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Veröffentlicht am 11.03.2017

Die ersten Kriegsjahre

Sturmwolken am Horizont
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*****ACHTUNG, KANN SPOILER ENTHALTEN!****

Berlin/St.Petersburg 1914:
Band 2 der Meindorff Trilogie beginnt sechs Jahre nach dem Ende von Teil eins. Wir begegnen einer mittlerweile erwachsenen Demy van ...

*****ACHTUNG, KANN SPOILER ENTHALTEN!****

Berlin/St.Petersburg 1914:
Band 2 der Meindorff Trilogie beginnt sechs Jahre nach dem Ende von Teil eins. Wir begegnen einer mittlerweile erwachsenen Demy van Campen, die noch immer kein richtiges Zuhause in Berlin bei den Meindorffs gefunden hat. Allerdings hat sich das Haus seit Kriegsbeginn eher zu einem Frauenhaushalt gewandelt, denn die Söhne des Fabriksbesitzers Jospeh Meindorff sind in den Krieg gezogen und Tilla entflieht der Familie durch Auslandsreisen, solange es die Umstände noch zulassen. So fällt es mehr und mehr Demy zu, sich um den Haushalt zu kümmern, ein Auge auf den alten und kranken Meindorff zu werfen und alles so gut es geht zusammenzuhalten. Sie bittet Philippe um Hilfe, den sie zufällig in Paris wiedertrifft und der beim niederländischen Flugzeugbauer Fokker als Pilot und Auszubildender arbeitet.
Doch auch Philippe, der nie von Meindorff senior geduldet wurde, sieht sich nicht im Stande Demy mehr zu helfen.....

Der Russlandteil ist diesmal viel ausgeprägter und nimmt einen großen Teil des Romans ein. Wir treffen wieder auf Rasputin, der eine "ungesunde Ausstrahlung" auf die Bevölkerung und die Zarenfamilie hat und der Anki und ihre Freundinnen in Schwierigkeiten bringt. Durch den Krieg schlägt den deutschen Familien in St.Petersburg immer mehr Hass entgegen und Anki fühlt sich nicht mehr sicher. Doch die Liebe zu Robert Busch und die Loyalität ihren Arbeitgebern, dem Fürstenpaar Chabenski, gegenüber, lässt sie in der russischen Metropole bleiben. Doch dann muss auch Robert das Land verlassen....

Die vielen Perspektivwechsel, die wir bereits aus Band 1 kennen, machen die Familiengeschichte um einiges spannender. Einige offene Fragen aus "Himmel über fremden Land" werden beantwortet, doch gibt es auch wieder angefangene Themen und Handlungsstränge, dessen Antworten wir hoffentlich in Band 3 von der Autorin aufgelöst bekommen. Auch einige Personen, die mir leichtes Bauchweh verursacht haben, rückten noch nicht in den Mittelpunkt und ich hoffe, dass diese auch im letzten Teil wieder auftauchen und es zu einem "Grande Finale" kommt.

Im Gegensatz zum ersten Teil kann man hier eine Charakterentwicklung vieler Figuren erkennen. Während Philippe nach seinem großen Verlust endlich ein Ziel im Leben hat und sich bei Fokker ausgesprochen wohl fühlt, Demy mehr und mehr Stärke zeigt und Anki ihre liebevolle Art ihrer "Ersatzfamilie" entgegen bringt, erlebt Hannes den Schrecken an der Front, wo er ein furchtbares Gemetzel an jungen Männern hautnah miterlebt. Joseph junior wird hier kaum mehr erwähnt und Tilla hat erst gegen Ende des Romans ihren großen Auftritt. Aber auch Nebencharaktere aus Band 1 treten wieder in Erscheinung, wobei Hauptmann Theodor Birk diesmal einen größeren Part bekommt.

Die Unterschiede zwischen der einfachen Bevölkerung, die sowohl in Deutschland als auch in Russland hungert, und der Dekadenz der Adeligen wird sehr gut dargestellt. Elisabeth Büchle gelingt es hervorragend die Stimmung des ersten Kriegsjahres einzufangen. Dachten doch alle Soldaten der Krieg wäre spätestens zu Weihnachten beendet, erlebt der Leser hautnah mit, wie sich die Lage immer mehr zuspitzt und mehr und mehr Länder in den Krieg eingreifen. Hier begleiten wir Hannes an die Front und später Robert ins Lazarett, wo er als Arzt an seine Grenzen gehen muss. Mit Demy bleiben wir in Berlin, die die Augen vor den Nöten der armen Bevölkerung nicht verschließt und Straßenkinder mit dem nötigen Essen versorgt.

