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Veröffentlicht am 02.09.2024

Anspruchsvoll mit zu vielen Zeitsprüngen

Nur nachts ist es hell
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In "Nur nachts ist es hell" begleiten wir eines der Kinder der Familie Brugger im Mühlviertel, die wir bereits aus "Über Carl reden wir morgen" kennen. Diesmal erzählt die jüngste Schwester Elisabeth aus ...

In "Nur nachts ist es hell" begleiten wir eines der Kinder der Familie Brugger im Mühlviertel, die wir bereits aus "Über Carl reden wir morgen" kennen. Diesmal erzählt die jüngste Schwester Elisabeth aus ihrem Leben. Dabei kommen auch wieder Carl und sein Zwillingsbruder Eugen in Rückblenden vor.
Man muss den Vorgänger jedoch nicht gelesen haben, um den neuen Roman der Autorin zu verstehen, denn Judwith W. Taschler greift sehr oft auf Ereignisse im Vorgänger zurück. Für mich war es fast zu viel, was verraten wurde, falls man "Über Carl reden wir morgen" noch lesen möchte...

Elisabeth blickt zurück auf ihr Leben und erzählt oder schreibt ihre Gedanken für ihre Großnichte nieder. Dabei wird aber nicht chronologisch berichtet. Noch in der Kaiserzeit geboren, ist Elisabeth die Jüngste und das einzige Mädchen der Familie Brugger. Kurz nachdem sie die Matura erfolgreich bestanden hat, beginnt der Erste Weltkrieg. Sie meldet sich als Lazarettschwester und wird in Siebenbürgen eingesetzt. Nach dem Krieg heiratet sie Georg, den kriegsversehrten Kommilitonen ihres gefallenen Bruders Gustav. Die Zeit im Lazarett lässt in ihr den Wunsch aufkommen Medizin zu studieren, was für eine Frau zu dieser Zeit alles andere als einfach war. Auch ihr weltoffener Vater ist damit nicht wirklich einverstanden. Doch Elisabeth ist es Zeit ihres Lebens sehr wichtig, eine eigenständige und emanzipierte Frau zu sein, die sich nur schwer unterordnen lässt. Als Ärztin liegen ihr besonders ungewollte Schwangerschaften und die oftmals lebensbedrohenden Pfuschereien diverser Engelmacherinnen am Herzen. Sie erzählt von ihrer Ehe, großen Verlusten und Familiengeheimnissen.
Neben ihrer eigenen Lebensgeschichte spielen auch die ihrer Brüder eine größerer Rolle, vorallem Eugen rückt diesmal ins Zentrum.

Judith W. Taschler lässt Elisabeth ihre Lebensgeschichte nicht chronologisch erzählen. Sie springt in den Zeiten hin und her, was es mir nicht immer leicht gemacht hat. Manchmal hat man das Gefühl immer wieder einzelne Fragmente erzählt zu bekommen. Das stört etwas den Lesefluss. Es ist, wie schon der Vorgänger, kein Buch, welches man so nebenbei weglesen kann.

Der Schreibstil ist wie immer dicht, detailliert und bildgewaltig, aber auch ein bisschen distanziert. Ihre Charaktere sind wunderbar gezeichnet und haben Tiefe. Ganz nebenbei erfährt man sehr viel über die österreichische Politik in diesen fast achzig Jahren: vom Kaiserreich zur Demokratie, dem Anschluss ans Deutsche Reich, dem Staatsvertrag und den Abzug der vier Großmächte 1955 bis hin ins Jahr 1972.

Mir hat "Über Carl reden wir morgen" besser gefallen. Dazu trägt sicher auch die nicht chronolgisch erzählte Geschichte bei, denn Taschler springt sehr oft in der Zeit. Vorallem die erzählten Kriegserlebnisse waren für mich oftmals für kurze Zeit nicht ganz zuordbar - bis ich wieder wusste, in welchen Krieg und welcher Zeit ich mich befand. Ansonsten aber ein bewegender Roman über eine starke Frau und ihre Familie.

Am Ende gibt es noch den Familienstammbaum der Bruggers, der mit Anton Brugger ab 1828 beginnt.

