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Veröffentlicht am 08.04.2021

Der Dienstgrad

London Burning
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Bei einem vorherigen Fall ist Detective Sergeant Calil Drake unter Verdacht geraten. Zwar konnte die Sache ausgeräumt werden, aber Drake wurde degradiert und strafversetzt. Nun ist er zurück in London ...

Bei einem vorherigen Fall ist Detective Sergeant Calil Drake unter Verdacht geraten. Zwar konnte die Sache ausgeräumt werden, aber Drake wurde degradiert und strafversetzt. Nun ist er zurück in London und möchte die nächste Gelegenheit nutzen, um sich komplett zu rehabilitieren. Als er und seine Partnerin zu einem vermeintlichen Einbruch auf einer Baustelle gerufen. Vor Ort stellt sich heraus, dass in einer Baugrube zwei halb verschüttete Leichen gefunden wurden, die möglicherweise lebendig unter Tonnen von Bauschutt begraben wurden. Das könnte genau die Gelegenheit sein, auf die Drake gewartet hat.

In diesem ersten Teil einer Reihe bekommt Calil Drake die forensische Psychiaterin Dr. Rayhana Crane an die Seite gestellt. Dem Einzelgänger Drake passt das nicht so gut in den Kram, so dass aus der Zusammenarbeit eher ein Nebeneinander wird. Erst nach einer Weile merken die bieden, dass sich ihre Arbeitsansätze ergänzen. Die Bearbeitung des Falles gestaltet sich schwierig, denn zunächst kann nur eines der Opfer identifiziert werden. Bei diesem handelt es sich um die Ehefrau des Bauunternehmers. Die Lage der Baustelle und damit des Tatorts erinnert Drake an seine eigene Jugend, denn er ist in einer nahegelegenen Sozial-Wohnsiedlung aufgewachsen.

Calil Crane als leistungsstarker aber karrieremäßig abgehängter Polizist mit schwierigem sozialen Hintergrund. Aus einfachsten Verhältnissen hat er sich erst bei der Armee und dann bei der Polizei hochgearbeitet und ist doch der Außenseiter geblieben, der mitunter zum Sündenbock gemacht wird. Etwas zu viel wird hierauf herum geritten. Und auch die Erkenntnis, dass Drake und Crane sich beruflich gut ergänzen, kommt etwas spät. Hinzu kommt, dass die Merkwürdigkeit einiger Begegnungen einem als Leser auffällt, den Ermittlern aber nicht. Dass dieser Kriminalroman als Reihenbeginn trotzdem lesenswert erscheint, liegt an den Milieuschilderungen der vergessenen Jugendlichen aus der Sozialsiedlung und deren rechtsgerichteten Gegenspielern. Und schließlich gewinnt dieses Buch auch, wenn man im Verlauf erkennt wie Drake und Crane zusammenwirken. Die logische Schlussfolgerung zum Ende dieses Romans macht dann auch neugierig auf den Folgeband.

Veröffentlicht am 05.04.2021

Jochen der Rochen

Über Menschen
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Der erste Lockdown in der Corona-Pandemie läuft. Die Menschen sind alle irgendwie seltsam geworden. Jeder hat Recht und es wird nicht miteinander geredet. Robert, Doras Freund ist besonders überzeugt, ...

Der erste Lockdown in der Corona-Pandemie läuft. Die Menschen sind alle irgendwie seltsam geworden. Jeder hat Recht und es wird nicht miteinander geredet. Robert, Doras Freund ist besonders überzeugt, dass das Klima gerettet werden muss und die Corona-Maßnahmen einzuhalten sind. Dora hat vor einiger Zeit ein heruntergekommenes Haus in Brandenburg erworben und nun nimmt sie ihren kleine Hündin Jochen und zieht aufs Land. Auch dort sind die Menschen seltsam, aber anders. Will Dora dort bleiben? Immerhin kann sie jederzeit in die Stadt, wenn sie denn irgendwelche öffentlichen Verkehrsmittel findet. Erstmal fängt sie an, ein Gemüsebeet anzulegen und dann wird sie weitersehen.

Das Landleben in Brandenburg hat nicht so einen guten Ruf. Zu oft liest man von den Rechten, die dabei sind dort die Oberhand zu gewinnen. Doch lauert wirklich an jeder Ecke ein Rassist? Eines merkt Dora schnell. Eine verschlossene Tür bedeutet hier nicht viel. Sie müht sich auf ihrem viertausend Quadratmeter Grundstück ab. Und plötzlich muss sie sich fragen, ob sie unter die Heinzelmännchen geraten ist. Der Garten wird gerodet, ein Bett wird gebaut. Etwas beängstigend. Froh ist Dora, dass ein Nachbar die Straße runter sie nach dem Einkaufen mitnimmt. Sie beginnt zu verstehen, wieso in ländlichen Gegenden die meisten Leute ein Auto haben.