Mir hat der Mittelteil der Trilogie besser gefallen als Band 1 und ich hoffe auf einen spannenden Abschluss der Geschichte, die wir wieder gemeinsam im Mai in einer Leserunde lesen werden.

Schreibstil:
Nachdem dies hier nicht mein erstes Buch der Autorin ist und ich wirklich sehr gerne ihre gut recherchierten und auf den Punkt gebrachten Geschichten lese, war ich wieder begeistert von ihrem einfühlsamen und lebendigen Schreibstil. Ihre Romane besitzen Atmosphäre und lassen uns an damaligen Zeiten teilhaben.
Der Wechsel der Schauplätze wird am Beginn des jeweiligen Kapitels angezeigt, ebenso Monat und Jahr.
Im Anhang befindet sich ein Glossar über die wichtigsten historischen Persönlichkeiten.

Fazit:
Im Gegensatz zu vielen Trilogien, wo der Mittelband der Schwächste ist, hat Elisabeth Büchle hier einen bewegenden zweiten Band geschrieben, der uns in die ersten Kriegsjahre des Ersten Weltkrieges entführt. Hervorragend recherchiert hat diese Familiengeschichte nun mein Herz erobert. Ich freue mich schon auf Band 3.

Veröffentlicht am 09.03.2017

Gelungener Schweizer Krimi

Solothurn streut Asche
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Band 1 rund um den Kantonspolizisten Dominik Dornach und der Staatssanwältin Angela Casagrande habe ich leider nicht gelesen, jedoch hatte ich keinerlei "Einstiegsschwierigkeiten".

Der Einbruchversuch ...

Band 1 rund um den Kantonspolizisten Dominik Dornach und der Staatssanwältin Angela Casagrande habe ich leider nicht gelesen, jedoch hatte ich keinerlei "Einstiegsschwierigkeiten".

Der Einbruchversuch eines jugendlichen Migranten, der vom Hausherrn "in Notwehr" erschlagen wird, lässt die Wogen in Solothurn hochgehen. Für die rechtsradikale Fortschrittspartei, die kurz vor den Wahlen steht, kommt dieser Fall gerade recht. Aber auch die Gruppierung rund um Lori Palmer, die sich für Emigranten einsetzt und die auch Dornachs Tochter Pia unterstützt, nutzen das Thema Fremdenhass zu ihren Gunsten.
Kurze Zeit später wird eine Nonne tot aufgefunden. Auf der Stirn hat sie ein aufgemaltes Aschekreuz. Bei den Nachforschungen stellt Dornach fest, dass Schwester Felicitas in der Vergangenheit einer extremen Gemeinschaft angehört hat, die rechtsextremes Gedankengut huldigte. Alle Spuren führen zu dieser Sekte, die anscheinend noch immer Verbindungen zur rechtsradikalen Szene hat. Als Casagrande tiefer nachbohrt und unbequeme Fragen zu stellen beginnt, wird ihr der Fall aus fadenscheinigen Gründen entzogen.....

Der Autor hat sich hier brandaktuellen Themen wie die Flüchtlingspolitik und dem Fremdenhass gewidmet. Aber auch dem Zusammenspiel von Kirche und Politik wird viel Platz eingeräumt, denn schon seit Jahrhunderten mischt der Glaube, egal welcher, viel zu viel im politischen Geschehen mit. Christof Gasser greift viele heikle Themen auf und versteht es dabei perfekt NICHT zu polarisieren, was nicht einfach ist und für ihn spricht.

