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Veröffentlicht am 22.03.2024

Süden ohne Süden

Lichtjahre im Dunkel
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Die Bücher von Friedrich Ani sind für mich immer Höhepunkte des Lesejahres, nur bei diesem Buch war es leider anders.
Schon der Aufdruck "Roman" auf dem Schutzumschlag weist darauf hin, dass es sich nicht ...

Die Bücher von Friedrich Ani sind für mich immer Höhepunkte des Lesejahres, nur bei diesem Buch war es leider anders.
Schon der Aufdruck "Roman" auf dem Schutzumschlag weist darauf hin, dass es sich nicht um einen Krimi mit dem Privatermittler Tabor Süden handelt, den man aus vielen Büchern von Friedrich Ani kennt.
Als Leo Ahorn verschwindet, wartet seine Frau Viola ein paar Tage, bevor sie Süden einschaltet, um Leo suchen zu lassen. Doch Süden hat keinen Erfolg. Stattdessen wird Leos Leiche in einem Kofferraum entdeckt, Fariza Nasi (auch eine alte Bekannte) ermittelt. Süden verschwindet damit von der Bildfläche.
Das Buch liest sich sehr zäh, manchmal fielen mir wirklich die Augen zu. Verspricht der Anfang des Buches noch so etwas wie Spannung, dümpelt der Text später sehr langatmig vor sich hin und ich musste mich fast zwingen weiterzulesen.
Positiv sind wieder die wunderbaren Formulierungen, die sensible Herangehensweise und das tiefe Verständnis, das Ani für seine Figuren aufbringt. Er verurteilt nicht, er beobachtet und beschreibt sehr genau. Sätze wie "Ihr maßlos hilfloser Blick barmte ihn." findet man heute nicht mehr in Büchern, sie begeistern mich immer wieder. Ähnliche Formulierungen findet man oft und man muss sie eigentlich mehrfach lesen. Diese Qualität ist Anis großer Pluspunkt.
Leider hat mich das Buch insgesamt enttäuscht. Zu Anis unbestreitbarer schriftstellerischer Qualität findet sich in diesem Buch leider keine Geschichte, die mich erfreute. Wirklich schade!

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Veröffentlicht am 20.03.2024

Neue Sichtweise

Ein Garten offenbart sich
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Katrin de Vries hat einen großen Garten in Ostfriesland und beschreibt in diesem Buch ihren Weg hin zu mehr Natürlichkeit in der Gartenbearbeitung. Eingestreut in das Buch sind immer wieder Erinnerungen ...

Katrin de Vries hat einen großen Garten in Ostfriesland und beschreibt in diesem Buch ihren Weg hin zu mehr Natürlichkeit in der Gartenbearbeitung. Eingestreut in das Buch sind immer wieder Erinnerungen an ihre Großeltern, die ebenfalls einen großen Nutzgarten bewirtschafteten, aber darauf angewiesen waren, dass sie sich von seinem Ertrag ernähren konnten.

Als de Vries das Grundstück übernimmt, ist es verwildert, aber die alte Struktur ist noch zu erkennen. Mit Hilfe ihrer Familie wirtschaftet sie zuerst ganz konventionell, mit Rasen, geordneten Beeten und alles Beikraut muss entfernt werden. Langsam lernt sie mehr Gelassenheit, mäht den Rasen nicht mehr, lässt mehr und mehr Beikräuter zu und beobachtet genau, was in Flora und Fauna geschieht. Schließlich arbeitet die mit der Natur statt gegen sie und der Garten wird ein Naturparadies.

Auch wenn ich in meinem kleinen Garten nicht alles umsetzen kann, was de Vries macht, so gibt mir das Buch doch wertvolle Anregungen, genauer hinzusehen, mehr Natur zuzulassen und insgesamt mehr Geduld zu haben. Diesen Ansatz mag ich, denn auf Dauer lohnt es sich für Menschen und Natur nicht zu oft einzugreifen, Lebensräume für Tiere zu schaffen und Natur auch mal Natur sein zu lassen. Es muss nicht alles ordentlich und diszipliniert sein. Das Buch bestärkt mich in dieser Ansicht. Auch die Erinnerungen an die Gartenbearbeitung vor 50 Jahren decken sich mit meinen kindlichen Erfahrungen auf dem Land.

Ein hervorragendes Buch, das mir viele Anregungen gegeben hat!

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Veröffentlicht am 17.03.2024

Unbekanntes Frauenschicksal

Die Entflammten
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Es ist das Verdienst von Simone Meier, die mir und vielen anderen Leserinnen und Lesern sicher bisher unbekannte Jo van Gogh-Bonger mit diesem Buch ins Rampenlicht geholt zu haben.

Vielleicht würde heute ...

Es ist das Verdienst von Simone Meier, die mir und vielen anderen Leserinnen und Lesern sicher bisher unbekannte Jo van Gogh-Bonger mit diesem Buch ins Rampenlicht geholt zu haben.

