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Veröffentlicht am 10.03.2026

Was ist Heimat?

Real Americans
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Das Buch von Rachel Khuong gliedert sich in drei Teile.

Im ersten Teil erleben wir mit der jungen Lily, wie sie Matthew kennenlernt, einen Sohn aus reichen Haus und ihn heiratet. Aber Lilys Mutter verhält ...

Das Buch von Rachel Khuong gliedert sich in drei Teile.

Im ersten Teil erleben wir mit der jungen Lily, wie sie Matthew kennenlernt, einen Sohn aus reichen Haus und ihn heiratet. Aber Lilys Mutter verhält sich komisch gegenüber Matthews Vater und man erfährt nicht, was dahintersteckt.

Der zweite Teil widmet sich Nick, den inzwischen erwachsenen Sohn von Lily, der nun mit seiner Mutter auf einer einsamen Insel im Staat Washington lebt, in maximaler Entfernung zu Matthew. Zusammen mit seinem Freund nimmt er aber heimlich Kontakt zu Matthew auf und die beiden kommen sich wieder näher. Matthew unterstützt Nick bei seinem Studium und versucht eine engere Beziehung zu dem Jungen aufzubauen.

Erst im dritten Teil erfahren wir mehr über die Zusammenhänge, denn May, Lilys Mutter, berichtet über ihre Erinnerungen an China und ihre Flucht in die USA. Dort kann sie wieder als Biologin arbeiten und versucht sich anzupassen, sie will eine echte Amerikanerin werden. Viele offene Fragen aus den beiden ersten Teilen werden jetzt geklärt.

Mit hat das Buch sehr gut gefallen. Das Cover mit der Auster hat mich sehr angesprochen, denn viele der Figuren in dem Buch sind sehr verschlossen und haben Probleme echte Beziehungen zu anderen aufzubauen.

Der erste Teil ist der am wenigsten spannende Abschnitt, denn es sind einfach noch zu viele Fragen offen und man kann zu Lily nicht unbedingt eine Beziehung aufbauen. Auch im weiteren Verlauf des Buches ist sie mir fremd geblieben. Nick war die Person, die ich am besten verstehen konnte, er wollte mehr über seine Vergangenheit erfahren und das wurde ihm von seiner Mutter verwehrt. May dagegen hat viele schlechte und wirklich schlimme Erfahrungen gemacht, besonders im China unter Mao. Diese Erfahrungen sind in ihrem ganzen Leben eine schwere Bürde und sie kann sich nie ganz davon lösen. Der Anpassungsdruck in Amerika ist groß, sie will auch dort nicht auffallen und unter dem Radar bleiben.

Das Buch liest sich leicht und flüssig und spricht viele aktuelle Themen an. Migration, Verlust der Heimat, Genforschung und ihre Grenzen, Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sind nur einige von ihnen. Ein lesenswertes Buch für alle, die tragische Familiengeschichten mögen!

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Sehr reflektiert

Schwarzer September
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Es ist Sommer in Fiumetto an der ligurischen Küste, ein Sommer voller Sonne für den zwölfjährigen Gigio. Doch er wartet auf seine Freundin Astel, mit der er seine Stunden am Strand verbringen will. In ...

Es ist Sommer in Fiumetto an der ligurischen Küste, ein Sommer voller Sonne für den zwölfjährigen Gigio. Doch er wartet auf seine Freundin Astel, mit der er seine Stunden am Strand verbringen will. In diesem Jahr, 1972, wartet er lange vergeblich und muss seine Zeit mit seiner jüngeren Schwester Gilda und seiner irischen Mutter verbringen. Aber als Astel endlich kommt, beginnt ein Sommer voller Glück und Verheißungen für die beiden Kinder. Sie übersetzen englische Songtexte, schauen die Olympiade in München bis zu jedem schrecklichen Tag, als das Attentat auf die Spiele stattfindet und außerdem Gigios und Astels ganze Welt plötzlich zusammenbricht.
Gigio, der Ich-Erzähler, schildert die Ereignisse aus seiner Sicht als Erwachsener, aber er kann sich noch gut in den Zwölfjährigen hineinversetzen, der er einmal war. Dabei reflektiert er seine Gedanken und die Ereignisse sehr intensiv. Allerdings macht genau das das Buch auch etwas langatmig. Man möchte unbedingt wissen, wie der Sommer weitergeht und Gigios Gedanken halten diesen Fluss der Ereignisse immer wieder auf. Deshalb ist das Buch nicht einfach zu lesen und man braucht Geduld. Allerdings formuliert Veronesi sehr gekonnt und in einer ausgesprochen schönen Sprache, was mich mit der Langatmigkeit etwas versöhnt hat.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

Tragisch

Kala
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Alle zehn Jahre bringt Donna Tartt angeblich ein neues Buch auf den Markt und es wird sehnsüchtig erwartet. Die zehn Jahre seit "Der Distelfink" sind vorbei und man wartet immer noch. Aber dieses Buch ...

