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Veröffentlicht am 02.05.2019

Der schwarze Mann

Rachemädchen- Eine ist verschwunden. Eine ist angeklagt. Wer ist das Opfer?
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Schon früh wird Sadie Mutter. Sie ist glücklich mit dem Vater ihrer kleinen Tochter, dennoch sieht sie sich gezwungen, ihre kleine Familie zu verlassen. Miles gerät sogar in Verdacht, er könne seiner Frau ...

Schon früh wird Sadie Mutter. Sie ist glücklich mit dem Vater ihrer kleinen Tochter, dennoch sieht sie sich gezwungen, ihre kleine Familie zu verlassen. Miles gerät sogar in Verdacht, er könne seiner Frau etwas angetan haben. Es gibt allerdings keinen Beweis für eine Tat und so zieht Miles seine Tochter alleine groß. Als Sadie nach sechzehn Jahren wieder auftaucht, ist das eine Sensation. Weitere zwei Jahre später hat es Sadies Tochter Amber zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Sie wird von einem Filmteam begleitet, dass einen Film über die Ereignisse produziert, die Ambers Leben so zur Gänze verändert haben.

Die Storyline hält sich an das Drehbuch der Filmcrew, so fühlt man sich tatsächlich eher wie ein Zuschauer als ein Leser. In Rückblenden erfährt man nach und nach mehr zum Hintergrund der Geschichte und erst ganz zum Schluss kann man sich zusammenreimen, was damals mit Sadie und vor zwei Jahren mit Amber geschehen ist. Dieser Aufbau des Romans ist sehr klug und mal andersartig konstruiert als bei vielen anderen Kriminalromanen. Von der Art des Aufbaus her ist dieser Thriller wirklich toll strukturiert. Man kann sich den Film oder die Miniserie direkt vorstellen, wo mit dem Voranschreiten der Handlung die Spannung gesteigert wird.

Die Handlung als solche muss man allerdings erstmal verdauen, wenn man dann noch liest, dass die Idee auf einer Zeitungsnotiz gründet, wird es noch gruseliger. Nicht jeder wird sich in die Geschichte hineinfinden können. Gerade wenn man von den verqueren Gedanken, auf die Jugendliche machmal kommen und die zu gewissen Grausamkeiten führen können, eigentlich überhaupt nichts wissen will. Zu was sind gerade junge Menschen fähig, die die Folgen ihres Handelns noch nicht richtig überblicken können? Respekt, dass sich die Autorin mit so einem Thema beschäftigt hat und ein besonders im Aufbau tolles Buch geschaffen hat.

Veröffentlicht am 01.05.2019

Blau Gelb

Der Patriot
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Blau und Gelb sind die Farben Schwedens und die sollen von einer Gruppe unter der Führung von Carl Cederhielm verteidigt werden. Er und seine Kumpane verunglimpfen zunächst die freie Presse. Damit allerdings ...

Blau und Gelb sind die Farben Schwedens und die sollen von einer Gruppe unter der Führung von Carl Cederhielm verteidigt werden. Er und seine Kumpane verunglimpfen zunächst die freie Presse. Damit allerdings geben sie sich nicht lange zufrieden, bald schon werden die ersten Journalisten umgebracht. Vorgeschobener Grund für ihre Aktivitäten ist die angebliche Tatenlosigkeit, mit der die schwedische Regierung dem Flüchtlingsstrom begegnet. Unter den Journalisten lösen sie Angst und Schrecken aus. Die Redaktionen werden bewacht und die Zeitungsmitarbeiter überlegen sich jeden Schritt. Das weitere Vorgehen der Täter hat allerdings noch eine ganz besonders negative Qualität.

Der Autor war selbst lange als Journalist tätig. Er kennt die Szene, über die er schreibt, in und auswendig. Laut Autoren-Info war er vermutlich wegen seiner Tätigkeit selbst rechtspopulistischen Bedrohungen ausgesetzt, hat seinen Beruf aufgegeben und seinen ersten Roman verfasst. Mit diesem lehrt er die Leser wahrlich das Fürchten. Die dargestellten Szenarien wirken doch allzu realistisch. Man wünschte sich, niemand müsste auf solche Ideen kommen. Wie können vermeintlich normale Bürger nur so krude Ideen vertreten und dafür auch noch den Tod von Menschen in Kauf nehmen. Doch wie überall steht man diesem weltweit vorhandenen Phänomen wohl auch in Schweden ziemlich hilflos gegenüber.

Obwohl man bei der Handlung des Romans bei einigen Punkten ziemlich lange warten muss, bis man die Zusammenhänge versteht, wirken die Vorgänge besonders soweit sie in Schweden angesiedelt sind ausgesprochen spannend und sie scheinen die harte und raue Realität darzustellen. Das macht die Lektüre nicht gerade leicht, in Teilen liest sich das Buch eher wie ein Zeitungsbericht als wie ein Roman und dadurch wird er doch recht schwer verdaulich. Ob dieser Grausamkeiten fragt man sich, wie bloß das Schlimmste verhindert werden kann und findet doch keine Lösung. Der Patriot verstört, rüttelt auf und bringt das Gedankenkarussell ins Kreisen. Schweden ist leider überall.