Vielleicht würde heute niemand mehr Vincent van Gogh kennen, hätte diese Frau nicht nach seinem Tod dafür gekämpft seine Bilder an Museen und Sammlungen zu verkaufen und Vincent damit einem großen Kreis bekannt zu machen.

Schon das Titelbild stelllt die Beziehung zu dem großem Künstler her, seine Sonnenblumen sind unverkennbar. Allerdings erfordert das Buch einige Konzentration, denn zwei Frauen stehen im Mittelpunkt der Geschichte, neben Jo ist es die Kunsthistorikerin Gina, die eine Arbeit über Jo schreiben will. Unvermittelt wechselt Meier zwischen den beiden Frauen und auch das fast vollständige Fehlen von wörtlicher Rede macht das Buch nicht einfach zu lesen. Es spricht eher die Sachebene an als die Emotionen, darauf muss man sich einstellen und es weißt auch auf Meiers Herkunft aus dem Journalismus hin.

Jo Bonger lernt Theo van Gogh durch seine Schwester kennen und heiratet ihn, aber zugleich "heiratet" sie auch Theos Bruder Vincent, der im Grunde eine verkrachte Existenz ist. Er malt wie im Wahn, schneidet sich irgendwann ein Ohr ab und landet im Irrenhaus. Theo hilft ihm, wo er kann, finanziell, emotional, im Grunde ist es eine Ehe zu dritt. Tragischerweise stirbt Theo nur ein Jahr nach Vincent und Jo muss sich und den kleinen Sohn allein durchbringen. Dabei helfen ihr die Bilder, die sie geschickt an Museen und Kunsthändler verkauft. Sie wird eine wohlhabende Frau, aber privat scheitert ihre zweite Ehe und sie wird nie wieder so glücklich wie mit Theo.

Mir hat es beim Lesen des Buches geholfen, dass ich viel über Vincent van Gogh wusste und auch schon einige der Orte besucht habe, an denen er gelebt hat. Dadurch konnte ich alles gut einordnen und der sachliche Stil, der in anderen Rezensionen beklagt wurde, hat mich nicht gestört. Für mich gab das Buch viel Hintergrundwissen, das ich sehr spannend fand.

Insgesamt fand ich das Buch gut, es entsprach meinen Erwartungen und ich vergebe vier Sterne.

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Veröffentlicht am 07.03.2024

Zurück in die Jugend

Wir werden jung sein
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Wie wäre es, plötzlich wieder acht Jahre jünger zu sein? Diese Erfahrung machen die vier Probanden einer Medikamentenstudie der Berliner Charité, die an Herzproblemen leiden und deren Leben nicht mehr ...

Wie wäre es, plötzlich wieder acht Jahre jünger zu sein? Diese Erfahrung machen die vier Probanden einer Medikamentenstudie der Berliner Charité, die an Herzproblemen leiden und deren Leben nicht mehr wirklich lebenswert ist. Der sechzehnjährige Jakob wird wieder zum achtjährigen Kind und bekommt Probleme mit seiner Freundin. Die Lehrerin Jenny wird plötzlich schwanger, obwohl sie längs die Hoffnung aufgegeben hatte. Die Schwimmerin Verena bricht alle Rekorde und der alte Immobilienmakler Wenger verspürt zum Leidwesen seiner Kinder plötzlich wieder neuen Elan.
Als die Wirkung des Medikaments ans Licht der Öffentlichkeit gelangt, werden natürlich gleich Begehrlichkeiten geweckt. Darf man das? Welche ethischen Probleme kommen auf die Menschheit zu?
Maxim Leo hat ein lesenswertes Buch zu einem heißen Thema geschrieben. Es ist spannend, manchmal lustig und oft genug tragisch. Es regt zum Nachdenken an und zeigt, dass alles viel schwieriger wird, wenn der Mensch in die Natur eingreift. Der Traum der Menschheit von ewiger Jugend sollte also lieber ein Traum bleiben.

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Veröffentlicht am 15.02.2024

Kurzweilig

Die Wundersammler
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Das ist ein ganz ungewöhnliches Buch. Zusammen mi der Doktorandin Paula und dem Priester Benedikt reist man durch Europa auf der Suche nach dem Phänomen der Wunder Dabei trifft man auf ganz unterschiedliche ...

Das ist ein ganz ungewöhnliches Buch. Zusammen mi der Doktorandin Paula und dem Priester Benedikt reist man durch Europa auf der Suche nach dem Phänomen der Wunder Dabei trifft man auf ganz unterschiedliche Menschen, die auch einen ganz unterschiedlichen Zugang zu Wundern haben. Ganz nebenbei lernt man verschiedene Ansätze kennen und verstehen.

Das Buch ist sehr locker und gar nicht verkopft geschrieben. Es macht Spaß den beiden Hauptfiguren zu folgen und ihre Gedanken und Probleme kennenzulernen. Und davon haben beide reichlich! Mich erinnerte das Buch etwas an "Sofies Welt" , denn auch dort wurde die sonst so schwierige Philosophie leicht vermittelt.

Auf jeden Fall lesenswert!

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