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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2022

Westcoast

Der Tausch – Zwei Frauen. Zwei Tickets. Und nur ein Ausweg.
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Endlich will sie ihn verlassen. Claire hat akribisch geplant. Jede Minute ist durchgetaktet. Während der Reise nach Chicago muss ihr Verschwinden geschehen. Rory soll sie nie mehr finden können. Doch kurz ...

Endlich will sie ihn verlassen. Claire hat akribisch geplant. Jede Minute ist durchgetaktet. Während der Reise nach Chicago muss ihr Verschwinden geschehen. Rory soll sie nie mehr finden können. Doch kurz vor der Reise ändert ihr Mann das Ziel, nach Costa Rica soll es gehen und all die schönen Pläne sind dahin. Oder bietet sich doch noch eine Chance? Am Flughafen lernt Claire Eva kennen. Die beiden Frauen gleichen sich vom Typ her. Und auch Eva will einen Neuanfang. Würde es auffallen, wenn sie einfach die Plätze tauschen? Eva geht zum Gate nach Costa Rica und Claire macht sich auf den Weg nach Kalifornien.

Zwei Frauen auf der Flucht. Claire will ihrem Ehemann entkommen, der anscheinend keine Ahnung hat, dass man seine Mitmenschen insbesondere die weiblichen auch gut und liebevoll behandeln kann. Auch Eva hat ein Geheimnis. In Kalifornien angekommen muss Claire schnell feststellen, dass Evas Erzählungen eigentlich in keinem Punkt der Wahrheit entsprechen. Claire bekommt es mit der Angst zu tun, zum einen, weil Evas Umfeld ein anderes ist als geglaubt, zum anderen, weil sie befürchtet, dass Rory auf verschlungenen Wegen herausfinden könnte, wo sie sich aufhält. Obwohl das nach menschlichem Ermessen eigentlich garnicht passieren kann.

In ihrem Debütroman wählt die Autorin einen spannenden Ansatz. Zwei Frauen, die ihre Geheimnisse haben, tauschen einfach mal die Plätze. Für ihr eigentliches Umfeld sind sie damit verschwunden. Doch reicht das? Eine Spannung der Ungewissheit baut sich schnell auf. Als Leser weiß man lange nicht, welche Richtung die Wege der beiden Frauen nehmen. Und daraus entwickelt man die Neugier am weiteren Verlauf der Story. Doch leider bleibt die Geschichte ohne großen Clou, der Twist, auf den man hofft, kommt nicht und der, der sich entfaltet, ist irgendwie unspektakulär. Dennoch liest sich dieser Thriller spannend und flüssig. Genau richtig für die freien Stunden nach Feierabend.

Veröffentlicht am 04.07.2022

Heckenburg

Totenspieler
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Nachdem Mark Heckenburg einen Verhaftungscoup gelandet hat, wird er zu einer Unfallermittlung geschickt. Als Mitglied der Ermittlungsgruppe für Serienverbrechen spürt der mögliche Serienverbrechen auf. ...

Nachdem Mark Heckenburg einen Verhaftungscoup gelandet hat, wird er zu einer Unfallermittlung geschickt. Als Mitglied der Ermittlungsgruppe für Serienverbrechen spürt der mögliche Serienverbrechen auf. Im beschaulichen Surrey ist ein wohl situierter Einwohner bei einem seltsamen Unfall ums Leben bekommen. Bereits vorher hat er einen Unfall nur knapp überlebt. Auch der örtlichen Polizei kommen die Umstände des Todes eigenartig vor, doch die Gerichtsmedizin hat auf Unfall entschieden. Die junge Polizistin Gail will aber nicht lockerlassen. Zusammen mit ihr bildet Mark eine Task Force aus zwei Personen.

In seinem fünften Fall bekommt es Mark Heckenburg mit einem unheimlichen Fall zu tun. Schon bei der ersten Begehung des Unfallortes findet er etwas Unerwartetes. Einen Hinweis, der einen Mord an dem reichen Mann wahrscheinlicher erscheinen lässt. Heckenburgs Zusammenarbeit mit Gail Honeyford gestaltet sich als schwieriger als erwartet. Obwohl er selbst es gewöhnt ist, sich in immer neue Teams einzufügen, eckt er mit Gail schnell an. Na, das kann ja heiter werden. Allerdings handelt es sich bei Gail um ein gewiefte Ermittlerin, trotz ihrer Jugend hat sie ihr Handwerk im Griff. Und auch sie glaubt an einen Mord. Gemeinsam suchen die beiden Beamten nach einem Motiv. Gleichzeitig bittet Mark um Informationen über mögliche weitere ebenso ungewöhnliche Todesfälle.

