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Veröffentlicht am 27.09.2022

Verwirrend zu lesen

Lukusch
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Die Lektüre dieses Buches empfand ich als verwirrend und anstrengend, weil die Geschichte stark Realität und Fiktion vermischt und ich bei Einordnung des einen oder anderen Vorkommnisses in die jeweilige ...

Die Lektüre dieses Buches empfand ich als verwirrend und anstrengend, weil die Geschichte stark Realität und Fiktion vermischt und ich bei Einordnung des einen oder anderen Vorkommnisses in die jeweilige Kategorie unsicher war. Bevor ich mit der eigentlichen Lektüre begann, habe ich sogar geglaubt, es werde eine wahre Biografie eines existenten Schachspielers erzählt. Auf den ersten Blick erscheint das Buch als Tatsachenbericht. Diesen Eindruck vermitteln die eingearbeiteten Artikel, Berichte und Fotos und das zugrundeliegende Ereignis – die Titelfigur kommt gemeinsam mit einem anderen Jungen, beide verhalten sich nach Art von siamesischen Zwillingen, nach der Tschernobyl-Katastrophe zur Erholung nach Deutschland und wird von jetzt auf gleich zum Schachgenie. Wenige Jahre später verschwindet er, drei Jahrzehnte später macht sich sein seinerzeitiger Gastbruder Simon Ritter, inzwischen Dokumentarfilmer, auf die Suche nach ihm. Die Verwirrung komplett macht das Vorwort, das auf ein Verbrechen an Simon Ritter bei seinen Recherchen schließen lässt.
Das Schachtalent von Lukusch und den Missbrauch seiner Intelligenz durch Unternehmen fand ich etwas weit hergeholt ebenso wie die parapsychologischen Anteile. Als störend empfand ich auch den Liebesgeschichtenanteil zwischen Simon und der ihn bei seiner Suche unterstützenden Maria.
Man muss sich also schon auf dieses besondere Buch einlassen, um es zu mögen.

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Veröffentlicht am 25.09.2022

Der einjährige Countdown bis zum geplanten Freitod

Die Mauersegler
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Dieser Wälzer von immerhin 830 Seiten verdient es, mindestens einmal gelesen zu werden.
Der Ich-Erzähler, ein 54jähriger Philosophielehrer aus Madrid, notiert über einen Zeitraum von einem Jahr seine Biografie. ...

Dieser Wälzer von immerhin 830 Seiten verdient es, mindestens einmal gelesen zu werden.
Der Ich-Erzähler, ein 54jähriger Philosophielehrer aus Madrid, notiert über einen Zeitraum von einem Jahr seine Biografie. Sie soll der Nachlass für seinen Sohn werden. Denn nach Fristablauf will er sein Leben beenden. So wechseln sich dann in nicht chronologischer Reihenfolge seine niedergeschriebenen Erinnerungen an seine Herkunftsfamilie und die von ihm selbst gegründete Kleinfamilie sowie seinen ungeliebten Beruf ab mit eher ereignislosen Begebenheiten aus seinem Leben in der Gegenwart, bestehend aus Spaziergängen mit seinem Hund, Kontakten mit seinem einzigen Freund und seinem Sohn, Einkäufen auf dem Markt und nach einem halben Jahr auch Treffen mit seiner Freundin von vor 27 Jahren, die er zugunsten seiner späteren, von ihm nunmehr geschiedenen Ehefrau verlassen hat. Auch Reflexionen über die politische Lage Spaniens fließen ein.
Beim Lesen stellt man sich schon die Frage, weshalb dieser Mann eigentlich sterben will, der doch nur unzufrieden ist mit seinem Leben. Hierauf eine Antwort zu erhalten, treibt einen beim Lesen an ebenso wie in der zweiten Buchhälfte die Frage, ob das beharrliche Einschleichen der Ex-Freundin in sein Leben seinen Plan umwerfen wird. Und auf noch eine Frage will man gerne eine Antwort haben: Wer ist der Urheber zahlreicher anonymer Nachrichten, die der Protagonist eine lange Zeit erhalten hat? Das Buch, obwohl anspruchsvoll, liest sich angenehm, wozu sicherlich die lakonische Art des Erzählers beiträgt. Seine vielen interessanten philosophischen Gedanken, die er einfließen lässt und die das Buch so tiefgründig machen, erschließen sich vielleicht erst beim wiederholten Lesen.
Das Buch erhält von mir eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 12.09.2022

Ein Mann wird auf die Schippe genommen

Die Erlebnisse des Herrn A.
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Das Buch enthält eine Reihe von kurzweiligen, amüsanten Geschichten aus dem Alltags-, Familien- und Berufsleben des namenlos bleibenden Herrn A. Dieser wird so geschildert, dass einem beim Lesen der einzelnen ...