Zu Beginn haben mich die Haupt- und Nebenschauplätze kurz verwirrt, ebenso die Figuren, die ich noch nicht aus Band Eins kannte. Es dauerte jedoch nicht lange, bis ich total in den Bann der Geschichte gezogen wurde. Wie die beiden Fälle zusammenhängen ist anfangs nicht klar, doch dass es Gemeinsamkeiten gibt, liegt auf der Hand.
Der regionale Touch der Schweiz ist immer irgendwie im Hintergrund vorhanden, jedoch hat "Solothurn streut Asche" nichts mit vielen Regionalkrimis gemeinsam. Hier wird ermittelt und auch die Spannung ist vorallem im letzten Drittel relativ hoch. Ich konnte den Krimi nicht mehr aus der Hand legen. Zum Schluss hin fügen sich alle Fäden zu einem Ganzen zusammen und die Auflösung ist schlüssig und hinterlässt keine offenen Fragen

Dominik Dornach, seine Tochter Pia, Angela Casagrande, sowie Jana Cranach, Oberstleutnant aus Wien, die bei Europol ihren Dienst versieht, sind allesamt sehr interessante und individuelle Figuren. Mit Cranach ist auch eine Österreicherin vertreten, was mich natürlich sehr gefreut hat ;) Alle Charaktere haben ihre eigenen Macken und sind sehr vielschichtig.

Schreibstil:
Es war mein erstes Buch des Autors und ich kann nur sagen, dass mir sein angenehmer und flüssiger Schreibstil sehr gefallen hat. Der kleine regionale Touch war perfekt eingesetzt, die Spannung steigt stetig an und mit den größtenteils sehr sympathischen Protagonisten muss man einfach mitfiebern. Zwischendurch gibt es kurze Einträge in Tagebuchform, die sehr geheimnisvoll sind. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und am Ende des Romans gibt es ein Glossar zu den verwendeten Dialektwörtern und regionalen Begriffen.

Fazit:
Ein brandaktueller und brisanter Krimi aus der Schweiz, der mit sympathischen Figuren, einer stetig steigenden Spannungskurve und mit einer abwechslungsreichen Story punkten kann. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall in Solothurn!

Veröffentlicht am 06.03.2017

Ein bewegender All Age Roman zum Thema Blindheit

Alles, was ich sehe
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Dieses Jugendbuch aus den Königskinder Verlag fiel mir immer wieder auf diversen Blogs ins Auge. Die sehr positiven Bewertungen überzeugten mich das Buch aus meiner Bücherei mitzunehmen.

Zu Beginn tat ...

Dieses Jugendbuch aus den Königskinder Verlag fiel mir immer wieder auf diversen Blogs ins Auge. Die sehr positiven Bewertungen überzeugten mich das Buch aus meiner Bücherei mitzunehmen.

Zu Beginn tat ich mir allerdings ein bisschen schwer mit der Geschichte und der mir zuerst eher unsympathischen Protagonistin Maggie. Diese hat durch eine Gehirnhautentzündung ihr Augenlicht verloren und leidet natürlich sehr darunter. Sie beginnt sich von ihren Freundinnen abzusondern und auch die Beziehung zu ihren Eltern wird unterkühlter und schwieriger.
Nach einem Sturz, bei dem sich Maggie den Kopf schlimm angeschlagen hat, sieht sie plötzlich einen kleinen Jungen namens Ben. Ihr Sichtfeld beschränkt sich allerdings auf den Zehnjährigen, den sie in einer Art Schein wie von einer Glühbirne sieht. Maggie ist glücklich wieder Farben sehen zu können und beginnt zwar die Sache zu hinterfragen, jedoch will sie an ihrem Glück, zumindest einen kleinen Teilausschnitt sehen zu können, wenn Ben in ihrer Nähe ist, solange wie möglich teilhaben. Und die Freundschaft mit Ben tut Maggie wirklich gut, denn der kranke Junge, der an einer schweren Rückenmarksverletzung (Spina bifida) leidet und nur mit Schwierigkeiten laufen kann, bereichert Maggies Leben. Seine positive Lebenseinstellung, seine altklugen Kommentare und sein sonniges Gemüt erobern nicht nur unsere Hauptprotagonistin, sondern auch den Leser. Und dann ist er noch der Bruder von Mason, dem Sänger von Maggies Lieblingsband. Dieser ignoriert Maggie allerdings total, da er glaubt sie spiele ihm ihre Blindheit nur vor......
Was es damit auf sich hat, dass Maggie nur Ben sehen kann und warum, dass müsst ihr selbst herausfinden!

