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Veröffentlicht am 02.02.2025

Leichte Unterhaltung

Vielleicht hat das Leben Besseres vor
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Der erste Roman der Autorin „Wir sind doch Schwestern“ hat mich vor einigen Jahren nachhaltig beeindruckt. Anders war es dann schon bei ihrem Roman „Wir sind schließlich wer“, einem Vorgängerband zu dem ...

Der erste Roman der Autorin „Wir sind doch Schwestern“ hat mich vor einigen Jahren nachhaltig beeindruckt. Anders war es dann schon bei ihrem Roman „Wir sind schließlich wer“, einem Vorgängerband zu dem hier besprochenen Buch. Er hat mich enttäuscht. Dennoch habe ich es jetzt noch einmal mit dem Fortsetzungsroman der Autorin versucht und muss sagen, dass das Buch auf einem seichten Niveau verharrt. Beide Bücher lassen sich unabhängig voneinander lesen. Auf den einen oder anderen Gesichtspunkt aus der Vergangenheit wird stichwortartig eingegangen. Die Geschichte ist erneut in der Heimat der Autorin am Niederrhein angesiedelt, so dass sie für dort Ansässige ein gewisses Interesse wecken könnte. Thematisch erscheint mir alles künstlich aufgesetzt genauso wie die Dialoge der Romanfiguren, die unnatürlich wirken. Die nicht dem Familienbild entsprechende Protagonistin Anna ist als Pastorin in ihrer Heimat tätig. Allerdings wundere ich mich immer wieder, dass sie eigentlich überwiegend Freizeit zu haben scheint. Im Wesentlichen ist die Geschichte eine Mischung aus etwas Krimi – bei dem sich durchaus gut miträtseln lässt - und Familiengeschichte. Zu viel dreht sich um den vermeintlichen Standesdünkel der Adligen, was ich als aus der Zeit gefallen empfinde. Viele durchaus ernsthafte Themen werden angerissen, aber letztendlich nicht vertieft behandelt, wie z.B. Diskriminierung und political correctness.
Als leichte Unterhaltung geeignet, anspruchsvolle Lektüre darf nicht erwartet werden.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Frauenbilder und -rollen

Halbe Leben
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Dieser Roman zeichnet ein gelungenes Bild zweier unterschiedlicher Frauen. Da ist zum einen die Enddreißigerin Klara – Karrierefrau in einer Männerdomäne, verheiratet mit einem beruflich wenig ehrgeizigen, ...

Dieser Roman zeichnet ein gelungenes Bild zweier unterschiedlicher Frauen. Da ist zum einen die Enddreißigerin Klara – Karrierefrau in einer Männerdomäne, verheiratet mit einem beruflich wenig ehrgeizigen, verträumten Ehemann, Mutter einer 10jährigen Tochter, die ein besseres Verhältnis zur Großmutter als zur Mutter hat. Zum anderen ist da die gleichaltrige slowakische Krankenschwester Paulina, geschieden, allein erziehende Mutter zweier Söhne, die sie im Zwei-Wochen-Rhythmus ihrer Schwiegermutter überlässt, um aus finanziellen Gründen fern der Heimat als Pflegerin von Klaras Mutter zu arbeiten. Mehr und mehr vereinnahmt die Familie Paulina, auch für außerhalb der Pflege liegende Aufgaben, und erkennen sie rasch als wahre Perle, während diese zusehends unter Schuldgefühlen ihren eigenen Kindern gegenüber leidet und sich von ihren Arbeitgebern nicht mehr wahrgenommen fühlt. Irgendwann beginnt Paulina innerlich zu kochen und sich abweisend zu verhalten. Die Lage spitzt sich bei einer gemeinsamen Wanderung der beiden Frauen zu, als ein vermeintliches Unglück geschieht. Doch handelt es sich tatsächlich um eines? …
Die Situationen einer Familie, die plötzlich die Herausforderung der Pflege eines kranken Angehörigen stemmen muss, und einer aus Osteuropa stammenden 24-Stunden-Pflegerin werden realitätsgetreu geschildert. Ebenso realistisch ist das Bild, das von beiden Frauen gezeichnet wird – immer ist es an den Frauen, alles zu regeln, und dabei kommt an anderer Stelle etwas oder jemand zu kurz. Die ganze Atmosphäre passt gut dazu und es wird viel Spannung aufgebaut, die in der bereits oben aufgeworfenen Frage gipfelt, deren Beantwortung der Deutung des Lesers überlassen bleibt.
Ein unterhaltsamer, dennoch ernster Roman, der sehr lesenswert ist.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Autobiografische Lebensgeschichte

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Es handelt sich um eine Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen der Autorin. Sie erzählt vor allem die Geschichte ihrer mütterlichen Linie, beginnend bei der Urgroßmutter über die Großmutter bis ...