Fazit:
Nicht unbedingt eine Fortsetzung von "Über Carl reden wir morgen", sondern eine andere Sichtweise der jüngeren Schwester aus dem Hause Brugger. Vorallem aber eine bereichende Lebensgeschichte einer starken Frau, die zwei Kriege miterlebt hat und sich als Ärztin besonders für die Frauen eingesetzt hat. Nicht ganz so stark wie "Über Carl reden wir morgen".

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Land- oder Stadtleben?

Mühlensommer
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Dieser Roman, der eine ganze Weile auf Instagram ganz schön gehypt wurde, war auch auf meinem Wunschzettel. Martina Bogdhans Debüt hörte sich interessant und sehr "bekannt" an, denn auch ich wuchs auf ...

Dieser Roman, der eine ganze Weile auf Instagram ganz schön gehypt wurde, war auch auf meinem Wunschzettel. Martina Bogdhans Debüt hörte sich interessant und sehr "bekannt" an, denn auch ich wuchs auf dem Land auf und lebe noch immer dort, auch wenn ich auf keinen Bauernhof aufgewachsen bin. Meine Großmutter hatte immer eine Ziege und zwei Schweine zur Selbstversorgung, was ihr besonders nach dem Krieg sehr geholfen hat.

Alleinerzieherin Maria möchte mit einer befreundeten Familie und ihren beiden Teenagertöchtern das Wochenende in den Bergen verbringen. Sie möchte endlich wieder raus aus der Stadt und ihrem anstrengenden Job. Kaum sind sie jedoch angekommen, erhält sie einen Anruf von ihrer Mutter, dass ihr Vater nach einem schweren Unfall auf der Intensivsation liegt. Geschockt macht sich Maria auf den Weg, um ihrer Mutter beizustehen. Es müssen die Tiere auf dem elterlichen Bauernhof weiter versorgt und auf die demente Großmutter ein Auge geworfen werden. Marias Bruder Thomas und seine Frau Christiane, die gemeinsam mit den Eltern den Bauernhof bewirtschaften, sind zur Zeit auf Urlaub und sind telefonisch nicht erreichbar. Geht es zunächst nur darum, der Mutter zu helfen, wird die Rückkehr zur Birkenmühle für Maria schnell zu einer Reise in die Vergangenheit. Damals konnte sie nicht früh genug das Elternhaus und das Dorfleben verlassen....

Als Maria in ihrem Elternhaus ankommt, ereilen sie immer wieder Erinnerungen aus ihrer Kindheit, als sie und ihr Bruder noch ein Herz und eine Seele waren und die Arbeit am Bauernhof und der Mühle ihr tägliches Leben neben der Schule war. Während der Sommerferien musste das Heu eingefahren werden und der Hopfen geerntet - Urlaub gab es für die Familie keinen. Maria und Thomas fürchteten jedes Jahr nach den Sommerferien die Frage der Lehrerin, wo sie denn ihren Urlaub verbracht haben.
Sie erinnert sich an das weihnachtliche Krippenspiel, bei dem immer die Tochter des Gemeindearztes die Hauptrolle als Maria bekommen hat oder den Kommunionsausflug mit Frau Nuss, der Haushälterin des Pfarrers, die egal zu welcher Jahreszeit, immer ein knielanges, hellblaues Kostüm aus Wollstoff trug.

Martina Bogdahn lässt ihre Protagonistin Maria aus ihrer Sicht erzählen und wechselt dabei von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Die Kindheitserinnerungen nehmen jedoch den Großteil der Geschichte ein, während die Erzählung in der Gegenwart in kurzen Sequenzen dazwischen erzählt wird. Als Marias Bruder mit seiner Familie aus dem Urlaub zurückkehrt, müssen sie sich endlich über die Zukunft klar werden und alte Differenzen beseitigen.

Die Erzählweise in der Vergangenheit ist kindlich und der zehnjährigen Maria angepasst. Gerne erinnert sie sich ans Angeln mit Onkel Herbert oder seinem Motorrad, welches er ganz besonders pflegte. Ihrer Großmutter, die hart arbeitete, aber auch zu einem Likörchen mit ihren Schwestern nie "Nein" sagte.
Die weiblichen Figuren im Roman sind starke und facettenreiche Charaktere, die ihr Leben der harten Arbeit am Bauernhof gewidmet haben. Maria ist intelligent und darf aufs Gymansium gehen.