Ich war zuerst etwas skeptisch und mag fantastische Stränge (deshalb wird der Roman auch unter "Fantasy" geführt!) in "normalen" Romanen nicht so gerne, aber nach den ersten 80 Seiten hat auch mich die Geschichte gepackt. Das liegt aber vorallem an den wunderbar dargestellten Protagonisten. Mit Ben hat die Autorin einen einzgartigen Charakter entworfen, der sich in jedes Herz einschleicht. Der kleine Junge ist nicht nur altklug und neugierig, seine überschwängliche Art und sein Sinn für Humor ist wirklich außergewöhnlich beschrieben. Und für Maggie wird Ben im wahrsten Sinne des Wortes ein Lichtblick in ihrem Leben.
Auch Maggie wurde mir im Laufe der Geschichte immer sympathischer. Mit ihrer sarkastischen und unverblümten Art eckt sie bei vielen Mitmenschen an und igelt sich ein. Durch Ben lernt sie ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen und macht im Laufe der Geschichte eine sehr positive Wandlung durch.

Die kleine Liebesgeschichte müsste nicht unbedingt sein, aber ich kann verstehen, dass es besonders für junge Mädchen ein Anreiz sein könnte zu diesem Buch zu greifen. Musiker oder ein angehender Rockstar sind auf jeden Fall ein sehr beliebtes Thema, welches auch bei älteren Frauen ab und an zieht ;)

Die Autorin hat es wunderbar geschafft die Probleme von blinden Menschen für uns Sehende begreiflich zu machen. Das beginnt mit dem überqueren einer Straße, den bösen Gehsteigkanten, den richtigen Bus zu finden und generell sich im normalen Leben einzugliedern, was nicht einfach ist. So spricht diese Geschichte den Leser auf viele Arten an. Es ist eine gelungene Mischung aus ernsten und schwierigen Themen, die mit einer kleinen Prise Sarksamus und Humor und dem wichtigen Thema Freundschaft, das richtige Lesefeeling bringt. Ein wunderbarer All Age Roman für Mütter und Töchter.

Schreibstil
Wie bereits oben erwähnt, lebt der Roman von den facettenreichen Figuren, die Marci Lyn Curtis mit sehr viel Herzblut erschaffen hat. Sie sind lebendig und haben Ecken und Kanten. Der Schreibstil ist flüssig und jugendlich leicht, trotz der manchmal schwereren Themen. Maggie erzählt aus der Ich-Perspektive und lässt uns unmittelbar an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben.

Fazit:
Ein bewegender All Age Roman mit einem Schuss Fantasy, der vorallem von den facettenreichen Figuren lebt und das Thema Blindheit sehr gut beschreibt. Für alle Altersstufen zu empfehlen!

Veröffentlicht am 04.03.2017

Für mich leider zu konstruiert

Bring mich ans Licht
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Als ich in die Leseprobe des Thrillers reinlesen durfte, wusste ich sofort, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss! Die Geschichte begann superspannend. Ein Vater, dessen Tochter entführt wurde, erhält ...

Als ich in die Leseprobe des Thrillers reinlesen durfte, wusste ich sofort, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss! Die Geschichte begann superspannend. Ein Vater, dessen Tochter entführt wurde, erhält den Anruf des Entführers zur Lösegeldübergabe und wir begleiten ihn auf den Weg. Natürlich endet der Prolog mit einem Cliffhanger....
Danach lernen wir eine junge Frau namens Marianna kennen, die während ihrer täglichen Joggingrunde überfallen und entführt wird. Nach Tagen furchtbarer Qual wird sie total dehydriert und an einer Mauer gekettet, gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Dort versuchen Hauptkommissar Francis Held und die ihm zur Seite gestellte Polizeipsychologin, Dr. Vera Simms, Informationen aus dem Entführungsopfer herauszubekommen. Doch Marianna wurde das Opfer einer Verwechslung und trotzdem wird dieser "Fehlgriff" den Fall wesentlich beeinflussen, denn die junge Frau weiß noch nicht, welche wichtige Rolle sie trotzalledem spielen wird....
Auch Hauptkommissar Held und Dr. Simms haben einiges zu verbergen und spielen nicht mit offenen Karten, was nicht unbedingt zur raschen Aufklärung des Falles beiträgt.

Es geht hier um Korruption, Rache, Mädchenhandel und Erpressung...manchmal hatte ich das Gefühl die Autorin möchte einfach zu viele Themen in ihrem Thriller verpacken. Die vielen überraschenden Wendungen legten zwar die Latte für den Spannungslevel hoch, jedoch fand ich manche Ideen einfach zu weit hergeholt, überzogen und nicht logisch. Ab der Hälfte des Buches befinden wir uns in Rumänien und der dazugehörenden Unterwelt. Marianna spielt dabei eine Schlüsselrolle, die auch Held und Simms nicht verborgen bleibt......

