Roman | »Ein originelles Debüt, das vor schillernder Sprache nur so sprüht« Bernardine Evaristo
Stephan Kleiner (Übersetzer)
Auf Muckle Flugga, der nördlichsten bewohnten Insel der Shetlands, leben einzig ein Leuchtturmwärter und sein Sohn, der wundersame Ouse. Seit dem Tod seiner Mutter ist Ouses letzter wahrer Freund der Geist des Schriftstellers Robert Louis Stevenson. Nur im Gespräch mit ihm und in seinem Atelier, in dem er die farbenfrohesten Pullover strickt, findet er Zuflucht vor seinem hartherzigen Vater. Als Firth, ein schwermütiger Autor aus Edinburgh, sich in eine Hütte auf der Insel einmietet, zieht ein Sturm über Muckle Flugga auf. Firth, der seine vermeintlich letzte Reise angetreten ist, um den Lieblingsvogel seines Großvaters zu finden und zu malen, entdeckt Ouses künstlerisches Talent und freundet sich mit dem jungen Mann an. Ein Tauziehen zwischen dem Vater und Firth beginnt. Wären Ouse und seine Begabung nicht viel besser in einer Stadt wie Edinburgh aufgehoben? Firth möchte seinen neuen Freund befreien: von der einsamen Insel und seinem kontrollierenden Leuchtturmwärter. Doch kann Ouse den Vater und diesen nahezu magischen Ort wirklich hinter sich lassen? Er muss eine Entscheidung fällen, die selbst die Gezeiten auf Muckle Flugga für immer verändern könnte.
»Ein kaleidoskophaftes, sprachlich kühnes Werk voller funkelnder Metaphysik, unterfüttert von der ehrwürdigen Suche nach Freude, Erlösung und der Macht des Ortes.« OCEAN VUONG
Da ich Leuchttürme liebe, habe ich mich für das Buch mit dem wirklich schönen Cover entschieden, obwohl mich die Zusammenfassung nicht vollends überzeugt hatte.
Es war kein Fehler, mich für dieses Buch ...
Da ich Leuchttürme liebe, habe ich mich für das Buch mit dem wirklich schönen Cover entschieden, obwohl mich die Zusammenfassung nicht vollends überzeugt hatte.
Es war kein Fehler, mich für dieses Buch entschieden zu haben. Die Geschichte las sich zu Beginn etwas schwer, als ich mich nach wenigen Seiten hineingefunden hatte, konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen.
Mein Lieblingszitat ist:
„Der Ozean ist noch immer der größte Bildhauer der Welt“
Die „Prestigereiche Buchsammlung Muckle Fluggas“ würde ich am liebsten sofort besuchen und wie Ouse „ganze Nachmittage darüber verlieren, diese Bücher in Augenschein zu nehmen, die Bindung zu bewundern, über die Leineneinbände zu streichen, die erhaben geprägte Schrift zu befühlen, mit den seidenen Lesebändchen über meine Haut zu fahren.“ und ich würde gern „all diese Buchhandlungen besuchen, um als Bücherjäger in die Fußstapfen der Mutter zu treten“
Michael Pedersen hat „mit dem Aneinanderreihen von Worten“ um es mit den Worten des Autors zu sagen ein großartiges Buch in die Welt gebracht.
Man möchte am liebsten sofort auf Muckle Flugga reisen und unter anderem folgendes genießen:
„Es liegt Freude darin, wie die Felsen an jedem Sommertag in der Sonne schimmern. Das gibt mir Kraft.“
Insgesamt ein sehr besonderes Buch für mich und ich vergebe eine absolute Kaufempfehlung.
Schon optisch ist „Der letzte Leuchtturm“ ein Buch, das Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Gestaltung passt wunderbar zum Inhalt: rau, elegant, ein wenig entrückt und dabei sehr stimmig. Für mich war sofort ...
