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Veröffentlicht am 27.05.2019

Die Verlobte

Die kalten Sekunden
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Zehn Jahre ist es her, dass Damian Werners Freundin Ewa verschwand. Es sollte der schönste Abend ihres Lebens werden, doch es geschah ein katastrophaler Überfall. Damian ist immer noch untröstlich. Seinen ...

Zehn Jahre ist es her, dass Damian Werners Freundin Ewa verschwand. Es sollte der schönste Abend ihres Lebens werden, doch es geschah ein katastrophaler Überfall. Damian ist immer noch untröstlich. Seinen Job hat er nicht mehr, von seinen Freunden hat er sich zurückgezogen. Eigentlich haust er nur noch in seiner kleinen Welt und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Eines Tages jedoch taucht plötzlich ein Bild von Ewa auf, sie scheint bei einem Konzert gewesen zu sein. Sofort sucht Damian nach Möglichkeiten, den Aufenthaltsort der Frau auf dem Bild ausfindig zu machen.

Beginnt man mit der Lektüre dieses Romans, fragt man sich schon, wieso ein Mensch sich so hängen lässt wie Damian Werner. Wenn er nie glaubte, Ewa sei tot, sollte er sein Leben nicht eher in Ordnung halten, damit Ewa in ein schönes Leben zurückkehren kann, falls sie tatsächlich wieder auftauchen sollte. Unabhängig davon macht sich Damian sofort auf die Suche nach Ewa. Der einzige Freund, der ihm noch verblieben ist, hilft ihm dabei. Allerdings bei seiner ersten Anlaufstelle - der Polizei - stößt er auf taube Ohren. Niemand dort glaubt ihm, dass es sich bei der Frau auf dem Foto tatsächlich um Ewa handeln könnte. Damien engagiert eine Firma, die private Ermittlungen anstellt.

Spannend zu lesen ist dieser Thriller. Allerdings beinhaltet er etliche sehr rohe Schilderungen, die nicht unbedingt etwas für schwache Gemüter sind. Auch tut man sich mit Damian Werner etwas schwer, der allem Anschein nach nichts unternommen hat, um die Folgen der Katastrophe zu überwinden. Verständlich ist, dass er die Suche nach Ewa aufnimmt als sich die vage Hoffnung ergibt, sie könne wieder da und noch am Leben sein. Ausgeklügelt ist dann wie Werner kleinsten Hinweisen nachgeht und im Zusammenwirken mit der Ermittlungsfirma wünscht, Ewa immer näher zu kommen. Mit großer Kunst versteht es der Autor, Damians Weg zu leiten. Nur manchmal bleibt der Leser wegen der vorher erwähnten Anmerkungen und auch einiger Szenen, die man sich anders gewünscht hätte, etwas auf der Strecke. Zum Glück ist nicht zu verhehlen, dass dieser Roman einen auf die Fährte eines Rätsels lockt, dessen Auflösung sehr fesselt.


Veröffentlicht am 26.05.2019

Meeresrauschen

Nachts schweigt das Meer
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Seine langjährige Partnerin im Polizeidienst ist verstorben und Detective Inspektor Ben Kitto fühlt sich schuldig. Eigentlich wollte er kündigen, doch seine Chefin hat ihn überredet, erstmal eine Auszeit ...

Seine langjährige Partnerin im Polizeidienst ist verstorben und Detective Inspektor Ben Kitto fühlt sich schuldig. Eigentlich wollte er kündigen, doch seine Chefin hat ihn überredet, erstmal eine Auszeit zu nehmen und seine Entscheidung zu überdenken. Ben kehrt zurück auf seine Heimatinsel Bryher, mit dabei hat er Shadow, den Hund seiner Partnerin, der ihn jederzeit an sein Verhalten erinnert. Bereits bei seiner Ankunft erfährt Kitto, dass ein junges Mädchen vermisst wird. Sofort beteiligt er sich an der Suche. Schon bald darauf wird die 16jährige Laura tot an den Klippen gefunden. Eine Fremdeinwirkung ist nicht auszuschließen.

Auf den kleinen Scilly Inseln, von denen überhaupt nur wenige besiedelt sind, sollte es ruhig zugehen. Eine Gegend, in der niemand die Türen abschließt. Und nun, ein Verbrechen? Das passt nicht in die kleine Gemeinschaft. Ben Kitto bietet sofort an, die Ermittlungen zu übernehmen. Zeit genug hat er und seine Ortskenntnis dürfte durchaus hilfreich sein. Da seit dem Verschwinden Lauras niemand die Insel verlassen hat, riegelt Ben das Eiland ab, der Mörder muss also da sein, es gilt ihn zu finden. Es beginnen die Befragungen der Inselbewohner und lange Märsche über die Insel, Kittos Unruhe, seine Schuldgefühle wollen nicht weichen. Shadow ist und bleibt ein Mahnmal.

