätte ich gerne etwas mehr Hintergrundinformationen dazu gehabt.

Lieselotte entspricht den damaligen Frauenbild. Sie ist nicht viel mehr als die Haushälterin ihres Mannes und versucht ihm alles recht zu machen. Dabei stellt sie alle ihre Bedürfnisse zurück. Erst durch den Unfall ihrer Mutter und der Gleichgültigkeit ihres Mannes gegenüber dem Geschehen, scheint Lieselotte aufzuwachen.
Mit Marga haben wir eine selbstbewusste Studentin, die Lieselotte zu helfen versucht, endlich auf ihren eigenen zwei Beinen zu stehen. Hier verbindet die Autorin gekonnt das Thema Frauenbewegung in den Siebziger Jahren in den Roman mit ein. Es geht um das Recht der Abtreibung (Mein Körper gehört mir!) und auch Scheidungen werden immer öfter zum Thema. Diese Passagen haben mir gut gefallen und zeigen auf, was sich im letzten Jahrhundert punkto Gleichberechtigung alles getan (oder nicht getan) hat.
So richtig überzeugt von Lieselottes Wandlung war ich allerdings nicht. Sie bleibt mir zu lasch und selbst die Recherchen über die Vergangenheit ihrer Mutter gibt sie in fremde Hände.

Ein bewegender Roman mit sehr interessanten Themen, der mich allerdings nicht auf allen Ebenen vollkommen überzeugt hat. Auch die obligatorische Katze durfte wieder nicht fehlen und findet mit "Cat Balou", der Katze von Marga, ihren Einsatz =).
Sehr empfehlen kann ich Clarissa Lindens Roman "Ich warte auf dich, jeden Tag" meine Rezi, den ich wirklich großartig fand!

Schreibstil:
Der Schreibstil von Clarissa Linden alias Christiane Lind ist wahnsinnig gut zu lesen, flüssig und bildgewaltig. Bei ihr rauscht man immer durch die Handlung und möchte gar nicht aufhören zu lesen, egal unter welchen Namen oder über welche Themen sie schreibt.
Zu Beginn des Romans gibt es eine kleine Personenliste, unter den Kapitelüberschriften des Stranges aus der Vergangenheit stehen Zitate bekannter Fliegerinnen.

Fazit:
Ein bewegender Roman mit sehr interessanten Themen, der mich allerdings nicht auf allen Ebenen vollkommen überzeugen konnte. Vielschichtig und wunderbar zu lesen!