Bei diesem sehr gut konstruierten Thriller ist man möglicherweise etwas hin und her gerissen. Besonders zu Beginn geht es nicht so recht voran und man sucht nach einem Zusammenhang. Wenn sich die Hinweise zu einer Spur verdichten, wird es zwar sehr spannend, jedoch gleich so brutal, dass man den Beschreibungen kaum folgen möchte. Die Lösung ist dafür völlig unerwartet und beinahe unbegreiflich. Heckenburgs Vorgehensweise ist dabei sehr strukturiert und durchdacht. Mit einigen Ereignissen kann selbst er nicht rechnen. Auch wenn man sich mit einigen Aspekten nur schwer anfreunden kann, so hat man doch einen schließlich fesselnden Kriminalfall mit Wendungen, die verblüffen.

Veröffentlicht am 01.07.2022

Lockdown

Mord in der Straße des 29. November
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Es ist Lockdown in Israel. Man sollte hoffen, dass dsa Verbrechen auch im Lockdown ist. Aber nein, ein Politikerehepaar wird auf offenen Straße erschossen. Nur ihr kleiner Hund war Zeuge. Die Polizei-Psychologin ...

Es ist Lockdown in Israel. Man sollte hoffen, dass dsa Verbrechen auch im Lockdown ist. Aber nein, ein Politikerehepaar wird auf offenen Straße erschossen. Nur ihr kleiner Hund war Zeuge. Die Polizei-Psychologin Kinny kannte die Verstorbenen. Sie ist entsetzt, wer kann den nur etwas gegen das ältere Ehepaar haben. Handelt es sich um einen politischen Mord? Während des Lockdown ist Kinnys Tochter, die kurz vorm Studienabschluss steht, ist während des Lockdowns zu ihr gezogen. Dass Mutter und Tochter sich wieder näher kommen, ist eines der wenigen positiven Dinge am Lockdown. Und dann so ein sinnloser Mord.

Auf unaufgeregte, aber realistische Art und Weise nimmt der Lockdown einen großen Teil dieses Romans ein. Wie gehen die Menschen mit den plötzlichen Einschränkungen um? Welche Sorgen plagen sie bei den kleinsten Anzeichen von Erkältung? Wie gehen mit der wenigen, doch intensiven Nähe um, die ihnen geblieben ist? Und dann noch ein Mord an einer bekannten Politikerin und ihrem Mann. Und was tun, mit einem verwaisten kleinen Hund? Kann Kinny die Hintergründe zu der Tat aufdecken? Die politische Polizei reißt den Fall an sich, was den Ermittlungen nur bedingt gut tut.

Es ist sehr positiv zu bewerten, dass die Pandemie hier ganz selbstverständlich stattfindet, während sie in anderen Büchern kaum oder garnicht erwähnt wird. Auch wenn der Krimi so etwas zu kurz kommt, so ist diese realistische Darstellung der momentanen Zeit einfach toll zu lesen. Der Mord scheint zunächst unlösbar zu sein, nur um dann plötzlich gelöst zu sein. Dabei erweist sich Kinny als gewiefter als alle anderen. Trotz ihres Berufes hat Kinny auch mit eigenen Problemen zu kämpfen, was sie ihren Kunden oder Klienten als Hilfe anbieten kann, funktioniert bei selbst nur bedingt. Psychologen sind eben auch nur Menschen. Als Krimi funktioniert dieser Roman nur bedingt, aber dafür enthält er eine authentische Darstellung des Lebens in Jerusalem zur Zeit des Lockdowns.

Veröffentlicht am 29.06.2022

Ein Schmöker

Die Diplomatin
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Fred hat es geschafft. Sie ist die erste in der Familie, die studiert hat, Jura. Und sie hat noch etwas geschafft, sie ist Konsulin im diplomatischen Dienst. Mit knapp Fünfzig, eine steile Beamtenkarriere. ...

Fred hat es geschafft. Sie ist die erste in der Familie, die studiert hat, Jura. Und sie hat noch etwas geschafft, sie ist Konsulin im diplomatischen Dienst. Mit knapp Fünfzig, eine steile Beamtenkarriere. Ihr Einsatz in Montevideo ist so schön, dass es eher langweilig ist. Doch als eine deutsche Touristin stirbt, fühlt es sich wie ein Versagen an. Sieht das auch ihr Arbeitgeber so? Jedenfalls wird sie nach Istanbul versetzt. Das liegt jedenfalls mehr am Geschehen. Ein Fortschritt allerdings, der sich als trügerisch erweisen kann. Das muss Fred ziemlich schnell feststellen als sie versucht, einen türkischstämmigen jungen Mann mit deutschem Paß vor dem Gefängnis bewahren will.