Schon optisch ist „Der letzte Leuchtturm“ ein Buch, das Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Gestaltung passt wunderbar zum Inhalt: rau, elegant, ein wenig entrückt und dabei sehr stimmig. Für mich war sofort spürbar, dass hier nicht nur eine Geschichte erzählt werden soll, sondern dass auch das Buch als Objekt mit viel Gespür gemacht wurde. Gerade bei einem Roman, der so stark von Ort und Atmosphäre lebt, macht das viel aus.
Inhaltlich führt uns Michael Pedersen auf eine abgelegene Insel der Shetlands, wo ein Vater und sein Sohn Ouse ein zurückgezogenes Leben am Leuchtturm führen. Viel mehr muss man über die Handlung eigentlich gar nicht wissen, denn die Stärke des Romans liegt nicht in spektakulären Wendungen, sondern in seinen Zwischentönen. Es geht um Einsamkeit, Herkunft, Verlust, Nähe, künstlerische Begabung und die Frage, ob man im Vertrauten bleiben oder den Mut zum Aufbruch finden soll. Diese Themen sind sehr fein und eindringlich umgesetzt.
Besonders beeindruckt hat mich der Schreibstil. Pedersen schreibt poetisch, bildhaft und mit einer ganz eigenen Sprachmelodie. Das ist kein Roman, den man hastig nebenbei liest. Man muss sich auf den Ton einlassen, auf die Atmosphäre, auf die Sprache. Genau das habe ich aber als große Stärke empfunden. Die Naturbeschreibungen, die raue Inselwelt und das Wetter sind so präsent, dass die Landschaft fast selbst zu einer Figur wird. Selten hat sich ein Setting für mich so lebendig angefühlt.
Auch die Figuren haben mich überzeugt. Ouse ist eine wunderbar gezeichnete Hauptfigur: sensibel, eigen, kreativ und in seiner inneren Zerrissenheit sehr glaubwürdig. Aber auch die anderen Figuren wirken nicht bloß als Gegenpole oder Handlungsträger, sondern vielschichtig und menschlich. Gerade das macht den Roman so stark: Er urteilt nicht vorschnell, sondern lässt seinen Figuren ihre Widersprüche.
Interessant war das Buch für mich vor allem deshalb, weil es sich wohltuend von vielen zeitgenössischen Romanen abhebt. Es ist sprachlich mutig, atmosphärisch dicht und emotional klug erzählt. Außerdem merkt man, dass hier ein Autor schreibt, der ein echtes Gefühl für Klang und Rhythmus hat. Ein ausdrückliches Lob verdient für mich auch der Übersetzer Stephan Kleiner, der diese besondere Sprache sehr überzeugend ins Deutsche übertragen hat. Solche Übersetzungen tragen ein Buch ganz wesentlich mit.
Fazit:
„Der letzte Leuchtturm“ ist ein Roman, auf den man sich einlassen muss – aber genau das lohnt sich. Wer literarische, atmosphärische und sprachlich markante Bücher schätzt, wird hier sehr viel finden. Ich empfehle das Buch besonders Leser*innen, die Figurenromane mit Tiefgang mögen und Freude an besonderer Sprache haben. Für mich war das ein eindrucksvolles, ungewöhnliches und sehr stimmiges Leseerlebnis.
Auf der schottischen Insel Muckle Flugga leben der Leuchtturmwärter und sein Sohn Ouse. Abgeschieden und isoliert vom Rest der Welt, fristen sie ein recht tristes Dasein und kommen über den Verlust der ...
Auf der schottischen Insel Muckle Flugga leben der Leuchtturmwärter und sein Sohn Ouse. Abgeschieden und isoliert vom Rest der Welt, fristen sie ein recht tristes Dasein und kommen über den Verlust der Mutter nicht hinweg. Ab und zu verirrt sich ein Vogelbeobachter zu ihnen auf die Insel. Sie fallen aber nicht weiter auf, sind ruhig und genügsam. Als der melancholische Schriftsteller Firth bei ihnen landet bringt er die Welt von Ouse ordentlich durcheinander. Sie freunden sich an und Ouse beginnt davon zu träumen, dass dieses Leben vielleicht noch mehr bietet als Muckle Flugga.
