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Veröffentlicht am 15.05.2019

Kleiner Vogel

Der Schrei des toten Vogels
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Die Eltern von Labee und Nason sind arm. Sie leben in den Bergregionen Thailands. Trotz der Armut hält Labee immer zu ihrer kleinen Schwester. Als die beiden Mädchen irgendwann von Fremden abgeholt werden, ...


Die Eltern von Labee und Nason sind arm. Sie leben in den Bergregionen Thailands. Trotz der Armut hält Labee immer zu ihrer kleinen Schwester. Als die beiden Mädchen irgendwann von Fremden abgeholt werden, können sie nicht sofort ahnen, was ihnen blüht. Eine lange Schiffsreise in einem Container führt Labee schließlich nach Amerika. Von einem offensichtlich wohlhabenden Paar wird sie adoptiert und wird nun Livia genannt. Ihre Schwester Nason jedoch bleibt verschwunden. Auch noch während sie heranwächst, muss Livia einiges ertragen. Doch nie verlässt sie der Gedanke an ihre Schwester. Nach dem Schulabschluss beginnt Livia eine Laufbahn bei der Polizei.

Menschenhandel und Sexualdelikte sind die Verbrechen, die Livia mit allem Einsatz versucht, aufzuklären. Die, welche solche üblen Taten begehen, sind in ihren Augen die übelsten Verbrecher. Kaum noch haben sie eine Daseinsberechtigung. Geprägt von ihrer Herkunft, versucht Livia alles, um die Monster vor Gericht zu bringen und den Opfern zu einem besseren Leben zu verhelfen. Viele der Opfer stehen für Livia anstelle der Schwester, deren Schicksal unbekannt ist. Gerade darin verbirgt sich doch die vage Hoffnung, ihr kleiner Vogel, ihre kleine Schwester könnte noch am Leben sein. Livia wird die Suche nie aufgeben und so muss sie den Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit aufnehmen.

Einige Schilderungen in diesem ersten Roman um Livia Lone Thriller können für manche Leser schwer zu ertragen sein. Auch muss dahingestellt bleiben, ob man es gutheißen möchte, wie weit Livia geht, um die Monster auszuschalten. Ausgesprochen spannend ist dagegen ihre Suche nach ihrer Schwester und ihr eigenes tragisches Schicksal berührt. Wie verwerflich Menschenhandel in jeder Form und besonders wenn Kinder betroffen sind, wird eindeutig klar. In Rückblenden erfährt man von dem Weg nach Amerika und Livias Jugend bei den Adoptiveltern. Dies und der in der Gegenwart angesiedelte Teil der Handlung bildet einen ergreifenden Spannungsbogen. Livia Lones komplexe Persönlichkeit weckt trotz der Beschädigungen, die sie in früher Jugend erfahren musste, große Sympathie.

Veröffentlicht am 14.05.2019

Die Viererbande

Die andere Tote
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Die Ferien sind vorbei und damit auch ein etwas langweiliger Sommer. Der neue Chef unterbreitet Vera Stanhope die Aufgabe, in einem Gefängnis einen Vortrag zu halten. Vielleicht sollte sie das auf einen ...

Die Ferien sind vorbei und damit auch ein etwas langweiliger Sommer. Der neue Chef unterbreitet Vera Stanhope die Aufgabe, in einem Gefängnis einen Vortrag zu halten. Vielleicht sollte sie das auf einen der Mitarbeiter abschieben, aber nein, das macht sie selbst. In der Anstalt trifft Vera einen alten Freund ihres verstorbenen Vaters. Der verurteilte korrupte Ex-Polizist John Brace will mit ihr sprechen. Unter der Bedingung, dass Vera sich um seine Tochter Pattie kümmert, ist er bereit zu erzählen, wo die Leiche des lange verschwundenen Robbie Marshall zu finden ist. Brace, Robbie, Veras Vater Hector und der Professor - das war die Viererbande. Veras Neugier ist geweckt.

