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Veröffentlicht am 02.09.2021

Hitze Afrikas

Wild Card
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Seine Tante Blossom hat ihm vor fünfzehn Jahren die Ausreise nach London ermöglicht. Und nun reist Weston Kogi zurück in sein Heimatland, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Auf der Beerdigung trifft er ...

Seine Tante Blossom hat ihm vor fünfzehn Jahren die Ausreise nach London ermöglicht. Und nun reist Weston Kogi zurück in sein Heimatland, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Auf der Beerdigung trifft er seinen alten Schulplagegeist Church, vor dem er angibt, er sei Polizist bei der Met. In Wahrheit arbeitet Weston als Wachmann in einem Supermarkt. Hätte er nur geahnt, was er damit anrichtet. Als er nach dem Leichenschmaus wieder zu sich kommt, ist Weston im Lager der Befreiungsarmee und dort bekommt er den Auftrag, einen Mord aufzuklären. Die Rückreise nach England rückt damit in weite Ferne.

So stolpert Weston Kogi, der von seinem Familienoberhaupt einst verstoßen wurde, eher unfreiwillig zum Privatermittler. Seine alte Liebe Nana hilft ihm dabei, obwohl Weston damals abgehauen ist. Das Mordopfer war auf einer Friedensmission und sollte zwischen den beiden verfeindeten Parteien vermitteln. Auf dem Weg geriet es offensichtlich in eine Sprengfalle und die Tat wurde nie aufgeklärt. Überrascht stellt Weston fest, dass damals tatsächlich einigen genau gesagt allen Indizien nicht nachgegangen wurde. Können seine Nachforschungen etwa den Bürgerkrieg positiv beeinflussen und den Friedensprozess wieder in Gang bringen? Nach und nach bemerkt Kogi jedoch, dass er möglicherweise von unterschiedlichen Parteien gesteuert wird.

Weston Kogi ist schon ein uriger Typ, der eigentlich nur widerwillig in seine Heimat zurückgekehrt ist. Sein Land in Westafrika ist zwischen verschiedenen Bürgerkriegsparteien zerrissen, von Anschlägen, Überfälle und Straßenkämpfen geplagt. Diese Umgebung bildet bei der Lektüre ein ungewöhnliches Setting, da fällt die Korruption der Machthaber kaum noch ins Gewicht. Weston fügt sich erstaunlich schnell wieder ein, er hat allerdings auch keine andere Chance. Er stolpert von einer gefährlichen Situation in die andere, da stockt einem während der Lektüre mitunter der Atem und immer weiter wird das Gänseblümchen entblättert und es treten neue Fakten ans Licht. Ehe man sich versieht, ist man schon am Ende dieses Thrillers angelangt. Leseempfehlung für einen Thriller zum Inhalieren.

Veröffentlicht am 31.08.2021

Dunkle Gasse

Slade House
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Es ist wahrlich eine dunkle Gasse, die zum Slade House führt. Und die Tür, die in den Garten führt, übersieht man leicht, wenn man nicht die Gabe hat, sie zu sehen und eine Einladung. Die wird nur alle ...

Es ist wahrlich eine dunkle Gasse, die zum Slade House führt. Und die Tür, die in den Garten führt, übersieht man leicht, wenn man nicht die Gabe hat, sie zu sehen und eine Einladung. Die wird nur alle neun Jahre ausgesprochen. Und diesmal sind es Rita Bishop und ihr Sohn Nathan, die die Tür durchschreiten und den traumhaft schönen, erstaunlich großen Garten mit dem höher gelegenen Herrenhaus betreten. Ihre Gastgeberin Norah Grayer ist ganz begeistert von der Musiksoiree, die sie geben wird und bei der Rita und Nathan spielen sollen. Und ein Spielkamerad für Nathan ist mit dem etwa gleichaltrigen Jonah auch da.

Alle neun Jahre werden Menschen ins Slade House eingeladen, in ein schönes Haus, dass eine besondere Aura verströmt. Täuscht die idyllische Stimmung, die in dem Garten herrscht? Die Gäste sollen sich wohlfühlen, so dass sie bleiben wollen. Doch die Stimmung kann auch umschlagen. In einem alten Haus gibt es dunkle Ecken, verwunschene Winkel und knarrende Stiegen. Was ist, wenn die Gäste den Weg hinaus nicht mehr finden, wenn sie das Gefühl bekommen von dem Haus oder seinen Bewohnern bedrängt zu werden?

