Profilbild von tweed

tweed

Lesejury Star
offline

tweed ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tweed über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.04.2017

fesselnd, spannend, ein Pageturner und Lesehighlight

Der zweite Reiter
0

Schauplatz Wien, kurz nach dem ersten Weltkrieg. Die Menschen kämpfen ums Überleben, Lebensmittel, Medikamente, alles ist knapp. Rayonsinspektor August Emmerich wurde im Krieg verwundet und kämpft mit ...

Schauplatz Wien, kurz nach dem ersten Weltkrieg. Die Menschen kämpfen ums Überleben, Lebensmittel, Medikamente, alles ist knapp. Rayonsinspektor August Emmerich wurde im Krieg verwundet und kämpft mit seinen ständigen Schmerzen im Bein, die er an seinem Arbeitsplatz verheimlicht, um nicht in den Innendienst zu müssen. Seine momentane Aufgabe ist es, zusammen mit seinem jungen Assistenten Ferdinand Winter einem Schleichhänderring auf die Schliche zu kommen. Winter ist unerfahren, für Emmerich am Anfang mehr Belastung als Hilfe. Als die beiden bei ihren Observationen über eine Leiche stolpern ist für Emmerich klar, dass das, was wie ein Selbstmord aussieht, keiner ist. Er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, sein Ziel ist es, sich mit diesem Fall zu profilieren um in die Abteilung Leib und Leben versetzt zu werden.

Wow, "Der zweite Reiter" ist ein von Anfang an fesselndes Buch, das die Zeit nach dem ersten Weltkrieg so bildlich aufleben lässt. Die Stimmung ist düster, teils deprimierend, die Autorin beschreibt nüchtern und eindringlich, ohne Sentimentalitäten. Ich hatte beim lesen Kopfkino in s/w und konnte wunderbar in diese Zeit eintauchen. Eingestreute typisch Österreichische Begriffe und die mundartlichen Dialoge sind klasse, geben viel Wiener Flair.

Ganz besonders gut gelungen ist die Figur des August Emmerich. Eines Mannes mit Ecken und Kanten, der das Herz aber auf dem rechten Fleck hat. Seine Ermittlungen sind durch die ständigen Schmerzen seiner Kriegsverletzung erschwert, mit viel Glück kann er sich Tabletten organisieren, allerdings bleibt das nicht ohne Nebenwirkungen. Auch im Privatleben hat er einen Schicksalsschlag wegzustecken. Emmerich ist findig und mutig und wurde für mich zum absoluten Sympathieträger. Aber auch Winter ist als Charakter gut angelegt.

Als Leser verfolgt man die Handlung, erlebt wie Emmerich und Winter zum Team werden. Und rätselt, was hinter den Morden, denn es werden im Verlauf mehrere, steckt. Man begleitet Emmerich in die Stadt unter der Stadt, was ich besonders interessant fand.

Für mich war der Historische Krimi perfekt, er hat viel, wenn auch meist düstere Atmosphäre und das entbehrungsreiche Nachkriegsleben kam hautnah und authentisch rüber. Eine Geschichte, die unter die Haut geht und die mit ihrer Auflösung nachdenklich stimmt.

Fazit: Ich habe hier so viel mehr bekommen als erwartet und bin restlos begeistert. Ein dichter Plot, viel Spannung und ein großartiger Protagonist machen den Krimi zum Pageturner. Für mich ein Lesehighlight das ich sowohl Fans von Historischen Romanen als auch Krimis nur empfehlen kann. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 04.04.2017

spannender Agenten-Thriller

Der Raub
0

"Der Raub" von Daniel Silva ist schon der vierzehnte Teil der Reihe um Gabriel Allon, den Spion und Restaurator. Aus der Reihe habe ich nur einen Band gelesen, hatte aber keine Probleme in die Handlung ...

"Der Raub" von Daniel Silva ist schon der vierzehnte Teil der Reihe um Gabriel Allon, den Spion und Restaurator. Aus der Reihe habe ich nur einen Band gelesen, hatte aber keine Probleme in die Handlung einzusteigen.

