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Veröffentlicht am 21.03.2017

Wo ist Cora?

The Couple Next Door
3 0

Anne und Marco Conti sind bei ihren Nachbarn eingeladen. Cynthia will nicht, dass Dora, das Baby der Contis, bei der Geburtstagsfeier von Graham dabei ist. Die Babysitterin ist kurzfristig auch verhindert. ...

Anne und Marco Conti sind bei ihren Nachbarn eingeladen. Cynthia will nicht, dass Dora, das Baby der Contis, bei der Geburtstagsfeier von Graham dabei ist. Die Babysitterin ist kurzfristig auch verhindert. Also lassen die Contis das Kind alleine zu Hause. Sie gehen abwechselnd alle halbe Stunde nachsehen und kontrollieren ansonsten per Babyfon. Aber als sie dann nach Hause kommen, steht die Tür offen und Cora ist verschwunden.
Der Schreibstil der Geschichte ist recht nüchtern. Wir erfahren hauptsächlich aus der Sicht von Anne und Marco, was geschehen ist.
Als Detective Rasbach auf den Plan tritt, gehen noch alle davon aus, dass die Lösegeldforderung sehr bald eingehen wird. Aber es dauert einige Tage, bis es soweit ist. In der Zwischenzeit gibt es zwar keine eindeutigen Spuren, aber eine ganze Reihe Indizien, die dafür sorgen, dass der Leser genau wie Rasbach eigentlich alle beteiligten Personen für verdächtig hält.
Marcos Firma läuft nicht gut und er braucht frisches Geld. Annes Eltern haben zwar für das Haus und eine Finanzspritze bei der Gründung von Marcos Unternehmen gesorgt, aber sie lassen ihren Schwiegersohn auch spüren, dass sie nichts von ihm halten. Anne leidet seit der Geburt zwar auch unter Depressionen, aber sie hat auch Geheimnisse. Da ist sie nicht die einzige, auch Cynthia und Graham wollen etwas geheim halten.
Der Plot bietet eigentlich alles, was ein guter Psychothriller braucht. Eigentlich… Aber ich bekam nicht wirklich einen Zugang zu dieser Geschichte. Immer wieder gibt es Wendungen, die meine Überlegungen bezüglich des Täters über den Haufen warfen. Wer sagt eigentlich die Wahrheit? Immer hatte ich das Gefühl, dass alle lügen. Anne und Marco sind verzweifelt, das ist deutlich spürbar, aber zunehmend verspürend sie auch Misstrauen gegenüber dem Partner. Aber auch rundherum sind die unterschiedlichsten Abgründe im Spiel, so viele, dass es mir schon fast zu viel wurde. Mit keinem der Charaktere konnte ich mich identifizieren und Mitgefühl empfinden. Am Ende klärt sich dann zwar alles schlüssig, aber recht abrupt.
Vielleicht waren aufgrund der Vorschusslorbeeren meine Erwartungen zu hoch. Aber für mich hielt sich die Spannung in Grenzen.

Veröffentlicht am 21.12.2017

Ein Dorf schweigt

Galgenhügel
2 0

Zelten im Herbst im Münsterland kann ungemütlich sein, wie eine Familie feststellen muss. Aber es kommt noch schlimmer, denn ihr Sohn Timo findet am Galgen auf dem Galgenhügel eine Leiche. Es handelt sich ...

