Teilweise poetisch, aber zerfahren
Das Mosaik der FrauenNadim Suri ist alt, sehr reich und todkrank. In einer Klinik in Deutschland verbringt der herzkranke Mann seine letzten Tage und blickt zurück. Sein Wunsch ist es, einem Autoren, der wie er selbst syrische ...
Nadim Suri ist alt, sehr reich und todkrank. In einer Klinik in Deutschland verbringt der herzkranke Mann seine letzten Tage und blickt zurück. Sein Wunsch ist es, einem Autoren, der wie er selbst syrische Wurzeln hat, sein bewegtes Leben zu erzählen. Er möchte besonders aufzeigen, wie die Frauen seines Lebens (und es waren einige) ihn nachhaltig beeinflusst und geprägt hatten. Seine besten Charakterzüge will er den Frauen seines Lebens verdankt haben. So erzählt er dem Zuhörer seine Erinnerungen, beginnend mit seiner Kindheit als syrischer Christ in Damaskus.
Es folgt eine lose Aneinanderreihung von Erlebnissen, Liebschaften und Geschichten, die immer neue und fernere Personenkreise einschliessen. Dazu betont der Protagonist gerne, wie sehr er die Frauen stets achtete, verehrte und respektierte, und damit dem gewohnten arabischen Vorbild nicht folgte. Als Regimekritiker kommt er auch immer wieder mit den jeweiligen Repräsentanten und Schergen des syrischen Diktatur in Berührung, erleidet Verluste und muss sogar fliehen. Verfolgung, Terror, Mord und Unterdrückung werden anhand vieler Beispiele beschrieben.
Von arabischer Erzählkunst ist dieser Roman weit entfernt, bzw. ich habe falsche Vorstellungen davon. Immer wieder erkannte ich gute Ansätze, z.B. bei der Schilderung des Aufwachsens im lebendigen christlichen Viertel von Damaskus. Schon nach kurzer Zeit wurde abgeschweift um irgendedeine Anekdote eines Nachbarn zu berichten. Der Patient musste sich wiederholt selbst ermahnen, weil er erneut abgelenkt war, was mich mit der Zeit gelangweilt hat.
Von den zahlreichen Verflossenen der Hauptfigur ist mir nach Buchende nicht eine einzige Frau in Erinnerung geblieben, weder namentlich noch inhaltlich. Zu blass sind sie geblieben. Pluspunkte gibt es für die mutige Regimekritik, den Bericht über das Kriegsgrauen und die schonungslose Darstellung der Rolle der Frau in diesem Kulturkreis. Gerne würde ich positivere Bilanz ziehen, doch Vorschusslorbeeren und Promiboni verteile ich nicht, auch nicht bei grosse Namen. Dieser Roman ist für mein Empfinden so schwach auf der Brust geblieben, wie der Protagonist der Geschichte.