Gabriel Allon, der in Venedig mit der Restauration eines Altarbildes beschäftigt ist, wird um Hilfe gebeten. Sein Freund Julian Isherwood hat die Leiche eines Kunstsammlers aufgefunden, der brutal ermordet wurde. Isherwood gilt als Tatverächtiger, um ihn zu entlasten ist es Allons Aufgabe, sich auf Mördersuche zu begeben.

Allon kommt bei seiner Suche in verschiedene europäische Metropole, so dass man seine Recherchen atemlos verfolgt und die Handlung immer im Fluss bleibt. In jeder Stadt trifft er sich mit den unterschiedlichsten Menschen, so dass im Verlauf sehr viele Personen eine Rolle spielen. Es war nicht immer einfach den Überblick zu bewahren, da die Figuren teils unter Decknamen agieren. Ich habe mir eine Personenliste erstellt, was sich als hilfreich erwiesen hat.

Daniel Silva beschreibt die Charaktere schön detailliert, auch die Handlungsorte kommen plastisch rüber. Der Schreibstil ist locker und lässt sich super lesen. Die Handlung ist fesselnd, sie entwickelt sich in eine Richtung, die sehr authentisch wirkte.

Ich konnte mit Gabriel Allon mitfiebern, besonders gefallen hat mir der Bezug in die Kunstwelt und die Szenen, in denen man einen Einblick in die Arbeit eines Restaurators bekommt. Und nicht zuletzt fand ich die Arbeit der Agenten sehr spannend.

Fazit: Gut recherchierter Thriller im Geheimdienstmilieu. Es wird definitiv nicht mein letzter Teil der Reihe sein.

Veröffentlicht am 04.04.2017

spannender Küstenkrimi mit mystischem Touch

Küstenfluch
0

Im Watt an der Nordfriesischen Küste liegen unzählige Schriffswracks verborgen, manchmal taucht eines dieser alten Wracks nach einem heftigen Sturm wieder auf.

Als nach einem Orkan ein altes rostiges ...

Im Watt an der Nordfriesischen Küste liegen unzählige Schriffswracks verborgen, manchmal taucht eines dieser alten Wracks nach einem heftigen Sturm wieder auf.

Als nach einem Orkan ein altes rostiges Wrack an die Oberfläche gespült wird, ändert sich die Stimmung an der Küste. Der schon heiße Sommer erscheint noch drückender, die Menschen werden aggressiver, die plötzlichen Todesfälle häufen sich.

Kommissar Theo Krumme, der inzwischen von Berlin nach Husum in seine Wahlheimat gezogen ist, untersucht den Tod von Hinnerk Jessen, der auf den ersten Blick wie ein Unfalltod erscheint. Doch Krumme kommen Zweifel, nicht zuletzt durch die Andeutungen von Hinnerks kleinem Neffen Jan. Die Familie des Toten versucht die Ermittlungen zu unterbinden, fast schon feindselig verhalten sie sich gegenüber der Polizei. Krummes Kollegen lästern über ihn, für sie ist klar dass es sich hier um einen Unfall handelt. Krummes Einstand in der neuen Abteilung könnte besser laufen, seine direkte Kollegin, die junge Pat ist auch mehr mit ihrem Smartphone als mit der Polizeiarbeit beschäftigt. Schwierige Zeiten für den Kommissar, der sich trotz allen Widerstandes nicht von seinen Ermittlungen abbringen lässt.

"Küstenfluch" ist nach "Deichmörder" und "Lügengrab" schon der dritte Teil für den sympathischen Ermittler Krumme. Ich habe alle Teile der Reihe gelesen, aber auch ohne Vorkenntnisse sollte es kein Problem sein, in die Handlung einzusteigen.