"Man weiß nie, wo es hingeht im Leben, aber man weiß immer, wo man herkommt."

Der Autorin scheint es wichtig gewesen zu sein, dass sie hier keine verklärte Bauernromatik erzählt, sondern die harte Realität. Dazu gehören aber auch Szenen, die ich nicht gebraucht hätte, wie zum Beispiel genaue Beschreibungen von Tierleid. Normaler Weise breche ich Bücher rigoros ab, wenn ein Tier zu Schaden kommt!
Leider kenne ich diese Tötungen aus meiner Kindheit, die mir schon damals Grauen eingeflößt haben und mir im Kopf geblieben sind, die jedoch zum Leben auf einem Bauernhof dazugehören. Auf den letzten Seiten kommt es jedoch zu einer wirklich unnützen Beschreibung einer Tötung, die absolut nichts mit der Handlung zu tun hat. Wäre es früher passiert, hätte ich das Buch tatsächlich abgebrochen! Da es erst ganz zum Schluss in die Handlung miteinbezogen wurde, war es einfach nur unnötig und grausam. Dadurch bekommt das Buch einen Stern Abzug.
Vieles im Roman hat mich aber auch angesprochen und auch einige meiner Kindheitserinnerungen hervorgeholt. Der Duft von Heu, die langen Sommerabende, spielen mit den Nachbarskindern und den kleinen Kätzchen oder die Fahrt in die nächste Stadt, um Kleidung einzukaufen, die man im Dorf nicht bekommen hat.

Fazit:
Ein Rückblick in eine schöne, aber auch arbeitsreiche Kindheit auf dem Bauernhof in den Achziger Jahren. Ich denke die Autorin hat in ihrem Roman auch einige oder ähnliche Ereignisse aus ihrer Kindheit miteinfließen lassen. Der Roman wirkt authentisch und hat mich - mit Ausnahme der erwähnten Szenen - gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 31.08.2024

Großartig, aber brutal - wie die Menschen selbst

Hundswut
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Puh, das war eine richtige emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle! Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, welches mich so "zerstört" hat.
Ich habe dieses Buch, welches ich selbst als eine Mischung ...

Puh, das war eine richtige emotionale Achterbahnfahrt der Gefühle! Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, welches mich so "zerstört" hat.
Ich habe dieses Buch, welches ich selbst als eine Mischung aus historischen Roman mit Horroranteilen bezeichnen würde, schon vor zwei Wochen gelesen, doch die Geschichte hat mich wirklich noch tagelang beschäftigt.
Nach dem Zuklappen hatte ich immensen Redebedarf - leider hatte ich aber keinen Gesprächspartner. Beim recherchieren fand ich heraus, dass Daniel Alvarenga die Geschichte verfilmt hat und DANACH erst den Roman/Thriller/Krimi geschrieben hat. Sehr ungewöhnlich! Und man merkt in keinster Weise, dass hier das Drehbuch zuerst entstanden ist.

Was ich noch dazu sagen möchte ist, dass die Dialoge in bayrischer Mundart geschrieben und vielleicht für norddeutsche Leser:innen etwas schwer zu lesen sind.
Und zartbesaitete Leser:innen sollten vielleicht auch lieber zu einem anderen Buch greifen, denn hier lesen wir ungeschönt von den Abgründen des Menschen!

