Profilbild von uli123

uli123

Lesejury Star
offline

uli123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit uli123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2020

Historisch interessant, aber eine kompaktere Darstellung wäre gefälliger

Die Schule am Meer
0

Die Autorin behandelt in diesem doch immerhin 568 Seiten langen Roman ein historisch interessantes schulpolitisches Thema, nämlich die in den 1920er Jahren tatsächlich neu gegründete und zum Abitur führende ...

Die Autorin behandelt in diesem doch immerhin 568 Seiten langen Roman ein historisch interessantes schulpolitisches Thema, nämlich die in den 1920er Jahren tatsächlich neu gegründete und zum Abitur führende Internatsschule auf Juist. Diese vertrat reformpädagogische Ziele mit Koedukation, Gleichberechtigung zwischen Schülern und Lehrern sowie der Schüler untereinander, Lernen im Einklang mit der Natur, Musikerziehung als wichtiges Fach. Es wundert somit nicht, dass sie auf beträchtliche Vorbehalte bei den Einheimischen und natürlich der zunehmend an Bedeutung gewinnenden nationalsozialistischen Gemeinde stieß und als Juden- bzw. Kommunistenschule verschrien war. Erzählt wird aus der Perspektive einiger weniger beteiligter Lehrer, Schüler, Mitarbeiter, Insulaner, wodurch Abwechslung beim Lesen einkehrt. Es gibt große Zeitsprünge, da zwischen den einzelnen Erzählsträngen in der Regel mehr als ein Jahr liegt. Mir persönlich ist die Darstellung des besonderen Schulkonzepts zu kurz gekommen und es wird mit epischer Breite auf am Rande liegende Ereignisse eingegangen. Der historische Hintergrund mit dem erwachenden Nationalsozialismus ist sehr interessant, ebenso die vielfältigen Schwierigkeiten finanzieller und persönlicher Art der Schulgründer, die den einen oder anderen an dem Reformkonzept verzweifeln lässt.
Unterhaltsam, eher dreieinhalb als vier Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2020

Schöner Generationenroman

Die Glasschwestern
1

Sehr verschieden sind die 39jährigen Zwillingsschwestern Dunja und Saphie, die als Kinder in ihrem Heimatdorf im ehemals innerdeutschen Grenzgebiet „Glasschwestern“ (daher der Buchtitel) genannt wurden, ...

Sehr verschieden sind die 39jährigen Zwillingsschwestern Dunja und Saphie, die als Kinder in ihrem Heimatdorf im ehemals innerdeutschen Grenzgebiet „Glasschwestern“ (daher der Buchtitel) genannt wurden, weil sie den handgemachten, geblasenen Glasschmuck ihres Vaters trugen. Eine merkwürdige Parallele gibt es aber in ihrem Leben: Ihre beiden Männer/Lebensgefährten sterben am selben Tag. Daraufhin zieht Dunja aus der Großstadt zurück in das kleine Dorf ihrer Kindheit, wo Saphie ein Hotel führt. Sehr seltsam ist es dann, dass Dunja mehr und mehr wie Saphie wird (von der in engen sozialen Verhältnissen lebenden, zum Grübeln neigenden Frau zur erfolgreichen Hotelmanagerin) und umgekehrt (die früher eher vorausschauende Saphie arbeitet ihre Ehe mit einem Säufer auf, der ihre eigene Liebe zu ihm nicht so recht erwidern wollte). Daneben spielen familiäre Probleme mit ihrer jüngeren Schwester und Dunjas zwei Kindern eine wichtige Rolle. Auch die deutsch-deutsche Geschichte wird – wenn auch nur am Rande – anhand eines Fluchttunnels thematisiert, in dessen Bau der Vater auf seltsame Weise involviert war.
Das Buch liest sich gut und flüssig. Der Schreibstil ist sehr besonders. Sehr gefallen haben mir die Kapitelüberschriften, die jeweils kleine Lebensweisheiten wiedergeben (z.B. „Alte Liebe rostet, wenn sie neue kostet“), sowie die ungewöhnlichen, wenngleich gewöhnungsbedürftigen Vornamen der Romanfiguren, die einem altdeutschen Kalender entlehnt sind. Es ist besonders Fans von Familiengeschichten zu empfehlen. Die Darstellung des unbedingten Familienzusammenhaltes ist sehr schön. Als Leser fühlt man sich bildlich in die kleine Welt der Schwestern im Hotel hineinversetzt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Geschichte
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 14.03.2020

Kurzroman über einen berühmten französischen Justizfall

Die Frau, die liebte
0

Ich mag solche kurzen Romane wie den vorliegenden, in dem die Autorin unter Verzicht auf überflüssige Längen alles Notwendige erzählt. Zwar war ich nach dem Klappentext nicht darauf gefasst, es mit einer ...