Auch mit seinem dritten Fall konnte mich Hendrik Berg voll überzeugen, für mich sind die Krumme-Krimis etwas ganz Besonderes. Das liegt zum einen an dem für Krimis anspruchsvollen Schreibstil der sich wunderbar lesen lässt, aber ganz besonders an der Atmosphäre und Stimmung, die der Autor bildhaft transportiert. Vor der wunderbaren Küstenkulisse Nordfrieslands mit all ihren Wetterlagen verleiht er der Handlung einen mystischen, mysteriösen Touch, der sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Damit hebt sich diese Reihe deutlich vom Gros der Regiokrimis ab.

Alle Protagonisten sind sehr gut gezeichnet, es tauchen alte Bekannte auf wie z. B. Kommissar Mannsen und Harke, aber auch die neu eingeführten Personen sind schön beschrieben. Der kleine Jan ist mir richtig ans Herz gewachsen. Pat konnte ich lange Zeit nicht einordnen, ich bin neugierig wie sie sich in den nächsten Teilen entwickeln wird, genauso wie die übrigen neuen Kollegen von Krumme.

Die Handlung ist fesselnd, es bleibt natürlich nicht bei einem Toten und immer stellt sich die Frage, ob der Tod wirklich ein Unfall war. Als Leser wissen wir mehr als Krumme. Doch wie die Ereignisse zusammenhängen, erschließt sich erst am Schluss. Die Auflösung nimmt Bezug zum Anfang der Geschichte, so schließt sich der Kreis, was mir sehr gut gefallen hat. Ich hatte beim lesen Kopfkino, hatte die Szenerie und die Personen bildlich vor Augen. So muss es sein!

Fazit: Spannender Krimi mit mystischen Aspekten, den ich allen Fans von Küstenkrimis nur empfehlen kann. Ich freue mich auf die Fortsetzung!

Veröffentlicht am 31.03.2017

PPs dritter Fall

Der Tote im fremden Mantel
0

"Der Tote im fremden Mantel" ist der dritte Fall für Pieter Posthumus, kurz PP genannt, der sich in Amsterdam der namenlosen und einsamen Toten annimmt. Er arbeitet im Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen, ...

"Der Tote im fremden Mantel" ist der dritte Fall für Pieter Posthumus, kurz PP genannt, der sich in Amsterdam der namenlosen und einsamen Toten annimmt. Er arbeitet im Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen, sein Team kümmert sich um die Nachlassregelung, und um ein würdiges Begräbnis.

Momentan ist in Amsterdam die Hölle los, eine Wirtschaftskonferenz findet statt, Demos sind an der Tagesordnung und Posthumus bekommt den Fall eines Junkies auf den Tisch, der in einem teuren Mantel einer Edelmarke aufgefunden wurde. Das lässt Posthumus stutzen, er versucht mehr über den Mann herauszufinden. Ein Kongressteilnehmer wird verletzt aufgefunden, gibt es eine Verbindung zu seinem Mordfall?

Schneller als er sich versieht ist er wieder einmal in einen Mordfall verwickelt und kann der Polizei wertvolle Hinweise geben.

Ich habe alle Teile der Reihe gelesen, deswegen war es für mich wie ein Wiedersehen mit alten, liebgewonnenen Freunden. Auch wenn die Krimis gut einzeln gelesen werden können, würde ich trotzdem empfehlen, alle Teile der Reihe nach zu lesen, denn so lernt man PP und seine Freunde, Kollegen, sein ganzes Umfeld und die Schauplätze in Amsterdam von Anfang an kennen.

Das Autorenduo hat mit PP und seinen Freunden authentische, liebenswerte Protagonisten geschaffen, die unverwechselbare Typen sind. Auch die Nebenfiguren sind sehr schön beschrieben, so dass man sich die einzelnen Personen gut vorstellen und sich in sie hinein versetzen kann. Der Fall führt PP an verschiedene Orte in Amsterdam, die Kneipe "De dolle Hond", die für PP zur zweiten Heimat geworden ist kommt auch in diesem Teil wieder vor, hier finden diverse Treffen mit seinen Freunden statt. Für mich besticht der Krimi mit viel Niederländischem Flair, die Stadt ist so detailliert beschrieben dass ich die Szenerie bildlich vor Augen hatte, hilfreich ist dazu auch der Plan von Amsterdam, der sich im Buch findet.

