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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2026

Abstrus Allegorisch Frustrierend

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Der Klappentext verspricht eine feministische Geschichte. Ich habe diese nicht erkennen können.
In einem Keller werden vierzig Frauen in einem Käfig gefangen gehalten, schon seit vielen Jahren. Später ...

Der Klappentext verspricht eine feministische Geschichte. Ich habe diese nicht erkennen können.
In einem Keller werden vierzig Frauen in einem Käfig gefangen gehalten, schon seit vielen Jahren. Später leben sie in einem leeren Land, und ganz ohne Männer. All das erzählt die jüngste von ihnen, die keinerlei Erinnerung an ein Leben „davor“ hat.
Die Handlung ist recht abstrus. Was ist das für ein Land? Wer hat diese Frauen eingesperrt, und warum? Was ist passiert, was war vorher? Ähnlich wie in Haushofers „Die Wand“ erlebt die Protagonistin Dinge, die sie nicht versteht und die bis zum Schluss nicht aufgeklärt werden. Das funktioniert nicht so recht als Geschichte. Nur wenn man willens ist, es als Allegorie zu lesen, findet man zumindest einige Fragestellungen, die spannend und interessant sind.
Die Charaktere der Frauen bleiben bis auf wenige ziemlich nebulös. Mehr als einen Namen erfahren wir meist nicht. Sie alle sind resigniert bis zur Suizidalität. Auch nach dem Verlassen des Käfigs geht es nur ums Überleben. Kein Aufbäumen, keine Sinnsuche, keinerlei Initiative. Nur die namenlose Protagonistin zeigt ein wenig Neugier. Wenn das alles ist, was Feminismus und Emanzipation sein können, dann ist das sehr frustierend.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Übersinnlich

Die Geister von La Spezia
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Mit einer übersinnlichen Reise in die Erinnerungen der Autorin Mary Shelley soll das Geheimnis um den Tod ihres Ehemannes Percy aufgeklärt werden.
Die Idee, gezielt in die Erinnerungen eines Menschen zu ...

Mit einer übersinnlichen Reise in die Erinnerungen der Autorin Mary Shelley soll das Geheimnis um den Tod ihres Ehemannes Percy aufgeklärt werden.
Die Idee, gezielt in die Erinnerungen eines Menschen zu reisen, um etwas zu erfahren, ist spannend. Mit dieser Voraussetzung entsteht eine wilde Reise, auf der die Perspektiven wechseln wie die Menschen, in deren Erinnerung sich die Protagonistin gerade aufhält. Entsprechend unterschiedlich sehen die Dinge und die Menschen aus, und auch die Ereignisse sind nicht genau dieselben.
Eine Voraussetzung, um diese Geschichte zu verstehen ist, dass man sich mit den historischen Personen auskennt. Ein hilfreiches Namensverzeichnis gibt es nicht. Wie die Verwandtschaften und Beziehungen zusammen hängen, wird nicht erklärt sondern vorausgesetzt. Das machte mir das Lesen recht schwer.
Die Charaktere sind mir alle recht fremd geblieben. Die Sprünge zwischen verschiedenen Zeiten und Lebensphasen waren für mich kaum zu durchschauen und die Entwicklungen der Personen blieben unklar.
Der Stil ist flüssig zu lesen, die Atmosphäre geheimnisvoll und gespenstisch. Wer in die Literaturgeschichte und in die Zeit der Erschaffung von Frankensteins Monster eintauchen möchte, findet hier eine neue Version.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Sinnlich und poetisch

Melken
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Ellen ist lesbisch und hat in der Stadt Karriere gemacht. Nach einer Trennung besucht sie den Hof, auf dem sie aufgewachsen ist. Sie trifft einen Freund aus Kindertagen wieder.
Die Geschichte ist recht ...

Ellen ist lesbisch und hat in der Stadt Karriere gemacht. Nach einer Trennung besucht sie den Hof, auf dem sie aufgewachsen ist. Sie trifft einen Freund aus Kindertagen wieder.
Die Geschichte ist recht handlungsarm. Die Protagonistin schildert Erinnerungen an ihre Kindheit auf dem Milchhof. Durch die Naturbeschreibungen wirkt diese Kindheit geradezu idyllisch. Doch für ihre Eltern war es harte Arbeit, an jedem einzelnen Tag. Inzwischen wird der Hof längst nicht mehr bewirtschaftet, Fremde wohnen hier. Nicht nur die Kindheit der Protagonistin ist vorbei, die Lebensweise der kleinen Bauern ist es auch. Der Gegensatz zwischen dem Lebensgefühl in der Stadt und dem auf dem Land wird in der Protagonistin sehr deutlich. Die Fichtenwälder, durch die Ellen heimfährt, sind für die Bauerstocher ein Friedhof.
Der Stil ist poetisch und sehr sinnlich. Das ist schön zu lesen. Es ist ein leises Buch, von Empfindungen und Wahrnehmungen getragen, in dem nicht viel passiert. Weil es eher eine Betrachtung ist als ein Roman, vergebe ich nur drei Sterne.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Unterhaltsam