Mit Mitte fünfzig hat Vera Stanhope bei der Polizei eine gesicherte Position. Allerdings kann sie auch jederzeit gehen, sie hat immer gearbeitet und ihr steht ein Pension zu. Doch soweit ist Vera noch nicht. Es gibt Fälle zu lösen und Menschen, die ihr Interesse wecken. Vermeintlich unlösbare Rätsel, Ereignisse, die schon lange her sind, bedeuten für Vera eher eine Aufforderung, den Dingen auf den Grund zu gehen. Und durch ihre mitfühlende Art findet sie schnell Zugang zu Menschen. Dass sie der jungen Pattie hilft, nimmt sie freundlich in Kauf, um zu erfahren, was Brace zu sagen hat.

Wenn man die TV Serie zumindest in Teilen kennt, wird einem beim Lesen des Buches Vera Stanhope in Form ihrer Darstellerin Brenda Blethyn vor Augen stehen. Zwar mag es manchem lieber sein, eigene Vorstellungen zu entwickeln, doch verkörpert die hervorragende Schauspielerin ihre Figur so gekonnt, dass es kaum etwas zu beanstanden gibt. Vera ist schon ein spezieller Charakter, vielleicht nervt sie manchmal, ist bossy oder sarkastisch, doch immer strahlt sie eine Wärme aus, die einen für sie einnimmt. Mit dem vorliegenden Band macht sie sich bereits an die Lösung ihres siebten auf Deutsch erschienenen Falls. Der beginnt erstmal mit einer Aufforderung, die nicht so viel mit Polizeiarbeit zu tun hat. Doch Vera ist trotz ihrer Art eine, die sich kümmert. Und so ist es kein Wunder, dass sie in eine Ermittlung gerät, mit der sich schließlich ihr ganzes Team beschäftigt. Was ist damals mit Robbie Marshall geschehen? Noch immer ein Dorn in Veras Seite ist ihre Beziehung zu ihrem Vater, dem seine Viererbande wichtiger war als sein einziges Kind. Kein Wunder also bei den zutage tretenden Verbindungen, dass sich Vera die Sache genauestens vor die Brust nimmt. Ein Fall, der sich aus fast nichts zu einem packenden Gespinst aus Vergangenheit und Gegenwart entwickelt.

Veröffentlicht am 12.05.2019

Die normale Jasmijn

Mein Leben als Sonntagskind
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Senta ist ihre beste Freundin. Immer ist sie mit ihrer Wärme und Ehrlichkeit bei Jasmijn. Völlig unverständlich ist es für das kleine Mädchen, dass ihr Hund, ihre beste Freundin, nicht mit in die Vorschule ...

Senta ist ihre beste Freundin. Immer ist sie mit ihrer Wärme und Ehrlichkeit bei Jasmijn. Völlig unverständlich ist es für das kleine Mädchen, dass ihr Hund, ihre beste Freundin, nicht mit in die Vorschule darf. So eine Schule kann einfach nichts taugen. Jasmijn beschließt, dass die Vorschule nichts für sie ist und sie nach hause geht. Das erweist sich allerdings als schwierig, weil sie nur rechts abbiegen darf. Zum Glück wird Jasmijn von der Mutter ihrer Freundin Colette gefunden. Doch welche Aufregung hat das bei ihren Eltern verursacht. Man geht doch nicht einfach aus der Schule, erstmal schon garnicht und auch nicht, ohne Bescheid zu sagen und am allerwenigsten, wenn man erst vier Jahre alt ist.

Jasmijn ist ein wenig schüchtern oder sie ist eben so, das sagt ihre Mutter. Mütter mit ihrer allumfassenden Akzeptanz sind eben so. Sie verstehen irgendwie alles, auch wenn die Töchter Migräne bekommen, wenn zu viel auf sie einstürzt. Dagegen will Jasmijn nicht anders sein, sie wäre gerne die normale Jasmijn aus ihrem Tagebuch, die fröhlich ist und auf Menschen zugehen kann. Nicht die, die lange braucht, um sich an Neuerungen zu gewöhnen, die in helle Aufregung gerät, wenn zu viel auf sie einstürzt. Aber sie ist nun einmal so.