Veröffentlicht am 30.04.2019

Verzweifelt gesucht

Alexandra
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Am 21.Februar 2013 kommt Marc Southwoods Frau nicht von der Arbeit nach hause. Entgegen den ersten Beschwichtigungen der Polizei taucht sie nicht kurz darauf wieder auf. Marc ist völlig aufgelöst. Wie ...

Am 21.Februar 2013 kommt Marc Southwoods Frau nicht von der Arbeit nach hause. Entgegen den ersten Beschwichtigungen der Polizei taucht sie nicht kurz darauf wieder auf. Marc ist völlig aufgelöst. Wie nur soll er seinen beiden Töchtern erklären, dass ihre Mutter verschwunden ist. Vor fünfzehn Jahren haben sie sich in Amerika kennengelernt, sich Hals über Kopf ineinander verliebt und einige Zeit später in Marcs Heimat England geheiratet. Marc hat sein Studium beendet, promoviert und er ist die Karriereleiter aufgestiegen, auch um seine kleine Familie ernähren zu können. Alexandra hat eine Teilzeitstelle angenommen sobald die Kinder etwas größer waren.

Eine glückliche Familie, die alles hat, was man sich wünschen kann. Alle aus ihrem Freundeskreis bezeichnen sie als glücklich. Doch stimmt das wirklich? Marc glaubt fest daran, obwohl Alexandra, die gerne bildende Künstlerin geworden wäre, für ihre Familie viel aufgegeben hat. Es wäre also verständlich, wenn sie nicht ganz so zufrieden mit ihrem Leben war, wie es von außen den Anschein hatte. Aber ist das ein Grund zu verschwinden. Die Polizei findet zunächst keine Hinweise darauf, was passiert sein könnte. Doch je länger Alexandra wie vom Erdboden verschluckt bleibt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht mehr am Leben ist.

Sowohl aus Sicht von Marc als auch aus der Alexandras wird berichtet. In Rückblenden erfährt man auch wie sich das junge Paar traf und wie sich die Beziehung entwickelte. Ein schönes Paar meint man, so wünscht man es sich. Doch irgendwann mehren sich die Anzeichen, dass nicht alles so war wie es schien. Zwar entwickelt sich die Geschichte zu Beginn etwas langsam, dennoch bleibt man aber gespannt und möchte erfahren, was oder wer hinter Alexandras Verschwinden steckt. Je näher man den Eheleuten kommt, desto mehr wird klar, dass Alexandra doch eine vielschichtigere Persönlichkeit hat als sie es zunächst zeigt. Und je besser man sie kennt, desto schwieriger wird es, ihre Motive zu verstehen. Was zunächst wie ein Thriller beginnt entwickelt sich nach und nach zu einem Psychogram einer Persönlichkeit, deren Bestrebungen in gewisser Weise zwar nachvollziehbar und verständlich sind, in ihrem ganzen Ausmaß aber möglicherweise doch zu weit gehen. Es ist vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack hinters Licht geführt zu werden, gelungen ist es aber allemal.

Veröffentlicht am 28.04.2019

Wanderer

Only Revolutions. Roman.
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In Raum und Zeit wandern Hailey und Sam. Süße sechzehn, ein wenig verrucht. Mit ihren Fahrzeugen rauschen sie an der Geschichte vorbei, die aber immer gegenwärtig ist. Möglicherweise nur, um in der Unendlichkeit ...

In Raum und Zeit wandern Hailey und Sam. Süße sechzehn, ein wenig verrucht. Mit ihren Fahrzeugen rauschen sie an der Geschichte vorbei, die aber immer gegenwärtig ist. Möglicherweise nur, um in der Unendlichkeit zu verschwinden.