Worum geht es? Wir sind in einem kleinen abgeschiedenen Dorf in Bayern im Jahre 1932. Als vier Jugendliche aus dem Dorf im Wald tot aufgefunden werden, ist zuerst die Rede von einem Wolf, der nach Jahren wieder aufgetaucht zu sein scheint. Doch die grauenhaften Verletzungen und vorallem die nackte und schlimm zugerichtete Leiche des einzigen Mädchens, lassen bald andere Gerüchte aufkommen. Ist etwa ein Werwolf in den Wäldern zugange?
Das Misstrauen untereinander wächst. Um die Dorfbewohner zu beruhigen, muss ein Schuldiger her. Für Bürgermeister "Hartl" Aichinger und Großbauer Georg Steiner ist eine Meldung der Morde nach München ausgeschlossen. Die Dörfler bereinigen diese "Sache" unter sich. Der Gemeinderat, der neben Aichinger und Steiner, auch aus Dorfwirt "Lugg" Kramer und Dorfpfarrer Hias Lechner, sowie den zugezogenen Lehrer Konrad Zankl besteht, haben schnell eine Lösung gefunden. Einsiedler Joseph Köhler, der nach dem Tod seiner Frau und seines kleinen Sohnes, schwermütig geworden ist und mit seiner Tochter Mitzi alleine lebt, ist schnell als Sündenbock auserkoren. Er wird im Bierkeller des Wirtshauses eingesperrt, wo ihm "der Prozess" gemacht werden soll.
Die Dorfgemeinschaft wird immer mehr aufgehetzt und niemand zweifelt mehr an der Unschuld von Köhler, der nach Kirchenrecht als Werwolf angeklagt und verurteilt werden soll. Seine Tochter soll als Hexe verbrannt werden, nachdem der Dorfpfarrer den mittelalterlichen Hexenhammer zu Rate zieht. Wer sich den hohen Herren und dem Mob entgegen stellt, ist selbst bald a Leich....

Was soll ich sagen? Diese Geschichte hat mich wirklich mitgenommen! Daniel Alvarenga ist bei seinen Beschreibungen alles andere als zimperlich. Plastisch und sehr anschaulich beschreibt er die Morde und die Toten, die Folter und das Leid der misshandelten Menschen. Die drastischen und brutalen Schilderungen des Autors machen auch vor grausamsten Szenen nicht Halt.

Daniel Alvarenga zeigt perfekt auf, was ein willkürliches Gerücht, blinde Agression und Hetze alles anrichten kann. Der gesunde Menschenverstand ist ausgeschaltet! Und nein, dass passierte nicht nur im Mittelalter, wo nicht nur die ungebildeten Leute sensationslüstern vor dem Scheiterhaufen oder dem Pranger stehen. Ähnliche Szenen können jederzeit passieren, wo mehrere Menschen zusammenkommen und zur Selbstjustiz aufgehetzt werden. Genau das macht dieses Buch so realistisch und grausam.

Die Dialoge sind in bayrischer Mundart verfasst und machen die Handlung noch um einiges lebendiger. Auch die Charaktere sind unbeschreiblich gut gelungen, facettenreich und voller Leben, egal ob Haupt- oder Nebencharakter. Ich hatte während des Lesens immer Bilder im Kopf und sah die Figuren vor mir, deren Gedanken und Gefühle wir abwechselnd aus ihrer Sicht erzählt bekommen.

Manche Leser finden einige Geschehnisse der Geschichte nicht auserzählt. Mittlerweile wisst ihr wahrscheinlich, dass ich offene Enden hasse - und ja, es wird nicht alles aufgeklärt, aber für mich ist und bleibt die Geschichte rund. Am Ende habe ich das Buch fassunglos zugeschlagen.
Für mich ein absolutes Meisterwerk, welches mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Den Film werde ich mir nicht anschauen, falls er jemals in unsere Kinos oder ins Fernsehen kommen sollte. Lesen kann ich solche brutaeln Szenen jederzeit, aber ansehen eher nicht. Da schließe ich lieber schnell die Augen....

"Hundswut" bedeutet übrigens tollwütig.

Fazit:
Eine Geschichte, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird: Brutal und schockierend zeigt sie uns die tiefsten Abgründe des Menschen auf. Wer nicht zu zartbeseitet ist und der bayrischen Mundart mächtig - dem empfehle ich diesen historischen Roman - hinter dem sich das Grauen versteckt - auf jeden Fall weiter.

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Die Amis entdecken Westsamoa

Das Erbe des Horizonts
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1947. Wir sind in der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Neben den gewohnten Figuren, wie Martha, Jack, Gertrud, Paul, Emilie oder Hans, haben wir in diesem Band auch eine Reihe neuer Charaktere ...

1947. Wir sind in der Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Neben den gewohnten Figuren, wie Martha, Jack, Gertrud, Paul, Emilie oder Hans, haben wir in diesem Band auch eine Reihe neuer Charaktere - die sogenannte nächste Generation. Sefina, Vincent, Blair, Mimi...alle diese Namen muss man sich merken, wobei einzig Sefina zur Familie von Bahlow gehört. Sie wurde von Helene als "die Hüterin der Geheimnisse" auserwählt und hadert sehr mit dieser Last, die sie auf ihren jungen Schultern trägt.