Zelten im Herbst im Münsterland kann ungemütlich sein, wie eine Familie feststellen muss. Aber es kommt noch schlimmer, denn ihr Sohn Timo findet am Galgen auf dem Galgenhügel eine Leiche. Es handelt sich um die bekannte Schauspielerin Ellen Gerwing, die zuletzt in den Schlagzeilen war, weil sie einen Flugzeugabsturz überlebt hat. Alles sieht nach einem Selbstmord aus, aber Kommissar Heinrich Tenbrink hat seine Zweifel, ganz besonders, als er erfährt, dass Ellens Zwillingsschwester vor sechzehn Jahren nach einer Silvester-Party bei einem Unfall auf dem Hügel ums Leben kam. Er ist überzeugt, dass Ellens Tod mit der Vergangenheit zu tun hat. Oberstaatsanwältin Derksen würde den Fall am liebsten als Selbstmord zu den Akten legen, doch Tenbrink und sein Kollege Maik Bertram haben ein paar Tage, um der Sache nachzugehen. Aber den Bewohnern von Ahlbeck gefällt es nicht, dass die Polizei in der Vergangenheit herumwühlt.
Dieser Krimi aus dem Münsterland lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Ich konnte mir auch die Gegend mit ihrem Wald und den Mooren gut vorstellen. Nimmt man die trüben Wetterbedingungen dazu, so spürt man eine ganz besondere Atmosphäre. Die Grenze zu den Niederlanden ist nah und der Kollege Bonnema jenseits der Grenze ist sehr hilfsbereit. So lernen wir nicht nur den Münsterländer Dialekt kennen, sondern auch gleich noch einige Brocken Niederländisch.
Es gibt eine Reihe von Vorurteilen über die Westfalen und Tenbrink ist mit seinem Dickschädel ein Paradebeispiel. Er weiß aber auch, wie er seine Mitmenschen zu nehmen hat. Wenn ein Bibelzitat oder ein bisschen Jagdwissen die Leute zum Reden bringt, dann nutzt er das gerne aus. Aber seine Erinnerungslücken, die er mit umfangreicher Zettelwirtschaft kaschiert, geben Anlass zur Sorge. Zum Glück hat er in Bertram einen Kollegen, der ihn unterstützt und deckt. Doch auch Bertram hat seine Geheimnisse, über die Tenbrink hinwegsieht. Kurz gesagt: Sie profitieren voneinander.
Nach Ellens Tod ist von der Familie Gerwing nur noch Anne übrig, die erfolgreich ein Wellness-Hotel im Schulzenhof bewirtschaftet. Über die alleinstehende taffe Frau hört man im Dorf nur Gutes. Tenbrink ist auf Stöbereinsatz und lässt sich auch nicht bremsen, als die Ermittlungen eingestellt werden. Auch wenn mehr verschwiegen als ausgesagt wird, erfährt er doch einiges oder kann es sich zumindest zusammenreimen. Aber wie passt alles zusammen?
Die Personen sind alle sehr gut und individuell ausgearbeitet. Ich konnte ihre Gedanken und Handlungsweisen nachvollziehen.
Es ist eine komplexe Geschichte, die dazu verführt mit zu ermitteln und der Polizei hoffentlich voraus zu sein. Aber immer wieder gibt es Wendungen, die meine Überzeugungen wieder in Frage stellten, und so blieb es spannend. Das dramatisch Ende bringt dann noch einige Überraschungen und es bleibt eine entscheidende Frage offen. Daher bin ich schon gespannt auf den Folgeband.
Ein toller Regionalkrimi. Lesen!

Veröffentlicht am 06.02.2018

Packend

Schlüssel 17
1 0

Domorganist Winkler macht einen erschreckenden Fund. Dompfarrerin Dr. Brigitte Riss hängt in der Kuppel des Domes, mit Flügeln hergerichtet wie ein schwarzer Engel. Um den Hals trägt sie einen Schlüssel ...

Domorganist Winkler macht einen erschreckenden Fund. Dompfarrerin Dr. Brigitte Riss hängt in der Kuppel des Domes, mit Flügeln hergerichtet wie ein schwarzer Engel. Um den Hals trägt sie einen Schlüssel mit der Zahl 17.
Tom Babylon vom LKA ist elektrisiert. Seine Schwester Viola hatte auch solch einen Schlüssel, als sie vor vielen Jahren verschwand. Er setzt alles daran, in diesen Fall zu ermitteln. Aber leider erhält er eine Partnerin – die Psychologin Dr. Sita Johanns.
Dies ist mein erstes Buch von Marc Raabe, aber sicherlich nicht mein letztes.
Der Schreibstil ist gut zu lesen und packend. Es gibt verschiedene Handlungsstränge, bei denen der geheimnisvolle Schlüssel eine Rolle spielt, und die sich erst mit der Zeit zusammenfügen.
Babylon ist ein Kommissar, an dem man sich reiben kann. Er wollte diesen Fall, doch viel wichtiger ist ihm zu erfahren, was mit seine Schwester geschehen ist. So kümmert er sich auch wenig um die Regeln. Trotzdem mochte ich ihn. Die Psychologin Johanns hat auch ihre Geheimnisse, aber sie ist dennoch sympathisch. Nachdem sich die beiden aneinander gewöhnt haben, bilden sie ein gutes Team und das muss auch so sein, denn sie müssen weit zurück in die Vergangenheit um die Lösung zu finden und was sie zutage fördern ist ein wahrer Sumpf.
Es gibt immer wieder neue Wendungen, die dafür sorgen, dass die Spannung erhalten bleibt und erst am Ende fügen sich alles schlüssig zusammen und man erfährt, wer der Täter ist.
Ich kann diesen spannenden Thriller nur empfehlen.

Veröffentlicht am 09.01.2018

Die Vergangenheit ist nicht tot

Das Lied der toten Mädchen
1 0

Der Journalist Jan Römer beschäftigt sich mit ungelösten Kriminalfällen. Unterstützt wird er dabei von seiner Kollegin Stefanie Schneider, genannt „Mütze“. Er rollt den Fall der im Herbst 1997 ermordeten ...