Alle zehn Jahre bringt Donna Tartt angeblich ein neues Buch auf den Markt und es wird sehnsüchtig erwartet. Die zehn Jahre seit "Der Distelfink" sind vorbei und man wartet immer noch. Aber dieses Buch ist ein vollwertiger "Ersatz" und ein großartiges Debüt von Colin Walsh.
Das Titelbild zeigt, um was es in diesem Buch geht: mehrere verschwommene Personen, von denen eine durchgekrakelt ist. Da ist nichts wirklich zu fassen, alles bleibt vage. So ist auch der Beginn des Buches, man weiß zuerst nichts einzuordnen. Und die große Frage ist: Wer war Kala, die vor 15 Jahren verschwunden ist? Was ist mit ihr geschehen? Warum tauchen ausgerechnet jetzt ihre Knochen auf, als Helens Vater und Aidans Mutter heiraten wollen? Kalas drei Freunde Mosh, Joe und Aidan und ihre beiden überlebenden Freundinnen Helen und Aoife stehen im Mittelpunkt der Ereignisse. Allerdings hat sich Aidan vor vielen Jahren umgebracht und Aoife lebt ein bürgerliches Leben mit Mann und Kindern in der Nachbarstadt. Daher erzählen Joe, Mosh und Helen die Ereignisse aus ihrer eigenen Sicht, die sich manchmal überschneidet, manchmal aber auch abweicht.
Das Buch beginnt recht verhalten, steigert sich aber von Kapitel zu Kapitel bis zum fast unerträglich spannenden Ende. Die Charaktere der Figuren werden sehr fein ziseliert herausgearbeitet. Besonders vielsagend ist, dass Joe, der inzwischen ein Star in der Musikszene geworden ist, von sich nur in der zweiten Person spricht, er hat eine innere Distanz zu den anderen Menschen und auch zu sich selbst.
Ich konnte kaum glauben, dass Walshs Buch sein Erstling ist, es ist einfach perfekt durchkomponiert und reißt die Leser von Seite zu Seite mehr mit. Es braucht den Vergleich mit Donna Tartt, besonders mit "Die geheime Geschichte", nicht zu scheuen.
Das Werk ist garantiert eines meiner Bücher des Lesejahres!

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Chance oder Risiko?

Happy Head
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Sebastian ist 17, schüchtern und ängstlich. Nun bekommt er seine große Chance bei einer Teilnahme an der Maßnahme "Happy Head", bei der Jugendliche auf das Erwachsenenleben vorbereitet werden sollen. Abgesondert ...

Sebastian ist 17, schüchtern und ängstlich. Nun bekommt er seine große Chance bei einer Teilnahme an der Maßnahme "Happy Head", bei der Jugendliche auf das Erwachsenenleben vorbereitet werden sollen. Abgesondert auf einem riesigen Grundstück in Schottland sollen die Jugendlichen Verantwortung, Wachstum und Dankbarkeit lernen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass einige der Challenges recht grausam sind und eine gnadenlose Auslese stattfindet. Sebastian schlägt sich gut, aber auch ihm kommen Zweifel, besonders als er sich in Finn verliebt, der ihm sagt, er solle niemandem trauen.
Das Buch ist von der Aufmachung her mit dem auffälligen Farbschnitt eher für Jugendliche gedacht, aber auch ich als älterer Mensch habe es gern gelesen. Die Entwicklung von Sebastian vom schüchternen Jungen zum kreativen Anführer hat mich fasziniert, er holt alles aus sich heraus, als die Gefahr immer größer wird.
Das Thema finde ich hochaktuell, die Manipulationen, denen die Jugendlichen ausgesetzt sind, machen nachdenklich und haben mich an die "Camps" der rechten Szene denken lassen, in denen schon Kinder und Jugendliche auf die rechtsradikale Linie eingeschworen werden.
Leider endet das Buch mit einem heftigen Cliffhanger, es schreit geradezu nach einer Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Er oder ich!

Das Signal
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Ursula Poznanski bürgt für Hochspannung, das ist auch bei diesem Buch so.
Viola hat ein Bein verloren. Nach dem Einsturz der Decke des alten Weinkellers auf ihrem Grundstück konnte sie sich nur mühsam ...

Ursula Poznanski bürgt für Hochspannung, das ist auch bei diesem Buch so.
Viola hat ein Bein verloren. Nach dem Einsturz der Decke des alten Weinkellers auf ihrem Grundstück konnte sie sich nur mühsam aus den Trümmern retten und das zertrümmerte Bein musste amputiert werden. Zum Glück steht ihr Mann Adam ihr selbstlos bei und sorgt dafür, dass eine Haushaltshilfe sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus unterstützt.
Doch dann stimmt etwas nicht. Ist Otilia, die Helferin, eher eine Spionin? Erzählt Adam immer die Wahrheit über seine Abendtermine? Viola installiert Tracker und die Erkenntnisse sind bitter. Statt nach London zu fliegen ist Adam in einem Hotel in Wien. Statt im Büro zu sitzen sucht er eine Frauenarztpraxis auf. Die seltsamen Vorfälle häufen sich. Stimmt eigentlich alles, was man Viola über den Unfall erzählt hat? Sie wird immer misstrauischer und stellt eigene Nachforschungen an. Denn auch Viola hat ein Geheimnis, das sie um jeden Preis bewahren will.
Das Buch ist sehr raffiniert geschrieben. Viola erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht und mit ihr zusammen entdeckt man die Geheimnisse hinter der Ehe mit Adam. Auch wenn ich nach einiger Zeit ahnen konnte, welche Frau hinter der ganzen Sache steht, war das Buch doch bis zum Schluss spannend und ich bin in zwei Tagen durch die 400 Seiten geflogen.
Ein Psychokrimi der Spitzenklasse! Poznanski hat mich wieder einmal gefesselt.

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