Den leisen Hauch einer Ahnung wie schwierig das Leben für Jasmijn ist bekommt man durch dieses Buch. Wahrscheinlich wird man wie ihre Mitmenschen nicht alles nachvollziehen können, doch man bewundert die Kraft, mit der sie versucht in einer für sie so fremden und bedrohlichen Welt zurecht zu kommen. Jasmijn möchte manchmal den Kopf in den Sand stecken, irgendwo sein, wo sie ihre Ruhe hat, doch gleichzeitig möchte sie sein wie alle anderen. Zwischen den beiden Polen die richtige Balance zu finden, ist ihre wichtigste Aufgabe. Und sie gibt nie auf, auch wenn sie so manchen Rückschlag und auch echte Schicksalsschläge hinnehmen muss. Trotz allem bleibt sie zwar ein Mensch, der manchmal schwierig einzuschätzen ist, der doch immer liebenswert erscheint und dem man helfen möchte, sich selbst zu helfen. Mit großer Intelligenz schafft es Jasmijn, sich ihr Leben so einzurichten, wie es für sie gut ist. Ergriffen liest man ihre Worte und wünscht ihr, dass es ihr immer gelingen möge, den für sie gangbaren Weg zu finden.

Ein toller gefühlvoller Roman über das Erwachsen werden, der einen packenden Einblick in die Gedankenwelt eines Kindes, jungen Mädchens, einer jungen Frau gewährt, die sich in einer Umgebung zurechtfinden muss, die ihr alles abverlangt.

Veröffentlicht am 10.05.2019

Gebunden

Die verborgenen Stimmen der Bücher
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Buchbinder ist nicht der Traumberuf von Emmett Farmer. Wegen seiner gerade überstandenen Krankheit ist er allerdings zu geschwächt, um auf dem Hof seiner Eltern vollwertige Arbeit zu leisten. Und so ist ...

Buchbinder ist nicht der Traumberuf von Emmett Farmer. Wegen seiner gerade überstandenen Krankheit ist er allerdings zu geschwächt, um auf dem Hof seiner Eltern vollwertige Arbeit zu leisten. Und so ist die Einladung der Buchbinderin Seredith, bei ihr eine Ausbildung zu beginnen, seine einzige Chance. Anfänglich fällt ihm die Lehre eher schwer, doch nach und nach bemerkt er, dass die Bücher, die Seredith bindet, etwas ganz Besonderes sind. Doch so bald vertraut die alte Dame ihrem Lehrling nicht. Den Raum, in dem die wertvollsten Bücher lagern, darf er nicht betreten. Der Tod seiner Meisterin trifft Emmett schwer.

Das Buch beginnt wie ein dystopischer Krimi. Gespannt verfolgt man Emmett, der fast schon gegen seinen Willen mit der Lehre als Buchbinder beginnt und der doch wie geschaffen scheint für diesen Job. Was allerdings hat es mit der Tätigkeit auf sich. Seredith bewahrt ihr Geheimnis bis es eigentlich zu spät ist. Doch Emmett hat einiges herausgefunden und er bohrt weiter, er will der Wahrheit auf den Grund gehen.

In drei Teilen entfaltet sich die Geschichte und ab dem zweiten Teil wartet das Buch mit Überraschungen und einer ganz anderen Storyline auf. Zwangsläufig muss man sich von Erwartungen, die der Beginn geweckt hat, lösen. Ebenso von Einschätzungen und Deutungen, mit denen man schnell bei der Hand war. Ob man Überraschungen liebt oder vielleicht einer verlorenen Handlung nachtrauert, die Autorin schafft es, wieder zu fesseln und einen nachdem man den Wechsel verdaut hat an eine herzzerreißende Erzählung heranzuführen, der es an Emotionalität nicht mangelt. Schließlich erfährt man, was mit dem Binden der Bücher auf sich hat und man sträubt sich gegen die Art, wie etwas für Zwecke gebraucht wird, gerade nicht, um dem Wohl der Beteiligten zu dienen. Um die Engstirnigkeit bewahren zu können, werden Menschen aufs Gemeinste manipuliert. Da kann man nur den Wunsch nach Wahrheit hegen und hoffen, dass die Wahrheit und die echten Gefühle siegen gegen Unterdrückung und Repression.