Das White Octopus Hotel
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Das White Octopus Hotel ist längst geschlossen und verfällt. Die Kunstgutachterin Eve Shaw ist mit diesem Hotel verbunden. Sie trägt ein Oktopus-Tattoo, das über ihren Körper zu wandern pflegt. Außerdem ...

Das White Octopus Hotel ist längst geschlossen und verfällt. Die Kunstgutachterin Eve Shaw ist mit diesem Hotel verbunden. Sie trägt ein Oktopus-Tattoo, das über ihren Körper zu wandern pflegt. Außerdem trägt sie eine schwere Schuld mit sich herum. Als sie das Hotel betritt, wird sie in die Vergangenheit versetzt. Kann sie sich auf diesem Weg von ihrer Schuld befreien?
Eve ist eine sympathische Heldin, die zu Beginn verletzlich und unsicher wirkt. Doch sie ist etablierte Gutachterin in einem Museum, und ihre Expertise ist gefragt. Sie wird mit Geheimnissen konfrontiert, auf die sie nicht vorbereitet ist. Auch die zweite Hauptperson, ein Soldat aus den Schützengräben des ersten Weltkrieges, wirkt glaubhaft und lebendig.
Der Stil ist sehr ansprechend und bildhaft. Es entsteht eine mystische, gruselige Atmosphäre, voller Emotionalität und Spannung. Es ist nicht immer alles leicht zu verstehen, da die Zeitreisen auch Schleifen bilden. Da ist es hilfreich, dass beinahe jedes Kapitel mit den Namen der jeweiligen Hauptperson und der Zeit überschrieben ist, in der es spielt. Immer neue Rätsel sind zu lösen. Das Ende fand ich allerdings unbefriedigend. Nach so viel Verwirrung hätte es mir besser gefallen, wenn sich die einfache Wirklichkeit wieder eingestellt hätte.
Ich hätte Eve lieber in einem rein realistischen Setting weiter begleitet. Die Zeitreisen kamen mir doch ein bisschen konstruiert vor. Außer der Pracht des Luxushotels ist mir wenig in Erinnerung geblieben. Am besten gefielt mir der Kleiderschrank, der immer nur ein einziges Outfit enthielt: das Passende.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Komplex und brutal

Kala
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In einem kleinen Ort an der irischen Küste wachsen Anfang der 2000er Jahre sechs Jugendliche zusammen auf. Eine von ihnen verschwindet spurlos, ein anderer wird schwer verletzt, ein dritter stirbt. Fünfzehn ...

In einem kleinen Ort an der irischen Küste wachsen Anfang der 2000er Jahre sechs Jugendliche zusammen auf. Eine von ihnen verschwindet spurlos, ein anderer wird schwer verletzt, ein dritter stirbt. Fünfzehn Jahre später werden die damaligen Ereignisse wieder aufgerollt, als ein menschliches Skelett gefunden wird.
Die vier Hauptpersonen in diesem Buch berichten alle aus ihrer jeweils eigenen Sicht, und zwar sowohl die Geschichte von damals als auch die von heute. Sie alle sind glaubwürdig dargestellt, besonders als die pubertierenden Jugendlichen im kleinen Dorf der Vergangenheit. Das ist schön zu lesen. Doch es sind ja insgesamt acht verschiedene Storys. Viel zu viele Perspektiven, als dass man dem aktuellen Geschehen gut folgen könnte, obwohl es nur wenige Tage umfasst. So wird das Lesen zu einer komplexen Ermittlungsarbeit, die die Spannung zerstört. In welche Richtung das Ganze geht, wird erst auf den letzten 50 Seiten klar. Bis dahin herrscht eine zunehmend dichte Atmosphäre von Angst und Ungewissheit, was es durchaus spannend machen könnte, wenn man immer genau wüsste, wer gerade was weiß und denkt und getan hat usw. Es gibt viel Brutalität in der Geschichte, die beschriebenen Grausamkeiten hätten eine Triggerwarnung verdient.
Insgesamt eher enttäuschend und manchmal etwas länglich.

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