Der Autor ist für seine klug und verschlungen konstruierten Romane bekannt. Wenn man diese rätselhaften und versponnen Bücher mag, ist man hier genau richtig. Im Vergleich mit dem Wolkenatlas gerade zu leicht zu lesen, ist diese Geschichte sehr spannend. Düster und unheimlich wie bei einer Gothic Novel erlebt man das Schicksal der Handelnden. Nicht viel Zeit bleibt einem, die Personen kennenzulernen, sie in der lichten Umgebung wahrzunehmen, schon meint man selbst das Knarren der Stiegen zu hören, das drohende Unheil herannahen zu ahnen. Bei diesem Roman wird sich die Leserin überlegen, ob sie eine Verfilmung anschauen würde. Der zu erwartende Grusel wäre wahrscheinlich allzu groß. Und den Grusel merkt man auch schon beim Lesen, was eine bestimmte Leseempfehlung darstellt.

Veröffentlicht am 30.08.2021

Der Schönheitschirurg

Das weiße Haus
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Eine lange Zeit war Elisabeth leidlich glücklich mit dem Beamten Anton. Zurzeit ist Elisabeth dabei für ihr Buchprojekt ungewöhnliche Bücher im Umland Berlins zu finden, zu fotografieren und die Eigentümer ...

Eine lange Zeit war Elisabeth leidlich glücklich mit dem Beamten Anton. Zurzeit ist Elisabeth dabei für ihr Buchprojekt ungewöhnliche Bücher im Umland Berlins zu finden, zu fotografieren und die Eigentümer zu befragen. Anton unterstützt sie dabei, zu seiner trockenen beruflichen Tätigkeit ist das eine willkommene Abwechslung. In der Nähe seiner Arbeitsstätte hat er ein ungewöhnliches weißes Haus im Bauhausstil entdeckt. Gemeinsam fahren Anton und Elisabeth dorthin. Der Besitzer, ein Schönheitschirurg namens Hanif, gibt bereitwillig Auskunft. Doch er scheint einen Narren an Elisabeth gefressen haben. Und damit brechen die kleinen Unstimmigkeiten auf, die auch vorher schon zwischen Anton und Elisabeth bestanden.

Eine Beziehung, die in Auflösung begriffen zu sein scheint. Hat Elisabeth nur darauf gewartet? Oder ist es eher Anton, der unzufrieden sowohl mit seinem beruflichen Fortkommen als auch mit der Beziehung ist? Er wollte schließlich nie heiraten, das war ihm zu spießig. Und ist es nur das Interesse an seinem Haus, was Hanif dazu bewegt, weiter Kontakt mit Elisabeth zu suchen? Durchaus bekannt ist, dass Menschen in den Vierzigern machmal ihr Leben nochmal komplett neu aufstellen. Und da kann es natürlich sein, dass einfach vier, Hanif ist verheiratet, aufeinander treffen, für die der Moment eines Neuanfangs gekommen ist.

Mit seinem vorherigen Roman „Der Freund von früher“ hat der Autor überzeugt, entsprechend gespannt ist man auf das neue Buch. Die Idee der Recherche über Architektenhäuser ist erstmal sehr ansprechend, wenn man gerne mal besondere Häuser anschaut, sei es im Netz oder beim Fahren durch die Gegend. Leider hält das Buch nicht ganz, was die Umstände versprechen. Man wünscht sich schon, dass wenigstens eine der handelnden Personen sympathisch wäre. Aber eine Frau, die ihr eigenes Projekt überfordert, ein Mann, der mit seinem Beruf hadert, aber so lange nicht den Mut hat, sich anders aufzustellen, bis es zu spät ist und es damit richtig knallt und ein weiterer Mann, der mehr viel mehr zu sein scheint als er ist. Diese Leserin gesteht zu ihrem Bedauern, dieser Roman war so leider nicht das Wahre. Lediglich die überraschende Auflösung zum Schluss kann durchaus gefallen.

Veröffentlicht am 29.08.2021

In der Seele

Der Tod und das dunkle Meer
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Im Jahr 1634 will der Generalgouverneur mit dem Schiff von Batavia nach Amsterdam reisen, um einen Sitz im Vorstand der niederländischen Ostindien-Kompanie zu werden. In diesem Zeiten ist es nie eine Spazierfahrt, ...

Im Jahr 1634 will der Generalgouverneur mit dem Schiff von Batavia nach Amsterdam reisen, um einen Sitz im Vorstand der niederländischen Ostindien-Kompanie zu werden. In diesem Zeiten ist es nie eine Spazierfahrt, doch die Fahrt auf der Saardam scheint unter einem besonders schlechten Stern zu stehen. Noch vor der Abfahrt stirbt ein Bootszimmer man unter schrecklichen Umständen und kaum losgesegelt, taucht auf dem Schiff ein seltsames Zeichen auf. Hat der Teufel dem Schiff seinen Stempel aufgedrückt? Arent Hayes soll versuchen, hinter die Ereignisse zu kommen. Dabei würde er gerne auf die Hilfe seines Förderers und Vorbilds Sammy Pipps bauen.