Der Fall in den Pieter geschlittert ist ist brisant und bis zum Ende nicht zu durchschauen. Er ist komplex aufgebaut und bietet viel Raum für Spekulationen. Die Auflösung hat mich dann doch überrascht, obwohl ich einen vagen Verdacht hatte. Pieters Privatleben wird in diesem Krimi nur kurz angerissen, den meisten Raum nimmt der Fall ein. Der Schreibstil ist wie gewohnt wunderbar locker und lässt sich flüssig lesen, so dass die Seiten nur so dahin fliegen. Ich habe den Krimi innerhalb kurzer Zeit verschlungen, freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 22.03.2017

Wo ist Tim?

Blutfährte
0

"Blutfährte" ist der Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe aus der Feder von Silvia Stolzenburg. Gleich am Anfang geht es richtig zur Sache, eine spannende Szene im Wald, die Rätsel aufgibt.

Szenenwechsel ...

"Blutfährte" ist der Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe aus der Feder von Silvia Stolzenburg. Gleich am Anfang geht es richtig zur Sache, eine spannende Szene im Wald, die Rätsel aufgibt.

Szenenwechsel ins BWK Ulm, Sanitätsfeldwebel Tim Baumann ist im Nachtdienst, er beobachtet eine Szene, die ihn dazu bringt, unterzutauchen. Als er mehrere Tage unerlaubt abwesend ist wird Oberleutnant Mark Becker beauftragt, Tim zu finden. Der Oberarzt weist darauf hin, dass Medikamente verschwunden sind und Tim diese evtl. entwendet hat.

Wenige Tage später wird in einem Hotel in Stuttgart ein Toter gefunden, es scheint eine Verbindung zu Tim Baumann zu geben. Mark Becker ermittelt gemeinsam mit der Oberkommissarin Lisa Schäfer, für die der Fall eindeutig zu sein scheint. Doch Mark hat seine Zweifel....

Die Story ist durchweg spannend, ein Fall bei dem man als Leser wunderbar miträtseln kann. Allerdings legt die Autorin einige falsche Spuren, so dass ich bis zum Ende auf der falschen Fährte war. Umso überraschender die Wendung, die der Thriller nimmt.

Man erlebt die Handlung aus Sicht von verschiedenen Personen, zumeist aus der Sicht von Mark und Tim. Diese unterschiedlichen Sichtweisen haben mir sehr gut gefallen, man kann sich so ein gutes Bild von dem jeweiligen Protagonisten machen und lernt ihn gut kennen.

Die Figuren wirken authentisch und sind schön gezeichnet, Menschen die einem im real life begegnen könnten. Vor allem Mark kommt sehr sympathisch rüber, er ist hartnäckig und verbeißt sich in den Fall, weil ihm etwas merkwürdig vorkommt. Er ermittelt ohne Rücksicht auf seinen Job, wohl wissend dass es für ihn unangenehme Konsequenzen haben könnte.

Wie von Silvia Stolzenburg gewohnt ist der Schreibstil flüssig und detailliert, da ich einige der Handlungsorte kenne hatte ich die Szenerie bildlich vor Augen. Viele Kapitel enden mit einem Cliffhanger, die Handlung ist temporeich, zum Ende hin fällt es schwer, das Buch überhaupt mal zur Seite zu legen. Mir hat der Thriller sehr gut gefallen, vor allem da der Hauptprotagonist aus dem Umfeld der Bundeswehr kommt, das ist mal etwas ganz anderes als die üblichen polizeilichen Ermittler.

Fazit: Spannender Thriller mit einem neuen sympathischen Protagonisten, ich bin jetzt schon auf die Fortsetzung gespannt.