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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.04.2017

Aller Anfang ist schwer - auch beim Autofahren

Man lernt nie aus, Frau Freitag!
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Die Protagonistin dieses Buchs – Frau Freitag, eine Berliner Lehrerin, die schon in „Chill mal, Frau Freitag“ oder „Voll streng, Frau Freitag“ aus ihrem Unterrichtsalltag geplaudert hat – will mit 50 Jahren ...

Die Protagonistin dieses Buchs – Frau Freitag, eine Berliner Lehrerin, die schon in „Chill mal, Frau Freitag“ oder „Voll streng, Frau Freitag“ aus ihrem Unterrichtsalltag geplaudert hat – will mit 50 Jahren den Führerschein machen. Auf dem steinigen Weg vom Erste-Hilfe-Kursus über den theoretischen und praktischen Fahrschulunterricht sowie den entsprechenden Prüfungen bis hin zur Entscheidung, sich das erste Auto zu kaufen – dürfen wir sie begleiten.
Die Thematik dürfte jedem Leser, der selbst irgendwann einmal den Führerschein gemacht hat, bekannt vorkommen und Erinnerungen in ihm wecken. Frau Freitag beschreibt eben exakt die Schwierigkeiten, mit denen jeder Führerscheinanwärter mehr oder weniger konfrontiert wird. Deshalb fehlt es der Geschichte m.E. an einem besonderen Einschlag. Zudem ist sie auch nicht so humorvoll wie Frau Freitags vorangegangenen Bücher. Richtig schmunzeln konnte ich eigentlich nicht. Das und der Umstand, dass zu Vieles wiederholt wird (Frau Freitags ganzes Denken dreht sich darum, zu alt zum Erlernen des Autofahrens zu sein und von ihrem Fahrlehrer nicht genügend Lob zu erfahren, ihr Fahrlehrer predigt die ewig gleichen Sprüche), führt dann dazu, dass ich das Buch, das aber durchaus Unterhaltungswert hat, nur als durchschnittlich bewerte.

Veröffentlicht am 14.04.2017

Auf den Spuren der Vergangenheit

Die Zeit, in der wir träumten
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Die 30jährige Journalistin Sarah aus San Francisco recherchiert für eine Abschlussarbeit über das Verschwinden der jungen, befreundeten Näherinnen Margaret und Hanna 140 Jahre zuvor, die als Einwanderinnen ...

Die 30jährige Journalistin Sarah aus San Francisco recherchiert für eine Abschlussarbeit über das Verschwinden der jungen, befreundeten Näherinnen Margaret und Hanna 140 Jahre zuvor, die als Einwanderinnen ins Land kamen. Konfrontiert wird sie dabei nicht nur mit dem harten Leben der Einwanderer, sondern auch mit Verbindungen zwischen Hanna und der einflussreichen Familie ihres Mannes. Sarah selbst trägt seit Jugendtagen eine schwere, geheim gehaltene Schuld mit sich.
Dieser teils historische, teils in der Gegenwart spielende Roman vermochte mich nicht wirklich in seinen Bann zu ziehen. Schwierigkeiten hatte ich bereits, mich am Ort der Handlung in San Francisco zu orientieren. Es werden so viele Plätze, Viertel und Gebäude benannt, die mir, die ich nie dort gewesen bin, nicht geläufig sind. Die im Jahr 1876 spielende Handlung wirkte auf mich zu unrealistisch. Rotlichtmilieu, Prostitution, Anzüglichkeiten und Gewalt der Männer standen zu sehr im Vordergrund. Als aufgesetzt empfand ich die Geschichte um Hanna, die sich (gleich einer Prinzessin) binnen weniger Tage in einen Mann aus der oberen Gesellschaftsschicht verliebt und von ihm einen Heiratsantrag erhält. Bei dem in der Gegenwart spielenden Handlungsstrang störte mich, dass es Sarah so rasch gelingt, eine 140 Jahre zurückliegenden Kriminalfall zu lösen.
Unterhaltungswert kommt dem für mich mit durchschnittlich bewerteten Buch aber allemal zu, und spannend bleibt es sehr lange.

Veröffentlicht am 02.04.2017

Eine besondere Vater-Tochter-Beziehung

Mit jedem Jahr
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Der alkoholkranke, gewaltbereite, vorbestrafte Jason nimmt nach dem Unfalltod seines Bruders und seiner Schwägerin nach geschicktem Intervenieren einer Sozialarbeiterin deren kleine, ihm bis dahin unbekannte ...

Der alkoholkranke, gewaltbereite, vorbestrafte Jason nimmt nach dem Unfalltod seines Bruders und seiner Schwägerin nach geschicktem Intervenieren einer Sozialarbeiterin deren kleine, ihm bis dahin unbekannte Tochter Harvey bei sich auf. Zwar kann er ihr nur ein bescheidenes Leben bieten. Doch sind es kleine Begebenheiten im alltäglichen Zusammenleben, die beide im Laufe der Zeit mehr und mehr zusammenschweißen, wodurch sogar Jasons Leben eine Wendung zum Positiven nimmt.