Es handelt sich um eine Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen der Autorin. Sie erzählt vor allem die Geschichte ihrer mütterlichen Linie, beginnend bei der Urgroßmutter über die Großmutter bis zur eigenen Mutter. Interessant zu lesen ist zum einen der jeweilige zeitgeschichtliche Hintergrund, vor dem die Frauen gelebt haben/leben. Das ist bei Urgroßmutter und Großmutter im Wesentlichen die Zeit des Nationalsozialismus. Beide Frauen hatten familiäre bzw. persönliche Berührungen zu Juden, so dass die diesbezüglichen Probleme eine Rolle spielen, außerdem auch Gewalt und Schweigen, wie sie typisch für die früheren Generationen sind. Zum anderen berührt es zu lesen, dass den Frauen ein ganz ähnliches Schicksal zu eigen ist. Sie gebaren ein schon im Babyalter verstorbenes erstes Kind und erst Jahre später ein zweites. Die biologische Vaterschaft wirft dabei Rätsel auf. Das gibt Anlass zu der Frage, ob Schicksal etwas Vorherbestimmtes ist. Die Mutter der Autorin jedenfalls widersetzt sich dem und führt ein unangepasstes Leben. Vor allem aber gibt sie ihrer Tochter lange Zeit keine Antworten auf Fragen zu der familiären Vergangenheit. Manche Themen werden in der Familie einfach nicht berührt, was tatsächlich gar nicht so untypisch ist. Das soll vor den Geistern der Vergangenheit schützen, womit die Verbindung zum Buchtitel hergestellt ist. So interessant die Familiengeschichte auch ist, muss doch gesagt werden, dass für den Leser Vieles offen bleibt und sie sich nicht leicht lesen lässt, da die Autorin immer wieder in Bildern spricht, z.B. auf Schwarze Löcher zu sprechen kommt und sie sich der Sprache in besonderer Form bedient.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Dreiecksbeziehung zweier Cousinen während der Vorwendezeit in DDR/Ungarn

Rückkehr nach Budapest
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Der Roman ist eine schöne Familiengeschichte vor besonderem historischem Hintergrund. Die beiden Protagonistinnen sind Cousinen mit enger Bindung, Ungarinnen, eine auch mit deutschen Wurzeln. Wenige Jahre ...

Der Roman ist eine schöne Familiengeschichte vor besonderem historischem Hintergrund. Die beiden Protagonistinnen sind Cousinen mit enger Bindung, Ungarinnen, eine auch mit deutschen Wurzeln. Wenige Jahre vor der Vorwendezeit lebt die eine mit ihren Eltern in Ostberlin, die andere in Ungarn. Während eines Besuchs in Ostberlin lernen beide einen Schriftsteller kennen und lieben und geraten in die oppositionelle Künstlerbewegung. Eine komplizierte Dreiecksbeziehung beginnt.
Die Einbettung der Geschichte in die Zeitgeschichte macht den Roman so interessant. Es ist so viel zu erfahren über den Alltag in einem sozialistischen Land, wobei es markante Unterschiede zwischen der DDR und dem offeneren Ungarn gab. Der Umgang mit kritisch eingestellten Personen sowie auch mit intellektuellen, oppositionellen Künstlern macht betroffen. Wichtige Themen sind Liebe, Verrat, Schuld.
Einmal mit Lesen begonnen, will man das Buch bis zum Ende gar nicht mehr aus der Hand legen. Eine eindeutige Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 15.01.2025

Kammerspiel

Drei Wochen im August
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Der Roman wird im Bucheinband als „Kammerspiel“ bezeichnet, ein Begriff, der die Geschichte tatsächlich treffend beschreibt. Denn er umschreibt eine Handlung, die nur an einem klar abgegrenzten Schauplatz ...

Der Roman wird im Bucheinband als „Kammerspiel“ bezeichnet, ein Begriff, der die Geschichte tatsächlich treffend beschreibt. Denn er umschreibt eine Handlung, die nur an einem klar abgegrenzten Schauplatz spielt und sich auf wenige Figuren konzentriert, wodurch die Aufmerksamkeit auf die inneren Konflikte der Figuren gelenkt wird. Bei den paar Romanfiguren handelt es sich um die beiden – abwechselnden – Erzählerinnen Elena und ihr Kindermädchen Eve, Elenas zwei Kinder, eine Freundin des einen, der Hausmeister und ein späterer Überraschungsgast mit jugendlicher Begleitung, die drei Sommerwochen in einem Ferienhaus an der französischen Atlantikküste verbringen. Atmosphärisch ist alles sehr düster und gerade deshalb gelungen dargestellt. Alles wirkt irgendwie bedrohlich. Die Personen sind alle irgendwie gestört, ohne dass konkrete Antworten auf die sich dem Leser stellenden Fragen gegeben werden. Ihre Beziehungen zueinander passen nicht und sind von Problemen überlagert. Im Vordergrund steht dabei vor allem das Verhältnis der beiden Erzählerinnen, die sich als Konkurrentinnen um die Gunst der Kinder dargestellt werden.
Der Roman ist etwas für Leser mit Interesse an ungewöhnlicher Literatur.

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