Gemeinsam ermitteln können die Freunde Pipps und Hayes nicht, denn Pipps ist wegen unerklärlicher Beschuldigungen in der Gefängniszelle des Schiffes gelandet. Hayes muss sich also auf eigene Faust an die Lösung des Rätsels machen. Nur kurze Momente bleiben, die Hayes beim Gouverneur erstritten hat, bleiben den Beiden zum Austausch. Besser bündeln kann Arent Hayes seine Kräfte mit der Frau des Generalgouverneurs Sara Wessel. Auch sie ist um die Sicherheit auf dem Schiff besorgt, vor allem wegen ihrer Tochter Lia. Doch die unheimlichen Begebenheit lassen sich nicht so leicht erklären oder stoppen.

Mit Spannung wurde dieser zweite Roman von Stuart Turton erwartet und der Autor hat mit seinem ersten Werk die Messlatte hoch gelegt. Wäre dieses nicht der Fall, wäre dieser neue Roman wohl zur vollen Zufriedenheit ausgefallen. So braucht man ein Weilchen sich zu befreien, um diesen Band uneingeschränkt genießen zu können. Dann hat man einen spannenden historischen Kriminalroman in einem besonderen Setting, der einige unheimliche Elemente hat. Die Enge des Schiffes trägt dazu bei, dass die Ereignisse, Gespräche und Stimmungen noch intensiver werden, die Gerüchte umso schneller um sich greifen und sich Emotionen hochschaukeln. Und so wird man langsam eingesaugt in eine Geschichte, die aus einer Mischung von verschiedenen Geschichten besteht, die sich schließlich zu einem Ganzen zusammenfügen. Auch wenn es einige unglaubliche Fügungen gibt, bleibt man immer gefesselt und ist am Schluss völlig überrascht. Und das ist doch das Beste, auf das man hoffen kann.

Veröffentlicht am 28.08.2021

Bald Schriftstellerin

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht
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Die junge Nancy Mitford, Älteste von sieben Geschwistern, möchte gerne Schriftstellerin werden. Doch mit sechzehn braucht sie erstmal ein neues Kindermädchen. Im Jahr 1920 ist es noch ungewöhnlich, dass ...

Die junge Nancy Mitford, Älteste von sieben Geschwistern, möchte gerne Schriftstellerin werden. Doch mit sechzehn braucht sie erstmal ein neues Kindermädchen. Im Jahr 1920 ist es noch ungewöhnlich, dass sie dieses mehr oder weniger von der Straße aufliest. Louisa Cannon ist heilfroh aus London wegzukommen, denn sie wird von ihrem Onkel übelst drangsaliert. Während der Fahrt zum Landhaus der Mitfords wird ihn dem Zug, mit dem auch Louisa unterwegs ist, die ehrbare Krankenschwester Florence Nightingale Shore überfallen. Sie stirbt nach wenigen Tagen im Krankenhaus. Die Ermittlungen übernimmt der junge Bahnpolizist Guy Sullivan und heimlich Nancy und Louisa.

Dies ist der erste Band von Geschichten, welche die Autorin um die Mitford-Schwestern rankt. Nancy als erste steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Sie ist forsch und unbekümmert wie jede junge Frau. Im Gegensatz zu Louisa, die nur wenig älter ist, wächst Nancy sehr wohlbehütet und gut situiert auf. Louisa ist heilfroh, dass sie die Stelle bekommt und so aus London verschwinden kann. Aber so ruhig wie erwartet ist das Leben als Gouvernante der Mitford Kinder natürlich nicht, dafür sorgt schon Nancy, die immer wieder nachbohrt, um mehr über den tragischen Todesfall in Erfahrung zu bringen. Dass Louisa Kontakt mit dem Polizisten Guy Sullivan geknüpft hat, ist durchaus hilfreich.

Der erste Band der Reihe führt die Leser und Leserinnen ist die Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg, die sowohl von den Leiden geprägt ist, die der Krieg verursacht hat, aber auch von der neuen Leichtigkeit, von der gerade die Frauen sehr profitieren. Dabei hat die Autorin der Handlung einen Rahmen gegeben, der einen interessanten Bezug in der Wirklichkeit hat. Doch zu Beginn kann man den Eindruck gewinnen, die Handlung hätte etwas gestrafft werden können. Erst nach und nach wird das Interesse geweckt und man beginnt selbst ein wenig nachzuforschen. Und so wie es langsam, aber sicher mit der Lösung des Falles vorangeht, so wird man langsam tatsächlich gefesselt und lernt die Einblicke ins Landleben einer englischen Gutsherrenfamilie zu schätzen. Auch ist es immer abschreckend welch grausame Spuren in den Seelen der Menschen ein Krieg hinterlässt. Die Autorin hat eine schöne Mischung aus Drama und behütetem Landadel geschaffen, wobei der reale Hintergrund überzeugt.