Der Schreibstil, der mir vorher noch unbekannten Autorin Kim Rylee, lässt sich sehr gut lesen, ist flüssig und einnehmend. Die Geschichte ist von Beginn an spannend und der Level bleibt die ganzen 372 Seiten über hoch. Warum ich trotzdem "nur" 3 Sterne vergebe liegt daran, dass mir Teile des Romans zu konstruiert und unlogisch vorgekommen sind. Es bleiben nach Beenden des Buches doch einige Fragen offen, die mir die Autorin zwar in der gemeinsamen Leserunde bei Lovelybooks zufriedenstellend beantwortet hat, allerdings ohne diese Möglichkeit hätte ich den Thriller mit vielen Fragen im Kopf im beendet. Und das ist eigentlich nicht unbedingt Sinn und Zweck.

Schreibstil und Charaktere:
Wie schon oben erwähnt hat die Autorin einen fesselnden und einnehmenden Schreibstil. Die Spnnaundskurve ist von Anfang an hoch und kann mit überraschenden Wendungen gehalten werden.
Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. So bekommt man Einblick in diverse Gedanken und Gefühle. Vorallem die Ämgste von Marianna werden sehr gut dargestellt und machen beklommen. Hauptkommissar Held und Dr. Vera Simms hingegen sind nicht unbedingt sehr sympathische Protagonisten. Besonders die Psychologin fand ich .
Marianna ist eine sehr toughe junge Frau, die nicht so schnell aufgibt und sich Lösungen für ihre Probleme sucht.

Fazit:
Ein spannender Thriller mit überraschenden Wendungen, der meiner Meinung nach zu viele Themen aufeinmal aufgegriffen hat. So wirkt das Ganze zu gewollt und konstruiert. Es bleiben viele Fragen offen, einige Handlungen fand ich überzogen oder unglaubwürdig. Mich konnte der Thriller leider nicht überzeugen.

Veröffentlicht am 27.02.2017

Wie perfekt möchtest du sein?

Flawed – Wie perfekt willst du sein?
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Ziemlich gespannt war ich auf Cecilia Aherns Versuch in der Jugendystopie Fuß zu fassen. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, dem kann ich sagen, dass es ihr gelungen ist!
Bis jetzt habe ich (fast) alle ...

Ziemlich gespannt war ich auf Cecilia Aherns Versuch in der Jugendystopie Fuß zu fassen. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, dem kann ich sagen, dass es ihr gelungen ist!
Bis jetzt habe ich (fast) alle Bücher der Autorin gelesen, die ja einem anderen Genre zuzuordnen sind. Manche haben mir sehr gut gefallen, manche weniger gut. Bei ihr ist man nie sicher, was man als nächstes in den Händen halten wird....
Mit "Flawed - wie perfekt willst du sein?" hat sie zwar nicht etwas vollkommen Neues erfunden, aber ich finde den Auftakt der Dilogie gelungen.

Die 17jährige Celestine lebt mit ihren Eltern und Geschwistern im fiktiven Ort Humming. In ihrer Welt gibt es nur zwei Kategorien von Menschen: die Perfekten und die Fehlerhaften. Letztere werden gebranntmarkt und von der Gesellschaft ausgeschlossen. Die fünf Stellen, an denen das "F" für fehlerhaft eingebrannt wird, sagen aus, welche Fehler diese Menschen begangen haben: die Schläfe bei falschen Entscheidungen; die Zunge, wenn sie lügen; die rechte Fußsohle bei gesellschaftlich inakzeptablem Verhalten, die rechte Handfläche, wenn die Gesellschaft bestohlen wurde und die Brust direkt über dem Herz, wenn man sich gegenüber der Gilde illoyal verhalten hat. Außerdem werden sie mit einer Armbinde gekenntzeichnet und ihnen werden sogenannte Whistleblower als eine Art Aufpasser zur Seite gestellt. Fehlerhafte müssen sich strengen Kontrollen unterziehen und auf jeden Luxus verzichten. Manche Dinge finde ich gar nicht so weit hergeholt, wie die Armbinde, die damals auch die Juden kenntzeichnete. Deshalb bin ich mir auch nicht ganz sicher, ob man diese Geschichte wirklich als Dystopie einstufen kann, denn manchmal sind wir gar nicht so weit von der Realität entfernt.....