Der neue Roman beginnt mit einer Beschreibung des Lebens in der heutigen Pandemie-Zeit. Die Lektüre nimmt dabei etliche Stunden in Anspruch, weil man dasitzt und denkt: eher nicht, vielleicht oder stimmt, stimmt genau. Man ist im positiven Sinne gezwungen zu reflektieren und nicht nur über die Pandemie, sondern auch über den Umgang der Menschen untereinander. Das Bild ist trostlos und die Frage, wie man wieder zu einer zugewandten Kommunikation kommen könnte, kann nicht einfach beantwortet werden. Doch als Dora so langsam von dem Dorf und seinen Menschen auf- und eingenommen wird, wird man beim Lesen auch in die Handlung hineingesogen. In der Anonymität der Stadt kann man sich seine Freunde aussuchen. Die Nachbarn im Dorf sind einfach da und man sollte versuchen, sie zu nehmen. Wie schwierig das sein kann, merkt man an Doras Beispiel. Auch wenn das Buch die Welt nicht ändert, so wäre es doch ein guter Ansatz sich selbst zu ändern.

Veröffentlicht am 04.04.2021

Große Schlange

Frostmond
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In Kanada verschwinden seit längerem junge Frauen indigener Herkunft. In den Fällen wird meist nicht intensiv ermittelt. Als jedoch die erst 15jährige Jeanette in Montreal tot aufgefunden wird und die ...

In Kanada verschwinden seit längerem junge Frauen indigener Herkunft. In den Fällen wird meist nicht intensiv ermittelt. Als jedoch die erst 15jährige Jeanette in Montreal tot aufgefunden wird und die Presse berichtet, wird zunächst der örtliche Ermittler Jean-Baptiste LeRoux mit dem Fall befasst. Ihm wird der englischsprachige Ted Garner an die Seite gestellt. Sie schaffen es, die Tote zu identifizieren und sie machen sich auf den Weg in das heimatliche Reservat des Mädchens, um dort mehr über die Tote zu erfahren. Dies jedoch erweist sich als schwierig, da die Bewohner nicht geneigt sind mit den Weißen zusammenzuarbeiten.

Der schlecht gelaunte, zwar verheiratete, aber fremden Frauen nicht abgeneigte LeRoux mit seinem Bauchgefühl und der kühle, kopfgesteuerte Garner bilden ein ungleiches Paar, dass nur widerwillig zusammenarbeitet. Und doch ergänzen sie sich mit ihren unterschiedlichen Ansätzen. In Anbetracht dessen wie wenig sich die Weißen für das Leben der Indigenen interessieren, ist es kein Wunder, dass sich die Ermittlungen schwierig gestalten. Die beiden Beamten treffen auf Schweigen. Dennoch rühren sie etwas auf, denn der Cousin des Opfers beginnt sich an die Zeit mit Jeanette zu erinnern, die wie eine kleine Schwester für ihn war. Er hätte ihr helfen müssen.

In einen spannenden Kriminalfall eingebettet schildert die Autorin, wie die Menschen indigener Herkunft in Kanada ihr Leben fristen. Zwar gibt es die wenigen Ausnahmen derer, die die Gratwanderung zwischen zwei Welten schaffen, doch die Mehrzahl derer, die indianischen Stämmen angehören erscheinen von der gesellschaftlichen Entwicklung abgehängt. Und das bei einem Land, das doch sehr fortschrittlich wirkt. Eine überraschende Erkenntnis, die betrübt. Darüber hilft zwar der witzige und teilweise bissige Tonfall des Romans hinweg und auch die packende Handlung überzeugt, aber das Grundthema bleibt und arbeitet in einem. Sollten die Ureinwohner nicht wenigstens genauso geschätzt werden wie die Einwanderer, wenn nicht mehr? Ein nachdenklich stimmender Roman, der sich als informativ und lesenswert erweist.

Veröffentlicht am 03.04.2021

Ein Hörfest

Mordsand
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Am Strand einer kleinen Elbinsel werden Knochen gefunden. Zunächst ist nicht einmal klar, ob es sich um menschliche Überreste handelt, doch leider klärt sich diese Frage schnell. Jemand wurde in sitzender ...