Paul hat Westsamoa verlassen und lebt in New York ein Leben voller Dekandenz. Hier kann er seine Neigungen ausleben, verbringt seine Nächte in diversen Clubs und verkehrt mit der Upper Class. Als er dem New Yorker Nachtleben den Rücken kehrt, führt sein Weg zurück nach Tamalele, wo die Familie von Bahlow ums Überleben kämpft. Der Kokosnusskäfer zerstört die Kokospalmen, die für die Kopra Produktion auf Tamalele wichtig sind. Doch Martha weigert sich andere Ideen anzunehmen und es kommt zum großen Streit. Emilie, die mit ihrer Tochter Rose ebenfalls in die Heimat zurückgekehrt ist, versucht andere Einkommensquellen zu finden.
Auch die Neuseeländer übernehmen nach dem Krieg wieder sämtliche wichtigen Posten und beschneiden weiterhin das Selbstbestimmungsrecht der Samoaner. Dies geht soweit, dass Einfuhr und Ausfuhr stark reglementiert wird und das Alkoholverbot aufrecht bleibt.

Hans hat sich tatsächlich zu einem pflichtbewussten Mann verändert und von Aumoe liest man diesem Band leider gar nichts mehr.
Mit Mimi kommt frischer Wind auf die Plantage, allerdings nicht der, der gewünscht wird. Die hochnäsige Ehefrau von Paul, die aus der Upper Class New Yorks stammt, bringt die Reichen und Schönen auf die Insel. Der erste Tourismus überfordert die Inseleinwohner etwas, nur Aggi versucht das Beste daraus zu machen. Als auch noch ein Filmteam aus Hollywood mit Schauspielstar Gary Cooper anreist, um den Film "Welcome to Paradise" zu drehen, sind nicht alle davon begeistert...

In diesem vierten Band hatte ich leider sehr oft das Gefühl keine der Figuren mehr richtig zu verstehen. Jeder ist in sich gekehrt, es gibt kaum Kommunikation und vorallem Paul und Emilie handeln für mich völlig fragwürdig. Auch Sefina gibt eine wichtige Beobachtung nicht weiter, die für Tamaleles Bestand extrem bedeutend ist. Das Gefühl des Zusammenhalts fehlt plötzlich...
Gefallen haben mir die Szenen betreffend des Filmdrehs und auch die Aufregung, die damit auf die Insel gebracht wird. Hollywood und der anfängliche Tourismus bringen Licht und Schatten auf die Insel. Der beginnende Koreakrieg 1950 ändert für Westsamoa vieles und auch der beginnende Tourismus erlahmt wieder.

Alexandra Fischer hat mit den historischen Hintergründen rund um den Koreakrieg und den beginnenden Tourismus wieder sehr interessante Details in ihre fiktive Familiensaga miteinbezogen. Ihr lebendiger Schreibstil und die sehr bildhafte Erzählweise ist immer wieder ein Genuss.
Die Kapitel sind in Jahre unterteilt, beginnend mit dem Jahr 1947 und enden im Jahr 1953. Auch die Erzählperspektive wechselt mit den Kapiteln. So bekommt man einen sehr guten Einblick in die vielschichtigen Charaktere. Leider konnte ich diesmal aber keinen wirklichen Zugang zu einigen - von mir in den Vorgängerbänden sehr gemochten Figuren - mehr finden.

Leider plätscherte auch die Handlung, vorallem in der Mitte des fast 600 Seiten starken Romans, sehr dahin. Auf den letzten hundert Seiten kam es dann komprimiert zu vielen überraschenden Wendungen, die ich teilweise jedoch sehr unglaubwürdig fand.

Die Kapitelanfänge sind durch ganzseitige gezeichnete Hintergrundbilder hervorgehoben. Zu Beginn des Romans gibt es einige Fakten zum geschichtlichen Hintergrund und eine Landkarte der Inseln des Südpazifiks, Australiens und Japans.

Mir tut es richtig weh, denn ich liebe diese Saga sehr, aber diesem Band kann ich leider nur 3 1/2 bzw. 3 Sterne geben. Den nächsten Band werde ich trotzdem lesen, denn ich möchte natürlich wissen, wie es mit den von Bahlows weitergeht.