Celestine ist anfangs ein Mädchen, das sich dem System und der Gilde perfekt fügt. Sie ist hübsch, eine Musterschülerin und hat jede Menge Freunde. Außerdem ist sie mit Art, dem Sohn von Richter Crevan befreundet, dem Anführer der Gilde. In ihren Augen sind die Fehlerhaften zurecht von der Gesellschaft ausgeschlossen. Als jedoch ihre Nachbarin und Klavierlehrerin abgeholt und als fehlerhaft gekenntzeichnet wird, weil sie ihrer todkranken Mutter im Ausland Sterbehilfe geleistet hat, beginnt Celestine sich das erste Mal Gedanken zu machen, ob dieses Vergehen und die Bestrafung gerechtfertigt ist. Und kurz darauf macht sie selbst einen folgenschweren Fehler, der aus der perfekten Schülerin mit einer strahlenden Zukunft eine Fehlerhafte macht, an der der ehemalige Freund der Familie ein grausames Exempel startet....
Nachdem die Figuren alle vorgestellt sind, legt Ahern ein rasantes Tempo vor. Man ist sehr schnell in der Geschichte drinnen und nach den ersten hundert Seiten in der Handlung gefangen. Man will unbedingt wissen, wie es weitergeht.
Der Plot ist nicht ganz neu, trotzdem lässt Ahern einige frischen Ideen einfließen. Die Medien und die Überwachung spielen ebenso eine zentrale Rolle, wie die Moral und das brutale Vorgehen gehen alle, die sich nicht dem System beugen. Das Thema Ausgrenzung und Mitleidlosigkeit sind die zentralen Anliegen der Autorin, die sie gewohnt souverän anspricht.

Charaktere:
Während Celestine zu Beginn eine perfekte junge Frau ist, die sich ohne groß nachzudenken dem System anpasst, fand ich ihr plötzliches Umdenken etwas zu schnell. So wirkt es ein bisschen unglaubwürdig, denn eigentlich ist ihre ältere Schwester Juniper diejenige, die so einiges am System hinterfragt.
Trotzdem macht Celestine im Laufe des Romans eine große Wandlung durch. Zu Beginn handelt sie oft unüberlegt und leichtfertigt, sie ist priviligiert und oberflächlich. Celestine kann einfach nicht glauben, wozu Richter Crevan und die Gilde fähig sind. Verlassen von den Menschen, von denen sie dachte, dass sie ihre besten Freunde sind, gewinnt sie nach und nach an Stärke und wird ungewollt zur Heldin.
Die Nebencharaktere sind unterschiedlich gut beschrieben. Manche bleiben blass und ich konnte mir nicht wirklich ein Bild von ihnen machen, andere sind haben Ecken und Kanten. Besonders mochte ich Celestines Großvater, der ein Gegener des Systems, aber kein als fehlerhaft gekenntzeichneter Mensch ist. Er hilft Celestine, wo er nur kann und unterstützt sie, ohne ihr etwas aufzuzwingen. Am interessantesten ist natürlich Carrick, der "Bad Boy", der in Band Eins noch undurchschaubar bleibt ;), aber bereits Celestines Sympathie besitzt.

Schreibstil:
Wenn nicht Cecilia Ahern draufstehen würde, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass diese Autorin hinter der Geschichte steckt. Wenn man sich aber näher mit dem Aufbau, dem Schreibstil und der Aussage des Romans beschäftigt, entdeckt man doch viele Parallelen zu ihren anderen Büchern. Ihr Schreibstil lässt sich immer gut lesen und ihre Bücher stecken voller Lebensweisheiten, die sich hinter den Zeilen verstecken. In ihrem Jugendbuch entdeckt man aber auch eine "härtere" Seite der Autorin.


Fazit:
Ein spannender erster Teil der Dilogie, der mich fesseln konnte und Lust auf Band 2 macht. Einige Fragen sind noch unbeantwortet, manche Personen noch zu blass, aber ich hoffe auf eine baldige Antwort darauf und freue mich auf "Perfect", das ich hoffentlich bald lesen kann. Cecila Ahern überzeugt auch in einem für sie ungewohnten Genre und ließ mich als zufriedenen Leser zurück.