Die Autorin ist vielleicht einigen als Kate Rhodes mit ihrer Alice Quentin Reihe bekannt. Nach ihrer web site sind ist auch der vorliegende Reihenbeginn auf Englisch unter Kate Rhodes erschienen. Vielleicht passt Penrose besser zu dem Insel-Setting, doch so ganz erschließt sich dieser zusätzliche Name nicht. Davon abgesehen hat man einen in weiten Teilen sehr spannenden Krimi, in dem die Besonderheit, der abgeschlossenen Umgebung gut zur etwas düsteren Stimmung beiträgt. Stürmische Winde, karge Landschaft und aufgewühltes Meer tun ein übriges. Was macht es mit der kleinen Gemeinde, wenn plötzlich eine fehlt, eine von den jungen Hoffnungsträgern, die sich wünschen aufs Festland zu gehen, die ihre Träume verwirklichen wollen. Nach und nach findet Ben Kitto heraus, dass Laura durchaus eine vielschichtige Persönlichkeit hatte und etliches eingesetzt hat, um ihr Ziel zu erreichen. Dadurch geraten mehrere Dorfbewohner in Verdacht, doch es gibt keine einfache Lösung. Hinzu kommt, dass Kitto den Verlust seiner Partnerin noch längst nicht überwunden hat. Stimmungsvolle Bilder wechseln sich mit der fieberhaften Suche nach dem Täter ab. Man versinkt teilweise förmlich in der Handlung und am Schluss hat man schon etwas zu knacken.

Ein sehr gelungener Reihenbeginn, über Ben Kitto gibt es sicher noch so einiges zu erzählen.

Veröffentlicht am 25.05.2019

Immer nur Laufen

Die Frau, die allen davonrannte
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Die 104jährige Aggie Smart lebt schon lange in einem Seniorenheim. Fast alle, die sie kannte sind tot und sie bekommt eigentlich nie Besuch. Versunken ist sie in ihre eigene Welt. Doch die Überraschung ...

Die 104jährige Aggie Smart lebt schon lange in einem Seniorenheim. Fast alle, die sie kannte sind tot und sie bekommt eigentlich nie Besuch. Versunken ist sie in ihre eigene Welt. Doch die Überraschung über die Ankunft zweier junger Leute, die sie zu einem Ausflug mitnehmen wollen, dringt zu ihr durch. Ein Film soll über sie gedreht werden und dazu soll sie einige Schauplätze ihres langen Lebens wiedersehen. Obwohl Aggie sich kaum noch äußern kann, ist sie angetan von der Abwechslung und der Erinnerungen, die durch die Fragen der Filmleute ausgelöst werden.

Die erfundene Aganetha Smart war einmal eine die erste kanadische Läuferin, die im 800m Lauf eine Olympische Goldmedaille holte. Sie steht für etliche Pinonierinnen, denen Laufwettbewerbe zunächst nicht erlaubt waren, die sich aber doch durchkämpften. Aggie wollte immer nur Laufen. Schon als Kind war sie die Flinkste von allen. So ein richtiger Wettkampftyp wurde sie nicht, die Freundschaft war ihr wichtiger. Sie stammte aus einer großen Familie, deren Mitglieder entweder sehr früh starben oder recht betagt wurden. Das brachte viel Leid über die Überlebenden, zu denen auch Aggie gehört, die nun als einzige übrig blieb.

Während des Ausflugs erinnert sich Aggie immer wieder an ihre Familie, ihre Kindheit, ihre sportliche Karriere, an die Lebenden und die Toten und ihr Geheimnis. Gerade zu Beginn ist es nicht ganz einfach, den Gedankensprüngen ihres alten Gehirns zu folgen. Vorwärts und Rückwärts muss man sich die Geschichte zusammensetzen, die eine nicht geringe Tragik entfaltet. Laufen ist alles für Aggie, auch Verzicht. So richtig öffnen kann sie sich nicht und so findet sie nur wenige Freunde und eine Familie bleibt ihr versagt. Obwohl man Aggie als eher schwierige nicht unbedingt Persönlichkeit empfindet, die irgendwie immer gedämpft wirkt, der die uneingeschränkte Freude fehlt, entwickelt man doch viel Sympathie für ihre Fortschrittlichkeit und die Kraft, die sie im wahrsten Sinne des Wortes am Laufen hält.


Veröffentlicht am 21.05.2019

Die Sehnsucht

Der Insasse
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Der kleine Max ist vor einem Jahr verschwunden. Sein Vater, der Feuerwehrmann Till Berghoff, hat nie aufgehört nach seinem Sohn zu suchen. Zu arbeiten war ihm nicht mehr möglich, sein ganzes Leben wird ...