Das Buch enthält eine Reihe von kurzweiligen, amüsanten Geschichten aus dem Alltags-, Familien- und Berufsleben des namenlos bleibenden Herrn A. Dieser wird so geschildert, dass einem beim Lesen der einzelnen Episoden einfach nur die Kommentierung „typisch Mann“ von den Lippen kommt, als ein armes Würstchen, der in zahllose Fallen tappt. So sehr man letztlich auch schmunzeln muss, kann ich mir als Kritik nicht verkneifen, dass die Geschichtlein letztlich etwas abgedroschen wirken und einen Typ Mann beschreiben, den es vielleicht vor einigen Jahrzehnten gegeben hat, aber heute nicht mehr. Etwas aus der Zeit gefallen wirkt auf mich auch der ruhige, bedächtige Erzählstil. Alles in allem zwischendurch nett zu lesen.

Veröffentlicht am 12.09.2022

Autobiografie des Autors

Kerl aus Koks
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Man muss Michael Brandner als Schauspieler (der immerhin inzwischen in mehr als 200 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt hat) nicht kennen, um diesen Roman zu lesen, der sehr viele autobiografische ...

Man muss Michael Brandner als Schauspieler (der immerhin inzwischen in mehr als 200 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt hat) nicht kennen, um diesen Roman zu lesen, der sehr viele autobiografische Inhalte aufweist. Gerade die erste Hälfte des Buches, die die Jahre 1951 (sein Geburtsjahr) bis 1971 (Beendigung seiner Wehrzeit) umfasst, liest sich sehr angenehm, weil sie sehr lebendig Brandners Kindheit im Ruhrpott abhandelt und das seinerzeitige dortige Leben so liebevoll und lebensecht nachzeichnet. Wer auch aus dem Pott stammt, hat sicherlich so manches Wiedererkennungserlebnis; die anderen, so sie denn der Generation Brandners angehören, werden zu dem Schluss gelangen, dass die damalige Zeit genauso wie dargestellt war. Mit Interesse habe ich gelesen, was für eine schwierige Kindheit Brandner hatte, auch durchsetzt mit Momenten, in denen sein Leben auf Messers Schneide stand, wovon er sich aber nie hat unterkriegen lassen. Umso enttäuschender empfand ich die zweite Buchhälfte. Das mag aber auch daran liegen, dass ich mit einem solch flatterhaften Leben, wie es Brandner geführt hatte – von einer Frau zur nächsten, von einem Job zum anderen, von einer Bleibe in die nächste – selbst nichts anfangen kann. Diese Aneinanderreihung immer gleicher kurzer Episoden hat mich nur noch gelangweilt. Insgesamt schade, weil ich die ursprünglich anvisierte Best-Bewertung so auf ein Mittelmaß herabgestuft habe.

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Veröffentlicht am 31.08.2022

Ein Stück Lebensgeschichte der Malerin Weldon

Susanna
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Dass Alex Capus mit diesem Roman über das Leben der tatsächlich existent gewesenen Malerin Susanna Carolina Faesch, die sich später Caroline Weldon nannte, schreibt, war mir bei der Lektüre gar nicht bewusst. ...

Dass Alex Capus mit diesem Roman über das Leben der tatsächlich existent gewesenen Malerin Susanna Carolina Faesch, die sich später Caroline Weldon nannte, schreibt, war mir bei der Lektüre gar nicht bewusst. Es hätte vielleicht ein entsprechender Hinweis in den Klappentext oder auf den Buchrücken aufgenommen werden sollen. So bin ich von einem völlig fiktiven Roman ausgegangen, der mich leider nicht so recht fesseln konnte. Wie es typisch für Capus ist, gerät er oft ins Schwadronieren und kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen. Das fängt schon im Eröffnungskapitel an, das in Basel Mitte des 19. Jahrhunderts spielt, als die Protagonistin fünf Jahre alt ist. Das hier geschilderte Ereignis soll offensichtlich der Grund für die Auswanderung ihrer Mutter mit dem Töchterchen nach Amerika sein. Doch hier wie noch später so manches Mal fehlen mir die nachvollziehbaren Beweggründe für das Handeln der Romanfiguren. Von denen gibt es allerhand mit jeweils ureigenen, interessanten Lebensgeschichten. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, dass das Wesentliche in Susannas Leben – ihr Einsatz für die Rechte der Ureinwohner Amerikas – sehr kurz kommt und eigentlich erst in den letzten fünfzig Seiten darauf eingegangen wird.

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