Viel lässt sich über den Inhalt dieser furiosen Reisebeschreibung kaum sagen. Wer den Autor von seinem Roman „House of Leaves“ kennt, weiß, dass da einiges auf ihn zukommen kann. Und so ist es auch. Was allerdings bei dem Haus hervorragend funktioniert, nämlich, dass man in eine schauerliche Geschichte hineingezogen wird, gerät hier zu einer Holperfahrt. Die Idee besticht zunächst einmal. Ein Buch, bei dem man von vorne oder von hinten anfangen kann zu lesen. (Wer hätte nicht schon mal hinten nachgeschaut, ob alle Lieben noch am Leben sind?). Dazu die geschichtlichen Notizen, bei denen man bald beginnt, zu überlegen, ob man einen Bezug zu den Ereignissen herstellen kann. Erstaunlich, wie unterschiedlich Erinnerungen abgespeichert werden und wie unterschiedlich das ist, was hängen bleibt, oder was der Autor als notierenswert erachtet. Und dann diese beiden Menschen, die auf unterschiedlichen Zeitstrahlen durch die Geschichte reisen, sich aber doch immer nahe sind. Ja, die Idee ist klasse. Doch die wahrscheinlich mit Absicht gewählte Sprache geht in ihrer Flapsigkeit manchmal zu weit und da sich bei dem Rahmen keine fortlaufende Handlung entwickeln kann, beginnt man irgendwann eben diese zu vermissen. Witzig ist es schon, wenn das Gleiche von unterschiedlichen Personen geschildert wird und diese die Dinge völlig unterschiedlich sehen, so ist zum Beispiel der jeweils andere etwas schwach. Das wirkt dann doch sehr aus dem Leben gegriffen, allerdings ein Witz, der ein, zwei Mal funktioniert und dann doch schal wird. Auch die Eckdaten der Geschichte, grundsätzlich interessant, da aber doch mehr im amerikanischen Kontext, irgendwann fremd. Man gräbt in den eigenen oder angelesenen Erinnerungen und stellt mit Erstaunen fest, dass wohl am ehesten Sportereignisse unviversell sind. Sogar Kriege haben je nach Herkunft des Schreibers oder Lesers völlig unterschiedliche Eindrücke ihrer Relevanz hinterlassen.

Man kann nicht sagen, wie es hätte besser gehen können, nur, dass es für einen selbst nicht das Richtige war.

Veröffentlicht am 26.04.2019

Die Zuflucht

Die Geschichte der schweigenden Frauen
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Nach den letzten großen Kriegen hat sich die Welt zwar einigermaßen erholt, doch ein bösartiger Virus, dessen Träger und Überträger die Männer sind, stellt sich für Frauen als tödliche Krankheit heraus. ...

Nach den letzten großen Kriegen hat sich die Welt zwar einigermaßen erholt, doch ein bösartiger Virus, dessen Träger und Überträger die Männer sind, stellt sich für Frauen als tödliche Krankheit heraus. Um den Fortbestand zu sichern, ist in Green City, einer Metropole in Südwestasien, ein Regime errichtet worden, in dem Frauen nicht viel mehr sein dürfen als Gebärmaschinen für mehrere Männer genannt Ehegatten. Das öffentliche Leben ist streng reglementiert, persönliche Beziehungen, die nicht staatlich kontrolliert sind, erwünscht man nicht. Nur einigen wenigen Frauen ist es gelungen, sich dem System zu entziehen. Doch auch sie müssen, um sich in ihrer Zuflucht versorgen zu können, gewisse Dienste anbieten.

In dieser Welt werden Frauen zu Unfreien und Unterdrückten, alles wird ihrer Fruchtbarkeit untergeordnet. Sie müssen medizinische Untersuchungen, Behandlungen und Experimente über sich ergehen lassen, ob sie wollen oder nicht. Es gibt keine freie Entscheidung. Zudem noch müssen sie mehrere Ehemänner haben. Und alles dient nur der Fortpflanzung, Freundschaft und Intimität haben keinen Platz in dieser Welt. Doch wie so oft verschaffen sich die Privilegierten einen Zugang zu eben diesen Entbehrungen. Sie nehmen die Dienste der Frauen aus der Zuflucht in Anspruch, die genau diese Lücke füllen. So werden die kleinen Rebellionen geduldet, denn im Endeffekt dienen auch sie dem System.

Dieser dystopische Roman beginnt mit einer Beschreibung des Systems. Es läuft irgendwie, nur wenige sind so unzufrieden, dass sie es wagen auszubrechen. Und doch auch in der Zuflucht dienen sie wieder dem System, denn durch ihre Dienste gibt es einen Zugang, zu der Intimität und Nähe, die das System eigentlich nicht erlaubt. Gerade die Mitglieder der Obrigkeit, unter denen sich vielleicht welche befinden könnten, die abweichen wollten, können so bei der Stange gehalten werden. Doch was, wenn einer mehr will? Wenn eine der Frauen aus der Zuflucht zu einer Gattin werden soll? Und was, wenn sie nicht will? Es entstehen Risse im System. Sowohl in der Zuflucht, wo nicht alle der Frauen die gleichen Ansichten, über ihre Heimstatt haben. Als auch bei den Herrschenden unter denen die Gierigen den Stein ins Rollen bringen und es doch zum Glück Menschen gibt, die helfenden Hände ausstrecken, um das Schlimmste zu verhindern.

Obwohl durch das Regime streng reglementiert, konnte es doch nicht verhindert werden, dass Menschen eben Menschen sind, mit Gefühlen, Wünschen, Zielen. Das ist vielleicht ein positiver Aspekt, einer, der Hoffnung weckt, wenn man diese düstere Vorstellung der Zukunft liest. Doch wie häufig, bringen gute Absichten, die im geheimen gewirkt werden, nur wenig Gutes hervor. Leute, redet miteinander, denkt man. Nur aus der ehrlichen Kommunikation kann etwas erwachsen. Nicht immer müssen oder sollten Frauen schweigen, besser ist es, wenn sie ihre Stimme erheben.