Es ist einfach schön, diese Geschichte über eine sich entwickelnde Vater-Tochter-Beziehung zwischen zwei Menschen zu lesen, die vermeintlich als Onkel und Nichte blutsverwandt sind. Welche persönlichen Bande tatsächlich zwischen ihnen bestehen, birgt noch ein besonderes Geheimnis, das erst ganz am Ende aufgelöst wird, und zwar nur für den Leser, nicht für die Romanfiguren. Der Autor präsentiert die Geschichte in besonderer Weise, indem er Erinnerungsstücke einführt, die Harvey Jason bei einem Besuch zum Vatertagsgeschenk macht, und ausgehend von ihnen in Rückblenden erzählt, wie Jason und Harvey einst zusammenfanden.

Dem Buch gebe ich eine unbedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 24.03.2017

Über den Syrien-Krieg

Gott ist nicht schüchtern
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Der Roman beginnt in Syrien im Jahr 2011 im Arabischen Frühling kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs und zeichnet die Schicksale zweier Flüchtlinge - Amal und Hammoudi, beide in den Zwanzigern - nach. Amal ...

Der Roman beginnt in Syrien im Jahr 2011 im Arabischen Frühling kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs und zeichnet die Schicksale zweier Flüchtlinge - Amal und Hammoudi, beide in den Zwanzigern - nach. Amal ist Schauspielerin. Wegen der Teilnahme an Demonstrationen gegen Präsident Assad gerät sie ins Visier des Geheimdienstes. Hammoudi ist Arzt in Paris und kehrt zurück, um seinen Pass zu verlängern. Die Wiederausreise wird ihm verweigert, er versorgt fortan in einem illegalen Lazarett verletzte Assad-Gegner. Beide begegnen sich kurz in Damaskus und dann einige Jahre später in Berlin, wohin sie flüchten.

Der Roman lässt einen betroffen zurück. Das Schicksal der Protagonisten, die beispielhaft für so viele Flüchtlinge stehen, ist furchtbar. Sie, die von einem besseren Leben träumen, sind Erniedrigungen, Demütigungen und Gewalt ausgesetzt und geraten immer weiter hinein in die für einen Außenstehenden undurchsichtigen Verhältnisse ihres Heimatlandes. Insoweit ist das gut recherchierte Buch sehr informativ. Real vorgekommene Massaker werden erwähnt, das Schlepperwesen, Fremdenfeindlichkeit. Für mich war es manchmal fast zu viel. Treffend ist der Buchtitel gewählt - mit dem nicht schüchternen Gott ist Assad gemeint.

Zu empfehlen für die am syrischen Bürgerkrieg Interessierten.

Veröffentlicht am 24.03.2017

Spannender Psychothriller um ein entführtes Baby

The Couple Next Door
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Das Ehepaar Anne und Marco Conti nimmt eine Abendeinladung bei den Nachbarn an. Ihr sechsmonatiges Baby Cora sollte eigentlich in der Obhut einer Babysitterin bleiben. Nachdem diese kurzfristig abgesagt ...

Das Ehepaar Anne und Marco Conti nimmt eine Abendeinladung bei den Nachbarn an. Ihr sechsmonatiges Baby Cora sollte eigentlich in der Obhut einer Babysitterin bleiben. Nachdem diese kurzfristig abgesagt hat, lassen Anne und Marco das Baby allein zu Hause zurück und gehen im halbstündigen Wechsel nach ihm schauen. Bei ihrer Rückkehr ist das Baby verschwunden. Die Polizei geht von einer Entführung aus. Ist es tatsächlich so und wird Cora lebend zu ihren Eltern zurückkehren?

Das Buch erfüllt für mich alle Kriterien eines guten Psychothrillers. Es geht nicht allzu blutrünstig zu (obwohl es durchaus zu zwei Morden kommt, von denen vor allem der eine ganz am Ende einen Überraschungseffekt bietet). Anstelle von viel Handlung spielt sich Vieles in der Gedankenwelt der Romanfiguren ab. Das wirklich Fesselnde daran ist, dass alle zu wissen glauben, wie die Geschehnisse abgelaufen sind, und trotzdem zunehmend verunsichert sind, an sich zweifeln und den anderen misstrauen. Auf diese Weise wird für den Leser der mögliche Handlungsablauf immer wieder mit allen Möglichkeiten durchgespielt und er weiß lange Zeit nicht, was denn nun wirklich geschehen ist. Der ermittelnde Detective meint übrigens schon frühzeitig auf der richtigen Fährte zu sein, ohne dass der Leser allerdings schon da erfährt, ob er tatsächlich richtig liegt. Recht faszinierend ist, dass so ziemlich alle wichtigen Personen Geheimnisse mit sich herumtragen. Da gibt es psychische Probleme, finanzielle Schwierigkeiten, Ehebruch, Lügen – kurzum viele menschliche Abgründe tun sich auf, die sie zusätzlich verdächtig erscheinen lassen. Gelungen und nachvollziehbar ist auch die Darstellung, wie Anne und Marco nach dem Verschwinden ihres Kindes die Hölle durchmachen.
Für mich ist das Buch absolut lesenswert.

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