Am Strand einer kleinen Elbinsel werden Knochen gefunden. Zunächst ist nicht einmal klar, ob es sich um menschliche Überreste handelt, doch leider klärt sich diese Frage schnell. Jemand wurde in sitzender Stellung und mit gefesselten Händen vergraben. Doch nach einer langen Liegezeit kann der Gerichtsmediziner nicht viel zu dem Toten sagen. Nur wenig später wird erneut ein Toter auf einer anderen Elbinsel gefunden, unter ähnlichen Umständen, doch diesen hat sein Schicksal erst vor kurzem ereilt. Dieser Fall gibt Frieda Paulsen und Bjarne Haverkorn von der Polizei Itzehoe Rätsel auf. Nach akribischen Ermittlungen führt eine Spur in die ehemalige DDR.

Zum vierten Mal ermitteln Bjarne Haverkorn und Frieda Paulsen zusammen. Bjarne kümmert sich um seine Tochter, die nach einer Operation noch nicht ganz wiederhergestellt ist. Und Frieda hat sich daran gemacht, ihren Eltern bei der Renovierung des Obsthofes zu helfen. Die Verarbeitung der Ernte hat ein Nachbar übernommen, so dass eine Halle leer steht. Frieda hofft, dass dort ein Box-Studio entstehen kann. Es läuft also und die beiden Polizisten können ihre ganze Kraft für diesen kniffeligen Fall verwenden. Sollte eines der Opfer tatsächlich in der ehemaligen DDR aufgewachsen sein?

Dieses Hörbuch wird hervorragend vorgetragen von Michael Mendl, der dem schon etwas älteren Bjarne Haverkorn die richtige Knarzigkeit verleiht. Ein Buch, dass man wirklich gerne hört und für das man ebenso gerne zusätzliche Hörstunden einplant, weil man wissen will, was und wer hinter den Morden steckt. Die Beamten decken eine packende Geschichte aus der Vergangenheit der DDR auf, die sehr nachdenklich macht. In diesem Staat wurden Menschen nicht immer gut behandelt. Sicher kann man sich nicht aufs hohe Ross setzen und sagen: „Die“, doch man schluckt schon, ob der Taten von Staats wegen und welche Auswirkungen sie hatten. Mit diesem Kriminalroman hat die Autorin ein beeindruckendes Leseerlebnis geschaffen, das nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.

Veröffentlicht am 30.03.2021

Killer gesucht

The Final Hour
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Raven wurde umgebracht, jedenfalls hat sie die Vergiftung nur sehr knapp überlebt und nach sehr langer Rekonvaleszenz sinnt sie nach Rache. Der Auftragsmörder Victor schwebt nicht nur deswegen in Gefahr. ...

Raven wurde umgebracht, jedenfalls hat sie die Vergiftung nur sehr knapp überlebt und nach sehr langer Rekonvaleszenz sinnt sie nach Rache. Der Auftragsmörder Victor schwebt nicht nur deswegen in Gefahr. Seine Verbindung zur CIA könnte aufgeflogen sein. Ein Mitarbeiter des Dienstes, der sich selbst ein wenig abgehängt fühlt, möchte sich profilieren, indem er Victor ausfindig macht und seine Kontakte auffliegen lässt. Procter, der noch nicht von seiner Verletzung genesen ist, hat schon etwas dagegen. Ob er Victor schützen kann, ist allerdings noch ungewisse.
Kann es für Victor Sinn machen, mit Raven zusammenzuarbeiten, um der Gefahr zu entgehen.

Im Laufe seines siebten Auftritts kommt es diesmal recht dick für Victor. Jemand will ihm tatsächlich an den Kragen und die Chance dazu steht nichtmal so schlecht. Aber Victor weiß sich zu wehren, was zu einigen unerwarteten Todesfällen führt, aber auch zur Rettung einiger Menschen. Sollte Victor sich wieder mit Raven zusammentun, deren Fähigkeiten, was das Ausschalten anderer Leute angeht, sich durchaus mit seinen messen können. Auch Raven könnte ein Interesse an einer Zusammenarbeit haben, denn während ihrer Genesungsphase, wäre sie fast dem nächsten Killer zum Opfer gefallen und hier gilt es den Ursprung zu finden.

In diesem siebten Band der Reihe gibt es etliche Bezüge auf die Vergangenheit des Killers. Und wenn man diese nicht komplett gelesen hat, wird es doch etwas mühsam, sich das Puzzle zusammenzusetzen. Möglicherweise ist es daher empfehlenswert, sich die Bände folgerichtig vorzunehmen. Ohne das Hintergrundwissen wirkt dieser Band etwas konfus und ziellos, was wie erläutert vielleicht eher am Leser liegt. Dennoch war das Vergnügen nicht so groß wie bei den bekannten Bänden um Victor, den Killer. Es bleibt aber dabei, dass es sich bei dem Konzept des umsichtigen Killers, der durchaus mal ein Herz für Opfer hat, eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen Spannungsromanen handelt.