Ich mag solche kurzen Romane wie den vorliegenden, in dem die Autorin unter Verzicht auf überflüssige Längen alles Notwendige erzählt. Zwar war ich nach dem Klappentext nicht darauf gefasst, es mit einer zu Ende des 16. Jahrhunderts angesiedelten Geschichte zu tun zu haben. Das spielte dann aber auch schnell keine Rolle mehr. Sehr interessant ist dieses Buch für Juristen, aber nicht nur.
Sohn und Tochter reicher Bauern werden schon im Kindesalter miteinander verheiratet. Mit Anfang 20 verlässt der Ehemann Martin aus Angst vor seinem autoritären Vater Hof und Familie. Nach acht Jahren kehrt ein ihm ähnlich sehender Mann zurück, sich als eben dieser ausgebend. Die Ehefrau Bertrande erinnert sich nicht so recht an das Aussehen ihres Mannes, sieht genau wie ihr Umfeld aber diesen in dem Erschienenen und setzt mit ihm das Eheleben fort. Dann aber beginnt sie an der Identität des Mannes mit ihrem Gemahl zu zweifeln und setzt einen Gerichtsprozess in Gang.
Das Faszinierende an der Geschichte ist zu erfahren, ob der Mann wirklich ein Betrüger ist oder ob Bertrande wahnhaft ist. Auch der moralische Aspekt ist interessant – soll Bertrande sich wissentlich weiter von dem Mann täuschen lassen, weil das für sie selbst und viele andere aus dem familiären und beruflichen Umfeld von Vorteil wäre, oder soll sie strikt die Wahrheit ans Licht bringen mit der Folge, dass so Vieles in ihrem Leben zerstört werden würde? Auf jeden Fall stimmt sie ein zum Nachdenken darüber, was man selbst in dieser Lage tun würde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2020

Über Feminismus und Macht

Das weibliche Prinzip
0

Wenn mein Literaturkreis nicht dieses Buch als nächste zu besprechende Lektüre ausgewählt hätte, hätte ich es nie in die Liste meiner Wunschbücher aufgenommen. So aber habe ich mich doch bis zum Ende eher ...

Wenn mein Literaturkreis nicht dieses Buch als nächste zu besprechende Lektüre ausgewählt hätte, hätte ich es nie in die Liste meiner Wunschbücher aufgenommen. So aber habe ich mich doch bis zum Ende eher hindurchgequält als das Lesen zu genießen. Das Thema Feminismus liegt mir eher fern und umso mehr, wenn er wie hier in der amerikanischen Gesellschaft angesiedelt ist. Die wesentlichen Romanfiguren fand ich ausnahmslos unsympathisch, vor allem die junge, unsichere Greer, die seit einem sexuellen Übergriff auf sie an ihrem College und der Begegnung mit der Schlüsselfigur der Frauenbewegung, Faith, ihren Lebensweg so gänzlich und fast besessen nach dem ihrer Ikone ausrichtet und ebenfalls nach Gleichberechtigung der Frau strebt. Ganz schlimm zu lesen fand ich, wie Greer und Faith ihre feministischen Ziele zugunsten von Machtstreben fallen lassen. Gestört habe ich mich an recht langwierigen, zu häufigen und sich mir dem Grunde nach nicht erschließenden Rückblicken auf die vergangenen Lebenswege der Romanfiguren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2020

Verwirrende Doppelgängergeschichte

Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt
0

Nach "Weit über das Land" ist dies nun das zweite Buch des Autors, das ich gelesen habe. Die Handlung an sich ist recht einfach - ein inzwischen nicht mehr schreibender Schriftsteller erzählt während eines ...

Nach "Weit über das Land" ist dies nun das zweite Buch des Autors, das ich gelesen habe. Die Handlung an sich ist recht einfach - ein inzwischen nicht mehr schreibender Schriftsteller erzählt während eines Spaziergangs einer jungen Schauspielerin seine Geschichte, die deshalb eine ganz besondere ist, weil er selbst und seine frühere Freundin einerseits und seine Zuhörerin und deren schriftstellender Freund andererseits Doppelgängerpaare sind. Genau dieser Punkt ist es, der bei mir während des Lesens zu mehr und mehr Verwirrung geführt hat. Ich wusste irgendwann nicht mehr, ob das gerade Erzählte in der Gegenwart oder der Vergangenheit angesiedelt ist und welche der vier Romanfiguren ich gerade vor mir habe. War vielleicht alles nur Einbildung? Vermutlich habe ich nicht erfasst, was der Autor sagen will.

Meinen Geschmack trifft das Buch zwar nicht. Es gehört aber auch nicht in die Kategorie, durch die ich mich quasi hindurchgequält habe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere