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Veröffentlicht am 06.05.2026

Märchenstunde

Mit anderen Augen
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Eines Tages bemerkt Tilda Finch, dass ihr kleiner Finger unsichtbar ist. Er ist noch da, sie kann ihn fühlen, aber nicht sehen. Dann sieht sie plötzlich ihr Ohr nicht mehr, ihr Hals wird verschwommen. ...

Eines Tages bemerkt Tilda Finch, dass ihr kleiner Finger unsichtbar ist. Er ist noch da, sie kann ihn fühlen, aber nicht sehen. Dann sieht sie plötzlich ihr Ohr nicht mehr, ihr Hals wird verschwommen. Diagnose: Unsichtbarkeit! Tilda ist verzweifelt, denn sie ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau und was sollen die Leute sagen? Doch dann stellt sie fest, dass sie nicht allein mit ihrer Diagnose ist, vielen Frauen ergeht es so und manche sind vollständig unsichtbar geworden. Aber was tun? Selbsthilfegruppe, Meditation, ein neuer Mann im Leben - was hilft? Tilda beginnt ihr Leben auszumisten und sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Die Idee des Buches hat mir von Anfang an gefallen. Denn Frauen ab einem bestimmten Alter wissen, dass sie in der Gesellschaft zunehmend unsichtbarer werden. Sei es als Schauspielerin, die nicht mehr besetzt wird, in Betrieben, in denen jüngere Männer auf der Karriereleiter an ihnen vorbeiziehen oder in vielen Alltagssituationen, jede ältere Frau kennt das. Leider gleitet das Buch nach hundert Seiten in eine Art Selbsthilferatgeber ab. Tilda entdeckt in sich wahre Wunderkräfte und kann sich und anderen Frauen helfen wieder sichtbarer zu werden. Das Buch wird damit zunehmend unrealistischer. Dazu kommt noch eine kitschige Liebesgeschichte, die ich nicht gebraucht hätte, die aber sicher die Generation anspricht, die auf New Romance-Bücher abfährt.

Schade, dass das Buch nicht beim Thema bleibt. Je länger ich gelesen hab, umso schwerer fiel mir die Lektüre. Das wichtige Thema wird leider verschenkt.

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Aktuelles Thema

Das Gesetz der Elite
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Dieses Buch habe ich in nur zwei Tagen verschlungen. Es greift ein aktuelles Thema unserer Zeit auf, nämlich den ungeheuren Reichtum, den wenige Menschen anhäufen, und welche Macht ihnen das verleiht.
Colomba ...

Dieses Buch habe ich in nur zwei Tagen verschlungen. Es greift ein aktuelles Thema unserer Zeit auf, nämlich den ungeheuren Reichtum, den wenige Menschen anhäufen, und welche Macht ihnen das verleiht.
Colomba Caselli und Dante Torre sind schon in den vorherigen Büchern des Autors aufgetaucht und nun gibt es eine Fortsetzung ihrer ungewöhnliche Beziehung. Das Buch greift immer wieder in kurzen Rückblicken die Vergangenheit auf.
Caselli wird als Privatermittlerin zum Tod eines Ex-Fußballers hinzugezogen, der in seiner Kryosauna starb. War es ein Unfall? Caselli und Torre glauben nicht daran. Kurze Zeit später gibt es eine zweite Leiche, ebenfalls wie der Fußballstar sehr reich an Geld und Einfluss.
Das Buch gibt spannende Einblicke in eine Welt, in der Geld keine Rolle spielt, sondern Macht und Einfluss alles ermöglichen. Alles und Jeder sind käuflich, Menschen werden hin und her geschoben wie Schachfiguren. Das fand ich erschreckend, zumal es keinerlei Rücksicht auf die Umwelt gibt. Da sollen im Eis der Antarktis Wohnungen gebaut werden für die Zeit, wenn sich die Erde zu sehr erhitzt, betrieben von Sklaven, die den Reichen ein sorgenfreies Leben ermöglichen. Leichen werden in Eis konserviert, um sie später zu klonen oder ihre Krankheiten mit neuen Methoden heilen zu können. Dass solche Pläne nicht nur der menschlichen Fantasie entspringen, zeigen die Pläne von Elon Musk, Menschen auf dem Mars anzusiedeln, wenn die Erde unbewohnbar ist.
Das Buch ist wegen der ungewöhnlichen Protagonisten, aber auch wegen der außergewöhnlichen Mordmethoden sehr spannend bis zur letzten Seite. An wenigen Stellen ist die Übersetzung etwas holprig, aber insgesamt ist das Werk gut zu lesen.
Ein richtig guter Krimi und dabei sehr aktuell!

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Langatmig

Summer Heat
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Mia flieht aus ihrem Job bei einer Bank und heuert in einem vornehmen Resort an der Algarve als Yogalehrerin an. Was zuerst wie ein Traumjob klingt, entpuppt sich als Alptraum. Die Unterkunft ist karg, ...

Mia flieht aus ihrem Job bei einer Bank und heuert in einem vornehmen Resort an der Algarve als Yogalehrerin an. Was zuerst wie ein Traumjob klingt, entpuppt sich als Alptraum. Die Unterkunft ist karg, die Arbeitszeiten lang, die Gäste dürfen das Personal nicht wahrnehmen. Der einzige Lichtblick ist der Barkeeper Yanis, mit dem Mia sich anfreundet und eine Beziehung beginnt. Als nach einer illegalen Strandparty ein Mitarbeiter verschwindet, wird die Lage schlimmer und nach und nach erkennt man, dass Mia nicht zufällig in diesem Resort arbeitet.
Das Buch ist nicht schlecht geschrieben, aber ein guter Lektor hätte es um mindestens hundert Seiten gekürzt. Bis es richtig spannend wird, dauert es sehr lange. Immer neue Befindlichkeiten von Mia und Yanis, die sich mal mehr oder weniger nahe sind, über ihre Beziehung nachdenken, hin und her gerissen sind. Dabei gewinnt man nur wenige neue Erkenntnisse. Erst ganz am Schluss kommt endlich Spannung auf.
Schade, der Plot hätte mehr hergegeben!

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Reiche Menschen

Noch fünf Tage
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Lis arbeitet in London in einem sehr angesagten und sehr teuren Sternelokal, bis sie eines Tages gefeuert wird, weil der Chef einen Fehler gemacht hat und ihr die Schuld in die Schuhe schiebt. Doch dadurch ...

Lis arbeitet in London in einem sehr angesagten und sehr teuren Sternelokal, bis sie eines Tages gefeuert wird, weil der Chef einen Fehler gemacht hat und ihr die Schuld in die Schuhe schiebt. Doch dadurch bekommt sie die Chance für einen der reichsten Männer der Welt und seine Familie zu arbeiten und mehr Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen. An Silvester kocht sie ein ganz besonderes Menü, wenig später ist die Familie tot und auch Lis hat nur noch fünf Tage zu leben. Vom Krankenbett aus versucht sie in Erfahrung zu bringen, wer ihr das angetan hat, doch die Zeit wird knapp.
Das Buch ist sehr ungewöhnlich, der Plot hervorragend. Man erfährt über die Arbeit für die Reichen und Schönen, denen jeder Wunsch sofort von den Augen abgelesen werden muss. Das Personal wird zwar geschätzt, so lange es spurt, die Menschen werden aber letztendlich doch wie Sklaven behandelt, die man scheuchen kann.
Lis muss sich mit ihrem eigenen Tod auseinandersetzen, was ihr nicht leichtfällt, und mit der Zukunft ihrer Tochter, die bei ihrem Ex-Mann wahrscheinlich nicht gut aufgehoben ist. Bei allem hilft ihr Esme, eine Krankenschwester, die sie betreut.
Durch die Vielzahl der Aspekte ist das Buch sehr abwechslungsreich, ist aber trotzdem so gut strukturiert, dass man es leicht lesen kann. Dazu kommt die Spannung, die bis zum Schluss anhält.
Ich könnte mir das Buch gut als Vorlage für einen Film vorstellen. Aber vorher muss man es unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Tragisch

Ein Ort, der bleibt
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Sandra Lüpkes hat früher Krimis geschrieben, die vorwiegend an der Nordsee spielen, aber seit einigen Jahren hat sie sich historischen Romanen zugewandt, die sich mit realen Personen in der ersten Hälfte ...

Sandra Lüpkes hat früher Krimis geschrieben, die vorwiegend an der Nordsee spielen, aber seit einigen Jahren hat sie sich historischen Romanen zugewandt, die sich mit realen Personen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befassen. Nachdem mir "Die Schule am Meer" sehr gut gefallen hatte, wollte ich unbedingt auch ihr neues Buch lesen.
Das Buch nimmt uns mit nach Istanbul. Dort baut sich der Genetikprofessor Alfred Heilbronn 1933 eine neue Zukunft auf, nachdem er in Deutschland nicht mehr erwünscht war.
Im Vordergrund des Buches stehen allerdings die Frauen, die alle mit dem Botanischen Garten in Istanbul zu tun hatten, den der Professor hat anlegen lassen.
Magda, Alfreds Ehefrau und ebenfalls promovierte Biologin, hat sich in das Hausfrauendasein zurückgezogen und kümmert sich um die beiden Kinder. Allerdings ist sie immer noch interessiert an biologischen Fragen und ihrem Mann eine wertvolle Gesprächspartnern.
Im Institut wird Heilbronn von Mehpare unterstützt, einer ehrgeizigen Biologin, die ihm hilft die Flora der Türkei zu kartieren und den Botanischen Garten aufzubauen.
In der Jetztzeit reist Imke nach Istanbul, dort soll sie mit einem Kollegen ein Gutachten über den jetzigen Zustand des Garten schreiben und findet viele Spuren zu den Heilbronns.
Das sind drei unterschiedliche Frauen, die aber alle ihre Stärken und Schwächen haben und die von Lüpkes realistisch, aber liebevoll geschildert werden. Aber auch die politischen Verhältnisse in der damaligen und in der heutigen Türkei kommen zur Sprache ebenso wie der Einfluss von diktatorischen Regimes damals und heute.
Das Schicksal der so verschiedenen Frauen hat mich bewegt und zum Nachdenken angeregt. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst!

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