Der kleine Max ist vor einem Jahr verschwunden. Sein Vater, der Feuerwehrmann Till Berghoff, hat nie aufgehört nach seinem Sohn zu suchen. Zu arbeiten war ihm nicht mehr möglich, sein ganzes Leben wird eingenommen vom Gedanken an seinen Sohn. Unter Verdacht, etwas mit dem Verschwinden des Kindes zu tun zu haben, steht ein Mensch, der weitere Kinder getötet hat. Allerdings hat dieser nie gesagt, was mit Max wirklich geschah. Till sieht keine andere Möglichkeit mehr, als sich selbst in die Klinik einweisen zu lassen. Nur so kann er dem vermeintlichen Täter nahekommen und möglicherweise herausfinden, welches Schicksal sein Sohn erlitten hat.

Für seine ungewöhnlichen Thriller ist der Autor bekannt und so verwundert es nicht, dass auch dieser Roman auf den Bestsellerlisten gelandet ist. Ein Vater auf der Suche nach seinem Sohn, dessen Leiche auch nach einem Jahr noch nicht gefunden wurde. Das Leid über den unglaublichen und unerträglichen Verlust hat die Familie und das Leben des Vaters zerstört. Und dennoch kennt er kein anderes Ziel, als seinen Sohn zu finden und sei es nur, um Gewissheit zu haben. Niemandem wünscht man, dass der Verbleib eines geliebten Menschen ungeklärt bleibt.

Man muss vermutlich ein passionierter Leser von Thrillern sein, um diesen Roman uneingeschränkt genießen zu können. Für jemanden, den es eher zu anders strukturierten Kriminalromanen zieht, könnte dieses Buch etwas zu extrem wirken, zu extrem in Aussagen, in Aktionen und Reaktionen. Die Art, wie es der Vater schafft, in die Klinik zu kommen, wie er dort empfangen wird, was weiter geschieht. Zwar löst sich das schließlich irgendwie auf, doch kann es sein, dass der Leser, der solche Extreme eher nicht gewöhnt ist, auf dem Weg dorthin längst verloren ging. Wenn sich auftut, dass längst nicht alles so ist wie es scheint, bleibt letztlich der Respekt vor dem besonderen Twist, mit dem wahrlich nicht zu rechnen war.

Veröffentlicht am 19.05.2019

Ritter in Not

Mörderisches Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 5)
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Nach dem Sommer kehrt Ruhe ein in Le Lavandou. Der Gerichtsmediziner Dr. Leon Ritter frönt seinem Hobby dem Boule-Spiel. Doch die Ruhe währt nicht lange. Ein aufgeregter Vater meldet seine Tochter als ...

Nach dem Sommer kehrt Ruhe ein in Le Lavandou. Der Gerichtsmediziner Dr. Leon Ritter frönt seinem Hobby dem Boule-Spiel. Doch die Ruhe währt nicht lange. Ein aufgeregter Vater meldet seine Tochter als vermisst. Etwas, das die Polizei zunächst nicht ganz so ernst nimmt, schließlich ist die junge Dame schon 22 Jahre und sie hat einen Freund - welcher dem Vater nicht gefällt. Nur wenige Tage später wird die junge Frau tot aufgefunden und Dr. Leon Ritter wird mit der rechtsmedizinischen Untersuchung beauftragt. Für die ermittelnden Beamten liegt schnell auf der Hand, wer der Täter sein muss. Eine Meinung, die Leon Ritter nicht teilt.

Bereits zum fünften Mal stört Dr. Leon Ritter die örtliche Polizei mit seinen Querdenker-Ansichten. Wenn er das Kribbeln im Nacken spürt, kann er einfach nicht anders als selbst Nachforschungen anzustellen. Seine Freundin Isabelle, die selbst bei der Polizei ist, hat seine Herangehensweise zu schätzen gelernt. Damit steht sie allerdings relativ alleine auf dem Revier. Meist wird doch der einfachste Ansatz bevorzugt. Und im Moment herrscht sowieso Unruhe auf der Wache, denn eine junge Psychologin soll für besseres Teamwork sorgen, etwas, bei dem die Beamten gerne ihre Mitarbeit verweigern würden.

Auch im Nachsommer kommt das französische Flair auf. Man sieht Leon Ritter förmlich durch die Straßen von Le Lavandou flanieren, hier und da einen kleinen Stop einlegen und einen Kaffee trinken oder bei einer Partie Boule sein Geschick zu beweisen. Doch natürlich handelt es sich bei diesem Buch nicht um ein Urlaubsbuch, sondern um einen Krimi. Und so löst das zunächst ungewisse Schicksal einer jungen Frau einige Besorgnis aus. Wie es sich für einen Kriminalroman gehört, ist die bedauernswerte junge Dame bereits tot. In dem Spannungsfeld zwischen den etwas drögen Beamten und dem gewitzten Rechtsmediziner kann man verfolgen wie sich der anfangs simple Vermisstenfall zu einer fesselnden Mordermittlung entwickelt. Verdächtig unverdächtig sind dabei etliche Personen. Ein schöner nachsommerlicher Kriminalroman, der auch im Frühsommer gerne gelesen wird.