Ein wenig erinnert diese Diplomatin an die TV-Diplomatin. Auch sie mischt sich ein, hat Ideale und eine gewisse Vorstellung vom diplomatischen Dienst. Allerdings kommt Fred nicht umhin zu merken, dass sich ihre Vorstellungen nicht immer in der Wirklichkeit widerspiegeln. Schon bei dem Vorfall in Montevideo, wo sie sich etwas unglücklich anstellt, spürt sie einen kleinen Knacks. Richtig auf die Probe gestellt werden ihre diplomatischen Fähigkeiten, die sie am liebsten manchmal für deutliche Worte über Bord werfen würde, jedoch in Istanbul, wo die Politik entscheidet, wer als Terrorist angesehen wird.

Ein Schmöker, sagt Elke Heidenreich. Und das ist natürlich ein Grund, das Buch sofort in die Hand zu nehmen, welches einem gerade bei der Bücherei zwischen die Finger geraten ist. Auch wenn man sich unter einem Schmöker vielleicht etwas anderes vorstellt, ist dieser Roman doch sehr spannend. Für einen Schmöker mangelt es ein wenig an Leichtigkeit und undiplomatischer Krimihandlung. Dafür bekommt man einen interessanten Einblick in den diplomatischen Dienst und einen Eindruck von den kafkaesken Verhältnissen in einem gewissen Land, wenn es darum geht, unliebsame Menschen weg zu sperren. Natürlich entscheiden dann nicht Tatsachen über den Status, sondern der politische Wille. Dass die Diplomatin beginnt, an ihrem Beruf zu zweifeln, ist irgendwie kein Wunder. Ein Stück möglicher Wirklichkeit mal aus einer ganz anderen Perspektive. Man kann gut nachvollziehen, dass das Buch Elke Heidenreich gefallen hat.

Veröffentlicht am 26.06.2022

Die Unendlichkeit

Ein Versprechen aus dunkler Zeit
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Nun ist John Rebus schon eine Weile in Pension. Wegen seiner Lungenerkrankung hat er die Gelegenheit wahrgenommen, ins Erdgeschoss zu ziehen. Etwas, worauf er wirklich keine Lust hatte, aber wenn im selben ...

Nun ist John Rebus schon eine Weile in Pension. Wegen seiner Lungenerkrankung hat er die Gelegenheit wahrgenommen, ins Erdgeschoss zu ziehen. Etwas, worauf er wirklich keine Lust hatte, aber wenn im selben Haus eine bequemere Wohnung frei wird, muss man einfach zuschlagen. Als sich seine Tochter aus dem Norden meldet und berichtet, dass ihr Lebensgefährte verschwunden ist, stehen noch die ganzen Kisten rum. Natürlich fährt Rebus trotzdem sofort los, um zu helfen. In Edinburgh ist einer der jungen reichen Schönen tot aufgefunden worden, wobei sich die Ermittlungen in diesem Mord als brisant erweisen eben wegen der Verbindungen des Verstorbenen als brisant erweisen könnten.

In seinem 23. Fall um John Rebus hat der Autor seine Protagonisten Rebus und Malcolm Fox erneut zusammengeführt. Das Verschwinden von Samanthas Lebensgefährten macht John schon zu schaffen. Die Beziehung zu seiner Tochter ist eh nicht die Einfachste und Rebus ist klar, wenn etwas Schlimmeres passiert sein sollte, wird Sam die erste Verdächtige. In Edinburgh bricht Siobhan Clarke derweil ihren Urlaub ab, in dem sie Rebus beim Umzug helfen wollte. Der Mord an dem reichen jungen Mann ist einfach zu mysteriös und warum hat die vorgesetzte Behörde Malcolm Fox geschickt, um die Nachforschungen zu unterstützen?

Zum Glück erklärt der Autor genug, damit man den Fall auch ohne Vorkenntnis der kompletten Rehei verstehen kann. Dennoch ist es günstig, wenn man sich wenigstens ein wenig in Rebus’ Welt auskennt. Zwar entwickelt sich der Fall etwas langsam, was möglicherweise eher ein Markenzeichen als ein Manko ist, aber die Zusammenhänge sind so geschickt verwickelt, dass man immer neugierig bleibt. Die Sorge um seine Tochter, ist Rebus anzumerken. Dass die Beiden darüber in Streit geraten, kein Wunder. Dennoch bleibt Rebus der Ermittler, der die Wahrheit sucht, auch wenn er tatsächlich Angst vor dem Ergebnis hat. Da haben Clarke und Fox, die sich gegenseitig belauern, mehr Distanz. Doch gerade Clarkes gradlinige Untersuchung führt immer wieder zu entscheidenden Entdeckungen. Ian Rankin steht für sorgfältig ausgearbeitete intelligente Kriminalromane, die gerne wiedergelesen werden können.