Fazit:
Obwohl ich diesen vierten Band gerne gelesen habe, ist er für mich der bisher schwächste der Familiensaga. Die Handlungsweisen vieler geliebter Figuren waren für mich nicht richtig nachvollziehbar. Mir fehlte vor allem im Mittelteil die Spannung und wartete auf überraschende Wendungen, die nicht eintrafen. Erst auf den letzten hundert Seiten überschlugen sich die Ereignisse, die mich nicht alle richtig überzeugen konnten.

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Veröffentlicht am 25.08.2024

Schwestern unter sich

Zeit der Schwestern
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Im ersten Band der "Zeit der Schwestern Reihe" um die drei Schwestern Carolin, Romy und Veronika, stand die Jüngste der Familie, Carolin und ihre Rückkehr aus Neuseeland, im Mittelpunkt.
In "Kirschsommer" ...

Im ersten Band der "Zeit der Schwestern Reihe" um die drei Schwestern Carolin, Romy und Veronika, stand die Jüngste der Familie, Carolin und ihre Rückkehr aus Neuseeland, im Mittelpunkt.
In "Kirschsommer" dreht sich nun alles um Romy, die mittlere Schwester der Familie Hohenhausen. Sie ist Alleinerzieherin von zwei Kindern, betreibt ein Catering Unternehmen und ist eine kleine Chaotin. Ihr Kopf ist immer voller Ideen, doch ihr Zeitmanagement lässt vieles davon nicht zu. Als sie auf einen Backwettbewerb aufmerksam wird, der ein sattes Preisgeld verspricht, möchte sie daran teilnehmen, um endlich auf festen Beinen zu stehen. Ihr Catering-Service hat bisher zwar viel Arbeit und Zeitaufwand benötigt, doch die unbezahlten Rechnungen stapeln sich bereits im Briefkasten.
Während Ben, der Vater ihrer Tochter Luna, noch als Kapitän bei der Schiffahrtslinie ihres Vater arbeitet, jedoch das Jobangebot seines Konkurrenten angenommen hat, ist Pierre, der Vater von Vince und ebenfalls Caterer, bisher kaum anwesend gewesen. Doch eines Tages steht er unangekündigt vor Romys Tür. Am Bodensee wird ein Kinderfilm gedreht und Pierre ist für das Catering zuständig. Deshalb möchte er seinen Sohn Vincent öfters sehen. Romy ist zwiegespalten, obwohl es ihr ein bisschen mehr Freiraum geben würde. Als dann noch die Hauptdarstellerin für die Kinderrolle ausfällt, schlägt Pierre Luna vor, die nach einem tollen Casting tatsächlich genommen wird. Für Luna, aber auch für Romy, wird es ein aufregender Sommer....

Der Schreibstil von Tanja Hutmacher ist, wie schon im ersten Teil, sehr lebendig, humorvoll und einfühlsam. Ihre Figuren sind mitten aus dem Leben gegriffen, haben Ecken und Kanten und am liebsten würde man selbst Teil dieser Familie sein. Mutter Charlotte und Vater Georg, sowie Lottes neuer Mann Arthur, sind neben den Schwestern auch im zweiten Teil präsent.
Ich mag es, wie die Autorin leichte und sommerliche, wie auch ernstere Themen, verbindet. Man fiebert mit den Charakteren mit und überlegt, wie man wohl selbst gehandelt hätte.

Auch hier hat mir wieder die Geschwisterdynamik sehr gut gefallen. Carolin und Veronika helfen Romy in vielen Lebenslagen - nur den Mann fürs Leben muss sich Romy selbst suchen ;)

Der erste Teil hat mir ein kleines Stück besser gefallen, aber auch "Kirschsommer" habe ich wieder sehr gerne gelesen. Und nun freue ich mich auf den dritten Teil um Veronika, den ich bereits begonnen habe. Welche Geschichte ihr wohl passieren wird?

Fazit:
Eine schöne Mischung aus humorvollen und ernsten Themen, die Tanja Huthmacher in einem sommerlichen Wohlfühlroman geschickt verwoben hat. Nach Romy werde ich nun Veronikas Geschichte lesen, auf die ich mich ebenfalls schon sehr freue.

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