Eine schöne Buchüberraschung, die als Hörbuch gelesen von Frank Stieren bestens rüberkommt, deren Printausgabe so herausragend gestaltet ist, dass man sie gerne im Regal begrüßen möchte.

Veröffentlicht am 08.05.2019

Ein Löwe

Ein Sommer in Brandham Hall
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Viele Jahre sind ins Land gegangen seit dem Sommer in Brandham Hall. Als ihm sein altes Tagebuch in die Hände fällt, beginnt Leo Colston darin zu blättern und zu lesen. Nach und nach kommen die Erinnerungen ...

Viele Jahre sind ins Land gegangen seit dem Sommer in Brandham Hall. Als ihm sein altes Tagebuch in die Hände fällt, beginnt Leo Colston darin zu blättern und zu lesen. Nach und nach kommen die Erinnerungen an den Sommer, in dem er dreizehn wurde, wieder. Sein Schulfreund Marcus hatte dafür gesorgt, dass Leo über den Sommer mit zu Marcus’ Eltern durfte. Im Herrenhaus ging es schon vornehmer zu als bei Leo zu Hause. Trotzdem fühlte Leo sich gut aufgehoben und in der Familie Maudsley freundlich aufgenommen. Zwar waren Marcus Geschwister Denys und Marianne etwas älter, trotzdem schlugen sie den Jungen gegenüber einen nachlässig freundlichen Ton an.

Für eine zwölf- oder dreizehnjährigen Jungen ist die Welt noch in Ordnung. Da ist es von Wichtigkeit, jeden Tag das Barometer zu beobachten, darüber zu debattieren, ob der Sommer so weitergehen wird. Spaziergänge mit der Familie, Spaziergänge zum Baden, die Sommerhitze. Die Zeit könnte kaum schöner sein. Als Marcus für einige Tage krank das Bett hüten muss, bekommt Leo sogar ein eigenes Zimmer, damit er sich nicht ansteckt. Während dieser Tage schickt ihn Marianne immer mal wieder los, um kleine Botengänge auszuführen. Recht unbedarft wandert Leo zwischen Marianne und Ted Burgess, einem Pächter, hin und her.

Die Atmosphäre, die dieser Roman ausströmt, erinnert ein wenig an „A Room with a View“. Es ist eine Zeit, in der Standesgrenzen meist noch eingehalten werden. Die feinen Herrschaften des Landadels halten noch was auf sich und das gemeine Volk kennt seinen Platz. Und doch sind diese Grenzen nicht mehr ganz undurchlässig. Natürlich wagt es niemand zu sagen und niemand würde es zugeben, aber es kann vorkommen, dass die vermeintlich festgezurrten Grenzen verschwimmen und verschwinden. Irgendwie profitiert Leo selbst etwas davon, normalerweise würde er eher zu den verarmten Verwandten gehören. Doch weil er Marcus’ Freund ist, gehört er einfach dazu. Jemand aus dem Dorf kann nicht so einfach dazugehören. Diese unsichtbare Grenze wird eher nicht überschritten. Doch was, wenn zwei sich verlieben? Könnte diese zwei sich nicht wünschen einen Verbündeten zu haben, einen wie Leo, der nur so halb dazu gehört, der noch nicht richtig versteht, weshalb er zum Boten wird. Es wird ein unvergesslich schöner und auch tragischer Sommer für Leo, der seinem ganzen Leben eine Richtung gibt.

Die Jugend ist die schönste Zeit und gleichzeitig auch die Schlimmste. Eine Zeit, die zu überstehen ist, an die man sich später doch am liebsten erinnert. In ihr können einschneidende Ereignisse sehr prägend sein. Viele werden sich an den Sommer ihres Lebens erinnern. Dies und Leos Erinnerung an den Sommer von Brandham Hall lassen die Lektüre dieses bezaubernden Romans zu einem besonderen Genuss werden.