Michael Pedersen gelingt es, uns in die raue und mystische Insel Muckle Flugga zu entführen. Einmal angekommen, möchte man gar nicht mehr weg. Der Schreibstil ist sehr poetisch und anspruchsvoll. Man muss sich schon Zeit nehmen zum Lesen und auch den Kopf frei haben. Die Atmosphäre ist wunderbar eingefangen. Die windumtoste Insel, das raue Meer, einfach großartig. Bei schönen Naturbeschreibungen bin ich ja immer dabei. Auch die Tierwelt wurde so lebendig beschrieben. Da hätte ich auch gern mit beobachtet. Die Story begrenzt sich hauptsächlich auf drei Protagonisten. Der zarte, verträumte Ouse, der eigentlich nie von dieser Insel gehen kann. Sein Wunsch nach Freiheit, doch dann die Loyalität zum Vater, mit der er sein eigenes Gefängnis schafft. Dann der traurige, sensible Firth, der es schafft Ouse aus seiner Einsamkeit zu holen. Der Star in diesem Roman war für mich allerdings der Vater. Seine grantelige, ruppige Art ist erstmal abschreckend aber er ist so herrlich geradeaus und direkt. Das mochte ich sehr gern. Er hatte schon herrliche Sprüche drauf. Und tief drin ist er ein sehr einsamer Mann, der Angst hat seinen Sohn zu verlieren. Ihr seht, ich bin sehr angetan. Keine Klischees, ich liebe es!
Ein wunderbar atmosphärisches Buch mit einem zarten, poetischen Schreibstil, das es verdient mit voller Aufmerksamkeit gelesen zu werden. Ich möchte es euch sehr ans Herz legen.
💔 Was für ein großartiges Stück Literatur. Schäumend wie die wilde See und zart wie ein Straußenkücken, voller poetischer Wortgebilde, und doch niemals überfrachtet. Ich war angekommen auf Muckle Flugga. ...
💔 Was für ein großartiges Stück Literatur. Schäumend wie die wilde See und zart wie ein Straußenkücken, voller poetischer Wortgebilde, und doch niemals überfrachtet. Ich war angekommen auf Muckle Flugga. 💔
„Auf der Insel Muckle Flugga steht einer der beeindruckendsten Leuchttürme dieses oder sonst irgendeines Planeten. Seine ungestüme Perle aus Licht vermag Schiffe - und die Menschen darauf - ungeachtet von Sturm, Wind und Hagel in die Sicherheit zu geleiten. (…)“
„Der letzte Leuchtturm“ lebt und atmet durch zwei Dinge. Zum einen der rauen Schönheit der Insel, zum anderen den Protagonisten, die auf der Insel leben, sei es nur vorübergehend oder dauerhaft. Und natürlich vom allgegenwärtigen Meer, welches das Leben aller bestimmt.
Es ist eine Geschichte über Lebensabschnitte, über der Frage, ob Glück wirklich gleichbedeutend mit der Aufgabe ist, die schon Generationen verrichtet haben und ob man nicht seinem eigenen Schicksal folgen sollte. Ob man für andere lebt oder für sich selbst. Diese Fragen bewegen mich und rühren in mir.