Der Journalist Jan Römer beschäftigt sich mit ungelösten Kriminalfällen. Unterstützt wird er dabei von seiner Kollegin Stefanie Schneider, genannt „Mütze“. Er rollt den Fall der im Herbst 1997 ermordeten 19-jährigen Sonja Risse wieder auf, die auf dem Wilzenberg im Sauerland gefunden wurde. Sie wurde mit einem Stich ins Herz getötet und als einzigen Hinweis auf den Täter gab es am Fundort eine Spieluhr, die »Hush little baby« spielte. Römer versucht in dem Heimatort von Sonja Risse mehr herauszufinden, denn es gibt einige Ungereimtheiten. Als Jan und Mütze glauben, der Lösung näher zu kommen, gibt es eine weitere Tote und am Fundort wieder eine Spieluhr. Haben die Recherchen den Täter nach der langen Zeit aufgeschreckt?
Dies ist nach „Die Lichtung“ und „Und am Morgen waren sie tot„ das dritte Buch aus der Reihe um den Journalisten Jan Römer. Obwohl ich die Vorgängerbände nicht kenne, habe ich kein Problem mich in dieses Buch hineinzufinden.
Das Buch lässt sich gut und flüssig lesen.
Jan Römer und Stefanie Schneider sind ein gutes Team, sie ergänzen sich perfekt. Römer hat private Probleme und in einer depressiven Phase. Daher braucht es ein wenig, bis er sich auf die Sache einlassen kann, aber dann ist seine journalistische Spürnase voll da. Stefanie Schneider ist sympathisch und clever.
Die Tote Sonja schien bei allen beliebt zu sein, ihre Mutter hatte allerdings ihre Schwierigkeiten mit der Tochter. Sonja war klug und hatte auch Pläne für die Zeit nach dem Abitur. Sie kellnerte in einem Haus im Wald, welches kurz nach ihrem Tod abgerissen wurde. Was für ein Geheimnis umgab diese junge Frau?
Es ist nicht einfach einen Fall aufzurollen, der schon so lange her ist. Außerdem rückt keiner so recht mit der Sprache heraus. Daher sind es keine einfachen Recherchen für die ermittelnden Journalisten und doch klärt sich am Ende alles schlüssig auf.
Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen.

Veröffentlicht am 18.12.2017

Ein sehr spannender Thriller

Die perfekte Gefährtin
1 0

Luc Callanach ist gerade erst nach Schottland gekommen, um hier als Detective Inspector zu arbeiten, als er zu einem Leichenfund außerhalb von Edinburgh gerufen wird. Eine Hütte ist abgebrannt und ein ...

Luc Callanach ist gerade erst nach Schottland gekommen, um hier als Detective Inspector zu arbeiten, als er zu einem Leichenfund außerhalb von Edinburgh gerufen wird. Eine Hütte ist abgebrannt und ein Stofffetzen lässt darauf schließen, dass es sich bei der verkohlten Leiche um die seit Tagen verschwundene Anwältin Elaine Buxton handelt.
Aber der Täter hat akribisch alles geplant, um die Ermittlungen in die falsche Richtung zu lenken. In Wirklichkeit hält er Elaine gefangen, um sie zu einer perfekten Gefährtin zu machen. Er verfährt ein wenig nach dem Motto „Zuckerbrot und Peitsche“, trotzdem leistet Elaine immer noch Widerstand. Das veranlasst den Täter, sich weiter nach einer Frau umzusehen, die seinen Ansprüchen besser genügt.
Das Buch vermag von Anfang an zu fesseln. Obwohl der Täter sehr früh bekannt ist, bleibt es auch weiterhin spannend, denn es gibt eine ganze Reihe überraschender Wendungen. Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, aber meistens aus der Sicht von Luc Callanach und dem Täter.
Luc Callanach tritt seinen Dienst an und seine Antrittsansprache machte ihn mir nicht gerade sympathisch. Zuvor war er bei Interpol und es ist etwas geschehen, das ihn aus Frankreich nach Schottland gebracht hat. Je mehr ich über ihn erfuhr, umso besser konnte ich ihn verstehen und seine andere Seite kennenlernen, so dass ich ihn dann doch mochte. Seine sympathische Kollegin Ava macht es ihm leicht, in seinem neuen Job anzukommen. Sie ist mit einem Fall beschäftigt, bei der Babys irgendwo abgelegt werden. Ihr Fall ist beinahe genauso erschreckend wie Lucs Fall. Ich konnte nicht begreifen, wie man so mit Kindern umgehen kann.
Die Gedankengänge des Täters sind grauenhaft und krank, aber sie sind leider auch glaubwürdig. Er ist absolut von seiner Intelligenz überzeugt und plant alles sehr pedantisch. Aber manchmal steckt der Teufel im Detail.
Der Fall verlangt Luc einiges ab und auch die Kollegen, bis auf Ava, machen es ihm nicht leicht. Ein Profiler wird hinzugezogen, der aber auch nicht die erwartete Unterstützung ist. Der Täter scheint einfach immer ein Schritt schneller zu sein.
Ich kann diesen sehr spannenden Thriller nur empfehlen.