Firth, ein junger Autor, will nicht mehr leben, er will einfach, dass alles endet. Doch zuvor will er noch den Worten seines Großvaters folgen und von Edinburgh auf die Shettlands reisen, um die Schönheit Muckle Fluggas zu bestaunen. Ouse ist der Sohn des verschlossenen Leuchtturmwärters, der irgendwann den Dienst an den Schiffen und Menschen von seinem Vater übernehmen soll - er lernt das Handwerk. Sein Vater gestattet ihm ein Zubrot - die Kunst. Er zeichnet, entwirft Strickmuster und verkauft die Ware auf den Märkten - und findet darin seine eigentliche Erfüllung. Als Firth und Ouse aufeinandertreffen, ist es für mich vergleichbar mit einer Naturgewalt. Sie sind zwei vollkommen konträre Persönlichkeiten. Firth mit seinem Dandygehabe und seiner Art, andere für sich einzunehmen, als Schutzschild, um seine eigentliche Persönlichkeit zu verstecken. Ouse, der es vor allem seinem Vater, der sich nach dem Tod seiner Mutter verändert hat, recht machen, keine Gewalt, physischer oder psychischer Natur provozieren möchte, aber doch so ganz anders ist, wenn sein Vater durch Abwesenheit glänzt. Firth erkennt schnell, dass sein Talent auf der Insel vergeudet wäre. Ouse muss eine Entscheidung treffen - und diese Entscheidungsfindung war so spannend für mich wie ein Krimi! Ich bin so gerne in die tiefgründige Mikrosoziologie der kleinen Insel eingetaucht. Der Roman fußt nicht auf Action und rasantem Tempo, eher auf den unterschiedlichen Perspektiven und Monologen der einzelnen Figuren - was für mich fabelhaft funktioniert hat. Mit der verbalen Auseinandersetzung keimte auch die Frage nach der Heimat und nach dem Ende von Lebensabschnitten auf.
Getragen wie auf einem monumentalen Podest wird der Roman durch seine poetische Sprache. Ich habe in jeder einzelnen Zeile gespürt, dass Michael Pedersen aus der Lyrik stammt, der Stil war außergewöhnlich, staunenswert und trotzdem passend für die Geschichte und für das stürmische Meer. Ich habe mich geärgert, dass ich keine Post It’s zur Hand hatte. Jede Zeile hätte einen Marker verdient.
Durch Pedersens Stil schimmert immer wieder der fantastische Realismus hindurch, sei es durch Ouse‘ besten imaginärem Freund, durch Träume, die in die Realität greifen oder durch blitzende Nächte im Leuchtturm.
Was für ein großartiges, eigenwilliges, stürmisches Stück Literatur. Ich habe jede Zeile geliebt. Für mich ein Highlight.
Großartig und feinfühlig übersetzt von Stephan Kleiner.
Michael Pedersen erzählt in seinem Romandebüt ‘Der letzte Leuchtturm‘, erschienen im DUMONT Verlag, wortgewaltig und einzigartig atmosphärisch mit poetischen Zügen, die Geschichte dreier Männer, die unterschiedlicher ...
Michael Pedersen erzählt in seinem Romandebüt ‘Der letzte Leuchtturm‘, erschienen im DUMONT Verlag, wortgewaltig und einzigartig atmosphärisch mit poetischen Zügen, die Geschichte dreier Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Ouse lebt mit seinem lieblosen und hartherzigen Vater, dem Leuchtturmwärter, als letzte Verbliebene auf der nördlichsten Insel Shetlands, auf Muckle Flugga. Ouse liebt es, sich künstlerisch auszudrücken. Er strickt schillernde, bunte Pullover, webt Teppiche und liebt die Bücher von Robert Louis Stevenson. Das Gefüge zwischen Sohn und Vater gerät mächtig ins Wanken, als der schwermütige Schriftsteller Firth aus Edinburgh auf die Insel kommt, um einen bestimmten Vogel zu finden und zu malen. Firth erkennt das Talent des jungen Ouse und ist gewillt dieses zu fördern, fördern zu lassen. Dieses Vorhaben geht dem Vater gewaltig gegen den Strich und sorgt für Konfliktpotenzial.
Die sprachliche Brillanz, die der Schriftsteller zeigt, seine wortgewaltige Ausdrucksweise, seine poetische Ader verleihen dem Roman eine Einzigartigkeit, die verstanden und geliebt werden möchte. Der Leser lernt die Gedanken und Gefühle der drei Protagonisten aus ihrer Perspektive kennen und verstehen. Eine vielschichtige Geschichte, die durch wunderschöne Naturbeschreibungen und charakterlichen Darstellungen lebt.